Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-08-23. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 228, 1916-08-23. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 228 23. August 1916 ────────── Die Schlacht an der Somme. Feindliche Angriffe nördlich und südlich der Somme gescheitert. — Neue vergebliche russische Anstürme. — Erfolgreicher Fortgang der Angriffe auf die Salonikifront. ' Im Westen haben die englischen Angriffe wieder an Ausdehnung zugenommen, sie wur­ den aber überall abgewiesen. Nur ein vor­ springendes Grabenstück bei 'Pozieres mußte dem Feinde überlassen werden. Ter Haupt-' kämpf dretzte sich um das Torf Guillempnt. Tie Entscheidung wogte hin und per, doch ge­ lang es den tapferen Württembergern vom Regimenre "Kaiser Wilhelm" die Engländer schließlich! wieder aus dem Torfe zu wer-' fen und dasselbe zu behaupten. Auch die Franzosen griffen zwischen Estrees und Sohecourt nach längerer Pause wieder an, mußten aber gleichfalls mit blutigen Köpfen wieder abziehen. Im Osten schlug am Stochod bayerische Reitere mit österr.-ung. Tragonern russische Anlgrifse unter größten Verlusten für den Feind ab. Außerdem käm es nur bei Pieniaki und Zwyzhn zu ernsteren Kämpfen, ebenso in den Karpathen an der Stepanski- und der Kretahöhe, wo die Russen Gegenangriffe ver­ sucht hatten. , ! Am Balkan schreitet der Vormarsch der' bulgarischen und deutschen Truppen immer Mehr vorwärts. Tie Serben wurden aus ih­ ren letzten Stellungen auf der Malta Nidzeplanina geworfen. * Gegenangriffe des Fein­ des am Tzemaat Jeri und timl Moglena-Gebiet wurden blutig abgewiesen und die Franzo­ sen Zwischen dem Butkowa- und Tahinosi-See über den Strumasluß geworfen. Am östlichsten Flügel bei Seres wurde die Smijnicäplanina dem Feinde abgenomlmen. BMA des ieittfdet HWtWKttiKS. WTB. Be rli n, 22. August. Miltags. ^Großes Hauptquartier.) BeWcher irlegsfiWs. Der Kamps nördlich der Somme hat wieder größere Ausdehnung angenommen. Mehrfache englische Angriffe gegen unsere zwischen Thiepval und Pozieres vorgebogene Linie wurden abgewiesen. Eine vorspringende Ecke ist verloren gegangen. Nordöstlich von Pozieres und im Foureauxwalde brachen die feindlichen Sturmkolonnen in unserem Feuer zusammen. Erbitterte Kämpfe entspannen sich um den Besitz' des Torfes Guillemont, in das der ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Be rli n, 22. August. Miltags. ^Großes Hauptquartier.) BeWcher irlegsfiWs. Der Kamps nördlich der Somme hat wieder größere Ausdehnung angenommen. Mehrfache englische Angriffe gegen unsere zwischen Thiepval und Pozieres vorgebogene Linie wurden abgewiesen. Eine vorspringende Ecke ist verloren gegangen. Nordöstlich von Pozieres und im Foureauxwalde brachen die feindlichen Sturmkolonnen in unserem Feuer zusammen. Erbitterte Kämpfe entspannen sich um den Besitz' des Torfes Guillemont, in das der Gegner vorübergehend eindrang. Tas würrtembergische Infanterie-Regiment Kaiser Wil­ helm hat alle Angriffe siegreich abgewehrt und hat das Torf fest: in der Hand. 7 Mehrere Te i ln n ternehmungen der Fran­ zosen zwischen Maurepas und Clery blieben ohne Erfolg. Südlich der Somme griffen frisch einge­ setzte französische Kräfte int Abschnitt EstreesSoyecourt an. Verlorene Gräben sind im Gegenstoß wieder genommen. 1 Offizier, 80 Mann blieben gefangen in unserer Hand. ────────── Am Stochod setzten die Russen ihre hart­ näckigen Angriffe in der Gegend von RudkaCzerwiszcze fort. Bayerische Reiterei mit I österreichifch-pngarischen Tragonern wies den Gegner unter für ihn größten Verlusten jedes­ mal ab, nahm 2 Offiziere, 270 Mann gefangen und erbeutete 4 Maschinengewehre. Erfolgreiche Unternehmungen gegen die feindlichen Vorposten bei Smolary brachten 50 Gefangene und 2 Maschinengewehre ein. Am Luh- und Graberkäabschnitt und wei­ ter südlich brachen russische Angriffe im allge­ meinen schon im Sperrfeuer znsamkndn. Bei Pieniaki und Zwyzhn drang der Geg­ ner in kurze Grabenstücke ein. Bei Zwyzhn ist er noch nicht wieder geworfen. Front des Generals der Kavallerie Erz­ herzog Karl. Wiederholte Gegenangriffe beiderseits des Czarnh—Ezeremosz gegen unsere neuen Stel-' lungen auf dem Stepanski und der Kretahöhe hatten keinerlei Erfolg. Balkan-Kriegsschiauplatz. Alle serbischen Stellungen auf der MakkaNidzeplanina sind genommen. Ter Angriff ist "int Fortschreiten. Mehrfach ist der zum Gegenstoß angesetzte Feind am Tzemaat Jeri und tot Mog le nagebiet blutig zurückgeschlagen. Zwischen betn Butkova- und Tahinossee sind französische Kräfte über den Struma ge­ worfen. Weiter östlich ist im Kampf die Smijnica-i Planina gewonnen. Oberste Heeresleitung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. ────────── giere. Danach verloren die Engländer in den ersten Monaten.der Offensive 2122 tote, 4830 verwundete und 747 vermißte Offiziere, zu­ sammen 7699, oder durchschnittlich 247 jeden Tag. Ein täglicher Verlust von 247 £ffi­ xieren entspricht einem täglichen Gesamtver­ lust von etwa 6000 Mann. Selbst wenn man den Verlust der Franzosen auf nicht mehr als die Hälfte der englischen Verluste veranschlagt, würde das verlorene Menschenmaterial der bei­ den Ententemächte doch. 'täglich durchschnitt-' lich 9000 Mann betragen. Ta die Offensive bis gum 17. August '48 Tage gedauert hat, wäre der Gesamtverlust in der Picardie auf unge-' fahr 430 000 Mann zu berechnen und wenn auch "die Kampfhätigkeit in der letzten Woche etwas abgeflaut hat, wlld die Zahl kaum viel hinter 400 000 Mann zurückbleiben. FZ.) Französische Vorbereitungen für 1917. Ge nf, 22. August. Wie berichtet, sollen demnächst Nachmusterungen der französischen Untauglichen und Zurückgestellten statifin ^ den. Ueberdies wird eine allgemeine Neu­ musterung des französischen Heeres vorgenom­ men werden, um den Heeresbestand für den Feldzug 1917 zu ergänzen. Tie Neumusterun­ gen werden voraussichtlich, im nächsten Oktober und November zugleich mit der Musterung des Jahrganges 1918 stattfinden, der im Laufe des Januar 1917 zur Ausbildung einberufen wird. Tie belgische Regierung erläßt eine Aufforderung an belgische Staatsangehörige im Auslande von 16—18 und von 40—45 Jahren, sich als Kriegsfreiwillige zu melden. Ein gleicher Aufruf wendet sich auch an bie in den Ententeländern lebenden Luxemburger, die .nicht von deutschen Eltern abstammen. (Z.) Ein französischer Oberstleutnant an seinen Sohn. Aus Briefen, die bei einem französischen Unterleutnant und Flugzeugbeobachter gefun­ den wurden und von seinem Vater, einem Oberstleutnant, herrühren, teilt die Fvkf. Ztg. einige Auszüge in wörtlicher Uebersetzung mit. Sie werfen ein eigentümliches Licht auf die Geistes- und Gemütsverfassung des franzö­ sischen Heeres. Eine der angeführten Stel-: len lautet: "24. Juli 1916. Eie Engländer werden durch den schrecklichen Boche in ihre Stellungen festgespießt, und es sieht leider illugenblicklich ganz und gar nicht so aus, als ob man vorwärts käme. Ich fürchte sehr, die­ sen Winter meinen neuen Mantel in Frank­ reich tragen zu müssen, ein Gedanke, der mir sehr zuwider ist. Ich hoffte immer noch,,Trier ober Köln oder Aachen zu sehen. Ja, Kuchen! Ich befürchte sehr, daß ich nicht vor dem Win­ ter 17 oder 18 in Trier sein Werpe. Tort will ich mir dann für billiges Gekd die sel­ tensten Pelze kaufen, einen aus dem Muff einer Erzherzogin hergestellten Umhang, einen aus Geheimrätinnenhäut gefertigten Leibrie­ men und ein Suspensorium aus bayerischer Prinzessinnenbrust! Aber bis dahin? — Gott, ist das langweilig!" Tie Frankfurter Ztg. schreibt dazu: "Die­ ser Brief läßt geradezu in erschreckender Weise^ die innere Verrohung des französischen Osfi-! gierskorps selbst in den höheren Tienstgraden erkennen. Tas ist kein Scherz mehr, sondern Roheit und Gemeinheit, die den ganzen gei­ stigen und sittlichen Tiefstand, selbst der hö­ heren Gesellschaftskreise in Frankreich an den Tag legt. Hier zeigt sich die Frucht der durch amtliche Kundgebungen und systemati­ sche Verleumdungen der Presse betriebenen Verhetzung der öffentlichen Meinung Frank­ reichs gegen Teutschland. So sehen in Wahr­ heit die Kulturträger jener Nation aus, die von jeher für sich in Anspruch nimmt, an der Spitze der Zivilisation zu marschieren." ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Am Sftliiet KrteaMoWlatz. Russische Schießübungen bei Reni. Tie Bukarester Blätter berichten laut "Neue Freie Presse", daß die Russen seit eini­ gen Tagen Marineschießübungen mit schwe­ ren Geschützen bei Reni vornehmen. (Z.) Better«! Kuropatkin als Gouverneur von Turkestan. Im Einvernehmen mit beto Großfürsten Nikolaus hat General Kuropatkin gemeinsam mit dem erstgenannten einen Aufruf veröffent­ licht, der bezwecken sollte, die Turkmenen und die eingeborene Nomadenbevölkerung zu den Fahnen zu rufen. Ter Aufruf erreichte aber gerade das Gegenteil. Tie Nomaden­ bevölkerung und die Turkmenen flüchteten. Großfürst Nikolai und Kuropatkin wollen nun energisch gegen die Fahnenflüchtigen vorgehen. (Z.) ────────── Der Krieg mit Italien. Gegen die "Barbarei des Feindes". Tie "Tribuna" vom 15. August druckt einen Heeresbefehl des Generals Cadorna ab, der unter Berufung auf angeblich zahlreiche rechtswidrige Handlungen der österreichischungarischen Truppen anordnet, daß "alle feind­ lichen Soldaten jeden Grades, die im Besitz von Sprenggeschossen und künstlich! entstellten Geschossen (Tum-Tum), oder in italienische Uniformen gekleidet ober in Ausübung irgend­ einer Verletzung des Kriegsrechts betroffen werden, sofort getötet werden sollen". Ein­ leitend behauptet die "Tribuna", daß der öster­ reichische Oberbefehl zuvor schon dasselbe ange­ ordnet habe; Cadornas Befehl enthält davon nichts. Tie "Tribuna" nennt den Befehl Ca­ dornas in der Ueberschrist: "Eine gerechte und notwendige Vergeltung gegen die Barbareien des Feindes." Ein willkommener Gefangener. Tie römische "Tribuna" glaubt aus der jangeblich sehr hohen Zahl der bei Görz ge­ machten Gefangenen einen einzelnen besonders mit Namen hervorheben zu müssen, den Ma­ jor Afan de Rioera, Sprößling einer vorneh­ men neckpolitanischen Familie, die u. a. auch einen italienischen General und Kriegsmini­ ster hervorgebracht hat. Ter gefangene Ma­ jor jedoch war österreichischer Staatsangehöri­ ger und Beamter der kaiserlichen "Finanzvett Wallung in Triest. Er hat außerdem bis zu seiner Gefangennahme durch die Italiener als Offizier pflichtmäßig für den Staat gekämpft, dem er als Bürger angehörte, statt wie Cesare Battisti fahnenflüchtig zu werden und zum Feind überzulaufen. Tie "Tribuna" nimmt ihm diese Pflichttreue und Ehrenhaftigkeit offenbar übel, denn sie bemüht sich, den ge­ gangenen österreichischen Major bei ihren Le­ sern in ein schlechtes Licht zu setzen, indem sie daran erinnert, daß. derselbe bei einem Hochverratsprozeß gegen drei junge Triestiner vor dem Grazer Schwurgericht die Anklage vertteten und sich dabei angeblich sehr ge­ hässig gegen die Angeklagten benommen hübe. Während die "Tribuna" gleich der übrigen italienischen 'Presse den Hochverräter Battisti als einen Helden und Märtyrer preist, hält sie einen österreichischen Staatsbürger italieni­ scher Wstammung, der seine Pflicht nicht mit Füßen tritt, für einen schlechten Kerl und be­ geifert ihn, nachdem er wehrlos in Gefangen­ schaft geraten ist. Ihr sittliches Empfinden weicht von dem unsern bedeutend ab. ────────── Wir machten 40 Gefangene, darunter einen feauptmann, einen Kompagnieführer unb eine Abteilung Reiterei samt Pferden. Tie Fran­ zosen ließen viele Tote und Verwundete zu­ rück. —- Im Wardartale das übliche Artilteriefeuer. Auf dem rechten Flügel wurde gestern die Offensive fortgesetzt. Unsere süd­ lich Serin (Florina) operierenden Truppen ge­ wannen den Malare'kakamm und marschieren Südwärts weiter. — Tie östlich in der Rich­ tung Lerin-Banieq-Gorniteokewo-Ostrovo vor­ rückenden Truppen griffen die stark befestigte feindliche Stellung aus dem Kample der NidzaPlanina an, die von der' serbischen Tonaudivision und zwei Regimentern der Wardardivision verteidigt wurde. Gestern Abend gegen 6 Uhr bemächtigten wir uns dieser Stellung und des Torfes Gornitschevo, wo wir eine ganze Kompagnie mit drei Offizieren gefangen nahmen. Ter Gegner zieht sich in östlicher Richtung zurück; unser Vormatsch! hält gn. Griechenland und der bulgarisch-deutsche Bar­ marsch. Ge nf, 22. August. Lyoner Blätter mel­ den aus Athen, daß die griechische Regierung an die militärischen und Zivilbehörden in den besetzten Gebieten die Weisung erteilte, sich betn Vorrücken der Bulgaren nicht zu wider­ setzen. Ter deutsche und der bulgarische Ge-, sandte in Athen erklärten, daß die besetzten Gebiete nach der Beendigung des Krieges an Griechenland wieder zurückerstattet werden. Die Bevölkerung in diesen Gebieten würde auf das wohlwollendste behandelt werden. FZ.) Tas Pariser "Journal" berichtet ans Sa­ loniki: Feindliche Flieger bombardierten am 19. unb 20. August die Lager der Verbündeten Vertekop und Kilkitsch, wobei drei Soldaten getötet wurden. Epidemien bei den Truppen Sarrafls. Wie die "Köln. Ztg." meldet, bestätigt "Echo de Paris" die Meldung, daß unter den Truppen des Generals