Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-09-20. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 256, 1916-09-20. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Ein rnffischer Brückenkopf erstürmt. — Weitere Fortschritte att -er Narajowka. — Die Rumänen bei Hötzing geschlagen. — Die Ber-üin-eten find in -ie rnmüvisch-rnsfische Dovrndschaftelluug eingedrungen. — Nachlassen der italienischen Angriffe. Im Westen hat sich infolge ungünstiger Witterung nur wenig ereignet. Destlich von Ginchh und vor Combles haben die Unsern dem Feinde einige vollkommen zusammengegeschossene und damit wertlose Gräben überlas­ sen. Im Maasgebiet wurden die Franzosen» die vorübergehend am Westhange des Toten Mannes in einem unserer Gräben einzudringen vermocht hatten, wieder zurückgeworfen. Im Osten stürmten unsere und österr.ungar. Truppen den russischen Brückenkopf von Zarecze am Stochod» wobei mehr als 2500 Russen gefangen wurden. Auch unser Ge­ genangriff an der Narajowka wurde weiter vorgetragen und die Gefangenenzahl vermehrt'. In den Karpathen sind russische Angriffe ab­ geschlagen» wobei besonders bei Dornawätra die vereinigten Russen und Rumänen schwere Verluste erlitten. Die Rumänen wurden nun auch in Sie­ benbürgen bei Hötzing geschlagen und werden von den Unsern verfolgt. Die rumänische Stellung Rasowa-Cabadina-Tuzla ist von den verbündeten Truppen Bereits gesprengt» den Rumänen bleibt damit nur noch der Rückzug auf die letzte Linie Cernawoda-Canstantza» zu dessen Verteidigung angeblich neue russische 1 und rumänische Truppen herangeschafft wer- z den. Wenn sie nur nicht zu spät kommen. 8 Am Balkan dauern die Kämpfe bei °Flo- ! rina weiter an. I An der italienischen Front kam es nach I den schweren Verlusten der Italiener in den I letzten Tagen nur zu schwächlichen Teilvor- I stößen» die glatt abgewiesen wurden. ────────── Die Heeresberichte. Ser deutsche Bericht. WTB. Berlin» 19. September. Mittags. Mrotzes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Front des Geinjeralfeldmarschall Kronprinz Rnpprecht >von Bayer«. Im SomMegebiet unter dem Einfluß schlechter Witterung keine größere Kampfhand­ lung. Die Artillerietätigkeit war gleichwohl teilweise sehr heftig. ' Oestlich von Ginchh «nd vor Combles über­ ließen wir einige vollkommen zusammenge­ schossene Gräben dem Gegner und schlugen Teilangriffe bei Belloy und Bermandovillers ah. ' ! 1 Front des deutschen Krompriritzeri. Links der Maas gelangte eint französischer Angriff am Westhange des Totem Mannes vor­ übergehend in einen Unserer Gnäben. Oestlicher Klriegsschaiuplatt Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayer». Deutsche und österreichischi-urngarischeTrupipen des Generals von Bernharrdi erstürmten unter Führung des Generallemtnants Clau­ sius den stark befestigten russischen Brücken­ kopf nördlich von Zarecze am Stochod und verfolgten den Feind bis aus das Ostufer. 31 Offiziere, 2511 ManN und 17 Maschinengewehre sind in unsere Hand gefallen. Bei Perepelniki (zwischen Sereth und und Stthpa) nahm eine deutsche Jägerpatrouille 2 Offiziere» 80 Mann gefangen.. Front des Generals der Kavallerie Erz­ herzog Karl. Der Gegenangriff an der Narajowka brach­ te uns weitere Erfolge. Die Zahl der Ge­ fangenen ist auf mehr als 4200 j gestiegen. i In den Karpathen von Smodrec bis in die Gegend von Kirlibaba lebhafte Kämpfe. Verschiedene starke russische Angriffe sind zu­ rückgeschlagen. , Im Ludowagebiet erlangte der Gegner kleinere Vorteile. Beiderseits von Dornawatta erlitten Rus­ sen und Rumänen bei vergeblichen Sturm­ versuchen schwere Verluste. In Siebenbürgen find die Rumänen süd­ östlich von Hötzing (Hatszec) durch Truppen des Generalleutnants von Staabs geschlagen. Sie werden verfolgt. BalkaukriegsschauPlatz. Hecresfrovt des GMeralfeldmarschalls vo« Mackeiufen. In die gestjerm berichteten russisch-rumiiuhschen Stellagen sind die Verbündeten Trup­ pen an mehreren Stellen eingedrungen. Mazedonische Front. Im Becken von Florina haben sich neue Kämpfe entwickelt. Ter 1. Generalauartiermeisteri: ! . L u d e n d o r f f. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 19. September. — Amtlich wird gemeldet: Oestlicher Kriegsschauplatz,. Front gegen Rumänien. Südlich von Hatszeg (Hötzittg) wurden die Rumänen über Merisor gegen Petroseny zu­ rückgeworfen. Im Gergeny- und Kelemen-Gebirge enge Gefechtsfühlung. Heernsfront des Generals der Kavallerie # Erzherzog Karl. Die Russen setzten in b£r Bukowina ihre Angriffe sott. Beiderseits der Dorna 3Satea>kämpfen auch rumänische Heeresteile mit Oesterr.-ungar. und deutsche Truppen schlugen alle, stellenweise von stärkstem Geschützseuer eingeleiteten Anstürme der "Feinde zurück. Südöstlich der Ludowa drängte der Geg­ ner ein schmales Stück unserer Front etwas ge­ gen Westen. Bei Lipnica Dulna gewann der deutsche Gegenangriff weiter Raum. Heeresfront des Generalfeldmarschalls Minzen Leopold von Bayern. Im Vorgelände der Armee des Generals von Böhm-Ermolli erfolgreiche Streifungen^ Bei der Kampfgruppe des Generals Fath wurde der Brückenkopf von Zaracze (südlich von Swbhchwa) erstürmt. Die österr.-ungar. und deutjschen Truppen des Generals Clausius über­ rannten vier hintereinanderliegende Linien u. brachten 31 Offiziere, 2511 Mann und 17 Maschinengewehre ein. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Karsthochfläche verlief der gestrige Tag ruhiger» da die Angriffskraft der im Kampf gestandenen italienischen Heereskörper sichtlich verbraucht ist. Vereinzelte Vorstöße des Feindes wurden abgewiesen. Der Ge­ schützkampf war nachmittags mehrere Stun­ den hindurch sehr heftig» namentlich im süd­ lichen Abschnitt der Hochfläche . Dort hat sieh seit Beginn der Schlacht das Jnfanterie-Regtzment Nr. 102 durch tapferes Ausharren aus­ gezeichnet. Bei Flitsch und auf dem KamMe der Fassaner Alpen schlugen unsere Truppen mehrere Angriffe schwacher Abteilungen ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Rer stellvertretende Chef des Generalstaüesr d. Hoefer» Feldmarsch alleutnanr. ────────── Der bulgarische Bericht. Sofia, 18. Sept. Meldung des Generalstabs: Mazedonische Front: Gestern grif­ fen die vereinigten, russischen, französischen und serbischen Truppen unsere Stellungen um Serin (Florina) erfolglos an; alle feindlichen Angriffe wurden durch Gegenangriffe abgewiefcn, ebenso auch die Angriffe gegen die Höhe Kaimaktschalan. Im Moglenicatale das ge­ wöhnliche Artillerie- und Jnfanteriefeuer; im Wardartale schwaches Geschjützseuer. Am Fuße der Belasitza Planina griffen wir vorgeschobene italienischen Abteilungen bei den Dörfern Matnisa, (Storni Poroj unb Dolni Poroj an und nahmen 5 Offiziere und 250 Mann 'des' 62 s . italienischen Infanterieregiments, außerdem blieben zwei Maschinengewehre in unserer Hand. Längs der Struma unbedeutende Jnfanteriegefechte zwischen Vorpostenabteilungen. Die feindliche Flotte beschoß das Dorf Prawischta. Dobrudscha: Der Kampf aus der Linie der Dörfer Marskui, Momik, Arabaschi KoIkardscha-Kobadinu-Tuzla entwickelt sich zu uwseren Gunsten. Infolge von Gegenangriffen besetzten wir die Dörfer Sotului, Schiol und Wassiul, wo Wir 5 Geschütze, 4 Maschinenge­ wehre erbeuteten. Am 15. September besetz­ ten wir nach kurzem Gefecht vor der Ankunft unserer Truppen die von der Bevölkerung ge­ räumte Stadt Mangalia. Am Ufer des Schwarzen Meeres Ruhe. Sofia, 19. Sept. Meldung des Gene­ ralstabs : Miazedonische Front: Der leblhäfte Kamps um Florina dauert fort. Alle Bemühungen des Gegners, die Höhe Kajmakcollom zu erobern, sind infolge unserer starken Gegenangriffe gescheitert. In der MoglenicaNiederung und beiderseits des Wardar schwä­ cheres Artilleriefeuer. An den Hängen des Belasica-Planina haben unsere Patrouillen den Gegner verttieben und die Dörfer olle nichts von einer Volksabstimmung in Elsaß-Lothringen hören, und die Westmächte haben den von Rußland unterdrückten Völker« keinerlei Ga­ rantien gegeben. Ein großer Sieg der Ver­ bündeten würde unter solchen Umständen eben­ so unheilvoll für die Welt sein, wie ein großer Sieg der Zentraltnächte. ────────── Flugzeugmutterschiff mit gutem Erfolge an. Auf dem Flugzeugmutterschiffe wurden ein­ wandfrei Treffer beobachtet. Wiederum würde ein Flugzeug des zur Abwehr unserer Flug­ zeuge erschienenen feindlichen Luftgeschwa­ ders zur Landung aus holländischem Gebiet gezwungen. Der Luftkrieg. Angriff «üserer Flugzeuge auf feindliche Kriegsschiffe. WTB. Berlin, 19. Sept. (Amtlich.) Am 16. September griffen unsere Flugzeuge wiederum vor der flandrischen Küste stehende feindliche Seestreitkräfte in Stärke von 2 Mo­ nitoren, 18 Torpedobootszerstörern und einem ────────── Kriegsbriefe aus dem Westen. Berlin, 18. September 1916. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) Ein großer Porstoß der Engländer. (Telegramm unsres Kriegsberichterstatters.) , Gr. Hauptquartier, den 17. September. Nachdem die Engländer bisher alle grö­ ßeren Unternehmungen und auch die durchweg schwer erkauften kleinen Erfolge in dem Dauerringen an der Somme den Franzosen überlassen hatten, haben sie sich vorgestern zu einem Schlage von großem Umfange auf­ gerafft, vielleicht gedrängt durch die Rück­ sicht auf die Süimmung in Paris, ,wo zu den Kammerverhandlungen irgendwelche Vor­ teile ctji der Somme präsentiert werden soll­ ten!. Mit nicht weniger als 11 Divisionen gelang es Engländern die Erstürmung von drei ehemaligen Dörfern, die feit langem heiß umMnchft dicht vor ihrer Linie lagen. Weit entfernt davon, bis nach Bapaume durchstoßen zu können, welches das Ziel schon des ersten englischen Sommeoffenffvtages war, wie Peronne die erste Weilte bet Franzosen werden sollte, kam der mit diesem! gewaltigen Aufwande geführte Stoß schon hinter den breit überrannten Dörfern zum Stehen. Im Ge­ genangriffe bedrängen wir die Engländerne­ ster bei Courcelette und Flers, sowie westlich von Les Boeuss, wo der Feind nicht einzudrin­ gen vermochte. Trotzdem die Engländer an­ scheinend diesmal die letzten der bisher unbe­ rührten Divisionen ihrer Millionenarmee in die Schlacht geworfen haben, reidjtte ihre Karst gestern am zweiten Tage ihres großen Vor­ stoßes nur noch zu Teilangriffen. Nördlich von Ovillers gewannen wir Gelände zurückt Im Nordteile von Martinpuich sind wir wie­ der eingedrungen. Weiter südlich an d^r Sommesront geht der schwere Artilleriekalmpf mit unvermindeter Wucht weiter, während sonst an der Westfront nur Patrouiflenkämpfe in Flandern und im Artois zu melden sind, in denen der Feind unterlag. (Kb.) SB. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, 18. September 1916. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Der neue russische Generalangriff. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. Ostfront, den 17. September. Das Bestreben, mit allen Mitteln einer Entscheidung stiäher zu kommen, hat ackch an der Ostfront eine neue russische Offensive aus­ gelöst. In dem aufs Aeußerste angespannten Druck, der gegen uns gerichtet werden soll, haben auch die Russen ihren schweren Teil auf sich richteten müssen. Rußland hat seine ungeheuren, erfolglosen Blutopfer mit dem gestrigen Generalangriff wieder ungeheuer und erfolglos evhöht. In den Karpathen gingen die Kämpfe, die in den letzten Wochen ja ganz ausgesetzt haben, mit starkem Nachdruck weiter. Stoß und Gegenstoß wogen hin und her. An der Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern begann schon am 15. die russische Artillerie mit stärkerem Feuer, neue Batterien schienen sich einzuschließen, die Hindernisse wurden zum Teil beschädigt, die Wabengräben ließen aus das Bereitstellen von Sturmtruppen schließen. Am 16. begann dann an der Front der österreichischen zweiten Ar­ mee Böhm-Ermolli und an der "Front des Generals von Linsingen die Arttllerie in den (ersten. Morgenstunden mit starkem Wirkungs­ schießen. Bei der Armee Böhm-Evmvlli er­ streckte sich die russische Angriffssront. von Hukalowee bis zu den Hügeln der Zlota-Gora herunter, die Linie, die vom 31. August bis 6. September schon die heftigsten russischen Angriffe unerschüttert ausgehalten hatte. In dichten Wellen griffen die Sturmtruppen des 17. russischen Korps tapfer an wiederholten immer wieder die abgeschlagenen Stürnte. An ein paar Stellen gelangten russische Abteilungen bis in den Graben; es genügte, die Abschnittreserven einzusetzen, und die Ein­ dringlinge wurden im Nahkampfe niederge­ macht. Ein kleiner Rest, von ca. 70 Mann wurde gefangen genommen. Die gegenseitige Erbitterung der NahWmpfe, die schon bei den letzten Angriffen zugenommen hatte, war ge­ stern ganz besonders gesteigert. Am Abend hatten die deutschen und österreichischi-ungar. Truppen des Generals von Eben alle Angriffe abgewiesen. Noch größere Heftigkeit lichteten die russischen Angriffe gegen die Front des Generals von der Marwitz an. Wieder gingen teuf dem blutgetränkten Boden, auf dem am 31. August und am 1. September die Kämpfe bei Swiniuchy getobt hatten, die russischen Srurmkolonnen mit bewundernswerter Tap­ ferkeit vor. Schon am 15. hatte an dieser Front das Einschießen der Arttllerie sich ganz be­ sonders bemerkbar gemacht. Zahlreiche Bat­ terien waren festgestellt worden. Zwischen den aufgefüllten Sibiriern und den Schützendivi­ sionen, denen man nach den Verlusten am 1. September wohl nicht mehr genug K«cknpfkrast zuttaute, waren beide russische Garde­ korps eingeschoben worden, so daß vier russi­ sche Korps zum Angriff bereitstanden. Am 16. früh setzte mit sehr erheblichem Munitionsaustvand von Tereseooiee bis Zasurzh auf etwa 20 Kilometer die Artillerie ein, steigerte sich bald zu einem für östliche Verhältnisse sel­ ten schweren Trommelfeuer. Dann begann der Angriff, der sich besonders auf ein 14 Kilo­ meter breites Frontstück westlich Tusttnhth konzentriete. Sechs Divisionen bildeten die Stotz­ gruppen, die von morgens bis zum späte­ ren Abend in dichten Wellen immer aufs Neue angriffe, ttotzdem das Sperrfeuer wie e'in ei­ serner Vorhang vor unseren Linien lag. Das erste russische Garderegiment Preolvaskensh schien von Nopa aus durchstoßen zu wollen, es verblutete im Sperrfeuer, im Jnfanterieund Maschinenabwehrfeuer. Tie Brennpunkte der Kämpfe waren wieder wie am 31. August und 1. September die zerschossenen Dörfer Korhtolka, Woynin, Szelwow. Die Angriffe scheiterten auch hier im allgemeinen vor den Hindernissen. Wo es gelang, durch die zer­ schossenen Drähte einzudringen, machten Gra­ benbesatzung und eigene Reserven die Ein­ dringlinge nieder, 3 Offiziere, 200 Mann wur­ den als Gefangene hinter die Front gebracht. Die russischen Verluste sind, dem Einsatz! ent­ sprechend, ganz außerordentlich schwer. Die niedrigste Schätzung kommt auf über 10 000 Dote an diesen 14 Kilometern Front, ilfuf jeben Fall sind die russischen Truppen, auch die Garde, so erschöpft, daß hpute Rühe an der Front herrschte, um die Sturmkruppen auf­ zufüllen und zu ordnen. tKb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── Tages-Uebersicht. Stach 4,5 Jahren. Durch Amtliche VerOrdnung sind weiteren 400 Orten im Elsaß, die bisher französische Bezeichnungen trugen, deutsche i)tarnen beigelegt worden. Erst nach 45 Jahren — trotzdem werden die edlen Franzosen auch in diesem Falle über Die deutschen Barbaren schimpfen. Kein Wuchder. 23 Landwirte ans verschie­ denen Ortschaften des Kreises Mecklinghausen waren vom Schöffengericht toegen Ueoertremng der Bundesratsverordnung Aber den Ver­ kehr mit Gerste zu je 30 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die Angeklagten hatten eine in der Landwirtschaftlichen Zeitung für Westfalen und Lippe erlassene Verordnung mißverstanden und sämtlich ihren «Gerstenernteerrrag von weniger als 40 Zöwtmer nicht an die Kommunaldöhürde angemeldet und chn ver­ füttert. In der Berufungsverhanidlung in Bo­ chum stellte sich heraus, daß die Verordnung so unklar abgefaßt war, daß selbst der Land­ rat nicht daraus habe klug wenden 1 können. Der Vorsitzende der Strafkammer war daher der Meinung, daß, wenn der Herr Landrat die Verordnung ntchr einmal verstanden hätte, man dies von den Landleuten sücherlich nicht verlangen sönne. Wenn die Lamdwirte rich­ tig über den Sinn der betrefsemden Verord­ nung unterrichtet gewesen wärem, so hätten | sie die Gerste nur anzumelden brauchen, es I wäre ihnen dann auch zweiselsoihne die ErI laubnis zur Versütterung erteilt worden. Das Gericht sprach denn auch sämtliche: Angeklagten frei. , Der sächsische Landtag tritt am 30. Ok­ tober zu einer außerordentlichen Tagung zu­ sammen. ^ Das Schweizer Bunvesparlanncut hat am Montag eine außerordentliche Her.bsttagung be­ gonnen. Das niederländische Paralament wurde ge­ stern mit einer Thronrede der Königin Wil­ helmina eröffnet, in welcher diese u. a. sagte: "Daß meinem Volke der Friede erhalten blei­ ben konnte, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Un­ sere Beziehungen zu allen Mächten blieben freundschaftlicher Natur. Ich, werde auch in Zukunft den Pflichten nachkommen, welche ei­ ner neutralen Nation durch das Volkswohl auferlegt sind . Ich bin fest entschlossen, un­ sere Unabhängigkeit zu verteidigen und nach besten Kräften, gegen wen es auch sei, unsere Rechte zu behaupten und bei der Erfüllung dieer Ausgabe stütze ich mich außer auf unser gutes Recht und die Einigkeit der Nation aus unsere See- und Landmacht, die in jeder Beziehung die ihr auferlegten .Pflichten tra­ gen wird." Eine Ministerderatung der skandinavi­ schen Staaten tagt abermals in Christiania. ────────── : fenbach, Schumburg, Mntertunnewald, Swatow und Großhammer sind überflutet. Auch Men­ schenleben sollen zu beklagen sein. Unwetter in ver Nordsee. Die Frks. Ztg. meldet aus Kristiania: An der norwegischen Küste herrscht Sturm. Seit vorgestern ist kein Schiff in Kristiania angekommen. Ein rasen­ des Unwetter scheint über die ganze Nordsee fee zu toben. Die meisten Dampfer mußten Schutz int nächsten Hafen suchen. Ein Postdampser kam mit fast vierundzwanzigstündiger Verspätung an. : Allerlei. Teure ENten. Eine Gutsbesitzersfrau bot Enten um 12 Mark per Stück an, wobei sie daraus hinwies, daß sie in Norddeutschland diesen Preis für bereits gelieferte 60 Stück Enten erhalten habe. Durch äicheln seltenen Zufall zu einem an­ sehnlichen Gewinn ist in Ingolstadt die Tochter eines Gastwirtes gelangt. Ein junger Ar­ beitsbursche hätte vor längerer Zeit infolge Geldmangels seine Zeche mit einem! Los be­ zahlt, das nunmehr mit der hübschen SnMime von 3000 Mark gezogen worden ist. Rach dem Genusse von Pilzen, die die Familie des Kranenführers Adam Flecksenhaar in Frankfurt a. M- vor einigen Tagen gesam­ melt hatte, sind der Ehemann und der neun Jahre alte Sohn gestorben, die Frau schwebt noch in Lebensgefahr und befindet sich im Krankenhause. Mt abgefahrechent Kopfe wurde aus der Nebenbahn Hof—Bad ©testen zwischen Selbitz und Naila der ledige Schuhfabrikarbeiter Heinrich Wolfrum von Naila tot aufgefunden. Tie Talsperre der Weißen Desse im JserI gebirge ist geborsten. 'Die Ortschaften T'.e- ────────── Lokales. Landshut, 20. September. —* Das Eiserne Kre UF wurde Herrn Schneller, Sohn des Herrn Steuerverwalters Schneller hier, verliehen. —*Zwei Brüder ausgezeichnet. Die Brüder Karl und August Aufleger, Sühne der Fahrradhändlerswitwe Frau Aufleger hier, wurden für besonders tapferes Verhalten in der Sommeschlacht mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. —* Das Militär-Berdienstlreuz mit Schwertern wurde dem Infanteristen Mar­ tin Blecher des 24. Jnf.-Rgts., Sohn der GaslwerksheizerswitWe Frau Blecher hier verlie­ hen. —*Die Pfistersche Hände lsfortbild u n g s s ch u l e für sontztagsschulpflitchitige Mädchen zählt heuer 117 Schülerinnen. Für den ersten Kurs hatten sich 39 Schülerinnen angemeldet, von denen drei die Aufnahme­ prüfung nicht bestanden haben. —* Trambahnunfall. Gestern nachmit­ tags wurde der schwerhörige Privatier Rosen­ gärtner von Achdorf in der Altstadt von einem Trambahnwagen zu Boden geworfen. Rosen­ gärtner, der einige Quetschungen erlitt, wurde durch die freiw. Sanitätskolonne ins stöbt. Krankenhaus verbracht. —* Zwiebeln und Sauerkraut kom­ men aus Veranlassung der stobt. Lebensmittel­ stelle morgen Donnerstag durch Herrn Kunst­ gärtner Haug am Schwaigermarkte zum Ver­ kaufe. Es kosten Zwiebeln bei 25 Pfund Ab­ nahme 16 Pfg., bei Einzelverkauf 17 Pfg. das Pfund, und Sauerkraut bei 50 Pfund 14 Pfg., bei Einzelevrkauf 16 Pfg. das Pfund. —* Die Beschlagnahme des Obstes ist nun auch durch die drei steift». General­ kommandos in Bayern angeordnet worden. * Der Höchstpreis für Haber wur­ de ab 30. September von 300 Mark auf 280 Mark herabgesetzt, den Landeszentralbehörden aber die Erlaubnis gegeben, für Gegenden mit besonders später Ernte den Höchstpreis von 300 Mark noch bis 15. Oktober beizube­ halten. —* Das sind Geschäfte. Wir veröffent­ lichten gestern eine Notiz, daß vom Kriegser­ nährungsamte der Gerstenpreis per Tonne von 300 Mark auf 280 Mark Herabgesetz,t wurde. "Selbstverständlich gilt dieser Preis beim Ver­ kaufe durch den Erzeuger. Daraufhin wurde uns von einer hiesigen Brauerei eine Rech­ nung der Zentral-Darlehenskasse München vom 16. September ds. Jrs. vorgelegt, nach wel­ cher diese 358 Mark für die Tonne Gerste berechnet, somit bei einem Einkaufspreis von 280 Mark, der seit 1. September Giltigkeit hat, 78 Mk., d. i. 28 Prozent, Gewinn erzielt. Der Brauerei kommt also einschließlich des Staatszuschlages von 20 Mark die TonneGerste auf 378 Mark oder der Zentner auf 18,90 Mk. zu stehen, gegenüber einem Verkaufspreis des Erzeugers von 14 Mark. Wie hätte man wohl in Friedenszeiten ein solches Geschäftssgebahren geheißen? —* Der Erhaltung der Zuchtgeflüge l be stä n d e während des kommenden Win­ kers ist volle Aufmerksamkeit im vaterländi­ schen Interesse zu widmen. Um nun die Zuwei­ sung des zur Verfügung stehenden Körner­ futters an die Kommunalverbände möglichst nach dem Verhältnis des zu versorgenden Ge­ flügels vornehmen zu können, find aus Ver­ anlassung des Landesverbandes baher. Ver­ eine für Geflügelzucht Erhebungen zu pfle­ gen, deren Ergebnis der Landesfuttermittel­ stelle migteteilt wird. Interessenten verweisen wir auf das in der gestrigen Nummer er­ schienene Inserat. —* Der Paketverkehr nach der Türkei ist bis auf weiteres wieder eingestellt wor­ den. —* Bader- und Friseurv ersamntzl un g. Nach zwei Kriegsjahren findet Heuer wieder eine Kreisversammlung der Bader und Friseure am Montag den 25. September halb 2 Uhr nachmittags im Gasthause zur Ludwigs­ höhe hier statt, wozu jeder Geschäftsangehö­ rige freien Zuttitt hat. Das Hauptthema bil­ det eine Besprechung über die Aenderung der Sterbekassestatuten und deren technisches Gut­ achten und das Lehrlingswesen während des Krieges, sowie eine diesbezügliche Anfrage des Ministeriums etc. Das Referat hierüber hat Herr Vorstand Willi hier übernommen. ────────── Letzte Posten. Der Reichskanzler ist gestern nachts ins Hauptquartier abge­ reist. 0 Aus der Dobrudscha. Verschiedene Berliner Morgenblätter er­ fahren aus Sofia, daß, an den letzten Kämpfen in der Dobrudfcha neue rumänische Hilsstruppen teilnahmen. Wahrscheinlich seien es aus Siebenbürgen herangezogene Divisionen, die man zur Verstärkung der geschlagenen Truppen habe in Anspruch nehmen müssen. Die russisch-ruMämische Verteidigungslinije. Bukarester Depeschen der Pariser Blätter ist zu entnehmen, daß, die geschlagenen Rus­ sen und Rumänen entschlossen sind, die wich­ tige Eisenbahulinie Tschernewoda—Constantza aufs Aeußerste zu verteidigen. (Z.) Die Gesund teu I Deutschlands und der Türkei sind aus Ru­ mänien jetzt zurückgekehrt und in Stettin eingettoffen. 800 Angehörige der Mittelmächte znrückI gehalten. Wie Rußkoj Wjedomosti meldet, wurden 800 Angehörige der Mittelmächte, die sich in den Konsulaten in Bukarest versammelt hät­ ten, zurückgehalten^ weil sie der Spionage ver­ dächtigt werden. (Z.) ────────── Literarisches. Unterstützungswohnsitz- Gesetz und Bayerisches Armenrecht mit Erläuterungen zum praktischen Gebrauch von Hubert Dolleschel, PreisMk. 1.— Verlag G. Birk u Co. m. b. H., München. ────────── Inserate. ────────── sche Tage kamen und er das Zimtetpr hüten mußte, verschlimmerten sich die Beschwerden merklich. Aber er sprach nicht viel davon. An einem sonnigen Tage fuhren die Bil­ lachs nach Langendorf hinüber, die Freunde zu begrüßen. Sie wurden wie immer herzlich aufgenommen. Frau von Langendorf erzählte htelb weinend, halb lachend, wie sehr ihr Christa fehle. Aber sie sei gottlob so glücklich in ihrer jungen Ehe, daß man die Trennung gern in den Kauf nehme. Nun (wollte man zwischen Langendorf und Retzbach einen rechst regen Verkehr unterhalten. Zufällig erfuhren die Langendorfer erst setzt, daß Lothar Retzbach für immer nach Retzbach kommen und es verwalten sollte. Darüber freute sich bor allen Dingen Herp von Langendorf. M So war schnell de,r erste April hierangckkommen. Es war ein klarer, aber ziemlich frischer Tag. Annö-Rosp wollte mit dem Vater zur Skation fahren, um Lothter abzuholen»; Aber schließlich war es Herrn von Bill ach doch zu kühl, und er zog vor, daheiM zu bleiben. I "Fahre, nur ruhig allein, Kind," Tagte Sie kam gerade zur rechten Zeit zum Bahnhof. Der Wagen hielt kaum eine Mi­ nute, als der Zug heranbrauste. Lothar sah Anne-Rose schon vom Kupeefenster aus auf dem hohen Jagdwagen sitzen. Da konnte er die Zeit kaum erwarten und eilte mit langen Schritten zu ihr hinüber. Die beiden Augen­ paare leuchteten ineinander, sie konnten die helle Freude an diesem Wiedersehen nicht ver­ bergen. "Willkommen, lieber Vetter, herzlich will­ kommen! Retzbach hat mich allein ausgesandt. Sie heimzuholen. Papa wollte dabei sein, mußte es sich aber im letzten Augenblick des kühlen Wetters wegen versagen. Nun ist es nur halb so feierlich und Sie müssen mit mrr fürsten nehmen," sagte Anne-Rose mit schimmernden Augen und ^lachendem! Munde. Er, schwang sich mit einem kraftvollen Satz auf den Wagen und führte sihre Hand an seine Lippen. Das Herz war ihm so voll, daß er kaum reden konnte. Er utußte sich auch erst einmal wieder satt sehen,an 6cm süßen, liebreizenden Mädchengesicht. (Fortsetzung folgt.) die Tante, als Anne-Rose unschlüssig ant Wä­ gen stand. "Es sieht doch freundlicher aus, wenn wenigstens einer an den Bahnhof kommt. Ich würde Dich begleiten, wffl aber doch,lieber Deinem Vater Gesellschaft leisten. Ich glaube, mir ist es im offenen Wagen auch ein bißchen gu kalt. Ihr jungen Leute friert freilich nicht so leicht. Also fahr zu und Lrüß "Lothar einstweilen schön von uns." So schwang sich denn Anne-Rose allein aus den hohen Jagdwagen, den siß hatte an­ spannen lassen. Sie atmete in vollen Zügen die herbe, würzige Frühlingsluft und sah- selbst wie der verkörperte Frühling aus. 1 Das elegante, tadellos siHDnde Kostüm mit einem flotten Hütchen kleidete sie entzückend. Ferne dänische Handschuhe schmiegten sich glatt und faltenlos um die schlanken Hände. Man sah ihrem Anzug an, baß er aus einem ersten Hause bezogen war, hatte sie auch als die arme Anne-Rose Billach immer gut und vor­ nehm in ihren schlichten Kleidern ausgesehen, so verriet ihre Garderobe jetzt doch das gewisse Etwas, das nur mit gutem Geschtemck und Geld zusammen zu erreichen ist. Ihr war so recht frühlingsfroh und erwar­ tungsvoll zu Mute. Die frische Luft rötöte ihre Wagen und die bräunen Augen fun­ kelten mit den Sonnenstrahlen um die Wette. ────────── too ich das Geld hernehmen soll." Vom 8. Juli: "Stoff, der früher 50 Kopeken pro Ar­ schin kostete, kostet jetzt 2 Rubel, und der frü­ her 20 Kopeken Lostete, muß, jetzt mit 60 Ko­ peken bezahlt werden." Eine Soldatenfrau schreibt aus Wolhynien, 10. Juli 1916: "Bei uns herrscht große Teuerung. Dazu wird- den Soldatenfrauen von ihrer Unterstützung. 60 Kopeken fürs Verwundetenkomitee und 1 Ru­ bel 50 für die Pensionskasse abgezogen, sodatz sie statt 30 Rubel nur 27 Rubel 90 erhalten. Für ein Kleid, das ich früher für,15 Rubel Kaufte, muß ich jetzt 35 Rubel bezahlen." ! Besonders int Preise gestiegen sind Stiefel And Schuhe. Ein paar Zahlen: 22. Mai 1916: "Schuhe kosten bei uns 25 Rubel, Stiefel 50 Rubel. /.." 22: Mai 1916: "Uns geht es schlecht. Es ist alles sehr teuer. Ich! zahlte für Schuhe 14 Rubel." 23. Juni 1916: "Bei Ans in der Stadt gibt es weder Stückenzucker noch Sandzücker. Was soll man ma­ chen? Für Stiefelbesohlung habe ich 8 Rubel bezahlt, und dabei ist das Leder kaum mehr zu haben." 15. April 1916: "Für ein Haar Stiefel zahlt man jetzt 20 Rubel, für Schuhe 15 Rubel. Hosenstoffe 1 Rubel 30 pro Arschin. Eine Mütze kostet 2 Rubel." Mit dieser Verteuerung aller Artikel ist eine Steigerung der Arbeitslöhne verbunden. Aber trotz der hohen Löhne ist es nicht mög­ lich, Arbeiter überhaupt zu bekommen; die immer neuen Einberufungen lassen ganze Be­ rufe veröden. So heißt es in einem Brie> vom 30. April aus Sothiki: "Ich habe gelesen, daß es im vergangenen Sommer mir ArbLitsKmften schlecht bestellt war. Aber in diesem Jahr wird es noch viel schlimmer werden, weil Arbeitskräfte überhaupt nicht zu bekom­ men find." 9. Juni 1916: "Arbeiter sind hier nicht unter 4 Rubel pro Tag zu haben. Das Vieh ist sehr teuer." 14. Juni 1916: "Es sind jetzt sehr schlechte Zeiten. Es gibt keine Arbeiter. Das Getreide steht sehr schlecht, weil wir keinen Regen haben." 10. Juli 1916: "Arbeiter sind bei uns sehr teuer. Ein Mäd­ chen haben wir für 5 Rubel und einen Mäher für 8 Rubel gemietet. Für die Deßjätine zu mähen verlangt man 25 30 Rubel, so Daß man gar nicht darüber nachdenken 'mag'? August 1916: "Alles ist sehr teuer. Es gibt kein Schuhwerk. Kartoffeln kosten 1 Rubel 20 pro Pud. Arbeiter zu mieten .rst unmöglich. Man bezahlt 2 Rubel pro Tag mit Bekösti­ gung, welche jetzt sehr teuer zu stehen kommt." Die Nachrichten 'über die Ernke sind ver­ schieden. Im allgemeinen scheint sie sehr schlecht ausgefallen zu sein, und der Brief vom 8. Juli mag für viele ähnliche Stellen sprechen: "Die Ernte ist bei uns sehr schlecht, Gebe Gort, daß wir aus den 40 Deßjätinen wenigstens die Saat wieder ernten." Ein an­ derer Brief lautet: "Die Ernte bei uns ist schlecht. Das Gras steht schlechter als 1911 (das "Hungerjahr"), Weizen gibt 40 Pud pro Deßjätine, Hafer 30 Pud, Gerste 35 Pud. .14. Juni 1916: "Es gibt jetzt sehr schlechte Zei­ ten. Es gibt keine Arbeiter. Das Getreide steht sehr schlecht, weil wir gar keinen Regen haben." J Die Zustände, unter denen Rußland in einen neuen Winterfeldzug gehen will, faßt ein Brief vom 5. August kürz und entschieden zusammen: "Das Leben ist teuer. Man kann nichts Kaufen. Die Ernte ist schlecht." * Das sind die Briefe, die die Soldaten der russischen Armee in das Feld bekommen. Das reiche Rußland, das an allem Uebersluß hatte, an Getreide, an Vieh, an Menschen/ scheint Ls danach in nichts besser, sin den meisten Dingen schlechter zu haben als das "abgesperrte" Deutschland. Wie diese Stim­ mung i'm Innern des russischen Reiches auf die Atmen wirkt, und wie man dieser Wirkung entgegentreten will, zeigt ein Brief vom 4. Juli 1916 aus dem Gouvernement Cherson: "Hier liest man "in der Zeitung, daß wir keine Briefe mehr .ins Feld senden dürfen. Das wird ein wenig unbequem werdeni—" (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── belebungsversuche waren von Erfolg. Dem wackeren Retter gebührt alle Anerkennung. ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. Da es sich in den Karpathen ufet eine nicht überall zusammenhängende Front han­ delt, werden an den einzelnen Männ beson­ dere Anforderungen gestellt^ Die Russen sam­ meln Stoßgruppen von zwei bis drei Divi­ sionen in den Tälern und greisen dann mög­ lichst überraschend an. Die ZwiWenfronten besetzen sie durch Postierungen ihrer Ko sä« kenttuppen, Kaukasische Turek- und Don-Ko­ saken, Usuri-Reiter aus Sibirien, abgehärtete Stämme versehen diesen Dienst. Der Kampf setzt kaum aus, dem Stoß folgt der Gegenstoß Irgend einen Erfolg haben die Russen auch bei dem stärkeren Druck, mit dem sie ihre neue große Offensive hier begleiteten, nicht gehabt. Eine entscheidendere Bedeutung hätten die neuen Angriffe gegen die Armee Bothmer, die aus einer Front von etwa 25 Kilometer vorgestern sich verstärkten und gestern zu au­ ßerordentlicher Heftigkeit anschwollen. An der Front zwischen Zlota-Lipa südwestlich Brzezanh und Narajowka griffen nach starker Artillerievorbereitung 12 russische Divisionen an. Auch der gestern erfolgte Einsatz eines frischen, ausgeruhten und aufgefüllten sibi­ rischen Korps konnte die Linie nicht erschüttern, Türkische, österr.-ungar., preußische und sächtsische Regiementer gleichen fast jeden örtlichen russischen Erfolg durch Gegenstöße aus, so daß die am 8. bezogene Narajowka-Front den hei­ ßen Kampftag siegreich bestand. An 3500 Ge­ fangene blieben aus den Kämpfen westlich Slanenbyen vor allem, in der Hand der siegreichen Verbündeten. Die russischen Verluste in "die­ sen Septemberkämpfen werden auf 40 bis 50000 Mann geschätzt. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Berlin, den 19. September 1916. (Unberechtigter Stach druck, auch auszugsweise, verboten.) Die Kampfe an der Iront des Generals Grafen von Bothmer und m den Karpathen. Telegramm unsres zuni Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. Hauptquartier der Armee Erz'hierzogKarl, am 18. September. Der Generalstabschef der öfterr.=ungdc, Thronsolgerarmeen, General . ... der an al­ len Fronten schon in hervorragenden und ent­ scheidenden Stellen gewirkt hat, faßte in einer Unterredung, die er mir heute gewährte, sein Urteil über die Ereignisse an der Reihienfronk südöstlich Lemberg bis Siebenbürgen dahin zu­ sammen, daß die Entwicklung, die zu einer engen Vermischung deutscher und österreichischungarischer Truppen überall auf diesem ganzen Teil der Ostheere geführt habe, zu einem festen und günstigen Abschluß gekommen sei, den auch russischer Masfeneinfatz, nicht entischeidend mehr umstoßen könne. Der Eintritt Rumäniens habe die Karpathenfront verlän­ gert, selbstverständlich aber einen irgendwie entscheidenden Einfluß auf die Lage nördlich Siebenbürgens hat das vorschnelle Marschie­ ren der rumänischen Divisionen nicht. Mit stolzer Freude erkannte der General das schnel­ le Einarbeiten der beutfdben Truppen in dem für sie neuen und schwierigen Gebirgskrieg an. Man hatte erst gemeint, daß sich die Leute, von denen viele zum erstenmale in ibrem Leben Berge, hohe, schneebedeckte Berge sahen, nicht leicht mit den Besonderheiten des Hochjgebirgskrieges abfinden würden. Sie haben sich bewährt, auch die ältesten Jahrgänge, die als Alpenttuppen ausgebildet wurden. ────────── Druck u. Verlag I. F. Rietsch, Landshut. Ver­ antwort!. Redatteur F. X. Wagner, Landshut. ────────── Ter AdtransPort des griechischest 4. Ar­ meekorps. Soifia, 19. Sept. Der erste Transport griechischer Truppen, ein Regimentskomman­ dant und einige zwanzig Offiziere mit ihren Familien und etwa 400 Mann, passierten am Sonntag Sofia. Zar Ferdinand schickte zur Begrüßung den Generaladjutanten Sawow> und den Hausmarschall Weich. Die Offrzieresßamilien wurden mit Milch und Kuchen bewirtet. Die Soldaten erhielten von der deuffchen Ver­ pflegungsanstalt warmes Effen. Welches Schick­ sal die Entente den griechischen Truppen in Ost- und Westmazedonien zu bereiten gedachte, läßt sich aus der Behandlung der jungen Grie­ chen ermessen, welche vor dem Einrücken der Bulgaren in Kavalla nach Thäsos gingen. Die­ se wurden zwangsweise in die revolutionären Truppen in Saloniki eingereiht. Am Balkan.