Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-01-22. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 17, 1918-01-22. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Endlich sagte er: "So steht's, Dimttri, sinn' nach über alles, urteile mit freiem Kopf und freiem Herzen, dann wird mancher berückend schmeichelnde Irrtum zerrinnen, aber kn der Wirklichkeit und Wahrheit hellem Tages­ lichte wirst du glücklicher feto. Durch Zweifel und Selb, zu Glück und Frieden. Bald, hoffe ich, wirst du auch leiblich frei fein. Noch gehen wir Spuren nach und müssen unsere Fährte bis zu Ende verfol­ gen, aber ich hoffe und du darfst auch hoffen. Gott schütze dich." Damit ging er. Auf dem Wege traf er Stephan Anionow Dieser grüßte und sprach hastig: "Ich bin eben beim Richter gewesen, ich habe allerlei gebracht und andere kamen mit Nachrichten von der serbischen Grenze. Simeon Slawen fragte nach dir, Herr "So treffe ich ihn jetzt?" "Ja." Christo Stanitschew ging zu Simeon Slowen. Eist wollte ihn der Diener nicht vorlaffen- Als Christo aber befahl, dem Richter seinen Namen zu nennen, weil der ihn bestellt habe, hörte der Wider­ stand auf. I Bin Balkan-Roman von A.Winkler; I ! ! ! I , Tannvnberg. > ! I | 53] | i ;?! I , j Maihdruck verboten.) Wieder kam eine Erinnerung über Dimttri, die ihn mit tiefer Wehmut erfüllte. Aber er sprach sie nicht aus, auch dem treuen und lieben Freunde verriet er sie nicht. Er dachte zurück, wie die Mutter an feiner Brust jammerte und der Vater ihn abschiednehmend noch einmal drängte, die Wahrheit zu sagen, ohne Rücksicht darauf, ob sie einen andern vernichte. In diesem Augenblick hatte von Oberstock her, wo die herabstürmende Mutter die Tür offen« gelassen haben mochte, sein Name geklungen. Zwei-, dreimal, weh und klagend, wie ein Geisterruf. Und weiter schlich es fich füß und beschwichtigend in feine zerrissene Seele, wie das blonde Klnd ihn stets umlauscht hatte, um jeden Wunsch, j-den Ge­ danke» zu erraten. Wie demütig bescheiden dies Sorgen und Hegen war, keinen Blick, keinen Dank begehrte und doch zufrieden war! — Und dann das todesmutige Bekenntnis zu einer schweren, da« eine, keusche Herz mißhandelnde« Lüge, nur um hn zu reiten! Vor dem Freunde fand er eine» gefesselten Mann, dessen Kopf verbunden war. An der Stirn des schwarzhaarigen finsterblickenden Fremden traten Blutflecken durch das weiße Leinen des Tuches. Slowen sah auf. [ • > I . 1 ; "Gut, daß du kommst, Christo Stanitschew, die Sachen können nicht (besser stehen, als De es jetzt tun. Ich denke, ,in ein, (zwei /Tagen isst Timitri Manolow frei. Ich wünschte, daß!du, als sein Verteidiger, einem Verhör beiwohnst, das sehr wichtig ist. Zu besserem (Verständnis will ich dir nur kurtz erklären," führ feer in französischer Sprache fort, "daß dies Zwo Äaqq, ein Albanese ist, der in Peter Fedorowitsch Suworins Späherdiensten stand. Mein Späher hat ihn verfolgt und gefunden. Wie,, bleibe hier unerörtert. Tie Frage: Wo istidie Frau? hat wieder einmal- die Antwort gebracht. -Er ist verhaftet, weil er ein Gewehr gestohlen hat und denke dir, dies Gewehr ist Passelbe eigenartige, hier gar nicht landesübliche, mit dem Bojan erschossen wurde! Seltsam nicht? Davon weiß der Halunke aber noch (nichts ^uNd deshalb sag ich dirs in einer ihm -unverMndlo­ chen Sprache, die du, wie jch Weiß, verstehst!" * (Fortsetzung fvlgt.) ' ‘ % ────────── Vlämische Selbständigkeitsbestrebungen. Erkundungsvorftötze im Westen. — In Mazedonien Vorfeldkampfe. — Chaotische Lage in Rumänien. — Die Auflösung der russischen Konstituante. ────────── Die Heeresberichte. Der deutsche Bericht. ! s WTB. Berlin, den 21. Januar 1918. Wsvhes HauptquartterZ ■rwti NeS SkwrwifcBwurf*«!!» KrauiprMtz HaMmeAt t tMW ' Nordöstlich und östlich toion Wern, sowie an der Front von Lens bis Epehy hielt gestei­ gerte Artillerie tätigkeit an. Südlich, von Bendhuilles blieben bei Abwehr eines engli­ schen Vorstoßes Gefangene in unserer Hand. [ PF» MvtHM In einzelnen Abschnitten in den Champagne und Ku beiden Seiten der Maas KampstätigMt der Artillerien. Nordwestlich von Reims und in den Argonnen hatten kleine Unterneh­ mungen unserer Erkundungsabteilungen Er­ folg. ' l An den beiden letzten Tagen wurden 11 feindliche Flugzeuge und 1 Fesselballon abgeschoffen. - L I ( veGlichr»ch«rte»»sch«»yr»Ä. | Nichts Neue». ««LeSksEchle W»««. Zwischen Wardar und Tioiransee lebte das Artilleriefeuer Zeitweilig auf. In der Sücumaebene käm es 'mehrfach! zu Borfeldkämpfen, die für die Bulgaren erfolgreich! ve»:liefen. ; Atalienischer Kriegsschauplatz. , steint besonderen Ereignisse. Ter 1. Generalauarttermeiftcrr Ludendorff. WTB. Berlin, 21. Amuar. Amtlicher Abendbericht: ! Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. ────────── Der österr.-ung. Bericht. 1 WTB. Wien, den 21. Januar. Mittags, ■tttlto «stcü tiertmimatsi Keine besonderen Ereignisse, i Ter Chef des GeneralstabS. ────────── Der türkische Bericht. WTB. Konftantinopel, 20. Januar. Amtlicher Heeresbericht: I Palästinasront: Nördlich El Bire schob Wh der Gegner näher an unsere Linien heran. E» besetzte eine Höhe südöstlich Tura, von der unsere Sicherungen zurückgenommen waren. Ter Angriff unserer Infanterie entriß dem Leinde die Höhe sofort wieder. i , I i ; , ────────── ' PTB. Sofia, den 20. Januar. Amtlicher Heeresbericht vom 18. Januar. Mazedonische Front: Im oberen Skumbital führten unsere Einheiten erfolgreiche Er­ kundungen aus. Eine feindliche Gruppe, die sich dem Skumbinfer näherte, wurde durch Feu­ er zersprengt. Westlich vom Prespasee, im Cernabogen, in der Mvglenagegend und an mehreren Punkten zwischen Wardctzk und Dviransee zeitweilig lebhafteres Artilleriefeuer u. kurze Feuerangrisse im Vorgelände. In 'dar Gegend der ünteren Struma verblieben unsere Erkunduugsabteilungen mehrere englische Znsanterieabteilungen. Im Wardartale lebhäste Fliegertätigkeit. : , , 1 T«cr Held von Prßemtzsl, Knsmanek, i« ! Stockholm. ! W i,e n, 19. Jan. Aus Stockholm wird den hiesigen BMtern gemeldet, dort seien die ^ beim Falle der Festung Przenchsl in russische I Gefangenschaft geratenen österreichischen Ge| neräle Kusmanek, Kamafsy und v. Weber cm» | gekommen, die gemjäß Uebereinkowwen wit Ruß­ land bis WM Friedensschluß dort interniert bleiben würden. Außer den Genannten sind noch vier weitere österreichische Genei äle in | Stockholm interniert worden. Der bulgarische Bericht. ────────── 1 Tie vlämischie Selbständigkeitsfrage. i B rü ssel, 20. Jan. Das Zentralvlämische Pressebüro veröffentlicht folgende Mittei­ lung des Rates von Flandern: Entsprechend | dem in seinen ersten Kundgebungen vor JahresI frift aufgestellten Ziel hat der Rat von Flan| dern in seiner allgemeinen Versammlung «cm i 22. Dezember 1917 feierlich und einstimmig Flanderns volle Selbständigkit beschlossen. In Verfolgung dieser Erklärung legt de»: Rat von Flandern sein ihm von der vlämischen Landes­ tagung vom 4. Februar 1917 übertragenes Mandat nieder und wird ftdji einer Neuwahl unterziehen, die dem vlämischen Volke GeÜegen| heit geben soll, seinen Willen W dieser BtzI schlutzsasfung des Rates kundzugeben. Die $ Kommission der "Bevo llmchhtigten: Prpsessir 1 Tr. P. Brhs, Professor A. T. M. Jonakx, I Professor K. Heydrick, Professo,: T. Vernieuv«, | Professor I. de Tekker, Ver-Hees, Dr. Avgl I Borms, Professor F. Brulez. § Kühne Erklln-«Wg. | Aus dem Felde wird uns geschrieben: | Ter Feind lag drüben, jenseits des Eisen* bahndammes, irgendwo tmi flandrischen Sumpf I und Schlamm. Wiederholt hatten die Franken, J die ihm gegenüberlagen, seine Linie festzustel­ Vom westlichen Kriegsschauplatz. len versucht. In der Nacht aber war in diesem Gelände überhaupt nichts W erkennen Ta hörte der Dizeseldwebel Beyerlein aus Bahreuth, ein alter Patrouillenführe,:, daß der Regimentskomandeur geäußert hatte, man müßte es schließlich einmal am Tag versuchen. "A gut!" reckte sich Beyerlein, "mach 'mers am) Tag." Im hellen Morgenlicht des nächsten Tages um 8 Uhr -rächte er sich mit dem Fähnrich Schleuftnger «ms Nürnberg auf und pirschte sich nach vorn. Schon waren sie jenseits des Flusses und kamen in die Nähe eines alten Betonunterstandes, der einsam int Felde ragte, da erhielten sie deutsches Artilleriejeuer. Sie mußten Wrück. "Geh'n mer halt morgen noch-mal", sagte Beherlein unverdrossen und hart­ näckig. | Am nächsten Morgen schlichen Beherlein \ und Schleuftnger mit 4 Mann zum zweitenmal : Vor. Sie krochen durch versumpfte, ehemals I deutsche Gräben immer weiter, bis sie kurz i vor dem Bahndamm! an ein neues, aber schwn« ; ches Drahthindernis kamen. Nun hieß es: "Aus!" Und wie ausbrochendes Wild fegten sie im strahlenden Sonnenschein durch das Drahthindernis hindurch, über den Damm hin­ weg und — waren im englischen Graben. Ta hatte man Ihn also. Aber kein Engländer war zu sehen. Auf einmal hörten sie Schritte. Und gleich daraus kam um die Schulterwehr herum ein Tommy getrottet, nichtsahnend, mit einem Sack in der Hand. Wie er später er­ zählte, hatte er Post geholt, während die an­ deren Posten frühstückten. "Halt!" schrie Beyer­ lein und hielt ihm den Mevolver vor die Stirn. Ter Tommy fuhr erschrocken aus allen Träu­ men auf. Schon hatten ihn vier Fäuste ge­ packt, sein Hilfegeschrei und Widerstand halfen ihm nichts. Er wurde «ms dem Graben ge­ zerrt und mitgeschleppt. Die Sonne lachte. Tie Engländer aber nahmen jetzt den Spaß doch übel und funkten hinter unseren braven Franken her. Waren wohl ein wenig zu auf­ geregt. Fünf Minuten später krochen die Tieutschen mit ihrem Fang in den schlamwigen Graben wieder zurück, durch, den sie gekommen waren "Am Tag gehts doch! besser!" meinte Beherlein. als er Tommy! und Meldung über­ brachte. 1 Verlängerung dar Militärvienstpflicht in England und Frankreich. ' ' Ter "Mattn" schreibt M der neuen Siebe Lloyd Georges: In parlamentarischen Kreisen nennt man Lloyd Georges Ruf nach Verkäugerung der militärischen Dienstpflicht bis zum 55. Lebensjahre 'Nur als den ersten Vorläusvc, der gleichen Maßnahme auch für Frankreich. Darauf lassen auch bestimmte Aeußerungen menceaus im Heeresausschuß der Kampier, be­ sonders am letzten Mittwoch, schließen, die vvn der restlosen Einsetzung per verfügbaren fran­ zösischen Man nschastsbestände sprachen. ; , ' ────────── Aus Russland. Die Knv^’ntf: bet? Versaffun^LrersammlnügReuter meldet aus Petersburg vom 20. Januar: In der konstituierenden Versamm­ lung ‘verlad Swerdlow eine Erklärung bei: Arbciterrschte. Titse verlangt, daß die russisch^ Republik der Sowjets das Privateigentum ab­ schafft und das Eigentum der Arbeiter an ihrei: Arbeit und den Arbeitszwang einführt, daß die Arbeiter bewaffnet und die müßigen KKlassen enttoatjttet werden, daß eine sozialistische Armee geschaffen wird und die Anleihen für ungültig erklärt werden. Die <$cTüär:ung schließt damit, daß die Macht ausschließlich den Arbeitern und den Sowjets ge'Zürt. Matro­ sen, mit Gewehr und Bajonett bewaffnet, stan­ den in den Gängen; Zwei Feldgeschütze waren am Eingang ausgestellt. Tie konstituierende Versammlung beschloß 6nstt 273 gegen 140 Stim­ men , die Beratung der Erklärung de»' Afrbeitexrechte Zu vertagen. Taraushin verfließen “oje Bolschewiki und linksstehenden Sozialrevoluti.imöre den Saal: die Zurückbleibenden Sozial­ revolutionäre der Rechten nahmen trotz bet; Drohungen der bewaffneten Matrosen in al­ ler Eile ihre Maßnahmen betreffend Grund und 'Woben an, sowie den Vorschlag, an die Kriegführenden Abordnungen zu schicken, um den Weltfrieden herzustellen. Tire Bolschewiki in Wladiwostok. "Tailh Mail" berichtet nach Reuter aus Tientsin: Ter Telegraph in Wladiwostok und Ghackbin ist in den Händen der Bolschewiki. Mehrere Schiffe liegen bereit, um die Japaner $n Sicherheit zu bringen, falls die Ereignisse es erforderlich machen. Hungersnot in Rußland. Aus Stockholm wird berichtet: Nach zuver­ lässigen Nachrichten aus Rußland herrscht in den Gouvernements Nowgorod, Koströwna, Wladimir, Smolensk, Moskau, besonders Orenburg und Turkestan Hungersnot. Der VolkÄkommissar für Verpftegungsangelegenheiten hat eine Verfügung gegen die Anarchie jmVerkiehrswesen erlassen. Tie Verpflegung der hungern­ den Provinzen und der Front sei Bei den jetzi­ gen Zuständen unmöglich. Tie Rote Garde und revolutionäre Freiwillige sollen die Ord­ nung des Bahnverkehrs wieder herstellen. 1 > I Krhlenko gegen Rationalheere. Las Stockholmer Esthnische Bureau teilt dem Vertreter des WTB. mit, der russische Oberbefehlshaber Fähnrich Krhlenko habe durch einen Befehl die Bildung nationaler Truppen­ teile verboten. Dieses Verbot, das die Tarsheliuyg des russischen Heeres nach alter Art be­ zweckt, geht auf die schlechten Erfahrungen des Maximalismus :irit den nationalen Truppen», teilen zurück. Tie Zusammenfassung der estdirischen Truppen der verschiedenen Waffengat­ tungen und der organisatorische Ausbau der esthländischen Armee schreiten planmäßig fort. ────────── Aus neutralen Ländern. Scharfes Vorgehen der Schweiß gegen Unruhe­ stifter' Tie Schweizerische Tepeschen-Agentur mel­ det: Das Militärgerjcht verurteilte die An­ geklagten Jtschner, Acklin, Leonie Käscher, Bar­ tel, Heuberger und Meine!, alle beteiligt an den Unruhen in Zürich-Außersihl, wegen Meu­ terei im Komplott und Geihilfenschaft 'hierzu, Pu Gefängnisstrafen von 6 Wochen bis zu zehn Monaten und Ehrenfolgen. Oberleutnant Ack­ lin wurde degradiert und Weibel auf vier Jahre des Landes verwiesen. Täe Schweig protestiert. ' Nach dem Berner Bund hat das Schweizer politische Departement den Schweizer Gesand­ ten in Paris beauftragt, bei der französischen Regierung gegen die Einstellung von Schwei­ zern in Die französische Armee zu prorestk«en. Tiefes Vorgehen der Schweizer Regierung 1 stellt den zweiten Protest dar, der in dieser An­ gelegenheit von Schweizer Seite unternommen' wurde. ' ────────── Gegen Rumänien. j Verworrene Lage in Rumänien. Tie "Basler Nationalzeitnng" berichtet: Verschiedene Nachrichten aus Rußland bestä$ tigen, daß die Zustände in Rumänien chaotisch | sind. Tie rumänische Armee teilt sich in mio= I navchisttsche und revolutionäre Parteien. Der : König und das Schloß sind von einer starken Wache von Offizieren und königstrenen Trup­ pen umgeben. Viele russische und rumänische Svzfialistenführer wurden verhaftet, weil bei ihnen Nachrichten entdeckt wurden mit dem Ziel, die Regierung Zu stürzen und den König gefangen zu nehmen. Tie Soldaten desertieren massenhaft von der Front; überall werden große Versammlungen zugunsten des Friedens abgehalten. ────────── Aus Amerika. 'Tie Schwierigkeiten der amerikanische»» Waffenhilfe. Im "Korrespondent", der führenden katho1 lischen Zeitschrift Frankreichs, wird jetzt ausj einandergesetzt, daß bei den Amerikanern wohl I der gute Wille besteht, die Sendung der größt| möglichsten Truppenmacht nicht aus die lange | Bank zu schieben, daß gber "bic Schwierigkeiten 1 der Vorbereitung, Ausrüstung» Verschickung u. Versorgung eines Heeres von 500 000 Mann zu groß seien,, als daß die Entente vor 1919 aus die so sehnsuchtsvoll erwartete amerikani­ sche Hilfe rechnen könne. Auf Grund einer Aufstellung der "Saturday Post" in Philadel­ phia schildert die Zettschrist, was alles für die Europaexpeditton benötigt wird: Eine hal­ be Million Mann, die nur den vierten Teil der versprochenen amerikanischen Hilse dai:stellt, braucht iß Frankreich 40 000 Eisenbahn­ wagen und die Errichtung von vier besonderen ; Häfen zur Entladung von tägliche 25 Trans­ portschiffen. Dazu sind ferner nötig tausende amerikanischer Lokomotiven — an denen es übrigens schon ohnehin in Frankreich längst fehlt —, tausende von Kil.^ietexn neuer Gleise, tausend? von Kühlwagen, fast unzählbare Am­ bulanzzüge und Autopackwagen ur Beförder­ ung von Lebensmitteln. Munition undBedarssartikeln aller Art. Auch! eine eigene Metrnlemnversorgung u. eigene Reparaturwerkstätten sind dabei nicht ZU entbehren. An Kohlen für ein Heer von 500 000 Mann müssen die Bereinigten Staa­ ten 53 000 Tonnen Kohle nach Frankreich sen­ den. Tagegen hofft man in Frankreich genü­ gend Holz zu finden — obwohl die Bevölker­ ung Westsrankreichs schon seit 1917 bitter klagt über die Verwüstung der Wälder—. Für: jeden Fall aber braucht man für die Wholzuyg und Verwertung des Holzes 35 000 Mann. Eine Armee von 19 000 Arbeitern ist nötig, um das Material auszuladen, zu verteilen itftb weiter zu oefördern. Tie Ernährung der 500 000 Mann ssptzt voraus: 13 350 Pfund Rindfleisch, 3 375 000 Pfund Speck, 13 350 000 Pfund Mehl, 14 830 000 Pfund Kartoffeln, 1046 000 Pfund Kaffee, 3 Millionen Pfund Zucker und sonst noch allerlei. Tie Versorgung mit Waffen und Muni­ tion muß natürlich mit grötzhnDglichster Be­ schleunigung vonstatten gehen. $6 000 Pfleger­ innen, Ordonannzen und Aerzte müssen den Transport begleiten. Für die amerikanischen Truppen und für die Bevölkerung von Gegen­ den, die geräumt werden müssen, sind große Hospitäler zu errichten, jedes zu 1000 Betten mit ausreichendem Zubehör. Für ein halbes Jahr sind 94000 Tonnen Medikamente und Zur Reserve wettere 20 000 Tonnen vorauszu­ sehen, und so fort. Selbstverständlich find die Bedürfnisse für Brückenbau- und Pionierwesen Telegraphen und so fort hinzuzurechnen und anzuschaffen und all diese Ziffern sind mit 4 zu multiplizieren, da 2 Millionen Soldaten in Frage kommen. Das französische Blatt ver­ fehlt auch nicht, zu erwähnen, daß der ge­ plante Bau von tausenden von Holzschiffen leider einen ärgerlichen Mißerfolg erlitten hat. .Höchstens 250 Schiffe föhnen 1918 gebaut wer- •ben. Das Projett des Mister Denmen, tau­ sende von HolAhissen zu schassen, hat sich in der Folge als undurchführbar »wiesen. Nun wird man sich Wohl für Stahlschiffe ent­ scheiden müssen, aber die Zeit ist jedenfalls ver­ loren. Alles in allem sieht man, daß es mit der Verwirklichung der goohmundigen ameri­ kanischen Trohungen vorläufig noch gute Wei­ le hat. Bis 1919 wird noch mancherlei ge­ schehen können und geschehen, das für Herrn Wilson und seine Bundesgenossen nicht geplant gewesen ist. Ter amerikanisch-englische SEHuff, die Hauptwaffe der anglo-amerikanischen Poll-' ttk verliert endlich seinen letzten Kredit. ────────── Der Krieg zur See. Tie Unterseebootsbeute im Dcßembpr- ; Berli n, 21. Jan- Tie Gesamtbeute un­ serer Unterseeboote im Dezembpr 1917 soll, tote verlautet, wesentlich größer sein, als in den letzten Monaten, und die Zahl von 700 000 Tonnen übersteigen. I ' Ein BrichiüDampser in die Luft geflogen. Nach holländischen Blättermeldungen wur­ de der frühere ungarische und jetzt in stanzvsischem Besitz stehende Tampser "Tibor" imHafen von Port Said das Opfer einer Explosivst. Tie "Tibor" lag im Hafen von Port Said, wo ihre Berchinladung aus unbekannter Ur­ sache explodierte. i ────────── An unseren Zusagen Wunen wir aber nur fest­ halten unter der Voraussetzung, dah,bie über­ wiegende Mehrzahl der polnischen Bevölker­ ung durch- die Tat und ihr tatsächliches Ver­ halten beweist, daß sie jeden Gedanken einer Lohtrennung vom preußischen Staate abweist. Mt Staatsangehörigen, die mit diesen Gedan­ ken spielen, können wir nicht zusammenarbei­ ten. . , ^ Streiks waren in Wien ausgebrochen, die zumteil politischen Charakter hatten, in der Hauptsache aber sich gegen eine verfügte Be­ schränkung der Lebensmittelration richteten. Durch Vereinbarungen zwischen der Regierung und der sozialdemokratischen Parteileitung wurden nun die Streiks beigelegt. Gegen falsche Gerüchte. In der süddeut­ schen Presse findet sich die Nachricht, daß Deutschland nicht nur an die Schweiz, sondern auch an Italien Kolhle liefert Md daß ins­ besondere die in der Schweiz aus Teutschland angegangenen Kohlensendungen nach Jtaliem umgeladen werden. Diese Mtteilung ist falsch!Daß Deutschland nach Italien keine Köhlen liefert, ist selbstverständlich, und dafür, dah die nach der Schweiz gelieferten Kohlen nicht nach. Italien weitergehen, ist unbedingte Vor­ sorge getroffen. ────────── Nach zweieinhalb Aahren. Ter Sohn eines Landwirts in Altenricht schrieb am 20 Juli 1915, daß er am 15. Juli gefangen genommen worden sei Seit dieser Zeit fehlte jede Nach? richt. Am 6 Januar 1918, also nach zweiein­ halb Jahren, kam eine Karte vom 14 Oktober 1917 an, daß er gesund sei und schon oft ge­ schrieben habe Ten Angehörigen ist aber keine einzige Nachricht zugekommen Unterschlagung^» eines Postbeamte«. Grö­ ßere Veruntreuungen hat sich der Postsekcetäp Ahnert vom Königsweg in Schpneberg schuldig gemacht. Ahnert war als Vorsteher einer Paketannahmestelle in Schöneberg tätig und hat dort fett geraumer Zeit Postpakete entwen­ det. Ta er bei Anzeigen über den Verlust eines Paketes stets selbst die Untersuchung lei­ tete, so konnte er ungehindert die Diebstähle fortführen, bis er jetzt endlich der Diebstähle überführt und seines Amtes enrhoben wurde. Durch einen Orkan, der in den Abendstun­ den des 16. Januar in Windsheim (Msr.) wü­ tete, wurde eine Feldscheune zum Einsturz ge­ bracht. Ter Gipsarbeiter Mülle»:, der in der Nähe der Scheune Schutz suchte, wurde von ihr begraben und konnte nur mehr als Leiche geborgen werden. < Durch ausgeströmtes Gas gctkttet. Zn Nürnberg wurde eine 22 Jahre alte Arbeiterin Allerlei. tot aufgefunden. Tie Zimmer waren mit Gas angefüllt. Es waren die Hahnen der Zimmer­ lampe und des Kochherdes geschlossen, nur der Hauptleitungshahn war nicht vollständig ge­ schlossen; außerdem wurde festgestellt, daß das Rohr unter diesem Hahn defekt war. Das dadurch- ausgeströmte Gas führte den Tod der Wohnungsinhaberin herbei. ' Im Ranch erstickt. Tie Armenhäuslerin Kreszenz Mittl in Unterpeichtng bei Rain am Lech, zündete die im Hau^gang befindlichen Bauschen an, um das Armeichaus zu verbren­ nen. Dann legte Fie sich wieder zu Bett. Ortsbewohner bemerkten den Ranch, sprengten die Türe auf und fanden die Lebensmüde tot im Bette. Blitzschlag im Winter. Bei dem am! 16. Januar abends über die Regensburger Gegend gegangenen Gewitters schlug der Plitz in bett Kamin 'des Kerlingschen Gutes in Rodau. Ter Kamin wurde teilweise demoliert, weiterer Schaden nicht angerichtet. ────────── Bayerische Nachrichten. Ein großer Preiswucher-prozeß. Nach viertägiger Verhandlung wurde von ber Straf­ kammer des Landgerichtes München I der Kauf­ mann Georg Brenner in Minchen wegen Preis­ wuchers und Kettenhandels mit Lebensmitteln zu einer Geldstrafe von 6000 Mark verurteilt. 2700 Mark oder 180 Tage Gefängnis werden davon als durch- die Untersuchungshaft getilgt angesehen. v Berunglückter Flieger. Am Freitag nach­ mittags gegen 3 Uhr übeHlog von Osten'kom­ mend etrO'Flieger die Stadt Pfaffenhofen .Aus den unsicheren Bewegungen konnte man schon erkennen, daß etwas nicht in Ordnung war. Außerhalb der Stadt mutzte er notlanden und dabei ging das ganze "Flugzeug in Trümmer. Ter Flieger selbst ist verletzt und war längere Zeit bewußtlos. Er scheint innere Verletzun­ gen davongetragen zu haben. 1 1 Sanitätstotteric. Bei der am Samstag mittags stattgefundenen Gewinnziehung der Bayerischen Sanitätslotterie fiel der erste Haupttreffer mit 20 000 Mark auf die Nummer 137 438, der zweite Haupttreffer mit 3000 Mk. aus die Nummer 119695 und der dritteHauPttreffer mit 2000 Mark auf die Nummer 33401. Je 1000 Mark gewinnen die Lose 123172 und 68 234; je 300 Mark die Lose 87 143, 141 37f7, 154005, 75 789 und 66 418; und je 200 Mark die Lose 20 645, 87 413, 32 703, 91 96,7 und 142 692. (Ohne Gewähr.) Seine Majestät König Ludwig und Ihre Majestät die Königin Maria Therese vom Bay­ ern begehen am 28. Februar das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Tem Wunsche Ihrer Majestäten entsprechend soll die Feier mit Rück­ sicht auf den Ernst der Zeit in einfachster Weise begangen werden und sich unter Um­ gangnähme von größeren Veranstaltungen im wesentlichen auf Gottesdienste, eine Beglück­ wünschung durch Vertreter des Landes in der Residenz und auf Schulfeiern beschränken. Von der Darbringung von Geschenken soll abge­ sehen werden. Erfreulicherweise sind im Lan­ de Bestrebungen im Gange, Mittel auszubrin­ gen, um der Allgemeinheit zugute kommende Wohltätrgkettsstiftungen upd -Unternehmun­ gen ins Leben M rufen oder weiter auszuge­ stalten, um so den Gefühlen der Liebe, Treste und Anhänglichkeit gegenüber dem Allerhöch­ sten Jubelpaare .in einer dem Sinne Ihrer Majestäten entsprechenden Weise Ausdruck zu verleihen. > Umfang des Postscheckverkehrs in Bayer»: Zahl der Postscheckkunden Ende Tezember 1917 21361, Zahl der Postscheckkunden Ende No­ vember 1917 21060, mithin Zugang iim! Teztzmber 1917 301. Anfden Konten sind im Dezem­ ber 1917 ausgeführt 1132 200 Gutschriften über 462 415 978 Mark und 553101 Lastschrif­ ten über 447 149 297 Mark; Umsatz 1685 301 Buchungen über 909 565 275 Mark, davon find bargeldlos beglichen 501 463 898 Mark. £a§ durchschnittliche Guthaben der Postscheckkunden im Tpzember 1917 betrug 62153 549 Mark. Im Ueberweisungsverkeh-r mit betn 1 Auslande sind 877 495 Mark umgesetzt worden ────────── Niederbayerische Helden. I Me er am 24. Mai 1916 bei D. trotz völli­ ger Umzingelung den Mut so wenig verlor, daß er die zu seiner Gefangennahme vorbre­ chenden Franzosen selber entwasflrete, bewähr­ te sich Unteroffizier, nachmals Vizefeldwebel Karl Englhart der 5. Kompagnie 12. Infan­ terie-Regiments aus Haag, B^-W- Eggenfelden, Bauarbeiter zu Kraiburg, B.-A. Mühldorf a. I., auch in den späteren Oktobertämpsen bei 6 als umsichtiger und unerschrockener Führer, indem er nach einer gefahrvollen Erkundung mit ganzen drei Mann einen vorgeschobenen Trichter tagelang gegen alle Anstürme festhielt und sogar, als er sich umgangen sah, nicht vom Platze wich, sondern seine Leute durch zündende Worte und sein eigenes glänzendes Beispiel zur erfolgreichen Ausdauer hinriß. Bald darauf gelang es seinen unermüdlichen Beobachtungen am 28. Oktober die Vorberei­ tungen zu einem Angriffe rechtzeittg zü ent­ decken, sodaß man de« Feind durch, Sperrfeuer niederzuhalten vermochte. Zu feinen bereits früher erworbenen Kriegsauszeichnungen er­ hielt Englhart nunmehr auch die Silberne Medaille. Mt Pflichttreue und Schneid war wäh­ rend der schweren Kämpfe bei M. am 15. Aug. 1916 der Krankenträger Alois Ede,: der 5. Kompagnie, ein FuhrWecht ans Thalham, B.-A. Bilshosen, überall zur Hand, wo man seiner Hilfe bedurfte. AIs er in der Nacht zum 3. August vernahm, mehrere Schwerverwundete seien 200 Meter Stbr der Front liegen gebliebben, eilte er trotz größter Gefahren sosprt freiwillig hinaus und schleppte seine Kame­ raden, den breiten, wütend beschossenen Raum mehrmals durch,messend, unter großen Mühen zurück. Tiefe selbstlose Tat trug ihm die Sil­ berne Medaille ein. Unerschütterlich, wie er am 1. August 1916 im härtesten Kampfe an seinem Maschinenge­ wehr ausgehalten hatte, wich, auch 12 Tage nachher Infanterist.Johann Seltner der 2. Maschinen-Gewehr-KonchagNie eines Reserve-In­ fanterie-Regiments, Bauer aus Unterwendling, B.-A. Kelheim, bei einem Angriffe Nicht vom Platz und hielt durch wiederholte geschickte Schwenkungen seines Kleingeschützes den in die Stellung eingebrochenen Gegner andauernd unter vernichtendem Feuer, sodaß der Anstumn zum Stehen kam. Alsdann brachte Seltner die Meldung über den Vorfall mitten durch das rasende Sperrfeuer selbst zurück. Tie Silberne Medaille bildete den verdienten Lohn. Nach einer zermalmenden Beschießung durch Artillerie und Minenwersee war am 8. September 1917 der Unteroffizier Alois Hofer, ein Bauerssohn aus Grafensee, B.-A,. Eggenfelden, beim Aüftollen des Kampfgra­ bens aus überlegene Kräfte gestoßen und konnte sich nur mit ^äußerster Mühe halten, indem er auf der Rückenwehr stehend, wie ein Löwe kämpfte, bis Unterstützung herankam und den Feind auch hier unter Verlusten zurückweisen half. Hofer erhielt die Silberne Medaille i Passau, 20. Jan. (Hindenburgs Danks) In jüngster Zeit fanden Hier im Stadttheater vaterländische Jugendvorträge statt, in denen Hauptschriftleiter Matches über "Teutschen Geist" und "Teutsche Disziplin" sprach. Nach dem letzten Bortrag wurde von beteiligter JuKgendseite an Hindenburg eine kurze begeisterte Kundgebung gerichtet, worauf folgende Ant­ wort eintraf: "Herrn Hauptschiciftleiter Mat-' thes, Passau. Großes Hauptquartier S. W.; pol. Abt. Mit herzlicher Freude erfüllt mich' das Gelöbnis der Jugend Passaus, unserem kämpfenden Geschlecht nachzueifern, gehorsam gegen Gott, Landesherrn, Eltern und Vorge­ setzte. Teutsche Disziplin imp deutscher Geist haben uns die Riesenkraft verliehen zum Wi­ derstände gegen den übermächtigen Feind. Deutsche Jugend, laß Dir dieses Kleinod nicht rauben! Werde nicht international, bleibe alle­ zeit kerndeutsch! Generalfeldmarschall v. Hin­ denburg." ────────── Letzte Posten. Reue «-«-otSersol-e. r WTB. Berlin, 21. Januar. (Amtlich.) Neue U-Bootserfolge auf dem nördlich enKriegsschauplatze: 22 000 Brutto-Regi ftertonnen. | Ter Ches des WmiralstabeS der Marine, j Reichstagsersatzwahl. Reutlingen, 21. Jan. Bei der gestri­ gen Reichstagsersatzwahl für den bisherigen !Abgeordneten v. Payer gaben von 16 878Wahlj berechtigten 4408 Wähler ihre Stimme für jben Volksparteikandidaten Landtagchrbgeordneien Scheers ab. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. Me Kriegsgewinne. Berlin, 21. Jan. Im Unterausschuß stellte Unterstaatssekretär Göppert fest, daß einje Uebereinstimmung bestehe, die Kriegsgewinne möglichst für das Reich in Anspruch zu neh­ men. Ueber die Weise und den Weg zum Ziel beständen noch Meinungsverschiedenhei­ ten. ' 1 j Teutsch-englischer 7?esange«enanstausch. London, 21. Jan. (Reuter.) 320 bri­ tische Kriegsgefangene, die aus Teutschland zu­ rückgekehrt sind, kamen heute an Bord der Schiffe "Sindora", "Seeland" und Königin Regentes" in Boston an. Ein zweiter Trupp deutscher Kriegsgefangener, die zur Internier­ ung in England oder Heimkehr nach Deutsch­ land bestimmt sind, geht Piprgen von'Bostpn ab. ────────── Literarisches. Hundesport und Jagd. Amtlich« Zeit, lich« Zeitschrift des Teutschen Reichsverbandes für Polizei- und SchVtzhunde, E. B. mit 28 Unterabteilungen und anderer Verbände. Er­ scheint wöchentlich einmal im Berlage Gund» lach-Bielefeld. Preis vierteljährkich 2.26 M Tas freie Wort. Frankfurter Halbmonats­ schrift für Fortschritt auf allen Gebieten del! geistigen Lebens. Herausgegeben von SN Henning. 15. Jahrgang. Heft 19/20. Frank­ furt a. M. Neuer Frankfurter Verlag G. Bi b. H. Preis vierteljährlich 2 Mark, Der »er­ laß gibt auf Wunsch Probehefte gratis ab Der "Baumeister", Monatcheste für Architek tut und Bauprox.r, (VerlagSbuchbehanolung Georg D. W Cüllwey) Das Heft ist zum Preise von 3 —.Mark durch alle Buchhandlungen z» beziehen. Tie Illustrierte Kriegs-Chronik deS Ta heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen qe» radezu aus dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Ehroniksttl die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist eS also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Waffentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag von Belhagen und Klw fing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Hef­ tes 60 Pfg.) "Wachtfeuer" (Architektur Verlag "Drr Zirkel" m b H, WiivelwM. 4h, '(W* 20 Pia.) iS Da« neueste 145. Heft erschienen ────────── —* Für das Stadtmuseum wurden 4m Jahre 1915 917 Mark ausgegeben. Permögen beträgt 33 708 Mark. —* Stadttheater. Heute Dienstag geht als 3. literarischer Albend die Tragödie von Walter Harlan: "Das Nürnbergisch Ei", in Szene. Dieses hochbedeutsame Werk des mo­ dernen Autors hat gleich nach seinem Erschei­ nen berechtigtes Aussehen erregt. Es behandelt die Crsindung der ersten Schiffsuhr durch den Ni! rnlergischeu Meister Peter Henlein, geschickt toerfnäbft mit starken dramatischen Motiven, in poetischer, archaisierender Sp> ache geschrie­ ben. Wir dürfen schon heute das Werk zu den besten deutschen Bühnenstücken der Gegenwart rechnen und alle Freunde moderner deutsche,: Literatur in Landshut mögen die Gelegenheit wahrnahmen, das gediegene Werk durch die helttige Ausführung kennen zu lernen. ────────── Stadttheater. 1 AM Sonntag Abend ging an unseren, Dheaterihmmel der neueste Stern Lehars auf. Des produktiven Musikers letzte Operettennbuheit "Ter Sterngucker" hatte auch bei uns nicht den Erfolg, den man ehedem an den Namen Lehar zu knüpfen pflegte. Das Libretto von Tr. Löhner und Dr. Willner atmet die alte Dürftigkeit der in den letzten Jahren zum Uebel gewordenen Operettenmache, deren text­ liche Blößen weder die Musik Lehars noch die epidemisch auftretenden Lärche und Gliederverrenkrrngen zu bedecken vermögen. De Ope­ rette hat entgegen der sonstigen Gepflogenheit nur 2 Akte und das ist entschieden ein Vorzug. Ter traditionelle dritte Akt bringt gewöhnlich nichts neues, er beeinträchtigt meist nur die Wirkung der vorhergehenden Akte. Eine Hand­ lung vermochte ich an dem Sterne nicht zu entdecken und wenn ich meinen Gucker noch so schars drauf einstellte. Ter Beifall des auskerfausten Hauses dürste in der Hauptsache der wirksamen Wiedergabe der Tausteller zuge­ schrieben werden. Herr Brückner hatte in der Titelrolle stimmlich wie darstellerisch einen glücklichen Tag. Sein Dr. Höser, einnehmend und liebenswürdig, war auf den richtigen Ton gestimmt und darf als die beste Partie, die er bisher innehatte, gelten. Ties Sternguckers niedliches Schwesterchen Kitth gab Frl. Blom auch wieder einmal Gelegenheit, in den Vor­ dergrund tzu treten. Ein vornehmes natürliches Spiel vereinigt sich mit ihrer hübschen Stimme i?n einer äußerst ansprechenden Leistung. Einen ausgezeichneten Partner hatte sie in Herrn Direktor Diu Qnedenseldt, dessen svmvathische Tenorstimlue der Partie besondere Geltung verschaffte. Ganz allerliebst sang und spielte Frl. Mikulska die Belly Mit alt ihren tollen Einfällen. Neben der Titelrolle war sie wohl am meisten an den Gesangswieder­ holungen Und an den daran hastenden Beifallskkundgebungen beteiligt. Kleinere Partien gab es noch in Masse, herauslMziehen sind viel­ leicht noch die MiM des Frl. Zink und die Isolde des Frl. Walter. Herr Kaspar bereicher­ te als Auskunfteivertreter Rappenheller sein Repertoir wieder um eine köstliche 'Episode. Herr Weigel lieh! dem ewig kündigendem Hausfaktotum Nckpomuk trockene Kpfnik und war außerdem als Regisseur um die wirkungsvolle szenische Bearbeitung bemüht. Angenehm Überrascht hat diesmal auch das Orchester, ttoS unter der Leitung des Herrn Kurt Hirsch so­ wohl rhythmisch als im Zusa-mMenfPiel erheb­ liche Fortschritte machte. Hg. ^ ────────── Vermischtes. Kanadische Gefangen eubehaZtvlung. Gelehrige Schüler ihrer Lehrmeister vom "Baralong" und ähnlichen Fällen sind die Ka­ nadier. Tret deutsche Unteroffiziere, die in ihre Hände gefallen waren und im November 1917 entweichen konnten, sagen darüber unter ihrem Eide aus: Gleich nach der Gefangennahme wurden allen Deutschen sämtliche Sachen abgenommen, die sie in den Taschen hatten; widersetzte sah Fernand, so wurde er erschossen oder in ein verschlammtes Granatloch gestoßen. Einen Leutnant traf bereits die mörderische Revol­ verkugel eines kanadischen Offiziers, als er aus dem Unterstand hervorkroch. Tie ausge­ plünderten Gefangenen wurden dann in die Nähe von Batteriestellungen gebracht, in ein mit einem Trahtzaun umgebenes Lager. Dort wurden Leute ausgesucht, dieVerwundete aus der ersten Linie holen und Munition, Wasser und Waffen nach vorne bringen mußten. Tret Tage lang wurden die Leute lzu diesen Arbeiten zurückgehalten, mehrere fielen dabei durch deutsche Geschosse. Tann transportierte man sie rückwärts, filmte sie unterwegs und unter­ suchte sie vor Eintreffen im Samjmellager noch­ mals eingehend aus "Andenken". Ter Marsch währte die ganze Nacht hindurch!. Im Lager waren die Zustände unerträg­ lich. Waschgelegenheit gab es nicht; erst nach etwa 4 Wochen erhielt jeder in einer Brause­ badeanstalt etwa einen halben Liter Wftsser zum Waschen, andere Bademöglichkeiten wur­ den nicht geboten. Von da ab mußte das Waschwasser von der oft 10 Kilometer entfern­ ten Arbeitsstelle in Benzinkannen mitgebracht werden. In den ersten Monaten yerrschte im Lager unbeschreiblicher Schmutz. Infolge dieser völlig ungesunden Verhältnisse meldeten sich täglich rund 80 Mann'krank, von denen aber nur die wenigsten krank geschrieben wurden, obwohl fast alle erfrorene 'Füße hatten; mutz­ ten sie doch mit zerrissenen Schuhen, bloßen Füßen, zerfetzten Hosen, vollkommen zerlumpt zur Arbeit gehen. Allen denen, die sich krank meldeten, die aber nicht auch krank geschrieben wurden, entzog man zudem für einen Tag die Verpflegung und ließ sie schmutzige, un­ würdige Verrichtungen als Strafarbeit tun. Wie sticht es dagegen ab, wenn einer die­ ser Kanadier, der in unsere Hände fiel, erMlt, er habe im Sammler 1915 als zweiter Offizier auf einem Handelsdanrpfer, der Munition von Malta nach den Dardanellen brachte und unter­ wegs torpediert wurde, nur Anerkennung und Hochachtung für den deutschen Unterseebootkommandanten empfinden können, der sein Möglichstes für die Rettung der Schiffbrüchi­ gen getan habe! Ein italienischer Notschrei. Nach dem gewaltigen Zusammenbruche am) Jsortzo/ dessen folgenschwere Auswirkungen noch durch den einsetzenden Winter verschärft werden, fühlt auch Italien die ganze Schwere und Härte des Kriegs, um so inehr, als es ln seiner Nahrungsmittel- und Rohstoffversorgung im Laufe des Krieges immer mehr von [be$ Gnade seiner Verbündeten, namentlich Eng­ lands, abhängig geworden ist. Mit dem rapid sich verringernden Schiffsraum Englands steigt natürlich in erster Linie. ^— denn der Made Engländer denkt zunächst an sich! — die Rot Italiens in doppeltem und dreifachem Tempo. Tiefe immer bedrohlicher anwachsende Not, die in Italien aus Maßnahmen, Reden, Stvatzenkundgebungen, aus blutig unterdrücktem Aiüfruhr und Massenverhaftungen hervorklingt, hat einem besorgten Patrioten, Guglielmo Emanuel, die Feder ftr die Hand gedrückt, (um dem englischen Volk das bittere Los seines südlichen Vaterlandes zu schildern und der englischen Regierung das Gewissen zu schärfen. Er ver­ öffentlicht in der angesehenen Londoner Wo­ chenschrift für auswärtige Polittk "The NewEurope" einen kläglichen Hilferuf und eine bittere Anllage gegen die Entente, der wir einige besonders bemerkenswerte Stellen ent­ nehmen: "Es muh offen herausgesagt werden, daß das durchschlagendste Argument der italieni­ schen Pazifisten darin besteht, die Unzulänglich­ keit des Opferwillens unter den Alliierten feit betonen. . . Italien trat in den Krieg «ein, seine wirtschaftliche Lage noch unsicher war. .... Und dennoch hat von den »Alliierten gerade Italien, was die Zumessung an Schiffs­ raum, Getreide und Kohlen angeht, nur eine Beteiligungsrate erhalten, die nicht einmal betet Mindestmaß seines Bedarfes entsprach. Bet der Zuteilung des Schiffsraumes würde die geo­ graphische Lage Italiens nicht genügend be­ rücksichtigt. ... Bei der Kohlenzuteilung wur- , de übersehen, daß Italien selbst überhaupt'kein« i Kohlenbergwerke besitzt, während es unter no«cI malen industriellen Bedingungen^ d. h. bei 1 Außerachtlassung des infolge der MunitionsI Produktion gesteigerten Bedarfes, eine jähr| liche Kohleneinsuhr von 10 Millionen DonI neu erforderte. Aber in den elften sechs Wo| naten des Jahres 1917 wurden nur 8 597 600 I Tonnen Kohle nach Italien gebracht. , So | wurde Italien das einzige Land der alliierten Nationen, in welchem alle Fabriken, die nicht direkt für Militärzwecke arbeiteten, aus Feu­ erungsmangel geschlossen werden Mußten. Tie tatsächliche Unmöglichkeit für private Firmen, Kohlen zu erhalten, schnellte den Marktpreis auf 600 bis 700 Lire für die Tonne empor. !Auch die Eisenbahnen in Italien und viele wichtige Munitionsfabriken mußten ihre unzjulänglichen Kohlenvorräte durch Hvlzfeuerung ergänzen. Dadurch stieg der Preis fite Holz auf 400 Lire die Tonne. Tie traurige Folge war, daß in dem ohnehin waldaruten Italien die wenigen noch vorhandenen Baum­ bestände abgeholzt und selbst die älteren Oli­ venbäume abgehackt wurden. Ter Mangel an Kohlen hat den Zuglverkehr auf ein «unglaub­ liches Mindestmaß beschränkt. Hierdurch wur­ de die Verteilung der Vorräte ernstlich in Mit­ leidenschaft gezogen. Und das wirkte wieder hindernd aus dre Munitionserzeugung. Eine Knappheit an Brot war jn England, Frankreich oder Deutschland, wo mau es durch andere Nahrungsmittel ersetzen kann, aus­ zuhalten, aber in Italien bildet das Brot dps Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. "Ge­ treide — sei es jn der Form von Brot «de« Makkaroni — mcuht 75 b. H. ifyer Nahrung der gesamten Bevölkerung aus. Mcht allein die Arbeiterklassen, sondern ein beträchtliche«: Teil des Mittelstandes ,ist tatsächlich für feinen Lebensunterhalt ans' Brot angewiesen und das umsomehr, als in Italien tose anderswo ibie übrigen Nahrungsmittel zur Neige gehen. Tie Tauer des Krieges hat den Viehbestand in Ita­ lien stark vermindert und so einen Mangel alt Milchprodukten hervorgerufen, die sonst eine Nahrungsreseckve bildeten. Italien, das vor dem Kriege stets Butter und Käse ausführte, hat heute nicht genug für den eigenen Ver­ brauch. Selbst beim Heere ist die Knappheit der­ art, daß die Fleischrat,ion auf 250 GrämM — Knochen einbegriffen — vermindert wer­ den mußte. Aber schon seit Mehr als -einem halben Jahre gehört Fleisch nicht mehr gu der täglichen Nahrung des italienischen Soldaten. In diesem Jahre betrug die Ernte unglücklicher­ weise eine Million Tonnen weniger als die Ernte des Vorjahres, die selbst bereits tum mindestens 2 Milsionen Tonneq hinter dem wirklichen Bedarf der Bevölkerung zurückgeblieben war. Es hätten also wenigstens Z Millionen Tonnen Getreide nach Italien einge­ führt werden müssen, ultt das Hungergespenst feu bannen. Letzteres drohte deutlich genug in dem Zeitraum zw.ischen der alten und der Neuen Ernte, als alle Reserven tatsächlich' Er­ schöpft waren. r Zu diesem Zeitpunkt fanden in mehr als hundert Städten in Italien Gewalttätigkeiten und Kundgebungen wegen des Brotmangels statt. Eine allzu kurzsichtige Zensur hatte le­ diglich den Erfolg, 'lange 'Zeit 'den Alliierten diese Vorkommnisse zu verbergen. Ms diese Szenen aber schließlich in den alliierten Län­ dern bekannt wurden, da fand man es bort be­ quemer, die italienischen Hungeraufstände aus einen mangelhaften Berteilungsplan der Italic* Nischen Behörden zurückzuführen. Tie Lage ist voller Gefahr und zwingt den Alliierten die Pflicht aus, nicht allein im Interesse Italiens, sondern in ihrem eige­ nen Lebensinteresse, Italien zu helfen." Wenn dieser klägliche Notschrei in Eng­ land kein Gehör sinden wird, so 'soll der Ita­ liener sich nicht über die englische Hartherzjigket beklagen. England kann nämlich nicht mehr helfen, weil es selbst kaum noch helfen kann und mit schwarzen "Sorgen in die Zukunft sieht. [ , . . i i , L ────────── Inserate. ────────── Bekanntmachung. Betreff. Verkehr mit Gegenständen des täg­ lichen LeSensbeSarfs. Wiederholt sind bei der städt. LebenSmitielstelle Klagen darüber eingelaufen, daß die Abgabe von Milch, Petroleum and anderen Gegenstände» des täglichen Lebensbedarfes abhängig gemacht wird vom Bezug anderer Waren, insbefonders Zucker und Käse. Wir machen darauf aufmerksam, daß jeder be­ dingte Verkauf verboten und strafbar ist. Verfehlungen gegen die bedingungslose VerkaufSverpstichtung werden künftig unnachstchtlich zur Anzeige gebracht. Geschäfts­ inhaber, welche die Abgabe einer Ware abhängig machen von der Abnahme einer anderen, setzen sich demnach einer Bestrafung aus, außerdem haben sie die Sperre des Geschäftes zu gewärtigen. L a n d s hu t, den 11. Januar 1918. gtaöttxux&ifiv