Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-01-04. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 3, 1918-01-04. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 003 4. Januar 1918 ────────── ' Schiffsbaues auf 2 Millionen Tonnen. Tie gleiche Wochenschrift hatte einige Tage vor­ her geschrieben: Wenn es dem Verband nicht gelingt, die Schiffe im Umfange der deutschen Versenkungen zu ersetzen, so ist der Krieg ve».*loren! Ter Leiter des englischen Schiffahrtsamtes ließ folgenden Notschrei in der amerikanischen jPresse veröffentlichen: "Es i Hürde die wider­ sinnigste Erscheinung in der Kriegsgeschichte sein, .renn der Krieg dadurch entschieden wer­ den sollte, daß 'es mißlingt, “oie Aufgabe, 6 Millionen Tonnen im Jahr zu bauen, zu lösen." Nun findet man aber in der "Times" vom 13. November eine sehr interessante Nachricht aus Washington, nach der das amerikanische Schiffahrtsamt ttrimer noch glaube, sein Ver'sprechen erfüllen zu können, daß Ende 1918 Schiffe von 6 Millionen Tonnen Ladegericht bereit sein würden und 10 Millionen Tonnen Io früh ,rie möglich 1919. Dazu würde esnMig sein, noch mehrere Hunderttausend , rieitem. 1 Ar­ beiter einzustellen, um in ?, i et oder drei Schichten arbeiten zu können. Bekanntlich rechnet man im Schiffbau säst ausschließlich mit Bruttoregistertonnen, d. h. dem Maßinhalt der Schiffe unter Teck, ein­ schließlich aller Aufbauten, Wohnräume, Koh­ lenbunker, Maschinen, Kessel-, Vorrats- Pro­ viantraume uflv. Tas Verhältnis von Lade­ tonnen zu Bruttotonnen stellt sich ungefähr aus 15:10. Mithin würden den 6 Millionen! Ladetonnen nur etirla 4 Millionen Bruttoton­ nen entsprechen. Selbst angenommen, es ge­ länge den Amerikanern, ihr phantastisches Programl'n zu verlr§rklichen, so würde das bei ireitem noch nicht die Einbußen durch den U-Bootkrieg, die im Jahre 1917 auf über 9 SMllionen Bruttotonnen zu veranschlagen sind, 1 rettmachen können. ' Es scheint Imkhgerade, als ob die ameklkantschen Schisfbaubehörden endlich die Un­ möglichkeit gingesehen haben, ihr Programm auszuführen, und deshalb auf künstliche Art durch Verschleierung von Brutto- und Ladetoni­ nen (nach dem Vorbild Lloyd Georges), ab! riegeln. Uns tarnt es schon recht sein. Jeder Fachmann in Teutschland iror sich von Anfang an darüber klar, daß die amerikanischen Schiffbaupläne unausführbar froren. Ebensowenig l"te z. B. die deutsche Stahlindustrie ihren Ertrag plötzlich um ein Vielfaches vermehren kann, ist es auch den Amerikanern nicht -mög­ lich, ihren Schiffbau um das Dreißtgfache zu steigern, nachdem sie w Durchschnitt der letzten Friedensjahre nur 200 000 Bruttotonnen jähr­ lich fertiggestellt haben. Wenn also jetzt schon von amerilkanischer Seite so viel Wasser in den Wein der englischen Begeisterung über die amerikanische Hilfe gegossen irerben muß, so er­ geben sich die Schlußfolgerungen von selbst daraus. Um so ruhiger können ttr bet* Wei­ teren t ricklung unseres U-Bootkrieges entgegen­ sehen. ────────── Die Stellungnahme der Entente noch unklar. — Beiderseitige ErknndnngsdorstSke im Westen. — Rene U-Bootserfolge: 34000 Tonne». Fortsetzung der Friedensverhandlungen. ────────── Die Heeresberichte. ────────── Der deutsche Bericht. ' WTB. Berlin, 3. Januar 1918. Hauptauartrertt MleMUAtt Ati(|l{A«ail«i. An verschiedenen Stellen der Front Artilleriekampf. Nahe der Küste Irurben bei gelungener Unternehmung Gefangene gemacht. ; sFranzüsische Borstöße in der Champagne, nördlich von Prosnes und nöwdlich von Le Mesnil scheiterten ( tn unserem Feuer. 1 vest-licher «riegssOckntzlntz. lähtfcta Reue«. Au der mazedonischen und italiänischen Krönt ist die Lage unverändert. £ec L SeaetolottacttermetBieeit . Nnvenvorkf. WTB. Berlin, den 3. Januar. Amtlicher Stzbendbericht: Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 3. Januar, mittags. Utasr-.rci wird nerton ttwct: OeLSr«®i*i*{* Krieg» WnnsÄrr. Unverändert. Ter Chef des Generalstabs. ────────── Der bulgarische Bericht. * 1 Sofia, den 2. Januar. Amtlicher Be­ richt vom 31. Dezember: Mazedonische Front: Krischen Wardar und Toiransee nahm das Airtilleriefeuer nach­ mittags zu und dauerte bis in die Mitter­ nacht an. hieran's versuchte eine englische Ab­ teilung, sich unseren Stellungen südöstlich des Torfes Stetakoirv' zu nähern, wurde jeddch »urückgerorfen. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie Flüchtlinge in Frankreich. 1 Tie Besetzung französischer Landesteile durch unsere Truppen hat außer dem Haüptborteil, dchß sie die Heimat auf die einzig lvirksame Art schützen und uns Faustpfänder sichert für uns ne$| die mittelbar gfitnfttgte Wirkung, daß sie das wirtschaftliche und mop ralische Turchhalten des Gegners erschwle,.t, da aus den besetzten Gebieten die Einwohner in sehr bedeutender Zahl ins unbesetzte Frank­ reich geflohen sind. Wie sich aus der jüngsten Kamyierdebatte über diese Flüchtlinge ergibt, betragen diese nicht i reuiger als leinhalbMillionen und ihre Lage veranlaßt noch tmtner lebhafte Klagen und Beschi verden. Ihre Ver­ sorgung fällt größtenteils den Gemeinden zur Last und gestaltet sich, wie der Unterstaatssekretär des französischen Ministeriums des In­ nern zugeben mußte, außerordentlich schwierig, da das Land — zumal außerhalb der aus durchsichtigen Gründen besser verpflegten Hauptstadt — mit wachsenden Ernährungsnöten zu kämpfen hat, wßrd die innere Sorge durch diesen Zulrachs an Unterstützungskedtlrftigen erheblich vermehrt. Ter Männermangel in Frankreich. Die Tatsache, daß französische Divisionen von der Westfront auf die italienische Front verschoben wurden, macht es notwendig, daß Männer von über 50 Jahren zu den Waffen gerufen werden. Ter Munitionsminister hat übereinstimmend mit Clemenceau beschlossen, daß die Arbeiter, die für den Dienst mit der Waffe mobilisiert > norden sind und den Jahr­ gängen bis 1914 angehören, ans den Industrie­ betrieben zurückgezogen und zur Verfügung des Oberbefehlshabers gestellt jrerben sollen, len. Tiefe Manßahme tritt omii 15. Januar in Kraft. Clemenceans Zensur. Im Journal du Peuple I rendet 'ich Fabre gegen Clemenceau. Es sei ein offenes GeCheimnis ,daß die sriedenssreundlichen und so­ zialistischen Soldaten der Republik zurückgesetzt Itürben. Tie nationalistischen und klerikal- na­ tionalistischen Organe, feie Action Fraucaise, Echo de Paris und Action Irurben sreigebig verteilt, 1iährend das Journal de peuple und andere radikale Blätter perboten und ihre Leser disziplinarisch bestraft irerden. Tiie Neujahrnacht an der englischen Front. Ter Korrespondent der Times bei bei- bri­ tischen Armee in Frankreich meldet: Das neue Jahr mürbe von den britischen Truppen mit einem plötzlichen Orkan von Geschützfeuer einge­ leitet; um Mitternacht wurden 12 Salven aus 12 Batterien abgegeben. Tab ei ivurden be­ stimme Punkte systematisch beschossen, während die leichteren Geschütze einen Regen von Schrapnells über Pas ganze Gelände niederge­ hen ließen. Tie Teutschen antworteten auf die­ selbe Weise oder indem sie mehrere Minuten lang ein Gardinenfeuer abgaben. ────────── Aus Rußland. Tie Festigung der Macht der Bolschewtti. I Tie Daily News meldet aus Petersburg: Tiie Antimort der Zentralmächte au fdie Frie­ densvorschläge der Maximalisten hat im gan­ zen Lande einen günstigen Eindruck gemacht. Tiefer klare und kategorische Verzicht auf alle, iwährend des Krieges gemachten Eroberungen und die Bereitwilligkeit, den Völkern, die VjiKkern, die während des Krieges ihre Unabhän­ gigkeit verloren haben, dieselbe zurückzugeben^ machen die Erklärung des Vierbundes zu eznein) Höhepunkt des Weltkrieges. Es ist nicht mög­ lich, zu sagen, Hie sehr die Stellung der Bolschel riki durch d,ie deutsche Erklärung ge­ stärkt wurde. Zweifellos hat sie sich aber auch durch die Aufnahme von zehn Vertretern bpc sozialrevolutionäreu Partes in den Rat der Polkskonrl.i.issare erheblich gefestigt. Man glaubt, daß i renn die Bolschewik^ jetzt dieKvnftttuemte zusamlrbntreten lassen, sie beinahe ganz RuUand hinter sich haben Irerden. . . ────────── Der Krieg mit Italien. , Italiens «erOVSrPige Dumi-Tlumj-Go- ' 1 I schosse. | Bei einem gefallenen Italiener sind be­ kanntlich TUM-DuenMeschosse gesunden wor­ den. Um Italien von dieser nachweislichen! Unmenfchlichkeit reinzuwaschen, macht die offizi­ elle Atzeucia Stefani eine höchst sonderbare Anstrengung. Sie erklärte, da sie die Tatsache nicht abstreiten kann, diese Geschosse seien nie­ mals an der Front Verivendet worden, sondern lediglich für den belvassneten Dienst im Landesinnern bestrmsftt. Frankreichs Mehl für Italien. ! Bemerkenswert ist eine Mitheilung des französischen Crnährnngsministers, daß Fs ankreich den Italienern während der siegswichen! Offensive der Mittelmächte gegen Italien trotz der ftanzösi scheu Brotnöte einen großen Postyn Brotmehl geschickt habe. Wie ans der ganzen Art dieser Mitteilung hervorgeht, ist bteifer Liebesdienst keineswegs freiwillig, sondern nur auf englischen Truck erfolgt. Das Londoner Komitee hat offenbar für den Fall der Nicht­ erfüllung seiner Wünsche mit der Einstellung der Brotgetreidesendung nach Frank eich ge­ droht. ────────── Der Krieg zur See. Darlegungen, die dem Adlmiral Beressord Recht geben und die optimistischen Ministerreden Lü­ gen strafen. Ter Marinemitarbeiter' der Tismes schreibt z. B. ant 6. Te!zp,*nber über den U-BootKrieg: "Tie drei letzten Wochenberichte geben 11, 13 und 16 große englische Schisse als versenkt an. Es i r,Ire die Höhe der fTorheit, die SchwieI rigifeiten der gegen ; artigen Lage zu unter» * schätzen. Es ist et ras Wahres an der Behaup­ tung des deutschen Reichskanzlers, daß die Hoch­ seeflotte als Reserve und Hilfe hinter den U-Booten steht, denn sie trägt zum Schutz der U-Boot (Basen und zur Offenhaltung der Wege bei, auf denen die U-Boote die Straßen des Schiffsverkehrs erreichen." Auch der Pariser "Figaro" irrn nt davor, von einem Scheitern des U-Bootkrieges zu sprechen. Ebenso stößt die italienische "Stampa" in dasselbe Horn und zieht gegen alle Schönfärberei zu Felde. In ihrer Ausgabe vom 9. Tezejmlber heißt es: "Tas sch, rankende Verhalten der Regier­ ungen hat es zugelassen, daß sogenannte nauti­ sche Sachverständige zur U-Bootsrage einen völ­ lig unberechtigten Optimismus zur Schau trü­ gen und es so darstellen durften, als ob die U-Bootdrohung Deutschlands zu einem Kin­ derschreck geworden sei. Es unterliegt keinem Zi beisel, daß das in seinen Wirkungen so ernste Tonnenproblem eine gefährliche Zuspitzung er­ fahren hat." Aus allen Lagern der Feinde hören mit zunehmende Klagen und Besorgnisse, je reitet der U-Bootkrieg fortschreitet, und die h.-regeführten Völker merken die Wirkung unserer See sperre täglich deutlicher. Hieran re»:ben auch alle zukünftigen optimistischen Reden der Ententeminister nichts 'mehr ändern können. I Tier Ernst der U-Bootdrohung. Wir sind selten mit de>m Sinn der Reden einverstanden, die jm englischen Unter- und ' Oberhaus gehalten werden. Was aber Admiral Beressord in der Sitzung des Oberhauses ant 13. Dezember gesagt hat, das können mir völlig unterschreiben. Wir sind ganz derselben Mei­ nung, daß viele der jüngst von englischen Mi­ nistern abgegebenen Erklärungen "rednerischer Blödsinn" sind, daß die Minister für den Pre­ mierminister Lloyd George einen "rirksamen Maulkorb" erfinden möchten, und daß er seine .Mnger von maritiimlen Tingen lieber fortlassen »olle. , i Tiefe Feststellungen des englischen Admi­ rals finden also in Deutschland, für das be­ kanntlich die englischen Ministerreden in erster Linie gehalten sterben, rückhaltlose Zustim mung. Aber auch das harmlose englische Pu­ blikum dürfte schließlich angesichts der Beresfordschen Erklärungen stutzig Sterben, denn in tausendfachen Variationen stößt in seiner eige­ nen Presse auf Klagen, Schilderungen und ────────── Die Friedensverhandlung. ' Tie Entente und Brest-Lttotvtzk. Tie Times meldet aus Washington: Ari­ schen London und Paris und Washington fin­ det ein Gedankwmustausch über die Form der Antrort auf die deutsch-österreichischen Frie!densbedingnngen statt, die durch die Bolsche- rieft den Alliierten übermittelt Kurden. Es ist noch nicht entschieden, ob Wzls-on, Lloyd Geprge und Clemenceau antsrörten werden, tim beja­ henden Falle Kird die Antwort mit den Erklä­ rungen Wilsons übereinstimmen und SrnahrMeinlich eine iwiedecholte Tarlegung derKsiegsziele in der Form eines Aufrufes an dtp feindlichen Völker über den Kopf ihrer Herr­ scher hiüreg enthalten. Tlie Entente und dis FriedenWerhaNSlungen. Der Petersburger Korrespondent vomHuvudstod Tagblad meldet, die WeHrnlächte seien bereit, an den Friedensverhandlungen teilzu­ nehmen. Tie den Westtzrüchtevertretern nahe­ stehenden Kreise erklären, man sehe keinen an­ deren Aus reg, als gemeinsaimi mit Rußland die Friedensverhandlungen einzuleiten. Tiefe Aeußerungen stammen aus maßgebenden Botschasterkreisen. Buchanan soll in seinem letz­ ten Bericht an Lloyd George aus das Wün­ schenswerte eines derartigen Schrittes hingei riefen haben. Nach einer Rotterdamer Meldung der B. Z. a. Mittag bildet dort das allgemeine Tagesgespräch auf den Straßen und in den öffentlichen Lokalen das Reutertelegramm, w'onach England, Amerika, Frankreich und Italien im Gedankenaustausch stehen, i.reil das Ange­ bot der Zentralmächte, selbst mit Czernins Be­ dingungen, unter Umständen auch für die En­ tente annehmbar wäre. > i t Vaterländischer Hilfsdienst o|ltte Arbeit und nur mit geringem Opfer ist es, de» Goldschatz der Reichsbank zu stärken. Tlarum verkauft Euren überflüssigen Gold­ schmuck der Goldankanfsstelle Bayer. Vereinsbanksiliale LandshUt ) , (Neustadt 514). . , | 1 ────────── eine Art "Greisen" zu spielen. "Hier konnte {feine Nase hoch," sagte der Infanterist und lieh sich vergnüglich die Sonne auf das Gesicht scheinen. Wir stiegen hinunter. Ein Paar russische Offiziere erschienen gleichfalls am "VerkehrsiPunkt". Freundliche Begrüßung beiderseits. Vorstellung. Es gibt viel zu fragen, und es kommen merkwürdige Gespräche zutage. ■. in jener Nacht," sagt ein Russe, "stieß, ich mit einer Patrouille von Ihnen nicht 'reit von hier zusammen." "Tie führte ich," sagt ein deutscher Leut­ nant. "Sie ticorfen eine Handgeräte, aber die explodierte nicht." "Hm," sagt der Teutsche. "Ach, es ist doch ganz gut so", meint der Russe, ".ras sollte sonst aus Ihrem Ka­ viar rerden." , t Tie Geschichte nsit dem Kaviar ist nÄnlich die, daß der deutsche Leutnant zu Weihnachiten Heiratsurlaub hat und daß der Russe nach Minsk schicken '.rill, um ein paar Pfund Ka­ viar für das Hochzeitsmahl!zu besorgen. i Tie Russen ihrerseits möchten gerne fran­ zösische Spielkarten haben. Im ganzen Ba­ taillon ist nur noch esn halb zerrissenes Spiel int Gebrauch, und die Winterabende sind lang. "Wird besorgt!" "Wie sieht esgeytlich Ihr Hindenburg jetzt aus?" Man holt ein paar Bilder. $[ie russi­ schen Zeitungen drängen sich förmlich um die illustrierten Zeitschriften. Tie Dolmetscher beider Seiten können klaum schnell genug tibersetzen, um jedem zu seinem Verständigungsrecht zu verhelfen. Wir gehen zurück. Tie russischen Offi­ ziere greifen an ihre Mützen, denen t>ie KoIkarde fehlt, knie ihren Uniformen das Offijziersachselstück und selbst die Kriegsorden. Tie Mannschaften grüßen unsere Offiziere in auf­ fallend guter Haltung beim Abschied. "Seit ein paar Tagen," erzählen mir un­ sere Herren int Bataillonsikasino. ..sind die Abzeichen abgeschafft. Es sollen Armbinden angelegt sterben mit der Bezeichnung: "Ba­ taillonsführer", "Regimentssiührer", "Afmeesührer" usw. "Wir "rerben ein geruhsameres Weihnach­ ten haben, als alle die Jahre. Herr Gott, man glaubt manchmal gar nicht an dsis Sch teigen der Artillerie..." Wir tvinjßenict us Weihnachten. (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter ────────── Brest-Litowsk dritter Teil. ' Ter erste Teil der Brest-Litos.yAke«: Verk Handlungen galt dem Abschluß des Waffen­ stillstandes. Ter zweite Test betraf bereits die Friedensverhandlungen und führte unmittel­ bar vor dem Weihnachtsfeste zu einer über­ raschend schnellen Einigung in einer Reihe von Fragen ,die freilich übev.viegend recht­ licher und wirtschaftlicher Natur toatren, sowie zu betn von russischer Seite gewünschten Be­ schluß, eine Pause in den Verhandlungen ein­ treten ßu lassen, um den Alliierten noch ein­ mal eine Gelegenheit zur Beteiligung zu ge­ ben. Diese Frist käust am 4. Januar ab, und an diesem Tage werden die Verhandlungen in Brest-Litowsk zwischen dem Vierbund und Rußland wieder ausgenommen und da wei­ ter geführt i.tetbett, wo sie stehen geblieben sind, wobei die beiderseitigen Unterhändler sich einer wesentlich klareren Sachlage gegenüber se­ hen werden. Tenn wenn es wirklich Optimi'tert gab, trelche sich einredeten, daß man am Freitag die englischen, französischen, italienischen usw. Unterhändler am Brest-Litowsker Beicatungstische vorfinden l.rerbe, so sind sie unterdes­ sen eines besseren belehrt worden. Zwar läßt Lloyd George ,der seinen französischen Kol­ legen an diplomatischer Schlauheit über ist, verlauten, daß er die deutsch-österreichjischen Friedensbedingungen "als ernsten Schritt an­ sehe und sie zu beantworten gedenke, sobald sie amtlich vorliegen I rerben", aber seine vor­ sichtige Zurückhaltung und die Auslassngen der fkomjrmndierenden englischen Zeitungen lassen deutlich erkennen, daß er nicht etlro mitver­ handeln, sondern in Fortsetzung seiner bis­ herigen Taktik nur insoweit Fühlung mit der russischen Regierung sucht, um die Verhand­ lungen in ihrem weiteren Verlause wenn möglich noch stören oder wenigstens verzögern zu können. Tie Franzvsen sind in dieserBeziehung aufrichtiger, und die Erklärung Pichons, daß Frankreich au sder "Wiederhe».'stellung Elsaß-Lothringens" bestehe, sowie der Kamsmierbeschluß betreffend den Apsruf der Jahresklasse 1919 sind die deutlichste Ant­ wort au f den Brcst-Litoivsker Appell der Rus­ sen an ihre bisherigen Bundesgenossen. Tie Vertreter des Vierbundes und Ruß­ lands (rerben sich also bei dem alml 4. Januar beginnenden dritten Teil der Brest-Litoivsker Verhandlungen, wie schon betont, einer we­ sentlich vereinfachten Sachlage gegenübersehen, And die Geneigtheit zum (SntgegenLtemictt dürf­ te aus russischer Seite umsofmehr (wachsen, je mehr (man erkennt, daß die Entente nicht nur bei den Friedensverhandlungen nicht mitsmckchen (rill, sondern bestrebt ist, sie weiter zu durch­ kreuzen und den bisherigen Bundesgenossen nicht aus der Zange (zu lassen. Aber trotz | diese Klärung der Lage " und trotz der tütete* I rasch enden Sch nelligkeit, mit der iml ersten und I zweiten Teil der Verhandlungen eine Einigung herbeigeführt wurde, soll man nicht beken­ nen, daß bei dem jetzt beginnenden Teil 3 noch erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden sind, sehr wesentliche Differenzen bestehen. Vor allem in bezug auf die Lösung der territorialen Fragen., die sich bekanntlich' auf Polen, Litauen, Kurland fotoie Teile von Est­ land und Lijvland beziehen, wobei unter den Teilen von Livland das Gebiet ant Rigaischen Meerbusen, unter dem Teilen Von Estland das Gebiet nördlich dckpon zu verstehen ist. Tie russischen Unterhändler haben sich, zu hem "Recht aus Selbstbestimwwng bis zur Abson­ derung" für diese Gebiete bekannt, hie sich frei über die Frage ihretc. Vereinigung mit bete einen oder anderen Reiche oder über die Bil­ dung eines selbständigen Staates entscheiden sollen. Aber es (wird die Herbeiführung ei­ ner Volksabstimjmjung unter besonderen Kautelen, vor allem der vorherigen Zurückziehung der Truppen gefordert. Tie deutsche Regie­ rung stellt sich dem gegenüber auf denStandpunkt, daß die bisherigen Kundgebungen in diesen Gebieten, so die Erklärungen des kur­ ländischen und des litauischen Landesrates und des polnischen Regentschaftsrates, bereits als Ausdruck des Volksftillens anzusehen seien. In diesen Kundgebungen kam bekanntlich nicht nur die feste Entschlossenheit zur Loslösung von Rußland, sondern auch eine starke Strö­ mung für den in irgend einer Forte 'zu suchen­ den Anschluß an Deutschland, bezw. seitens Polens an die Donaumonarchie, zute Ausdruck. Trotzdem hat die deutsche Regierung sich bereit erklärt zur Herbeiführung eines "Volks­ votums au f breiter Grundlage"', bei der icgenb ein militärischer Druck ausgeschaltet sein soll. Tie Modalitäten und der Zeitpunkt dieses Vo­ tums sollen durch eine besondere Koteteissijon festgesetzt werden und mit einer solchen Kojm^ Missionsberatung haben sich züm Schluß auch die russischen Delegierten trotz aller Vo»:behalte einverstanden erklärt. Tie Aussichten für eine Einigung scheinen mithin gegeben zu sein, und angesichts der Tatsache, daß die Kultur Kur­ lands, der angrenzeni^n Gebiete und Litauens eine überwiegend deutsche ist, ihre nationalen und wirtschaftlichen Interessen westlich gerich­ tet sind, und in Anbetracht der trüben Ersaht'ungen, die sie unter russischer Herrschaft ge­ macht haben, sollte eigentlich kein Zweifel da­ rüber bestehen, daß es den Lebensinteressvn' dieser Pusferländer entspräche, Anschluß an das Teutsche Reich zu suchen, mögen auch! über die Form dieses Anschlusses nod> Meinungsver­ schiedenheiten hier wie dort, bei uns wie in den fraglichen Gebieten bestehen. ────────── Wahlbruderschaft. , Ein Balkan-Roman von AI. Winkler« I i : I i Tannenberg. i , 38], i ; Machdruck verboten.) ' "Timitri! Dimitri!" klang flehendes Ru­ sen gebetgleich Joon oben aus Stasis Kammer. Das toar das letzte, was Timitri vernahm. Tann überschritt er, ein Gefangener, die Schwelle des Vaterhauses. Ter Richter fragte noch, etwas. Sein Kundschafter war nicht gekommen. ) 12. Gegen Mittag schritt der Priester Ranko Welitschko durch den Heckenweg des Hauses Wojkowitsch. Kathinka, die in der Küche beschäftigt war, lief ihm entgegen und begrüßte ihn. "Wo ist Vuk Wojkowitsch, Mütterchen?" fragte Welitschko. "O, Priester, er ist weggegangen, wegen des Schrecklichen, glaub' ich. Wir haben keine Erspar» nifse, o Priester, wo soll'S Herkommen, — was er jetzt plötzlich ?" «Gott tröste euch. Wer ist zu Haufe?" "Mara nur." »Bei dem Toten?" verändert in dem er liegt. Allen war'S auf ein­ mal als seien sie in einer Kapelle. Niedergebrannte Lichter standen um die Lager­ statt, ein paar Blumen lagen In den leicht über einandergefügten Händen. Mara oder die alte Kathinka machten ste hineingelegt haben, sagte sich der Priester. Er ging nahe an den Leichnam heran, berührte ihn aber nicht. Auf die Knie sank er und sprach leise ein Gebet. Als es beendet war, machte er das Zeichen des Kreuzes über den Toten undsprach den Segen. Kathinka war auch zur Tür geschlichen und dort niedergekniet. Jetzt bei den halblauten Segensworten de» Geistlichen bekreuzigte sie sich und schluchzte. Es war der erste Laut, der grell und letdenfchaftlkch durch den Frieden des Todes klang. Der Priester schaute auf das wachsgelbe Gesicht Bojans. Er hätte ihm die Augen ganz zudrücken mögen, die noch gebrochen durch die nicht ganz ge­ schloffenen Lider glänzten. Er besann sich auf sei Versprechen und senkte die schon halberhobene Hand. Auf die Wunde blickte er nur, aus der rin paar rote Tropfen geperlt und jetzt schon ein­ getrocknet waren. Dann wandte er den Kopf fragend zurück und sagte: "Wer?" (Fortsetzung folgt.) ^ "Nein, Herr, da steht ein Polizeimünn Wache, niemand darf hinein, hat der Richter befohlen —" "Auch Mara nicht?" "Ich weiß nicht ob sie dürfte, aber wenn der Polizeimann mit dabei sein müßte, wollte sie wohl nicht." — Ane Tür öffnete sich, Mara erschein. Die Stimmen hatten sie herbeigelockt. AIs sie den Geistlichen sah, ging sie ihm entgegen und küßte seine Hand. "Gott tröste dich, Tochter du trögst schweres Leid!" "Ja Priester —" "Führe mich zu dem Toten —" "Wenn ich darf. —" Sie trat an den Polizisten, der die verschloffene Tür bewachte, heran und fragte ihn. Der junge Beamte neigte sich ehrerbietig vor Welitschko und sagte: «Ich habe meine Befehle, Priester —" "Und verbieten sie dir, daß ich die Leiche segne?" "Nein, Priester. "Dann öffne die Tür, ich will nichts anderes, ich berühre den Toten nicht." Das Schloß knackte. Welischtko trat ein. Mara folgte ihm, und nach beiden kam auch der Polizist in den feierlich stillen Raum. Wie eigen doch ein Toter den Raum ────────── Tages-Uebersicht. Tliebstähtc auf der Post und EisenbahnTer D. Tgsztg. ImSrb gesrchieben: DieBeschränktheit an Lebensmitteln und anderen Ver­ brauchsgegenständen hat zu einer Steigerung der Eigentumsvergehen geführt, die in höch­ stem Grade bedenklich erscheint und die ernsteste Beachtung der zuständigen Stellen verdient. Vor allem aber haben diese Diebstähle und Unterschlagungen von Angestellten derPost und Eisenbahnen in einem Grade zugenoimmdn, der Anlaß zu einer Prüfung der Frage bieten sollte, ob unser geltendes Strafrecht dieser be­ dauerlichen Erscheinung gegenüber als aus­ reichend erscheint. Es jjst heute so ! reit ge­ kommen, dM niemand mehr ein Paket der Post zur Bei örderung übergibt, ohne wenigstens alle vorhandenen Möglichkeiten zum Schutz ge­ gen Liebstahl oder Beraubung anzuwenden. Aber die Möglichkeiten reichen nicht aus, um den Veruntreuungen durch Angestellte ein Ziel zu setzen. Von der Postbehörde wird imimfer nieder daraus hingewiesen, daß die bedauerliche Erscheinung überwiegend aus die Beschäftigung von Hilfspersonal zurückNÜfsühren sei. Bis zu einem gerissen Grade imag diese Erklärung be­ rechtigt sein; aber die Zahl der Fälle, in denen sich Postbeamte wegen Eigentulmisvergehen vor Gericht zu verantworten haben, ist auch erheblich. Es erscheint daher dringend erforderlich, die Frage einet; eingehendenPrüfsung zu unterziehen, ob die geltenden StrafbestimimMungen gegenüber der wachsenden Kri­ minalität auch unter den Angestellten der Verlkehrsverwaltungen ausreichen. Tie deutschen Ver'kehrsverwaltungen Haben sich frühe,; über­ all des Rufes größter Zuverlässigkeit erfreut, weil die Pflichttreue der Beamten derartige Erscheinungen, wie sie heute von der Tagesord­ nung sind, ausschloß. Sache der Verantwort­ lichen Stellen ist es, alke Mittet zur Ansienkdung zu bringen, die geeignet sind, den Ruf voller Zuverlässigkeit unserer VetkehrAver raltungen wieder herzustellen. ────────── Bayerische Nachrichten. zugeteilt werden können. Liese für das ganze Reich verbindlichen Anordnungen sind nach einer eben erschienenen Anordnung desStaatsministeriums des Innern in Bayern vom' 7. Januar an als dem Beginn der ersten Berteilungstoche des Januar zu vollziehen. Ter Landesfettstelle ist die Befugnis vorbehalten, für Bedarsskomimunalverbände die Festsetzung selbst vorzunehmen und für Lieferungsverbän­ de, die ihrer Lieferpflicht nicht voll nachkom­ men, den Kopssatz zu erniedrigen. Ob die Fett-. menge nach den nächsten für die Milch- und Fettversorgung heuer ganz besonders schwie­ rigen Monaten -rieder etwas gesteigert* werden jkann, bleibt eine Frage der Erzeugung, wie insbesondere der Erfassung, an der von Landes hegen nach Kräften weiter gearbeitet wird und weiter gearbeitet werden muß, besonders astch deshalb, weil eine ausreichende Versorgung auch bei Eintritt des Friedens nach lrie vorauf die inländische Milch! wirtschaft an erster Stelle angewiesen sein wird. Was aus Bayern alles ausgeführt wlerden sollte. Las Kriegsir,ucheramt hat bis Ende September 12000 Pakete beschlagnahmt. Darin befanden sich 144 000 Eier, 1*80 Zentner Butter und Fett, 260 Zentner Käse, 330 Zent­ ner Mehl, 100 Zentner Honig und 450 Zent­ ner Fleisch. Gegenwärtig werden täglich 5000 bis 7000 Beschlagnahmungen durchgeführt. Tie Bersorguug mit Bier. In Rücksicht aus das im laufenden Sudjahre bedeutend ver­ minderte Gerstenimalzkontingent der Brauereien hat die Bayer. Bierverteilungsstelle augeordnet, daß die von der Bayerischen Biervertehlungsstelle, sowie von der Prüfungsstelke für Bierzuweisung in Nürnberg bisher genehmig­ ten Sonderbierlieserungen für die Arbeiter in industriellen und gewerblichen Unternehmungen svrie für das Personal der Verkeh,;sanstalten und der staatlichen und städtischen Behörden ab 1. Januar 1918 um zehn sPrvzent zu kür­ zen sind. Tie Verminderung der Jettration. Tie Schwierigkeiten der Milch- und Fettversorgung, wie sie in diesen Monaten des natürlichen Tief­ standes der Erzeugung noch durch die Lenchtmittelnot svrie durch den Rückgang der Ein­ fuhr gesteigert werden, haben die Reichsstelle für Speisefette veranlaßt, mit Wirkung bor) 1. Januar 1918 ab die zulässigen Fettverbrauchsmengen für die Selbstversorget; von bis­ her 125 auf 100 Gramm, für die Versorgungsberechtigten von dem bisher zulässigen, in Bedarssorten aber nahezu nirgends im Reiche erreichten Höchstsatz von 90 Gramm auf 70 Gramlm herabzusetzen. Dabei gilt der Höchst­ satz von 70 Gramlm! als Berechnungsgrundlage für die dem KosmiMunalverband zuM reisende Menge, aus der auch der Mehrbedarf bet; Schlrerstarbeiter und der Kranken sowie der Sonderbedarf von Anstalten, Betrieben usv. zu decken ist, sodaß den einzelnen Versorgungs­ berechtigten nicht 70 Gramlm, sondern in der Regel nur 62.5 Gramlm auf den Köpf werden ────────── Niederbayerische Nachrichten. Bilstiburg, den 4. Jan. (Besitz rech sel.) Das Gast! rirtschafts- u. Oekonomieanwesen des Martin Eingärtner in Neumarkt a. R. ging durch Kauf in den Besitz des SägesierksbePtzers Lang von Dörsl bei Ganghofen um den Preis von 60 000 Mark über. Bayerdach, 3. Jan. (Tie Gemeindejagd) hier sollte nach Gemeindebeschluß öffentlich versteigert Werben. Dieser Beschluß wurde je­ doch durch eine neue Gemeindeversalmimlung aufgehoben und die Jagd im Vertragsjrege an die v. Gumppenbergsche Gutsveroaltung um 280 Mark abgegeben, obwohl ein Gckbot von 340 Mark von dem De so warnen Herrn Etzr staller in Hilisau vorlag. Bayerdach, 3. Jan. (Ten Heldentod für das Vaterland) starb der Söldnerssohn Michael Winzinger von Voglsang b. Mengkosen. Ver­ mißt werben seit längerer Zeit die Söldnersjsöhne A. Bergwinkl von Voglsang und Ludwig Lederer von Diürnhettenbach. Kelheim, den 3. Jan. (In der Zellulose­ fabrik) brach ein Brand aus. Das Feuer g»:iff rasch um sich und äscherte in kurzer Zeit die Holzsortiererei und chnen Kochervotwatsvoden ein. Zum Glück trieb der W,ind die Flammen aus die Donauseite. Nur diesem Umstande ist es zu verdanken, daß das Feuer nicht nod) 1 größere Opfer forderte. Ueber die Brandursache konnte bis jetzt nichts Genaues ermittelt wer­ den. Gerzen, 3. Jan. (40jähr. Tienstjubiläum.) Ein verdienstvoller Schulmann, Herr Hauptleh­ rer Grau hier, kann mit 2. Ds. auf eine 40jährige Tätigkeit als Lehrer, Organist und Gemeindeschreiber zurückblicken. Deggendorf, 1. Januar. (Tienstjubiläum.) Ter Vorstand des hiesigen Bezirksamts, Herr Regicrungsrat Emanuel Ritter von Lenk-Dittersberg, kann mit beim gestrigen Tag auf eine 25Mhrige Tätigkeit als Bezirksamhmann von Deggendorf zurückblicken. Gestern mittags versamjuelte sich iM Bureau des. Herrn Jubilars eine g oße Anzahl ton Herren !zur Ta,;bringung ihrer GlücksrHnsche. Sulzbach a. I., den 2. Jan. (Diebstahl.) Herrn'Motorenfabrikbesitze»' Wimmer dahiev .lucbe eine Schreibmaschine irr, Werte von 1000 Mark gestohlen. Pasfan, 3. Jan. (Auszeichnung.) Das Großh. Oldenb. Friedrich-August Kreuz 2. Kl. > i'itrbe dem Leutnant Johann Oeltjen der Land!rehr-Jnsanterie 1. Aufgebots von hier ver­ liehen. ────────── ren die Verbindungen sehr mangelhaft. Von hier nach München Irrn: erst nach stundenlangem Warten Airschluß, zu erhalten. —* Der Monatmarkt, der vorgestern stattfinden sollte, imr nahezu gar nicht be­ schickt. Auch der Viehmarkt itor nur geling bestellt. Am hiesigen Bahnhöfe gelangten daher nur 13 Wagen Großvieh zur Verfrachtung. Eine ftar Ce Kälte hat heute Nacht eingesetzt. Das Thermchveter sank aus 15 Gr. unter Null. Tie Isar führte heute Morgen starkes Treibeis." —* Kriegsteuerungsbeihilsen für die Volksschullehrer im Ruhestande und ' die Hinterbliebenen. Amtlich wird bekannt ge­ macht: Ten Volksschullehrern tim Ruhestande foftlte den Hinterbliebenen von Volksschulleh­ rern lt erben born 1. Januar 1918 an fot Häu­ fende Kriegsteuerungsbeihilsen aus Staatsmit­ teln nach den gleichen Grundsätzen gewährt, mte sie den Beamten in Ruhestande und den Beamtenhinterbliebenen zustehen. —* Nähgarn auf B ezugsschein. Tie Reichsbekleidungsstelle erläßt eine umfangrei­ che Bekanntmachung über die Verteilung von Baum lbllnähsäden und Leinenniahzwirn an Kleinhändler, Verarbeiter und Anstalten. Von allgemeiner Bedeutung ist nur die Art und Weise, iwie die den Kleinhändlern zugewiesenen Mengen an Garn den einzelnen Verbraucherm für den Hausbedarf ZüMKhren sind. Es ist dies von den Komsniunalverbändenzu regeln, denen vorgeschrieben ist, für jedes Vierteljahr: zu bestimjmjen, Ittfdbiel au sden einzelnen Ver­ braucher (Einzelperson oder Haushalt) ent­ fällt. Die Komsnjunalberbände haben anzu­ ordnen, daß die Abgabe in den Geschäften nur gegen Ablieferung bestimjrnter Bezugsaus­ weise (z. B. Lebensmitteikartenabschnitte) er­ folgen darf, die nur im Bezirke des ausgeben­ den Kommünalverbandes gelten dürfen. Tie Kleinhandelsverkaufspreise lrerden für jedes Vierteljahr von "den Komjrnunalverbänden ver­ öffentlicht. Hoffentlich! folgt der Verfügung auch das Nähgarn bald. —* Das städt. Versicherungsamt schreibt uns :Es besteht Veranlassung, neueridings daraus hinzu!reisen, daß, seit dem 1. Jan. 1917 nur mehr neue Beitragsmarken per':endet werden dürfen. Ter Einwochentogrt beträgt in Lohnklasse I 18 Pfg., II 26 Psg., IU 34 Psg., IV 42 fPsg., V «50 Dfg. Mte Marken für Zeiten vor dem 1. Januar 1917 können nur noch bei den Versicherungsanstahten gekauft und bis zum 31. Teztztnber 1918 dortselbst gegen neue Marken umgetauscht wer­ den. Bisherige Zusatzmarken bleiben gütig. Als Tag der Entirlertung soll der letzte Tag — Sonntag — desjenigen Zeitraumes einge­ tragen werden, für den die Marke gilt, z. B. 6. 1. 18. — Während des gegenwärtigen Krie­ ges in deutschen oder österreichisch-ungarischien Diensten zurückgelegte Militärdienstzeiten wer­ den auch frei!rillig Versicherten, deren An­ wartschaft aufrecht erhalten ist, als BeitragsWochen der 2. Lohn klaffe angerechnet. Dip Avbeitgeber und Versicherten sollen jedoch bei Einberufungen zum Heeresdienste unbedingt die Quittungskarten bei der Umtauschstelle (städt. Versicherungsamt) abliefern. Seit dem 1. Jan. 1916 beginnt die Altersrente vom vollendeten 65. Lebensjahre an, erhalten Jnvaliden-(Kranfen>Werttensmpfänger für jedes Kind unter 15 Jahren den Kinderzuschuß,, erhält jede Waise die höhere Waisenrente. Tie 1902 geborenen Personen vollenden im Jahre 1918 das 16. Lebensjahr und lrerden in diesem Jahre von ihrem! Geburtstage ab im Falle einer Beschäftigung gegen Entgelt versicherungspslichtig, z. B. Geburts­ tag 6. Januar 1902, Beginn der VersicherungsPflicht 6. Januar 1918. Für 1878 geborene Personen erlischt an ihrem Geburtstage 1918 (Vollendung des 40. Lebensjahres) das Recht zum Eintritt in die Selbstversicherung. Es ist Tatsache, daß, aus Unkenntnis der gesetzli­ chen Bestimmlungen so Mancher Rentenanspruch nicht gestellt wird, Rentenanfprüche, weil die Karten nicht in Ordnung, abgewiesen werden müssen, Versicherte, die Leistungen, die ihnen nach der Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Angestelltenversicherung zustehen, nicht oder nur teil reise erhalten. Eine solche Schädigung kann aber vermieden werden, wenn sich jeder Versicherte rechtzeitig beim zustärdigen Ver­ sicherungsamt (für den Stadtbezirk das städt. Versicherungsamt fort Rathaus gegenüber den Fleischbänken) Rat und Auskunft kostenlos er­ holt. ────────── Stadttheater. Ein originelles Wortspiel entstand seiner­ zeit, als Lehar, der Star unter den Komponi­ sten dgx leichten Muse, gefragt wurde, ob er eine Konkurrenz zu befürchten habe, worauf ep die promte Antlrort erteilte: "Ja, das ist lei­ der der Fall". Mus diesem Scherz ist Ernst geworben. Fall hat mit Lehar wacker Schritt gehalten und eine Reihe volkstümlicher Operet­ ten geschrieben, die am Repertoir aller deut­ schen Bühnen thronen. Eines seinerwirksam­ sten Werke "Ter liebe Augustin" lockte am Sonntag alle Theaterfreunde an und lange bor Beginn der Vorstellung prangte das Plakat "Ausverkauft" an der Theaterkasse. Gerne ent­ behrte man die in der wodernen Operette zutn! Uebel gewordene ewige Hopserei und Akro­ batik, tauschte man doch dafür melodiöse, ins Gehör gehende Gesangsnumlmern ein, die auch textlich - von den Librettisten Bernauer und Welisch gut ausgestattet sind. Ten Sprung born Lyrischen zum Buffo unternahm Herr Tirekwr Dr. Quedenfeldt als Augustin und erzielte dank seiner schätzenswerten Stimswfmittel und einer huMordurchlriürzten darstel­ lerischen Wiedergabe einen hübschen Erfolg, an dem auch Frau Carola Galster-Quedenseldt als Prinzessin Helene, jtn Gesang und Spiel gleich vorzüglich, ehrlichen Anteil hatte und so der Operette Schriung und Schmiß, verlieh. Tie ,wirkliche Prinzessin mit den angeborenen vornehmen Allüren hatte in unserer tempera­ mentvollen Soubrette Irl. Mikulska eine ge­ lwandte Vertreterin gefunden. Theo Kaspar als Jasomirgott und Georg Weigl als fürstli­ ches Pumpgenie Bogu'mil ergötzten durch ihre Komik und Wächte jeder nach ferner Fasson das Publikum' lachseelig und beisallskustig. Als dritter im Bunde durfte sich ihnen würdig anschließen der abenteuerlüsterne Fürst Nikola des Herrn Böhme, der i|mi Vereine mit F».l. Wjkulska für den Vortrag der Ballade von der Lapalliere! wohlverdienten Applaus erntete. In kleineren Partien ließen sich noch hören als Thessalischer Minister (lworum so ernst?) Hevr Baer, Herr Böhme (Figilvst) und als Wohl­ genährter Frater und ftumSnie: Geiger Mat­ thäus Herr Oberdorfes, Herr Kaspar als Re­ gisseur schuf szenisch hübsche B,ilder. Im Or­ chester gab es ein Debüt. Für den leider ab­ gegangenen Herrn Kapellmeister Wagner be­ stieg .Herr Kurt Hirsch den Tjivjgentenstuhl. Kuragiert und großzügig sch,wäng er den Takt­ stock und «war um den Kontakt zwischen Bühne und Orchester bemüht. Verschiedene Tvmpi hät­ te er etwas mehr "allegretto" nehmen Müssen, dies empfanden offenbar auch die Darsteller. Begreiflichen wefse fehlt eben dem jungen be­ gabten Musiker noch die Theaterpraxis und borerst auch noch die Autorität über die Q:chestermitglieder. Ob er jetzt schon die Stelle eines 1. Kapellmeisters (mit Erfolg auszufül­ len vermag, (wirb die nächste Zeit lehren. f Hg. ────────── Letzte Posten. Neue N-Boots-Erfolge. WTB. Berlin, den 3. Januar. Amtlich. Im St. George- und isrnj Bristolkanal wurden durch unsere U-Boote 7 Dampfer und 1 Segler mit rund 24 000 Brutto-Registertonnen ver­ nichtet. Unter den Schiffen befanden sich der bewaffnete englische Dampfer "Charleston" «nit einer Kohlenladung und 4 schwer beladene be­ waffnete Dämpfer, von denen 2 offenbar Mu­ nition als Ladung hatten, da sie nach ausfal­ lend schwerer Detonation soivrt sanken. Btzpr englischen Dampfer "Charleston", der durch die Artillerie eines U-Bootes niedergekämpft wurde, wurde ein Geschütz erbeutet und 2 Leute der Geschützbedienung gefangen genom­ men. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Graf Ezernin abgereist. Wien, 3. Januar. Ter Minister des Aeußern Graf Czernin reiste heute mit Be­ gleitung zur Fortführung der Konfe.pnzen nach BrestffLitowsk ab. Tier neue russische Gesandte in Londo». Amsterdasml, 3. Jan. Nach einer hier vorliegenden Reutermeldung aus London er­ nannte die maxtzmlalistische russische Regierung Maxim Max-msvritsch Litoinow zuM russi­ schen Botschafter in London. Friedenskundgebung im österreichischen Reichsrat? Wien, 3. Jan. Wie die Abendblätter melden, teilte der Präsident des Abgeordneten^ Hauses, Groß, dem Obmann des Tschechenver­ bandes Staneken in einem Schreiben mit, daß er die Abgeordneten für den 15. Januar zu einer Sitzung einberufen Irerde. In parlamen­ tarischen Kreisen verlautet, daß.in der Sitzung eine Friedenskundgebung erfolgen soll. Ans Esthland. Stockholm, 3. Jan. Das esthnische Buireau in Stockholm teilt |nit: Durch Verfügung der Petersburger Regierung ist Rar, va, die frühere Hauptstadt Jngermannlands, demGebiete Esthlands eingegliedert worden. So­ fortige Maßnahmen zur Verwaltung und Zenftralisation bisher unzusammenhängender Ort­ schaften, nämlich von Navva, Jwangorvd, Joa­ chimstal und Kraenholz, nebst ihrer Teilnahlme an den Wahlen zur esthnischen nationalen Versammlung sind angeordnet. Damit hat die esthnische Grenze den Narrafluß überschritten. ────────── Bekanntmachung. Anläßlich des Gettiirtsfestes Sr. Maj. König Ludöis IU. werden die Till. Hausbesitzer ersucht am -M" Montag, den 7. Januar 1918 ihre Häuser beflaggen zu wollen. Landshut, den 3. Januar 1918. gtaöttnaaifirat. 57 Marfchall.