Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-01. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 268, 1918-10-01. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Schwere Kämpfe an der ganzen Westfront. — Rückverlegung der Front in Flandern. — Gewaltiges Ringen zwischen Cambrai und St. Quentin. — Von der Snippes bis zur Maas französische und amerikanische Anstürme abgewiesen. — Waffenstillstand an der Balkanfront? ────────── entscheidende Wendung zum besseren nicht ein­ getreten. In militärischer Hinsicht kann aller­ dings nach allem, was man hört, eine Besser­ ung festgestellt werden. Aber die politische ^La­ ge bleibt nach wie vor sehr bedenklich, da es den Anhängern des Bündnisses bisher noch, nicht gelungen ist, Malinow auszuschalten und seinen Bittgang zur Entente öügett zu strafen. Das bulgarische Heer muf, unter diesem! tief­ gehenden inneren Zwist, der das Land in zwei Lager spaltet, naturgemäß leiden. Der Streit der Parteien, der die Heimatsront des Landes zerrissen hat, wirkte auch, vergiftend und zer­ setzend auf das vorher so kraftvolle bulgari­ sche Heer. General Sawow, dem der Oberbefehl über die bulgarische Armee übertragen worden ist, könnte hier eine große, seiner Tatkraft ent­ sprechende Aufgabe erwachsen. Franlrcich und Bulgarien. Die französische Presse erklärt im allge­ meinen, daß, Bulgarien sich gefaßt machen müs­ se, den Verrat seines Zaren zu büßen, indem es einen Frieden annehme, den die Alliierten diktieren werden und der alle Träume, zu be­ halten, was Bulgarien während dieses Krieges erobert habe, zunichte mache. "Petit Parisien" sagt, es handle sich für die Zukunft nicht nur darum, .jede bulgarische Hegemonie aus dem Balkan abzuschaffen, sondern darum, Serbien, Griechenland und Rumänien ihre rechtmäßig ihnen zustehenden Gebiete wiederzugeben. ────────── Kreigsbriefe aus dem Westen. ! Berlin, 28. September 1918, fUnberMtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) Beginn der neuen franzöfischenilmerikautschen Tnrchbruchsoffensive. Telegramm! unsere» Kriegsberichterstatters. Gr. Hauptquartier, 27. September. 9)Ut gewaltigem Einsätze und weitgesteckren Tnrchbruchszielen hat gestern Morgen die fran­ zösisch-amerikanische Durchbruchsossensive bei­ derseits der Argonnen begonnen. In der Nacht vom 25. aus den 26. brach, auf der Frönt etwa von westlich Aubertve bis östlich Massiges in der Champagne und an der Berdunsront von südlich Varennes bis östlich der Maas ein Trommelfeuer von einer elementaren Kraft los, wie es auch in der Champagne, der hohen Schu­ le des Trommelfeuers, von Freund und Feind wohl noch' nie in gleicher Stärke erlebt worden ist. Gleichzeitig wurde in den zwischen den beiden Frontabschnitten liegenden Argonnen schwerstes Störungsfeuer unterhalten, welches sich im Anschluß an den voraussichtlichenHaupt«ngriffsabschnitt östlich bis an die Ufer der Mosel fortsetzte. Der Feind untermischte sein Feuer auf unsere Stellungen mit zahlreichen Gasgranaten und richtete dauerndes heftiges Feuer wert in das Hintergelände auf die Hauptanmarschstraßen, auf Straßenkreuzungen, die rrnsere Reserven und Kolonnen passieren muß­ ten, und belegte schlagartig die Ortschaften und Unterkünfte, um Verwirrung bei Befehlsstellen und im Reserveneinsatz hervorzurufen. Tie Arbeit der Artillerie sollte durch, zahlreiche Bombengeschwader, die auch iM Lause des Angrisfstages weiter arbeiteten, vollendet werden. .Allein in der Gegend von Ptz wurden beispiels­ weise 600 Bombenabwürfe gezählt. Die Artillerievorbereitung hat im allge­ meinen um 11 Uhr nachts begonnen, stellen­ weise "schon früher. Beim Morgengrauen bra­ chen bei nebeligem Wetter und unter dem Schu­ tze zahlreicher Tankherden die Jnsanteriestürtme in tiefgestaffelten Massen los. Seit ge­ raumer Zeit haben die Amerikaner in de« Absicht, durch allmähliche Uebernahme der gan­ zen Südfront ton den Argonnen bis zum Sundgau immer mehr französische Divisionen für andere Frvntteile verfügbar zu machen, ihre Divisionen in zunehmender Zahl in die südlich, der Maas stehende zweite französische Armee unter General Dirschauer und auch. in die westlich, der AWvnnen in der Champagne stehende 4. französische Armee unter General ; Gourmand einge schoben, sodast tkt zahlenmä­ ßige Hauptanteil bei diesem Durchbruchsoer­ suche bett Amerikanern zufällt. Doch sind überall französische Truppen als Korsettstangen zwischengegliedert,' auch bei der ersten amerika­ nischen Armee, wo die dort kämpfenden wei­ ßen und farbigen Franzosen dem Oberbefehl des amerikanischen Generalissimus Pershing unter­ stellt sind». Ter Kamps ist noch überall in vol­ lem ©artige, sodaß es noch nicht möglich ist, genaue Einzelheiten über die biÄherigeSchlachtlinie zu geben. Als Ergebnis steht aber fest, daß auch dieser neue ungeheure Schlag trotz aller Vorbereitungen nicht zu dem erstrebten Ziele deA Durchbruches, sondern nur zu eini­ gen Einbrüchen von verschiedener Tiefe ge­ führt hatt. Westlich der Argonnen machte der Feind mar unwesentliche Fortschritte tot Vor­ feld, die z. 'T. den Gewinn unserer letzten Vorstöße in der Champagne nicht wettmachten und gegen unsere Gegenstöße nicht vpll be­ hauptet werden konnten. Hier sing sich. der feindliche, Angriff unter ganz gewaltigen Ver­ lusten vmr unserer Widerstandslinie. Am west­ lichen Fliügel, wo sich übrigens der Artilleriekamps bis nach Reims hin ausgedehnt hatte, kam er wor unserem Abwehrfeuer nicht voll zur Entwicklung. Die Hauptkräfte hatten die Amerikanter westlich der Maas eingesetzt. Hier gelang e5> ihnen, über das Gebiet unserer alten Ausgangsstellungen von Mvntfaucon, Septsarges und Dannevoux vorzudrücken, wo 1914 der Vormarsch der Krvnprinzen-Armee in den letzten Bewegnngskämpsen znM Stehen kam. Hier riegelten unsere Reserven ein weiteres Vordringen ab und gingen zu Gegenstößen vor. Auch hier hatte der Feind heim Rahkampf in den alten Stellungen und in den dichten Wäldern von Chepph und Forges schwe­ re Einbuße erlitten. Lestlich der Maas bra­ chen die Franzosen in die ihnen ant ersten Tage der Verdun Macht entrissenen Graben­ netze bei Branbant und Haumont ein, aber deutsche rund österreichisch-ungarische Truppen schlugen 'ffte in treuer Waffenbrüderschaft durch einen sosöort geführten Gegenstoß wieder hin­ aus. Noäh ivenrger Erfolg hatten farbige Fran­ zosenregimenter, die zwischen dem Fort Baux und Bezonvaux in östlicher Richtung gegen das Dorf Tieppe vordringen sollten, aber rest­ los durch den prompt einsetzenden Gegenstoß abgeschlagen -wurden. Trotz des wechselnden Wetters war die Fliegertätigkeit auf beiden Seiten sehr stark — unsere Schlachtslieger grif­ fen mit Bombenwürfen gegen feuernde Bat­ terien und mit Maschinengewehren gegen die feindlichen Jnfanterielinien wirksam in den Kampf ein. — Nachdem sich die große Offen­ sive entgegen dem Verlause, den unsere großen Angriffs sch lage gehabt haben, am ersten Tage sestgelaufen hatte, kam es am! Abend und in der Nacht nur noch zu örtlich, begrenzten er­ bitterten Vorseldkämpfen. Der erste Schlachttäg wird von allen mitkämpfenden Truppen, besonders in der Champagne, als ein Luter Abwehrersolg gewertet. An der ganzen Front verlies die Nacht infolge der Erschöpfung des Feindes ruhiger, nur die Artillerie arbeitete weiter, besonders durch. Störungsfener auf das Hintergelände. An allen Angrisfs'abschnitten ist mit Fortsetzung der schweren Kämpfe zu rech, neu, sobald der Feind neue Verbände zu neuen Stößen geordnet und weitere Reserven vorge­ zogen hat. _ . lKb.) Berlin, 29. September 1918. Mnoerechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verbot«.) ────────── Weiteres Anwachsen der feind­ lichen Gesamtoffensive. ; Gourmand einge schoben, sodast tkt zahlenmä­ ßige Hauptanteil bei diesem Durchbruchsoer­ suche bett Amerikanern zufällt. Doch sind überall französische Truppen als Korsettstangen zwischengegliedert,' auch bei der ersten amerika­ nischen Armee, wo die dort kämpfenden wei­ ßen und farbigen Franzosen dem Oberbefehl des amerikanischen Generalissimus Pershing unter­ stellt sind». Ter Kamps ist noch überall in vol­ lem ©artige, sodaß es noch nicht möglich ist, genaue Einzelheiten über die biÄherigeSchlachtlinie zu geben. Als Ergebnis steht aber fest, daß auch dieser neue ungeheure Schlag trotz aller Vorbereitungen nicht zu dem erstrebten Ziele deA Durchbruches, sondern nur zu eini­ gen Einbrüchen von verschiedener Tiefe ge­ führt hatt. Westlich der Argonnen machte der Feind mar unwesentliche Fortschritte tot Vor­ feld, die z. 'T. den Gewinn unserer letzten Vorstöße in der Champagne nicht wettmachten und gegen unsere Gegenstöße nicht vpll be­ hauptet werden konnten. Hier sing sich. der feindliche, Angriff unter ganz gewaltigen Ver­ lusten vmr unserer Widerstandslinie. Am west­ lichen Fliügel, wo sich übrigens der Artilleriekamps bis nach Reims hin ausgedehnt hatte, kam er wor unserem Abwehrfeuer nicht voll zur Entwicklung. Die Hauptkräfte hatten die Amerikanter westlich der Maas eingesetzt. Hier gelang e5> ihnen, über das Gebiet unserer alten Ausgangsstellungen von Mvntfaucon, Septsarges und Dannevoux vorzudrücken, wo 1914 der Vormarsch der Krvnprinzen-Armee in den letzten Bewegnngskämpsen znM Stehen kam. Hier riegelten unsere Reserven ein weiteres Vordringen ab und gingen zu Gegenstößen vor. Auch hier hatte der Feind heim Rahkampf in den alten Stellungen und in den dichten Wäldern von Chepph und Forges schwe­ re Einbuße erlitten. Lestlich der Maas bra­ chen die Franzosen in die ihnen ant ersten Tage der Verdun Macht entrissenen Graben­ netze bei Branbant und Haumont ein, aber deutsche rund österreichisch-ungarische Truppen schlugen 'ffte in treuer Waffenbrüderschaft durch einen sosöort geführten Gegenstoß wieder hin­ aus. Noäh ivenrger Erfolg hatten farbige Fran­ zosenregimenter, die zwischen dem Fort Baux und Bezonvaux in östlicher Richtung gegen das Dorf Tieppe vordringen sollten, aber rest­ los durch den prompt einsetzenden Gegenstoß abgeschlagen -wurden. Trotz des wechselnden Wetters war die Fliegertätigkeit auf beiden Seiten sehr stark — unsere Schlachtslieger grif­ fen mit Bombenwürfen gegen feuernde Bat­ terien und mit Maschinengewehren gegen die feindlichen Jnfanterielinien wirksam in den Kampf ein. — Nachdem sich die große Offen­ sive entgegen dem Verlause, den unsere großen Angriffs sch lage gehabt haben, am ersten Tage sestgelaufen hatte, kam es am! Abend und in der Nacht nur noch zu örtlich, begrenzten er­ bitterten Vorseldkämpfen. Der erste Schlachttäg wird von allen mitkämpfenden Truppen, besonders in der Champagne, als ein Luter Abwehrersolg gewertet. An der ganzen Front verlies die Nacht infolge der Erschöpfung des Feindes ruhiger, nur die Artillerie arbeitete weiter, besonders durch. Störungsfener auf das Hintergelände. An allen Angrisfs'abschnitten ist mit Fortsetzung der schweren Kämpfe zu rech, neu, sobald der Feind neue Verbände zu neuen Stößen geordnet und weitere Reserven vorge­ zogen hat. _ . lKb.) Berlin, 29. September 1918. Mnoerechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verbot«.) Weiteres Anwachsen der feind­ lichen Gesamtoffensive. Telegramm unsres Kriegsberichterstatters. Er. Hauptquartter, 28. September. Ter gestrige Tag hat eine weitere Verb toi terung der.feindlichen Angriffe gebracht. Von der Mosel bis zur flandrischen Küste ist der An­ sturm gegen unsere vier Jahre lang gehaltene * Westfront tat Gange. Es steht nur noch der seit Wochen in der feindlichen Presse angekündigte exzentrische Angriff der Amerikaner to den Vogesen au», dann ist her Traum der Entente von der großen Dampfwalze zwischen der Schwerz und der Nordsee äußerlich in Erfül­ lung gegangen. Freilich, hatten sie ihn anders geträumt, ein zermürbtes Heer sollte zusam­ menbrechen und die verzweifelte Heimat dem Einmarsch des Feindes'preisgeben; aber im­ mer jtJQdj rennt der jteinb mit feinen großen Massen gegen Männer an, die seiner weltpoliti­ schen Pläne so unkundig sind, daß, sie einfach qtt dem Platze, wo sie stehen, ihre Pflicht tun, den Feind von der Heimat abzuwehren oder zu fallen. Tie Masse der Angreifer ist beim Fein­ de groß, aber auch die Masse der Verluste, und die Frage für den weiteren Fortgang der Offensive ist, wie lange der Feind Verluste, wie sie ihm der gestrige Tag eingebracht hat, durch, immer erneuten Reserveetosatz ausgleichen kann. Wir haben to bitterer Schule gelernt, mit unseren Menschenleben sparsagr zu sein. Bon der Quentin- und Cambrai-Front, aus der Champagne und westlich der Argvnnen melden unabhängig von einander die ver­ schiedensten Truppenteile als Kennzeichen des Tages übereinstimmend die schweren Verluste, die dem Feinde sein Anlaufen in dichten Mas­ sen gegen unsere Artillerie und Maschinenge­ wehre gekostet hat. Er hat diese Opfer nicht völlig nutzlos gebracht. An der Cambrai-Front ist der Engländer nahe an unsere Cambrai« schlachtstellung herangekommen. Zn der Cham­ pagne haben die Franzosen einen Fortschritt gegen unsere Widerstandslinie an der Bahn nach "Challerange gemacht. In keinem "Ver­ hältnis zu dem Aufwande sind die kleinen Ge­ ländegewinne, die gestern die Amerikaner auf ihrer Hanptangriffssront westlich, der Maas er­ zwingen konnten. Ueberall erlitt der Feind im vollen Anstürme auch, sehr empfindliche Rückschläge durch unsere Gegenstöße. Einzel­ heiten aus den fortwährend einlaufenden Be­ richten über die räumlich ausgedehnteste Schlacht, die je an der. Westfront geschlagen wurde, folgen. j, (Kb.) W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Mcktritt des Reichskanzlers. Berkin, 30. Sept. Ti- "0. 8- o: MImeldet den Rücktritt des Reichskanzlers Grafen vonHertling und Staatssekretärs des 'Aus­ wärtigen von Hintze. 1 i > Wie das WTB. hiezu erfährt, hat der Kaiser beide Rücktritte angenommen. Der Kai­ ser ersuchte in einem Handschreiben den Reichs­ kanzler, die Geschäfte einstweilen noch weiter­ zuführen, bis der Kaiser einen Nachfolger ge­ funden hat. , i "Im Hauptausschuß des Reichstages ver­ las Vizekanzler v. Patzer folgenden Erlaß des Kaisers an bett Reichskanzler: Euere Exzellenz haben Mir vorgetragen, daß Sie sich. nicht mehr in der Lage glauben, an der Spitze der Regierung zu verbleiben. Ich will Mich Ihren Gründen nicht verschließen und muß mit schwerem Herzen Jh«c weiteren Mitarbeit entsagen. Der Dank des Vaterlan­ des für das von Ihnen durch! Uebernahme des Reichskanzleramtes in ernster Zeit gebrach­ te Opfer und die von Ihnen geleisteten Dien­ ste bleiben Ihnen sicher. 1 / Ich. wünsche, daß das deutsche Volk wirk­ samer als bisher an der Bestimmung der Ge­ schicke des Vaterlandes mitarbeite. Es ist daher Mein Wille, daß Mtoner, die vom Vertrauen des Volkes getragen sind, in weitem Umsang teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung. Ich, bitte Sie, Ihr Werk damit abzuschließen, daß Sie die Geschäfte weiterfüh­ ren und die von Mir gewollten Maßnahmen in die Wege leiten, bis Ich! einen Nachfolger ge­ sunden habe. Ihren Vorschlägen hiefür sehe Ich entgegen. ────────── Bayerische Nachrichten. 1 | Einberufung des Landtages. Durch! Aller­ höchste Verordnung vom 28. Sept. wird der Landtqg, dessen Versammlung durch Verfü­ gung vom 2. August 1918 bis- auf weiteres vertagt worden war, auf Montag den 14. öft. 1918 einberufen. I ! ( 1 Ueber die Lag« TvntMauds sprach ge­ stern Mnister von Brettreich beij Eröffnung der Vortragssolge im Hörsaal der Uni'oerfttüt in München. Die militärische Lage im Westen habe uns in den letzten Monaten Enttäuschun­ gen gebracht. Unsers Truppen stehen aber nach wie vor tjef in Feindesland und trotzen dem Anprall der feindlichen Heeresmafsen. Militärisch und politisch überrascht hat uns Bul­ garien. Doch werde auch! dies unseren festen Willen, das geliebte Vaterland zu schützen, nie­ mals beeinflußen. Mt Einsetzung aller Kraft werden wir unsere Front im Westen zu be­ haupten wissen. Hier liegt die Entscheidung. Den Ernst der Lage beweist nichts eindring­ licher als der Uebermut, mit dem unsere Fein­ de das Buriansche Friedensangebot zurückge-, wiesen haben. Schwere Entscheidungen stehen Uns bevor. Jetzt gilt es zu beweisen, daß wir als Volk weiter bestehen werden, daß Deutsch­ land nicht untergehen kann. Würde der Krieg Mit unserem Zusammenbruch, endigen, so könn­ te sich! keiner dem Schicksal des Gesamtvolkes entziehen. Dieses furchtbare Los von uns ab­ zuwenden, ist die Forderung des Tages, ist der Inhalt unseres Willens zur Abwehr. Me ist es klarer gewesen, was dieser Krieg uns ist: stellt die Verfasserin Ein Krieg zur Verteidigung unseres Landes, j »letzte Zarin, und schon der Titel dieses i neuen historischen Nach erneuten vergeblichen Blutopsern muß der Feind erkennen, daß sein Vernichtungswille, an unserer Heimatliebe zerschellt und daß es uns gegenüber doch! endlich nichts anderes gibt, als vernünftige Verständigung. Damit es aber so weit kommt, müssen wir alle unsere Kräfte | ans Werk setzen: in der Heimat und an der! Front. Und nicht in verschiedenen Richtun-1 gen dürfen diese Kräfte sich! äußern, oder gar] sich gegenseitig hemmen und bekämpfen, son b’ern sie müssen, unverrückbar auf ein 'Ziel j gerichtet, einheitlich sein im Wollen und Tun.! Einheit und Geschlossenheit ist erstes Gebot, aller «Barteten der gegenwärtigen politischen f alles Trennende muß zurückgestellt werden, akLag« nicht entsprechen Würde, daß vielmehr I les Kleine zurücktreten vor d«n einen Großen, das neu zu bildende Ministerium atS Mitglie- *'”* "" “ a n& dem der MiehrheiBParteien unter Zuziehung der NativnaNiberalen bestehen soll. Für diese Lösung sprachen sich die Vertreter derMehrheitsparteien und der NationaMeralen aus. Das neue Ministerium wird aus der Grundlage des Programms stehen, das die Mehrheitspar-. teten während der letzten Tage für die zu ver­ folgende Innen- und Außenpolitik vereinbart haben. Ueber die Personenfrage sind Entschei­ dungen bis zur Stunde noch! nicht gefallen. , der Rettung des Vaterlandes. Was der hellen Begeisterung von 1914 selbstverständlich war, das darf der klaren Erkenntnis der Lage von 1918 nicht unmöglich sein. Jeder muß hiezu seine ganze Kraft dem Vaterlande widmenVor allem ist aber das Vertrauen notwendig, das alle Schichten der Bevölkerung unterein­ ander und mit der Regierung verbinden muß. In einer Zeit höchster Entscheidungen bedarf es für uns in der Heimat vor allem neben klarem, nüchternem Urteil jenes starken Wil­ lens und jenes kräftigen Pflichtbewußtseins, das den Soldaten an dev Front in schwersten Stunden stützt und anstecht erhält. Vor un­ serer hoffenden Seele steht im Schimmer eines künftigen Friedens unser geliebtes Vaterland als ein Land schaffender Arbeit und edler Freude am "Dasein, ein Land mit lachenden Fluren, emsigen Städten, bewohnt von einem arbeitsfrohen, freien und gebildeten Volk, das mitschafst an den großen Zielen der Menschheit und toi: einst in Wissenschaft, Kultur und Kunst den stiedlichen Wettstreit mit den Völ­ kern des Erdkreises führt. Daß. diese Hoff­ nung Wahrheit werde, gebe Gott uns Kraft zum Kampf. I x ' ; .. ! . ────────── Die letzte Zarin Alexandra Feodorowna. Geschichtlicher Roman ron Gertrud v. Brockdorff. In den Mittelpunkt b:r Ereignisse, die bas Ende des autokratischen Regimes, die Katastrophe 'des russischen Imperialismus Herbeiführen mutzten, Alexandra Keodorowna, die dammten, bk; gerichtlichen Richter eilten blindlings dem Abgrund zu. Der kranke willensschwache Beherrscher aller Rentzen, der Gewaltmensch Plehwe, der Diktator Trepow, der verbohrte Oberprukurator des heiligen Synods Pobjedonoszew, die herrschsüchtige Zarin-Mutter Maria Feodorowna, der lüsterne Rasputin, der Groß-, fürst Nikolai Nikolajewitsch mit dem hartgeschnittenen an einen hungrigen Steppenwolf gemahnenden Gesicht, sie ziehen an uns vorbei. Den unvermeidlichen Un­ tergang dieser Menschen, die immer und immer wieder Verschwörungen, Komplotten und Attentaten ausgesetzt sind, schildert die Verfasserin in ruhiger, eindringlicher Weise. In diesem auf besten historischen Quellen aufgebauten Romain werden Sinn und Resultate der Begebenheiten klar und deutlich, und wir erleben das Ende, den Schluß des letzten opferheischenden Aktes, den tragischen Ausgang. Unabwendbar mußte in dem weltgeschichtlichen Geschehen, das zum weltgerichtlichen Prozeß sich zusammenballte, auch das persönliche Los der letzten Zarin sich erfüllen. — Bayerische Steuerrundschau. Im Verlagvon D. Geiger-Mühldorf ist die Nr. 1 dieser vorerst 16 Seiten starken Monatsschrift erschienen und für Mk. 8.— jährlich zu beziehen. Literarisches. 'Romans, der im Verlage von Richh. Bong, Berlin, jSB 57 (Preis 5,50 Mk.) in der Serrie der "Romane berühmter Männer und Frauen" soeben erschienen ist, zeigt die Vollendung eines, harrten Schicksalsge­ walten ausgelieferten, Daseins an. Denn in dem ^Getriebe einer stets gegeneinander intrigierenden !Kmarilla mutzte das Leben der hessischen Prinzessin die als Alexandra Feodorowna die Gemahlin des ,allermächtigsten" Zaren und das Mütterchen des grnßen und heiligen Rußlands geworden ist den ^tragischen Abschluß erhalten. Maßlose Willkür, eitle Süchte, grenzenlose Verblendung, hasteten diesen Menschen des Unheils an, und die verdammenden Ver­ Aim Vesten fftr bte Nqine« sorgte wer fein Geld dem Staate borgt. Zeichnet Kriegsanleihe! Geld und Sieg beende« N» Krieg. Zeichnet l [ Kriegsanleihe! . ; 1 ; ────────── Die alte Anhänglichkeit rot die Operette be­ wies das hiesige Publisttm am letzten Sonntag wieder durchs ein ausverkaustes Haus. Der Straußsche "Zigeunerbaron" in feiner ewigen Jugend ließ Geschmack und "Qualität des alten Meisters wieder in bestem Lichte erscheinen und die banale, geräuschvolle moderne Operetten­ musik mit den unglaublichen Texten gerne ver­ missen. Einen wesentlichen Aufschwung konnte man im Orchester feststellen, das unter Füh­ rung "des Herrn Bader auch! rhythmisch! bedeu­ tend besser hervortrat. Das Fehlen des Oboe mußte man sich! unter den jetzigen Verhältnis­ sen gefallen lassen, Violine und Flöte suchte dafür den Ausgleich! zu schaffen. Der Barinkah des Herm- Tr. "Quedenfeldt trat wie schon in den Vorjahren namentlich, stimmlich recht wirk­ sam hervor, ebenso konnte man sich! an der Saffi des Frl. Ott vom Stadttheaker in Greifs­ wald erfreuen. Ihre für unser Theater hin­ reichende Stimme klingt auch in der Höhe rein und ungekünstelt, Erscheinung und Spiel hin­ terließen einen äußerst sympathischen Eindruck, so daß ein eftoa in Frage kommendes Engage­ ment der Snägerin voll und ganz befürwortet werden könnte. Ter Zsupan des Herrn Koller! Stadttheater. ────────── noch ein Bild über die Gesamtentwicklung der christl. Gewerkschaften Deutschlands, deren Zahl aus über eine halbe Million Mitglieder und deren Vermögen auf 9 Millionen Mark gestie­ gen sei. In der anschließenden Aussprache lotn der Wunsch zum Ausdrucke, die städt. Kollegien möchten sich bei der BeschluUassung über die vom 'Verbände eingereichte Eingabe, von einem weitgehenden sozialen Zuge ohne Rücksicht aus die notwendig werdenden Aus­ gaben der Stadt leiten lassen. In der Feuerstellung. Aus dem Felde wird uns geschrieben: 1 So gehts nicht weiter. Die Kerle schießen nns noch den ganzen Kramladen in Scherben, wenn wir nicht beizeiten uns verrollen! Wie sie uns nur so fein erwischt haben? Aber natürlich, der Flieger da oben . Huri—hur—Huri—rrack bum . . » . 1 Volltreffer beim Ersten. Da haben wir's. Ein Jammer ist es mit den FRegern! Man hat­ te es vordem so sch,ön bei der Artillerie und konnte.... ' , I Huri—hui—huii—rrack bunt-rrack. . . . . 1 Ihr werdet sehen, bei der dummen Schie­ ßerei, es passiert noch was! In einer Stunde können wir unsere Kanonen als Alteisen beim SamMeloffizier zum Einschmelzen verklopfen. Tann, ade, stolze fünfte Batterie. ' Was . . . Feuer einstellen? Die 'Protzen find.schon unterwegs? Ra denn, Fritze, spuck iit die Hände! Wir ziehen um. unterbreiten und die Errichtung einer Pen» sionskasse für die städt. Arbeiter und Straßen­ bahner anzustreben. Für die stöbt. Arbeiter in Landshut sei die erfreuliche Tatsache zu ver­ zeichnen, daß durch die Neuebfetzung der Stelle des Stadtbaurates und die Wahl des Bürger­ meisters Kräfte an die Spitze der Stadt gestellt wurden, aus welche die Arbeiter inbezug aus die Durchführung einer wirksamen Sozialpoli­ tik die größten Hoffnungen aus Erfüllung ihrer späteren Wünsche setzen dürfen. Der Redner forderte zum Anschluß an die christl. Gewerk­ schaften aus. Eine Stärkung derselben komme auch! den städt. Arbeitern und Straßenbahnern zugute, weil es dadurch! möglich wird, bei den nächsten Gemeindewahlen den politischen Par­ teien des Rathauses Vertreter aus den Reihen der Arbeiterschaft zuzuführen. Redner gab ────────── I Weite tl-BvotÄerstolse. WTB. Berlin, 30. Sept. (Amtlich.) IM Sperrgebiet um England versenkten unsere UBoote 15 000 Brutto-Register-Tonnen. Der Chef des Adnriralstwbes der Wartn«. Der Zar der Bulgare» versichert seine Bunvestreue. i Berlin, 30. Sopt. Wie bestimmt ver­ lautet, richtete der König der Bulgaren an Kaiser Wilhelm ein Telegramm, in dem er ihn seiner Bundestreue versichert. Ein gleich­ lautendes Telegramm richtete der Zar auch an den Kaiser von Oesterreich. 1 : 1 l ' H«dc«bu^A Tank. Berlin, 30. Sept. Mehrere hundett Ver­ treter der Presse aller.Parteirich-tnngen, die aus Nordwest-Deutschland zu einer Erörterung der politischen, militärischen und wirtschaft­ lichen Kriegslage in Hannover zusammen ge­ kommen waren, richteten als Ausdruck ihrer einmütigen Stellung an Generalseldmarschall von Hindenburg ein Telegramm, auf das von diesem folgende Antwort einlief: "Für das Ge­ löbnis, die Heimaffront mit niederdeutscher Zä­ higkeit zu stärken bis der Vernichtungswille der Feinde gebrochen, spreche ich auch! namens des 1. Generalquarttermeffters allen in Hannover beteiligt gewesenen Schriftleitern herzlichen Dank aus." ! « • 1 Waffenstillstand an der Balkansrout. * i Berl in, 30. Sept. 1 Ter französische Funkspruch meldet unter dem 29. Sept.: Heute Nacht ist ein Waffenstillstand zwischen den bul­ garischen Abgesandten und dem Hauptquartier der Orientarmee in Saloniki unterzeichnet wor­ den. Es ist aus der ganzen Front der Befehl gegeben worden, die Feindseligkeiten einzustel­ len. (Notiz des WTB.: Nach! den hier vorlie­ genden Nachrichten sind die Bedingungen "des Waffenstillstandes dev Regierung in Sofia noch nicht bekannt.) i ' Druck uTskrtagl* F. Rietfch- Verantwortlicher Schriftleiter F. X. Wagner. Beide in Landshur Letzte Posten. ────────── Rücktritt des Reichskanzlers. Berlin, 30. Sept. Die gestrigen Be­ sprechungen beim Vizekanzler von Payer mit den Parteiführern ergaben Klarheit darüber, daß ein Koalitionsministerium aus Vertretern ────────── Niederbayerische Nachrichten. TvMndorf, so. Acht. (Schwer erkrankt) ist der rechtst. Bürgermeister Hvstat Kinskofer. ! ! 1 J■ '» -i i '• f ! ! I “ Straubing, 30. Sept. (Den 70. Geburts­ tag) feierte die Oberlandesgerichts ratswitwe Frau Therese Epfelbacher hier. ! " | ! i Zwiesel, 30. Sept. (Die silberne Hochzeit) beging K. Hvstat Prakt. Arzt Dr. Franz Höß mit Frau Hier. 1 | f s , ■ i ────────── Die Allwördens. ' Roman beit gr. Begrti. H ’ i r i Mophtighk 1913 bh ©reiner a. Eens, • i i ; (Berlin 89. SO.) i j MM ! ! WaWruck verboten.) | 77] Erschüttert drückte er sie an sich. l | "Jutta," murmelte er mit erstickter Stim­ me und küßte ihr blond^ Haar. i "Sieh, meine Schuhe, Erich, sie sind zer­ rissen auf dem eiligen Laufe zu dir." Die dünnen, an der' Seite aufgerissenen Schuhe waren voller grüner Gras- und Moosflecken., "Und hier, mein Kleid." ! ( s Das duftige, rosa Chiffonkleid wies große Löcher und Dreiecke auf, als habe sie nicht Zeit gehabt, es vorsichtig von den Zweigen zu lö­ sen, die sie im Lausen gehindert hatten. "Mich! trieb es vorwärts — zu dir —, zu dir! Ich! sah bi$ vor giir — ich, hörte dich, du riefest mich — ganz deutlich hörte ich! meinen Namen; mir wurde es unheimlich. Und, als ich den Mann sah, dessen Weib ich! morgen i werden sollte, da packte mich! mit einem Wale! das Grauen, das Entsetzen! Lieber wäre ich! jn* den Dorfteich gegangen — doch erst war noch] der Weg m dir! Erjch, ftßea könnte jfl ev-z tragen —* stur deine Verachtung nicht! SBie du mich! heute rnvrgen ansähest, so eisig, so fremd und verächtlich — da war ich am! Zu­ sammenbrechen. Da erkannte ich, daß ich mein wahres Glück in dummem Hochmut toit Füßen getreten, und tiefe Reue erfaßte mich!" Erich! htzrte stumm und ergriffen auf Ihre Worte. U 1 : I < , r ' i "Ich' wollte meinen Eltern gestehen, daß ich nur dich liebte — das andere wäre Wahn­ sinn gewesen; aus Furcht schwieg ich. Nur zur alten Ernestine sagte ich es — doch die konnte mir ja auch! nicht Helsen. Dann kleidete mich> Mama an; am liebsten hätte ich mir das Ge­ wand heruntergerissen — und — und — mein Brautkleid lag da und der Brautschmuck für morgen! Eiskalt überlief es michff Und dann fern er, Mich! abzuholen, Max von Hell-, wig. Er küßte mich! — Erich, ich war am! Ver­ zweifeln — —'ich stieß ihn von mir. Und! er lachte! Erich, als ich dieses Lachen hörte, .ins Gesicht hätt' ichsihu schlagen mögen. | Und immer sah ich- dich und hörte dichfern! Du warst nicht bei den andern im Mast- f hos; ich! hatte gehört, wie Vater seine Ver-f ! Wunderung darüber ausgesprochen, daß! du dich, von der allgemeinen Feier ausgeschlossen hat­ test. Da wußte ich! gleich, du saßest hier al-f lqtn. Und btt packte es mW übermächtig - ich stahl mich fort — und so' bin ich durch den Wald zu 1>tr gelaufen." '' t l Er hielt sie ins Arm, und ej sah unver­ wandt, als sähe er sie zum erstenmale, in ihr Antlitz, auf das der letzte Schimmer des Tages fiel — überwältigt preßte er feine Au­ gen auf ihr Haar. I i ; ■ f ( i s '"Jutta, Einzige, das verdiene ich ja nicht." "Hab mich! nur immer lieb, Erich," sagte fi# einfach'. t ' . Ta riß er sie in ungestümer Glut an sich. "Mein ganzes Leben gehört dir." Und er küßte sie, und sie hielten sich! fest umschlungen. Wie leicht, tote frei, war ihr zumute! Jetzt hatte sie keine Furcht mehr vor dem Kommen­ den. Ihre Liebe war so stark, weil Jutta klar fühlte: zu ihm gehörst du, und bei ihm muht du bleiben! Jetzt fürchtete sie nicht mehr den Kampf mit dem Leben, das.Entbehren alles dessen, was ihr jetzt so sieb gewesen 'war. Alles Kleinliche, Selbstsüchtige hatte sie von sich! gestreift, und nur ihre große, tiefe ^Weibesliebe war geblieben, die sie mutig alles Mf sW nehmen ließ. Lachend warf sie hin, was ihr das Leben an äußerem Glanz bot: gleichgültig war ihr geworden, um was man sie i tausendfach beneidet — jetzt hatte sie ihres 'Taseinß Zweck und ZW erkamtt. l ! !. 1; i. ────────── In der Feuerstellung. Aus dem Felde wird uns geschrieben: 1 So gehts nicht weiter. Die Kerle schießen nns noch den ganzen Kramladen in Scherben, wenn wir nicht beizeiten uns verrollen! Wie sie uns nur so fein erwischt haben? Aber natürlich, der Flieger da oben . Huri—hur—Huri—rrack bum . . » . 1 Volltreffer beim Ersten. Da haben wir's. Ein Jammer ist es mit den FRegern! Man hat­ te es vordem so sch,ön bei der Artillerie und konnte.... ' , I Huri—hui—huii—rrack bunt-rrack. . . . . 1 Ihr werdet sehen, bei der dummen Schie­ ßerei, es passiert noch was! In einer Stunde können wir unsere Kanonen als Alteisen beim SamMeloffizier zum Einschmelzen verklopfen. Tann, ade, stolze fünfte Batterie. ' Was . . . Feuer einstellen? Die 'Protzen find.schon unterwegs? Ra denn, Fritze, spuck iit die Hände! Wir ziehen um. So zog ste um, die 5. Batterie. j~ ! "Stellungswechsel" sagt der Artillerist und denkt sich was. Das Wort klingt bescheiden und manierlich ; klingt gut bürgerlich und tut nicht weh. Äanz und gar nicht. Es hat nichts von Heldentum, von Tod und Grauen wie das Wort "Sturm", in dem die Hörner schreien und die Trommeln rasseln. Nichts von Staunen und Furcht. Es klebt kein Blut daran und kein letztes Röcheln. Und wer in der Heimat beim Ab end schop­ pen sitzt, denkt sich! nicht mehr dabei, als daß! j sie das Geschäft eine Weile einstellt, und der. j Krieg vorderhand mm zu Ende ist für die Fünfte, und die Kanoniere wohl lachen können. Teuft, daß. man in solchem Fall eben einpackt: gewissenhaft, etwas umständlich und sondev * Eile. t I T 1 i ii So denkt man sich das und vergißt, daß Man hier nicht auf Kündigung steht, und diel Ereuzotgeschütze brav weiterfeuern und dies Umso Mehr, als dtz ^^schen ^"onen ver- Ta reden die Kruppschen mtt: Verschluß stumMt sind und somit die feindliche Widerrede. — Granate — zu — Schutz! Sie hetzen fehlt. 1 1 sflnFiv» fehlt. Jawohl, sie feuern Wetter; ihr könnt mirs glauben. Wie toll feuern.sie, und die Granaten heulen heran mit deM gellenden Angstgeschrei wilder Tiere und mit dem todwunden Jam­ mern des TaMpfers, wenn seine Sirenen in der Sturmnacht uw Hilfe rufen. Ihre Lagen hetzen sich tote ein Rudel hungriger Wölfe, denen die Witterung in die Nase gekommen, daß das sichere Opfer im letz­ ten Augenblick zu enttotsch-en droht. Klirrend rennen ste sich die Köpfe ein und zerreißen fluchend ihren stählernen Leib; krachend und brennend wühlen die Schwergranaten in den | flachen Beeten des Brachfeldes, als wollten ste k mit leuchtendem! Auge über Deutschland aufdiese Stunde noch, feststellen, wie es in feinem ging. In schwerem Rotgold brennt der HortrtnÄPölfui iir»h rvFi />& hött STD/m’Pmiirfoit a.ntt> Innersten aussehe, und ob es den Maulwürfen gut ginge. I ■ Und schwarze und schwefelgelbe Rauchund Staubsontänen, funkensprühend und schwer peitschen mit wütenden, dumpfen Hammerschlägen ans der fruchtbaren Ackerfurche, die jahrelang 'ün Frieden lag urib in der Sommer­ sonne. | " ! Tie Kanoniere dampfen. Es zittern die Flanken der geängstigten Pferde zwischen den Strängen. Starres Entsetzen brennt aus ihren gläsernen Augen und scharfe Kommandoworte stoßen tote blitzende Klingen in den wirren Knäuel. i Die Seile straffen sich, als müßten sie der i e!xn Augenblick absprengen. Hufe greifen tief »ivuji cm «mm »v« n°tr in den zerschlagenen Boden, und von den wild christl^ Gewerkschaften 8to) schnaubenden Nüstern fliegen Schaumfetzen und kleben am Lederzeug; flattern pj aufgescheucht über die braune Heide, wie feiner Baüst, den dev SStnb von der Trockenleine riß. Huri—hui—hnft—rrack bum.... 1 ! Peitschen pfeifen, klatschen. Schwielige Bauernsäuste greifen ins sllegende Zaumzeug und reißen die steigenden Borderpserde nieder, die den Widerstand, bald rechts, bald links drängend, zu überwinden versuchen. Die Kanoniere wuchten. Aechzen an den Speichen, ihre Halsadern und Armmuskeln sind dick und gespannt wie Schiffstaue: hu—hupp! Hu—hupp! Heiß Weht ihr Atem. / Es singen und jammern die kleinen Ka­ liber. Es brüllen die Grvßgranaten. Es rast der Tod über den roten Mohn. > Endlich springt das Geschütz hart an und von heiseren Schreien umjohlt torkelt es. . > springt . . . jagt es, tote der Keiler, der von den Hunden gehetzt schwer durch das Unterholz bricht, über Graben und Furche. Rauch- und Staubwolken schlagen hinter chm zusammen, tote die tosende Brandung, die das Lotsenboot verschluckt. 1 ' Peitschen flattern auf zwei, drei Pferderücken zucken tot schwarzen Qualm, — der straffe Rücken eines Fahrercs huscht vorüber .... kurze, breite Blitze stovßen wie Geier aus dem lohfarbenen Gewvge, ddas ein träger Wind talein ttecht .... Eisen,, Schreie und Gepolter verklingen in der Ferme .... ver­ klingen. i ! Verlassen liegt die Feuerstellung. Vier tiefe Gleise flüchten huseumwühlt in die Tal­ mulde, wo der Sommer blüht, und die Biene auf den farbenbunten Skabiosen summt. Tie Mütze eines Fahrers liegt dort, wo das erste Geschütz stand. Nne Mütze mtt einew! verschossenen, feldgrauen Band. Was er 'sich nur gedacht hah, der Fahrer, so kopflos bobtot* zurennen und mich hier liegen zu lassen . . .? Von der Bank flattert eine mattgelbe Feld­ postkarte: "Meine liebe Gred . 1 Verlassen liegt die Feuerstellung. Die Geschütze sind aufgefahren. Achthun­ dert Meter Wetter rechts warten sie gierig auf die ersten Granaten. > Hart ist der Feind am Werk. Seine Bat­ terien arbeiten wie ein Hammerwerk, das Ue- verstunden läuft und schlagen wie wütend in die leeren Geschützstände, wo die Mütze liegt. 1 Es flattert wie die Mve vom Nest "Weine liebe Gred Eile. t I T 1 i ii So denkt man sich das und vergißt, daß Man hier nicht auf Kündigung steht, und diel Ereuzotgeschütze brav weiterfeuern und dies Umso Mehr, als dtz ^^schen ^"onen ver- Ta reden die Kruppschen mtt: Verschluß stumMt sind und somit die feindliche Widerrede. — Granate — zu — Schutz! Sie hetzen fehlt. 1 1 sflnFiv» ein Vernichtungsfeuer hinüber, ba| die Rohre glühen und die Augen brennen.... Gra­ nate — zu — Schuß! Die Artilleristen sind begeistert bei der Sache und hämmern mit dem Tod ihre Wut auf den stürmenden Feind. Es stampft und rauscht die Schlacht in Blut und Eisen. Sämtliche Kaliber sind un­ terwegs — hinüber — herüber. Der Tod fingt sein grausiges, klirrendes Lied. Schwer rauscht die Sense über blühendes Leben. Es läuft 1 rot und warm von ihrem blanken Stahl, und die Sonne hängt trüb und ohne Konturen ihn zinnsarbenen Lichtnebel, der über dem Him­ mel schwimmt. Die Sonne, die blank und | flachen Beeten des Brachfeldes, als wollten ste k mit leuchtendem! Auge über Deutschland aufdiese Stunde noch, feststellen, wie es in feinem ging. In schwerem Rotgold brennt der HortrtnÄPölfui iir»h rvFi />& hött STD/m’Pmiirfoit a.ntt> zont. Da kommt die schrecklichste Meldung, die einem Führer zugehen kann: "Die Munitton geht zu Ende". Heißt: Dir ist das Schwert aus der,Faust geschlagen — Tu bist gefesselt — der Tod lacht über dir — Zypressen rauschen an der Kirchhvfmauer. i I Es singen und' jammern die Keinen Ka­ liber. Es brüllen und ächzen die Großgrana­ ten — herüber — hinüber —. 1 So wehrt euch doch, Kanoniere! ‘ Kanoniere! Granaten! i Granaten! Kanoniere! - — — Die Munition . . . ist , . : zu Ende': — Herr Gott — tot Himmel. ' ' Meine liebe, liebe Gred. i Leutnant Burkert, Offizier-Kriegsberichterstatter. Letzte Post«. I Weite tl-BvotÄerstolse. WTB. Berlin, 30. Sept. (Amtlich.) IM Sperrgebiet um England versenkten unsere UBoote 15 000 Brutto-Register-Tonnen. Der Chef des Adnriralstwbes der Wartn«. Der Zar der Bulgare» versichert seine Bunvestreue. i Berlin, 30. Sopt. Wie bestimmt ver­ lautet, richtete der König der Bulgaren an Kaiser Wilhelm ein Telegramm, in dem er ihn seiner Bundestreue versichert. Ein gleich­ lautendes Telegramm richtete der Zar auch an den Kaiser von Oesterreich. 1 : 1 l ' H«dc«bu^A Tank. Berlin, 30. Sept. Mehrere hundett Ver­ treter der Presse aller.Parteirich-tnngen, die aus Nordwest-Deutschland zu einer Erörterung der politischen, militärischen und wirtschaft­ lichen Kriegslage in Hannover zusammen ge­ kommen waren, richteten als Ausdruck ihrer einmütigen Stellung an Generalseldmarschall von Hindenburg ein Telegramm, auf das von diesem folgende Antwort einlief: "Für das Ge­ löbnis, die Heimaffront mit niederdeutscher Zä­ higkeit zu stärken bis der Vernichtungswille der Feinde gebrochen, spreche ich auch! namens des 1. Generalquarttermeffters allen in Hannover beteiligt gewesenen Schriftleitern herzlichen Dank aus." ! « • 1 Waffenstillstand an der Balkansrout. * i Berl in, 30. Sept. 1 Ter französische Funkspruch meldet unter dem 29. Sept.: Heute Nacht ist ein Waffenstillstand zwischen den bul­ garischen Abgesandten und dem Hauptquartier der Orientarmee in Saloniki unterzeichnet wor­ den. Es ist aus der ganzen Front der Befehl gegeben worden, die Feindseligkeiten einzustel­ len. (Notiz des WTB.: Nach! den hier vorlie­ genden Nachrichten sind die Bedingungen "des Waffenstillstandes dev Regierung in Sofia noch nicht bekannt.) i ' Druck uTskrtagl* F. Rietfch- Verantwortlicher Schriftleiter F. X. Wagner. Beide in Landshur