Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-10. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 277, 1918-10-10. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Die Kämpfe im Westen dauern an. — Die Erfolge nuferer Luftstreitträfte. — RegiernngsSnderuug in der Türkei. ────────── lungen bezogen und damit auch Cambrai ge­ räumt. Teilkmnpse in der Champagne. Aus beiden Maasufern haben sich! erneut Angriffe des Feindes entwickelt. . , , Die Schanzen auf denen der Deutsche in der Heimat für feine eigene und seines Volkes Ankunft ficht, find' die Schalter an denen man Kriegsanleihe zelchaeki Der öltm.-mg. Bericht. 1 WTB. Wien, den 9. Oktober, mittags. Amtlich wird gemeldet: gllalienifchrr Krtegsschauplatz. Das italienische Artillerie/eeuer erfuhr an der ganzen Gebirgsfront beträchhtliche Steiger­ ung. v ( Im Daonetal an dar Etsch uund unmittelbar östlich, der Brenta kam es zu ! Jnfanteriekämlpsen, die für uns günstig verliessen. | Albanien: In Albanien find Franzosen und Ser­ ben in dem von uns geräumten Elbassan ein­ gerückt. ( Fm südlichen Wferbten keine besonderen Ereignisse. ' ' ' «»Blicher An den gestrigen schweren Abwehrkämpfen bei Verdun haben die österr.-ungar.Trup­ pen des Feldmarschalleutnants Metzger rühm­ lichen Anteil genommen. I Ter Chef des Generalstabes. Die Heeresberichte. fei taufet Vtticht. MrvheS Hauptquartier.) '' , WTB. Berlin, den 9. Oktober 1918. Zwischen Cambvai und St. Quentin ist die Schlacht von neuem entbrannt. Unter Ein­ satz geivaltiger Artilleriemassen und unter Zu­ sammenfassung von Panzerwagen und Flieger­ geschwadern griff der Engländer im Vereine mit Franzosen und Amerikanern unsere Front von Cambrai bis St. Quentin an. Aus dem' nördlichen Angriffsflügel war der Ansturm des 'Feindes nach, starkem Kampfe gegen Mittag tvestlich der von Cambrai auf Bohain führen­ den Straße gebrochen. In den Abendstunden sind hier erneute Angriffe des Feindes ge­ scheitert. i Zu beiden Seiten der in Richtung Le Chateau führenden RSmerstcaße gelang d«m Gegner ein tieferer Einbruch, in unsereLinien. Wir fingen seinen Stoß, in der LinieWalincourt bis Elincourt und westlich! von Bohain aus. Aus dem Südflügel des Angriffes konnte der Gegner nur wenig Gelände gewinne«. Die südlich von Montbrehain kämpfenden Truppen schlugen alle Angriffe des Feindes in ihker vorderen Jnsanteriestellung ab. Durch, den Ein­ bruch, in der Mitte der Schlachtfront in ihrer Flanke bedroht, mußten sie am Abend ihren Flügel an den westlichen Rand von Fresnoy le Grand zurücknehmen. | Zn der Champagne nahmen Franzosen und Amerikaner zwischen der Suippe und westlich, der Aisne unter großer Kraftentfaltung ihre Angriffe wieder auf. Auch, sie erstrebten nach aufgefundenem Befehle erneut den Durchbruch unserer Front. | Nur beiderseits von St. (Stiemte brach der Feind in unsere Linien ein. In den Nachmittagsstunden angesetzte Gegenangriffe warfen den Gegner hier wieder zurück. An der übrigen Front sind die Angriffe des Fein­ des völlig gescheitert. Oertliche Einbruchstellen wurden im Ge­ genstoß wieder gesäubert. Teilangriffe an der Aisne und sehr heftige der Amerikaner am Ostrande des Argonnerwaldes und im Airetal wurden abgewiesen. Auf dem östlichenUfer der Maas griff der Franzose zwischen BrabantOrnes nach! starker Artillerievorbereitung an, Ter in den Wald von Consenvoh eindringende Gegner wurde dort zum Stehen gebracht. An der übrigen Front schlugen wir ihn bor un­ seren Kampflinien ab. Der 1. Venera!guartirrmeiRe». ■. Bajbesbotff. WTB. Berlin, 9. Oktober. Amtlicher Abendbericht: i f y An der Schlachtfront zwischen Cambrai And St. "Quentin haben wir rückwärtige Stel­ ────────── Wilsons Antwort. Nach Hestern in Berlin eingegangenen Nachrichten .hat Staatssekretär Lanfing dem schweizerischen Geschäftsträger folgende Note übergeben. 1 > Staatsdepartement, 8. Okt. Mein Hertz! I Ich, habe die Ehre, im Namen des Prä­ sidenten den Empfang Ihrer Note vom 6. Oktober zu bestätigen, die die Mitteilung der deutschen Regierung an den Präsidenten Wil­ son einschloß,, und ich bin von demPräsidenten beauftragt, Sie zu bitten, dem Deutschen Reichs­ kanzler folgende Mitteilung zu mächen. ■ Ehe er auf das Ansuchen der Kaiserlich deutschen Regierung antwortet und damit die Antwort so aufrichtig und gradsinnig erteilt wird, wie die wichtigen Interessen, die darin eingeschlossen sind, erfordern,- hält der Präsi­ dent der Vereinigten Maaten es für notwendig, sich! des genauen Sinnes der Note des Reichs­ kanzlers zu versichern. Meint der Herr Reichskanzler ,daß, die Kaiserlich! deutsche Regierung die Bedingungen, die vom Präsidenten in seiner Botschaft an den Kongreß der Vereinigten Staaten vom 8. Januar und in den folgenden Botschaften nie­ dergelegt sind, annimmt und daß, der Zweck beim Eintritt in die Diskussion nur der sein würde, sich über die praktischen Einzelheiten ihrer Anwendung zu verständigen? Der Präsident der Vereinigten Staaten fühlt sich verpflichtet, zu dem Vorschlage ei­ nes Waffenstillstandes zu erklären, daß, er sich nicht berechtigt fühlen würde, den Regierun­ gen, mit denen die Vereinigten Staaten gegen die Mittelmächte verbunden sind, einen Waffen­ stillstand vorzuschlagen, solange die Heere dieser Mächte auf ihrem Boden stehen .Der gute Glau­ be bei jeder Diskussion würde offensichtlich von der Zustimmung der Mittelmächte abhän­ gen, sofort die Truppen überall aus den be­ setzten Gebieten zurückzuziehen. Ter Präsident glaubt aud), zu der Frage berechtigt zu sein, ob der Reichskanzler nur für diejenigen des Reiches spricht, die bis­ her den Krieg geführt haben. Er hält die Antwort auf diese Frage von jedem Standpunkt aus für außerordentlich,- wichtig. , Empfangen Sie ,mein Herr, die erneute Versicherung meiner Hochschätzung. 1 , { San fing. i ────────── für sich selbst spricht. Die Frage ,ob der Krieg rasch AU Ende sein oder noch länger dauern wird, hängt von der Weisheit unserer Staats­ männer ab. ' ; Tic Frage -es Waffenstillstandes Bern, 9. Ott. Nach Schweizer Pressemel­ dungen ist für die Verwirklichung des Waffenstillstandsangebotes die Meinung maßgebend, die . Fach nach erfolgter Fühlungnahme mit den übrigen Heerführern abgeben wird. Longne er­ klärt im Populair, die Sozialisten verlangren die unbedingte Diskussion des deutschen Friedensangebotes ^chon in Anbetracht der furchtbaren Blutopser der Fochschen Offensive und der Tatsache, daß die Deutschen nach Mel­ dungen aus Ententequellen noch, ungeschwächt dastehen und heute noch nach Newhorker Mel­ dungen über 11 Millionen, nach anderen Mel­ dungen über 9 Millionen Mann verfügen. | Amerikanische Friedensbevingnngen. Haag, 9. DU. Aus Newhork wird ge­ meldet: Zn Minneapolis hat der ehemalige Präsident Rooseoelt eine Rede gehalten ,in der er die absolute Abtönung des deutschen Frie­ densvorschlages verlangte. i Senator Cumbe erklärte in einer Reso­ lution ,daß vor ein Waffenstillstand abgeschlos­ sen werden dürfte, Deutschland die Waffen ausgeliefert, Schadenersatz für die zerstörten Städte geleistet, Elsaß! Lothringen zurückgegeben und die Kriegsentschädigung von 1871 an Frankreich zrrrückerstattet habe. Ter Papst unterstützt den Friedensschritt der Jentralmächte. Die ^katholischen Zürcher Nachrichten mel­ den, bctf, der Papst alles aufbieten werde, damit das Ansuchen der Mittelmächte keine Absage erfahren wird. (' ! . ( [ ────────── Aus Rußland. Samara von den BolschenM genommen. 1 Moskau, 8. Oft. Samara wurde von den Bolschewikt genommen. Am 7. ds. abends, so meldet der russische Bericht, wurde die Stadt von unseren tapferen Truppen eingenommen; sie wurden von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt. 9tod) vor der Einnahme der Stadt hatten die Arbeiter gegen die TschechoSlowaken erhoben. Tie Siegesbeute, die un­ seren Truppen in die Hände gefallen ist, ist ungeheuer und läßt sich im Augenblick noch nicht annähernd' überblicken. Damit ist auch der letzte Stützpunkt der Gegenrevolution un­ ter den wuchtigen Schlägen der Roten Armee gefallen. Jetzt werden 'wir das für das junge Sow jets-R utzland so nötige Brot erlangen. Die­ ser Sieg .gibt uns neuen Mut im Kampfe für die Ideale des Kommunismus. . 1 Aus der Ukraine. Tie russisch-ukrainischen Friedeusverh and- 1 Jungen unterbrochen. Kie Ir», 8. Okt. Die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen wurden auf der heu­ tigen Plen arversammlung bis auf weiteres un­ terbrochen. Ter Waffenstillstandsvertrag soll in Kraft blestben und die Konsularoertretungen weiter bestehen. Die Arbeit der im Waffenstillstandsmertrag genannten Kommissionen für Verkehrsfrcigen, den Warenaustausch und das Rote Kreuz wird fortgesetzt. Ein Teil der rus­ sischen Delegation reist ab, der andere blecht in' Kiew für die Kommtissionsarbeiten zurück. An; Rmilniki. -• J Beßarabiens Schicksal. Bern, 9. Okt. Ein Politiker, der aus Krschinew ein Odessa eingetroffen ist, will aus guter Querlle wissen, daß! Infolge der bulgari­ schen Ereiggnisse mit der Räumung Beßarabiens durch, Rumänien gerechnet werden könne, weil sie gegen den Willen der Entente erfolgt sei. - i ────────── Tie russisch-ukrainischen Friedeusverh and- 1 Jungen unterbrochen. Kie Ir», 8. Okt. Die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen wurden auf der heu­ tigen Plen arversammlung bis auf weiteres un­ terbrochen. Ter Waffenstillstandsvertrag soll in Kraft blestben und die Konsularoertretungen weiter bestehen. Die Arbeit der im Waffenstillstandsmertrag genannten Kommissionen für Verkehrsfrcigen, den Warenaustausch und das Rote Kreuz wird fortgesetzt. Ein Teil der rus­ sischen Delegation reist ab, der andere blecht in' Kiew für die Kommtissionsarbeiten zurück. Aus der Ukraine. ────────── Aus Rumänien. Beßarabiens Schicksal. Bern, 9. Okt. Ein Politiker, der aus Krschinew ein Odessa eingetroffen ist, will aus guter Querlle wissen, daß! Infolge der bulgari­ schen Ereiggnisse mit der Räumung Beßarabiens durch, Rumänien gerechnet werden könne, weil sie gegen den Willen der Entente erfolgt sei. - i ────────── Exkönig Ferdinand von Bulgare» über den Abfall seines Landes. B e r l in, 8. Oftober. Ter' Wiener Ver­ treter des Berliner Tageblattes hatte mit Kö­ nig Ferdinand eine Unterredung. In dieser schiwerte der König eingehend die Verhältnisse und die außergewöhnlich schwierige Lage, der sich die bulgarische Armee in Mazedonien ge- *• genüber sah. Ter König wies auf die mangel­ hafte Ernährung und Bekleidung sowie auf die Erschöpfung der bulgarischen Armee infolge des fast 6 Jahre ununterbrochenen Krieges hin. Zu all diesen ungünstigen Umständen kam noch! Pie innerpolitische Lage. All diese Verhältniße, sagte der König, ließen das Friedensbedürffris immer höher schnellen. Ich war entschlossen, die Politik des Bündnisses mit den .Mittelmäch­ ten fortzusetzen und idji bin von der geraden Linie dieser Politik nie abgewichen. Es ist nicht wahr, wenn man sagt, Bulgarien habe mit der Entente verhandelt. Ich habe mit den Verbündeten bis znm letzten Augenblick das whalste Einvernehmen gepflogen, aber ich! war der Herrscher eines konffttutionellen-demoftätischen Staates. Nach der'Mederlage der bul­ garischen Armee, über Deren Ursachen später einmal Klarheit geschaffen werden wird, besaß Bulgarien nicht mehr die physische Möglichkeit den Krieg fortzusetzen .Es sah sich gezwun­ gen, die besetzten Gebiete, daS Ziel seiner na­ tionalen Sehnsucht, das Teuerste was |tt diesem Kriege erreicht, wofür es sechs Jahre lang ge­ kämpft, das Blut feiner besten Söhne geopfert hatte, zu räumen .Der schrankenlose, verzwei­ felte Friedenswille, der sich! überall kundgab, hat mich schließlich zu!m> Welchen gebracht, Doch, auch da bin ich dvn jener Politik, die ich! ein Leben lange vertrat nMjjt abgewichen. Dem .Bündnis treu, das ich nicht mehr durchzusetzen vermochte, habe ich für meine Person die Kon- Am Balkan. sequenzen gezogen. Es ist jetzt nicht die Zeit für große Worte, aber die Gesichte wird es einst­ mals erweisen, daß ich bis znm letzten Augen­ blick der treue Verbündete Deutschlands und Oesterreich-Ungarns gewesen bin. T>rr ZusamMenbruch! Bulgariens. Immer deutlicher stellt sich heraus, daß der Bulgarien von der Entente ausgezwungeneFrieden ein Gewaltftieden in des Wortes schlimm­ ster Bedeutung ist, der augenfällig die große Must zeigt, die drüben zwischen Worten und Taten klafft. Wie man jetjt aus Sofia erfährt, hält die Entente 'das gegenwärtige bulgarische Kabinett nicht für geeignet, das Werkzeug ihres Willens zu sein. Deshalb deutet man an, daß eine Aenderung in dekn bulgarischen Kabinett durchaus erwünscht sei. Malinow eröffnete da­ raufhin Vorverhandlungen zur Neubildung des Kabinetts. Die Entente soll zugestimmt ha­ ben, daß dseses zusammengesetzt sei aus zwei Demokraten, nämlich Malinow und Liaputschew, drei Marodnicken, einem Adrarier, einem Sozialdemokraten, einem Radikaldemokraten, General Lukow, früher Führer der ziveiten Armee und einem Mitglied der unter Liptschew nach Saloniki entsandten Kommission. Daß die Marodnicken am stärfften vertreten sein sollen, trotzdem sie nur 10 Sitze in der Sobranje haben, rührt davon her, baß, sie als die. den Mittelmächten ant meisten abgeneigte Partei gelten. Die Maßnahmen des neuen Kabinetts werden außerdem noch- scharf über­ wacht durch eine EntentekontrollkommissPn, de­ ren englische Mitglieder bereits in Sofia ein­ getroffen sind. Ihre Arbeit setzt binnen kurzem ein und die Entstehung von Mißhelligkeiten wird nur als die Frage von Tagen angesehen. Man vermutet, daß die' Entente darin eine willkommene Gelegenheit erblicken werde, um mit scharfen Maßregeln gegen Bulgarien vor­ zugehen. Hält man dazu, daß Bulgarien ge­ zwungen wird, den Alliierten seine Eisenbah­ nen und Dampfschiffe auszuliefern, baff die Verbandstruppen das demobilisierte Land und dessen wichtige Punkte besetzen, daß sie die Kontrolle über die Waffen verlangen, so ergibt sich ein Bild brutaler Gewalt, wie es schlimmvr nicht gedacht werden kann. ────────── Der Krieg mit Italien. Kassiertes Urteil. Der Prozeß, gegen die deutschen und schwei­ zerischen Bankdirektoren und Angestellten der Offizine Elettrice in Genua endete in zwei­ ter Instanz vor dem Kammergericht in Alessgndria mit dem Freispruch aller Angeklagten. Der Vorsitzende des Gerichtshofes sprach sein Bedauern darüber aus, daß er den Angeschuldigten, deren ^Schuldlosigkeit erwiesen sei, keine bessere 'Genugtuung geben könne. ────────── Die Türkei im Kriege. Grundlegende Veränderungen in der . i ! 11 Türkei. Wie die Deutsche Ztg. aus Konstantinopel erfährt, ist im türftschen Kabinett eine große Umänderung eingetreten. Der Großpesir Talaat Pascha und der Kriegsminister Enoer Pascha sind durch, den früheren Kriegsminister Jzzet Pascha ersetzt worden. Znm Minister des Aenßprn wurde der der Opposition angehörende Senator Achmed Riza Bei ernannt. Die gegen­ wärtige Zusammensetzung des Kabinetts bekun­ det den allgemeinen Friedenswillen des tür­ ftschen Volkes. ! Die Nachricht von dem Kabinettswechsel ist der Berliner türftschen Gesandtschaft noch! nicht zugegangen. In unterrichteten Kreisen wird je­ doch an der Nichtigkeit der Mewung nicht ge­ zweifelt. Sie deckt sich! im übrigen auch mft den Informationen, die der Boss. Ztg. vor einigen Tagen aus Konstanttnopel zugegangen find. ────────── Kriegsminister enthoben worden. Gleichzeitig wurde zu seinem Nachfolger der Chef beS 1 Kriegsamtes Generalmajor Scheüch bestimnct. Zensur und BersamMilungsrecht. Ter in der Reichskanzlerrede angekündigte Erlaß des Kaisers oh die Militärbefehlshaber ist nach der "B. Z. a. M-" bereits ergangen: Danach haben die konrmandierenden Generäle in allen nicht rein militärischen Angelegenheiten (be­ sonders hinsichtlich des Zensur-, Vereins- und BersammilungÄvesens) sich! mit dem Oberprä­ sidenten in Verbindung zu setzen. Wenn ein Einvernehmen nicht zu erzielen ist, so mutz die die Angelegenheit dem oberen Militärbefehls­ haber, als welcher der Kriegsminister bleibt, vorgelegt werden. Der Kriegsminister hat aber in allen diesen Angelegenheiten den Weisungen des Reichskanzlers zu folgen. 1 1 i Eine konservative Kundgebung. Der wei­ tere Vorstand der deutsch-konservativen Par­ tei nahm heute auf einer aus ganz Deutschland besuchten Versammlung eine Entschließjung an, worin es laut Deutscher Ztg. heißt: Das Vater­ land ist in Gefahrj! Mit unerhörter Wucht stürmt feindliche Uebermacht gegen unsere Mauer im Westen. Was unseren Vätern und uns heilig und teuer gewesen ist, steht auf dem Spiele. Preußen, der Staat Friedrichs des Großen, für den unsere Väter in den Be­ freiungskriegen geblutet haben, das Schwert der Hohenzollern, das neue Deutschland Wil­ helms I. und Bismarcks mit allen seinen Bun­ desstaaten!! Das alles kann und darf nicht Un­ tergehen. Jetzt heißt es: dem Helfer im Him­ mel vertrauen, der unser Volk auch in diesem Kriege sichtbar beschützt hat und der, wie wir zuversichtlich hoffen, nicht zulassen wird, daß die unendlichen Opfer für die Wahrung unseres Daseins und unserer nationalen Ehre umsonst gebracht worden seien. Für diese unsere heilige Güter wollen wir Gleiter kämpfen, irfcnn es' sein muß, bis zum> letzten Mann. Gott schütze Deutschland!! ! i i Veränderungien im Elsaß. Wie die'Frkf. Ztg. erfahren will, ist der Reichstagsabgeordne­ te Hauß, Vorsitzender der Zentrumsfvaktion des Landtages als Nachfolger des stündlich auf seinen Abschied wartenden Frhrn. von Tschammer zum Staatssekretär von Elsaß-Lothringen ausersehen . 1 ' f 1 | s Wahlresorm in Anhalt. Der änhaltische Landtag wurde am Montag mit einer Thron­ rede des Prinzregenten Aribert eröffnet. Sije enthielt die Ankündigung einer Aenderung des Landtagswahlrechtes und die Vorlegung eines Siedelungsgesetzentwurses, die in großzügiger Weise die innere Kolonisierung bezweckt. > Tiemokrattsierung tut» Parlamentarisie» rang in Sachsen. Das sächsische GesamtMinisterium hielt eine längere Sitzung ab, die ftdj, mit politischen Reformen befaßte. Die Refor- men erstreäen sich! In erster Linie auf das gleiche Wahlrecht und eine gleichmäßige Ver­ tretung aller DolMreise in der ersten Kammer. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das sächfischje Ministerium eine teilweise ParlamLntariMrung erfährt. 1 •( I 1 1 Me erwartete Amnestie. Nach der Ger­ mania ist die Amnestiefrage bereits ängeschüitten. In Betracht kommen vor allem gewisse Schutzhäftlinge ^auch Leute, die an Streiks be­ teiligt waren, politisch unbequeme Leute so­ wie schließlich eine Reihe von Verurteilten in den besetzten Gebieten. • J \ r 1 , In Oesterreich-Ungarn bereitet sich eine Aenderung des Staatsaufbaues vor. Das Hauptinteresse hiervon wird die angeblich vor der Türe stehende ^Bildung eines südslawischen Staates beanspruchen. Kroatien, Slavonien, Bosnien und die Herzegowina und auchj Dal­ matien sollen zu einem.südslawischen ,Staat im Rahmen der Monarchie vereinigt werden. Durchs diese Maßnahme, die heute durch! ein kaiserli­ ches Manifest eingeleitet werden soll, dürsten die Wünsche der Tschechen in Böhmen erneu­ ten starken Rückhalt finden und ihre Haltung im Reichsrat zeigt bereits, daß sie gesonnen sind, mit allen Mitteln der Erreichung ihres Zieles zuzustteben. Es dürsten alsonoch ge-' wältige Aenderungen in unserer Nachbarmo-' narchie vor sich gehen. Die Teutschen in D&' sterreich-Ungarn aber hätten allen Anlaßt end-' lich einig zusammenzustehen, damit sie nicht' an die Wand gedrückt werden. > 's Ein südslawischer.Staat. Wie Kn gut unterrichteten Wiener Kreisen bekannt wird, wird 1 morgen ein Manifest des Kaisers erscheinen, in' dem der Monarchj den Entschluß kundgibt, daß Kroatten, Slawonien, Bosnien und die Her-! zegowina als auch Dalmatten zu einem Htaatsganzen vereinigt werden. Wie indeß verlautet, ist die Ansicht der informierten Kreise die, daß diese Maßnähme hinter dem! Verlauf der Ent-, Wicklung der Dinge zurückbleiben wird. Tie. ganze Situation wird natürlich nicht unwesent-j lichj von der Antwort des Präsidenten Wilson beeinfluU. ! i i ( ; • . , Rücktritt des spanischen Kabinetts. Reu-' ter meldet aus San Sebastian den Rücktritt des Kabinetts Waura. , / \ Tfc Türkei hat ihr tankst sischqes Wenteuer in Baku bitter gebüßt. Diese unnverständliche Verzettelung der Kräfte führte zzum Verluste von Damaskus und zur Kündigung des Brester Friedens zwischen der Tüvkei umd Rußland. Der bulgarische Abfall brachte zudem die 'Ge­ fahr eines Landangriffes auf Konstantinopel. Diese Ereignisse führten jetzt zum Sturze der gegenwärtigen Regierung. Die neue wird wohl noch zu retten suchen, was zu retten ist. ────────── Kleine Zcichuutrgctt ergeben große An| lethesummen! 1 i. ────────── Allerlei. Allerlei. Lederschieber. In Memmingen würd« we­ gen Lederschiebungen und Preiswuchers der Schuhwarenhändler Anton Güppel verhaftet. Es wurden bet ihm Schuh- und Lederwaren im Werte von ca. 30 000 Mark. beschlagnahmt. Französischer Zuckerschieber. Wie Libre Parole berichtet, ist ein Großindustrieller, Ge­ meinderat und HandelskaMmermitglied in Sarbat schon vor Monaten öffentlich beschuldigt worden 40 000 Kilogr. Zucker, die ihm in fei­ ner Eigenschaft als Hauptzuckerverteiler des Departements Tordogne zugeteilt worden wa­ ren, gehamstert und in Sirup umgewandelt zu haben. Dieser Sirup wurde dann mit ei­ nem Wuchergewinn von 5,25 Frcs. für den Li­ ter verkauft. Weder der Angeklagte, noch| feine einflußreichen und in dip' Sache anscheinend verwickelten Freunde, noch! auch! die Generalstaatsanwaltschaft' haben über die Angelegen­ heit, die schon auf 5 Monate zurückgeht ir­ gend etwas geäußert. \ ; i ────────── Bayerische Nachrichten. Als Rcjchjlsräte in Würzburg wurden ge­ wählt: Ratsassesfor Erich! Graf von Würzburg und Amtsanwalt Eugen Wirth vvn Tegernsee. 1 Orden im Werte von 30 000 Mark wurden aus dem Bayer. Armeemuseum gestohlen. 1 i | Tic Millchtttudenliste ivird nunmehr auch in Markt- und Dorfgemeinden eingeführt, un» die Vlchversorguug einheitlich zu regeln. ────────── lang es, einem weiteren Umsichgreifen ""des Feuers Einhalt zu tun. ────────── Kommt von gr. Be.Qtte. i > »oidtzrkM 1913 bh Greiner ». Eom#., i I I M Berlin W. 80.J , | | [ j t ! ! ! 1 WaWruck verboten.) i 86] "Nein," beharrte Ottokar Allwörden. "Wir haben nicht viel Zeit zu verlieren! Bedenkt, daß ich noch ein Kind habe, das der Mutterliebe sehr bedürftig ist! Meine kleine Sissi. Jchi habe ihr versprochen, ihr eine neue, sehv liebevolle Mama mitzubringen, und mit dieser ihre geliebte Lora! - Gib mir deine Zusage, Marra, dann wollen wir noch, heute zusam­ men bei dem Oberförster von Eggert für un­ seren Sohn um seine Tochter bitten." 1 28. Kapitel. Der Oberförster war sehr verwundert, als er pon dem Fenster seines Arbeitszimmers aus die Mutter pes Försters Berger in Be­ gleitung ihres Sohnes — nein, das war er doch! nicht, das war ein älterer/ sehr vornehm aussehender Herr - sich der Oberförsterei nä­ hern sah. > M ' £ , x , Sie würde doch wohl nicht gar —? Was fiel der Frau ein? Wollte sie vielleicht um aut Wette» bitten? Und merkwürdig — sie sah Die Allwördens. ordentlich jung aus ihr »Gang war leicht und elastisch —. | ( ’ > Er beobachtete die beiden schärfer — rich­ tig, sie kamen zu ihm. und kurz danach über­ reichte ihm das Stubenmädchen eine Karte: Ottokar Gras Allwörden, Herr auf Lengeseld und Gersau. — 1 I j i »Ter Herr Graf wünscht Herrn und Frau Oberförster in einer wichttgen Angelegenheit zu sprechen". t Etwas hilflos drehte er die Karte in der Hand. Cr kannte ja den Herrn Grasen gar nicht! Aus jeden Fall hatte der aber mit Ber­ gers zu tun; wie kam er sonst hierher? Ei­ gentlich! hatte er keine Lust zu einer Aussprache — aber immerhin: abweisen konnte man den Herrn Grafen auchj nicht! Er ließ seiner Frau Bescheid sagen und ging dann hinüber in das Empfangszimmer. y i Steif begrüßte er die Mutter des För­ sters; er sowohl wie seine Frau könnten es nicht über sich gewinnen, ihr die Hand zu reichen. Graf Allwörden stellte sichj vor und bat dann, auch- zugleich, im Namen seiner Frau — dies mit einer Bewegung zu Frau Maria — um die Einwilligung Herrn von Eggerts zur Heirat seiner Tochter Attta mit seinem' Sohn« Erich!. 's • (, i Als ob man sichj einen schlechten Witz mit ihm erlaubt hätte, so sah der Oberför­ ster bje beiden an. Graf Allwörden klärte di« Sachlage auf und fügte dann noch, hinzu: "Mein Sohn Erichj war viel zu stolz, um je Vorteil aus feiner Herkunft zichen zu wol­ len. Ein Wort von ihm, und ich hätte ihm jeden seiner Wünsche erfüllt!! Er hat das aber verschmäht, hat sich, mir nie genähert, weil er alles der eigenen Kraft und Tüchtigkeit ver­ danken wollte)! Tpch, jetzt hat er eingewilligt, nach! Schloß, Lengefeld überzusiedeln Und seinen richttgen Namen Graf Erich Allwörden anzu­ nehmen, um seiner Braut willen —" i Ehe der etwas schwerfällige Oberförster das Gehörte fassen konnte, hatte seiner Frau beweglicherer Geist alles begriffen, und Frau von Eggert sah die Zukunft ihrer Tochter so glänzend, wie sie es nie sich, hatte träumen lassen. Ta flog ihr mt# ein Gedanke durch den Kopf. i ( ' i 1 "Eine Frage, Herr Graf — weiß Seine Hoheit darum?" > ' ! i . Wrtfttzung frUuM ────────── Jnstizberwattnng. Der im Heeresdienst dienende frWere Gerichitsschreibergehilfe außer dem Status bei dem Amtsgerichte Passau Val. Hüllriegl wurde zum Gerichts»ssistenten außer dem Status bet diesem! Gerichte in etatsm. Ei­ genschaft ernannt. i t i Rentämter. Zu Rentamtsassistenten in etatsm. Eigenschaft ernant wurden die Rentanrtsinzipienten Fvz. Biederer von Teggen- ^ darf, zzt. tm Heeresdienst, bei dem Rentamts Deggendorf; Ludwig Hülzle von Pfarrkirchen, zzt. im Heeresdienst, bei dem Rentamte Gries­ bach, Jakob Schoppe und Alois Lippert bpn Mitterfels, beide zzt. im Heeresdienst, bei dem Rentamte Mitterfels, Benedikt Maurner in Passau, bei dem Rentamte Passau; Franz Sitz­ berger von Biechjtachl, zzt. im Heeresdienst, bei dem Rentmnte Biechtach ; Alois Fesl von Vilshofen, zzt. im Heeresdienst, bei dem'Rentamte Vilshsfen. i ' Dienstesnachrichten. ────────── —* Ein Verwundetentransport traf Heute vormittags 9 Uhr hier ein. | —* Ein Schwindler trieb sich anfangs dieses Jahres hier herum und spiegelte den Leuten vor, er könnte ihnen Lebensmittel aus dem Felde schicken. Er erhielt auf Grund die­ ser Angaben Geldbeträge von 2 bis 20 Mark. Ter Schwindler, der seitdem nichts mehr von sich! hören lieft, gab an, einen Lungenschuß erhalten zu haben, aber wieder ins Feld zu kommen. Geschädigte wollen sich bei der Poli!zeiinspektion melden. I —* Ein Wohltätigkeitskonzert ver­ anstaltet am Sonntag nachmittags und abends in der Jägerhalle die vollständige Regiments­ musik des daher. Res.-Jnf.-Rgts. Nr: 3 zum Besten des Hinterbliebenenfonds des Regi­ ments. i i ' ' 1 —* Die Not der Zeit. Ueber dieses Thema spricht am! Samstag abends im VolksIhochschulverein im Gewerbehaussaale Herr Major Franz Karl Endres aus München. —* Seeofsiziersanwärter. ! Durch Allerhöchste Order Seiner Majestät des Teuvschen Kaisers vom 24. Juni 1918 ist die Ein­ stellung junger Leute der Landbevölkerung als Kriegs-Reserve-Seeofsiziersanwärter genehjmigi worden, damit der Kaiserlichen Marine das für die Heranbildung nötige Personal zuge­ führt wird. Ter Inhalt der erwähnten Aller­ höchsten Order sowie die Aussührungsbestim-. münzen dazu sind in ein Merkblatt zusammen­ gefaßt worden, das von Interessenten beim Stadtmagistrat — Militär-Büro — eingesehen werden kann. 1 ! i < s —* Abhaltung von Treibjagden an Sonn u. Festtagen. Das stelln. General­ kommando 1. b. Armeekorps gibt bekannt: Tie Abhaltung von Treibjagden an' Sonn- und Festtagen ist in Bayern an sich verboten. Wie iim Vorjahre, so ist aber auch Heuer durch Anordnung der drei stello. Generalkommandos für die Zeit bis zum 15. Januar 1919 die Ab­ haltung von Treibjagden an Sonn- und Fest­ tagen nach- Beendigung des vormittägigen ' Pfarrgottesdienstes zugelassen worden, um ei­ nen erhöhten Wildab schuft! zu ermöglichen. ! ────────── Vermischt«. ' Der Staub der In ustriestadt. tim feftzustelleu, in welchem Maße die Lust einer modernen Industriestadt durch Staub verdorben wird, unternahm- in Essen Dr. Sarneßky systematische Beobachtungen-auf streng wissenschaftlicher Grundlage. Diese Untersuchungen des Staubgehaltes der Essener Lust, -deren wichtigste Ergebnisse vom Prometheus mitgeteilt werden, dauerten ein volles Jahr, nämlich vom November 1915 bis November 1916. Voraus­ geschickt kann werden, daß das Ergebnis über Erwarten unerfteulich war. Die Beobachtungen wurden an acht verschiedenen Stellen vorgenommen, vom Stadt­ inneren bis zur äußersten Stadtgrenze, und zwar an in gleichen Zwischenräumen wiederkehrenden Tagen. Für die Staubzählungen in der Lust würde der Aitkesche Staubzähler benützt. An den Versuchstagen begann die Arbeit um 1 Uhr nachts und dauerte in Zwischenräumen wo» je zwei Stunden bis 11 Uhr abends? Es erwies sich, daß die Luft um 5 Uhr morgens die geringste Staubmenge enthält, um 1 Uhr mittags die größte. Den mittleren Staubgehalt im Durchschnitt eines Tages scckd man zwischen 8 und 9 Uhr morgens, sowie zwischen 5 und 6 Uhr abends. Die Staubmenaen weichen aber nicht nur an den einzelnen Tagesstunden, sondern auch an den einzelnen 'Wochentagen bedeutend voneinander ab. Am Staub»' haltigsten ist die Lust am Sonnabend, am staubärmsten i des Montags, das Mittel fällt auf den Donnerstag? Die verhältnismäßige Staubreinheit am Montag erklärt sich daraus, daß von Sonnabend * Abend bis Montag Morgen die industriellen und gewerblichen Betriebe ruhen, also die Kohlenstaub- und RußEntwiklung usw. erheblich in Wegfall kommt. An der Zunahme des Staubgehaltes gegen das Wochen­ ende mögen auch die Freitag und Sonnabend immer wiederkehrenden Reinigungsarbeiten, wie Teppichklopfeu und Aehnliches schuld haben. In Essen beträgt der absolute Staubgehalt der Luft im Jahresmittel im Innern der Stadt 207000 Staubteilchen in einem Kubikzentimeter Luft, nach der Stadtgrenze zu verringert sich der Staubgehalt immer mehr, am äußersten Stadt­ ende zählte man im selben Verhältnis 51000 Staub­ teilchen. Auf dem Essener Marktplatz wurden als Maxi­ mum 478000 Staubteilchen in einem Kubikzentimeter Lust gezählt, Die geringste Menge hingegen ergab sich in der Stadtgärtnerei mit 7500 Staubteilchen. Wecker' wurde festgestellt daß in den dichtbevölkerten Stadt­ gegenden die Luft im Winter staubreicher ist als im Sommer, während in den dichtbevölkerten Vorort­ gegenden das Umgekehrte der Fall ist Hieran kann man erkennen, in wie hohem Maße, die Staubentwick­ lung durch die Kohlenheiznng bedingt wird. Sie herrscht bekanntlich in den mittleren und älteren Stadtteilen vor, in den Vororten hingegen wird die moderne Vermischtes. l-Hetzung mit Gas, Elektrizität und Koks bevorzugt, «die Hauptquelle des Staubgehaltes bildet dort der Erd­ boden, der im Sommer natürlich mehr Staub abgibt 'als im Winter. Fügt man an diese trockenen zahlen­ mäßigen Tatsachen gewissermaßen ein arithmetisches Bild, so muß man geradezu mit Schrecken feststellen welche ungeheure Staubmengen die Lunge eines Jndustriestadtbewohners verschlucken muß. Jeder Mensch macht durchschnittlich in der Minute 18 Atemzüge, von denen jeder der Lunge ungefähr 500 ccm Luit zuführt, sodaß in der Minute etwa 9000 ccm Luft eingenommen werden. Nach den obengenannten -Fest­ stellungen verschluckt also im Jahresdurchschnitt die Lunge auf dem Essener Marktplatz 1,863,000,000 Staubteilchen in der Minute, in der Zeit der Jahres­ höchstmenge sogar 4,302 000,000 Staubteilchen in der Minute. Diese Darstellung ergibt mit unwider­ leglicher Deutlichkeit, wie notwendig eS ist, zum Beispiel die Erzeugung rauchloser Wärme zu fördern, anstelle von Kohle Koks und Gas treten zu lassen, über­ haupt zum Wohle der Volksgesundheit den Staub­ gehalt der Luft mit allen nur möglichen Mitteln zu bekämpfen. Die Verwirklichung des Gedankens, die Abgase aus Haus- und Jndustriefeuerungen in ge­ meinsamen unterirdischen Rohrleitungen zu sammeln und einem Reinigungsprozeß zuzuführen, sollte daher im Frieden nicht lange aus sich warten laßen. ────────── Verlosungen. Prcuß.-Südv. Klassenlotterie. In der Dienstag-Vormittagsziehung der Preuß.-Siidd. Klassenlotterie fiel ein Haupttreffer von 100 000 Mark auf die Nummer 208 965. (Ohne Gewähr.) ────────── Ludendorfs in Berlin. i 1 i. WTB. Berlin,' 9. Oktober. (Amtlich.) Der erste Generalquartierme-ister General Ludendorff traf aus dem Großen Hauptquartier! -zu Besprechungen in'Berlin ein. g T 1 , 1 Erfolge unserer Luststreitkräfte. Berlin, 9. Oktober. Die erste Woche der feindlichen Großangriffe in Flarkdern brachte unseren Luftstreitkräften unvergleichliche Er­ folge. Seit dem 28. September, dem ä^ginrv des Groftkampfes, bis zum! 5. Oktober haben unsere Flieger allein in Flandern 96 feindli'che Flugzeuge abgeschossen, dagegen selbst nur 6 Flugzeuge verloren. Eine Jagdstaffel errang 17, eine andere 15 Luft siege. Leutnant Jakob brachte 9, Leutnant Degelow 7 Flugzeuge zum Absturz. 's 1 ! Vom Rciichstag. ' -Berlin, 9. Oktober. Tie konservative Fraktion des Reichstages hat beim Präsidenten beantragt, sofort eine Sitzung des Reichstages Zur Besprechung der WilsonscheN Antwort auf das Friedensangebot anzuberaumen. , 1 Bouzier unter Jrruscucr. , 1 Berlin, 9. Oktober. Wouzier, in das General Gouraud am zweiten Angrifjstag ein­ ziehen wollte, liegt unter schwerem Fernfeuer. Auch diese bisher unzerstörte Stadt geht damit der Vernichtung entgegen und die Ententeprostaganda wird Racheschwüire ausstoßen, daß die Teutschen Vouzrer vernichtet hätten. i Letzte Posten. ────────── Fachlich gegliederte Fortbildungsschule. (Berufsfortbildungsschule.) I. Mit Genehmigung des K. StaatSministeriumS des Innern für Kirchenund Schulangelegenhelten wird die obengenannte Schule zunächst noch als Neben­ anstalt der Kgl. Realschule geführt. II. Eltern, Vormünder. Lehrherren und Arbeitgeber werden dringend ersucht, der ihnen obliegenden gesetzlichen Verpflichtung gemäß die ihnen unterstellten Fortbtldungsschulpfltchtigen 1. ganz regelmäßig und rechtzeitig zur Schule zu schicken und zwar in ordentlicher Kleidang und sauberer äußerer Verfassung; 2. den Schülern die nötige Zeit zum Umkleiden und Waschen zu gewähren u. den Schulbesuch zu überwachen ; 3. der Haltung der Schüler aus dem | Wege zur Schule und von derselben zurück die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden; | 4. bei alleufallfiger Behinderung des Schulbesuches, z. B. durch Krankheit, rechti zeitig an den Klaßlehrrr eine glaubwürdige schriftliche Mitteilung gelangen zu I lasse»; 5 die Schulvorstandschaft in all. ihren Bemühung., die nur das Wohl der I heranwachsenden Jugend erstreben, tatkräftig und nachdrücklich zu unterstützen; I 6. dem Schulboten bei allensallsiger Nachfrage bereitwillig die benötigten Auf1 schlöffe zu geben. I Vor wenigen Tagen erst wurde auf der Versammlung der bayerischen | Gewerbeveretne in Passau auf die hohe Bedeutung der Fortbildungsschule für I die heranwachsende Jugend hingewiesen. Die Ausbildung derselben obliegt in I gleicher Weise der Stätte des Berufes wie der Schule; ohne entsprechende Schul« I bildunq kann e» in Gewerbe, Handel und Landwirtschaft nicht vorwärts gehen. | Schwer versündigt sich an der Jugend, wer in selbstsüchtiger Weise sie der Schule I entziehen will. I IU. Die Anmeldung aller fortbildungsschulpflichttgen Jungen findet nächsten I Sonntag de» 13. Oktober vormittags genau 11 Uhr in der TnrnI halle der Kgl RealschNle statt. Eingang durch die Mariengasse. Alle I Schulpflichtigen — es sind dies die nicht mehr zum Besuche der Volkshauptschule I Verpflichteten, die aber eine zehnjährige Schulzeit noch nicht hinter sich und die ^ Entlassungsprüfung an einer Fortbildungsschule noch nicht abgelegt haben — haben sich ausnahmslos zu dieser Anmeldung etnzufinden; eine Befreiung hievon kan» nicht stattfind cn. IV. Den Fortbildungsschülern ist durch Gesetz und Schulordnung jedes ungehörige Benehmen auf der Straße, der Besuch von Gasthäusern. Kaffeehäusern, Theatern, Kinovorstellungen, das Rauchen in der Oeffentlichkeit unter Androhung strenger Bestrafung verboten. Die diesbezüglichen Verordnungen des K. General­ kommandos müssen aufs genaueste befolgt werden. Lands Hut, den 9. Oktober 1918. 2800 Der S chulvorstand: Dr. Horchler, K.. Rektor. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Tarifüuderung für elektrische» Strom.. Gemäß übereinstimmender Beschlüsse beider städt. Kollegien vom 20. und 26. September 1918 werden die bisher gültigen Lichttartfe: 1. Einheitstarif mit Stufenrabatt, 2. Zeitdoppeltarif, 3. Tarif für LrePPenbeleuchtttug aufgehoben und wird mit Wirkung ab der Mitte Oktober 1918 beginnenden Monatsablesung der Licht­ strompreis bis zu einer Jahreeabnghme von 300u Kilowatt-Stunden allgemein auf 65 Pfg., bei 3001 Kilowatt-Stunden und mehr auf 60 Pfg. pro Kilo­ watt-Stunde festgesetzt. In der Gemeinde Berg ob ( Landshut stellt sich der Preis vertragsgemäß jeweils 1 um 5 Pfg. höher. Landshut, den 30. September 1918. Stadtmagiftrat Landshut. Dr. Herterich. S chwarz. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Ter Tankscheeckcn. Eine Episode von der Front, wie sie sich Tag für Tag in verschiedenen Abschnitten wie­ derholt. Gefechtsstand eines Regiments, unü hügelt von den waldigen Kuppeln der Argonnen. Der Morgen fröstelt herauf, Ordonanzen stampfen^ durchfroren die Nachtkühle aus den Gliedern, Ani überlauten Telephon muht sich, der Adjutant Klarheit über die Lage vorn zu verschaffen. Es liegt etwas in der Lust, trotz des mäßigen Artkllerieseuers. — Wun­ der der Nacht. — Es spannt die Nerven aufs Aeußerste an. Es läßt den Kommandeur nicht ruhen. Gewißheit zu haben über jenes dumpf sich Vordringende ,treibt ihn aus dem Unter­ stand der Höhe. In weiten Schwaden lagert Nebel aus den Felsflächen. Auf dem Hügel links wachsen die Einschläge plötzlich! baumhaft em­ por. Mündungsfeuer blitzt auf jenen Anhöhen, welche die Mitte Kalten zwischen Gesechtsstand und den vom Feinde gehaltenen Flügeln. Nie­ mand begreift zuerst den Sinn dieser frühen Abschlüsse, denn es ist kein Zweifel mehr, daß das ein Tankgeschützfeuer ist. Nach allen Richtungen wenden ficft die Augen. Der Nebel gibt die Sichf nur schwer frei. Plötzlich — wie aus dem Boden gewachsen — fauchen aus derMulde in langer Linie die schwarzen Kolosse.heran, 12, 15, 16, 19 Tankssi Eine unheimliche Auf­ fahrt, die die Brust mit Eis beschwert. Die ersten Schüsse liegen zu kurz. Fieberhaft wer­ den -die Gläser gezogen und an die Augen gepreßt. Der 3. Tank von links stockt. Ein glatter Volltreffer'. Schuß auf Schutz räumt und räumt nun auf. Schon Muß der 4. Tank sich strecken. Eine zweite Batterie greift ein. ^ Stichflammen zerteilen den Nebel. In kurzen' Abständen liegen die Übrigen Kolosse zerschos­ sen im Acker. Gedeckt durch! das struppige Ge-^ büsch, macht der letzte Kehrt. Das Nachtgespenst, so überraschend es erschien, schnell ist es ver­ trieben. Von den 19 siegesgewiß auffahrenden, amerikanischen Streitwagen verrauchen neun als formlose Gerippe in der ausgehenden Son­ ne. Ein gutes Omen fite, diesen Schlachttag!! ────────── Druck u. Verlag I g. Rietsch. BerantwortliHetz WchrDstleiter g. L. Wagner. Heß# in LandoGdui