Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-11. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 278, 1918-10-11. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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' Site deutsch« Rückführung. ( Berlin, 11. Okt. Der authentische Text der amerikanischen Note ist nunmehr hier ein­ getroffen. Er ist wieder durch, die Schweiz als deutsche SchutzmaM in Amerika übermittelt worden. Der Wortlaut deckt sich- übrigens mit dem schon vorher aus Holland übermittelten Text imb enthält insbesondere auch, im vorletz­ ten Satz das Wörtchen "n u r", das der ganzen. Frage des Präsidenten Wilson ein so wichti­ ges Gepräge gibt. Die eigentlichen Beratungen über die Formulierung der Antwort an Wil­ son habet: Heute vormittags begonnen und wer­ den vermutlich ein bis zwei, Tage in Anspruch! nehmen. ! | i -'• ! i ; : , , England in Uebereinstimmung mit 1 ' i I Wilson. f 1 Berlin, 11. Okt. Reuter meldet, die eng­ lische Regierung habe den Text von Wilsons Antwort empfangen. Von Maßgebender Seite wäre versichert worden, daß, die Antwort sich genau mit den Ansichten aller Alliierten deckt. Reuter veröffentlicht dann Auszüge aus der Abendpresse, die in ihrer Gesamtheit mitWil-, sott übereinstimmt und betont, daß, diese Ant­ wort Deutschlands Aufrichtigkeit aus Probe stel­ len wird. i ' - - i ■ • Tie Aussicht auf Fricdensverchandlungnt. Ter Rotterdamsche Courant schreibt zur Antivort Wilsons: Hauptsache ist, daß, Wilson den englischen und französischen Zeitungsschrei­ bern, die die Uebergabe Deutschlands aufGnade Und Ungnade wollten, nicht gefolgt ist, und die Aussicht auf Friedensunterhandlungen nicht verstellt hat. Fallen die Aufklärungen deutlich! aus, das heißt, wird nach! einer neuen deut­ schen Methode eine offenherzige und deutlichir Antwort über die neuen Vorschläge gegeben, die mit dem Programm Wilsons sich, als über­ einstimmend erweisen, dann werden die Frie­ densoerhandlungen binnen kurzem beginnen können. ' ( i i. t - , 1 r i i p * (Sitte neutrale Stimme. - Der "Nieuwe Courant" schreibt: Tie allierten Länder arbeiten mit Eifer daran, daß die Kluft zwischen den Feinden so groß, gewor• den sei und unüberbrückbar scheine, so daß, nur die Vernichtung einer der kriegführenden Par­ teien dem Kriege ein Ende bereiten könne, denn die Ansicht, daß das deutsche Volk ein Volk von Verbrechern sei, hat sich Wohl im Kopfe jedes Durch schnittsengländers, -Amerikaners und -Franzosen festgesetzt. Eine solche Anschauung kann nicht mit einemMale ausgerottet wer­ den. Damit haben auchi die Regierungen'der be­ treffenden Länder zu rechnen. Die Darstellun­ gen des amerikanischen Senatsmitgliedes Mae Eumbers und des englischen Ministers Addison, der sagt, das deutsche Volk müsse als Verbrecher bestraft werden, sind symptomatisch!- Derartige Ausdrücke zeigen die eifrige Northcliffpropagända. Die erste 'Aufgabe der englischen und amerikanischen Regierung scheint uns ttnl ge­ genwärtigen Augenblick die geistige Vorberei­ tung ihrer Völker auf den kommenden Frieden _gu sein. Wilson kann das ausführen. Ob er es aber tun wird, ist etwas anderes. Wilson kann sich, einen hohen .Platz unter den Staatsmän­ nern seiner Zeit erobern, wenn er jetzt die Frie­ denstüre nicht gewaltsam zuwirst. Jetzt muß Wilson sachlich, und klar sagen, wie er über die.Sachlage deckst. ( | i | 1 ! ’ | 1 Stic vatikanische Auffassung übe« das Friei i i .! densaugebot. - I | Bern, 11. Okt. Ter römische Berichter-statter der katholischen "Jtalia" meldet, man habe Grund zu der Annahme, daß das Angebot eines Waffenstillstandes im Vatikan und beim hl. Vater, dessen glühendster kHunsch sei, das schreckliche Blutbad beendet zu sehen, einen gewissen Eindruck gemacht habe, und daß die neue diplomatische Phase des Konfliktes mit lebhaftester Aufmerksamkeit verfolgt werde. — < ' Der Osservawre Romano bespricht denBstr!schlag eines Waffenstillstandes mit folgender kurzen Note: Daß die Ententemächte sich über die Aufrichtigkeit des Vorschlages vergewissern wollen, ist begreiflich,. Aber man könnte Sicht verstehen, daß nach dem Erlangen einer sol­ chen Gewißheit der Vorschlag nicht in Erwäg­ ung gezogen würde, um so wehr, als er mit der hochwichtigen Rede des Reichskanzlers zusam­ menfällt, die zweifellos eine neue Epoche in der internationalen Politik einleitet. l ────────── Am Balkan. ? Der Abzug der Teutschen aus Bulgarien. I Soft«, 10. Ott. Die Blätter haben das korrekte Vierhalten der Bevölkerung bei der Ausreise der deutschen Truppen hervorgeho­ ben. Nach dem Preporetz erklärte der deut­ sche Militätrbevollmächtigte Massow, daß erBulgarien ohne unfteundliche Gefühle verlasse. ‘ T ie demtsch-vulgarischrn Beziehungen, 1 1 Der deutsche Gesandte in Sofia, Graf Oberndorf, verläßt heute abends mit Zustim­ mung der Regierung Sofia, und zwar mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft und dem größten Seite der in Sofia befindlichenDeutschen. Der Schutz der deutschen Interessen geht auf den holländischen Gesandten über. Auch die letzten deutschen Truppen verlassen heute abend Sofia. In der Nacht wird bereits das zur Besetzung Sofias bestimmte französische Re­ giment einrücken. Ob eine Verbindung Berlin —Sofia im Zukunft nochi möglich, sein wird, ist unbestimmt. Jedenfalls würde sie fran­ zösischer Kionstolle unterstehen. Anderseits ist den Bulgaren zugesagt worden, daß der Ab­ reise ihrer Staatsangehörigen aus Deutschland, keine Schwierigkeiten gemacht werden sollen/ Ebenso wird Deutschland bemüht sein, den iM Morawatal.' verbliebenen bulgarischen Truppen­ teilen eine: gute Behandlung zuzusichern. Sie Türkei im Kriege. ! I r Tie Franzosen t« Syrien . | !, i 1 j Genf, 11. Okt. Havas meldet: Nach dem Uebereinkommen der Alliierten ist Beirut der Mrttelpunkst der französischen Ansprüche auf Syrien. Teer Oberkommissar Picot wird also im Namen t Frankreichs die Verwaltung über­ nehmen. I I ! i L Tager-MkkfiA Zusammentritt des Reichstags. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, nimmt man bestimmt an, daß! bet: Reichstag wahr­ scheinlich, schon am Montag zusammensteten werde. ' i , \ - - i - 1 ! Bor der parlamentarischen Friedeusrcgieruug i« Oesterreichs Tie Blätter verzeichjnen das in parlamentarischen Kreisen ausgetre­ tene Gerücht über eine bevorstehende Aenderung in der Regierung. Es wurde von der Berufung eines Friedenskabinetts und eines Völkerbundsministeriumis gesprochen, wobei Prof. Lam­ masch in erster Linie genannt wird. Tatsache ist, daß Professor Lamnmschj gestern vormittags vom Kaiser in Audienz empfangen wurde und mit dem- Reichsrat bereits Fühlung genommen haben soll. Bei den Parteien besteht unzweifel­ haft eine gewisse Geneigtheit sich an der Bil­ dung einer derartigen Friedensregierung mit Lammasch an der 'Spitze zu beteiligen. Tie diesbezüglichen Beratungen sollen in der näch­ sten Woche beginnen. Baron Burian wird am Dienstag ein Expose über die äußere Politik im ungarischen Ausschuß und atttl Mittwoch! im österreichischst.! Ausschüß abgeben. ! ' Minderbemittelt. Als solche gelten nach« einer Entscheidung in Hamburg einzelne Per­ sonen bis zu 3750 Mark Jahreseinkommen, 2 Personen mit zusammen 5250 Mark, 3 Per­ sonen bis zu 8000 Mark. Solche sind bezugs­ berechtigt fite Reichsbekleidungswaren. f | ! 's Zu den Salzburger Verhandlungen erfährt das "Berliner Tageblatt- von unterrichteter, Seite: Die Besprechungen zwischen den deut­ schen und österreichischs-ungartschen Delegierten waren schon zu einem ziemlichen Abschluß ge­ langt, als auf Wunsch! bei Parteien die Ver- Handlungen unterbrochen wurden. Diese UnI terbrechung soll aber nur einen vorläufigen Ab­ schluß, aber nM den Wbruchich, der Verhand- ────────── Die Türkei im Kriege. ! I r Tie Franzosen t« Syrien . | !, i 1 j Genf, 11. Okt. Havas meldet: Nach dem Uebereinkommen der Alliierten ist Beirut der Mrttelpunkst der französischen Ansprüche auf Syrien. Teer Oberkommissar Picot wird also im Namen t Frankreichs die Verwaltung über­ nehmen. I I ! i L Tager-MkkfiA Zusammentritt des Reichstags. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, nimmt man bestimmt an, daß! bet: Reichstag wahr­ scheinlich, schon am Montag zusammensteten werde. ' i , \ - - i - 1 ! Bor der parlamentarischen Friedeusrcgieruug i« Oesterreichs Tie Blätter verzeichjnen das in parlamentarischen Kreisen ausgetre­ tene Gerücht über eine bevorstehende Aenderung in der Regierung. Es wurde von der Berufung eines Friedenskabinetts und eines Völkerbundsministeriumis gesprochen, wobei Prof. Lam­ masch in erster Linie genannt wird. Tatsache ist, daß Professor Lamnmschj gestern vormittags vom Kaiser in Audienz empfangen wurde und mit dem- Reichsrat bereits Fühlung genommen haben soll. Bei den Parteien besteht unzweifel­ haft eine gewisse Geneigtheit sich an der Bil­ dung einer derartigen Friedensregierung mit Lammasch an der 'Spitze zu beteiligen. Tie diesbezüglichen Beratungen sollen in der näch­ sten Woche beginnen. Baron Burian wird am Dienstag ein Expose über die äußere Politik im ungarischen Ausschuß und atttl Mittwoch! im österreichischst.! Ausschüß abgeben. ! ' Minderbemittelt. Als solche gelten nach« einer Entscheidung in Hamburg einzelne Per­ sonen bis zu 3750 Mark Jahreseinkommen, 2 Personen mit zusammen 5250 Mark, 3 Per­ sonen bis zu 8000 Mark. Solche sind bezugs­ berechtigt fite Reichsbekleidungswaren. f | ! 's Zu den Salzburger Verhandlungen erfährt das "Berliner Tageblatt- von unterrichteter, Seite: Die Besprechungen zwischen den deut­ schen und österreichischs-ungartschen Delegierten waren schon zu einem ziemlichen Abschluß ge­ langt, als auf Wunsch! bei Parteien die Ver- Handlungen unterbrochen wurden. Diese UnI terbrechung soll aber nur einen vorläufigen Ab­ schluß, aber nM den Wbruchich, der Verhand- ────────── Zusammentritt des Reichstags. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, nimmt man bestimmt an, daß! bet: Reichstag wahr­ scheinlich, schon am Montag zusammensteten werde. ' i , \ - - i - 1 ! Bor der parlamentarischen Friedeusrcgieruug i« Oesterreichs Tie Blätter verzeichjnen das in parlamentarischen Kreisen ausgetre­ tene Gerücht über eine bevorstehende Aenderung in der Regierung. Es wurde von der Berufung eines Friedenskabinetts und eines Völkerbundsministeriumis gesprochen, wobei Prof. Lam­ masch in erster Linie genannt wird. Tatsache ist, daß Professor Lamnmschj gestern vormittags vom Kaiser in Audienz empfangen wurde und mit dem- Reichsrat bereits Fühlung genommen haben soll. Bei den Parteien besteht unzweifel­ haft eine gewisse Geneigtheit sich an der Bil­ dung einer derartigen Friedensregierung mit Lammasch an der 'Spitze zu beteiligen. Tie diesbezüglichen Beratungen sollen in der näch­ sten Woche beginnen. Baron Burian wird am Dienstag ein Expose über die äußere Politik im ungarischen Ausschuß und atttl Mittwoch! im österreichischst.! Ausschüß abgeben. ! ' Minderbemittelt. Als solche gelten nach« einer Entscheidung in Hamburg einzelne Per­ sonen bis zu 3750 Mark Jahreseinkommen, 2 Personen mit zusammen 5250 Mark, 3 Per­ sonen bis zu 8000 Mark. Solche sind bezugs­ berechtigt fite Reichsbekleidungswaren. f | ! 's Zu den Salzburger Verhandlungen erfährt das "Berliner Tageblatt- von unterrichteter, Seite: Die Besprechungen zwischen den deut­ schen und österreichischs-ungartschen Delegierten waren schon zu einem ziemlichen Abschluß ge­ langt, als auf Wunsch! bei Parteien die Ver- Handlungen unterbrochen wurden. Diese UnI terbrechung soll aber nur einen vorläufigen Ab­ schluß, aber nM den Wbruchich, der Verhand- Tages-Uebersicht. ” lungen bedeuten. Die deutschen Delegierten . werden in den nächsten Tagen nach. Berlin ; zurückkehren, die österreichisch-ungarischen Te> legierten in ihre Heimat. Es ist aber sticht unwahrscheinlich, daß nach, der staatsrechtlichen Umbilduckg Oesterreich-Ungarns, die als bevor­ stehend anzusehen ist, die Besprechungen auf einer neuen Grundlage aufgenommen werden. Einigung der Teutschen in Oesterreich. Bei , den gemeinsamen Besprechungen der drei deut­ schen Gruppen des Abgeordnetenhauses, näm­ lich, der christliche-sozialen, deutfchnationalen u deutschsozialen, wurde eine vollkommene Eini­ gung über alle Punkte erzielt. Tie Christlichisozialen hatten eine von den Sozialen etwas ab­ weichende Resolution eingebracht. Wettere Schritte sollen erfolgen, wenn die politischen Ereignisse auch, die Deutschen Oesterreichs zur Aktion aufrufen werden. ' . ' Sic Vereinigung aller polnischst: Länder. Den "Polnischen Nachrichten" zufolge hat der Wiener Polenllub in seiner gestrigen Sitzung, der and), der Minister für Galizien Galecki, und der Unterrichtsminister Madejski beiwohn­ ten, unser stürmischem Beifall die Absendung eines Telegramms an den polnischen Regent­ schaftsrat beschlossen, in dem diesem für die Proklamation der Vereinigung aller polni­ schen Länder die Huldigung entboten wird. — Die konservative Gruppe des Polenllubs gab die Erklärung ab, dem Antrag des Poleckklubs vom 2. Oktober tzeizutreten. Schließlich hat der Polenllub einen hon den Konservativen gestellten ^Antrag angenommen, unverweilt Schritte zur Erlangung einer einheitlichen pol­ nischen Vertretung einzuleiten, i Der Retchsausschutz der Kriegsbefchävigteufürsorge. Die Reichstagsverhandlun­ gen vom 22. Junl 1918 haben die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf eine Stelle gelenkt, von der man in der Oeffentlichkeit bisher wenig gehört hat, auf den Reichsausschuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge Dieser hat als wichtigste Aufgabe sich die zielsichere Zu­ sammenfassung der bestehenden Fürsorgceinrichtungen der verschiedenen Bundesstaaten und ihre Vertretung gestellt. Eine solche Zusammenfassung ist nötig zur Vereinheitlichung und Vereinfachung der Fürwrgetätigteit; durch glcichheitlrche Behandlung der Fälle wird viel Zeit und Arbeitskraft erspart' die nutzbringender verwendet werden kann. Eine einheitliche Vertretung der Hauptsürsorgeorganisationen—wie die Landesfürsor­ gestellen der Bundesstaaten und jene der Proainzen iu Preußen genannt werden—ist schon deshalb nötig, um den maßgebenden Körperschaften den Behörden wie auch dem Reichstag und Bundesrat gegenüber, die praktischen Bedürfnisse der Versorgung festzustellen und geeignete Vorschläge für den Ausbau' auszuarbeiten. Aus' diesem Grund hat sich der Reichsausschuß an alle mit der. Bitte um Mitarbeit gewendet, die für eine wirksame Förderung der Interessen der Kriegs­ beschädigten in Betracht kommen. Die zur Beratung besonderer Fragen gebildeten Sonderausschüsse setzen sich daher durchwegs aus Männern des werktätigen Lebens zusawmm, aus Vertretern der Industrie, des Handels, des Gewerbes, der Landwirtschaft, der Wissen­ schaft und Praxis, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Volks-, Gemeinde- und Berufsvertretungen, der Ver­ sicherung und der großen Wirtschaftsverbände, also Vertretern solcher Kreise, die wirklich helfen wollen nnd helfen können. Cs ist also der Reichsausschuß in seiner Zusammensetzung wie in seinen Zielen die gegebene Stelle zur Behandlung aller die Kriegsbeschädigtenfürsorge betreffenden Fragen.— ────────── bcchnhof in Nürnberg ein Güterwagen mit einer Rangiermaschine aus ein leeres Gleis verschoben, aufgebrochen und um eine Kiste Butter beraubt. Die Täter verbrachten die Kiste in einen gegenüberstehenden leeren Wagen und begannen sie dort aufzubrechen, wurden aber verscheucht. Die militärpolizeiliMn Organe ver­ anlaßten sofort nach der Tat aus Grund ihrer Beobachtungen über das Aussehen der Täter usw. die Festnahme des an der betreffenden Maschine diensttuenden Rangiermeisters und seiner drei Gehilfen. Ter Rangiermeister hat nunmehr eingestanden, die Tat mit einem sei­ ner Gehilfen verabredet und begangen zu ha­ ben. | j ' ! , Flirgertor». Vergangenen Sonntag vor­ mittags sauste ein Flugzeug in den neugebauten Giebel eines Hauses in Itnterfarmbad): bei siFürth. Von den Insassen, die offenbar die Steuerung verloren hatten, wurden dem einen die Beine abgequetscht, der andere wurde vom Motor erdrückt. M { 1 V ; ────────── "Tie Not der Zeit" sprechen. Ter Eintritt ist für jedermann frei. Niemand sollte versäu­ men, den AeitgeMäßM Vortrag zu hören. Nä­ heres in der Bekanntmachung und an den An­ schlägen. |(i | ' —* Der Viktualienmarkt war heute in der Hauptsache mit Schwämmen bestellt. Obst Bar Verhältnis mäßig wenig vorhanden, Wägen mit Obst, wie sie in früheren Jahren um diese Zeit die Altstadt bis weit herauf füllten, sind heuer überhaupt nicht zu sehen. Der Hasenmarkt war mittelmäßig bestellt, die Preise in der alten Höhe. An HerbstrÜben waren einige Wägen zugefahren, die zum Preise von 80 Pfg. für den Metzen schnell Abnahme fanden. | L I ( ' ! l I ────────── Roman bim St. Lehne. Woptzright 1913 bh Greiner s. Lmch!.. 1 i i Berlin *8. 30.) , j ; j i ' (Nachdruck verboten.) 87] "Jawohl, gndäige Frau! Wein Sohn hat dem Herzog alles mitgeteilt. Wir sind für übermorgen zur Audienz befohlen, da Seine Hoheit ein lebhaftes Interesse äußerte, den Ausgang dieser Angelegenheit zu erfahren. Der Herzog hat meinem Sohne auch! gnädigst die Teilnahme an der Hochzeitsfeier in Aussicht gestellt." i i ! . i ■ ; . Ah, darum auch die so überaus große Huld des Herzogs — jetzt wurde es den Eggerts klar. Innerlich, frohlockte die Frau Oberför­ ster — welch.' ungeahnte, beglückende Wendung! Die Romantik dieser Liebe erschien ihr nur in einem ganz anderen Lichte. Erich hatte ja genau gewußt, daß er es wohl wagen durfte, seine Augen auf die Tochter seitres Vorgesetzten zu richten! Und ein so interessanter und schöner Mann — wa* es Jutta zu verdenken, wenn sie sich! von seiner Liebenswürdigkeit gefangen neh­ men mp i t ! . i i , ■ ! i ' fast fieberhafte Gesprächigkeit. Sie habe sich . immer gedacht, daß hinter den Bergers etwas besonders stecke. — Die Frau habe stets so etwas Vornehmes gehabt. Die Tochter — gab es Wohl ein schöneres Mädchen und eines von feinerem Benehmen und Anstand? Und den Förster habe jedermann doch! immer für etwas anderes als einen Unterbeamten gehalten!! i i I 1 1 "Tu kannst gar nicht anders, Eggert, als deine Zustimmung geben — schon um des Her­ zogs willen —" ! ! ' 'fi' "Die hat Jutta längst! Sie mag ruhig Berger heiraten." ! 1 r ' ! "Aber nicht, wie du wolltest als ver­ stoßene Tochtep! Du bist es Hoheit schuldig Und bedenke doch: Jutta allein trägt dieSchuld" setzte sie zögernd hinzu, "Ernestine, der sich, Jutta anvertraute, hat mir alles wiederge­ sagt, und sie selbst hat es dir eingestanden. Du kannst Erich, Allwörden nicht für Juttas Eigenmächtigkeit strafen!. " ■ I t- - r Der Oberförster mußte doch! lächeln, welch ein beredter Anwalt seine Frau geworden war, nachdem sie vor wenigen Tagen erst berit Förster beinahe den Tod gewünscht hatte —. fl! Weiberlogik! Wie schnell die Frauen doch umzustimmen sindj! I | : [ ’ f . (Fortsetzung folgt.) «, * < Die Allwördens. Frau von Eggert war bald gewonnen. An­ ders ihr Gatte. Für ihn war trotz allem Juttas Flucht nicht aus der Welt zu schassen, ihre Auflehnung 'gegen die elterliche Gewalt. Da verstand er keinen Spaß. , r i_, : 1 . Doch! vor dem jungen Förster alle Hoch­ achtung !Er freute sich doch! innerlich,, daß der Mann, den er immer schon so sehr geschätzt, die­ se Wertschätzung in noch größerem Maße ver­ diente .Jutta wäre bei ihm wirklich! am besten aufgehoben — besser, ,als bei dem Windhund, dem Max von Hellwig. Das müßte er sich! eingestehenst > ! ' i > In freimütiger Weise klagte Gras Allwör­ den sich! selbst an, aber er fügte hinzu: 1 ! "Gott sei Dank, es ist zum Gutmachen nicht zu spät gewordest! Ich, preise mein Geschick, daß es mir diese Frau wieder zugeführt hat, die mir einen solchen Sohn, und eine solche Tochter erzog." Er faßte die Hand Marias und legte zärtlich, und respektvoll seine Lip­ pen darauf, und Frau Maria wurde rot wie ein junges Mädchen, i i ' [ Den Oberförster erfaßte eine ihm selbst unbequeme Rührung, als er diese zarte Hul­ digung und zugleich, Abbitte fal) 1 ! , Nachher, als das gräfliche Paar wieder gegangen war, entwickelte Fm« von Gggert ────────── sich auch bei dieser ein Maximum bei einer ganz bestimmten Stärke der Leuchiquelle ergab. Die günstigsten Helligkeitsgrade, die beim Lesen am vor­ teilhaftesten wirkten, lagen weit unter der Lichtstärke beider dl» Schärfe des Sehens am größten ist, und sind geringer, als man im allgemeinen zu jeder Arbeit, Bet der die Augen auf einen nahen Gegen­ stand gerichtet sind, bisher für erforderlich gehalten hat. Bei der Wahl des besten Lichtes für die Augen ist hahev weniger auf die große Helligkeit als auf die günstige Form der Belichtung, wie sie sich im indirekten Llcht darbietet, zu achten. Alm testen für die Seinen sorgt ^ wer sei« Geld dem Staate tergt. Zeichnet Kriegsanleihe! Geld und Sieg beenden bat Krieg. Zeichnet i . " | Kriegsanleihe! [ | ‘ Welches ist das best- Licht für die Augen ? Die Abende werden wieder länger, und di» Zeit, in der dar künstliche Licht in Anspruch genommen werden muß nimmt zu. Man stößt oft auf die Befürchtung, daß besonders da» anhaltende Lesen bei künstlichem Licht für schwache Augen sehr schäd­ lich wirkt, und man wird sich fragen müssen, ob in der Mangelhaftigkeit der Lichtquellen, mit der man gegen­ wärtig oft auskommen muß, eine Steigerung dieser Gefahr liegen kann. Er ist daher interessant, sich an der Hand von Experimenten, die der amerikanisch« Professor fremc angestellt hat, klarzumachen, welche Art und welche Stärke des Lichtes dem Auge am byiMichsten ist. Die Versuche Prof. FerrcS gingen darauf hinaus, drei verschiedene Einrichtungen künst­ licher Beleuchtung, das direkte, das indirekte und das halbindtrekt fallende Licht zu beobachten und mit den Wirkungen des Tageslichtes in Vergleich zu setzen. Ganz allgemein ergab sich, daß für ein kurzes scharfes Hinsehen, bei dem kleine Einzelheiten erkannt werden sollen, sehr helles Licht nodrvendig ist, daß aber auch auf diese Weise leicht Ermüdigung eintritt. Wenn die Augen lange Zeit gebraucht werden sollen, so soll die Helligkeit nur schwach fein, und zwar viel schwächer, als man gewöhnlich für erforderlich zu einer guten Beleuchtung hält. Wenn die »drei Formen der künstlichen Beleuchtung und das Tag Sltcht in der gleichen Lichtstärke beobachtet wurden, ergab sich, daß »ach einer Dauer von drei Stunden die Sehfähigkeit beim Tageslicht und ebenso beim indirekten Licht nur wenig beeinträchtigt war, während bei dn anderen künstlichen Beleuchtungs­ formen eine starke Ermüdung und Abnahme der Sehkraft festgestell wurde. In einer zweiten Gruppe von Beobachtungen wurde die Lichtstärke der verschie­ dene» Beleuchtungsarten in verschiedenen Graden angewendet. Auch hier stand das indirekte Licht nur wenig hinter dem Tageslicht zurück. Bet halbindirektem Licht tritt die Abnahme der Sehstärke bei hellerer oder schwächerer Beleuchtung nach Ablauf von drei Stunden sehr deutlich hervor. Beim direkten Licht wurde nur ein geringer Unterschied der Wirkung der verschiedenen Hellkgkettsgrade festgestellt, obwohl ────────── Kriegsbriefe aus dem Westen. 1 i ii ! JBerltn, 32. August 1918. LUnbereÄhttgter Nachdruck, auch LUsMgAveis« , i verboten.! , . Seebad Blaulenberghe 1918. Vom unserem Kriegsberichterstatter. j Im Westen, August 1918. Einc Auftrag führte mich nach Blankenberghe rund gab mir Gelegenheit, das flämische Nordseetz ad nach zwei Jahren zum ersten Male wiederMsehen, ( [ i j Damals gab es hier wie im benachbarten Ostende «och alles zu kaufen, was im besetzten Frankreich längst selten geworden war. Le­ bensmittel jeder Art und Leckereien. Tie mei­ sten achteten daraus kaum. Tenn damals reiste der Soldat mit so leichtem Gepäck wie möglich, und niemand dachte ans "Hamstern". Vielleicht daß einer, der derlei duö dem Frieden liebte, sich im Tabaksladen eine Büchse "Navy ont" kaufte, der hier aus den Vorräten der jäh abgebrochenen "Fremdensaison" von 1914 noch in großeen Stapeln Herumstand. Ein anderer nahm zun Friedenspreisen eine Flasche echten Benediktiner oder Ceintreau triple für die Kameraden im Schützengraben an der Lorettohöhe mit. >Tiie sollten auch daran denken, daß es irgendwo, da hinten vor dem Kriegs­ ausbruch, ein Friedensland gegeben hatte,"wo man haben konnte, was das Herz begehrte. Tie meisten freilich wendeten kaum den Kopf, wenn sie mit ihren Tornistern und Rucksäcken an den ausgestellten Herrlichkeiten vorüber­ marschierten. Sie waren im Frieden diese seltene Kost nicht gewohnt und fühlten danach kein Gelüst. Uebrtgens ittonnte man ja in den zahllosen Gasthösen und Speisewirtschaften des Badeortes alles essen, was man bestellte, fast zu den Friedenspreisen, die hier immer so er- staunlich niedrig waren. Und eine halbe Fla­ sche Wein dazu für 1.5 Franken, trinkbarer Bordeaux und Burgunder aus den nach! Hun­ derttausenden zählenden Kellerbeständen der großen Hotels, war ifaum ein Luxus. 1 Das hat sich alles geändert zum Nichtwiedererkennen. Zwar hat es Vlankenberghe besser getroffen im Kriege als seine Nachbarn zur Rechten und zur Linken, als Ostende, das unter Fliegerbomben und den öfteren ' Be­ schießungen durch die englischen Monitore all­ mählich! in Schutt zerfällt und als Westende, das längst eine öde Trümmerstätte geworden ist, die der wehende Dünensand begräbt, und die die Granaten der Batterien von Nieuport um und umschaufeln. Vlankenberghe hat nur ein Paar gelegentliche Fliegerbomben abbekommen, von deren Wirkung man wenig sieht. Aber die Stadt ist abgestorben, ist verschmachtet wie eine fette Flunder, die bei der Ebbe aus der Sandbank der Watten hängen geblieben ist und sich picht zurückfinden kann in die lebendige Flut. ! ! i Das Lebenselement aller dieser Seebäder Mid Blankenberghes insbesondere, das keine anderen Einnahmequellen, keine Werkstätten und Fabriken hatte wie Ostende, waren die Fremden. Mit fast 130 000 Bädern stand Blänckenberghe schon 1910 an der Wpitze aller euro­ päischen Meerbäder (Ostende 128 000, Borkum 114000). Alle diese Fremden brachten Gew, selbst wenn sie in einem der kleinen bescheide­ nen Gasthöse abseits des "Strandes ivohnten, I wo man für sechs Franken Hn Bett mit voller Ernährung bekam. Wieviel die Fremden hier ließen, weiß niemand, denn in Belgien gab es keine Einkommensteuer. Aber es waren Mil­ lionen. Davon lebte die ganze Stadt das volle Jahr nach! den paar Wochen des lärmen­ den und arbeitsreichen Badebetriebes in'behä­ bigem, dämmerndem Nichtstun. Davon wur­ den die Strandhotelbesitzer, die Vergnügungs­ unternehmer, die Andenkenbasare, die Frem­ denführer, die Bootsvermieter, wurde alles, was in der Bäderverwaltung saß, mühelos wohlhabend. Und nun bleiben seit vier Jahren die Fremden ans. , i ' Jeden Tag, wenn einer der wenigen Klein­ bahnzüge von Brügge her in den winzigen Bahnhof rollt, versammeln sich die Blankenbergher neugierig um den Ausgang, denn wie ehedem hier der Eingesessene unter Hunderten von Fremden verschwand, so ist heute ein fremdes Gesicht eine Sehenswürdigkeit. Es steigen nur wenige Leute aus. Feldgraue und Mariner,die vom Heimatsurlaub tomimen, Bu, reauordonnanzen der Besatzung, die eine Dienstfahrt machen, ein paar Schwestern mit aus dicke Reisetaschen geschnallten Regenschirmen, ein seltener Zivilist von einer Brüsseler Ver­ waltungsbehörde mit schwarzer Aktenmappe und großem Amtsgesicht, tim jedes Gepäckstück, das die Sperre verläßt, drängen sich einTintzend ────────── Zerlumpte Fischerjungen in sabelhaften Gewän­ dern und balgen /ich, darum, iver den Koffer schleppen darf. Tiefe Blankenbergher Flamen­ jugend hat im Kriege ein ganz ausgezeichnetes Hochdeutsch von unseren Partnern gelernt. Ich, hörte folgendes Gespräch!: "Nicht so drängeln," wehrte ein älterer Herr ärgerlich, einemKnirps ß1, den feine sparsame Mutter mit einer far­ benfrohen Pluderhose aus einer großgeblüm-.. ten Kattungardine geschmückt hatte. "Oho, man mutz, es ist Krieg", sagte das Bürschlein altklug. "Ach, was, man mutz nie zudringlich sein." Ta liefe, Jungflandern seine SprachKenntnisse leuchten und erwiderte: "Man mutz nicht, aber man ist dazu gezwungen." Und schon hatte er mit ein paar siegreichen.Faustpüffen in die Magengegend seiner Nebenbuhler den schweren Koffer erobert und schleppte ihn stolz in der Richtung Ortskommandantur. , Weißgetünchte, gr«dlinige Straßen, ein Haus wie das andere, jühllos und billig als jFremdenquartier aufgebaut, hin und wieder mit scheußlichen Zementgußornamenten be­ klebt, das trostlose Architekturbild aller ModeSeebäder, ob sie Trouville ober Stavanger heißen. Erträglich nur, wie der schlechte Wbtziehbilddecor des gefüllten Suppentellers, wenn man den Hintergrund neben der Hauptsache übersieht. In den Badewochen des Friedens vergaß iWN diese jämmerlichen Bauten, man fand ihre Unzulänglichleit fast richtig, weil sie das Auge nicht von dem ablenkten, was hier das Sehenswerte war, dem Gewimmel feiernder, erholungsfroher, allem Arbeitsdrang entronnener Menschen, die in leichten Sommergewändern tägliche Feste feierten. Nun sind die, Straßen, ist die Strandpromenade leer und verlassen, und alle die Strandvillen mit ihren dick Aufgemalten Mädchennamen, die Hotels mit ihren internationalen Aufschriften und festverschlossenen Fensterläden bannen das gelang­ weilte Auge auf sich und überbieten sich in An­ klagen gegen ihre geschmacklosen Erbauer. Um die Badezeit wird es ein wenig leb­ hafter am Strande. Ein Zug Sotzaten tritt an, entledigt sich der Kleidung, und vor dem Lauchgrünen Sande der ruhigen seichten See entwickelt fidj, das muntere Bild einer Kom­ pagnie braungebrannter, kräftiger Minner, die wie Kinder in der Flut plätschern und tollen. Stiller ist es im Offiziersbade. Man kennt dort fast jeden der Besucher. Heute ist da ein be­ sonders schmucker veilchenblauer Badeastzug aufgetaucht, an dem noch, etwas vom Tufte guter Friedensseife hängen geblieben ist. Ter kann nicht von hier sein. Ein paar Fernstecher auf den nächsten Hotelterrasfen geben die Rich­ tung zu dem Ereignis an. Im Tamdnbade ist auch, wenig Betrieb. Man kann es nicht un­ terscheiden, ob das Schwestern aus dem Er­ holungsheim sind oder junge Blankenbergher Samen, die nicht aus der Uebung kommen wollen. r , ( [ i , Wenn von der See der kühle Abendwind kommt und das Wasser in Anilintinten rosig und smaragdgrün und tiefviolett zu leuchten beginnt, machen ein paar der Töchter der Stadt in weißen Kleidern, weißen Leinenhütchen, wei­ ßen Strümpfen und weißen Tennisschuhen den hoffnungsvollen Versuch, den um diese Stunde fälligen Korso über dem bösen Krieg, der von Westen her in vereinzelten Kanonenschlägen Herüberrust, zu retten. Sie haben sich so viel zu erzählen, die armen jungen Mädchen, die vier ihrer besten Jahre haben vertrauern müs­ sen, weil man da draußen Wellkrieg macht, sie plaudern Arm in Arm und kichern und grüßen würdevoll. Ta weiß wohl jede einen, der wiederkommen ffollle, einen netten frenv — den, jungen Wann, der heute wer weiß wo im Schützengraben steht, wepn er noch lebt. Oder vb ,sie sich, schon getröstet haben? Eben der kleine Seeleutnant grüßte so vertraut, und es zuckt ihm ein wenig um die rasterten Lippen, als er stracks weiter geradeaus schreitet, i Am Fischerhpsen stehen die alten See­ bären, den Treimaster oder die Schirmmütze bis auf die Brauen gezogen, rauchen ein mükkenverscheuchendes Kraut, stemmen die Fäuste tief in die Teerhosen, spucken im Bogen, flu­ chen ein rauhes Flämisch und haben sich, als seien sie von einem Kinooperateur für ein Jahrzehnt als Modellgruppen für hvlländidifche Kakaoplakate ausgebaut. Heute istHhnen das Wetter zu unzuverlässig, darum fahren sie nicht aus und fragen gar nichts danach, ob die wohlhabenden Blankenbergher schim­ pfen, wenn morgen keine Fische auf den Markt kommen. Ja die! Tie sönnen sich das leisten. Früher war der Fischer hier ein armer ver­ achteter Mann; die Zeiten hatten sich geän­ dert seit damals, wo noch ganz Blastkenberghe ein Keines Fischerdorf war, das dann, bis auf das kleine, winzige Rathaus mitten in der Stadt und die Fischerstraßen ganz drau­ ßen, wo kein Kurgast hinkommt, von den weißgetünchten Rabitzkästen der Hotels und An­ denkenbasare verdrängt wurde. Ter Fischer mutzte froh fein um das Geld, das mlan fhml zahlte, denn sonst Bezog der Hotelier seine Fische einfach von auswärts. Tie englischen Fischereigesellschaften lieferten ganze Schiffs­ ladungen, Sardinen z. B. das Kilo für 10 Centimes. Heute macht der Fischer den Preis, Es soll einzelne geben, die 10000 Franken im Jahre verdienen. So hat sich- das Blatt ge­ wendet. Tie Fischer sind bei der übrigen 'Be­ völkerung sehr unbeliebt geworden, aber sie sehen nicht so aus, .als ob sie sich etwas daraus machten. ; t 1 , r . I Tem Armen geht es überhaupt nicht ganz schlecht. Am Meere kann man nicht ver­ hungern. Jeden Abend janwteln die Kinder bei der Ebbe an den Buhnen Miesmuscheln, Taschenkrebse, Garneelen, allerhand kleine Fi­ sche, bis sie den Korb für die Familie voll und noch etwas zu verkaufen haben. Tie Wohlhabenden aber stöhnen. Längst ist keine Flasche Wein mehr zu haben, und Wein gehört nach ihrer Meinung zur täglichen Nahrung. Fleisch, Kartoffeln, Brot, alles ist teuer und abgeteilt. Wenn man nicht die Fische hätte und die Garneelen, müßte man hungern. Tie Garneelen helfen über vieles weg. Man hat hunderterlei Arten, sie zuzubereiten, und ein Kilo ist für eine fünfköpftge Familie eine gute Zubuße zu zwei bis drei Wahlzeiten. Aber sie sind so teuer, seufzen die Leute. Das Kilo kostet nämlich, einen Franken, gegen 35 Centi­ mes in Friedenszeiten. . > i Sie wissen nicht, wie gut sie es bei allem noch haben. Zn Brüssel kosten dieselben Gar­ neelen, hier natürlich! unter derr vornehmeren französischen Bezeichnung "Creevetten", '2.50 Franken die 100 Gramm. Abeer freilich, wo­ von in Brüssel der Mittelstand- und die arme Bevölkerung leben, das ist eim Rätsel, das dem durch, die unsinnigen Preise der Boulebardschaufenster erschreckten Fremden nicht auf­ geht. > - ( i I I (Kb.) | *B. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. ────────── i I I Laon unter Feuer, ; i , | Berlin, 10. Oktober. In den Abend­ stunden Bes 9. Oktober erhielt der öslliche und südöstliche Teil der Stadt Laon gegen '200 schwere Granaten. Durch Bombenabwurf auf 2 Lazarette in Sedan entstanden erhebliche Ver­ luste: 7 Tote und 60 Verwundete. ; [ [ 1 i ' ! , ; Schekow abgesetzt, i ; | ! Sofia, 10. Oktober. (Butz. Tel.-Agent:) Die Zeitungen teilen die Absetzung (Revoka­ tion) des Generalissimus Schekow mit, der sich in Wien in Behandlung befindet. ! , > , j , s Reichharbeitsamt. , i i Berlin, 10. Oktober. Der "Reichsanz." enthält einen Erlaß über die Errichtung eines Reichsarbeitsamtes. Der Kaiser verlieh, wie den "Reichsanzetger" meldet, Sem 1 Reichskanz­ ler Grafen Hertling beim Ausscheiden aus dem! Amte, sowie dem Gtaatsminister Tr. Sydvw bett hohen Orden vom Schwarzen Adler und dem außerordentlichen Gesandten und bevoll­ mächtigten Minister in Kopenhagen Grafen BrockdorpRantzau den Roten Adlervrden 2 Klasse mit Eichenlaub. 1 l s i; }■ t [ rlkexejew gestorben. '• ^ i Kiew, 9. Oktober, Der frühere Hilfskonrmaudierende der russischen Truppen Ge­ neral Mexejew ist in Jefaterinodar gestorben. Letzte Posten. Die Blätter widmen ihm warme Nachrufe und feiern ihn als den bedeutendsten Führer der russischen Armee und als warmen Patrioten. ; t Wer hat Belgien und Frankreich! verwüstet Berlin, 10. Oktober. In feiner letzten Rede in Glasgow sagte Winston Churchill: Wir verfeuerten in den vergangenen Woche» jeden Tag eine größere Menge Granaten als in irgend einer der verflossenen Perioden dieses Krieges. In 15 aufeinanderfolgenden Argen wurden von unseren Geschützen mehr als 10 000 Granaten pro Tag auf.den Feind ge­ schleudert. Eine genauere Ziffer wurde über! das Maß des Anteils, den England an der Verwüstung Frankreichs und Belgiens hat, nie ausgedrückt. s , f f i I 1