Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-17. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 284, 1918-10-17. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 284 17. Oktober 1918 ────────── Der bayr. Ministerpräsident zur Lage. Schwere feindliche Angriffe im Westen abgeschlagen. — Verhandlungen zwischen Bulgarien und Rumänien. — Feindliche Zerstörungswut. ────────── fett von den Operationen beider Teile frei gehalten wird. Der Erfüllung dieses Wun­ sches dürfte, soweit Deutschland in Frage kommt, kein ernstliches Hindernis im Wege stehen. 1 v ( 1 1 , , ────────── An Stelle des an Grippe erkrankten Vor­ sitzenden der ukrainischen Delegatton Scheljuchin erwiderte der Mette Vorsitzende Stebritzki kurz und sachlich; die Ukraine könne von ihrem Standpunkte nicht abgehen, die Sow­ jetregierung habe ja auch tot Dvngebiet keiner­ lei tatsächlichen Einfluß. Schließlich, stellte Ra­ kowski erregt die Frage, ob dies Abbruch oder Unterbrechung der Verhandlungen bedeute. Stebritzki antwortete: Unterbrechung, bis sich eine neue Basis gebildet hätte. Nach ukraini­ scher Auflassung müßten allerdings auch die Waffenstillstand skomMissionen ihre Arbeit wäh­ rend der Verhandlungsruhe einstellen. Tie Sowjetvertretung wies darauf hin, daß nach! ihrer Ansicht, damit auch, der Waflensttllstand hinfällig werde , weil die Kommissionen einen Teil seiner Bedüngungen bildeten. Am Montag soll über diesce Frage eine letzte Erklärung abgegeben werden. [ Es ist kämm anzunehmen, daß sich bis dahin eine Annäherung vvllzihen könnte, so daß mit der vtölligen Unterbrechung der Ver­ handlungen äü. rechnen ist, eine Tatsache, die hier schon vor 2 Monaten vio rausgesagt wurde. Im Grunde hcandelt es sich natürlich um die Kontrolle des Kohlengebietes und um die Krim, die Seihe Parteien in ihrem Staatszu­ sammenhang mnbedingt nötig zu haben glauben. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Kriegsbriefe aus dem Osten i Berlin, den 10. Oktober 1918. lUnLsrechttztsr Nachdruck, auch auszugswerse, verboten.) Vor Ser Entscheidung der Kleiner FrieSrnsverhandlnng. i Telegramm unsres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. ! < "Kiew, 3. Oktober 1918. ■ Die Friedensverhandlungen zwischen Trotzrußland und der Ukraine, die sich, nun schon monatelang, hinziehen, sind in der heutigen Vollsitzung in ein entscheidendes Stadium ge­ treten. Die ukrainische Delegation reichte zu Anfang dieser bewegten Sitzung einen Schrift­ satz ein, daß sie nur über die nördlicheGrenze mit der Sowjetregierung unterhandeln kön­ ne. Ueber die Ostgrenze sei durchs das Abkommen doch 8. September mit der Tonrepublik eine endgültige Entscheidung gestillt. Tie .Westund Südgrenze stoße nicht mehr an Gebiete, die tatsächlich im Besitze der Rätersgierung seien oder sich den Sowjets angeschlossen hätten. Ter großrussische Standpuntt, daß der Artikel sechs des Brester Friedensvertrages für die Ukraine bindend sei oder doß sie aus dem deutscherussischen Zusatzvertrag die Folgerung ziehen müsse, mit der Tonregierung nicht zu verhan­ deln, weil das Dvngebiet unter den abgetrenn­ ten Staaten nicht namentlich aufgeführ. sei, könne nicht anerkannt werden .Die ukrainische Regierung ist an diesen Verträgen nicht be­ teiligt und könne deshalb auch, keine Lasten aus ihnen übernehmen. Wenn die Sowjetregie­ rung mit der Ukraine unterhandele, weil das zu den Bedingungen des Brester Friedens ge­ höre, so sei die Ukraine in anderer Lage, da sie sich zu diesen Verhandlungen nicht ver­ pflichtet habe und sie nur führe, um bemi Frieden zu dienen. Die ukrainische Regierung macht daher den endgülttgen Vorschlag, die Nordgrenze nach, ethnographischen Prinzipien zu bestimmen. Sie fei, entgegenkommend, be­ reit, von der bisher vorgeschlagenen Grenz­ linie abzugehen und Gebiete innerhalb dieser alten Linie.an Großxutzland abzutreten: den westlichen und südlichen Teil des Gouverne­ ments Orel, den westlichen Teil des Gouver­ nements von Kursk und den breiten Teil des Gouvernements Woronesch vpn Korötjak bis Worowo und Nvwochöpersk. Die Ukraine ma­ che aber darauf aufmerksam, daß, die Artillerie der Sowjetregierung die ukrainische Stadt Notvigorod-Siewerskr beschösse und daß sich die uk­ rainische Regierung nichts von dem Hinziehen von Verhandlungen versprechen könne, wäh^rend an den Grenzen Kämpfe im! Gange seien Sie erbitte also eine Antwort der SowjepDelegation bis Montag den 7. Oktober, 2 Uhr. Nach kurzer Pause, in der die Karte ge­ prüft wurde, entgegente der Vorsitzende der großrussischen Delegation Rakowski in einstündiger leidenschaftlicher, dialektisch blenden­ der Rede auf diesen befristeten Vorschlag Tie Ukrain e könne nicht alle Rechte aus dem Brester Frieden, der sie erst als Staat möglich! gemacht habe, Herletten und die Pflichten ab­ lehnen. Ter Frieden sei seinerzeit geschlossen auf Grund der Anerkennung der neun ukraini­ schen Gouvernements. Rakowski verlasd dann eine damalige Depesche des Staatssekretärs Kühlmann, die erklärte, daß die deutschen Truppen bei der Verfolgung der Bolschewikk diese Gouvernementsgrenzen überschreiten wür­ den^ aber aus rein militärischen Gründen; die politischen Grundlagen werden dadurch nicht berührt. Tie Rede RakowskiS ging schließlich' darauf hinaus, über die Grenzsrage ttnNorden könne man sich! in einer halben Stunde einigen; die Folgerungen aus dem Brester Frieden und den Paragraphen 7—13 des Zu­ satzvertrages müßten aber die unverrückbar« I Grundlage der Verhandlungen bilden. : |'. I ────────── Andraffy Ariedensunterhändttr und Mini­ sterpräsident. In unterrichteten Kreisen Bu­ dapests verdichtet sich immer mehr die Auf­ fassung, daß Gras Julius Andrassh als kom­ mender Ministerpräsident die Ausgabe haben werde, bei den Friedensoethandlungen Ungarn zu vertreten. Sämtliche verfassungsmäßigen Faktoren hätten bereits zugestimmt, daß Andrassy in dem schicksalsschweren Stunden an die Spitze des Ministeriums des Aeußern trete. Auch, die ; Nationalliberale« für das gleiche Wahlrecht. D^e nationalliderale Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses hat in ihrer vorgestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, die Wahlrechtsvorlage in der Forjn, wie sie aus den Verhandlungen des Herrenhauses hervorgehen werde, anzunehmen, i l ; Tages-Uebersicht. ────────── Allerlei. Opfer eines Waldrandes. Eine Depesche aus Tukuth (Minnesota) Meldet: Bei einem Waldbrande in Nord-Minnesota, zwischen Ash­ land und Mooselake verbrannten schätzungsweise 500 Personen. Ter Verlust an Eigentum be­ läuft sich aus viele Millionen Dollar. 1 ────────── Versorguttg bahcdschiev »mrncWie« Mt Gerste. In diesen Tagen wurden in der Presse die Vorschiriften bekanntgegeben, nach. denen die Reichsgetreidestelle die ihrem Versorgungs-gebiet angehörenden Brennereien mit Gerste versorgt. Die bayerischen Brennereien iverden wie im Vorjahr auch. Heuer durch die daher Landesgetreidestelle mit Gerste versorgt wer­ den. Eine Mitwirkung der ReichDgetreidestelle oder der Gecstenderieilungsstelle, der Spiri­ tuszentrale G. m. b. H. in Berlin findet nicht statt. Anträge aus Lieferung von Gerste sind an die Geschästsabteilung der Bayer. Landes­ getreidestelle, München, Ottostraße 11, zu rich­ ten. Die Freigabe von Eigenbaugerste für Brennzwecke erfolgt wie ttiti Vorjahr durch die Verwaltungsabteilung der Landesgetreidestelle. Nachdem die grundlegenden Vorschriften der zu­ ständigen 'Reichsstellen nunmehr erschienen sind, werden die bayerischen Vollzugsvorschriften in den nächsten Tagen ergehen. ────────── neue Grundlagen zu schaffen für die künftige Entwicklung, das sind die großen Aufgaben der nächsten und der ferneren Zukunft. Aber nicht minder große Aufgaben und Ziele liegen auf ideellem Gebiete dor uns. Die höchsten Güter der Menschheit, Kullur und Gesittung, gilt es vor Me 'wieder gutzumachenden Schä­ den zu bewahren. Die Hebung und Wieder­ belebung aller sittlichen Kräfte unseres Vol­ kes, aus die der Krieg nicht ohne Einfluß, ge­ blieben ist, der Schutz unserer Zugend vor yerderblichen Einflüssen und Auswüchsen, die sie in den letzten Jahren stärker denn je bedroht haben, die Erhaltung der bürgerlichen Rechts­ ordnung und die Stärkung der religiösen Ge­ sinnung: vor diese Aufgaben hat der Krieg mist seinen zersetzenden Wirkungen uns gestellt. Und : nicht nur uns, sondern alle Völker der Erde, die jahreLang unter den Schrecknissen fcte§ Krie­ ges gelitten haben. Vielleicht wird, das hoffe ich-, gerade die Gemeinsamkeit dieser hohen Auf­ gaben und Ziele mit dem Friedensschluß eine versöhnende Wirkung in der gemeinsamen Ar­ beit der Nationen auslösen. Erfüllen können wir diese- Aufgaben nur, wenn tote nicht von schwächlichem Kleinmut uns niederdrücken lasifen, sondern mit frischem -Mute an das Werk ge­ hen, dem Gott seinen Segen geebn möge. Ver­ trauen zu unserem starken Volk, Vertrauen zu uns selbst soll unser Leitstern sein! Nicht in klagender Kritik des Vergangenen dürfen wir unsere Kräfte zermürben, wir müssen sie an­ spannen zu höchster Leistung für die Zukunft. (Lebhafte Bravorufe.) . i i ~, Landes aufs Spiel setzen, tvollte man achtlos hieran vorübergehen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Tie bayerische Staatsregierung und das bayerische Königshaus haben einer fortschritt­ lichen Entwicklung der von freiheitlichem Gei­ ste durchdrungenen Verfassung des Landes nie ein Hindernis in den Weg gelegt. In diesem Geist wird die baheri,sche Regierung weiter ar­ beiten, ober dabei festhalten an der unverrück­ baren Grundlage des monarchischen Prinzips und dein Grundsatz, daß, nur ein ruhiger, wohl­ überlegter Ausbau den Interessen des Landes und des Volkes dient. Tom Landtag wird in Bälde etn Gesetzentwurf Mer die Neugestaltung der Kammer' der Reichsräte zugehen. Der Minister Sündigte ferner einte Prüfung des Landtagswahlrechtes Mit Rücksicht aus die Verhältnisse der Kriegsteilnehmer, Erörterung über die Frage der Verhältniswahl und der Fragender Heranziehung von Mitgliedern der baher. Volksvertretung zu Regierungsge schäf­ ten an. v. ! f ; t Auf Betet Gebiete des Wirtschaftslebens sei die Vorbereitung für die Wiederaufnahme der Friedensarbeit das wichtigste. Ms Maß­ nahmen, die zu diesem Ziele führen sollen, kommt vor allem ein lückenloser Ausbau des Arbeitsnachweises, die Bereitstellung staatlicher und gemeindlicher Auftrtäge für Industrie und Gewerbe, entsprechende Kredithilfe für das Handwerk, möglichst verlässige Feststellung der mit dem Aufhören der Heeresausträge frei werdenden Arbeitskräfte, Vorsorge für die Beschafsung der nötigen Rohstoff« und Betriebs­ mittel in Betracht. : < ; Hierzu gehören auch Ettverbslo senfürsorge, Ueberführung der in der Rüstungsindustrie arbeitenden Frauen in andere Wirtschaftszwei­ ge, Kräftigung und Vervollkommnung unserer heimischen Landwirtschaft, Behebung der Woh­ nungsnot. Ferner Müsse zwei Uebelständen zu Leib« gegangen werden: Der wucherischen Aus­ beutung der Kriegskonjunktur (sehr wahr, höch­ ste Zeit!) und den zuimj Teil hierdurch, zum Teil durch, die Kriegsverhältnisse verschulde­ ten. kaum mehr erschwinglichen hohen Preisen der wichtigsten Gebrauchs- und Bedarfsgegen­ stände des täglichen Lebens. Einstweilen han­ delt es sich uM das eine Wichtigste und Dring­ lichste: Das Rad unserer wirtschaftlichen Ar­ beit übe« den toten Punkt, den der Wegfall der Heeresaufträge bedeutet, in Schwung zu erhalten und alles daran zu setzen, um den heimkehrenden Kriegern und unseren bisheri­ ge» Rüstungsarbeitern das zu Verschaffen, was fte alle erhoffen und was in ihrem eigenen Interesse und im Interesse unserer Volkswirt­ schaft in gleicher Weise gelegen ist: Lohnende sriedttche Arbeit! 1 Schwere Wunden hat der Krieg unserer Volkswirtschaft geschlagen. Sie zu heilen, wie­ der aufzubauen, was zerstört worden ist und ────────── , Dttlef Stöben stand und hielt die Hände bei blonden Mädchens in den seinen. "Jnken," sagte er hüatin und herzlich, "liebes kleines Schwesterchen, so groß, und so hübsch bist du ge­ worden^ Und du hast mich gleich wieder erkannt?" M i > ' ( • ' "Natürlich," lachte das Mädchen, und es klang neben der noch nicht völlig überwun-denen Angst doch wie ein leiser Jubel in ihrer Stimme, "ober nun komm doch, näher, Titles, und laß, dich, anschauen. Was hast du nur für einen großen Bart und wie dunkel ist dein Haar! Einst lvar eS blond wie das meine." > "Wo ist Merret?" fragte Dilles unsicher und sah sich ratlos in der kleinen Friesen­ stube ßntt den grünen Kachelivänden und tiefen Bettfponden um. Ehe aber Jnken Bootje ant­ worten körnte kam Pidder Bootje, der alte Lehrer, mit schlürfendem Schritt herbei und sagte herzlich, dem Kapitän seine beiden alten zitternden Hände entgegenstreckend: "Daß, ich das noch erlebe! Mein Jung, Mein lieber l&ung!" ; Die Bewegung drohte Pidder Bootje zu Übermannen. Jnken führte den Mten sorglich, zu einem der hohen fbeiflehnigen Holzstühle Da faß, er und wischte sich mit dem blarrgte- tüpfelten Taschentuch, die Tränen aus den gu­ ten, kleinen Äugen, die unter dem schlicht ge­ scheitelten weißen Haar matt und farblos her­ vorblickten. , l ( < "Er hat dichi als tot beweint," sagte Jnken erWuternd. "Warum hast du denn so lange nicht geschrieben, Dttlef?" "Nicht geschrieben?" fragte er erschrocken. "Habt ihr denn meine Briese nicht erhalten?" Jnken schüttelte den Kopf und Pidder schluchzte laut auf. i - ' ; ; "Und warum habt ihr mir auch keine Kun­ de gesandt, ihr hieltet mich für tot?" fragte Titles tonlos. Sein Gesicht war starr und hart, und unheimlich loderten seine dunsten Augen. "Warum habt ihr denn bei meinem Reeder keine Erkundigungen eingezogen?" "Merret wollte es nicht," kam es stockend von Jnkens Lippen, "sie meinte, wenn du leb­ test, hättest du ihr geschrieben. Da ließen wir es sein. Der Vater ist alt Und müde von Amt und Sorgen und ich..." ! < "Und du? Hast du auch geglaubt, daß ich tot war?" Flammend, herrisch brauste seine Rede über Jnken hin. ! , "Nein," kaM es halb trotzig, halb sagtest ! von den jungen Lippen, "ich wußte, daß vu lebtest, Titles!" ‘ ! "Wer sagte es dir?" "Mein Herz!" gab sie leise zurück. Der Mann mit dem großen Batt und den dunsten Augen raffte den herniedergeglittenen Mantel zusammen und lachte höhnisch auf. "Wo ist Merret?" forschte ex. "Wo ist deine schöne Tochter Merret, Pidder Bootje? Schaff' sie mir zur Stelle, alter Wann!" "Merret wird gleich; hier sein," rief das junge Mädchen, ihre stolze, kräftig enüvickelte Gestalt hoch ausrichtend. "Merret ist oben in der Kammer, sie bringt nur ihren Buben zrrr Ruhe!" ! . "Sie bringt ihren Buben zur Ruhe? Ja, seid ihr denn alle wahnsinnig, bin ich-'s selbst? Wollt ihr mW rasend machen?" j i ! 1 \ "Schäme dich, Titles, du erschrickst den Vater. Merret ist seit zwei Iahten verheira­ tet. Sie ist von Keitum, wo sie jetzt wohnt, mik dem Buben für ein paar Tage herübergekom­ men, um den Vater zu sehen, dem es nicht gut in diesen Tagen ging." ' (Fortsetzung folgt.) ────────── Auszug aus den Zivistandsregistern des Standesamtes Landshut. Sterb e fSHe. 4. Oktober: Franz Lanzinger, PostbÜrodiener a. D., 85 Jahre alt; 6. Oft.: Margarptha Maria, ilileg., 1 Tag alt; 7. Oft.: Josef Walkner, ohem. MHuhmacher, 71 Jahre alt; Maria Radltneier, TcaglöhnerOvitwe, 44 Jahre alt; 8.Ott.: Elisabeth) Kainz, Zahlmeisterstochter, 17Jahre alt; 9. Oft.: Hermann Kalbitz, K. Wagenmeister 68 Jahre alt. f j _ ; Auf Sem Felde Ser Ehre gefallen: K. Leutnant, Gymnasiast, Max Kraus, 19 Jahre alt. i 1 Gefreiter, Gießer, Ludwig Hagnhofer, 21 Jahre alt. ( ' l- \ ■ ────────── Feindliche gierstörunMvni. Berlin, 16. Oktober. Die Vorstädte von Lille, sowie Dvuai und Tenain wurden am Letzte Posten. , .15. Oktober und teilweise auch! in der Nacht zuml 16. Oktober mit schweren Kalibern be­ schossen. Das Stadttnnere von Le *Quesnoy war am 14. Oktober das Ziel schwerer engli­ scher Granaten. In der Nacht vom 15. Oft. verursachten feindliche Bombenabwürfe in Le *Quesnoy, JolMets und Bavai Verluste unter der Zivilbevölkerung. i Bulgarien utti> Rumänien. ' Berlin, 16. Oktober. Die "Gazette de t Lausanne" meldet in einem Sondertelegramm aus Paris: Unter Führung der Ententemächte sind zwischen Rumänien und Bulgarien Ver­ handlungen über die endgültige Regelung der Doürudscha-Frage angeknüpft worden. Tie Bulgaren haben den Rumänen das Recht zu­ erkannt, einen unmittelbaren Ausgang zum Meere zu haben. | I > ────────── sönnen imlt Genehmigung der Bayer. Fleischversorgungsstelle für ihren Bereich! andere, als die genannten Höchstpreise festsetzen, jedoch dür­ fen hierbei die Preise der Reichskanzlerbekannt­ machung über .Pferdefleisch born 13. Dezember 1916 nicht überschritten werden. Der Ankauf (mul) Unterlauf) von Schlachtpferden und ge­ schlachteten Pferden, insbesondere der Handel Mit .Schlachtpferden, die gewerbsmäßige Ver­ mittlung von Schlachtpferden, der Betrieb der Pferdemetzger und das gewerbsmäßige Schlach­ ten von Pferden, der Groß? und Kleinhandel Mit Pferdefleisch ist nur solchen Personen und Stellen gestattet, denen die Bayer. Fleischver­ sorgungsstelle Hierzu die besondere Erlaubnis erteilt hat. Die zur Pferdemetzgerei oder zum Kleinhandel Mit Pferdefleisch! zugelassenen Per­ sonen und Stellen dürfen Gchlachtpserde, ge­ schlachtete Pferde und Pferdefleisch! nur durch Fleischabgabe unmittelbar an Verbraucher ver­ werten. Das Pferdefleisch! bleibt vorerst Mar­ kenfrei. Das Herstellen, Feilhalten und Ver­ äußern von Pferdedauerwnrst ist verboten. Die Bayer. Fleischversorgungsstelle oder mit ihrer Genehmigung die Komwunalverbände können aber auch- das Herstellen, Feilhalten und Ver­ äußern anderer Pferdefleisch! "enthaltender Fleischwaren, ferner von Pferdepökelfleisch und Pferderäucherfleisch verbieten oder beschränken. Zur Verfütterung an Tiere bars Pferdefleisch Mur mit Genehmigung des Kommunalverbandes Abgegeben, erworben und verwendet werden, ©te Kommunalverbände können den Verkehr Mit Schlachtpferden und den Verbrauch! von Pferdefleisch, weiterer Regelung unterziehen. Sie tonnen insbesondere Kundenlisten einfüh­ ren, für die Abgabe von Pferdefleisch! an Ver­ braucher bestimmte Wochentvpfmengen festset­ zen und anordnen, daß die Abgabe an Verbrau­ cher nur gegen Bezugsausweis erfolgt. [ , .—* "Die Not der Zeit" lautete das Thema, über das am Samstag abends im Ge­ werbehaussaale aus Einladung des Volksyoch? schulvereines Schriftsteller Major Franz Karl Endres sprach. Er meinte, daß das Volk das Recht j)übe, die Wahrheit zu bören; das Er­ töten jeder Kritik habe schädlich auf das Volk gewirkt. Wir hätten uns stark über- und den FFeind schwer unterschätzt. Wenn Wilson sage, er wolle den Frieden ,da gäbe es Frieden, er habe England und Frankreich! in der Hand, darum sollten wir es mit Wilson hallen und ihn nicht in Witzblättern karrikieren lassen. Der Krieg habe einen widen Tanz ums goldene Kalb mit sich! gebracht, man sollte zusehen, sich! davon zu befreien, so bald als möglich!. An die Frauen apellierte er, aus der Verwahr­ losung sich selbst und dann die Jugend zu ret­ ten, ihr das Gefühl der Würde wieder einzu­ impfen. Ten Völkerbund könne man gutheißen, wenn er auch! nicht würde bleiben können. Zur Entschlossenheit und Einigkeit empfehle es sich, die Kriegsanleihe so hoch als möglich zu zeich!nen, um den Feinden sagen zu können, glaubt nicht, daß ihr Mit uns machen tonnt, was ihr wollt. Der Vortrag hinterlleß bei den Hörern nachhaltigen Eindruck. - ( ! ! ' : ' * Bekämpfung des Forstsipanners. Zur Bekämpfung dieses Schädlings sind Witte Oktober Raupenleimbinge an den Obstbäumen Anzubringen, die zum Fangen des Forstspinners dienen. Tie Weibchen dieses SchMitterlings, die infolge ihrer verkümmerten Flügel nicht zu fliegen vermögen, wandern Int Herbst am Stamme empor, um an den jungen Zweigen ihre Eier abzulegen, ans denen sich! dann im Frühjahr die gefräßigen Forstspinnerraupen entwickeln. Einen 20 Zentimeter breiten Strei­ fen wetterbeständigen Papiers bindet man un­ gefähr in Brusthöhe an seinem oberen und unteren Rande fest um den Stamm und den ihn stützenden Pfost und bestreicht ihn mit Rau­ penleim', was man, um die Setattfhge fäugisch Sit erhalten, öfter bis in den Januar Hinein zu wiederholen hat. | i -, : ; '. ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. I! x Berlin, den 14. Oktober 1913 (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Der Abbruch der Verhand­ lungen der Ukraine und Krim. Telegramm unsres zu« Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. ! ! ' c Kiew. 11. Oktober 1918. i Das gesamte Interesse von Bevölkerung und Regierung ist von den entscheidenden Wir­ kungen und Folgen des dentschenFriedemsschrittes eingenommen, hundert Gerüchte durch­ schwirren die Stadt, und die letzten Nachrichten werden in den iDeatern von der Bühne ver­ lesen. 1 I 1 ! I i So hat man den gestern erfolgten Abbruch dev Verhandlungen zwischen Ukraine undKriM. die eben erst almi 5. begonnen hatten, keine besondere Bedeutung beigeMessen. Der äußere Grund des Abbruchs ist der, daß die Krßm-Telegatian erklärte, ihre Abmachungen wären nur soweit bindend, als sie von einer möglichst bald zu berufenden parlamentarischen Vertre­ tung in Sijmseropol bestätigt würden, wäh­ rend die Ukrainer Vollmacht besaßen, abzu­ schließen. Bei dieser verschiedenen Art derRachte der Delegationen wurde es von ukrainischer! Seite für unzweckmäßig gehalten, die Ver­ handlungen, die ja schließlich, doch keinen definititien Charakter Hätten anneHmen können,wei­ terzuführen. Ter innere Grund für den Ab­ bruch ist aber die Unmöglichkeit, die Standpunkte beider Regierungen zu nähern. Die Ukraine verlangt Anerkennung des HetMan, gemeinsames Heer, gemeinsame Außenvertretung und Finanzwirtschast und ist mir bereit, In Schul- und Kultussragen weitgehende Auto­ nomie zu gewähren, während die reiche Krim aus Autonomie in Finanzsvagen mindestens glaubt bestehen zu Müssen. Zweifellos hat aber die Weülage den letzten Answß zum Abbruch gegeben. Man hielt es für unnütz, zu ver­ handeln, namentlich! auch. auf leiten derKrimTelegierten, solange das Friedensangebot und die Kampfmöglichkeiten auch der Türvkef schwe­ bend sind und die für die KriM entstscheidende Lage im Schwarzen Meer nicht leichtt auf lau-, ge hinaus beurteilt werden kann. ' Wie stark dabei, was in diesen»! Zusam­ menhang nicht uninteressant ist, das Wertrauen zu der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands in der Krim ist, zeigt die Tatsache, daß sich die Zeichnungen zur Kriegsanleihe trotz der unaus­ geglichenen politischen Situation aus viele MilKonen belaufen, und daß auch! in der Ukraine nicht nur in den deutschen Kolonien die neue Anleihe über Erwarten gut gezeichnet wird. (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Kriegrbriese aus im Westes. Berlin, den 11. Oktober 1918 (Unberechtigter Nachdruck, auch MMugAweife verboten.) Namenloses Elend im besetzten Frankreich. Telegramm unsres Kriegsberichterstatters. Großes Hauptquartier. 10, Oktober. In den letzten Tagen hat der Feind seine An­ strengungen an der ganzen Angriffsstont verdoppelt und seine Truppen mit noch mehr Rücksichtslosigkeit als je seit Beginn seiner Durchbruchsoffensive geopfert, sodaß man vielfach die Meinung gewonnen hat, als ob der französische GeneraliffimuS, wohl auf eigene Verantwortung und ohne Fühlungnahme mit den zuständigen Regierungsstellen, tu dieser Form seine Antwort auf den Friedensschritt der deutschen Regierung ────────── Kreigsbriefe aus dem Westen. Berlin, den 11. Oktober 1918 (Unberechtigter Nachdruck, auch MMugAweife verboten.) Namenloses Elend im besetzten Frankreich. Telegramm unsres Kriegsberichterstatters. Großes Hauptquartier. 10, Oktober. In den letzten Tagen hat der Feind seine An­ strengungen an der ganzen Angriffsstont verdoppelt und seine Truppen mit noch mehr Rücksichtslosigkeit als je seit Beginn seiner Durchbruchsoffensive geopfert, sodaß man vielfach die Meinung gewonnen hat, als ob der französische GeneraliffimuS, wohl auf eigene Verantwortung und ohne Fühlungnahme mit den zuständigen Regierungsstellen, tu dieser Form seine Antwort auf den Friedensschritt der deutschen Regierung habe erteilen wolle». Der Erfolg dieser Angriffe ist durch den Heeresbericht bekannt. Nirgends ist dem Feinde auch bei dieser äußersten Kraftprobe der beabfichtigte Durchbruch gelungen, trotzdem er nach den Frontmeldungen stellenweise das Fünf—bis Sechsfache upd mehr unsere Verluste erlitten hatte; Unsere Kämpfer haben unbeirrt ihren Mann gestan­ den. Dagegen aber find in diesen wenigen Tagen zu einer Zeit, wo von der Gegenseite der Schritt unternommen wird, die Leiden der seit vier Jahren unter der Lebevsmtttelknappheit und den übrigen notwendige» Folgen des Krieges seufzenden Bevölkerunb der besetzten Gebiete abzukürzee, durch alleinige Schuld Frankreichs und feiner Verbündeten wette französische Gebiete verwüstet worden, die bis« die schwere Zeit glimpflich überstanden hatten und zu deren Zerstörung keine militärische Nodwendtgkeit vorlag. Daß Douat und Cambrat, zwei der blüheusten Städte des französischen Nordens, in Flamme» stehen ist bereits gemeldet worden. Mit thuen «erden außer ansehnlichen, unwiederbringlichen Kunstwerten wirtschaftliche Werte vernichtet, die sich nur ln Jahr­ zehnten werden langsam wieder aufbauen lassen, den Cambret ist die Zentrale der ftanzöstschen Zucker-und Zichorteufabrikatton und der Stammsitz der Batistweberei und Douat der Verwaltungsmtttelpuukt de» nordfranzöstfchen Kohlenbergbaues. Zwischen Argo« neu und Maar richten die Amerikaner ihre «etttrageudin Geschütze auf die freundlichen Maastalorte' die den Kämpfern der Verdunsschlacht noch als kriegsent rückte friedliche Ruhequartiere in Erinnerung stehen. Auf Mtlly, Saffey, Villers, Monttgny und Dunp das mit seiner alten Kirche wie eine Burg über bas* Tal ragte, leuchtet es weithin mit nächtlichem Brande über das Schlachtfeld. In der Champagne brennt Vauziers, Hippolyts Taines Vaterstadt, von französi­ schem oder amerikanischem Fernfeuer angezündet, nachdem es jahrelang in vollem Etappeufrteden un­ versehrt geblieben war. Asfeld sinkt heute in Asche, und die Reste des unglücklichen Rethel, die von den Kämpfen beim Vormarsch 1914 verschont geblieben waren, liegen seit zwei Tagen unter schwerem Fern­ feuer. Die alte Btschofsstadt Laon wird von de» Franzosen wiederum aus den allen Eisenbahngeschützstellungen wie vor unserem Frühjahrsangrtff von Westen und Nordwestenher dauernd beschoffen, und zwar erhalten Ober-und Unterstadt täglich etwa 600 Granaten schwerster Kalibers. In der Oberstadt, diesem malerischen mittelalterlichen Kleinod Ostfront» reich-, liegen ganze Viertel bereits in unkenntlichen Schutt verwandelt, und noch hört die Raserei der französischen Selbstzerfleischung nicht auf. Seit ge­ sternbrennt auch Le Cateau, die ehemalige Sommerresidenz Fenelons und heute der Sitz großer Textil­ fabriken, besonders Tüllwebereten. ’ Dis Folgen dieser planmäßigen Verwüstung des bisher von uns sorgsam geschonten französischen Hinterlandes ist, daß unter der Bevölkerung überall Panik ausbricht, wenn der Kriegslärm näher rückt. Ohne sich hallen zu lasse«, flüchten die Unglücklichen mit Greisen und Kindern zu Fuß nach rückwärts, da keine Bahnen zu solchen Maffenabbeförderuugm zur Verfügung stehen. Allein im Gebiete einer unserer in Flandern kämpfende» Armeen befinden sich über 100,000 Einwohner in kopfloser Flucht. Längst der ganzen Weststont find es mehrere Hundnttauseude, die obdachlos auf den Landstraßen nach Osten pilgern. Man hat den Bewohnern angeboten sich in Sammellagern zu vereinigen, wo sie die "Befreiung" durch die nachrückenden Truppen der Entente erwarten können, ähnlich, wie wir es mit der abgeschobenen Bevölkerung bei unserem Rückzüge im Frühjahr 1617 gemacht haben. Aber die Leute weigern sich. Siesagen, sie hätten bisher mit den deutschen Behörden gute Erfahrung gemacht, und' sie fürchten sich, in die Hände der Engländer zu fallen, die Douat und Cambret zerstört haben. Bei größtem Entgegenkommen aber ist es nicht möglich, diese täglich anschwellende Flüchtlingsmafle im Rücken unserer Heere ausreichend zu verpflegen und ihnen Obdach zu gewähren. Das Elend der Leute, die an Habe nur so viel bei sich führen, wie sie tragen können, ist^himmelfchreleud. R. ßtieueemann, KriegSberiMerstatter.