Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-24. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 291, 1918-10-24. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Oktober 1918 ────────── 440000 Tonnen im September versenkt. ────────── Schwere feindliche Angriffe bei Kortryk, an der Aisne und Maas abgewiesen. - Der alliierte Kriegsrat in Versailles. - Selbständigmachung der Völker Oesterreichs. ^ ────────── Die Heeresberichte. Der deutsche Bericht. WTB. Berlin, 23. Oktober, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Me«rsSgr»Pp< »«»eralfekvmarschaN» Rupprecht v»» «atzer« 1 Die Kämpfe in der Lhsniederung dauern Ml. 1 1 r ' f Heftige Angriffe des Gegners beiderseits ton Deinze. Nördlich der Stadt wurden sie abgewiesen. Südlich der Stadt nach! anfäng­ lichem Geländegewinn durchs Gegenstoß, west­ lich der Straße Deinze—Olsene zum Stehen gebracht. r - , Oestlich bon Kvrlrhk wurden wir born West­ rande von Dichte auf den Ostrand zurückge­ drückt. Beiderseits des Ortes sind starke feind­ liche Angriffe gescheitert. In erbittertem Kampfe wurden die Höhen bei Keiberg born schlesischen Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 10 unter feinem Komman­ deur Major Grüner gegen vierfachen Ansturm des Gegners gehalten. i Teilkämpse in der Scheldeniederung beider­ seits von Tournai und Balenciennes. ' , Heeresgruppe des deutsche» Kroupriuze». Südlich bon Marie räumten wir den bwrübergehend verteidigten Brückenkopf an der! Serre und Souchez und nahmen unsere Linie hinter die Bachabschnitte zurück. , i An der Aisne wiesen wir heftige Angriffe des Gegners beiderseits bon Menteuil ab. \ Auf dem östlichen Msneufer beiderseits bon Douziers und westlich bon Olich haben die Kämpfe größeren Umfang angenommen. Unter stärkstem Artillerieeinsatz griff der Feind am! frühen Morgen zwischen Dorron und Favaise an. Aus den Höhen westlich bon Ballah konn­ te der Angriff etwas Boden gewinnen. An der übrigen Front ist er bor unseren Linien gescheitert. 1 ' ' Auch am Nachmittag brach- der Feind nach erneuter stärkster Artillepieborbereitung zum Angriff vor. Das 1. daher. Jnsanterste-Regt^ unter Führung seines Kommandeurs Majors Schmidtler hat in zäher Verteidigung die Höhle bon Chestres gegen mehrfachen Ansturm über­ legenen Gegners gehalten. Auch aus der übri­ gen Front wurde der Feind unter schweren Verlusten für ihn abgewiesen. , / Heeresgruppe von Gattwitz. Zwischen Argonnen und der Maas und zwischen Maas und Mosel rege nächtliche Feu­ ertätigkeit. I i i 1 1 Teilkämpse westlich der Maas und west­ lich der Mosel ohne besonderes Ergebnis. I j Leutnant Büchner errang feinen 40. Luftsieg. 1 [ i t < s » . . , 1 Der HL VeueralquartiermeiKep, i L ! iLI ii i . ■■fritttaxff. j ,^j v ; WTB.Berlin, 23. Oktober. Amtlicher Abendbericht: i , | i 1 i I Teilkämpse in Flandern. Beider setts von Solesnes und Le Cateau haben wir erneute Durchbruchsbersuchje der Engländer bereiteltz, Die heftigen Kämpfe fanden in der Linie St. Martin—Neubitte—Bousies—Ors — Cattilon ihren Abschluß-. Auf dem nördlichen Serreuser, beiderseits bon Douziers und westlich bon Grandpre sind Angriffe der Franzosen, auf beiden Maasusern sehr heftige Angriffe der Amerikaner gescheitert. Staatssekretär des Auswärtige» Amtes Dr. Sols über die Kriegsanleihe: Es ist mir unverständlich, daß manche glauben, durch den Wechsel der Regierung oder in der Reichstagsvertretung könnte die Sicherheit der Kriegsanleihe nur im geringsten gefährdet sein. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 23. Oktober, mittags. Amtlich wird gemeldet: Ttallenifch-r Kriegsschauplatz. Rege feindliche Artillerie- und Fliegertättgkeft an der ganzen Front. - ' Battankriegsschauplatz. Unsere albanischen Kampfkräfte nähern sich! der montenegrinisch-albanischen Grenze. An der westlichen Morawa und nördlich, bon Krusebac dauern die Nachhutkämpse an. Ein feindlicher Uebergangsbersuch, bei Kraljevo wurde vereitelt. i j ; Der Chef des GeneraylabS. ────────── Das Friedensangebot. Unsere Note und das Ausland. i 1 1 Gens, 22. Oktober. Die deutsche Note ist am Montag abends hier durch Sonderaus­ gaben der Genfer Presse bekannt gegeben wor­ den. Am frühen Morgen lagen noch- keine französischen Aeußerungen bor. Die welschsschweizerische Presse ist der Ansicht, daß, die Besprechungen mit Washington fortgesetzt wer­ den und daß, die Entente /ich mit der Ueberweisung der Wasfenstillstandsfrage an die militäri­ schen Berater einberftonben erklären müsse,, Selbst das "Journal de Geneve" schreibt, es ist wahrscheinlich,, daß die Gespräche andau­ ern werden und daß der Friede in kürzerer oder längerer Frist aus diesen Verhandlun­ gen hervorgehen wird. Das Blatt "Feuille" hebt hervor, daß die Note erst abgesandt wur­ de, nachdem sie bon den Parteiführern gelesen und verbessert worden sei und unterstreicht diese parlamentarische Behandlung. i , Berlin, 22. Oktober. Die ersten feind­ lichen Blätterstimmen über die letzte deutsche Antwortnote an den Präsidenten Wilson liegen bereits bor. Die Londoner "Daily Mail" ver­ bittet sich die Fortsetzung solcher Albernheiten, wie sie in der deutschen Note an den Präsiden-, ten geschrieben werden. Die "Morningpost" spricht sogar von einem unverschämten Ton der deutschen Note. In Wirklichkeit versuchten die Deutschen mit ihrer Antwort nichts ande­ res, als ihre militärische Niederlage zu ver­ kleiden. Die Note bezwecke lediglich, in den Ententeländern eine Friedensbewegung hervor­ zurufen, welchen Zweck auch, gctoiffe Funkentelegramme verfolgen, denen zufolge in Mar­ seille, Lyon und anderen großen Industrie­ zentren Kundgebungen stattgefunden hätten und Arbeiterausstände inszeniert würden, um die Herbeiführung des Friedens zu beschleunigen, 1 ,, Aus dem Lager der Feinde. , Reuter Meldet aus Washington: Nach- Ver­ öffentlichung der deutschen Antwort braute der, Republikaner Koindexter bor dem Senat und dem Repräsentantenhaus einen Antrag ein, ln welchem vorgeschlagen wird, fteiterö Verhand­ lungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zu verbieten, bis die deutschen Militärkr-äfte bedingungslos kapitulieren. Aus London wird gemeldet: Noch vor Deutschlands Erklärung, daß, es einverstanden sei, die Bedingungen des Waffenstillstandes durch militärische Behörden regeln zu lassen, hatte die britische Regierung schon die Ansichten ihrer Führer von Heer und Flotte angehört^ Die Admirale Beatth und Wemhß, im Namen der Admiralität und die Generale Haig und Henry Wilson im Namen des Generalstabes sollten die Verhandlungen übernehmen, falte die Regierung zum Waffenstillstand entschlos­ sen fei. i < . , ( I Trahtlos übermittelt. 1 Auch die neue Note ist drahtlos nach Amerika weitergegeben worden. Wie Havas aus Washington unterm 22. ££todev meldet, ist der Inhalt der Note dem Staatsdeparte­ ment aus diese Weise bereits bekannt, obwohl die offizielle Uebermittlung der Note noch nicht erfolgt ist. , , / Freude in Paris. ' Ter "Secolo" meldet aus Paris: Paris wurde außerhalb der engeren Berteidigungszone des Feldheeres erklärt. Ter Minister­ präsident ist mit dem, belgischen Minister des Innern nach Ostende abgereist, um die Schadenersatzsorderungen Belgiens an das deutsche Be­ satzungsheer festzustellen. 1 ' ' Das Nieuwe Büro meldet aus Paris: Tie Kundgebungen zu 'Ehren des Jahrganges 1920 haben rn Paris große Begeisterung hervorge­ rufen. Poincare hat auf einer Tribüne vor ────────── Eine Kundgebung der Liberalen Arbeits- 1 ! 1 gemcinschaft. , < München, 22. Oktober.i In einer aus allem Teilen des Landes gut besuchten Vorstandssitzung der Liberalen Ar­ beitsgemeinschaft wurde heute abends folgen­ de Entschließung fou den Forderungen aus Neu- ■ regelung der politischen Verhältnisse in Bah-' erne instimsmig angenommen: i J Die Liberale Arbeitsgemeinschast vertritt s nach. eingehenden Beratungen die Meinung? daß die innere Neuordnung in Bayern nach großen Gesichtspunkten zu erfolgen hat. Sie! fordert mit allem Nachdruck bei der Reform' der ReichsratskaMmer, daß, der Gedanke einer, neuen Rechtsverteilung dadurch, erfüllt wird? daß eine entsprechende Beschränkung der Zahl§ der erblichen Mitglieder zugunsten der zu wäh­ lenden Mitglieder ersolgft Hinsichtlich der Neugestaltung des Landtagswahlrechtes muß! bei der von den Liberalen schon längst gesoc-j dorten Verhältniswahl eine Gleichstellung.der städtischen und ländlichen Wähler unter allen Umständen verlangt werden. Bei der Paria-| mentarisierung darf jetzt keine Halbheit gemacht werden, sondern es muß der Grundsatz, der Teil­ nahme des Volkes an den Regier ungsgeschästen in einer klaren und eindeuttgern Form er­ füllt werden. Das ist nur möglickch durch« ein überwiegend parlamentarisches, poolitisch, ver­ antwortliches Ministerium. entweder den jetzigen Ministern Parlaments­ minister beigegeben werden oder der Staats­ rat durch Mitglieder des Landtags erweitert wird. I i Zur Nachahmung empfohlen! Ein Mün­ chener Bürger hat sich, bereit erklärt, in seinem Bureau solche Einschränkungen vorzunehmen, daß dort eine Wohnung mit drei Zimmern eingebaut werden kann. Weiter will er sür den Winter seine Villa am Starnberger See unentgeltlich sür Wohnzwecke zur Verfügung stellen. Schließlich erklärte er fif-.fn auch bereit, 1—2 Personen zu sich in das Haus aufzuneh­ men und Grundstücke sür Notwohnungen an Baugenossenschaften zur Verfügung zu stellest. Bürgermeister .Tr. Küsner 'verband mit dem Tanke für diese hochherzige Gesinnung in der Sitzung des Magistrats München den Wunsch«, daß auch andere Bürger dieses schöne Beispiel nachahmen möchten! u , Ueber die gegenwärtige Lage und die Aus­ gaben der Zentrnmspartei sprpch aus einer Ver­ sammlung der Münchner Zentrumspartei der Vorsitzende der Zentrumsfraktion Abg. Held. Er betonte dabei, daß die Grundlage des alten Zentrumsprogramms völlig unverändert ge­ blieben sei. Eine Hauptforderung werde auch künftig die Erhaltung und Stär'kung des mo­ narchischen Gedankens sein. Die Zentrums­ partei halte nach wie bor fest an der ktonstitutionellen Monarchie, an der Freiheit der Kir­ che und ihrem ungeschmälerten Einfluß« auf die Schule wie auch, an der religiösen Turchhildung der Jugend und sei überzeugt, daß. der Schutz der Familie und des Kindersegens angesichts der Zerstörungen des Krieges mehr denn je Pflicht des Staates und der Volksvertretung sei. Neben einem sich voll auswirkenden Königstum> keinem Scheinkönigstum, fordern wir eine starke Volksvertretung mit beim notwen­ digen Einfluß auf die Regierung. Bezüglich ' der Parlamentarisierung müssen wir uns hüten vor einer verhängnisvollen Schablonisierungl Tie Hauptsache ist, daß die Volksvertretung auch in Bayern einen nachhaltigen und unmit­ telbaren Einfluß, aus den Gang der Regierungsgeschäste ausübt. Was die Reform des baye­ rischen Landtagswahlrechites anbelangt, erklärt er sich gegen den Landesprolporz, der eine Totteilung wichtiger Vvlksjteile brächte. Tie Partei ist aber bereit, bei der Behebung von Mängeln des gegenwärtigen Wahlsystems mit­ zuarbeiten und berechtigten Wünschen entgegen» zukommen. Auch hinsichtlich der Reform der, Reichsratskammer werden wir den Bedürfnis-« fen der Interessentenkreise Rechnung tragen!? Zur Stellung Bayerns zum Reiche übergehend verlangte der Redner die Unantastbarkeit des föderativen Charakters des Reiches, die .Er, Haltung der Selbständigkeit der Bundesstaaten'. u Auch in der Außenpolitik muß Bayern seinen Einfluß geltend machen. Dje bayerischen Referdatrechte dürfen nicht angetastet werden Der wirtschaftlichen AbschMrung Bayerns darf nicht die politische Zentralisierung folgen. Bayerischer Zentrumsparteitag. Ter Telegiertentag des bayerischen Zentrums wurde am Dienstag mittags gegen 1 Uhr geschlossen'.! Tie letzten Beratungen befaßten sich mit einem Referate des Abg. Held über die politische Lage und mit Darlegungen des Abg. Schirmer über die Arbeitersürsorge. Abg. Held beton» tete die Haltung des Zentrums zum Reiche und führte aus, daß das bayerische Zentrum treu zum Reiche stehe und alle separatistischen Be­ strebungen zurückweise. Reichstagsabg. Schir­ mer trat für großzügige Sozialpolitik beson­ ders in der Arbeiter- Wo h nungs- und Erwerbslosensürsorgee in. Beschlüsse wurden nicht ge­ faßt. Die tRefemte über O rgani sationssrägen der Partei iourben von der Tagesordnung ab­ gesetzt und einer Kommission zur weiteren Be­ handlung überwiesen. i ────────── Niederbayerische Nachrichten. Altheim, 23. Oktober. (Tod auf derJagd.ll Ter verh. 68 Jahre alte Maurer Josef Auer,' von Essenbach. war am 21. ds. nachlnfttagH' wie schon seit vielen Jahren mit den Jagdpächjtern von Altheim bei. der Jagd als Treibers beschäftigt. Als die Jäger den Heimweg gn? getreten und Auer wegen Ausbruchs eines Reh bocks noch im Walde zurückgeblieben war, hörte. man den Dackel des Auer heftig beiten. Als man Nachschau hielt, wurde Auer am Platze wo man sich, trennte, als Leiche gefunden. Ein Herzschlag hat ihm ein jäher Ende bereitet. Der treue Dackl wollte anfangs nicht einmal den herbeigeholten' Söhn des Atter an die Leiche kommen lassen. i Winvors, 22. Oft. (Feuer) brach gestern abends in dem Stadel des Gemeindedieners us. Anwesensbesitzers Saller von hier aus und vernichtete die darin aufbewahrten Erntevor­ räte vollständig. Brandstiftung wird vermu­ tet. { I Prinkoftn, 22. Oft. (Besitzwechsel.) Die Zierermühle dahier samt OekonoMie toufrbe' Joon Herrn Seeholzer um "82 000 Mark ange­ kauft. Wittibreut, 20. Oktober. (Unglücksfall.l Dem 18jährigen Sohn des Hvlzner zum« kleinen Schiefer in Schiefered bei Wittibreut schnitt die Schneidmafchine einen Arm, vollends dür-H, sodaß ihm derselbe oberhalb des Ellenbogens abgenonchnpn werden mußte. Neukirchen b. Haggn, 20. Oktober. (Ein­ bruchdiebstahl.) Dem OekonoMn Aumer in Wachsenberg wurden vergangene Nacht 5 Gänse aus dem Stalle gestohlen. Von dem« Täter fehlt bisher jede Spur. i i 's ) Passau, 22. Oftober. (Die Amtstracht) der Magistratsräte (Schisshut und Degen) soll enstprechend einem in gestrigen Magistmtssitzung von Herrn Magistratsrat Eidenverger eingebrachten und von sämtlichen Herren Kollegiumsmitgliedern gutgeheißMen Antrage künftig 'in Wegfall kommen, wie dies- ja auch bei anderen Magistraten (z. B. München) be­ reits geschehen, ist. Ter Antragsteller bezeichn ,nete diese Adjustierung unter allseitiger Zu­ stimmung nicht mehr als zeitgemäß. Dewzujsolge werden die Mitglieder des MagistratsifoItegium§ bei künftigen feierlichen Anlässen jnur mehr im schwarzen Rock und hohen Hut erscheinen. < i Passau, 22. Oktober. (Als Maßnahme ge» 'gen die Brennmaterialienknappheit) hat der «Magistrat beschlossen, die Polizeistunde ab 1. «November aus halb 11 Uhr festzusetzen. Es darf nur ein Lokal geheizt werden, VersalmM-slungs-, Konzert- etc. Räume nicht. Der La­ denschluß ist von 5 bis halb 9 Uhr verfügt, Jam Samstag können die Geschäfte bis 6 Uhr offen bleiben. Der Gasdruck wird von 1—5 Uhr nachmittags und von halb 11 bis 10 Uhr vormittags zurückgesetzt. Durch, diese Maßnahjmen sollen monatlich 700 Zentner Kohlen ein­ gespart werden. : x i ■ i ────────── "Sie wissen? Woher wissen Sie?" »Aber, liebster Kavittiity das ist so der Lauf der Welt. Habe ich Jhnen nichft hundertmal gesagt: Wer an Weibertreue glaubt, ist ein Esel? Es gibt Weiber auf der Welt, Kapitsän, wie Sand am Meer, saler eine ist wie die» andere. Wer sein Herz an ein Weib hängt, der hat ’nen Elliüshlstein am Halse. Mich, sehen Sie mischs an, mich haben sie noch. alle betrogen, aber ich ha«b’s standhaft ertragen. Dsick bin ich. ja nicht dabei geworden, aber feßhaft will ich. werden. Was würden Sie sagen, foenn ich. vielleicht hier in Ihrem elenden Wefterland Vadearzt werde? Es sind zwar fchon einige solcher Wundertwiittner da, aber etwas mehr kann nicht Moden-« s « «, Ein warmer Schein glomm in den dunklen Attgen Ditlefs auf. ,,Tcottor, Sie wollteniif Hier auf der Insel? Ach, das wciire ja ein GliicL Sie mit Ihrem reichen Wissen und Ihrem löftlichen Frohmut Jchs würde wish. gewiß. von Herzen freuen, wenn das Wahrheit würde« »Na, Gott sei Dank! Ganz sind Sie noch nicht verloren, Kapittlim für andere weltliche Dinge, und da glaube ich doch. daß. ich! vor die rechte Schmiede gekommen bin, daß. Sie mir helfen können, meinen Vorfatz zu vertvirk « licheäy wenn ich. hier meinen Laden auf1nafhfe. — Geht der Ausschanh werden S;Kapit«än, mit · Kind und Kindeskind natürlich umsonst behandelt.« . f» »Wer Sie nicht kennt, Doktor, muß. wahrhaftig glauben, daß. Sie ein ganz herzloser Halunke find. Dabei weiß. ich doch. ganz genau, wie Sie das Herz auf dem rechten Fleck haben. Wissen Sie noch, damals in Sau FraneiscfoV fragte Stätten. ( s. . ,,Aeußerlich, alles äußerlich» lieber Freund. Aber Sie haben recht. Ost bin ich. ganz menfshk lich, aber nich-i immer. Denken Sie nur,« fuhr er mit einem berschsmtitzten Lächeln fort, behaglich ein Bein über das andere legsend, ,,daß. ich. zum Veifpiel heute abend auf dem Wege von Wenntgstedt nach hier ganz fromm war. Wissen Sie, woher das kamTI Nee, natürlich wissen Sie es nicht, altes Haus, aber ich« weiß. es. Ein Miiigdelein fchritt mir zur Seite. Sie hieß. — Wissen Sie ihren Namen? —— nee, natürlich« wieder nicht —- aber jchbn war sie. Donnerswetter, all die Weiber, die ich. kennen lernte, oie schwarzen, braunen und die blonden sind nichts dagegen. Selbst das fichbne gazellenschlanke Hindumiidchsem vor deren finnlifhfer z Glut Sie mich damals inttmer so energifcht warn. ten, und die mir ganz und gar den Kopf verVkitkt hatte, war nichts gegen dieses blonde, herbe Nord ällig am Wszege · traf. Jnken Vootje ist wie ein Traum« Krachiend flog Ditlefs Stuhl in eine Ecke des großen Gemaches Klirrend fiel ein Teil der kostbaren Waffen von der Wand, von dem vorüberfaufenden Stuhl getroffen. Hoch loderten die Flammen. Dir. Tam Erichs »fchob langsam die halbgefchloffenen Augenlider· m die Höhe, gleichsam, als wollte er einer lecfen Witterung nachfpiiren Die großen Nafenfltigel bebten, aber er jagte ganz ruhig, mit einem feinen, farkastifchen Lächeln um den Mund: »Was ficht Sie an, Kapit.än, weckt der Name alte Erinnerungen?« ,,Nein,« entgegnete Stblven hart, und feine Stimme llang dwmcpf und drohend. »Der Name gehört in eine andere Welt. Hjer in Helhoog darf er nie genannt werden. MerTen Sie sich« das, Doktor. So auflkschctig »Geh. mich freue, Sie, den treuen Gefbiihrten so vieler schöner und lebenswerter Jahre als Gast einmal bei mir zu sehen, so muß. ichi Ihnen doch« sagen, daß. meine Gastfreundschiaft zu Ende ist, so bald Sie auch nur den kleinsten Versuch. machen, von meiner Welt aus mit der dort« —er zeigte durch das große breite Fenster der Halle nach dem Diifhoog hinüber —- »Füfhflung zu gewinnen« i i « Csvrtiesuna folgt) - ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, 22.0ktober 1918. lllnberechtigter Nachbarn, auch auszugswetse . verboten) Riicktritt des gesinnt-en Kummers. celegraumt unseres Kriegsberichterstatkerie - « Kiew, 20. Oktober. Der nach. den Vorgängen der letzten Tage erwartete Rücktritt des Kabinekls das in Beurteilung des weiteren politischen Weges durchs aus uneins war, ist heute erfolgt. Nach Kiewsz kaja Mysl werden dem neuen Kabinett vier Mitglieder des utrainischen Nationalbundes angehören. Danach soll si.ch. die neue Ministeriifte folgendermaßen zusammensetzen: Vorsitzender Lisogub, Auswfiirtiges Dorofchenbm Krieg Rogoscu Kultus Lotozki, Verpflegung Gerbel, Landwirtschaft Tfchfikalenkm Handel und Jnduftrie Borodajetvsih Arbeit Slloivins«li,Staatsfetretiär Stebnitz'ki, Glaubensangelegenheiten Senlows"ki, Justiz Wjaslow, Finanzen Rshepezki, Gesundheitsminister Ljubins1lHi, Eisenbahn Vudenko, Staatsselretsär Nlogiljansli. der Posten des Jnnenministers bleibt zunächst unbefetzt, das Ministerium nzird voms bisherigen Ministergehilfen Reinbott verwaltet. Miit-sisterprpäfident Lifogub wurde also- mit der neuen Kabinettsbildung betraut, ein ausgefprochenes Komprornfi»ß., der Außennuinister Dorfofchenkfz der in Deutschland und Oesterreiihf bekannt ist, aus der Zeit, da er Kommissar für die vonRußF land besetzten ruffifchen Gebiete Oesterreichis war und feine Stamsmfesgenossen in Czernowitz und Tarnopol vor Bedrückungen in Schutz nahm, ist überzeugter ukrainifcher Nationalish er wird den gerade jetzt recht entscheidenden Posten weiter behalten. . «. « . « - Ein) ’ i Rolf Brandt, Kriegsberichterstatteu Regietnngskcife in dcr«l1krainc. . s « Kiewy II. Oktober. Dem Mnisterpriiifidenten Lifogub wurde vorgeftern von zehn Niinisterm Kaffilentio Afanaßjew, Rshepezkh Gerbeh Gut-til, Romanotvs Serjewskh Wagner Kolotttol und dem Staatsfetretär Sawadzli eine Erklärung überreicht, in der scharf gegen eine Politik, die auf die Bindung der Ukraine mit Großfrußland nicht Rücksicht nimmt, protestiert wird. Nicht die Vereinigung der Ukraine mit Großrußland war ein Fehler, sondern der Versuch- ihrer Identifizierung. Die Ukraine miüsse auf der Friedenskonferenz die allgemeinen Interessen Rußland vertreten. Die richtig! verstandenen Interessen der Ukraine verlangten gebieterifch, daß. sie die Wjedererstarkung der durch. die Bolschewili unterdrückten Teile Rußlands anftrebe. Jn s i einer Vereinigung würde die Ukraine den Weg zur Sicherstellung ihres Schfickfals in Anniihev ung an die aufgekliirten westeuropäifchen und außsereuropäifchen Staaten finden. » Zweifellos ist mit dieser Erklärung der Weg der Abkehr von einer völlig selbständigen Ukraine und der Anwäherung an die Entente beschritten. Eine Umwandlung des Kabinettsx in das nun endlich vier Vertreter aus dem ukrainifchen Nationalverband eintreten sollen, ist nach diesem Sichsritt als bevorftehend anzusehen. i (Kb.) - Rolf Brandt, Kriegsberichterstatterf ────────── »Deutsche DemokratiM betitelt sich ein lefenswcrtes neues Werk des bekannten Seh eizer Rechte« anwaltes Dr.Fick, das eine der brennen sten Tages: fragen behandelt. (Es wurde noch vor der Umgestaltung der deutschen Regierung geschrieben) Der begelsterte Schwetzer Demokrat tritt energifch dafür ein, daß durch Heranziehung unseres ganzen Volkes zur Mitherrfchaft alle Kräfte der Nation in den Dienst der Gesamtheit gestellt würden. Ein großer Teil unserer Volkagenossen ist sich dessen noch nicht bewußt, daß Volksherrfchait nicht gleichbedeutend tft mtx Parlamentsherrschaft Jn der Schrift »Deutfche De mokratt« (J. F. Lehmans Verlag, München, Preis Mk. 1.50) beweist der Verfassey daß sich auch in der Schweiz wie anderswo diese Begriffe keineswegs decken: es hat in der Schweiz nur das Voll zu bestimmen, ob Gesetze angenommen oder ob sie abgelehnt werden sollen, das Volk nimmt fein eigenes Schicksal in die Hand, nicht das Parlament. Bei der Parlamentsherrschaft ist noch kein Volk zur Herrschaft gelangt. wohl aber das Großkapitah das mit Bestechungsgeldern und Pressebearbeitung die öffentliche Meinung verfälfcht Weiter wird in Dr. Fkcks Buch auch des,,demokratischen Friedens« gedacht, den der Verfasser etnlen »hellen Blödsinn nennt, da immer noch Waffeuerfolge allein maßgebend gewesen sind. Auf Grund der Schweizer Geschichte zeigt der Verfasser, daß es sich dabei immer um Machtfriedety Verzichtfrteden oder Verftändtgungsfrteden handelte. Es ist ein Buch zum Umlernen für Fürsten und Volk, ein Buch, das keiner aus der Hand legt, ohne reich befruchtet zu werden. Es zaeigt welch gewalttge Macht und wie viel bestes Könuuen in der reinen Demokratte zur Entwicklung kommt, es zeigt ferner, welch gewalttger Unterschied zwischen: Demokratie und Parlamentsherv fchaft besteht. Literarisches. ────────── personen, die in Wirtfchaften ihre Adahilzeiten einnehmen, denn diese beziehen die Waren durch den Wirt. Gemeint sind alleinstehende Witwen und jene Personen, welche am Mittag ihre Mahlzeit in der Volkstiiche einnehmen und abends sich. selbst verhbstigem also gerade jene Leute, die unter den heutigen Lebensverhältniffen am schwersten leiden. Diesen Personen ist der Bezug der Grütze unmäglich ge macht, sauszer jie suchen sifchf einen sPartner oder eine .Partnerin. Nun ist aber doch ein halbes Pfund ein Gewicht, das sich. leifht teilen lläfiQ wie dies auch schon öfters geffhehen ist, sogar bei Dingen, die sonst in Pfundpackungen gehandelt werden, wie bei Kunsthonig Was da ging, nriisßte doch auchi bei. losen Waren gehen. Auf die Marke ein ViertelpfundGrütze und skein Mensch. hatte etwas einzuwenden gehabt und jeder taki-re zu feinem »Rechte gekommen, von dem. durch die neue Anordnung -viele ausgeschlossen find. Dies verstoßfc aber gegen die Gerechtigkeit und darum muß. dagegen pro· testiert werden. . i «Eiue Ausgestoßene.» Stimmen aus dem Publikum. Ost« Reduktion übernimmt fu- Einsendungeu unter dtssu Rubrik dem Publikum gegenüber keine Verantwortung. f sWarum das? I f In diesen Tagen erhalten wir auf je zw Refervemarken E ein halbes Pfund Hafergrütze Man muß. sich fragen, warum« diese Anordnung getroffen wurde. Familien mit ungerader Zahl von Angehörigen können dadurch. ihre Marken nichft voll verwerten. Dothf dies käme nicht so sehr zn Betrachstsk Weit, schwerer wiegt der Nachteil, der aus dieser Anordnung den einzelstehetiden Personen erwächst. Gemeint sind nichst diejenigen Einzel- ────────── weist Wege, tote man sich von der Beschaffen-, heit der Gier ohne Schwierigkeit vor dem He-; brauche unterrichten kann. Zur Prüfung der Eier auf ihre Frische steht die Leuchtprobe und die Schwimmprobe zur 'Verfügung. Tie ( Leuchtprobe vollzieht man ohne jeden Apparat • in der Weise, daß, man das zu prüfende Ei In die hohle Hand nimmt und es, indem man die Hand dicht vor das beschjOttete Auge bringt, gegen die Sonne oder eine starke künstliche Lichtquelle hält. Ist das Ei frisch!, so er» scheint es gleichmäßig hell mit einem! leichten gelben Schimmer, alte Eier hingegen sind trüb jurtb dunkel. Zeigen sich bei der Probe dunkle Flecke, so handelt es sich um ein sogen. Fleckei, das gleichfalls unbrauchbar ist. Je älter das Ei, desto größer wird infolge des Wasserver­ luste? die in der Spitze sitzende Luftblase, da­ her schlottern alte Eier beim Schütteln. Es wäre aber verfehlt, diese Schüttelprobe allzu drußisch anzuwenden, da sonst leicht die Ei­ haut zerreißt, so daß Eigelb und Eiweiß, in­ einander fließen; solche Eier sind zum Verkauf nicht mehr geeignet. Das sicherste Mttel zur Feststellung des Alters eines Eies bleibt nach wie vor die Schwimmprobe. Man gibt in eine tiefe Glasschüssel oder ein Einmachglas einen LitevWasser, in dem man vorher 100 GraNmr Kochsalz aufgelöst hat. In diese Lösung wird das Ei gelegt. Ist es frisch-, so sinkt es sofort unter und legt sich flach, auf den Boden,Eier, die erst wenige Tage alt sind, sinken auch, un­ ter, stellen sich aber auf die Spitze. Ein bis Zwei Wochen alte Eier Wvimmen in der Lö­ sung und zwar um ,fo höher, je älter sie sind. Ganz alte Eier halten sich schwimmend an der Oberfläche. Man erkennt also verdorbene j oder alte, also unbrauchbare Eier daran, ddß ' sie an der Oberfläche oder dicht darunter schwimmen. ────────── Allerlei. Neue Erdölquellen in Brasiliern. Tie Ugencia Amerikana meldet, daß in der brasi-, lianischen Provinz Bahia neue Erdölquellen' entdeckt wurden, die an Ergiebigkeit die anderen Petroleumqnellen der Welt übertreffen sollen! ────────── Dienstesnachrichten. Rentamt. Vom 1. November 1918 an wird die Rentamtsassistentin Berta Schätz in Freyung auf ihr Ansuchen in gleicher Diensteseigenschaft in etatsmäßtger Weise an das Rent­ amt Bilsbihurg versetzt. > i ( Rentämter. VoM 1. Nov. an wurde die uichtetatsmäßige Rentamtsassistenkin Jda Handick in Vilshofen zur Rentamtsassistentin bei dem dortigen Rentamte in etatsmäßiger Weise ernannt. I , ' l I \ \ ! 1 [’.lC 1 Bahndienst. Der Eisenbahnsekretär der Bahnstation Simbach (Inn) Ferdinand Haubner wurde Lum Bahnverwalter dieser Bahn­ station, der Eisenbahnsekretär der Güterstation < Passau Hbf. Valentin Hagl zum Bahnverwalter dieser Güterstation ernannt. ────────── Vermischtes. Aus der Heerstraße von de!v Waas zu den y i i Argonne«. t 5 Von der Westfront wird uns geschrieben: s "Wie ein Lineal zieht durchs Herbsüanv bie 1 breite Heerstraße vom Waasgrund zu den Ar-, gönnen, hügelan, hügelab, immer parallel zur Trommelfeuerwalze, deren schwarze Rauchsäu- ’ jten wie Pappelriesen auf den südlichen Hö­ hen emporwachsen und in tausend phontasti-' sche Wolkengebilde zerrissen am Morgonhiin-' Intel in nichts ausgehen. Und über diese'eine Straße am Rande des Todes, an der Peripherie der grimmigsten aller Schlachten vor Verdun, bewegt sich eine Welt: eine Welt voll schas­ sender Kraft, und so verschiede« ihre ewig wechselnden Bilder sind, so verschiedene Gefühle Lösen sie auch beim Beschauer aus. ES Ist so biet, daß das Auge ermüdet und di« Nerven schmerzen. Der Krieg in seiner erhKenden und srärückeuden Allgewalt. Pas toeige Stvnbband der belebten KhauPes liegt Im blauen Benzfn- ’ .nobel. Durch,ihn schleichen zwei schwarzeStrörne; einer von'Osten nach! Westen, der andere entgegengesetzt. Fahrzeuge stnds, Fußgänger u. wieder Fahrzeuge. Was sie alles aufgepackt haben, läßt sich, in einer Stunde nicht erzählen. Unter ihrer Last wuchten die Motore, schuften die Pferde. Sie schleppen Stroh, Heu, Lebens' mittel, Material, Munition, Kisten, Koffern, Kranke, Verwundete. Es ist das Bild einer Völkerwanderung. Aber in all dem anscheinen­ den Durcheinander steckt System, und der ganze Betrieb wickelt sich in größter Ordnung ab. Die dem Teutschen angeborene Genauigkeit und Pünktlichkeit kommt auch, hier im Felde wohltuenb zur Geltung. Von allen Seiten streben dichte Kolonnen der Haupfftraße zu. In Busch­ werk und Waldstücken leichte Zeltlager, dieFekdküchen dampfen. Die Soldaten sitzen am Weg­ rand und schauen in das bunte Treiben. Ernst zieht es an ihnen vorüber. Strasse Gesichtszüge, in die eine männliche Entschlossenheit gemeißelt ist und aus denen e*t unbeirrbarer Wille spricht. Viele Junge sind dabei) aber aus ihren Augen sprüht dasselbe Feuer derKrast wie bei den bärtigen Landwehrleuten zu ihrer Seite. ES ist ja nur ein Gedanke, der die -Seele aller erfüllt; das Beste zu geben fürs Vaterland; den Nacken steif zu halten und allen Unbilden des Schicksals gegenüberzutreten mit jenem Mut, der sie zu überwinden versteht. Mit dieser inneren Kraft rollen He auf ihren Wagen zur Front. Etwas abseits steht die Bat- _ terie .Sie Ist diesen Morgen hier eingetrvf-' sen. Heute nachts bellte sie noch das Wort von' dem Tod durch! den Argvnnerwald. Was sie da vorn mitgemacht hat in der teuflischen Ham­ merschmiede, |ch weiß es nicht, aber ich kann es ahnen. Denn auf den Protzen oder an die Räder gelehnt schlafen die Kanoniere den tie­ fen Schlaf der Uebermüdung, bleischwer und" traumlos. Me holen nach!, was sie 14 Schlacht­ tage lang entbehrt haben. An ihrem Frieden vorüber rasseln und poltern "bie Lastautomo- r feile mit Leichtverwundeten. Uniformen zer­ setzt^ getrocknete Lehmkruste darauf, bittere ober erhebende Einzelerzählungen von viel Glück und Grauen. Sie kommen von dSr Marlenhöhe und vom Humserberg, wo sie duHendfäch die Massenstürme der Amerikaner abgeschlagern haben.Dvrt naht ein Zug von Leiterwagen. Err bietet einen 'wunderlichen Anblick. Auf zusamnmengestopften Stühlen und Matratzen sitzen nebben deutschen Soldaten französische Kinder und Frauen, die das eherne Gesetz des Krieges vom Haus und Besitz Vertrieb und hinausstößt ist eine unge­ wisse Zukunft. Drunten geht es In ein Torf. Hier Ist das Stabsquartier,, das nie ra­ stende Hirn der Schlacht, von dem alle ent­ scheidenden Befehle nach, den vordersten Linien fliegen und bei dem durch! hundert Drähte, Ordannanzen und Brieftauben alle wichtigen Meldungen zusamNrenströmen. Nichts ahnend von dem stillen, evnsten und wichtigen Schaffen binter diesen Mauern wälzt sich, die Flut der Fahrzeuge und Menschen daran vorüber, aus dem Feuerkessel kvmmend oder dem lautenPulsschlag des Krieges entgegenstrebend, ruhlos und' unabsehbar." - l ' . ' s Mn Abenteuer in Jndochina. In Jndochina wurde, wie französische Blätter berichten, bei der Ankunft des Dampfers "Kiang-Ngai" in Haiphong die ganze Mannschaft unter der An­ schuldigung des Mordes verhaftet, und zwar auf das Ersuchen der Konsularbehörden von Packhoi auf die Anzeige eines englischen Beam­ ten der chinesischen Seezölle hin. Dieser war von Haiphong mit dem Dampfer abgefahren. Nach seinem Bericht hatte der Dampfer, als er den Fluß hinabfuhr, aus der Höhe der Strecke vün Dinh-Vu Halt gemacht, und eine chinesi­ sche'Frau war in einem kleinen Boot anLand gegangen, um kurz darauf mit einem anami ti­ schen jungen Mädchen zurückzukehren, das in einer Kabine eingeschlossen wurde. Der Euro­ päer war über den Vorfall' beunruhigt und fragte den SchiffsMrer aus, schlug ihm so­ gar vor das junge Mädchen zu kaufen. Aber Cein junges Mädchen an Bord gekvmmen wäre, der Chinese stellte hartnäckig! |n Abrede, daß Kurz daraus belauschte der 'Zollbeamte, der geläufig chinesisch spricht, eine geheime Zu- samimenkunft mehrerer Mann aus der Besatz­ ung, bei der davon die Rede war, ihn selber ebenso verschwinden zu lassen wie das junge Mädchen, um eine Anzeige zu vermeiden. Ter Engländer ging daraus in seine Kabine »nd schloß sich ein. Sein Revolver lag berett, und er war entschlossen, sein Leben im Falle eines Angriffes so teuer wie möglich zu verkaufen. In der Nacht hörte er furchtbares Hchxeien, dessen Ursprung nicht schwer zu erraten war. Da er jedoch allein war gegen die ganze chlne fische Besatzung konnte er es nicht wagen, dem bedrängten Mädchen zu Hilfe zu kommen. So­ bald er gelandet war, erstattete er dem fran­ zösischen Konsul in Packhvi einen Bericht über das Geschehene, und eine sosvrt angestellte Un­ tersuchung ergab, daß die Chinesen das unglück­ liche junge Mädchen entführt und in Stücke gehauen hatten, die sie ins Meer geworfen hatten. Bon Packhoi aus wurden, während der Dampfer inzwischen weitergefahren war, die Behörden in Haiphong benachrichtigt, die die Festnahme der Mörder veranlaßten. ! , ────────── Letzte Posten. . 440000 Tonnen im September versenkt. ! ! WTB. Berlin, 23. Oktober. (Amtlich) Im Monat September haben die Mittelmächte rund 440 000 Brutto-Register-Tonnen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschisssraumes vernichtet. Nach, neuen Nachrichten sind autzev■bem d'urch unsere kriegerischen Maßnahjmen weitere 36 000 Tonnen Schiffsraum schwer be­ schädigt In die feindlichen Häfen eingebracht worden. - / : r» Ter Chef des Admiralstabes der Marine. : s Tie Antwort der Regierung. ' Berlin, 23. Oktober. In der heuttgen Sitzung des Reichstages wird die Regierung laut "Voss. Ztg." zu den Erklärungen Stel­ lung nehmen, die die Redner der Polen, der ElMsser und der Dänen gestern abgegeben ha­ ben. I ! t s ■ ii ' ; , > Tier alliierte Kriegsrat. j ’ I Berlin, 23. Oktober. Wie französische $B$ätter melden, ist der alliierte Kriegsrat in Versailles in die Beratung der eventuellen Waffenstillstandsverhandlungen eingetreten, sür den Fall, daß der Antrag des Feindes jetzt durch Wllson erörtert werden sollte. D|e Beratun­ gen sollen bis Samstag dauern. An ihnen nehmen Foch und Haig persönlich! (eil. , i Kein amtlicher Kommentar. Washington, 23. Oktober. (Reuter.) Ein amtlicher Kosmmentar zu der deutschen Antwort liegt im Augenblick noch nicht tiorj Aber die nichtamtlichen Kommentare sind ein­ mütig ln den Hauptpunkten, daß der Friede nicht unmtttekbar bevorstehe und kein Waffensttllstand geschloffen werde, außer unter Be­ dingungen, die für immer die Macht des deut­ schen Wlitarismus zerstören, i f r i x - Aus dem Kongreß. | Washington, *23. Oktober. ' (Reuter.) Die übereinstimmende Ansicht int Kongreß, be­ sonders bet den Republikanern begünstigt die Beendigung der Verhandlungen mit Deutsch­ land. Tie SenatskoMmlssion für auswärtige Angelegenheiten tritt dafür ein, daß die Note der Entente vorgelegt werde, ehe Wilson ant­ wortet. r ! i ■ ; England will nicht. 1 ; WTB. Amsterdam, 22. Ottober. "Cen­ tral News" melden aus London: Man ist im brittschen Auswärtigen Amt der Ansicht, daß, da die deutsche Antwort an den Präsidenten Wilson gerichtet ist, der Präsident sich in erster Linie damit zu beschäftigen und darüber zu entscheiden haben wird,, ob sie an die assoziier­ ten Regierungen weitergeschickt werden roirib. Bis dieses Stadium erreicht wird, Ist es un­ erwünscht, Irgend eine amtliche Erklärung ab­ zugeben. Man betrachtet die Antwort als eine Angelegenheit, die für den Augenblick technisch nur die Vereinigten Staaten angeht. — "Cen­ tral News" zufolge wird sie als unbefri«di-> gend betrachtet. ES bestehe wenig Zweifels daß Sie mit Bestimmtheit zurückgewiesen werde. ────────── Bekanntmachung. Die Bayerische Lebensmittelstelle für Gemüse und Obst hat nachstehenden Erzeuger- anb GrMMbels-rels erlassen, wozu der Stadtmagistrat LandShnt noch die bis 31. Dezember 1918 giltigen Kleinhandelspreise — wie geschehen — festgesetzt hat: ────────── dem Pariser Rathaus die Zeichnung aus die neue Kriegsanleihe durch eine eigene Zeichnung, eröffnet. > ■ . Tic Entscheidung der Alliierten. Nach einem Bericht der "Teutschen Zeitung meldet der "Carriere della Sera" aus Paris?: Spätestens Ende kommender Woche wird die Klärung und endgültige Entscheidung der Al­ liierten zur Friedensfrage erfolgen. ; NorthcMfe «der die Note. ' Tie "Teutsche Zeitung" erhält aus dem Haag folgende Londoner Meldung: Die briti­ sche Presse hat eine Reihe Interviews über die deutsche Antwort veröffentlicht. Davon zi­ tiert Reuter ein Interview mit Lord Norkhcliffe. Tiefer sagte: Tie Antwort kann ent­ weder als ein Mittel angesehen werden, um Zeit zu gewinnen oder als ein Zeichen, daß, die militärische und politische Lage noch schlechter ist als wir in England wußten. Deutschland erwartet, daß Wilson keinen Waffenstillstand gutheiße, der mit der Ehre des deutschen Volkes unvereinbar sei. Die deutsche Regierung be- ’ zweckt, entweder die Bedingungen des Waffen­ stillstandes auszubeuten, um das Volk zürn, letzten, verzweifelten Widerstand aufzureizen pder sie bezweckt, Wilson als Vertrauensmann des deutschen Volkes aufzustellen. Am wenig­ sten ist die Ausrede über die deutschen Greuel­ taten zu Lande und zur See sowie über die frevelhaften Verheerungen befriedigend. Der Vorschlag, neutrale Unterfuchungskonchnissionen zu ernennen, ist lediglich, eine Ausrede. Auch die Ausrede, daß bereits ernsthafte innere Re­ formen stattgefunden haben, ist kaum der Er­ wägung wert. Wilson, der früher sich so fvirkungsvoll dagegen aufgelehnt hat, daß man ver­ sucht, ihn in Reden und Worten zu ersticken, wird auch diesmal ähnlich« Verfahren. Gr wird die deutsche Regierung zwingen, ohne Aufschub tzu erklären, ob sie tatsächlich! und bedingungslos kapitulieren will oder ob sie nur Zeit zu ge­ winnen sucht in der Hoffnung, daß ihre militä­ rische und politische Lage sijch inzwischen besIfetn werde. schlossenheit zur Wahrung der Interessen der Teutschen in Oesterreich- in den Grenzen der Mäßigung. In der Hauptsache tauft der ein­ stimmig gefaßte Beschluß darauf hinaus, daß die, Deutschen in Oesterreich, entschlossen sind, ihren Staat Deutsch-Oesterreich, zunächst in das Gefüge Des österreichischen 'Bundesstaates "einzuMießen. Sie sind zu diesem Zwecke bereit, in Ver­ handlungen mit den anderen nationalen Staa­ ten Oesterreichs einzutreten, aber sie behalten sich vor, weitergehende Beschlüsse ohne Rück­ sichten aus den österreichischen Bundesstaat zu fassen, falls die Haltung der anderen Völker dies unvermeidlich machen sollte. Es wurde außerdem beschlossen, die Wilsonsche Note so­ fort in Beratung zu ziehen und dem Vollzugs­ ausschuß ehestens Bericht zu erstatten. Ferner wurde beschlossen, die Konstituierung der deut­ schen Nationalversammlung den Regierungen der österreichischen Völker und dem Auslande mitzuteilen. Zum Präsidenten des deutschen Nationalrats wurde der sozialdemokratische Abgeordnete Volksschullehrer Saitz-Wien gewählt!. Der erste Vizepräsident Tr. Dinghofer ist Lan­ desgerichtsrat, Bürgermeister und ReichiZvatsabgeordneter in Linz. Zum zweiten Vizepräsi­ denten wurde der Vizepräsident der christlich­ sozialen Partei, der Landwirt Jodok Fink aus Vorarlberg gewählt. Ter deutsche National­ rat hat beschlossen, seine Tätigkeit sofort zu beginnen und an die Bildung einer deutschösterreichischen Regierung zu schreiten. Er stellt sich mit diesem Entschluß aus' einen an­ deren breiteren Standpunkt als die Wiener Regierung. Diese hat die Nationalräte nur als Ausschüsse der Abgeordneten der betreffen­ den Nationen aufgefaßt, während die Teutschen ihren Nationalrat als eine in Entstehung be­ griffene Nationalversammlung ansehen, wobei sie jedoch ihre Bereitschaft erklären, sich, einem Staatenbunde aus dem Boden des alten Oester­ reich, anzugliedern. Von entscheidender Bedeu­ tung für die weitere Entwicklung der Sach­ lage in Oesterreich wird es nun fein, ob sich die anderen Nationalräte zu Verhandlungen mit der künftigen Regierung Deutsch-Oester­ reichs über die Errichtung eines Staatenbundes herbeilassen,werden. ! Kundgebung des neuen Statthalters der Reichslande. Ter neue Statthalter von ElsaßLothringen, Tr. Schwandet, ist mit einer Kund­ gebung des Willens der ..Elsässer hervorgetre­ ten. Bei dem Empfang der Beamten des Mini­ steriums erklärte der Statthalter: Das mögen alle wissen: Die Selbständigkeit, die dem Lande jetzt nach langem Warten zuteil wird, werde es sich nie -wieder nehmen lassen. Die Regierung Z hat beschlossen, den Landtag innerhalb der nächsten 14 Tage einzuberufen. , [ X Ans Esthland Livland Kurland. 1 ! Estlaiw und Livland. Riga, 22. Oktober. Dem Vorsitzenden des vereinigten Landrates von Estland und Liv­ land, Riga und Oefel, Baron Pilar-Pilchau» wurde die vom Kaiser vollzogene Urkunde überireicht, wonach, nachdem Rußland auf 'die Staatshoheit über Estland und Livland ver­ zichtet hat, diese Gebiete im Namen des Deut­ schen Reichet als frei, und selbständig anerkannt werden. Tages-Übersicht. Im Reichstag knüpfte sich! vorgestern an die Rede des Kanzlers eine Besprechung, in der der Abg. Herold (Z.) die neue Regierung als ausführendes Organ des Volkswiller be­ zeichnete. Die vorliegenden Gesetzentwürfe hält er nicht für genügend. Abg. Ebert (Soz.) bil­ ligt die Antwort auf Wilsons Fragen. Auch, ihm gehen die Gesetzentwürfe nicht weit ge­ nug. Den Frauen müssen politische Rechte verliehen werden. Er bekannte sich zur Lan­ desverteidigung, so lange es nottut. Abg. Naumann (Fr. Vpt.) meinte, die Zerstörung einer solchen Nation der Arbeit und des Den­ kens, wie die deutsche ist, ist nicht möglich^, aber mit uns in Frieden zu leben, das geht, wenn unsere Gegner es wollen. Abg. Stresemann (natl.) belligt den Friedensschritt der Re­ gierung und spricht gegen die bisherige Geheimräterei. Wenn das Geschick unseren Un­ tergang beschlossen hat, so kann er nur so sein, daß wir vor der Geschichte bestehen können! Wir müssen den Platz nach innen und außen be­ halten, der uns nach unseren Leistungen und nach, der GeschiWe zukommt. (Lebh. Beifalls Abg. Graf Westarp (kons.) sieht in der jetzigen Entwicklung eine verhängnisvolle Wendung und lehnt die Verantwortung für die Folgen der Entwicklung ab. Wir müssen festhalten an der Unversehrtheit des Reichsgebietes, auch! im Osten. Er beantragte Erhöhung der Mannschastslähne und OffiziersgehMer und schloß: Rust die Regierung das Volk Kur Fortsetzung des Kampfes auf und Macht es ihm klar, wo­ rum es gvht, so stehen wir hinter ihr. Keinen Frieden der Kapitulation, keinen schmachvol­ len Frieden werden wir amrehmsn wollckn und brauchen. (Beistrll.) H ! ! i Tentsch-Oesterreich et» eigener Staat. Tie Deutschen in Oesterreich hoben sich, zu gemeinsamÄn Handeln zusammengeschlossen und einen deutschen Nationalrat gäbÄdet. In der §rööffnnngssitzung des deutschen Nationalrates hielten sich die Redner dev berjtfytebenen Par­ teien bei aller ymt Ausdruck- gebrachten Ent­ Revolution i« Sofia? j ‘ Reuter meldet aus London: Die englischen Stattet veröffentlichen einen Bericht aus Ko­ penhagen, nach welchem Telegramme aus Wien und Rußland eingetroffen seien, die besagten, daß in Sofia eine Revolution ausgebrochen sei. Blutige Straßengefechte zwischen bolHewiki scheu Arbeitern und Truppen und der Po­ lizei fänden statt. Mehr als 300 Personen feien getötet worden. . 1 , Vom westlichen Kriegsschauplatz. Kämpfe an HollanM iÄirenze. ' ! Tie "Teutsche Zeitung" meldet aus dem, Haag: Aus Aardenburg wird gemeldet: UM halb 6 Uhr wurde aufs Neue Alarm geschla­ gen. In der Nähe der belgischen Grenze sind große Gefechte im Gange. Die holländische Grenzwache wurde verstärkt. Rote Kreuz-Wa­ gen stehen für jeden Fall bereit. M : ( i ! Der "Nieuwe Rotterdamsche Eourant" er­ fährt: Bei Sluis an der Grenze von Seeländisch-Flandern wird ernstlich gekämpft. Zwär handelt es sich hier nicht um große Heere, immerhin sind es doch, NachHutgefelhte. Die Deutschen haben Stellung bei Cede Unter dem Abwässerungskaual der Lhs bezogen,, s Ti» Alliierten beobachten die größte Vvrsicht beim Vorrücken, well die Deutschen heftigen Wi-, verstand leisten. Namentlich Marinesoldaten decken den Rückzug. Am Sonntag abends nah­ men die Gefechte an Breite und Ausdehnung zu. Viele Mannschaften der Alliierten sind gefallen. Die Kugeln fliegen Wer das hollän­ dische Gebiet. Den Teutschen gegenüber stehen Engländer und Belgier. Tie Haltung der deut­ schen Nachhut ist bewundernswert. Die Teut­ schen sind entschlossen, weiterzukämpfen. Die Teutschen bieten den Flüchtlingen Gelegenheit, die Grenze zu überschreiten. Gestern mittags gelang es den Alliierten, den Leopvldkanal 3 Meilen westlich von Stroobrügge zu Wer­ schreiten, sie wurden aber innerhalb einer Stunde wieder aus das ändere Ufer zurückge­ worfen. : : | i Belgische Flüchtlinge in Holland. WTB. Amsterdams 22. Oktober. Den Blättern zufolge kamen heute wieder einige tausend Flüchtlinge über die belgische Grenze. Am Balkan. Der Luftkrieg. Fliegerangriffe auf die Pfalz. Landau, 22. Oktober. Gestern abends zwischen 9 und 10 Uhr versuchten mehrere feindliche Flieger, die offenen Städte Mann­ heim und Ludwigshasen anzugreifen. Unsere im Verein mit Scheinwerfern vorzüglich! wir­ kende Flaksperre verhinderte sie jedoch, über das Weichbild der Städte vorzudringen. Die abgeworfenen Bomben gingen sämtlich in der näheren und weiteren Umgebung nieder. Nur in einem Falle wurde geringer Sachschaden angerichtet. Ueber Personenschaden ist nijistS gemeldet. Auch* die offene Stadt Kaiserslau- * terrt wurde heute nachts von mehreren feind- j lichen Fliegern angegriffen. Tie abgeworfenen 1 Bomben verursachten Sachschaden in der Stadt. Leider wurde auch ein Mädchen getötet und eine Frau verletzt. Ferner sielen bei Hettenleidel­ heim einige Bomben aus freies Gelände, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. Allerlei. 1 700 Millionen Mark Spareinlagen in ^ Berlin. Ter Betrag der Spareinlagen der Berliner Sparkasse hat jetzt die Riese nsumme von 700 Millionen Mark erreicht. Zu Beginn des Krieges waren es 393 Millionen Mark. Waren int Werte von 430000 Mark wur­ den von Einbrechern in Berlin erbeutet. Im Kaufhaus von Engel in der Landsberger Straße stahlen Diebe für 300 000 Mark Seidenwaren; für 150 000 Mark Pelzwaren wurden bei dem Kürschnermeister Ruß in der Püschingstraße gestohlen. " Bayerische Nachrichten. Reformen in Bayern. Zurzeit finden ver­ trauliche Besprechungen der Parteien der Ab­ geordnetenkammer statt, in denen Grnndzüge für Reformen in Bayern vereinbart werden sollen. Die "M. N. N" können aus den Be­ sprechungen bereits einzelnes mitteilen, dem wir entnehmen: Die Verhältniswahl soll ein* gef ührt werden. Es sollen acht Wahlkreise nach! Im Kreisgrenzen gebildet werden, außerdem sollen die größeren Städte 14 Wahlkreise für sich bilden. Die Zahl der 163 Abgeordneten bleibt. Die Reichsratskammer soll durch! Präfenttftion von Körperschaften 30—40 lebens­ längliche Mitglieder erhallen. Die Partamentadffmmg soll dadurch zrOaNdekvmmen, daß