Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-25. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 292, 1918-10-25. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Lok.-Anz. zufolge aus Washingjton: 1 i r l Das Auswärtige Amt,iu Washington hat folgendes veröffentlicht: 1 , Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger der Schwerz, mit derWahrnehmung der deutschen Interessen in derUnion betraut: ( (l ^" i Auswärtiges Amt, 23. Moder 1918 Mein Herr! In Berücksichtigung der Mit­ teilung der deutschen Regierung vom 20.OLtober, welche Sie übermittelten, beehre ich wich, Sie zu benachrichtigen, daß, der Präsident mich beauftragt hat, folgendes zu antworten: Nachdem der Präsident der Bereinigten Staaten die feierliche und klare Erklärung der deutschen Regierung erhalten hat, daß,sie rück­ haltlos die Friedensbedingungen annimmt, die in seiner Botschaft vom 8. Januar 1918 an den Kongreß der Vereinigten Staaten nieder­ gelegt "sind, sowie die Grundsätze einer Rege­ lung, welche in den folgenden Botschaften be­ kundet wurden, namentlich in der Botschaft vom 27. Dezember, und daß die deutsche Re­ gierung wünscht ,Die einzuleitenden "Schritte bezüglich 'ihrer Anwendung (oder Durchsüty rmtg) zu besprechen, und daß ihr Wunsch! und ihr Zweck nicht seitens derjenigen erfolgt, die bisher Deutschlands Politik diktierten und den bisherigen Krieg im Namen Deutschlands führ­ ten, sondern seitens einer Regierung, welche die Mehrheit des Reichstags vertritt und für die überwältigende Mehrheit des Reichstags spricht; nachdem der Präsident außerdem! das weitere Versprechen der deutschen Regierung erhalten hat, daß die Gesetze der zivilisier­ ten Welt sowohl zu Wasser als zu Lande von den Streitkräften der Gegner beobachtet wer­ den sollen, empfindet der Präsident, daß er nicht länger verweigern kann, mit den Regie­ rungen mit denen die Vereinigten Staaten ver­ bündet sind, der Frage eines Waffenstillstandes näherzutreten. i t i , Er hält es aber für seine Pflicht, neuer­ dings zu erklären, daß der einzige Wasfenstellstand, den er sich vorzuschlagen ermächtigt fühlt, nur ein 'solcher sein Wnnte, welcher Die Vereinigten Staaten und die mit ihnen verbün­ deten Mächte in einer Lage lassen würde, um den Abmachungen, die getroffen werden könn­ ten, jene Kraft beizulegen, die eine Wieder­ aufnahme der Feindseligkeiten seitens Deutsch­ lands unmöglich! wachen würde. Der Präsi­ dent hat folglich seinen Notenwechsel mit denen die Regierung der Vereinigten Staaten als Mitkämpfer alliiert ist, übepnftttelt, mik dem 'Vorschlage, daß falls diese Regierungen ge­ zeigt sind, den Frieden zu den angegebenen Bedingungen und Grundsätzen zu bewerkstel­ ligen, ihre bisherigen Ratgeber und die militärischeu Ratgeber der Vereinigten Staaten einzuladen, um Mit den gegen Deutschland alliietten Regierungen die notwendigen Bedin­ gungen eines solchen Wasfenstillstandes zu un­ terbreiten, der Me Interessen der betreffen­ den Völker vollständig wahren würde und den alliierten Regierungen das unbe sch ränkteRecht zur Sicherheit der Einzelheiten eines Friedens, mit denen die deutsche Regierung sich einver­ standen erklärt hat, zu verbürgen und durchzu­ setzen, vorausgesetzt, daß sie einen Waffen­ stillstand für möglich halten. Eine Annahive durch, Deutschland würde beA tieftest utfB kon­ kreten Beweis der unzweideutigen Annahme der Bedingungen und Grundsätze deK Friedens seitens Deutschlands bieten, woraus die deut­ sche Friedensckktion entspringt. Ter Präsident fühlt, daß! er stellst nicht ganz aufrichtig wäre ,wenn er nid# betonte, und zwar in möglichst aufrichtiger Norm, aus welchen Gründen außerordentliche Sicherheit verlangt werden muß. So bedeutungsvoll und wichttg die Verfassungsänderung auch zu sein scheint, welche der deutsche Staatssekretär des Aeußern in seiner Note ausspricht, scheint es doch, daß das Prinzip einer Regierung, welche dem deutschen Volke verantwortlich, ist, bis heute noch nicht völlig ausgesprochen wurde, oder daß irgendwelche Garantie besteht oder erwogen wird, daß die Aenderung des Grund­ satzes oder der Durchführung, über die jetzt eine Uebereinstimmung erreicht wurde, dauernd sein wird. Außerdem tritt nicht klar zutage, ob der Kern der gegenwärtigen Schwierigkeiten getroffen ist. Es ist mögljch, daß künftige Kriege jetzt unter Kontrolle gestellt werden. Aber der gegenwärtige Krieg, der jetzt zur Diskussion steht, war es nicht. Es ist klar, daß das deutsche Volk kein Mittel besitzt, um zu befehlen, daß die deutschen Militärbehörden sich! dem VolksWillen zu unterwerfen haben und daß die Macht des Königs von Preußen, die Politik desReiches zu kontrollieren, noch! uner fff füttert ist, daß der entscheidende Militarismus noch! immer in den Händen derjenigen siegt, die bis jetzt die Herren in Deutschland waren. 1 , In dem Gefühl, daß die ganze Welt jetzt davon abhängt, daß klar gesprochen wird und alles von dem aufrichtigen Und geraden Ver­ langen abhängt, betrachtet es der Präsident als seine Pflicht, ohne auch! nur zu versu­ chen, irgend etwas schroff klingendes zu mil­ dern, zu sagen, daß die Völker der Welt kein Vertrauen haben können zu den Motten der­ jenigen, welche bisher die Herren der deutschen Politik gewesen * sind, und abermals zu be­ tonen, daß beim Fttedensschluß und bei dem! Versuch, die endlosen Beleidigungen und Un­ gerechtigkeiten dieses Krieges ungeschehen zu t machen, die Regierung der Vereinigten 'Staa­ Feindliche Angriffe in Flandern. — Belgische Einwohner beteiligen sich am Kampfe. Englische Angriffe anf 30 Kilometer Breite bei Solesnes und Le Cateau — Amerikanische Angriffe an der Maas abgewiesen. — Rücktritt des ungarischen Ministeriums. — Militärputsch der Kroaten in Fiume. Unruhen in Agram. Wilsons Antwort. ten mit feinen als mit denjenigen Vertretern des deutschen Volkes verhandeln kann, welche Sicherheit über eine verfassungsmäßige Hal­ tung bieten, als wirkliche Beherrscher Deutßchjlands. Wenn mit den militätischen Beherr­ schern und der monarchischen Autorität, wel­ che Deutschland jetzt hat, verhandelt werden müßte, oder wenn nur die Aussicht bestände, daß wir mit ihnen später zu tun haben bei den internationalen Verpflichtungen des Teut­ schen Reiches, dann darf DeutMand keinen Frieden verlangen, sondern muß sich ergeben. Es kann nichts dabei gewonnen werden, ivenn diese eventuellen Dinge unausgesprochen blei­ ben. Gformfimtmui @(tp hp" äTitShrmf meiner Hochachtung > l ~ f - -, Lansing» i Die Heeresberichte. 9er taufte Herum. WTB. Berlin, den 24. Oktober, mittags. Großes Hauptquartier: ZSestlicher KriegSschauplstz'. In der Lhsniedernng dauern Teilkämpse an. > ( ' Südwestlich von Teinze schlug die seit dem 14. Oktober täglich im Kampfe bewährte 52. Reservedioision unter Generalleutnant Waldors erneute Angriffe des Feindes an der Bahn Teinze—Warregem ab. Beiderseits von Pichte setzten wir uns in letzter Nacht vom Gegner etwas ab und schlu­ gen den Feind, der gestern in der Gegend von Kattestrat angriff, zurück. Aus feindlicher! Seite haben sich belgische Landeseinwohner an diesen Kämpfen beteiligt. > Tournai und Balenciennes lagen unter englischem Feuer. Bei Tournai und in der Scheldeniederung erfolgreiche Vorseldkämpss. Beiderseits von Solesnes und Le Eateau nahm der Engländer mit sttsch eingesetzten Divisio­ nen aus fast 30 Kilometer breiter Front seine mit großen Zielen angesetzten Angriffe wieder aus. Am Harpiesrand ist der erste Ansturm! am frühen Morgen gescheitett. In wiederhol­ ten Angttsfen stieß er im Lause des Tages beiderseits von Ormies bis in Gegend von St. Mattin und Solesnes und mit Teilen aus Berdignes vor. ! ( In der Mitte der Sch lacht front braschten wir den beiderseits der Römerstraße Le Cateau—Bavais angreifenden Feind in der Linie Poi—Boueios zum Stehen. i Südlich von Vouziers haben die schon in den letzten Schlachten besonders bewähtten Radsahrertruppen weiteres Vordringen des Geg­ ners verhindert. t l i f, i 1 1 1 ────────── Südöstlich von Be Cateau sind mehrfache Anstürme des Gegners völlig gescheitert. t Zwischen Pomteereuil und Cotlllon konn­ ten schlesische, holsteinifjhp, mecklenburgische, hanseatische und Württembergische Regimenter gegen die gewaltige stleüermacht ihre Stellun­ gen behaupten. Das Füsilier-Regiment Nr. 121 unter seinem Kommandeur Oberst von Alberti hat hier besonderes geleistet. i Südlich von Cattilvn blieb der gegen den Chambre—Oisekanal vorbrechende Angriff vor diesem ,in unferejml Feuer Tiegen. , , Zwischen Oise und Serre teilweiser Ar­ tilleriekampf, dem auch, am Nordufer der Serre feindliche Angriffe folgten. Sie wurden in unserem Feuer und durch, Gegenstoß abgewie­ sen. ( < Teilkämpfe des Gegners gegen den Souchezab schnitt nördlishj von Bouchrepont schei­ terten. i 1 i Das eng, bewohnte und mit Flüchtlingen angefüllte Monte Ornet liegt unter starkem französischem Feuer. > ! i 1 1 ''Westlich der Aisne beschränkte sschi der Feind gestern auf' sehr starke, durch, heftiges «Feuer unterstützte TeiMmpse. Bayerische und Württembergische Pioniere haben die 'Höhen nordöstlich von Vouziers gegen viermaligen An­ sturm gehalten. Oestlich von Vouziers haben sich in den letzten Kämpfen Teile der 1. Garde­ division unter Major Graf von Eulenbursg besonders hervorgetan^ l Zwischen Olisy und Grandpre schlugen elsaß-lothringische, Württembergische und hes­ sische Regimenter feindliche Angriffe ab. Die Hauptlast des Kampfes trug das JnfanterieMegiment 17, Las sich wiederum unter seinem Kommandeur Major Stebbe besonders be­ währte. . 1 > Aus beiden Maasüfern nahmen die An­ griffe der Amerikaner wieder größeren Ute* sang.an. ' , i ' 'fi Aus den Wäldern von Bantheville und nördlich von Cunel stießen sie mit starken Kräften und von Panzerwagen begleitet gegen imfovo Qitrto« teor. Voitrhptt und erlitten in unserem zusammengefaßten Feu­ er besonders schwere Verluste. j i 1 Oestlich der Maas dauerten heftige Käm­ pfe um die Waldhöhen beiderseits der Stra­ ße Con senv ohelVarvillers bis zum Abend an. In harten Kämpfen und in erfolgreichen Ge­ genstößen warfen brandenburgische und hessi­ sche Bataillone den mehrfach anstürmenden Amerikaner zurück. ' • Südöstlicher Kriegsschauptatz. . In heftigen GebirgsNmpfen haben un­ sere Nachhuten das Beziehen neuer Stellun­ gen beiderseits von Baratschin gesichert. t Der l. akeeealiFarttmneifleeit « WTB. Berlin, 24. Oktober. Amtlicher Abendbericht: > 1 Erfolgreiche Teilkämpfe in Flandern. Oest­ lich Solesmes und Le Cateau scheiterten erneute schwerste Angriffe der Engländer; sie blieben auf örtlichen Geländegewinn beschränkt. Bon den anderen Fronten nichts Neues. 1 1 ~ Staatssekretär Erzberger über die Kriegsanleihe: Je mehr Kriegsanleihe, desto näher der Frieden. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 24. Oktober, mittags, Amtlich; wird gemeldet: ! AtallenisHer ArlegsfHanplatz. i Gestern wuchs im Abschnitt zwischen Bren­ ta und Piave und im Montellogebiet das feind­ liche Artillerieseuer zu großer Heftigkeit an. Auch sonst entwickelte die feindlichen Battorten lebhaftere TätigiM. | h 1 , s, f i Balkankriegsschauplatz. ' I Stärkerer feindlicher Druck aus dem Rau. me von Zajecar veranlaßte uns, die Front | der Verbündeten aus Jagodina zurückzuneh­ men. Hier wurden stärkere serbische Angriffe abgeschlagen. < t'xt Chef de» Generalstav». ────────── Das Friedensangebot. Englands und Frankreichs Wünsche. Ein Mitarbeiter der "Daily Chrpnicle" macht auf die lange Dauer der Verhandlun­ gen im Kwegskabinett aufmerksam. Tie Mit­ tagssitzung habe über 6 Stunden gedauert. Es scheint, daß England es für notwendig hält, daß die Auslieferung der Tauchboote ein Un­ terteil der Bedingungen für einen Waffenstill­ stand sein werden. Tie Abtackelung der Hoch­ seeflotte wird nicht mehr für notwendig er­ achtet. Frankreich besteht auf Räumung der beiden verlangten Provinzen als Bedingung für einen Waffenstillstand. Trotzdem in Wa­ shington, London und Paris noch Meinungs­ verschiedenheiten bestehen, ist man sichj über die Hauptsachen einig. Ueber die Frage der Freiheit der Meere, wie sie Wilsons.Pro­ gramm vorsieht, bestehen noch Meinungsver­ schiedenheiten. Amerikas Widerstand gegen das Recht der Tuvchsrtzlung und der Blockade sei mehr scheinbar als wirklich. Bezüglich! des militärischen Zustandes wird bemerkt, daß, das große Gebiet, welches der Feind auf seinem Rückzüge geräumt hat, die Schwierigkeit der Verfolgung vergrößere, da die Eisenbahnen wiederhergestellt und Material, Kanonen und Lokomotiven herbeigeschafft werden müßten Die Vorbereitungen auf einen neuen Angriff aus die neuen Stellungen der Teutschen werden ein langsamer Prozeß fein. ’ t Englands Friedensbedürfnis. 1 Von geschätzter Seite erhielt die "Köln. Ztgp" Prrivatbriese, die über die Siimlmün^ im englischen Volk ausgezeichnet unterriMet sind *ctnb> Seren Verfasser dem englischen aus­ wärtigen Amt nahestehen. Darnach ist die Friedenssehnsucht im englischen Volk ebenso groß wenn nicht noch, größer als in TeutUß land. Das englische Volk will den Frieden und weiß ihn gegebenenfalls auch bei der Regier­ ung durchzusetzen. Zwei deutsche Kaufleute aus Kiel, die vor Kriegsausbruch bei englischen Großfirmen tätig waren, erhielten durch die Schweiz den Auftrag, sich sofort nasch, der 1 Schweiz zu begeben, um gleich nach, Friedens­ schluß sich ihren früheren Auftraggebern (eng­ lische Textilsirmen) wieder zur Verfügung zu stellen. Tie deutschen Kaufleute sind bereits nach der Schweiz abgereist. Wilsons Ausgabe. i Berlin, 24. Oktober. Von beachtens­ werter Seite wird dem DTP. erklärt: Wilsons große, wellgeschichtliche Aufgabe wird es nun sein, zu zeigen, ob er den Rechtsfrieden wirklich und ebenso ehrlich wie die deutsche Regierung will und ob er ihn gegen die feindlichen Kriegs­ hetzer durchzusetzen vermag- Deutschland hat den Weg für diesen von der ganzen Menschheit ersehnten Rechtsfrieden durch! Zugeständnisse freigemacht, die jeden Gegner befriedigen müs­ sen, der nicht unser Recht auf nationales Da­ sein und nationale Ehre verneint. i | Gegen «Mo« "Daily News" deutet an, daß es erregte Auseinandersetzungen im amerikanischen Se­ nate gegeben habe und daß Wilsons Antwort eine tiefe Kluft zwischen ihm und der öffent­ lichen Meinung aufgedeckt habe. Offen sicht-! lich bedeutet Wilsons zweite Antwo« einen Rückzug vor diesen Einflüssen. ────────── Holland ums der Wacht ' '' ' Der holländische Premierminister legte vorgestern mittags in der 2. Kammer folgende Erklärung ab: Jetzt, da der Krieg in die un­ mittelbare Nähe unseres Festlandes gekommen ist, ist die Möglichkeit, daß Truppen der krieg­ führenden Mächte unser Gebiet betreten wer­ den, viel größer geworden. Dadurch hat sichj eine Aenderung der Lage ergeben, wodurch, für die Erfüllung unserer Pflicht, unsere Neu­ tralität gegen jede Verletzung, von welcher Seite auch immer sie komme, energischj auf­ recht zu erhalten, schwere Anforderungen an uns gestellt werden. Mit Rücksicht darauf ist die Regierung der Ansicht, daß es sichj in kurzem als notwendig erweisen könnte, die Stärke un­ serer Wehrmacht wieder auf einen höheren Stand zu bringen als den gegenwärtigen. Zur Vorbereitung dieser Erhöhung unserer Wehr­ macht ist deshalb Befehl gegeben worden, alle Urlaube rückgängig zu machen, mit besonderen Ausnahmen. Aus neutralen Ländern. ────────── Ein Putsch der kroatischen Truppen. Das Ersatzbataillon des 59. InfanterieRegiments, das durchweg aus Kroaten besteht, hat sich, verstärkt durch, die kroatische Bevöl­ kerung, aller öffentlichen Gebäude in Fiume bemächtigt, die Honvedkaserne gestürmt, die Honveds überwältigt und entwaffnet. Dich Polizei würde nach einem Kämpf in den Stra- f ßen in die Flucht geWagen. Die Eisenbahn-, linie Fiume—Telnidze ist unterbrochen. In Utigarn ist das Ministerium Wekerlei unter dem Eindruck der Militär'revolte in! Fiume zurückgetreten. Es wird mit der Bil-! düng eines Kabinetts Karolhi gerechnet. Ka-^ rolhi ist das Haupt der ungarischen Unabhängtgkeitspartei. Er verlangt vollständiges ,Selbständigkeit Ungarns und sofortigen Frie­ densschluß,. I 1 1 | ! | ( ihrer Bedeutung zukommende Vertretung er­ halten; c) sofortige Einführung des Vorkaufs­ rechts bei allen GüterverGusen von Gütern über 100 Hektar zugunsten des Staats zum Zwecke der Gewinnung von Siedlungsland für bäuerliche Siedler; b) Einbeziehung der Land­ arbeiter fn das Arbeitskammergesetz zumZwekke der vollen Gleichberechtigung. Eine verbotene Friedens, ersamwlnng!. Die deutsche Friedensgesellschaft hatte für vorge­ stern eine Versamwllung ich, Lehrervereinshaus in Berlin einberufen, in der Professor Dn-' Quidde-München über Weltsriede und Völ­ kerbund sprechen sollte. Der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft Pastor Franck, teil­ te mit, daß Professor Dr. Quidde durch Land­ tagsoerhandlungen am Erscheinen verhindert! sei. An seiner Stelle sollte Helene Stöcker, sprechen. Die Polizei wollte die Versammlung. nicht stattfinden lassen angeblich! wegen anmeldung. Diese Behauptung ist aber durch- ' aus unrichtig. Auch, die Absicht der Teilneh-, mer, die Versammlung als geselliges Zusam-1 men sein stattfinden zu lassen, wurde von der, Polizei verhindert. Die "Vossische Zeitung" schreibt dazu: Nach, dem vorliegenden Bericht hat es zum 'mindesten den Anschein, daß, zwi­ schen Herrn von Oppen und der Reichslei­ tung erhebliche Meinungsverschiedenheiten nicht nur bezügliche der Handhabung des Belagerungszustcmdsgesetzes, sondern auch bezüglich! der Friedenssrage bestehen. Der Herr Polizeiprä­ sident führt Krieg sogar gegen das Auswärtige Amt. Man darf wohl hoffen, daß, seine vor­ gesetzte Behörde auf den Standpunkt der Reichsleitung treten und für die einst so belieb­ te Homogenität auch bei den Nachgeordneten Stelle n sorgen wird. , ! Zu Teinonsiratiouen kam es bei der An­ kunft Liebknechts in Berlin. Die Polizei muß? te einschreiten. , i ! ( : Tie Aenderungen in Sachsen. Wie die "Dresdner Volksztg." erfährt, werden Finanzminister Dr. v. Seydewitz und Kultusminister Beck zurücktreten. Ueber die Neubesetzung ihrer Posten sind noch, keine Beschlüsse gefaßt- Fer­ ner soll die Schaffung eines Arbeitsministeri­ ums bestimmt ins Auge gefaßt sein und dessen Leitung einem sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten übertragen werden. j Sic Teutschen in Ungarn. Im öfter reicht- , scheu Abgeordnetenhause verlangte Lodgmannl das Selbstbestimwungsrecht für die Teutschen in Ungarn. ,/ 1 Tie Verlegung der Prager deutschen Hoch^f schulen. Für die Verlegung der deutschen Uni-) versität und der deutschen technisiern Hoch-; schule aus Prag, worüber dieser Tage das Professorenkollegium mit Rücksicht auf die pv-1 litische Entwicklung beraten hat, kommt, wie' verlautet, ausschließlich, die deutsche Stadt Aussig litt Nordböhmen in Betracht. ‘ ────────── Niederbayerische Nachrichten. Deggendorf, 22. Oktober. Megen Schwarz'schlachtung und Vergehens gegen die Reichs-1 !getreideordnung wurde der Gastwirt und Metz-! ger Johann Huber von Plattling von der hie-, jftgett Strafkammer zu einer Geldstrafe von |1500 Mark, sowie zur Tragung sämtlicher Ko-! jften verurteilt. Bei vorgenommenen Haus-! suchungen wurden u. a. ca. 30 Zentner Wer-' Izenmchl und 49 Pfund Schweineschmalz be­ schlagnahmt. 1 ' ' | Falkenbcrg, 22. Oktober. (Tödlicher"sin-' fall.) In Geiersberg wurde die Häuslerfin Deutler beim Abbruch eines Stadels von einem herabfallenden Balken getroffen, wobei sie Per-, letzungen am Unterleib erlitt, die den Tod herbeiführten. 1 I l ' ( ! ────────── wurden, wird mitgeteilt, daß die hier verbrei­ tete Nachricht, daß, OesterreWUngarn einen Waffenstillstand abgeschlossen hätte, auf völlig freier Erfindung beruht. i , , , j i Tie Meuterei in Fiume. ~ I Budapest, 24. Oktober. Tie in Fiume meuternden kroatischen Soldaten hielten die ganze Nacht hindurch! die Hauptpunkte der Stadt besetzt. Der Staatsbahnhof wurde zer­ stört. Ter Mob aus den Vorstädten veranstal­ tete gemeinsam Mit den Soldaten Raubzüge und Plünderungen. Soldaten der anderen Na­ tionalitäten machten gemeinsame Sache mit den Kroaten und beteiligten sich an den bolschjewiki scheu Raubzügen. ! l . , i I Budapest, 24. Oktober. Halbamtlich wird aus Fiume gemeldet: Die Ordnung in der Stadt ist volkkommien wieder hergestellt. Un­ garische Truppen sind in der Stadt eingezogen, welche die Aufrührer vollkommen hinausdräng­ ten. i ! i , ! t i | ! j ’ ; 1 Unruhen in Agram!. ! I i Wien, 24. Oktober. Auch, i,n Agram soll es zu heftigen Demonstrationen und Unruhen gekommen sein. Schon am Wontag war dopt aus dem Betriebsgebäude der ungarischen Staatsbahnen die kroatische Fahne gehißt. Un­ garische Firmentaseln wurden abgerissen. Im Cafe Corso wurden vier dort anwesende Of­ fiziere, die sich, weigerten, beim Abspielen der kroatischen Nationalhymne aufzustehen, mit Bierflaschen und Gläsern beworfen, worchuß auch' einer von ihnen den ,Säbel zog. Es fiel auch ein Revoloerschnß. Es gelang den Offt^ zieren schließlich!, sich zu entfernen. Letzte Posten. Vertrauensvotum für beit Kanzler. j Berlin, 24. Oktober. In der heutigen Reichstagssitzung wurde das Vertrauensvotum für den Reichskanzler in namentlicher Abstim­ mung Mit 193 gegen 52 Stimmen bei 23 Stimmenthaltungen angenommen. 1 IV i Kundgebung im preußischem Herrenhaus. > Berlin, 24. Oktober. Im preußischen Herrenhaus erwartet mau naach den Blättern heute eine größere Kundgebunsg als Bekenntnis zum angestammten Herrscherhaus und zur Ver­ teidigung der Unversehrtheit des preußischen «Vaterlandes. ; ~ i ; : Kein vsterreichiWj-uugariß hier Waffenstillstand, j Berlin, 24. Oktober. Tie österreichische ungarische Botschaft bittet um Verösfeulijchjung folgenden Dementis: Auf Grund von Erkundi­ gungen, j)ie an maßgebender Stelle eingeholt ────────── Viertel mit dem Dezember-Petroleum von den Gesellschaften abgeliefert werden. ! ! f i j '—* Liberale Vereinigung Lands-, Hut u. U. Morgen Samstag abends 8 Uhr Zusammenkunft im .Sterngarten. ! [ > i —* Die Lebensmittelmarken wer­ den morgen in den 15 Abgabesteller verteilt«. > —* Eingebrochen wurde heute Nacht im Kiosk am schwarzen Weg und mehrere Gegen- { stände daraus entwendet. Ter Täter ist noch nicht ermittelt. 1 —* Die Grippe nimmt nun auch bei uns größere Ausdehnung an. "Meist sind "es Kinder, die davon befallen werden, doch nimmt die Kräkheit meist einen leichten Verlauf. den HReparaturzeicheo, bns aus Buchstaben oder geometri­ schen Zeichen besteht, denen die laufende Nummer der Reparatur angefügt ist, in den Hinteren Deckel der Uhr eingeritzt. Die Bedeutung dieser Reparaturzeichen zum Zwecke der Nachforschung wird durch sechs umfangreiche Listen solcher Reparaturzeichen aus Uhren unbekannt gebltebeuer Gefallener klar, welche jble Zentrale für Nachlaßsachen in Berlin der ^,Uhrmacherwoche" beigelegt hat, damit sich alle deutschen Uhrmacher an der Ermittelung beteiligen, indem sie gegebenenfalls Mitteilungen machen, wem eine Uhr gehört, in der Rlparaturzeichen gesunden worden .sind. Von diesem. Vorgang darf die Aufklärung 'Dieter Schicksale erwartet werden, und die Angehörigen von Vermißten haben an dem vollen Gelingen dieser Aufgabe ein hervorragendes Interesse. —* Der Viktualienmarkt war sehr' schlecht beschickt. Wenig und nur geringwerti­ ges Obst, einige Körbe Zwiebeln, geringe Men­ gen Waldschwtämme und Waldbeeren bildeten den Hauptbestand des Marktes. Nur Weißfrüben waren in großer Masse vorhanden und zu etwas billigerem Preise als in d«: Vorwoche zu haben. Der Kaninchenmarkt war mittel­ mäßig bestellt. AM Krautmarkt in der Neu­ stadt waren einige Wägen mit Kraut angefah­ ren die rasch Abnehmer fanden, f —* Die Antwort Wilsons liegt nun vor. Sie bedeutet einen Fortschritt insoferne, als Wilson die deutsche Forderung nach! Einern Waffenstillstand jetzt den Alliierten Wergeben will. Schwere Bedenken allerdings muß! die Forderung auslösen, daß der Waffenstillstand ein solcher sein müsse, der Amerika und die Alliierten in die Lage versetzt, jede zu treffende Vereinbarung zu erzwingen und eine Erneu­ erung der Feindseligkeiten deutscherseits unmööglich mache. Das heißt nichts anderes, als daß, Deutschland bedingungslos kapitulie­ ren und alle Forderungen der Entente amrehMen pMsse. Ter Reichstag wird daher in den nächsten Tagen eine folgenschwere Ent­ scheidung zu treffen haben. ; ; : / 1 —* Die Uhr im DienstederNachforschung nach Vermißten. Bei der Ermitte­ lung unbekannt gebliebener gefallener Soldaten können unter den Nachlaßgegenständen die Taschenuhren sehr wertvolle Ausschlüsse geben. Jede Taschenuhr ist von der Fabrik mit einer laufenden Nummer versehen, und da in der Regel auch das Warenzeichen der Fabrik in das Metall eingeprägt ist, läßt es sich feststellen, welcher Uhrmacher die Uhr bezogen hat, und wer weiter ihr Besitzer geworden ist, da in den meisten Fällen der Name des Käufers in die Geschäftsbücher einge­ tragen wird. Außer diesen Fabriknummern sind aber auch die sog. Reparaturzeichen der Uhrmacher für die Ermittlung von Bedeutung, wenn durch die Fabrtknummer allein die Verfolgung einer Spur nicht möglich ist. Die Uhrmacher pflegen über solche Re­ paraturen sehr sorgfältig Buch zu führe»; es wird der Name des Eigentümers aufgeschrieben und ein ────────── drohenden, rauchenden Bergen gleichen, wer sie gesehen, wie sie totbringende Massen von Sand unaufhaltsam, alles erstickend, Wer das Land wälzen, der wird die tiefe Melancholie verste­ hen, die uns Kinder der Insel nicht frei gibt, wenn wir bedenken, daß Wer kurz oder lang ringsumher versunken sein wird, begraben un­ ter Sand, fortgeschwemmt von der reißenden Sturmflut, die 6et jeder Wiederkehr ein Stück Heimatland' mitnimmt Und wit ihw ekn Stück­ chen von unserem Herzen." l ' ! (Fortsetzung folgt.) ────────── Vermischtes. 1 Das erbitterte Ringen um Cambrai. Von der Westfront wird uns geschrieben: "In bett mit wilder Erbitterung geführten Kämpfen um Cambrai vollbrachten deutsche Truppen aller Stämme Uebermenschlkches. Es ist schwer, die Leistungen ein-, iehtcr Verbände als besonders hervorstehend zu be­ werten. Trotzdem sek mit Nachdruck auf eine aus Kurheffen und Waldccker» zusammengesetzte Division hingewiesen, die in dem Ringen nördlich von Cambrai sich auszeichnete. Am 28. 9. wurde ein Bataillon östlich von Epinoy durch ununterbrochene Gewaltstürme des Gegners auf den Bahndamm zurückgedrängt. Ein glänzend angesetzter Gegenstoß brachte die verlorene Stellung zurück. Sechs Tage lang, vom 28. 9. bis 3.10 hielt das Bataillon die Linien in zäher Verte! dlgung. Nicht weniger als 19 vielfach mit Tanks geführte Massenangriffe. zerschellten fruchtlos in der 'zusammengeballten Abwehr. Als weiter nördlich eine" Position verloren ging und das Bataillon bedrohte, sammelte der Regimentskommandeur die gelockerten und führte sie persönlich zum erfolgreichen Gegenstoß. Am 1.10. brach eine feindliche Massenwelle über Blecourt bis Cuvillers durch. Von allen Verbindungen abgeschnitten trotzt» ein Oberleutnant mit einigen Maschinengewehrstliittzpunkten von morgens 6 Uhr bis nachmittags 33 Uhr der feindlichen Umfaffung und schlug sich tln etqtteüm Häuserkämpftn und und Straßengesechitzn, bis gegen Abend etn Durchbruch von Hessen und Thüringern ihn aus der verzweifelte» Bedrängnis befreite. Am 30. 9. eroberte das Schwesterregtment der Division unter Führung seines Kommandeurs, der keine Gefahrachtend, an bedrohten Stellen persönlich einsprang und durch seine Unerschrokkenheit und Tapferkeit seine Leute mit fortriß, das Dorf Sancourt zurück. Trotzdem der Feind von Süden her tn fünfmaligem Ansturm, oft in achtfachen Wellen die Sturmtruppeu vortreibend, das Dorf zu umfaßen suchte, konnte das Regiment das Bollwerk halten Zwei Tanks lagen brennend vor den Stellun| gen, zwei weitere hatten sich durch Flucht der VerntchI tung entzogen. Nach den gesammelten Meldungen | erlitt der Feind bei diesen für ihn erfolglosen Kämpfen 1 schwere blutige Verluste; namentlich in den Hohlwegen hatte die Artillerie unter den Ansammlungen der kindlichen Reserven breite Lücken geschlagen. Daß diese starken Angriffe eines an Menschen und Material überlegenen Gegners zum Stehen und teilweise zum Zurückfluten gebracht wurden, zeigt, welcher Geist die Truppen der Division beseelt. Ungebrochen steht sie vor neuen Kämpfen." (z. B) ────────── Fahrzeit der elektrischen Straßenbahn. ────────── des Sicherheitsdienstes sieht seine Getreuen von einer | solchen Unternehmung mit einer Beute von durchj schnlttltch 500 Personen zurückkehren. Dabei werden nicht nur die Leiter der Hotels oder der anderen $ Häuser, die untersucht wurden, gerichtlich verfolgt, l sondern alle Personen, die verhaftet werden, müssen unter der Anklage, ein übelbeleumdetes Haus besucht zu haben, vor dem Richter erscheinen. Aber auch diese berühmt gewordenen "Raids" haben dem Dir­ ektor des Sicherheitsdienstes noch nicht genügt, und so hat er einen besonderen Ueberwachungsdienst ein­ gerichtet, der bis jetzt von vier Frauen als Polizeibeamtinnen ausgeübt wird. Diese Frauen haben das Recht, jede Person zu verhaften, gegen die eine Vorladung ausgestellt wird. Um ihnen die Arbeit leichter zu machen, läßt man sie nicht in Uniform gehen, und auch ihr Erkennungszeichen wird verborgen getragen. Ihre Ausgabe ist nicht die eines gewöhn­ lichen Polizeibearnten, sondern die eines Detektivs. Eie haben das Recht, überall hinzugehen und sich durch Augenschein von den Zustünden an bestimmten Orten zu überführen. Der wichtigste Schauplatz ihrer Tätigkeit sollen die Tanzlokale sel». die in Montreal eine besonders große Rolle als Orte der Verführung für junge Mädchen spielen. Den vier s Polizisttnnen ist auch die Aufgabe gestellt, die ZuhältI ter zu beobachten und ihre Bekanntschaft zu machen; ‘ sie sollen an den Ausflügen in Automobilen, wie an den Lunchs tn den chinesischen Kaffehäusern, in denen Vermischtes. Der Kampf gegen das Laster in Amerika. Montreal gehört in Amerika zu den Städten, die den Kampf gegen das Laster und die Unsittlichkeit mit der größten Erbitterung führen, und die Zeitung "Le Kanada", die darübgx berichtet, hebt besonders hervor, welche große Rolle der Frau in diesem Kampfe zugewiesen ist. Tie "Raids", di? Itt Häusern mit schlechten Ruf regelmäßig unternimmen werden, haben bet der Unnachsichttgkeit der Verfol­ gung stets einen bedenklichen Erfolg. Der Direktor | die Zuhälter zahlreich verkehren, teilnehmen. Anders | als die gewöhnlichen Detektivs, die nur die Schuldigen herauszufinden haben, werden die weiblichen Dettklios, die sich besonders mit jungen Mädchen beschäftigen sollen, die Aufgabe zu erfüllen haben, bet diesen so viel als möglich durch gütliche Ueberredung zu wirken. Sobald sie festgestellt haben, daß ein junges Mädchen an wenig empfehlenswerten Orten verkehrt oder in Gesellschaft von jungen Leuten mit zweifelhaften Ruf gesehen wird, so sollen sie das junge Mädchen aufsuchen und nachdrücklich auf die Gefahren, die ihm drohen, hinweisen. Wenn das junge Mädchen fein wirkliches Interesse nicht begreift, sollen andere Mittel versucht werden, vor allem, wenn c§ möglich ist, die Mitwirkung der Eltern. Wenn alles das nicht h'lft, sogar vor Gericht geladen werden. Von den vier Polizisttnnen sind zwei französische, zwei englische Kanadierinnen. Sie erhalten einen Gehalt von 900 Dollars km Jahr, dasselbe wie ein gewöhnlicher Constabler. ttitS freie Wart. Frankfurter HalbmonatZschrift für Fortschritt auf allen Gebieten beS geistigen Lebens. Herausgegeben von Mrz Henning. 18. Jahrgang. Heft 19/20. Frank­ furt a. M Neuer Frankfurter Verlag G. @L b. H. Preis vierteljährlich 2 Mark. Ter Ver­ lag gibt auf Wunsch Probehefte gratis ab. ────────── . Merks Bauer! Unter dieser Ueberschfrift hat das Bezirksamt iPixstnasens einen Vaterhändischen Aufruf an die Landbeoiöslkerung erlassen, dem wir folgende beachtenswerte Mahnungen entnehmen: »Jetzt gilt’s! Des Weltkrjeges sFlanrmenzeichen rauchen um Deutssxhlands heftanatlichen Boden. . . Die Hand an den Pflug, das Auge gerave aufs Ziel, sei»ehrbar, schlicht? iund recht, deutscher Bauer! Wir danken Dir-Z, wir dankens Deiner Bäuerin und Deinem Kinde, daß« Ihr in ererbtem, treuen Fleiße die heimatliche Scholle restlios bebaut und trotz ssall der Kümmernis und Not dem deutschen sVolbe, Eurem Volke, das tägliche Brot gegeben habt. Unsere Herzen werden Euch« hierfür ein Denkmal setzen, dauernder denn Erz! sHtite Dich aber, daß; Du nicht: anfüngrsh den Boden dieses Dentmals selbst zu untergraben Mmit dentjGeistg der Geldgier und des Wucherss Dlllenthalben Ubreitet »diese tödliche Gift sischt aus! Retter Euch vor Euch« selbst, Ihr Bauern! Tretet in jeder Gemeinde unter Führung; der angesehensten Männer zusammen, verfsprecht Etachi in Euere biedere Naht-e, daß; Ihr von jetzt an in treuem, festem« Ausharrsen lmit sEuerer Behörde, die ja nur das Beste will, die Allgemeinversorgung heben, stützen, sichern wollt. Wenn Jhr so handelt, dann wird der Bauernstand auch in diesem srhweren Daseinsfkampfe dem» Vaterlande der notwendige Grundtpfeiler sein; dann wird in Euerem Kreise und jin dem Euerer jlliitbürger wieder die Zufriedenheit des guten Gewissens, die entschlossene, fsiegesbeivußte Zuversicht und jenes Gottverrrauen wiederkehrem das nötig ist, um diese fschwere Zeit bis zu einem ehrenvollen Frieden durchzuhaltem ; ! " Bayerische Nachrichten. Reichstag. Im Michstag hielt Abg. Hause (Unabhi. sSsozdJ eine Abrechnung mit dem: alten Reginne, verirrt-eilte aber auch. das neue. Besonders bitter wurde er, wenn esr von den Regierungsjfozialisten spsrachk f8um Sschlusse forderte er den Rücktritt des Kaisers. Vizetanzler von sPaher wies die monarchisrhen Extravaganzen Izurück und verteidigte die von der Regierung getroffenen Reformen. Zahlreiche tiefgehende Reformen seien noch« in Aussicht. Er begründete die Nichtaufnahme der Konservativen in die Regierung und meinte: »Wir brauchen eine lklare Scheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, eine unzweideutige, ehrliche und gerade Politik. Hierauf betonte der Pole Styrheh daß, die Polen sichs Eüber alle Landesgrem Izen hinweg als einheitliches Volk fühlen und« die Erfüllung« ihrer nationalen Wünsche von der Friedenskonferenz erhoffen. Der Däne fHansen forderte die Ausführung. des Artikels 5 des sPrager Friedens, in dem es heißt: »Die sHerbeiführung einer Volksabstimwnetng in den dsänissch spreschsenden Teilen Nordsshfleswigs über deren künftige staatliche ZugehbrigteitC und der jElssässer Ricklim der Präsident der Zweiten elsaszelothringisichen Kammer, forderte etwas ganz Aehsnliches Die ,,bloße« Autonomie sei Izu spoät gekommen; früher gewährt, hsäftte sie viel Unheil, vielleicht den Webtkrieg verhindern können. Graf Westasrvs beantragte die IVertagung bis sieh die Regierung zu diesen fErtldärungen ausgesprochen habe, worauf das Haus sich» auchi vsertagte « « Jn der gestrige-n Stitzung betonte Kriegsitminister Scheücha Jn unserem Heer und Volk fsind Kräfte genug vorhanden, um uns zu nachhaltigsem Widerstandzu Ursachen. Diese Jsiuäste zu heben und sie zu stünden, ist meine Aufgabe. Wir müssen der Kamfpffront zu·?fübren. Das wird m rse vorne te Auf-« gabe sein. Jn dieser Äufijabe te ich um ishr Vertrauen. Die— Sorge, daß· nicht genug sMunition vorhanden sei, trifft nicht zu. Die Hsluptswche ist, daß« jmjtnser noch( genügend Pulver hergestellt wird. Dfie illhmitionsherstek TUTTI Ist »Im stsäcktdigen Steigen begriffen. Panxberwagen haben wir schon vor dem Kriege gehabt, aber nicht zu Angriffs-zweitens Jn be« Tantabwehr ist Gutes gäleistset worden: M sitt» Sie» W Un» spann» neuesten, die OMEO DR LTMVSF UWIUIVWetc-Den« die wir gebrauchen und sie dem Heere zuzuführen. Es handelt sich« darum, dem Vernielzfs tungswillen der »Fei»n"de den deutschen Kampfeswillen entgegenzusetzew Großer Beifall rechts, Widerspruch« links) Abg. Noske (Soz. hofft, daß« die neue Regierung allen Vbeltern den Frieden näher gebracht habe. Er« sprach« sich gegen die oolnisschen Forderungen und die Annexion der deutschen Koljonien aus, verlangte Unterstaatssetretsäre für das Kriegsmik nisterium und das Aharinemmxt und die Enthebung des Berliner iPolizeipräsidentenL Staatsjekrevär Trimborn verteidigt den letzs teren. Abg. Krethi (bons.) meinte, das deutsche Volk sei monarchisch« bis auf die Kwoihien und stehe einig da, wenn man es zum; letzten Kannsfife aufruft. Vizesbanzler von Payer begräbtdete die Riichtaufnahme der unabh. Sozialdefmvs kraten in die Regierung. Abg. Ledebour «(Unabhx «Soz.) meint unter Widerspruch des Hauses, es sei reine Parlamentarisierung eingetreten, sondern einige Abgeordnete seien have-aukratisiert worden, forderte die Abdankung des Kaisers (Qrdnungsruf), die Betsäntpfung des« ganzen monavchischsen Systems, Einstellung des Unterseebootsirieges und verteidigte die polnischen Ansprüfche auf «besien. » « . ( Bayerischer Landtag. der Augfeordnetentantnter wurde eine Jnterpellation der Liberalen betreffend Demobilisierung behandelt. Abg. Osäberlein begründete den Antrag mit den Schwierigkeitem die bei der Temobilisierung zu erwarten seien und verlangte, daß, die Uebergangswi.rtfchast in eine Hand gelegt werde, am besten in die Zuständigkeit des Ministerium-s des AeußerrL Die Gemeinden sollen eine große Selbständigkeit erhalten. Besondere Berücksichtigung erfvrdere die Arbeitslosenfürsorgq die Unterbringung der; jugendlichen Arbeiterinnen und der jugendlich( ungelernten Arbeiter, die Lösung der Frauen· frage, die Frage der Preissenttxng der notwendigen Lebensmittel und die Erhaltung der innevenRuhe im Lande. illdinisterpoäsident von Dandl erklärte, daß« die Temobilisierung schon lange Gegenstand der Berattung des Kriegsministeriunis mit den anderen: Adinisterien fest. Es sei weitestgehende Zusamtmuenarbeit der Arbeitsnachweise aller Art mit Iden Kriegsaimttsb stellen vorgesehen. Die Mafzanahmen der Regierung gehen dahrin, Arbeit zu belassen und Arbeit zu beschaffen. .Das Kriegsministeriufxns hat zu diesem Zweck angeordnet, daß» sofern anlsäßstich einer Demobilliniawmngs und hiedurchf etwa veranlaszster Einschoänkung der Betriebe in den techniscckjfen Instituten Arbeiterausstellungen stattfinden müssen, die Arbeiter aus Verlangen über die vertragsmäßige Kündigungsfrist hinaus bis auf die Dauer von im ganzen vier Wochen vom Zeitpunkt der Kündigung ab« noch. fim Arbeitsverhältnis der litkäroertvaltunsgs zu belassen sind, wenn der einzelne Arbeiter glaubhaft geltend macht, daß er Tkeine Arbeitsgelegenheit gefunden hat. Weiter sist Benehmen mit der Reichsleitung dahin eingeleitet, ob« nicht für die Heeresauftriägse den Rüstungsbetrieben je nach« den Umständen eine gewisse Auslaufzeit gegeben werden dann, insbesondere »für solche Erzeugnisse, die auchf Friedenswerte darstellen. Eine erhebliche Zahl von Arbeitern kann ferner sicherlich( in den zur Zeit von Kriegssgefangenen und fremden Arbeitern besetzten Stellen untevgebracht werden. Sekbstv7erflsändliih« bleibt die wichtigste Auf- « gab« möglichst rasschse Umsstellung der Rüstungsindustrie auf Friedensarbeit Die Regierungs hat nicht gesäumt, die Industrie auf die Notwendigteit dieser Umstellung als ckuf ein dringendes Gebot hinzuweisen. Der Rohstoffversorgung hat die Regierung besondere Ausmenkfanifkeit zugewendet. Grojze Staatsauftrfäp ge sind zur Ausführung bereit. Die planmäßige! Verteilung der gesamten zur Xåevfttjgung stehenden »öffentlichen Arbeiten ist den Regierungen im Zusammenwirken mit den Kriegsazntsstiellen und den aus Vertretern der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Arbeitsnachp weise szaisanrtnfengesetzten Kreisausfchüssen für Pers-Duelle D ng übertragen, Zu Gunsten der Kredithilfe für das Handwerk kündhks die! Msållisttxvükdent die Bett-Enkelin»- s von wseiteren zivei Millionen als Kriegshcilfsz vermögen der Landesgewerbelasse an. Vor der Verkürzung der Arbitszeit wenn sie notwendig» sei, dürfe nicht zurückgscheut werden. Außerdem ist« die Staatsregierung an die Reichslertunxxsp mit dem« Ersuchen herangetreten, für die Zeit der Demobilkmsachung und die erste LZeit der Uebergangsioirtschaft in Au"kuüpsung an die zunächst nur für die Dauer der? Krieges geschaffene Grwerbelosenfürsorge eine geregelte Arbeitslosenfürsorge als Pflichtlek stung der Gemeindeverbfände unter finanzieller Beteiligung von Reich« und Staat vorzubereiten. Gleischzeitig wurde die Fortführung der Fctmiltenunterstützung über die Zeit der Entlassung« der Kriegsteilnehmer hinaus utkd unter YEmztehung der Kriegsteilnehcner »in den Kreis« der yslzersorfgkungsberechtigten angeregt-»« Der Minister legte schließlich« noch, die Notwendsgteit par, daß( Reih und "Sraat, Komme« nalverbande und Wirtschaft-Streife in ihrem MaßiUftHmen Zusammenarbeiten, gab den Willen emer engeren Verbindung zwischen Regierung und Bolksvertretung bund und betonte insbesondere, die Unerlskißlichbeit des Zusammenarbeitens Bayerns mtit der Reichsrlegierung M »Der ZIUMU Demvbsksllnslcxchungsfvage. Beim( xRevchswirtschaftsamt sei denn amchi eine besondere Demobillnnachungstommissdon gebildet worden, « in der auch« Bayern Vertreter seit« Der· GVVsßse und Schwere der bevorstehenden Aufgaben sei sich» die Regierung voll bewußt und siewolle vertrauensvoll zufamsmennarben ten m itallen Krsccften des Volks, der Volks-z Vertretung und des Wirtschaftslebens. — Das« Haus' trat hierauf in eine Besprechung dev Jnterpellation ein. Hi: i s l; l LLH » J« der Besprechsuwg ist Abg. Ofen V) von der Denwbillmuchungstommiffion beiwRetchswirtschiaftsanrt in Berlin nifhst befriedtgd TIMVMI Vkkkmgt Loslöfung von Berlin. - Er ivrderte für Bayern selbständige Bewies7chaftungsstellen. Die Frage des Ausbaues unserer Wasferkrfäfte muß; mit aller Energie in NO HAVE) getwmünlen werden. Abg. Tiunm (fSoz.) fordert Behebuwg der Wohnungsnoty Unterstützung der Arbeitslosen, Familienuntere Ahnung, Förderung der landwirtschaftlipclzen Produktion, Ausbau des Arbeitsmar"ktes, Wiedermkrafttreten der Arbeizterschutzsbestrimmun -· gen.Hiübschllibh fordert ein selbständ es Daher— ·Wi,r,tschaftsamt, Abbau der Kriegszuter,. »Die ,,Los von Berlin-Bewegung« ist nicht politischer, sondern rein wirtschaftlicher Natur. vDer Redner bespricht dann versichsiedene Schwierigkeiten bei der Umstellung der RüstMdgsbetxkebe UUf die Friedensarbeih die WiedEVTUfMhtUng der zerstörten Existenzen im Handwerk, die Notwendigkeit einer geregelten FUVTDVZG Besonders der Wohnungssürsvrge für die heimkehrenden Krieger, vor. allemis auch; IIUVch Beschaffung und Ausgestaltung von Rialfetlquartieren kiu den großen Stsiidten Warum stellt man nicht die Propaganda für die 9."« Ktksgssttleihe auf den Gesichtspunkt ein, dass« man sagt: Wenn wir die illxtittel nicht für die Weiterfuihrung der nationalen Verteidigung. brauchen, dann brauschen wir sie dringend zur Wiederaufrichtung unseres JWirsschkIftslebenQ Stiche-r würde dann vielmehr gezeichnet werden*Ter Redner mahnt dann zu äußerster Sparsamkeit und betont gegenüber dem; Abg. Osel, daß· selbstverstsäsndlich- jeder Gedanke zur Revolution beüäntpft werden Umrisse; die in weiten Kreisen bestehende Unzufriedenhieit Kinn aber nur behoben werden, indem nkjan die streieskeu Staatseinrichtungen sithasft und die Wirtfchaftsfragen unter Mitwirkung des« Volkes-zu Lotsen suchtx Abg. Gebhart (Fr. «V) fordert, daß« die R«üstungsi»tidustrie, die jetzt— so viel! verdient habe, sit! der Uebergangszeit für ihre Arbeiter sorge. Wichtigerk als Arbeitslosenversicherung ist Bereitstellung von Arbeitsgelegenheit, Wiederaufrichtung der vernichfteten Existenzen im Handwerk. Er forderte ferner Ueberlassung von Gefbanntieren etc. an die Landwirtschaft» AIbbau der Kriegsgesellsrhsafa ten. » »Er »schloßs: Wir sind bereit mitzuarbeiten, eine ,.JEinheitsf"ront zu. schaffen, Im! Tiber die schweren Zeiten hinwegzukommen und« den — roten Terrosr zu bekätftvsfetn « . . Gegen 12 Uhr ver-tagt das Hans! die Wehe ktekoevatunei sIUj dreien: voran-Was 9 Uhr— ; i ────────── i I %fe Wktiifdm* rUfcttfrtte»*. i ! Berlin, 23. Oktober, ßu den wertvol­ len Kunstwerken, die vo» den Deutschen im besetzten Gebiete geborgen würden, gehört die Sammlung des bekannten Politikers Le Glav unh die berühmte BibckioWek desselben Be­ sitzers nt* seltenen HarchMristen, di» allein Vom westlichen Kriegsschauplatz. einen Wert von über 1.5 Millionen darstellt. Die Schätze wurden im Beisein der Sekretärin des Besitzers dom französischen Personal ver­ packt und gingen auf Lastautos, von der Sekre­ tärin begleitet, nach' dem neuen Bestimmungs­ ort, wo ihr Auspacken von der Sekretärin überwacht und ein Inhaltsverzeichnis aufge­ nommen wurde. Auch die bedeutenden Samm­ lungen Dr. Coulons aus Cambrai, die wert­ volle archäologische, römische und griechische Ausgrabungen enthalten, sind in Sicherheit gebracht worden. Ebenso fvurde eine Aus­ wahl der besten Bilder älterer Portraits, her­ vorragender Gobelins und interessanter Akten aus dem Schlosse Lewarde geborgen, das an der großen Straße zwischen Denain und Tvuai liegt und der bekannten Familie Le Forest gehört. Am schwierigsten gestattete sich der Abtransport der in Valenciennes angehäuf­ ten Kunstgegenstände mit wertvollen Bildern von Rubens, van Dyk usw., die alle restlos geborgen wurden. Es sind im ganzen Werte hon über 50 Millionen Mark, die so in kurzer Zeit dem Untergang entrissen worden sind. Teutschlands Schuld an Belgien? Berlin, 24. Oktober. Tie "Times" ver­ breiten, der "B. Z. a. M," zufolge, auf Grund sorgfältiger Angaben die Nmhricht, daß die von Deutschland an Belgien geschuldete Sum­ me zehn Milliarden Franken beträgt. In dieser! Summe sind die infolge der Schäden und Re­ quisitionen seit Januar 1915 erlittenen Ver­ luste Belgiens nicht inbegriffen. I i >