Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-10-09. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 276, 1918-10-09. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 276 9. Oktober 1918 ────────── Das Echo aus den feindlichen Ländern. Schwere Angriffe zwischen Camvrai und St. Quentin. — Douai in Flammen. Tie Lage in Polen. ────────── Die Heeresberichte. Ar dklilflhk SMtzt. I ' WTB. Berlin, den 8. Oktober 1918. Wrotzes Hauptquartier.! Weiblicher 8rle6»|||«»»S®S. Heeresgruppe des Generalfeldtnarschatts Kronprinz Rnpprecht »»* Bayer«. Nördlich! der Scarpe griff der Englän­ der nach, heftigem,Feuerkampf beiderseits von Oppy an. In Neüoireuil faßte er Fuß. Im übrigen brachten ihn unsere Vorposten zum Stehen. | Heeresgruppe des Generalobersten v. Bähn, ' Nördliche von St. Quentin schlugen han­ noversche und braunschweigische RegimenterZmaligen Ansturm des Feindes ab. Weiter süd­ lich, brach der Angriff des Feindes in unserem Feuer zusammen. Bei und südlich von Sequehart haben posensche und hessische Regimenter nach! hartem Kampfe die Stellung behauptet. Bei den Kämpfen an der Tilloyhöhe brach­ ten schlesische Bataillone und Pioniere imNahkampf und durch Gegenstoß den feindlichen An­ sturm zum Scheitern. Heeresgruppe des -Mts che« Kronprinzen. Vorfeldkämpse an der Ailette und Aisne. Das nördliche Suippe-Ufer wurde in nächt­ lichen Unternehmungen vom Feinde gesäubert. Am Nachmittag stieß der Gegner in Teilangrif­ fen zwischen Bezaneourt und Selles mit star­ ken Kräften beiderseits von St. Clemens an der Arnes vor. Seine Angriffe scheiterten. Oert-, liche Kämpfe um St. Etienne, das von uns genommen wurde, im Gegenangriff des Fein­ des aber wieder verloren ging. Im übrigen beschr!änkte sich die Tätigkeit des Feindes in der Champagne auf Teilborstöße und zeitwei­ lig auflebenden Artilleriekampf. Beiderseits der Aisne schlug die in den legten Kämpfen be­ sonders bewährte 9. Landwehr- und 76. Re­ servedivision heftige Angriffe des Feindes ab. Heeresgruppe ». Gollwitz. Nach! stärkster Feuerbvrbereitung setzte per Amerikaner erneut zum Durchbruch beiderseits der Aire an. Auf dem westlichen User brachte württembergische Landwehr die südlich- vonChatel vorbrechenden Angriffe zum^Scheitern. Von der Höhe nördlich! 'von Chatel auf der der "Feind vorübergehend Fuß, 'faßte, wurde er im Gegenangriff wieder geworfen .Oeftlich, der Aire Drachen die feindlichen Angriffe meist schon in unserem Artilleriefeuer zusammen. Gegen Abend nahm der Feind beiderseits von Charpentry auf' Romagne und den von Nantillois auf Cunel führenden Straßpn, so­ wie westliche der Maas seine Angriffe Wieder auf. Nach! hartem Kampfe schlugen wir ihn teilweise im Gegenstoß zurück. j , . , Drr 1. wartlemtwe $ '■ . lelsiBsefg. .. i WTB. Berlin, 8. Oktober. Amtlicher Wendbericht: > i Zwischen Cambrai und St Quentin, in der Champagne und an der Maas haben sich neue schwere Kämpfe entwickelt. Südlich! von Cambrai und nördlich von St. Quentin wurde der feindliche Angriff ab­ gewiesen. In der Mitte der Schlachtfront ge­ wann er Boden. Hier standen wir am Wend in Kampf westlich! Behain und entlang den von Behain auf Cambrai und ; St. *Quentin führenden Straßen. , > In der Champagne und an der Maas sind die Angriffe des Feindes gescheitert. Denn diese« ist der Freien einige. Pflicht: Das Reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt. Schill«» Erfüllet diese Pflicht!, seichn ec die Vteuntel Irr 8fttrt.-ana. Mrichl. 'WTB. Wien. 8. Mtobeer. mittags. < Amtlich wird gemeldet: Italienischer Kriegs schanplatz. i An der Tiroler Südfront bar gestern die Tätigkeit der feindlichen Batterien außerordent­ lich, lebhaft. Jnfanterievorstöße wurden im Keime erstickt. < > Albanien: Die in das altserbische Grenzgebiet vorge­ schobenen Deckungstruppen wurden unter ste­ tigen Verzögerungskämpfen aus Leskowatz^ zu­ rückgenommen. Ter Rückmarsch des General­ obersten Frhrn. b. Pflanzer-Baltin geht ohne jedwede Störung durch den Gegner vor sich. Die von den Italienern als Siege gefeierten Kämpfe sind lediglich! Gefechte mit zurückgelas­ senen schwachen Nachhuten. Ter Chef des Generalstabes. ────────── stand der übrigen Ententestaaten, bor allem des kriegswütenden Clemenceau, zu überwin­ den, die daran glauben, daß die Gelegenheit 'zu einem vollkommenen Sieg und zur Tiktierung der Bedingungen günstig sei. Das Blatt hofft, daß die verantwortlichen Staatsmänner der Vereinigten Staaten ftd£j| der Verantwort­ lichkeit bewußt feien und weist darauf hin, daß Wilson erst kürzlich erklärte, die Zentralmächte kennen unsere Bedingungen und kön­ nen sie annehmen. Nach! der Rede Balfours glaubt das Blatt, daß-in England der Wider­ stand gegen Verhandlungen überwunden wer­ den könnte, verspricht sich aber nichts von der Regierung Clemenceaus. 1 i Ancrkcnnung für die deutschen Truppen i in Bulgarien. "Berlin, 7. Oft. Tagesbefehl der Heeres­ gruppe Scholtz: Seit Wochen stehen die deut­ schen Truppen der Heeresgruppe in schwersten Kämpfen. In kleinen Gruppen, weiträumig auf die bulgarischen Streitkräste verteilt und ganz aus sich selbst gestellt, haben sie bei Beginn der feindlichen Angriffe in aufopfernder Weise versucht, die wankende Front des einstmals tapfer kämpfenden Bundesgenossen zu stützen, um ihm die Früchte gemeinsamer Siege zu erhalten. Ter Verbindungen und des Nach­ schubes beraubt, haben auch die deutschen Trup­ pen schießlich der erdrückenden Uebermacht wei­ chen müssen. Nie aber hat ihr soldatischerGeist versagt: in zähem Widerstände hinter Abschnit­ ten und auf Höhen sich! iestklamMernd, haben sie dem Feinde den leichten Erfolg verwehrt. Ost ohne Nachrichten ,in Unkenntnis der Lage im schlimmsten, unwegsamen Gelände, haben Führer und Truppe gezeigt, daß, deutsche Sol­ daten auch in der verzweifeltsten Lage nicht mutlos werden, daß, das Vertrauen zwischen Führer und Truppen nicht zu untergraben, daß deutsche Disziplin nicht zu erschüttern ist. Warnend stand jedem der Zusammenbrach einer einst tapfer kämpfenden Armee vor Augen. Allen, die in diesen letzten Wochen ge­ kämpft und geblutet haben und doch! in uner­ schütterlicher Treue ihre Pflicht getan haben, spreche ich meinen wärmsten Tank und meine vollste Anerkennung aus. Mein Dank und mÄrte Anerkennung gilt besonders auch! den be­ währten deutschen Führern und Stäben. Oft auf verlorenem Posten, haben sie unter dollem Einsatz ihrer Kraft und Person ihr ^Bestes hingegeben. Sie haben das Verdienst, mit den tapferen deutschen Truppen den völligen Zu­ sammenbruch der Bulgaren so lange als mög­ lich hinausgeschoben und damit Zeit für wei­ tere Maßnahmen gewonnen zu haben. Ehren­ des Gedenken den gefallenen Kameraden! Jhrft Gräber in mazedonischer Erde werden für im­ mer ein Denkmal deutschen Heldentums und deutscher Soldatentugend bleiben. ! Und nun, frischauf zu neuem Kampfe, voll Mut und Vertrauen! r ■ Ter Oberbefehlshaber von Sch o l tz, General der Artillerie. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Gegen die Tanks. I 1 Wenn auch die endgültige Niederkämpfung der Tankwafte im wesentlichen eine Frage der Technik ist, so hat sich, doch die Taktik über­ raschend schnell darauf eingestellt. Gingen an­ fangs auch mitunter, vor allem den jungen Truppen, die Nerven durch,, so haben sich doch mit erstaunlicher Schnelligkeit selbst Anfänger die Ruhe angewöhnt, die den fauchenden Ele­ fanten mit einem sicheren Herzschuß außer Ge­ fecht setzt. Beeinflußt durch die starken Ver­ luste traten die Tanks in den letzten Tagen mit unverkennbarer Vorsicht auf. Dennoch mutz­ ten sie wiederholt vor der deutschen Infan­ terie selbst ohne artilleristisch^ Unterstützung Kapitulieren. Tie Gefangennahme der Besatzun­ gen läßt sich! die Infanterie trotz Sperrfeuer und Gelände schwierigkeiten nicht nehmen. Minenwerefr und Artillerie wetteifern unterein­ ander, der Infanterie den Kamps zu erleich­ tern. ; ! ,. { r . . ,: ; r i : : ! Teutsche Helden. .Ein bezeichnendes Beispiel für den helden­ mütigen Widerstand, den die Teutschen auf der gesamten Front den Massenangriffen der Entente entgegensetzen, gibt eine Briestaubpnmeldung, die von der tapferen Besatzung des ehemaligen Vauquoix abgeschickt wurde. Sie lautet in klassischer Kürze: "Der Feind ersteigt von allen Seiten aus dem Nebel den Berg. Es wird erbittert gerungen und sei es bis zum letzten Mann. Es lebe der König!" — Die Helden von Vauquoix haben ihre Meldung wahrgemacht. Sie rangen bis zum letzten Mann gegen eine füinfzigfache Uebermacht. Tie SchBvierigkeiten des Kampfes in v Pen Argonneu. > Ter Beriichterstatter bei der amerikanischen Armee schreibt im Newyork Herald (Paris) vom 1. Oft.:: Ich. sprach mit zahllosen Ame­ rikanern, die, alle über die Argonnenkampfe sagen, daß es ein interessanter, aber gefähr­ licher Zeitvertreib ist. Nur wenige Teutsche werden erkanint, sie sind wie Irrlichter, hier — dort und überall in dem Unterholz, das ge­ rade in diesem Teil des Waldes so dicht ist. Tie Amerikaner müssen sich, buchstäbliche ih­ ren Weg durch das Unterholz, das den Wald geradezu zur Dschungel macht, hacken. Ter ame­ rikanische Soildat Isidore Berkowitz. beschreibt die Sache wie folgt: "Tie Schwierigkeit ist die, jemandem zu bekämpfen, den man nicht siteht. Gebt bien Jungens eine Zielscheibe und sie werden fite überall treffen, aber dieseJagd z auf etwas im Dunkeln, etwas, das intimer ein Auge auf dich hat, das du über selbst nicht sehen kannst, das ist ein trübes Geschäft. Je­ doch sind die Jungens nicht bange. Sie ge­ hen vorwärts. Vertraut ihnen nur.'" 1 ────────── Am Balkan. Bulgarien und die Mittelmächte. ..Sofia, 7. Oft. Tie bulgarische Regie­ rung hofft, d>aß es ihr gelingen wird, die von der Entente ^verlangten Maßnahmen wegen der in Bulgarien! ansäßigen Angehörigen der Mit­ telmächte rückgängig zu machen. Tie Türkei und Bulgarien. Konstantinopel, 6. Oft. Ter bulga­ rische Gesandte ist heute sehr frühzeitig von seinem Landsitze nach, der Botschaft in Vera zurückgekehrt und hat ein sehr reichhaltiges Telegramm aufgegeben. — Ter Tanin erklärt ziemlich' scharf, die Regierung habe für alle, auch rie unheilvollsten und weitesten Mög­ lichkeiten die nötigen Maßnahmen Bulgarien gegenüber getroffen. < 1 l ────────── Aus Rußland. Tie Kämpfe in Rußland. ( Tie Prawda schreibt aus Petersburg: Laut Aussagen von gefangenen französischen Solda­ ten des 21. Kolonialbataillons ist der Kom­ mandeur der französischen Truppen in Archan­ gelsk, Geral Poulo, im Augenblick des Zu­ griffs. Ten englisch-ftanzösischen Truppen in der Richtung auf Wologda wurde bekannt ge­ geben, daß, das Ziel des Angriffes nicht so sehr die Einnahme Wologdas sei, als der Durchbruch in Richtung auf Tschechp-Slowaken zum Zwecke der Vereinigung mit ihnen .Dieser Vormarsch kostete den englisch-ftanzösischen Truppen groß,e Verluste. In Archangelsk trafen mehrere Züge ein, die mit Verwundeten und Toten überladen waren .Tie Stimmung unter dem englisch-ftanzösischen Militär sank nach, diesem Mißerfolge stark herab. Unter den amerikani­ schen Truppen im Norden verbreitet sich stark die Epidemie der spanischen Krankheit. ; i Die Vorgänge i*u Kaukasus, f Zürich, 8. Oft. Ueber die Lage in Ge'vrgien wird gemeldet, daß dort die Bewegung ; gegen die Utegierung Jordanis im Zunehmen begriffen sei. Tie Bauern aus dem Kreise der Grusinischen Heerstraße haben Mzchet erreicht. Die Bahnlinie sei von den Regierungstruppen besetzt. Oberst Abesadwa, der die Grenze der Republik an der Station Kasbek bewachte,wur­ de gefangen genontinfön. Die Feindseligkeit zwi­ schen den Armeniern und Georgiern verschärft sich. Weiter wird gemeldet, daß im Nvrdkaukasus ein verzweifelter Kampf zwischen denSosvjettruppen und den freiwilligen Banden ge­ führt wird. 1 i i Tie von der russischen Regierung fteige- 1 lassenen Ententr-Angchörigeu. Reuter erfährt, daß der Moskauer Ver­ treter Großbritanniens Lockhart gestern die fin­ nische Grenze erreicht hat. In seiner Beglei­ tung befinden sich, 31 Briten und 26 Fran­ zosen: ihre Namen sind noch nicht bekannt. Die Ankunft in Stockholm wird am Mittwoch erwartet. Es steht noch nicht fest, ob alle bri­ tischen Konsularbeamten freigelassen worden sind. ────────── Aushebung der polnischen Okkupation. War schau, 8. Okt. Prinz Radziwill rich­ tete an den deutschen Reichskanzler ein Tele­ gramm, in dem er um Verständnis der hi­ storischen Bedeutung des Augenblickes und um Freilassung der verhafteten Polen Pilsudski, Thugutt und Grabeki bittet. Der deukscheReichskanzler sandte an den Regentschaftsrat folgen­ des Telegramm: Bei Uebernahme des Reichs­ kanzleramtes liegt es Mir besonders am Her­ zen, dem hohen Regentschaftsrat des König­ reiches Polen zu versichern, daß, ich, im Einklang mit der im Reichstage abgegebenen Erklärung den festen Entschluß habe, das Verhältnis des Teutschen Reiches dem neu entstandenen Königreich Polen aus dem Geiste der Gerech­ tigkeit heraus und im Einverständnis der bei­ derseitigen^ Lebenstntevessen zu gestatten und mich um eine möglichst schleunige Beseitigung der noch. bestehenden Lasten der Okkupation zu bemühen. Im 'Vertrauen darauf, daß' der hohe Regentschaftsrat sowie auch, die königlich polnische Staatsregierung für meine Bestrebun­ gen Verständnis haben werden, werde ich, un­ verzügliche die zu ihrer Verwirklichung not­ wendigen Anordnungen erlassen. Auflösung des polnische» Staatsrats. Wie der Warschauer "Przeglad" meldet, hat der polnische Regentschaftsrat aus die Ini­ tiative des Direktors des Staatsdeparremenvs Prinzen Radziwill beschlossen, den polnischen Sraatsrat unverzüglich, aufzulösen und einen konstituierenden Landtag nach, Warschau zu be­ rufen. ' 11 Aufruf an die Polen. ' Wie aus Warschau gemeldet wird, hat der polnische Regentschaftsrat einen Ausruf an das polnische Volk erlassen, worin es heißt, daß die entscheidende Stunde für die Zukunft des Polenreiches gekommen sei. Es gelte jetzt, den einmütigen Willen festzuhalten aus dem Boden der Grundsätze für die Schaffung eines unabhängigen Staates unter Einschluß! aller polnischen Gebiete und für einen Zugang zum Meere einzutreten. Es gelte, die politisch^ und wirtschaftliche Unabhängigkeit desPvlenkönigreiches. Der Staatsrat, der unter anderen Ver­ hältnissen geschaffen wurde, wird jetzt aufgelöst, eine neue Regierung gebildet, die den neuen Ereignissen Rechnung zu tragen hat und die Vorbereitungen für allgemeine Landtagswah­ len würden ungesäumt getroffen werden. Die Meldung hat, wie es Meint, zu Gerüchten Veranlassung gegeben ,wonach, die deutsche Ok­ kupation in Polen bereits aufgehoben oder ihre Aufhebung vom Reichskanzler angekündigt wor­ den ist. : ■ ' Aus Polen. ────────── Rolle entweder in der Anlehnung an die Mittelmächte oder an die Entente ausüben können. ────────── Aus neutralen Ländern. (Sine deutschi-yollänvische Teleftmken- i . , ! ' 1 statiou. U i i Haag» 7. Ott.-Zwischen der holländischen Regierung und den Bevollmächtigten der deut­ schen Telesunkengesellschaft ist soeben ein Ab­ kommen über Einrichtung einer funkentelegra­ phischen Riesenstation «ähnlich der Telefunkenstatiou in Nauen bei Berlin zum Verkehr mit dem Auslande und insbesondere zur direkten Verbindung mit Niederländi sch-Jndien zustande gekommen. Dem Abkomwen wird in Holsand weltpoliitsche Bedeutung beigemessen» da Holt­ land hierdurch die Gelegenheit erhält» sich! von der englischen Bevormundung int überseeisWn Telegraphenverkehr frei zu machen. ────────── Aus den Kolonien. Lettow-Borbeck nach, Teutsch-Lstafrika i ( [ durchgebrochen. < Basel, 8. Okt. Nach! dem Petit Pari-' risien meldet das portugiesische Cominunique _ aus Ostafrika ,daß die Deutschen den Rovuma-' fluß überschritten haben und sich in das $tu' nere der Wälder zurückziehen. Ten Engländerst sielen Gefangene und. Material in die Hände. — Hierzu bemerkt der Berl. Lok.-Anz.: Trifft diese Meldung zu,'so steht General von Lettow- 1 Vordeck nach erfolgreicher Durchbrechung der feindlichen Linien wieder in Ostafrika. , ────────── Aus Südamerika. 6i» Schiffahrtsabkommen mit Chile. . Berlin, 8. Okt. Ueber die Behandlung der deutschen .Schiffe in Chile wird offiziös mitgeteilt, daß unsere Regierung in Verhand­ lungen über die Scharterung von drei Schif­ fen steht. Tie Verhandlungen sind so gut'wie abgeschlossen. Tiefe drei' Schisse werden von den chilenischen Behörden Übernommen. Di« anderen deutschen' Schiffe wurden nur ge- j schleppt, um der allgemeinen Schiffahrt nicht hindernd im Wege zu sein. ────────── wird. Bisher haben die chinesischen Nordbahnen als Vorschuß auf die neue Anleihe den Betrag von 6 Millionen Jeu erhalten. China gibt Japan in der Mongolei auch! die Konzes­ sion auf die Ausbeutung mehrerer Bergwerke. Tie militärische Anleihe beträgt 4 Millionen Jen und bedingt die Zustimmung Chinas, daß japanische Offiziere die chinesischen Truppen ausbilden. Tie Politische Anleihe beträgt 2 Millionen Jen und sichert Japan als Garantie di? Tabaksteuern zu. | | t I Tagks-llebnM ' ser Chef des Zwilkabinetts des Kaisers Herr von Berg ist zurückgetreten. Auch, der Staatssekretär des Ernährungsamtes Herr v. Waldvw hat sein Entlassuntzsgesüch eingereicht. Dieses ist aber nochj nicht verschieden. Versuchter Landesverrat. Rheinischen Blättern zufolge hat das außerordentlich« Kriegs­ gericht in Köln Pen dortigen Lackierermeister August Hartmann wegen Reklamationsschwin­ del zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Hartmann hatte eine größere Anzahl Personen für seinen Betrieb reklamiert, hatte sie aber nur unbedeutend oder überhaupt nicht be­ schäftigt, sodaß Pie Reklamierten ihrem Zi­ vilberufe nachgehen konnten. Er hat also auf betrügerische Weise dem Staate Hilfskräfte ent­ zogen und damit mittelbar die Kriegsmacht Deutschlands geschädigt. Las Gericht hielt den Beschuldigten nicht des vollendeten Landesver­ rates, aber des versuchten Landesverrats für überführt. Wildernd« Umstände mufften dem Beschuldigten versagt werden, da ein Verhal­ ten, toter er es unter großem Mißbrauch! seiner Stellung zum Schäden der deutschen Heeres­ macht unternahm, aufs schärfste zu verurteilen ist. — Dieser Vorfall mag zur Warnung die­ nen, daß jeder sich! in gleicher Weise schuldig macht, der in Reklamationsangelegenheiten > durch falsche Angaben dem Staate Hilfskräfte entzieht. I j .1 : ; , ' U : I Ter Cxzetlenz-Titet der Sozialoemo traten. Bei den Besprechungen, die der Ernennung von Sozialdemokraten zu Staatssekretärern voran­ gegangen sind, ist auchj die Frage erüvrtert wor­ den, ob die sozialdemokratischen Reegierungs­ mitglieder den Titel "Exzellenz" führe«» sollen. Tie Sozialdemokraten hatten gebeten, von einer Verleihung des Titels "Exzellenz "am sie ab­ zusehen. Es wurde ihnen aber ertoiibert, daß die bürgerlichen Abgeordneten auf diesen Ti­ tel nicht verzichten und selbstverständlich! konn­ te keine Differenzierung zwischen den bürger­ lichen und sozialdemokratischen Abgeordneten stattfinden. , ! ! ' ' 1 l Aus China. Japanische Anleihe an China. Ten Times wird aus Peking gemeldet, daß zwischen der chinesischen Regierung und einer japanischen Großbank eine Vereinbarung über eine groß« japanisch« Leihe an China getroffen wurde. Die Anleihe umfaßt einen Vorschuß, für die Eisenbahnen in der Pro­ vinz Schantung »eine militärische und eine po­ litische Anleihe. Di« Anleihe erfolgt zu 8 Pro­ zent unter der Bedingung, daß in Schantung eine japanische Zivilverwaltung eingerichtet ────────── Tages-Uebersicht. ser Chef des Zwilkabinetts des Kaisers Herr von Berg ist zurückgetreten. Auch, der Staatssekretär des Ernährungsamtes Herr v. Waldvw hat sein Entlassuntzsgesüch eingereicht. Dieses ist aber nochj nicht verschieden. Versuchter Landesverrat. Rheinischen Blättern zufolge hat das außerordentlich« Kriegs­ gericht in Köln Pen dortigen Lackierermeister August Hartmann wegen Reklamationsschwin­ del zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Hartmann hatte eine größere Anzahl Personen für seinen Betrieb reklamiert, hatte sie aber nur unbedeutend oder überhaupt nicht be­ schäftigt, sodaß Pie Reklamierten ihrem Zi­ vilberufe nachgehen konnten. Er hat also auf betrügerische Weise dem Staate Hilfskräfte ent­ zogen und damit mittelbar die Kriegsmacht Deutschlands geschädigt. Las Gericht hielt den Beschuldigten nicht des vollendeten Landesver­ rates, aber des versuchten Landesverrats für überführt. Wildernd« Umstände mufften dem Beschuldigten versagt werden, da ein Verhal­ ten, toter er es unter großem Mißbrauch! seiner Stellung zum Schäden der deutschen Heeres­ macht unternahm, aufs schärfste zu verurteilen ist. — Dieser Vorfall mag zur Warnung die­ nen, daß jeder sich! in gleicher Weise schuldig macht, der in Reklamationsangelegenheiten > durch falsche Angaben dem Staate Hilfskräfte entzieht. I j .1 : ; , ' U : I Ter Cxzetlenz-Titet der Sozialoemo traten. Bei den Besprechungen, die der Ernennung von Sozialdemokraten zu Staatssekretärern voran­ gegangen sind, ist auchj die Frage erüvrtert wor­ den, ob die sozialdemokratischen Reegierungs­ mitglieder den Titel "Exzellenz" führe«» sollen. Tie Sozialdemokraten hatten gebeten, von einer Verleihung des Titels "Exzellenz "am sie ab­ zusehen. Es wurde ihnen aber ertoiibert, daß die bürgerlichen Abgeordneten auf diesen Ti­ tel nicht verzichten und selbstverständlich! konn­ te keine Differenzierung zwischen den bürger­ lichen und sozialdemokratischen Abgeordneten stattfinden. , ! ! ' ' 1 l ────────── Allerlei. Tw Grippe. Nach, Nachrichten aus Mad­ rid soll der König an Grippe erkrankt sein. — In den nordschwedischen Regimentern hat die Grippe bereits die Mannschaft schwer mit­ genommen. 10 Prozent der Mannschaft des nordländischen Artillerieregiments seien aestorben. Die Militärbehörden haben die Volkshäuser und die Guttemplergebäude requiriert, um sie als Krankenhäuser einzurichten. ────────── Cichendoxf. 7. Oktober. (Besitzwechsel.) Hr. Weißbierbrauer und Realitatenbefihvr Sträußel erwarb durch,'Kauf das frühere Langbriäu-Anwesen um den Preis von 111000 Mark. ; i i Zwiesel, 7. Okt. (Tie spanische Krankheit) hat nun auch hier ihren Einzug gehalten und sind es namentlich, Kinder, die von der­ selben befallen werden. In manchen Klassen der Volksschule konnte wegen zu geringen Be­ suches kein Unterricht gehalten werden. So be­ suchten am Samstag die 1. Klasse der Mädchen­ schule nur 8 und diejenigen der Knabenschule nur 12 Kinder. Auch! ganze Familien liegen krank darnieder. , i | > ' ' Passau, 8. Okt. (Geschlossen) wurde das Schuhlager des Herrn Feile. Der Genannte hatte rund 500 Paar Stiefel; die bekannt­ lich! beschlagnahmt wurden, zwecks gelegentli­ chen Verkaufes zu Wucherpreisen zurückbehal­ ten. Niederbayerische Nachrichten. ────────── Es lag Weihe über dieser Stunde, welche zwei Menschen nach langer, langer Trennung wieder zusammengeführt hatte — zwei Men­ schen, die von Anbeginn zu einander gehörten. v Die Worte fehlten ihnen, um auszuspre­ chen, was sie bewegte, was über sie hinweg­ gegangen war. ! i I x | : ! Hand in Hand standen sie und erwarteten den Sohn. I li ■ ■ : ' ' ' Erich wurde bleich vor innerer Erregung, als er die beiden so fctlj 1 . Etwas Ergreifendes lag über ihnen — wie verklärt erschien ihm das Antlitz der Mutter, fremd und überirdisch! schön! ' ! : i ' ! I 1 : "Bist du zufrieden, mein Sohn?" "Mutter!" • • i n ■ ! ' Pc beugte sich über ihre Hand und küßte sie. Es satz ihm etwas tmf Halse, das ihn am Sprechen hinderte — es war mächtiger, als er, es überwältigte ihn. Er brach! in lautes Schluchzen aus, er, der niemals geweint hatte,! selbst damals nicht, als ihm« der größte Schmerz seines Lebens wurde. : i i « i Und dann saßen sie und sprachen von Lori, und Ottokar Allwördens Augen leuchte­ ten glücklich!, datz diese holde Mädchenblüte, die er immer schon wie eine Tochter geliebt, wirklich seine Tochter war. Ihr Anblick habe Hand zum neuen Ehebunde reichen? Ich bin als ein freier Mann zu dir gekommen, um freier Mann zu dir gekommen, dir das zu geben, was ich! dir damals in unbe­ greiflicher Verblendung versagte — und mit deiner Einwilligung verschaffst du unserem Sohne das Glück, nachj dem er verlangt." ! Eine glühende Röte überzog ihr Antlitz, das dann wieder erschreckend blaß wurde. Sie schüttelte den Kopff hob abwehrend die Hand. "Nein, Ottokar! Der Gedanke ist mir nie gekommen, nie mehr, und jetzt erschiene es mir. abgeschmackt! Ich habe nur für meine Kinder gehofft und gewünscht, datz ihnen ihre Rechte würden. An mich! und meine Vorteile habe ich« nie gedacht! Nur, datz du doch! vielleicht Erich und Lori adoptieren würdest! Erich hat manchmal unter Diesen Unklarheiten ge7itten. Lori wußte es ja nicht anders." i ! ; | Ottokar Allwörden hielt beschwörend ihre Hände. ! I ( i 1 i | "Erich, hilf mir deine Mutter bitten, datz sie einwilligt! Denke an Jutta von Eggerts Sie hat um dich! gelitten, Erich, —" f , i , "Vater," wie fremd und wie ungewohnt ihm selbst das Mort noch! klang. "Vater, lasse der Mutter Zeit, sich! an diesen Gedanken zu gewöhnen." I ch I (Fortsetzung folgt.; ihn ständig an die Vergangenheit gemahnt, sagte er, so groß sei die Aehnlichekeit mit Masagte er, so groß, fei die Ähnlichkeit mit Ma­ ria gewesen, datz er nicht mehr zur Ruhe ge­ kommen sei; immer habe er geforscht und ge­ grübelt, habe jie nach! ihren Angehörigen ge­ fragt — und immer mehr habe sich der Ge­ danke in ihm verdichtet, Lora Berger müsse seine Tochter sein — er fei nicht mehr losge­ kommen davon. Ursch als erste Spur, die ihn vielleicht zu seiner Familie führen könnte, habe er die Herkunft der jungen Erzieherin seiner Kinder erforschen wollen! Da fei dann Rü­ digers Telegramm gekommen: Maria und die Kinder gesunden. ^ I ■ i 1 f Ein warnender Blick Erichs ließ« ihn von dem Thema Rüdiger abbrechen; noch war es« nicht an der Leit, dabei länger zu verweilen. Und Ottokar Allwörden verstand. ; j J (St, hielt Erichs Hand; er konnte sich nicht # satt sehen an ihm. I ! ; 1 i 1 | "Und du willst ein Weib nehmen, mein Sohn? Ein vornehmes, schönes Mädchen liebt dich! — — ich habe deinen Brief an meinen jSBntber gelesen. Ich weiO" sagte er zu grau, Maria, "datz und warum die Eltern dieses Mädchens eine Heirat mit unserm Erich, nicht wünschen. An dir, Maria, liegt es nun, dieses, Hindernis zu beseitigen: willst du mi» dies ────────── Vermischtes. Miete und Einkommen. Die Klagen über Wohnungsnot und Mletssteigernng häufen sich immer mehr, und es ist eien der dringensten Aufgaben der Behörden, den hier feit lange bestehenden Kabelständen abzuhelfen. An dieser wichtigen Aufgabe tatkräftig mitzuarbeiten, unternimmt ein soeben erscheinendes großangelegtes Werk, das vom Deutschen Bund "Heimatschutz und der Bereinigung für deutsche Siedlung und Wander­ ung gemeinsam veranlaßt worden ist. Es handelt sich um das im Verlage von Wilhelm Meyer—Jlfchen ln Stuttgart veröffendlichte, von dem Tübinger Professor C. I. Fuchs herausgegebene. Sammelwerk "Die Wohnungs—und Siedlungsfrage nach dem Kriege", in dem die namhaftesten Fachleute ein ausführliches Program für die künftige Gestaltung unseres Wohnungswesens aufzustellen. Zu dem heute besonders aktuelle» Thema "Miete und Eine kommen" nimmt der Drerektor des Statistischen Amtsder Stadt Berlin Dr. Kuszynski das Wort. Er geht von dem Satz aus de» zuerst im Jahre 1865 Schwabe formuliert hat: "Je ärmer jemand ist, desto größer ist die Summe, die er im Verhältnis zu seinem Einkommen für seine Wohnung verausgaben muß." Auch die neueste« statistischen Erhebungen bestätigen diese alte Regel; überall ist der Anteil des Einkommens, der zur Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses auf­ gewendet wird, bei' dem niedrigsten Einkommen am höchsten und nimmt mit wachsendem Einkommen ab. Kuszynski wendet sich dann aber energisch gegen die bisher vertretene Anschauung, daß die Wohnungen eine Lohnfrage ist. Es ist durchaus nicht richtig, daß die Steigerung des Einkommens der Minderbemittel­ ten dazu führe, daß sie bessere Wohnungen erhalten. Vielmehr steht die Tatsache fest, daß trotz der starken Lohnstetgerung ln den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege eine nennenswerte Verbesserung der Wohn­ verhältnisse nicht eingetreten ist. Die Leute wohnen nicht da am besten, wo sie am meisten verdienen. In Groß—Berlin wo in fast allen Berufen die höchsten Löhne gezahlt werden, besteht die normale Arbetterwohnung aus Stube und Küche; in Hannover, wo wett niedere Löhne gezahlt werden, hat die nor­ male Arbeiterwohnung drei Stuben und Küche. Die besten großstädtischen Wohnungsverhältnisse finden sich im Westen und Nordwesten, im Rheinland, in Bremen, in Hannover, die schlechtesten im Osten, in Berlin, in Königsberg, in Danzig, in Breslau. Dies« Verteilung läßt sich nicht aus dem Einkommen erklären, das ja im Osten, besonders in Berlin, viel­ fach größer ist, sonder» weist auf die'kulturelle Ver­ schiedenheit hin, die bet uns in den Lebensansprüchen zwischen Westenund Osten besteht. Berlin hat unter allen deutschen Großstädten die meisten Hinterwohnununb überhaupt die schlechtesten Wohnungsverhältnifle, und doch gibt es keine zweite Großstadt, in der die Bevölkerung einen so großen Teil des Einkommens für ihre Wohnung verwendet wie gerade in Berlin. Vergleicht man das Verhältnis von Miete und Ein­ kommen in derselben Stadt zu verschiedenen Zeiten, wie dies z. B. in Hamburg für die Zeit von 1867 1901 möglich ist, so ergibt sich, daß die Mietsquote bei den kleinen Einkommen mit ihrer Erhöhung auch steigt, während der Anteil der Miste an den höheren Änkommenstufen immer geringer wird. Der Arbeiter hatte zwar um die Jahrhundertwende ein doppelt so hohes Einkomme» wie fein Vater vor der Begrün­ dung des Deutschen Reiches aber er mußte auch doppelt so viel für seine Wohnung ausgeben und hatte dam it «och keine bessere Wohnung. Kuszhnskl macht für diese traurige Tatsache die geringen Ansprüche! der Bevölkerung verantwortlich für den Man­ gel an Wohnungskultur, der noch in Deutschland herrscht. "Diese Anspruchslosigkeit hat es bewirkt, daß der "Weirt" des Grund und Bodens, auf dem ihre kärglichen Wohnungen stehen und der vor der Be­ hauptung ein paar Dutzend Millionen Mark betrug, heute nach Milliarden zählt. Ihre Anspruchslosigkeit hat es bewirkt, daß der Wohnungsbau vielfach von Leuten betrieben wird, die in jeder Beziehung so leistungSvrnsähig sind, wie sie ähnlich wohl in keinem andern, noch so unbedeutenden Gewerbe anzutreffen find, unid daß infolgedessen der Wohnungsbau ganz unwir.schmftlich und unnötig teuer ist. Mag immerhin das Verlhältnis von Miete und Ankommen auch in Zukunft dasselbe bleiben wie bisher. Wichtiger als eine Aenderung in dieser Beziehung ist eine Steiger­ ung der Ansprüche der Mieter an ihr Heim." Die Tremmel von Pari-. Die Ferngeschütze haben viele und sehr verschie­ denartige Wirkungen aus Pari» ausgeübt, eine der unerwartesten und merkwürdigsten aber besteht darin, daß die Trommel zu neuen Ehren gekommen ist. Der Alarm, der da» Publikum auf die Befchießungsgefcahr aufmerksam machen soll, wird durch Trommelfchlagen ausgeführt. Zu diesem Zweck wur­ den zahlreiche Schutzleute in offizielle Trommler verwandelt. Darüber find di» Beamten nicht gerade erbaut, denn während sie früher würdig einherschreiten und so den Stubenmädchen und Kö­ chinnen ithres Viertels mächtig imponiere» durften, erscheinen t sie jetzt ihren früheren Verehrerinnen lächerlich,, wenn sie mit einer großen Trommel einherstolzierre» und ungeschickt die Trommelstöcke hand­ haben. Aber auch die Pslizeidireklion hat mit der Trommelet bereits peinliche Erfahrungen gemacht. Al» der Trommelalarm, der offiziell " Alarm Nr. 3" heißt, zum ersten Mal ausgeführt worden war, kehr­ ten die meisten Schutzleute mit geplatzten Trsmmeln zurück. Die Polizeidtrektion ist gegenwärtig damit beschäftigt, nach der Ursache dieser seltsamen und un­ angenehmen Erscheinungen zu fahnden. Haben die Schutzleute bei ihrer neue» Tätigkeit den Mangel an Geschick durch allzu große Kraftentfaltung ersetzt: Oder hat der Lieferant der Regierung Betrug verübt und untaugliche Trommelfelle verkauft? Als dritte Lösung bliebe noch die Möglichkeit, daß die Schutz­ leute mit Absicht ihr»jTr»mmeln beschädigt haben, au» Wut darüber, daß sie in Begleitung von Straßen­ jungen, die ihnen mit alten Konservenbüchsen nach­ eifern, durch die Hauptstadt gehen müssen. Jeden­ falls gibt es in ganz Paris niemand, der mit der neuen Trommelmode einverstanden wäre abgesehen natürlich von den Kindern, die ja bekanntlich stets alles Neue zs würdige» wissen. i Der Straßenkehrer und die Lehrerin. Zur Charakteristik der sozialen Zustände in Frank­ reich stellt L'Ecole et la Vie Folgendes fest: "Eine Frau aus dem Volke hat zwei Töchter. Die eine hat nichts gelernt und ist daher als Straßenkehrerin beschäftigt. Die andere hat ihre Prüfung abgelegt und Ist Lehrerin. Die erste hat im letzten Monat 200 Frs. verdient, die zweite 95 Frs." ────────── Am besten für die Seinen forgt^wer sei« Geld Dem Staate borgt. Zeichnet Kriegsanleihe! Geld nnd Sieg beenden dchr Krieg. Zeichnet t | Kriegsanleihe! ; : ■! ────────── ' —* Der Pvstkartentag zugunsten des Säuglingsheimes erbrachte die schöne Summe ton 617.28 Mark. Den unermüdlichen VerWuf er innen' die sich wiederum in den Dienst der guten Sache stellten, sei ein herzliches Vergelt's Gott gesagt. ! r 1 ; —*Stadttheater. Heute Mikkwoch abds. ,8 Uhr wird das mit so großem! Beifall aufge­ nommene Lustspiel "Das Extemporale" bvn H. tSteerm zum letztenmal gegeben. ; 1 —* berüchte über die Kriegsanlei­ he. Trotz wiederholter Warnungen tauchen immer wieder unsinnige Gerüchte Über die Kriegsanleihe auf, so das Gerücht, daß, die Kriegsanleihe entwertet oder in ihrem Kurs außerordentlich, gesunken wäre. Kleinmütige u. Ueberängstliche glauben solchen Gerüchten und lassen sich, dazu herbei, ihre Kriegsanleihe zu Schleuderpreisen zu verkaufen. Sie schädigen dadurch sich selbst und nützen dem Wucherer, der ihnen das Papier bedeutend unter dem Wert abnimmt, um es selbst, jetzt oder in ,Friedenszeiten, mit Gewinn zu verwerten. Die deutsche Kriegsanleihe ist u. bleibt ein mündelsicheres Wertpapier, fett Sicherh eit das Reich mit seiner ganzen Steuerkraft verbürgt. Die Kurse der Kriegsanleihe bewegen sich! jeweils entsprechend dem Werte aller übrigen mündelsicheren Papiere. Wer durch, irgendwelche Ver­ hältnisse zum Verkauf seines Wertpapieres ge­ nötigt ist, wird gut tun, sich, nicht mit Zwi­ schenhändlern einzulassen, sondern sich, an ein angesehenes Geldinstitut, eine Bank, Sparkasse oder Reichsbankstelle zu wenden, um für sein Papier den wirklichen Wert zu erhalten. Beim Vorhandensein eines wirtschaftlichen Bedürf­ nisses nehmen die Reichsbankanstalten die Kriegsanleihe in Beträgen bis zu 2000 Mark den Zeichnern zum vollen Zeichnungskurse (ab­ züglich, der üblichen kleinen Gebühren) ab. Auch! für größere Beträge hat die Reichsbank bisher noch niemals unter dem' Kurs 97.80 bezahlt. Wer aber nicht durch besondere Verhältnisse zum Verkauf gezwungen ist, wird als kluger Wirtschafter, zumal während der Kriegszeit, die Anleihe nicht veräußern. Braucht er vorüber­ gehend Geld, so erhält er dies gegen Verpfän­ dung der Kriegsanleihe bei jeder Kriegsdarlehenskässe (Reichsbank) zu einem mäßigen Zins­ satz. Ter vorsichtige Hausvater wird vielmehr die mündelsichere und hochverzinsliche Kriegs­ anleihe int Besitz behalten. Besonders zu empfehlen ist dies den Landwirten und Gewe rbetreibenden, die seiner­ zeit na chKriegsende aus den Bestän­ den der Heeresverwaltung Geräte, Maschinen, Pferde oHerVorräte ver­ schied entltch er ArL erwerben wol­ len. Tenn dazu brauchen sie Kriegsanleihe; die Anleihe wird bekanntlich! bei solchen Ver­ kaufen zum Nennwert als Kaufpreis ge­ nommen. Zudem werden die Käufer, die mit Kriegsanleihe zahlen, vor allen anderen be­ vorzugt. Unsinnige Gerüchte über die Kriegs­ anleihe schädigen also den Einzelnen und die Allgemeinheit. Ein Jeder Hat daher das In­ teresse und die Pflicht, derartigen Gerüchten mit allem Nachdruck entgegenzutreten. , ────────── Der amerikanische Sozialist Gompers sagte gm 18. September 1918 aus der interalliierten Mrbeiterkonserenz "in seiner Rede: "Die ameri­ kanische Arbeiterschaft (deren Führer er aber bekanntlich nicht ist, wohl aber eine Kreatur des 'Großkapitalvertreters Wilson) betrachte den Weltkrieg als unvermeidliche Auseinandersetz­ ung zwischen Autokratie und Demokratie. Es fei ein Kampf zwischen den Prinzipien des Delbstbesiimmungsrechts und der Willkür einer einzelnen Gruppe." Er Lügt damit mit Wissen und Willen und fälscht die Tatsachen. Die un­ vermeidliche Auseinandersetzung ist herbeige­ führt durch! die Machtpolitik der MMardärp Amerikas und des englischen Großkapitals, die Mve wirtschaftliche Herrschest, d. h. die Herr- schuft des amerikanischen und englischen Gel­ des über die Welt erstreben; die also auch unser Vaterland unter diese Geldmacht jtoittgen wol­ len. ; f ; Wer nicht nur unser Volk und unsere Verbündeten," sondern auch, ihre eigenen Bun­ desgenossen sollen unter diese Geldmacht ge­ zwungen werden. Bei den letzteren haben sie es schon erreicht. .Nicht unsere RegierungsforM an sich, wird von ihnen bekämpft — das sehen wir an ihrem Verhältnis zum zaristischen Rußland — sondern unsere wirtschaftliche Stel­ lung in der Welt, die uns unsere Unabhängig­ keit auf dem Weltmärkte und unser Selbstbeistimmungsrecht sicherte und sichern muß,. ” Wir stehen ihrer Geldsackpolitik im Wege. D>as größte Unglück für ein Volk bildet die unum­ schränkte Herrschaft der riesenhaften Kapitalbildungen, wie sie Amerika zu verzeichnen hat. Dort bildet sich, das Recht nicht aus den Be­ dürfnissen der breiten Massen des Volkes, son­ dern aus dem Herrschastswillen einiger Großjkapitalisten und Spekulanten, denen die ' Ar­ beitskraft der breiten Volksmassen nur Ware und Mittel zum Zweck 'ist, um die eigene Berei­ cherung und aus der anderen Seite die Verar­ mung des Volkes herbeizuführen. Denn Geld ist Macht, und wer djp Macht hat, schafft das Recht. Dieser alte, im römischen Recht ru­ hende Grundsatz, ist dem römisch^-imperiali stisch denkenden Amerika und England zurRichti schnür geworden. Dort zeigt sich, daß die schlimmste Autokratie die int Massenkapital be­ gründete ist. Sie ist die größte Feindin einer gesunden Demokratie. Ter heutige Krieg ist allerdings ein Kampf zwischen den Prinzipien des Selbstbestimmungs­ rechts und der Willkür einer einzelnen Gruppe. Nur, daß die Sachlage umgekehrt ist, als der Vielverband sie darstellt: Daß wir dies Selbstbestimmungsrecht für uns und alle Völker er­ streben und sichern wollen, und daß, wir die Willkürherrschast einer einzelnen Gruppe, das ist eben die Geld- und Machtherrschast Ame­ rikas und Englands, zu unserer eigenen und der anderen Völker Sicherheit bekämpfen Müs­ sen, UM nicht unterzugehen. Die eigenen Ver­ bündeten dieser beiden Geldaurokratien.seufzen schon heute unter dem Drucke der Macht des Riesenkapitals Amerikas. 'Aber selbst England ist, wie Frankreich, und Italien, Sitmerila auf Leben und Tod verschrieben. SJHt.t den ande­ ren kleinen 'Mitläufern der Ententee'und vielen Neutralen ist es nicht anders. ; Das sollen wir Teutschen ums alle vor Augen halten und klar bekennen:, wenn die ^Hetzereien bgr ausländischen Presse oder die fremden Wühler im Lande uns blauen Dunst von fremder Seligkeit und unerfüllbaren Zu­ kunststräumen vorgaukeln wollen. Wir wer­ den den Sieg unserer gerechten Sache erringpn, denn wir besitzen das Vertrauen auf unser gutes Recht und auch die Kraft dazu. u ! Und wir wollen über unser eigenes Haus auch! in Zukunft selbst bestimmen. Wir werden aber das Haus so zu stellen bereit sein, daß es die anderen Völker in ihrer Bewegungsfreiheit nicht hindert. So denkt das deutsche Volk und so müssen die Grundzüge seines heutigen Han­ delns sein. : 1 1 1 1 J' s ,. i { ! Die Weltherrschaftsgelüste des englisch-amerikanischen GroßKapitals. ────────── Letzte Posten. Tas Echo aus Fcindesmnnd. I London, 8. Oktober. (Reuter.) Nach den Morgenzeitungen kann als Antwort der Alliier­ ten aus den deutschen Vorschlag, eines Wasfewstillstandes im Westen nur eine einmütige Ab­ lehnung bezeichnet werden. ' '; _i ' London, 8. Oktober. Reuter meldet amtlich aus Ottawa: Die kanadischen Zeitungen nehmen ohne Ausnahme gegen eine günstige Aufnahme des deutschen Friedensvorschlages durch! die Alliierten Stellung und vertreten Washington, 7. Oktober. Reuter mel­ det amtlich!: Heute nacht izurde noch! keine Ant­ wort auf die deutsche Note abgesandt. ! { t die Ansicht, daß der Krieg durchgesetzt werden sollte, bis die Mttelmächite sich bedingungslos ergeben. . ; | . . i j I M Der Schatzsekretär Mac Ado veröffentlicht: einen Aufruf an die Bevölkerung, in ihrem Eifer für die Freiheitsanleihe nichjt nachzulas­ sen und erklärt, das Friedensangebot des Fein­ des unterstreiche nur, wie wichtig es sei, daß die Anleihe 'erfolgreich! werde, damit der Druck auf den Feind anhalten Wune. ; ; Bern, 8. Oktober. Die meisten französi­ schen'Blätter vertreten den Standpunkt, das Angebot des Waffenstillstandes sei unannehm­ bar, weil die Mittelmächte die Vorschläge Wil­ sons nicht vorbehalllos annehmen, sondern le­ diglich zur Grundlage einer Diskussion machen wollen. Vorschläge Wilsons feien erst dann von den Mittelmächten angenommen, wenn die­ se .sich! bereit erklärten, noch, vor ^Beginn der Verhandlungen die von ihne nbesetzten Gei­ biete, einschließlich Elsaß-Lothringen zu räu­ men. ! I i London, 7. Oktober. Reuter erfährt, daß bis heute nachmittags bei dem! Auswärtigen Amte weder amtliche Nachrichten von den deutsche-österreichischen Vorschlägen, noch irgend eine Andeutung darüber von einem neutralen Vertreter eingetroffen sei. Auf jeden Falb scheine festzustehen, daß .Wilson, an den der Appell gerichtet sei, auch. die Initiative Bef der Beantwortung ergreifen werde. 1 j ; ■ ! London, 7. Oktober. (Reuter.) "Daily Mail" schreibt in einem Leitartikel, wenn Deutschland, Oesterreich-Ungarn und bfe Türkei bereit sind, die Waffen auszuliefern, wie dies Bulgarien getan habe und sich, von dem gesam­ ten besetzten Gebiete zurückziehen, so könnt« Wilson den Waffenstillstand vermitteln und den allgemeinen Frieden diskutieren. Andern­ falls werde kein Vorschlag, den die Mittelmächtte in dieser Richtung machen können, Erörter­ ung finden. . ' i f 1 ; L Donai itt Flammen. < ~~~ i WTB. Berlin, 8. Oktober. Die Stadt Douai brennt als Folge der unausgesetzten .englischen Beschießung. Die Tatsache, daß di« Engländer mit schweren und schwersten Ge­ schützen Douai beschießen, wurde bereits seit Wochen gemeldet. Die Entstellung, daß! die Deutschen eine von ihnen noch. besetzte Stadt selbst anzünden, ist zu unsinnig, um widerlegt zu werden. I . | i i i ────────── Druck u. Verlag I. g. Rfetsch. BerantwortliPey «chirfftletter F. X. Wagner. Beide kn Landshut. ────────── Inserate. ────────── Donnerstag, wird der außerordentliche Landtag ausgelöst werden. Me Einberufung des dentlichen Landtags dürste, da das Budget erle­ digt werden mutz, bald Erfolgen. ! , > 1