Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-11-11. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 308, 1918-11-11. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 308 11. November 1918 ────────── Au die Bevölkerung Landshuts! Der Arbeiter- und Soldatenrat Landshut hat sich heute gebildet und besteht aus: a) Arbetterrat: Gastwirt Holl als 1. Vorsitzender, Bäckermeister Mayer, Maschinenarbeiter Gratzl, Buchdruckereisaktor de Temple, Schloffermeister Jotz, Brauer Reilberger, Magazinarbeiter Gg. Wagner, Tabaksabrikant Straub. Der Arbeiter- und Soldatenrat ist das Organ fordelt, den Anordnungen desselben unbedingt Folge zu leisten. Landshut, den 10. November 1918. b) Solbaterrrat: Leutnant Wagner, als 1. Vorsitzender, Feldwebel Schumacher, Gefteiter Wackerbauer, Unteroffizier Staugl, Landsturmmann Ranch» Infanterist Stark, Sergeant Weinzierl. neuen Regierung! Die Bevölkerung Landshuts wird ausge- Der Arbeiter- und Soldatenrat Kandshut. Holl. Wagner. ────────── Waffenstillstand. Tie Waffenftillstandsbe-lnguttgert augeuommen — Ter Umsturz im Reiche schreitet fort. Eine Bitte an den Präsidenten Wilson. ~ Thromverzicht des Kaisers und des Kronprinzen. Der Kaiser in Holland. ────────── f Die FroÄerungrn der Bcrkine» Sparta kns■ grüxlpc. Berlin, 10. Nov. Tie "Rote Fahne" veröffentlicht folgende Forderungen der Spartakusgruppe: \ 1. EntwassnunF der gesamten Polizei, sämtlicher Offiziere sowie der Soldaten, die nicht aus dem Boden der neuen Ordnung ste­ hen. Bewaffnung des Volkes. Alle Soldaten und Proletarier bef),alten ihpe Waffen. 2. Uebernahnie sämtlicher militärischen und zivilen Behörden i*tb Kommandostellen durchj Verttauensmännter des Arbeiter- und Solda­ tenrates. 3. Uebergabe aller Waffen und Mnnitionsbestände sowie aller Rüstungsbetriebe an den Arbeiter- und Soldatenrat. ^ 4. Kontrolle über alle Verkehrsmittel dupch den Arbeiter- und Soldatenrat. 1 5. Abschaffung der Militärge richtsbarkest. Ersetzung des rnilitättßchen Gehorsams durch freiwillige Disziplin der Soldaten unter Kon­ trolle des Arbeiter- und Soldatenrates. 6. Beseitigung des Rechtsstandes und al­ ler Parlamente sowie der bestehenden Reils­ regierung. Uebernahme der Regierung durch, den Berliner So Baten* und Arbetterpat bis zur Errilchung eines Reichs-Arbeiter- und Solda: tenrates. , 7. Wahl born Arbeiter- und Soldaten raten über ganz Deutschland, in 'deren Händen aus­ schließlich Gesetzgebung und Verwaltung liegt. Zur Wahl der Arbeiter- und Soldatenräte schreitet das gesamte erwachsene werktätige Volk in Stadt und Land und phine Unterschied der Geschlechter. ' ,7 8. Ab schlaf fung aller Tynaftien und Einzefftaaten. Unsere Parole lautet: Einheitlich^ soziale Republik TeutWtand. ' 9. Sofortige Aufnahme der Verbindung mit allen in Deutschland bestehenden Arbeiter­ und Soldatenräten und den sozialen Bruderparteien des Auslandes. > 1 10. Sofortige Rückberufung der russischen Botschaft nach -Berlin. Thronverzicht des Kaisers und des Krön- f Prinzen. WTB. Berlin, 9. November. (Amtlich.) Ter Kaiser und König Jjttt sich, entschlossen, i>em Thron zu entsagen. Ter Reichskanzler bleibt noch so lange imi Amte, bis die mit der Abdankung des Kaisers und dem Thronverzicht des Kronprinzen des deutschen Rehchjes und von Preußen und der Einsetzung der Regent­ schaft verbundenen Fragen geregelt sind. Er beabsichtigt, dem Regenten die Ernennung des dlbgeordneten Ebert zum! Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzentwurfes wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassunggebende deutsche National­ versammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde, die künftige Staatsform, des deutschen IVolkes einschließlich! der Volksteile, die ihren Eintritt in die Reichsgrenzen wünschen sollten, endgültig festzustellen. 1 > ! Ter Reichskanzler: , Max, Prinz von Baden, j f l ' Ebert Reichskanzler. WTB. Berlin, 9. Nov. Ter Berliner Arbeiter- und Soldatenrat teilt mit: Reichstagsabgeördneter Ebert ist mit der Bildung der Regierung beauftragt. I Ter neue Reichskanzler Ebert veröffent­ licht nachfolgenden ' 1 i Aufruf: j 1 s "Tie neue Regierung hat die Führung der Geschäfte übernommen, um das deutsche Volk vor Bürgerkrieg und Hungersnot zu be­ wahren und seine berechtigten Forderungen durchzusetzen. Tiefe Aufgabe kann sie nur er­ füllen, wenn alle Behörden und Beamten in Stadt und Land ihv hilfreich Hand leisten. Ich weiß, daß es vielen schwer werden wird, mit den neuen Männern zu arbeiten,, die das Reich zu leiten unternommen Hüben, aber ich appelliere an ihre Liebe zu unserem Volk .Ein Versagen der Organisation in dieser schweren Stunde würde Deutschland der Anar­ chie und dem schrecklichsten Elend ausliefern. Helft also mit mir dem Vaterland durch furchtlose und unverdrossene Weiterarbeit, ein jeder aus seinen Posten, bis die Sinnde der Versöhnung gekommen ist. 1 Berlin, 9. November 1918. < Reichskanzler Ebert." Weiter hat der Reichskanzler folgende Kundgebung an die deutschen Bürger erlassen: "Mitbürger! 1 1 1 i < Ter bisherige Reichskanzler, Prinz Max von Baden, hat mir unter Zustimmung sämt­ licher Staatssekretäre die Wahrnehmung der Geschäfte des Reichskanzlers übertragen. Ich bin im Begriffe, die neue Regierung im Einver­ nehmen mit den Parteien zu bilden und werde Über das Ergebnis der Oesfentlichkeit in Kürze. berichten. j Tie neue Regierung wird eine Volksrsgierung sein. Ihr Bestreben wird sein müs­ sen, dem deutschen Volk den Frieden schnell­ stens zu bringen, um die Freiheit, die es er­ rungen £)iat, zu befestigen. Mitbürger! Ich bitte euifj, alle um eureUnterstützung bei der schweren Arbeit, die unser harrt. Ihr wißt, wie schwer der Krieg die Er­ nährung des Volkes, die erste Voraussetzung des politischen Lebens, bedroht. Tie politische Umwälzung darf die Ernährung d. Bevölkerung nicht stören. Es muß die erste Pflicht aller in Stadt und Land bleiben, die Produktion von Nahrungsmitteln und ihre Zufuhr in bie Städte nicht zu hindern, sondern zu fördern. NahnmgSmittelnot bedeutet Plünderung undRaNv. Tie Aermsten würden am schwersten leiden, die Industriearbeiter am bittersten betroffen werden. Wer sich an Nahrungsmitteln oder! sonstigen Bedarfsgegenständen oder an den für ihre Verteilung benötigten- Verkehrsmitteln vergreist, versündigt sich aufs Wverste an dev Gesamtheit. i f i Mitbürger! Ich bitte euch alle dringend: .Verlaßt die Straßen. Sorget für Ruhe und Ordnung. 1 i 1 Berlin, 9. November 1918. ' ' 1 Reichskanzler Ebert.^ . 1 Auch in dem Bundesstaaten kam es zu Um­ wälzungen. ' f --eubilvung des Ministeriums in Würt­ temberg. Ner König von Wütttemberg hat dis Neubildung des Ministeriums im Sinne der Mehrheitsparteien des Landtags bestätigt. Ob unter den derzetttgen Verhältnissen die Zu­ sammensetzung des Ministeriums so Bleibt, ist nicht sicher. i ’ r Abdankung des Herzogs Wn Braunschwcig. Braunschweig, 9. Nov. Eine völlig unblutige Bewegung hat hier zur Abdankung des Herzogs geführt. Gestern ulmi 7 Uhr abends erschien, wie der "Vorwärts" berichtet, eine Deputation des Arbeiter- und Soldatenrates tun Schloß und legte dem Herzog Ernst August ein Schriftstück vor, des Inhalts» daß er für sich und feine Nachkommen aus den Thiron verzichtet. Mrck! kurzer Bedenkzeit unterzeich­ nete der Herzog das Schriftstück. Es wurde von den Ministern gegengezeichnet. Ter Herzog erhielt die Erlaubnis, noch einige Tage in Braunschweig zu bleiben und erhält dann freies Geleit nach Blankenburg. Rachmlttags 5 Uhr kam es in Wolsenbüttel zu einten Zu­ sammenstoß zwischen Artillerie und Brimnschweiger Soldaten. Es wurden scharfe Schüsse gewechselt. > > ' 1 j. Abdankung des Oroßjherzogs von Weimar. W e i m a r, 10. Nov. Der Grotzhärzog hat aus Beschluß des Weimarer Arbeiter- und Sol­ datenrates abgedankt. Die Abdankungsurkun­ de lautet: I i i • i • ! Dem von den Berttete rn des Arbeiter- und Soldatenrates ausdrücklich! ausgesprochenen Wunsch, für mich und meine Familie auf den Thron zu verzichten, leiste ich!, tim dem drohen­ den Bürgerkrieg vorzubeugen, Folge und er­ kläre, daß hch, für mich und meine gvmilke für alle Zeit auf die Thronfolge Ut Sachsen-Wei­ mar-Eisenach verzichte. i '!\ 4 . l_r u ~ t/l ’r^ ' r Amch am Ausland ist die Bewegung nicht | spurlos vorübergegangen. ' Kommunistische Vcrfuchr in der Schweiz, i 1 Bern, 9. Nov. Ter aus der sozialdemo­ kratischen Partei ausgestoßene Züricher Jung­ bursche Herzog hat mit anderen Gesinnungs­ genossen in Zürich eine kommunistische Pattei ! gebildet, die den Grundsätzen des Bolschewis­ mus huldigt. Für kommenden Sonntag wird eine große offizielle Kundgebung in Zürich zur Feier des Jahrestages der Russischen Re­ volution angekündigt. 1 , Mit Rücksicht hieraus erklärt der Bun: desrat ,e.r habe deshalb Truppen mobilisiert. Tie Demokratie sei das Fundament unserer Einttchtungen. Wenn alle Völker der Schweiz Sympathien schenken, sei es deshalb, weil die Schweizer die treuesten Hüter des demokrati­ schen Gedankens sind. Auflösung im italienischen Heer. W i en, 8. Nov. Nach, Meldungen aus-Jnns6n*t befindet sich auch! die sechste italienische Armee ,die bisher auf der Hochfläche derSiehen Gemeinden gekämpft hätte, in voller Auf­ lösung und die Soldaten gehen nach Hause, seit sie vom Abschluß des Waffenstillstandes Kenntnis erhalten haben .Unter diesen Um» ständen sei ein Nachrücken über den Brenner unwahrscheinlich,. , , 1 Revolution in England? i Berlin, 10. Nov. Hier angelangtenNachttchten zufolge soll angeblich, die englischeFlotte das Auslaufen verweigert haben. JnLondon soll eine Riesenversammlung stattgefun­ den haben, in der lebhaft dagegen protestiert wurde, daß die delegierten der Flotte nicht von der Regierung zu Verhandlungen zugelas­ sen worden seien. Tie gewerkschaftlich, orga­ nisierten Arbeiter hätten eine Massenvevsammlung einberufen, in der ein dreifaches Hoch auf die deutsche Revolution ausgebracht wurde. Tie Gerüchte, daß in der Nordsee deutsche und englische Schiffe unter der roten Flagge mit einander sich verbrüdert hätten, ist unzutteffend, — Auch bezüglich der französischen Flotte kursierten ähnliche Gerüchte. i Reformen in Ungar«. Budapest, 10. Nov. In einem Mani­ fest des Ackerbanministers werden die Soldaten, die Landarbeiter sind, keinen Boden oder we­ niger als 10 Joch besitzen ,ausgefordett, sichj bei dem Gemeindevorsteher einschreiben zu las­ sen. Tie Bedingungen für Btodenerwerb werden von dem neuen Reichstag gestellt werden. Sogar die französische Front und die feindlh he Flotte soll von der Bewegung ergttffen sgin. Tie Meldung wird allerdings von an­ derer Seite wieder dementiett. > Revolution an der französische» Front? ! Tic Verzögerung der Wasfensti-lftandsdedingungen. Hamb urg, 9. Nov. Tas Hamb. Frem­ denblatt meldet aus Berlin: Ob die bisher gegebene Erklärung für das Ausbleiben des deutschen Kuriers, der die Waffenstillstandsbe­ dingungen überbringen sollte, ausreicht, ist fraglich. Herr v. Hintze hat aus dem Haupt­ quartier gemeldet, daß hinter dev, französi­ schen Front die Zustände ungefähr genau so­ fern sollen wie in Deutschland. Es scheint auch, daß die Soldaten an der Front selbst bereits auf beiden Seiten die Herstellung der Waf­ fenruhe in die eigene Hand genommen haben. Bestätigt es MH aber, daß auch! in der fran­ zösischen Armee die Macht bereits in die Hände von Soldatenräten übergegangen ist, so wür­ den die Wajsenstillstandsbedingungen Clemenceaus und Fochs wahrscheinlich überhaupt nicht mehr überreicht werden und der Waffenstill­ stand würde ganz von selbst eintreten, ohne Vertrag. Ob auch in der englischen Flotte die Mannschaften bereits die Macht an sich genom­ men haben, wie von einzelnen Stellen 6es= hauptet wird, laßt sich nicht nachprüfen .Taß die Soldaten der italienischen Armee aus eige­ nem Entschluß «ach Hause gehen und sich der Hand ihrer Führer entziehen, scheint Tatsache e* fct«. l , , . 1 1 ! ' ' < i- ────────── In Bayern. hat die Bewegung nun in allen größeren Or­ ten zur Bildung Von Arbeiter- und Soldaten­ räten geführt. 1 \ i In Augsburg, Regensburg,, Nürnbergs Fürth, Rosenheim!, Bahreuthj, Bamberg ist die Umwälzungj$ne Unruhen vor sich, gegangen, ebenso in den niederbayeriffchjen-Städten Passau, Deggendorf, .Plattling. Nur in Strau­ bing 'kam es zu Ausbreitungen, die aber durch das Wlttär bald beendet wurden. ; , , Ter Aus enthalt des Königs. König Ludwig hat sich, um die schwerkranke Königin den Aufregungen der letzten Tage zu entziehen, in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag mit der Königin nach Schloß Wilden­ wart begeben. , Ter neue bayerische Ministerpräsident. Ministerpräsident und Minister des Aeußern Kurt Eisner ist sozialdemokratischer popolitischer Schriftsteller, der sich als BorwärtsRedakteur bei dem sozraldemokratiffchpn.Parteitag in Dresden besonders hervortrat und zu den damals von der Parteileitung abgesetzten fünf "Vorwärts"-Redakteuren gehörte. Kurt Eisner kam 1910 nach München und war politi­ scher Mitarbeiter der Münch. Post" und hatte bis zum Ausbruche des Krieges die LandtagMerichterstattung. Bei Kriegsausbruch wandte er sich von den Anschauungen der Sozialdemokra­ tie ab, er war radikaler Kriegsgegner. Ter viel­ seitig gebildete Journalist übernahm damals die Theaterkritik sür das führende sozialdemo­ kratische Organ Bayerns, i i > Am Januar 1918 stellte sich Eisner an die Spitze der Unabhängigen und war Führer in der damaligen Streikbewegung. Tie Folge war seine Verhaftung. Bor kurzem erst wurde er freigelassen; er war von den Münchner Unab­ hängigen als Reichstagskandidat sür München 2 ausgestellt worden. In diesem ReichstagsWahlkampf ist Eisner mit unermüdlicher Aus­ dauer fast täglich in Versammlungen ausgetre­ ten. i i 1 | | Eisner ist am 14. Mai 1867 in Berlin geboren. Er hat unter anderem herausgege­ ben: "Pshcha pathia spiritualis", Friedrich Nietz­ sche und die Apostel der Zukunft", eine Biogra­ phie von Wilhelm Liebknecht; ferner "Eugen Richters Sozialistenspiegel", "Kulturglossen", "Christliche Arbeiterpslichien", "Ter Zukunftsstaat der Junker", "Der Sultan des Weltkriegs', ein marokkanisches Sittenbild deutscher Tiplvmatenpolttik", "Das Ende des Reichs", "Ter ' dumme Teufel". > > Keine Gnkhabcnsperre bei den Banken. Wie mitgeteilt wird, hät im Laufe des Freitag eine Münchner Großbank die Auszahilung von Guthaben verweigert mit der Be­ gründung, daß von der neuen Regierung die Guthaben gesperrt seien. Wie wir aus zuverläs­ sigster ^Quelle erfahren, ist es vollkommen un­ richtig, daß von der neuen Regierung eine sol­ che Verfügung getroffen worden sei. Vielmehr ist von der neuen Regierung den Banken keiner­ lei Beschränkung auferlegt worden. f , I Tie Bayern in Tirol. Innsbruck, 9. Nov. Tie Umwälzung in Bayern erregte bei den hiesigen bayerischen Truppen Wohlgefallen. Viele Soldaten tru­ gen rote Kokarden an den Mützen. Aus Imst wird gemeldet, daß dort die Bayern gestern zurückbesrchlen wurden. Auch aus dem Unterinntale sind Truppenteile zurückgefahren. Bozen, Meran und Mals sind von den Italienern mit schwaä en Kräften besetzt. In Bozen hüben die Italiener die Verpflegung geregelt. Von Reschen-Scheideck sind die Italiener wieder zu­ rückgegangen. I i i ' ( t i ; I 1 •—i *—« ' i i i | Zur Ausrechievhaltung des Verkehrs hat Minister von Frauendorfer sich an das.Per­ sonal gewandt. ii 1 Ein Erlaß an das Brükehrsipersoual. Tie drei amtlichen BWter des Verkehrs­ ministeriums enthalten folgenden Erlaß des neuen Verkelhtrsmintsters von Frauendorfer an das gesamte Personal: i I i s Im Interesse der Ordnung habe ich die Leitung des Verkehrs ressorts übernommen. Ein geregelter Verkehr ist der vornehmste Grund­ pfeiler im Gebäude der staatlichen Ordnung. Von dem gesamten Personal erwarte ich, daß jeder auf seinem Posten feine Pflicht tut wie bisher. ! | | i 1 i j , v. Frauendorfe r. Tie tzorderungeu des 'BerWvspersonals. Im Bavariakeller in München fand ge­ stern nachmittags 3 Uhr eine Versammlung der Verkehrsverbände statt. Sfkon eine halbe Stunde vor Beginn waren Saal und Hof über­ füllt; die Sfhgr der Besucher dehnte sich aus die anschließenden Straßenzüge aus, soidaß drei Versammlungen abgehalten werden mußten. In den Versammlungen sprayen Referenten sür das vereinigte Verkehrspersonal. Zum. Schluffe der Versammlung wurde eine Entschließung verlesen, welshe fordert: ! ( Sofortige Bildung eines Rates der Verkehvsangehörtgen, der dem Verkehrsminiist er bei­ geordnet werden soll, um über alle "das VerkehrSpersonal betreffenden Fvagsn mitzuent scheiden. Ferner wird in de« Entschließung gefordert die sejchstägige Arbeitswoche und der achtstündige Arbeitstag sowie eine dem an­ strengenden Tienst des Personals entslp reichende bessere Bezahlung. , ; ' i ────────── herrschte am Samstage und gestern Ruthe. Nur die Militärpatrouillen itn den Straßen erin­ nerten daran, daß etwas außergewöhnliches vortliege. 1 ' Um die Straßen von der Jugend zu säu­ bern, wurde am 'Samstag nachmittags Schule abgehalten und ein ; r ' Appell an die Eltern I gerichtet, ihre Kinder von dev Stiraße fern zu halten. Ebenso wurde in der letzten Ma­ gistratssitzung ein i i 1 i Appell tut die Lehrherru , gerichtet, ihre Lehrlinge zu beeinflussen, sich von allen ungelhörigen Handlungen ferne zu halten. , i ', ( i ( Tie SMeßung der Fortbildungsschule die eo. beantragt war, wurde von dem Lehrern abgelehüt, da eine Nichtabhaltung d)ie Jugend nur vermehrt dev Stxaße zusühren ! würde. GeWchfle und Betriebe offen hallten,! Auf Anregung des Herrn G.--B. Ettenkofer in der letzten Kummulativsitzumg beschlos­ sen die städt. Kollegien, es solle an alle Be­ triebe und.Geschäfte ein Appell gerichtet toet* den, offen zu halten und weiter arbeiten zu lassen, damit die Arbeiter der Sorge um Verdienstlosigkeit ledig sind, In Landshut. ────────── Gründung der Bürgerwehr. Am Samstag abends '6 Uhr fanden sich in der Martinstunthalle mehr als 1000 Män­ ner und Frauen ein, um zur Gründung einer Bürgerwehr zu schreiten, welche die Garnison in der Aufrechterhültung der Ordnung unter­ stützen soll. Herr Bürgermeister Tr. Herterichj wies aus Grund der Ereignisse am Freitag abends auf die Notwendigkeit einer solchen Gründung hin. Er soredvte Männer undFrauen aller Parteien und Weltanschauungen aus, der Bürgerwöhr beizutreten und lzur Aufrechterhal­ tung der Ordnung ohne Einmischung in das politischche Getriebe, mitzttwirken. Tie Herren Privatier Sfkmid und Faktor de Temple forderten im Namen der politischen Parteien unserer Stadt zu 'zahlreichem Beitritt in die neue Organisation aus', ebenso Herr G.-B. Mayer. Hieraus ergriff Herr Justizrat ©jtireis ner das Wort zu markigen Ausführungen. Er betonte: Unsere Waffenehve ist unbefleckt. Man hüt die ganze Welt gegen uns gehetzt. Unsere Bündnisse liegen zersetzt am Boden. Wir sind besiegt, aber es And in uns nochfch Kräfte ange­ sammelt, die uns die Fähigkeit geben, uns wieder aufzurichten. f, 1 Er warf' die Frage auf, wie dieser schnelle Zusammenbruchs gekommen sei und meinte, wir sind überrascht worden, auch durch die Schuld Und Kurzsichtigkeit unserer Regierung. Denken Sie: Vier Wochen vor dem fürchterlichen Zu­ sammenbruch, hüt man noch den Entschluß gesatß, mit einer wirtschaftlichen Leiche, mit Oe­ sterreich!, einen Wirtschaftsvertrag abzuschlie­ ßen! Es sei aber nicht richtig- jetzt Vorwürfe zu erheben gegen Leute, die sich, nicht wehren können. Nachdem Jahre 1870 ist uns eben der Hochmut in ben mips gestiegen. Das Sedanlächeln hät uns die Sympathien des Auslan­ des geraubt. Wir haben die eigenen Kräfte überschätzt und die feindlichen unterschiätzt. Im Innern hat uns der Wüchjer aufgesogen und die Volksseele vergiftet, Erbitterung und Ver­ bitterung geschaffen. Noch etwas anderes scheine ihm ditz. Schuld zu tragen: die Eselei unserer Diplomaten. Heute muß das Volk die Fen­ ster bezahlen, die eingeschlagen worden sind. Man hät uns Mit Lügen bedient. Wer aber die Gefahr erkannt hat und dachmf ausmer'ksam machte, den schält man einen Mismsicher. Wir gehvn einer neuen Zeit entgegen und wir haben uns mit der Staatssorm abzufinden. Wie sich, die Tinge entwickeln weiß heute noch kein Mensch,, doch Müssen wir Deutsche end­ sich politisch mündig werden. Wir wollen Ver­ trauen Wtgegenbringen und uns abfinden mit dem, was gekommen ist. Wir wollen insbesonders ein altes Erbübel der Teutschen bekäm­ pfen. Das ist der Parteihader. Tie Kaiser des alten Teutschen Reiches haben Händel mit-den Päpsten angefangen und Kreuzzüge veranstaltet und dabei ist das Volk zugrunde gegangen. Auch wir haben unsere Hände ausgestreckt nach dem Kaukasus, nach, Polen und Kleinasien und dabei ist uns das nächste entglitten. Nun wol­ len wir alle zusammenarbeiten an dem Wie­ deraufbau des Vaterlandes. Wir wollen dem Arbeiter geradeso die Hand reichfen, als dem Mann itn Frack. Nur ein Mensch! aus der Welt ist verächtlich, das ist der Faulenzer. Ter Teut­ sche ist zur Arbeit geboren, durch Arbeit und Tüchtigkeit groß geworden. Turch sie muH sich ein freies Teutsch,land in neuem Glanze erhe­ ben. 1 1 " i i 1 , Hierauf fand die EinzeichUung in die Liste der Bürgerwehp statt, die am Montag ihre geordnete Tätigkeit antritt. Für Samstag und Sonntag meldete sich, eine größere Anzahl Frei­ williger zur Dienstleistung. Auch;, viele Frauen hüben sich in den Tienst der Sache gestellt. 1 v l Gestern wurde auch, hier ein Arbeiter!und Soldatenrat gebildet. ', Ter Arbeiterrjat besteht aus 8 Mitglie­ dern, von denen 4 das Gemerndekollegium, 3 die freien Gewerkschaften und 1 die christliifen Gewerkschaften abgeordnet hüben. Den Vorsitz führt Herb Gastwirt Holl. , ' Ter Soldatenrat besteht aus 7 Mitgliedern unter dem Vorsitz des Herrn Leutnants Wagner. ( t t U i ' i i Tem Arbeiter- und Soldatenrat ist gestern die Mitteilung des Herrn Regierungspräsiden­ ten Exz. 0. Pracher zugegangen» daß er den­ selben anerkenne und i'hw feine Tienste.zur Verfügung stellt. ! ' t ] 1 1 ────────── über den Alutz geworfen. Zwischen der SMde und der Waas huben wir die Bewegungen in letzter Nacht plangemäß weitocgesührt."Vor unseren neuen Linien entwickelten sich> NachjhntDämpse, die südlich! der Strotze Valenciennes— Mons, an der Sambre, nördlich von Avesnes und auf T)en Maashiöhen südwestlich von Sedan größeren Umfang annahimen. Sie endeten überall mit der Abwehr des GegnerD. Ter Feind stand ant Abend östliche von Bavai — nördliche von Avesnes — östlich, von La Ca­ pelle — südwestlich von Hirson — südlich, von Signh l'Wbaye — bei Poix-Terron und auf den MaasHöhen südwestlich! von Sedan. Oestllich der Maas TeilWmpse in dem Waldgelände westlich! von Brandeville. ' 1 [ [ i i -WTB. Berlin, den 10. November 1918. Zwischen Schelde und Maas ist der Feind gestern unseren Bewegungen Über Bonsee— Lenze—St. Glislain—Maubeuge,—Treloe und über die Sormonne, westlich, von Chärleville gefolgt. Auf den ,östlichen Maashöhen und in der Ebene von Moevre wurden mehrfach.! Vorstütze der Amerikaner abgewiesen. 1 I i Ter 1. Generalquartiermeister: ' ; !> ! j Groener. ; i . ────────── Der Waffenstillstand. ... | Gestern früh! würde noch, gemeldet: I 1 WTB. Berlin, 9. Nov. Ter ^Kurier, der die Waffenstillstandbedingungen aus dem Hauptquartier des Marschalls Foich, in däs deuttzche Hauptquartier befördern sollte, 'hat seinen Bestimmungsort bisher noch- nicht erreich,t, Ueber die Gründe seines Ausbleibens, das an­ scheinend auf einen Unglücksfall zurückzuführen ist, besteht noch keine Klarheit. Bon deutscher Seite ist dcther durch, Funkspruch! bei unserer Delegation im feindlichen Hauptquartier Auf­ klärung erbeten worden .Marschall Foch! wird die Bedingungen nach, einem inzwischen einge­ troffenen Funkspruch! durch, einen französischen Flieger in das deutsche Hauptquartier senden. Nachmittags kamen dann die Bedingungen im Auszug«. Sie lauten; ; l i WTB. Berlin, den 10. Nov. (AmtlichJ Holgendes ist ist per Auszug aus den Waffenstilstlandsbedingungen: ' • 1 I 1 1. Inkrafttreten 6 Stunden nach Unter­ zeichnung. ! > ' [ I r i ! 1 1 2. Sofortige Räumung von Belgien,Frank­ reich!,Elsaß-Lochiringen binnen 14 Tagen. Was an Truppen nach dieser Zeit übrig blecht, wird interniert oder kriegsgefangen. > 3. Abzugeben sin d 5000 Kanonen, zunächst schwere, 30000 Maschinengewehre, 3000 Mi­ nenwerfer und 2000 Flugzeuge. r 1 4. Räumung des linken Rheinufers, Mainz, Koblenz', Köln besetzt vom Feinde. 5. Aus dem rechten Rheinufer 30 bis 40 Kilometer Tiefe neutrale Zone, Räumung in 11 Tagen. i I I I i • 1 , 1 6. Auf dem linken Rhetnufer nichts hinwegfühven, alle Fabriken, Eisenbahnen etc. sind intakt zu bleiben. , > > ' , i 1 7. 5000 Lokomotiven, 150 000 Waggone, 10000 Kraftwagen abzugeben. '■ 8. Unterhält der feindlichen Besatzungs­ truppen durchj Teutschland. 1 9. Im Osten alle Truppen hinter dieGrenze vom 1. August 1914 zurücknehmen. Ter­ min dafür nicht angegeben. 10. Verzicht aus die Verträge von BrestLitowsk und Bukärest. 11. Bedingungslose Kapitulation von Dffe afrtka. 1 1 i - 1 ' i I 1 ' ! 12. Rückgabe des Standes der belgischen Bank, des russischen und rumänischen Goldes. 13. Rückgabe der 'Kriegsgefängenen ohüe Gegenseitigkeit. ' - - , ,14. Abgabe von 100 U-Booten, 8 leicht ten Kreuzern, 6 Dreadnoughts, die übrigen Schiffe entwaffnet und überwacht von den Al­ liierten. s I 15. Sicherheit der freien Durchfahrt durchs Kategat, Wegräumung der Minenfelder und Besetzung aller Forts und Batterien, von denen aus diese Tuychfähirt behindert werden könn­ te . ’ ■ s ( | |l f i ! i ! | ! 16. Tie Blockade bleibt bestehen. Teut­ sche Schiffe dürfen weiter geschartert werden. 17 .Alle von Deutschland für Neutrale verhängten Beschränkungen der Schiffahrt, wer­ den aus gehoben. { 18. Ter Waffenstillstand dauert 30 Tage. Diese Bedingungen haben wohl die schlimmsten Erwartungen noch übertrosfen. Tas von Revolution zerwühlte Reich! mußte die­ selben aber annehmen und hat dies auch, bereits getan. Dem Beispiele Oesterreichs folgend, wurde nofhj an Lansing ejrte Bitte um Milder­ ung gerichtet. Hierüber wird gemeldet: WTB. Berlin, kl. November. (Amtlijchch Heute Nacht ist folgende Note an Lansing gefunkt worden: i s i ' Herr Staatssekretär'! Ueberzeugt von der Gemeinsamkeit der demokratischen Ziele und der Ideale hät sifhj die deutsche Regierung an den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit ber Bitte gewendet, den Frieden wieder herzustellen. Dieser Friede sollte den Grund­ sätzen entsprechen, zu welchen sich Präsident Wilson stets bereit erklärt hat. Er sollte eine gereichte Lösung der strittigen Fragen und eine dauernde Versöhnung der Völker zum Zwecke !häben. Ter Herr Präsident hat ferner er­ klärt, daß er mit dem deutschen Volke nicht Krieg führe und daß es in seiner friedlichen Entwicklung nicht behindert werden solle. Tie deutsche Regierung hät dpe Bedingungen für den Waffenstillstand erhälten. Nach, einer Blokkade von 50 Monaten würden diese Bedingun­ gen, insbesonders die Abgabe von Verkehirsmitteln und die Erhaltung der Besatzungstru'ppen bei gleichzeitiger Fortdauer die Ernährungslage Teutschlands zu einer verzweifelten gestalten und den Hungertod von Millionen von Män­ nern, Frauen und Kindern bedeuten. , Wir! müssen die Bedingungen annehmen, wir machen aber den Präsidenten feierlich! und erneut da­ raus aufmerksam, daß die T-urjchfühvüng der Be­ dingungen im deutschen Volke das Gegenteil der Gesinnungen erzeugen muß, die eine Poranssetzung für einen Neuaufbau der Völkergemein­ schaft bilden und einen dauernden Rechtsfrieben verwürgen, Tas deutsche Volk wendet sich daher im letzter Stunde nochmals an den Prä­ sidenten. mit der Bitte, auf eiste Milderung der Bedingungen bei den Alliierten hinzuwirken. Ter Staatssekretär des Auswärtigen Amtes: ! I ! Sols. , ~ ────────── Landshnt, bin 11. November —* Den Heldentod für das VaterCa nid starb nach, 4jähriger treuer. Pflichterfül­ lung Herr Rittmeister d. R. Max Biersack, Justizrat und Magistratsrat hier. Ter baher. Militär-Verdienstorden und das Eiserne Kreuz schmückten die Heldenbrust des Verblichenen, der sich, in allen Kreisen der.hiesigen Bevölkerung größter Beliebtheit erfreute. ' —* Todesfall. Am Samstag nachts starb Frau Babette Ernst, Baumeisterswitwe, na'ch nur 6tägiger Krankheit. —* Wieder eingebrachtt wurde bey größte Teil der bei Tietz gestohlenen Sachen, Von einer Strafanzeige soll gegen die Diebe jedoch!! abgesehen werden. Mit diesem Stand­ punkte erklärte sich, guch der Stadtmagisträt einverstanden. I , —* Der Bauernbundsab g. Gandovf e r, der am 'Samstag nachmittags hier weilte und an der Regierung wie am Bezirksamt vorsprach, und zur geregelten Weiterführung der "Lebensmittelversorgung mahnte, ist gestern vormittags bei einem Automobilunsall nächst Sch'leitzheim tödlich verunglückt. Lokales. ────────── Letzte Posten. Tie WasfenMlstanvWs-iitgnrtgen angc| nommen. ; WTB. Berlin. 10.November. (Amtlich.) Heute morgens fand eine Beratung der Staats­ sekretäre statt. Nasch, Bekanntgabe der Wfassenstillstandsbedingungen wurden diese angenom­ men. Entsprechende Weisungen sind der Frie­ densdelegation gegeben. ! 1 Tier Kaiser tu Holland. * Berlin, 10. Nov. Ter Kaiser ist mit 10 Herren im Gefolge in Arnheim in Holland eingetroffen. Er wird dopt in der Villa des Baron Bentink Wohstung nehmen. i , Tie Dberste Heeresleitung. 1 Berlin, 10. Nov; Ter "Vorwärts" be­ richtet: Tie Oberste Heeresleitung hät die Auto­ rität der Arbeiter»- Und Soldatenväte aner­ kannt. | | i Sachsens König! abgesetzt. Ter "Vorwärts^ berichtet aus Dresden: Ter sächsische König wurde abgesetzt. ! , , ' , ! U ■, Thro,»verzicht. 1 ! A ’ >, Gera, 10. Nov. Prinz Heinrich XXVII. von Reutz jüngere Linie hat für sich, und sein Haus den Verzicht auf den Thron ausgespro­ chen. . ) , i 1 , , An das VerHehirspersonal. An die Arbeiter Und Soldaten rätef 1 Tas Volk muß verhungern, wenn der Bahntransport gestört wird. Tas geschieht aber durch, jeden Eingriff unzuständiger Stel­ len in den Bahnbetrieb und die Bahnverwal­ tung. Gestern sind än verschiedenen Orten von Arbeiter- und Soldatenräten solche Ein­ griffe vorgekommen, z. B. in den Betrieben von Rangierbahnhöfen und in Kassenverwal­ tungen von Bahnstationen. Tas darf nicht wieder vorkommen. Wiederholungen müssen zur Arbeitsverweigerung unserer braven Eisen­ bahner und zum Stillstand jeden geregelten Verkehrs führen. , v ; Berlin, 11. November. [ > l 'i i i i Gez.: Ebert. ; Tie Armee Mackensen. Budapest, 8. Nov. Heute vormittags sind aus Belgrad die Bedingungen der Entente bezüglich des Tnvchmarsches der Armee Macken­ sen durch Ungarn eingetroffen. Ter Ministerrat beriet darüber, doch wurde nichjts Amt­ liches bekanntgegeben. Später wurde der deut­ sche Generalkonsul Graf' Fürftenberjg- Stamheim in den Ministerrat gerufen. Man glaubt, daß die Entente unbedingt auf Entwaffnung der Armee Mackensens dringt. Obwohl dieBerhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, ver­ lautet hier auf das bestimmteste, daß Mackensen, dessen Armee heute ungefähr eine und eine hstlbe Division stark ist, nicht nur unbedingt entschlossen sei, den bewaffneten Turchzug durch Ungarn zu unternehmen, sondern, daß auch seine Truppen diesen Rückzug bereits angetreten hätten . ; | i i t | | 1 ' Täs Koälitionsrecht der Landarbeiter. — Staatssekretär Bauer plant die Einbringung eines Gesetzentwurfes, der unter Aufhebung der Gesindeordnung den Landarbeitern das Koalt-itonsrecht gibt. ! i > . Tie Italiener in Istrien, i Bern, 9. Nov. Nach! einer Meldung des Giornale d'Jtalia landete die italienischeFlvtte Truppenkontingente auf Pen Inseln Lisfa und Lagosta, welche die italienische Flagge hißten. Tie schweizerisichj-rnüsischen Bezielptngen > i ' abgebrochen. G e ns, 10. Nov. Ter schweizerische Bun­ desrat hät unter Berufung aus die bolschewisti­ schen Umtriebe die Beziehungen zur Berner Vertretung der russischen Sowjetregierung ab­ gebrochen. I ( i ■ ' i ( 1 \ I