Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-11-15. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 312, 1918-11-15. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Protest bet deutsche« Bevollmächtigte« bei Übergabe Ser WaffenfttllstanSsbeSingunge«. — Laufing über Lebensmittelversorgung. — Ein deutsches Kriegsschiff versenkt - Die alli­ ierte Flotte in Konstantinopel. — Kaiser Karl verzichtet auch auf die ungarische Königkrone. ────────── Aus dem Reiche. ' Ter Kaiser schon früher unterrichtet. Verschiedene Umstände deuten darauf hin, daß man in der unmittelbaren Umgebung des Kaisers schon bor Monaten mit seinem Sturz rechnete. Auch, der Kaiser selbst war hierüber kaum im Zweifel und es wurden alle Maßnah­ men getroffen, um im eintretenden Fall ein stilles Plätzchen im neutralen Auslande zu haben. So Konnte bie Ententepresse, der es trotz aller Geheimtuerei- zu Ohren gekommen war, bereits bor Monaten berichten, daß das Schloß des Grafen Bendik, Middachten, bei Arnheim für einen solchen Zufluchtsort des Kaisers in Betracht gezogen war. 1 Prinz und Prinzessin Heinrich». , Hamburg, 13. Nov. * Prinz Heinrich» hat den Wunsche geäußert, sein Gut jgemmel= mark bei Eckernförde zu beziehen. Ter Prinz befindet sich, gegenwärtig mit seiner Gemahlin in Grünholz bei Gchwansee in Schleswig-Hol­ stein auf dem Schlosse des Herzogs Friedrich! Ferdinand. Tie Prinzessin wurde auf der Flucht durch einen Schuß in den Arm verwun­ det. Ter Arbeiter- und Soldatenrät verfügte dieser Tage die Requisition des Kraftwagens' des Prinzen, den der Prinz freiwillig heraus­ gab. I Konservative Kundgebungen. Im Namen der Parteileitung richtete der konservative Führer Hehdevrand an alle Par­ teifreunde einen Ausruf, in dem diese aufgesprdert werden, trotz der Bitterkeit und Not der Stunde der gegenwärtigen Regierung ihre Un­ terstützung zum Wohle des Volkes und des Landes angedeihen zu lassen. Namentlich, in Bezug auf die Lebensmittelversorgung müsse selbst unter großen Opfern des Einzelnen alles geschehen, um eine Katastrophe zu verhindern. Tie Lothringer. Tas deutsche Oberkommando hat folgen­ den Fun'kspruch, an die alliierten Regierungen gesandt: Tie französisch« Bevölkerung Lothrin­ gens legt eine deutschfeindliche Gesinnung an 'verschiedenen Punkten des Landes gegenüber deutschen Truppen an den Tag. Tie französi­ sche Regierung wurde gebeten, Lothringen ra­ diotelegraphisch, zur Ruhe zu mahnen. i Tie Frage des Rücktransportes unserer , Frontarmee. Ueber die Frage des Rücktransportes un­ seres Frontheeres scheinen endgültige Bestim­ mungen noch, nicht getroffen zu sein. Es ist indessen anzunehmen, daß die Truppen zu Fuß bis zur deutschen Landesgrenze, oder doch we­ nigstens weit bis Belgien Hineinmars,chivren werden. Erst von hier aus sollen die großen Bahntransporte zusammengestellt werden. Je­ denfalls ist vom 15. November ab mit einer ganz erhebliche Einschränkung des Zivilperfonenverkehrs zu rech,nen. Zivilpersonen er­ halten nur in ganz besonderen» Fällen Reiseerlaubnis. .. 1 Französischer Vorbereitungen» für ElsaßLothringen. i i Tie Waffenstillstandsbedingzungen lassen deutlich, erkennen, daß die Entemte der Auffas­ sung ist, daß Elsaß-Lothringen, zu Frankreichgeschlagen werden müsse. Tie Besetzung wei­ terer deutscher Landesteile scheiint deshalb nur als eine Wafsenstillstandsbeding;nng gedacht sein, die für den endgültigen Friedensschluß keine Bedeutung zu haben braucht. Wie jedoch, zuverlässig aus der Schweiz berichtet wirb, mehren sich, die Anzeichen, daß ^Frankreich durcheine geschickte Propaganda auch., diese deutschen Gebiete für sich, gewinnen möchte. • Gegenrevolution«^ Strömungen der ' kaisertvenen Flotte. ' ' Gestern nachmittags gegen 3 Uhr wurden von der schwedischen Mäste aus auf See fünf deutsche U-Boote gesichtet, die bie deutsche Lot-' senflagge gehißt hatten. Ädmircal Schwed schick­ te der» U-Booten ein Torpedoobp'vt entgegen,. Ter Führer des deutschen U-8Bootes 124 er­ klärte, daß er und seine Kameeraden mit den Booten in Schweden interniert -zu werden »rünschen, weil sie sich der Revoluttion in Teutsch­ land nicht unterordnen ton Ilten. Nach Ent­ waffnung sollen die U-Boote internier^ werden. "Tagens Nyheter" zufolge ist gestern früh ein deutscher Hilfskreuzer vor Malmö auf den Kalk­ grund gelaufen. Ter Hilfskreuzer gehört der gegenrevolutionären Saßnitzer Formation an, die von kaisertreuen Offizieren aus Rügen er­ richtet wurde. Ter Kreuzer wünschte gleich­ falls in Schweden interniert zu werden. -Amerikanisch« Flieger in Köln. Kööln, 13. Nov. Wie verlautet, sind bereits mehrere amerikanische Flieger im Be­ reich- der Festung Köln gelandet. Tas Ministerium für soziale Fürsorge j des Volksstaates Bayern hat an den Reichs­ kanzler Ebert in Berlin folgendes Telegramm gerichtet: Ersuchen um sofortige Nachricht, ob die Einschränkung der Arbeiterschutzgesetze bald aufgehoben wird. ^ 1 ThronvvrziM. Nach, einem Pribattelegramm des Kasse­ ler Tageblattes verzich,tete Fürst Friedrich von Waldeck-Pyrmont freiwillig aus die Regier­ ung. I Tientschjer Protest» Berlin, 13. Nov. Tie deutsche Reichs­ leitung hat bei der Entente gegen das Vorrücken polnischer Truppen Protest erhoben, da die­ ses den Wafsenstillstandsbedingungen wider­ spricht. Außerdem sind geeignete militärische Maßnahmen ergriffen worden. Notwendigkeit Warn BiirgcraussWissen. . Ter Präsident des Hansabundes Dr. Rießer derössentlichi folgenden Auspuff: "Tie Erfah­ rungen der letzten Zeit beweisen, daß das deut­ sche Bürgertum als solches selbst den schwersten inneren Umwälzungen tatenlos gegenübersteht. In dieser entscheidenden Stunde fordern fmtr das deutsche Bürgertum aus, zur sofortigen Bildung von Bürgerausschüssen überall in Teutschland zu schreiten. Tiefe Bürgeraus­ schüsse haben in Fühlung mit der Reichsleitung! und den bestehenden Arbeiter- und Soldaten-i räten in erster Linie folgende Ausgabe zu lösen: Wahrung der bürgerlichen Rechte und der vollen Gleichberechtigung des Bürgertums! bei allen staatlichen Maßnahmen. Zur Bil­ dung eines solchen Bürger ausschusses fürGroßBerlin haben wir bereits die nötigen Schritt« getan." ' Zusammenkunft bcutiftfct und englischer Vertreter zur See. Wilhelmshaven, 13. Nov. Nach, einem Funkspruch hat heute Nacht der Chef der englischen Flotte den Chef der, deutschen Hochseeflotte aufgefordert, sich mit einem Kreu­ zer an einer bestimmten Stelle zur Aufnahme, von Verhandlungen über die Ausführung de« Wafsenstillstandsbedingungen einzufinden. Ter kleine Kreuzer ^Königsberg" ist um 1 Uhr mittags mit Bevollmächtigten des Ar­ beiter- und Soldatenrates der Flotte zu einer Zusammenkunft mit Vertretern der englischen Admiralität in See gegangen. Tie Vertreter! sind mit Vollmachten versehen. Ter Arberter­ und Soldatenrat der Nordseestation der Flotte hat bgm Obermatrosen Wengord, dem Obersteu­ ermann Jank und dem Torpedooootsmaschinistenmaat Mohrmann die Vollmacht erteilt, im Namen des Arbeiter- und Soldatenrates deck Nordseestativn, dem sich! die Flotte unterstellt hat, an den Beratungen über die Ausführung der Wafsenstillstandsbedingungen teilzunehmen und Verträge abzuschließen. Unterzeichnet ist die Vollmacht vom "Präsidenten der Republik Oldenburg" ujtb dem Chef der Hochseestreit­ kräfte Admiral v. Hipper. Es ist zu bemerken, daß der Chef der Hochseeflotte an den Verhand­ lungen nur als fachmännischer Berater teil­ nimmt, während der Arbeiter- und Soldatenrat ausführendes Organ ist. ────────── Tie hierdurch, entstehende Gesamtheit bil­ det den Münchener Arbeite rrat. Tiefer entsendet entsprechend dem Verhält­ nis der vertretenen Personen eine Anzahl von delegierten in den Zentrala rbe trerrat, der 50 Mitglieder zählt. Tie Wahlen sind von den Betrieben bzw. den Berufsorganisationen vor dem 20. Novem­ ber vorzunehmen, das Ergebnis ist dem Vor­ sitzenden des derzeitigen Arbeiterrates bis da­ hin schriftlich bekannt zu geben. L ! Nach, den gleichen Grundsätzen ist in allen Orten und Städten Bayerns zu verfahren. Zum -aherischien Gesandten in Berlin soll, wie die Bayerische Staatszeitung hört, der Prtvatdozent Tr. Friedrich, Mückle ernannt worden sein. Tr. Friedrich, Mückle, bisher Pri­ vatdozent in Heidelberg, hat sich, während des Krieges in den dienst der bayerischen Kriegs­ wirtschaft gestellt. : ^ ────────── Tie franzSsiMien Sozialisten grüßen dir deutschst Brnderrepublik. Aus Genf wird berichtet: Tie französische Sozialistenpartei und der allgemeine Arbeiter­ verband haben eine allgemeine Versammlung abgehalten, um die deutsche Revolution zu be­ grüßen. Wie man aus den sozialistischen Or­ ganen erfährt, haben die Führer der beiden Verbände in dieser Versammlung das Wort er­ griffen. die Versammlung nahm zum Schluß, einstimmig eine Tagesordnung an, in der die int Syndikatsgebäude versammelten Arbeiter des Seinedepartements die Revolution in Deutschland begrüßen, die als eine Folge der Niederlage der Militärpartei die Privilegien in Mitteleuropa abgeschafft habe. Wie 1871 Lieb­ knecht nach dem Sturz Bonapartes verlangen heute die Pariser Arbeiter einen ehrenhaften Frieden, einen Rechtsfrieden, einen republi­ kanischen Frieden für die deutsche Republik Sie verlangen Amnestie für alle verurteilten Arbeiter und fordern die französischen Arbeiter auf, sich! um die Organisation zu scharen. . i Tie Bewegung in Paris. ' Aus Genf wird berichtet: der "Prvgres de Lyon" meldet aus Paris: Ter Syndikalistenverband des Seinedepartements hat beschlos­ sen, einen Antrag auf Umgestaltung der Ver­ fassung in eine demokratisch-proletarische zu stellen. i t 1 i General Foßh, ermordet? Wie der Bremer "Wesertztg." aus bester »Quelle versichert wird, ist der Ententegene­ ralissimus Fach, ermordet worden. Tie Zu­ stände in Frankreich sind unhaltbar. Tie "Weserztg." bemerkt hierzu: Tie Mel­ dung wurde uns bereits in den Abendstunden des Dienstag gerüchtweise aus Berlin mitge­ teilt. Wiederholte Anfragen im Großen Haupt­ quartier bestätigen uns die Richtigkeit der Nach­ richt- Zur Stunde haben wir eine amtliche Bestätigung noch nicht erhalten. Auch im Aus­ wärtigen Amt ist noch, nichts zu erfahren. Frankreich. ────────── Oesterreich. TeutsMöhmen schließt sich Tstntschland an. Vorgestern fand in Leitmeritz eine Ver­ sammlung des deutschen Volksrätes für Böh­ men statt, in welcher einmütig eine Kundgeb­ ung des deutsch-böhmischen Staatsrates be­ igrüßt wurde, in der der Wunsch, nach. Anschluß, an das deutsche Reich ausgesprochen wird. Es sei heute feststehende Tatsachee, daß endlich die Vereinigung der Teutschen im Volksstaate Deutschland gesichert sei. ! ────────── Ungarn. Tie ungarische Königsfrage. Budapest, 13. Nov. Zur Erledigung der ungarischen Thronftäge haben gestern die leitenden Faktoren, nachdem festgestellt tonebe, daß der überwiegende Teil der ungarischen Nation für die republikanische Staatsform ist, eine Abordnung an den König Karl gesandt, die ihm den Wunsch, der ungarischen Nation, der Krone zu entsagen, vorlegte, der Abordnung gehören an Fürstprimas Czernvch,, Präsident Julius Wassi,chs und Fürst Nikolaus Ester­ hazy sowie Graf Tesserfh,. Man hält es für sicher, daß die,,Mission den Erfolg haben wird, daß König Karl wie die gesamte Habsburgische Dynastie auf den ungarischen Thron verzichten werden. 1 's ────────── Aus Rußland. Festgenommenes Konsularpersonal in Rußland. ' Von maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß das Personal der deutschen Generalkon­ sulate in Moskau und Petersburg interniert wurde. Es ist nach, nicht sicher, von wem diese Maßnahme ausgegangen ist. In Peters­ burg ist das deutsche Generalkonsulat in den Händen eines revolutionären Komitees, die Festnahme wurde mit Hilfe von Rotgardisten vorgenommen. Ueber die Zusamwensetzung die­ ses Komitees war bisher noch, nichts Genauereh zu erfahren. ────────── Abzug der deuWst» Truppe» aus Polen. WTB. Warschau, 12. Nov. (Meldung des Soldatenrates.) Seit gestern vormittags sind Häuser, Gebäude der deutschen Militäpund Zivilverwaltung von den polnischen Be­ hörden besetzt. Alle Akten und Gelder sind beschlagnahmt. Zm allgemeinen ereigneten sich keine ernsteren Zwischenfälle. Tie Verhand­ lungen des deutschen Soldatenrats mit Pilsudski führten zu der Vereinbarung, laut der die deutschen Truppen ihre Waffen behalten, die Polen kehren sich, jedoch an diese Abmach­ ung zumeist nicht- Pilsudski verbürgte sich für den gesicherten Abzug aller deutschen. Er­ nährung und Löhnung der Teutschen ist sichergestellt. Mähreend der Nacht kam es in verschie­ denen Stadtgeegenden zu Schießereien. Ter Presseausschuß des deutschen 'Soldatenrates er­ sucht die reichsdeutschen Zeitungen, zur Beru­ higung in der Heimat mitzuteilen, daß die Teutschen aus Warschau und ajus dem Lande baldmöglichst in die Heimat zurückkehren wer­ den. Tie Benachrichtigung der einzelnen An­ gehörigen ist zurzeit wegen der Ueberlastung des in der Neuordnung befindlichen Postdienstes unmöglich,. ' Polen. ────────── Finnland. f 1 Finnland Republik. "Berlingske Tidende" meldet aus Helsingfors: Tie finnischen Republikaner haben in einer großen Versammlung am letzten Sonntag von neuem das Programm festgesetzt, das die Grundlage ihrer Politik in der nächsten Zu­ kunft bilden fält die Versammlung sprach sich, für die unerschütterliche Reutrplität und für die unmittelbare Aufnahme von Verhand­ lungen mit deutschland und der Entente aus wegen Anerkennung der Selbständigkeit Finn­ lands. die äußere Politik soll in einer Richp tung geführt werden, daß der Eintritt Finn­ lands in den kommenden Völkerbund dadurch, vorbereitet wird, die Regierung, die durch ihre Politik ein Hindernis für die Anerken­ nung der Selbständigkeit Finnlands bilde, müs­ se zurücktreten. Bezüglich, der inneren Politik sollen alle Kräfte für die Schafsstng der Ruhe und Ordnung eingesetzt und Neuwahlen züm Landtage angesetzt werden. Die Staatsform des Landes soll die Republik lein. ────────── Belgien. Revolution in Belgien. r ' Ans dem Haag wird berichtet: In ganz i Belgien ist Revolution. In Brüssel herrscht I ein deutscher Soldatenrat allerschärfster RichI tung. In den Straßen wird dauernd gekämpft. I Belgier beteiligen sich überall auf beiden Sech I ten. Es soll viele Tote und Verwundete geben. $ Eine große Gefahr bilden die deutschen Wafsen; bestände. i . . . ; i : •; . ' i I i Die Räumung der besetzten Gebiete. ' Aus gut unterrichteter Quelle wird DTP. mitgeteilt, daß die Truppen der alliierten Län­ der noch, drei Tage ihre gegenwärtige Linie besetzt halten und dann den Vormarsch, antre­ ten. Täglich, sollen 16 Kilometer zurückgelegt werden. Tie deutschen Truppen müssen des­ halb täglich, 16 Kilometer besetzets Gebiet räu­ men. Es ist also mit dem Einzug der Alliierten in Brüssel und Antwerpen bis gegen Sonntag zu rechnen. ────────── Tie Lage in Rumänien. 1 j Aus Rumänien kommen allerlei unkontrol­ lierbare Nach,richten, die besagen, das Land befinde sich. wieder im Kriege gegendeutsch land. Tie Tatsachen haben bisher noch, keine Bestä­ tigung dafür erbracht. Man weiß nur, daß die Regierung Marghiloman zurückgetreten ist und daß am Samstag in Bukarest Plakate ange­ schlagen wurden, durch die die Mobilmachung aller Klassen bis zum 30. Lebensjahre, auch, der in der Walachei, angeordnet wurde. Neu­ esten Nachrichten zufolge soll der Einmarsch, rumänischer Truppen in die Bukowina bet, Anlaß zum Rücktritt Marghilomans gewesen sein. Wegen der Ueberschreitung der Karpa­ thengrenze ohne Zustimmung der Entente sol­ len in Jassy die Ententegesandten beim König vorstellig geworden sein. Ta der König er­ klärt habe, daß der Einmarsch, ohne sein Wis­ sen erfolgt sei und er für das Vorgehen der Regierung nicht eintrete, habe das Ministerium zurücktreten müssen. Marghiloman soll zuge­ geben haben, daß er auf ausdrücklichen Wunsch des Königs demissioniert habe. Rumänien. ────────── Kundgebungen in Italien gegen die > Aus Zürich, wird berichtet: Nach Meldun­ gen von der italienischen Grenze ist in Rom und Mailand infolge der Straßenkundgebun­ gen der Republikaner und Sozialisten für die Abschaffung 'der Monarchie ein allgemeines Versammlungsverbot erlassen worden. ' Züricher Blätter melden aus Mailand die Bildung von Arbeiter- und Soldatenväten in Mailand und Turin. ( Ms antraten Andern. ; «schweizer Hilfe für Tieutschland. 1 1 Tie Schweizer Regierung hat, wie TDP. erfährt, sich, bereit erklärt, nach besten Kräf­ ten deutschland in der Frage der Ernährungs­ krise unter die Arme.zu greifen, vorausge­ setzt, daß die gegenwärtige Regierung nicht von Anarchie und Bolschewismus abgelöst wird. Holland vor Ausbruth, der Revolution. ' Tie "Köln. Volksztg." meldet ans Amstermvkraten hat in einer Rede in Rotterdam dam: Ter Führer der holländischen Sozialde­ angekündigt, daß die Revolution in Holland am Freitag oder Samstag ausbrechen werde. Das Amsterdamer ,Handelsblad" fordert die Regierung auf, mit Waffengewalt dieser Re­ volution entgegenzutreten. Wir erfahren, daß es wahrscheinlich dazu zu spät ist, weil die Re­ gierung zu lange gezögert hat, den Oberbe­ fehlshaber abzusetzen und die ganze Armee zu demokratisieren. ■ > ^WS-MkkM Sicdlungslaud. die Großgrundbesitzer von Königsberg in der Neumark veröffentlichen einen Aufruf, in dem sie es als eine Ehren­ pflicht bezeichnen, die Ansiedlung von Bauern, Handwerkern und freien Arbeitern durch, frei$ willige Hergäbe von Land zu fördern. Sie j fordern gleichzeitig ihre Berussgenossen auf, I sich, der Kundgebung anzuschließen. I Innere KolonifatrM. Dreißig GrvßgrundI besitzet: erlassen in der "Teutschen Tagesztg!." 1 einen Aufruf, in dem sie die sofortige Jnan' griffnahme einer großzügigen inneren Kolonie. Italien. ────────── Aus neutralen Ländern. ; «schweizer Hilfe für Tieutschland. 1 1 Tie Schweizer Regierung hat, wie TDP. erfährt, sich, bereit erklärt, nach besten Kräf­ ten deutschland in der Frage der Ernährungs­ krise unter die Arme.zu greifen, vorausge­ setzt, daß die gegenwärtige Regierung nicht von Anarchie und Bolschewismus abgelöst wird. Holland vor Ausbruth, der Revolution. ' Tie "Köln. Volksztg." meldet ans Amstermvkraten hat in einer Rede in Rotterdam dam: Ter Führer der holländischen Sozialde­ angekündigt, daß die Revolution in Holland am Freitag oder Samstag ausbrechen werde. Das Amsterdamer ,Handelsblad" fordert die Regierung auf, mit Waffengewalt dieser Re­ volution entgegenzutreten. Wir erfahren, daß es wahrscheinlich dazu zu spät ist, weil die Re­ gierung zu lange gezögert hat, den Oberbe­ fehlshaber abzusetzen und die ganze Armee zu demokratisieren. ■ > ────────── sation fordern und es für eine Ehrenpflicht des staatlichen, kommunalen sowie privaten Großgrundbesitzes erklären, freiwillig Land zur Ansiedlung bort Bauern, Handwerkern und Ar­ beitern zu mäßigen Preisen zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung verlangen sie, daß der Staat durchs die Bereitstellung ausreichen­ der finanzieller Mittel 'und billiger Baustät­ ten die Wiederbesiedelung des flachen Landes ermögliche- Sie wollen einen Teil des land­ wirtschaftlichen Großgrundbesitzes erhalten, er­ kennen aber an, daß eine wesentliche Vermeh­ rung der kleinen Betriebe notwendig ist, um den in die Heimat zurückströmenden Kriegern nicht nur Arbeit und Unterkunft, sondern auch den Weg zur wirtschaftlichen Selbständigkeit zu öffnen. ────────── Tie neue Urteilsformel. Tas Justizmini­ sterium hat angeordnet, daß die Formel "Im Namen Sr. Majestät des Königs" bei allen Urteilen, Beschlüssen, Verfügungen, Urkünden, vollstreckbaren Ausfertigungen der Justizbehör­ den, bei denen sie bistzer oorgesch>rie!b>sn war.; wegzulassen ist, Ter Eingang eines Zivilur­ teils eines Amtsgerichtes z. B. hat also bis auf weiteres einfach! zu lauten: "Tas Amtsgericht erläßt .... folgendes Urteil". $iie bisheri­ gen Siegel dürfen nach> einer Anordnung des Justizministeriums bis auf weiteres auch! fer­ nerhin verwendet werden; weil eine Neube­ schaffung der Siegel eine längere Zeit erfordert. Es ist jedoch bis Bezeichnung "Königlich" oder die entsprechende abgekürzte Bezeichnung im Siegelabdruck handschriftlich jeweils richtig zu stellen. Mit Rücksicht auf die Papiernot und aus Ersparnisgründen hat das Justizministe­ rium ferner angeordnet, daß vorhandene Form­ blätter und sonstige Papiere, Briefumschläge usw., die die Bezeichnung "Königlich" oder eine entsprechende Abkürzung enthalten, aufge­ braucht werden'dürfen, jedoch handschriftlich! jeweils ri chtig zu stellen sind. Tas LSjährige Bürgermeisterjjnhiläum fei­ erte am letzten Montag Herr Bürgermeister Gerlspeck in Moosburg. ' 1 Bayerische Boltpartei. Am. Dienstag wurde nachj dem "L. Boten" in Regensburg unter dem Vorsitz der Herren Tr. Heim und Tr. Schlittenbauer von zahlreichen Vertretern der Bayer. Bauernvereine und sonstiger Vertreter aus dem ganzen Lande eine Bayerischst Volks­ partei gegründet. Ihre Parole ist: "Bayern den Bayerns" Tie "Tonaüztg." hängt der aus­ führlichen Meldung über diese Neugründung folgende redaktionelle Anmerkung an: "Triefe Neugründung kommt jedenfalls einer starken volkstümlichen Strömung sit Bayern entgegen, die von Preußen wenig wissen i.citl. Tiefe Wünsche hat aber auch das bayerische Zentrum Bayerische Nachrichten. ────────── ! Gegen die Zahlungsm ittelnott. i Zur Behebung der immer drückemder wer­ denden Zahlungsmittelnot hat die Regierung des Volksstaates Bayern beschlossen:: 1 1. Es wird ein staatlich, genehmigtes, be­ fristetes Notgeld ausgegeben, das fütr das ge­ samte bayerische Staatsgebiet den awderen ge­ setzlichen Zahlungsmitteln an die Seifte treten wird. Mit der Ausgabe wird in allernächster Zeit begonnen werden. Ter Beschlutz der Re­ gierung ist im Benehmen mit der Meichsbank ergangen. ( 2. Es wird ferner verfügt, daß; alle bis -zum 1. SCpril 1919 fällig werdenden "Zinsschei­ ne (Coupons) sämtlicher bayerischer (Staatsanlehen vom 15. November 1918 an bis zum jeweiligen Verfallstage des betresfenwen Zins­ scheines den gesetzlichen Zahlungsmitteln gleich­ stehen. Sie sind von allen staatlichen Kassen einschließlich jener der Eisenbahn und Post, ebenso aber auch, int privaten und im geschäft­ lichen Verkehr anstandslos in Zahlung zu neh­ men. • j , München, den 14. Nov. 1918. Tie Regierung des Volksstaates Bayern. I. Ä.: Der Minister der Finanzent Jafse. ' Polnisch« Anmaßung. . Berlin, 14. Nov. Im Kreise - Witkowo (Provinz Posen) hat sich ein polniischer Ar­ beiter- und Soldatenrat gebildet, der die deut­ schen Behörden abgesetzt und polnisckhe Beam­ te an ihre Stelle berufen hat.. Ti« deutsche Staatshoheit wird von ihm nicht mehr an­ erkannt. Ter Landrat des Kreises ist inter­ niert worden. k | v. Hindeirburg in Kassel. Kassel, 14. Nov. Generalfeldmarschgkl I von Hindenburgz ist heute vormittags mit dem f Nachtrag. Großen Hauptquartier hier eingetroffen und hat im Wilhelmshöhe-SfchlloMotei! Wo nung ge­ nommen. Am Bahnhof hatten sich: zur Be­ grüßung ein Vertreter des Arbeiter- und Sol­ datenrates und für die Stadtvestivaltung Ober­ bürgermeister Kvch! eingefunden. Deutßchp' Flugzeuge in der Schweiz. Bern, 14. Nov. (Meldung der Schhveizer Dstpeschstn-Agentur.) Gestern sind in der Schweiz 10 deutsche Flugzeuge gelandet. ■' ────────── schreibt: Es wird mitgeteilt, daß in einzelnen Gemeinden Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates Lebensrnittel beschlagnahmen oder sonstwie in die bisherige Regelung in der Ab­ lieferung von Getreide, Kartoffeln, Wehs Misch,, Fett', Eiern!, Rüben und anderen Le­ bensmitteln, aber auch, von Heu und Stroh einzugreifen versuchen. Nach einer Bekannt­ machung des Staatsministeriums des Innern kann dies nicht, geduldet werden, denn hier­ durch, wird die ordnungsmäßige Belieferung der Bedarfsbezirke geschädigt und einer schran­ kenlosen Willkür Tür und Tor geöffnet. Ins­ besondere würde dadur,chi> eine gleichmäßige Ver­ sorgung der größeren Städte und Industrieorte, die sich, meist auf rechtsverbindliche Ver­ träge stützt, unmöglich, gemacht. Tas Ministe­ rium hat angeordnet, daß derartigem Ansinnen deshalb keine Folge geleistet werden dürfch. —* Aus der Gefangen sch-a ft entlass e n werden heut« die auf der Trausnitz inter­ nierten amerikanischen Flieger. ' . ' ' —* Der kommende Winter hat gestern und heute seine Visitenkarte abgegeben. Es machte schüchterne Versuche, zu schneien, doch wären die Niedersichljäge nicht von Bedeutung. —* Der Reiseverkeh r. Ter fahrplan­ mäßige Zugsverkehr auf dem rechtsrheinischen Netz der bayerischen Staatseisenbahnen wird solange aufrecht erhalten bleiben, als dies die gegenwärtigen Verhältnisse zulassen. Allenfallsige, durch,, die Demobilmachung notwendige Einschränkungen oder eine vorübergehende Ein­ stellung des Reiseverkehrs werden dem Publi­ kum rechtzeitig bekannt gegeben werden. Tie Nachricht eines Berliner Blattes, daß der Reise­ verkehr in Teutschland demnächst auf 10 Tage nahezu vollständig eingestellt wird, entsprichst nicht den Tatsachen. Es ist zunächst angeordnet worden, daß für das ltnksrheinischje Ufer und für die Zone, die aus dem rechtsrheinischen Ufer geräumt werden muß, der Verkehr auf Arbeiter und beruflich, sowie dringlich reisende Personen beschränkt wird. —* Der heutige Viktualienmarkt war besser bestellt als seine Vorgängers Be­ sonders an Weißkraut war die Zufuhr, eine größere. Es standen'38'Wagen zum Verkaufe. Auschj in Weißrüben waren 12 Wagen angefah­ ren. Ebenso war seit langer Zeit wieder gine größere Zahl von geputzten Gänsen und En­ ten (ca. 50 Stück) am Markte, die schnell Ab­ nehmer fanden. Einiges lebendes Geflügel und Kaninchen fanden gleichfalls rege Nachfrage. An Aepfeln und sonstigen Artikeln war die Zufuhr nicht von Bedeutung. —* Stadt theater Landshut. Sams­ tag, den 16. Nov., findet eine Wiederholung' des Singspiels "Ter Hutmacher Sr. Durch­ laucht" statt. Das Werk hat mittlerweile in Berlin das Jubiläum seiner 100. erfolgreich,en Aufführung erlebt ────────── "Die Plastik", illustrierte Zeitschrift für die gesamte Bildhauerei und Btldneret und ihre Bo« Ziehungen z« Architektur und Kunstgewerbe. Heran»« gegeben von Alex. Heilmeyer, Bildhauer und Knust« schriftsteller, München. Monatlich ein Hest mit acht Kunstdruätafeln und einem Bogen Text. Pret» vierteljährlich 3 Mark. Einzelnes Heft 1.20 Mark. Der Verlag von Gg. W. Callowey, München. < Die Rundschrift. Dargestellt für den Selbst­ nuterricht von P. Ch. Martens. Eine sichere, leicht­ faßliche Untietroeiftmg zum Erlernen der Rundschrift kn 16 Uebu ngen. Verlag von L. Schwarz & Comp. Berlin, S. 14, DresdnerStr. 80. 1918. Preis Mk. 1,40 Tie Illustrierte Kriegs-Chronik des 2b*. heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen ge­ radezu auf dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Chronikstil! die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist e» also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Waffentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag von Velhagen und Kis­ sing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Hef­ tes 60 Psg.) Der "Baumeister", Monatshefte für Architek­ tur und Baupraxis, (Verlagsbuchbehandlung Georg D. W. Callwey). Das Heft ist zum Preise vo» 3—. Mark durch alle Buchhandlungen zu beziehe«. Hnndesport und Jagd. Amtliche Zeit­ liche Zeitschrift des Teutschen Rerchsverbande» für Polizei- und Schutzhunde, E. B. mit 26 Unterabteilungen und anderer Verbände. Er­ scheint wöchentlich einmal tot Verlage Gu«d° lach-Bielefeld. Preis vierteljährlich 2.25 M. "Wachtfeuer" (Architektur-Verlag "D« Zirkel" G. m. b. H., Bertku, Wilhelmstr. 48, Preis 3) Psg ) ist dar neueste 145. Heft erschienen • Literarisches. ────────── Dienstesnachrichten. Schuldienst. Mit Regierungsent schlie ßung vom 21. Weptember 1918 Nr. 35108 wurde der vom 11. Oktober 1918 ab auf Ansuchen soon Rottharlmünster nach Ganacker versetzte Be­ zirksoberletz rer Haas- unter Anerkennung seiner ersprießlichen Dienstleistung von der Führjung der Geschäfte eines Bezirksoberlehrers für den Fortbildungsbezirk Rotthalmünster enthoben. Mit RegierungsentschKeßung vom 5. Novbr. 1918 Nr. 40 979 wurde ab 16. November 1918 der Volksschullehrer Albert Brunnh in Saffersteilen als Bezirksoberlehrer "für den Fortbil­ dungsbezirk Rotthalmünster ausgestellt. ( < ────────── Niederbayerische Nachrichten. Straubing, 14. Nov. (Ein äußerst selte­ nes Jubiläum) feiert der Oberfaktor der Cl. Attenkoferschen Buch- und Kunstdckrckerei, Herr * Robert Held. Am 16. Nov. 1918 vollenden * | sich, 50 Jahre, daß er ununterbrochen in dieser Firma tätig ist. , , i , s Vttsbiburg, 12. Nov. (Sinkende FerkelPreise.) Auf den hiesigen Ferkelmärkten ist ein stetiges Sinken der Preise zu beobachtest. Tie Preise am letzten Markte betrugen nur) mehr 80—140,Mark per Paar,. ! Aidenbaschj. 12. Nov. (Besitzwechsel.) Tas Tr. Scheuermannsche Anwesen mit Sanatori­ um wurde von Herrn Direktor Georg Hofs­ mann aus Tresden angekauft. ' i ────────── ! BMHofcn, 12. Nov. (Bankwesen.) Wie die "Tonau-Ztg." hört, hat die Bayer. Tts-> konto- und Wechselbank A.-G. Nürnberg das Bankgeschäft der Firma C. Nachtigall nebst An­ lesen, Mtadtplatz 29, in Vilshofrn käuflich, über­ nommen. Tie Bank wird nach, Aufführung eines modernen Bankneübaues die Geschäfte ihrer Vilshofener Niederlassung dorthin ver­ legen. ' i ; ────────── Auch in Bayern. machen sich, wie in Berlin, Anzeichen bemerk­ bar, daß die neue Regierung die Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen will, mit ihrer Staats­ kunst Propaganda zu treiben und tief einschnei­ dende Reformen vorzunehmen, noch, ehe die Nationalversammlung gewählt ist. Es wird und muß anerkannt werden, daß im gegen­ wärtigen Zeitpunkt vor der wichtigen Aufgabe der Temobilksierung alles andere zurücktreten muß. Erst nach' Bewältigung dieser umfang­ reichen und alle Kräfte voll in Anspruch neh­ menden Arbeit kann an die Wahlen herange­ gangen werden. 1 Es muß aber entschieden dagegen prote­ stiert werden, daß die jetzige Regierung, die sich) selbst als provisorische Regierung bezeich­ nete, tiefumwälzende Maßnahmen in der Maatsgesetzgebung ohne Zustimmung einer Volksvertretung trifft. Ta der Landtag, die eigentlich — wenn auch nicht unbestritten — noch, zu Recht bestehende Volksvertretung, aus­ geschaltet ist, hat das Volk heute keine Vertre­ tung, der die Regierung für ihre Handlungen verantwortlich, märe. Es kann daher nicht ge­ duldet werden, daß sie ihre Macht ohne Rück­ sicht auf den Volkswillen ausnützt. Tie "llk." schreibt hierzu u. a.: Gegen die­ ses Vorhaben könnte — wenn es wirklich, be­ steht — nicht früh genug der entschiedenste Protest erhoben werden. Ter gegenwärtige Zustand ist ein aufgenötigter, der nur solange ertragen wird, als es die Schwierigkeiten der Demobilmachung erfordern. Um eine Partei­ herrschaft befestigen zu lassen, wollen wir von der Revolutionsregierung nicht regiert sein)! Es wird ein Prüfstein an ihrer Demokratie sein, ob die Regierung baldige Wahlen an­ setzt oder ob sie, gestützt auf ein willkürlich! zusammengesetztes Parlament, länger als un­ bedingt notwendig weiter regiert. Es würde aber auch, die Mitarbeit der heute mundtot und rechtlos gemachten Volksschichten günstig beeinflussen, wenn die provisorischen Regier­ ungen im Reichje und in Bayern auf den denk­ bar nächsten Termin die Abhaltung der Wah­ len festlegten, und eine- solche Bekanntmach­ ung zeitig genug erließen. Ungefähr läßt sich heute schon ermessen, bis zu welchem Zeitpüntt die Wahlen möglich, sein werden. Wir erheben diese Forderung nicht im jParteiinteresse, sondern als Gebot, 'das sich, der einfachsten Staatsklugheit aufdrängen muß. Wir wollen wissen, daß wir bald wieder unter geordneten und gesetzlichen Zuständen le­ ben werden. Wir müssen uns auch, sicher hal­ ten können, daß wir frei und unbeh indert über die Grundlagen entscheiden können, aus welchen der Staat beruhen soll. Je eher solche Gewißheit geschaffen wird, desto besser. Tenn die Stimmung des Volkes ist davon im weite­ sten Matze abhängig. j , Auch die "M. N. N." schrieben gestern am Schlüsse eines Artikels, der dem zurückge­ tretenen König gewidmet war: Taß dem Lande bald völlige Ruhe werde, daß bald des eigenen Stammes Männer und Frauen, nicht fremde Elemente, in der freiesten Selbstbestimmung Und Staatsform die Angelegenheiten des Lan­ des in ihre Obhut nehmen können, nachdem ein.gewaltiger Sturm die alte Form zerbrochen hat, dazu hat der König mit seinem Schritt bon heute, was an ihm noch, lag,, beigetragen,. !An uns wird es sein, wenn erst die Wahlen im Lande den bayerischen Bürgern ihr Recht Ungeschmälert nach diesem unvermeidbaren Zwischenakt gegeben haben werden, den Volks­ staat Bayern nach, den eigenen Bedürfnissen wohnlich, so einzurichten, daß jedermann, auch der Herrscher von gestern, im freien Volksstaat lich frei und sicher und glücklich fühle. ────────── Letzte Posten. Protest der deutsichjen BevollmKchtigtcn. Tie deutschen Bevollmächtigten gäben bei Unterzeichnung des Wassenstillstanides nachfol­ gende Erklärung aß: • Tie deutsche Regierung wird selbstver­ ständlich, bestrebt sein, mit allen .Kräften für die Durchführung der auferlegtem Verpflich­ tungen Sorge zu tragen. Tie untterzeichneten Bevollmächtigten erkennen an, daß. in einigen! Punkten auf ihre Anregung hin Emtgegenkomme ngezeigt worden ist. (Es folgt die Bezug­ nahme auf einen am 9. Novenüber stattge­ habten Austausch, von Schriftstücken zwischen den deutschen Waffenstillstandsbedvlllmächtigten und ,Marschall Fach.) Sie dürfen aber keinen Zweifel darüber lassen, daß insbesondere die Kürze der Räumungsfristen, sowie die Abgabe unentbehrlicher Transportmittel eimen Zustand herbeizuführen drohen, der ohne IBerschjulden der deutschen Regierung und des demtschen Vol­ kes die weitere Erfüllung der Bedingungen unmöglich, machen tonn. Tie unterzeichneten Bevollmächtigten erachten es fernere für ihre Pflicht, unter Berufung aus ihre wiederholten mündlichen und schriftlichen Erklärrungen noch einmal mit allem Nachdruck darauf Hs inzuweisen, daß die Durchführung dieses Abkomrmens das deutsche Volk in Anarchie und ^Hungersnot stürzen muß. Nach, den Kundgebungen, die den Waffenstillstand eingeleitet haben, nnußten Be­ dingungen erwartet werden, die bei voller mi­ litärischer Sicherung unserer Gegner: die *Qualen der am Kampfe Unbeteiligten, Ffrauen und Kinder beendet hätten. Tas deuttsche Volk, das 50 Monate lang standgehjalten hat gegen eine Welt von Feinden, wird ungeaachM jeder Gewalt seine Freiheit und Einheit warhren. Ein Volk von 70 Millionen leidet, aber es stirbt nicht. , j Erzberger, Graf Oberndprff, v. Mnterftld, Vamelow. Mn deutscher Appell an die nSttettctt Völker. Berli n, 14. Nov. Ter Bolllzugsausschüß des Arbeiter- und Soldatenrattes hat an die Völker Frankreichs, Englands, Jtcaliens und Amerikas einen Aufruf gesandt, in de:m es u. a. heißt: Die Arbeiter und Soldaten 'waren es, die die Militärdiktatur zerschmetterten uyd die Regierung beseitigten, die die Verantwortung für die Kriegspvlitik Deutschlands trägt. Ar­ beiter und Soldaten sind es, die die Freiheit Deutschlands erkämpft haben. Arbeiter und Soldaten sind es, die dringend den Frie en haben wollen. Tie ftiedlichen Völker haben von dem fteiheitlichen Teutsch land nichts mehr zu befürchten. Wie die Gewaltpolitik im In­ nern, so soll auch die Gewaltpolitik nach außen in Deutschland für immer dahin sein. Niemals wieder soll der deutsche Militariswus sein Haupt erheben. Wir bitten die Völker, mit ihrer ganzen Kraft dafür einzutreten, daß der Friede, der da kommt, ein Friede bürgerlicher Verständigung ohne jede Eroberung und Un­ terdrückung wird, ein Friede, der jedem Volk das Recht der Selbstbestimmung und freiheit­ lichen Entwicklung läßt. Ihr Arbeiter, Frank­ reichs, Englandss, Italiens und Amerikas habt oft versprochen, daß ein solcher Friede Euer Ziel sei. Laßt jetzt das Versprechen zur Tat werden. Als Vertreter des Vollzugsausschus­ ses der Arbeiter- und Soldatenräte erheben wir unsere Stimme und Bitten Euch!, dafür einzutreten, daß das deutsche Volk durch. (Hure Regierungen nicht zu einem Sklavendasein ver­ urteilt wird. Wir haben uns unsere Freiheit im Innern erkämpft und wollen in Zukunft im Rate der Völker als gleichberechtigte Mit­ arbeiter sitzen. Es lebe der Friede, es lebe die Freiheit, es lebe der internationale revo­ lutionäre Sozialismusß, Berlin, 14. Nov. 1918. , Ter Vollzugsausschuß : , des Arbeiter- ünd Soldatenrates. Ei« deutsches Kriegsschiff Nrfcttüt. Berli n, 14. Nov. Nach einer Mittei­ lung, die dem "Berliner Lotolanzeiger" aus Schleswig-Holstein zugeht, ist das Linienschiff "Schleswig", das im Jahre 1916 gebaut wurde^ torpediert worden und Mit Mann und Maus untergegangen. Tas Schiff war kurz nach. den Kieler. Ereignissen in Flensburg eingetroffen. Tort hatte ein Teil der Mannschaft das Schiff" verlassen, der Rest der Besatzung^, etwa 200 Marinekadetten und 130 Mann, fuhr nach den dänischen Inseln und versuchte schließlich!, die norwegischen Gewässer zu erreichen. Unter­ wegs wurde das Schiff von zsrei deutschen Pauzerkrenzern, die bereits die xote Flagge gehißt hatten, verfolgt und ist schließlich torpediert worden. ' | Eine Note Lansings über Lebensmittel[ i Versorgung. Turch den schweizerischen Gesandten Sulzner in Washington teilt der nordamerikanische Staatsse kretär San fing mit: In der gemeinsamen Sitzung beider Häu­ ser des Kongresses hat der Präsident der Ver­ einigten Staaten erklärt, daß die . Vertreter der alliierten Regierungen an den obersten Kriegsrat in Versailles durch! einstimmigen Be­ schluß den Vertretern der Mittelmächte versi­ chert haben, daß arieSj, was unter den Umstän­ den möglich; ist, geschehen wird!, um sie Mit Lebensrnitteln zu versorgen und die Not zu erleichtern, die an vielen Orten geradezu das Leben bedroht, und daß unmitteWare Schiritte getan werden sollen, um diese Unterstützung in derselben systematischen Weise zü organisieren, wie es im Falle mit Belgien gestehen ist. Wei­ terhin sprach der Präsident seine Ansicht aus, daß mit Hilfe des stilliegenden Schiffsraumes der Mittelmächte es alsbald möglich, sein müsse, ihre unterdrückte Bevölkerung von der Fnpcht vor völliger Verelendung zu Befreien und ihren Sinn und ihre Energie für die großen Aufga­ ben des politischen Wiederaufbaues freizuma­ chen, deren sie überall gegenüberstehen. Dementsprechend beauftragte mich. der Prä­ sident, zu erklären, daß er Bereif ist, die "Be- ' lieferung Deutschlands mit Lebensrnitteln in wohlwollende Erwägung zu ziehen und die Frage sofort mit den Verbündeten zu erörtern, vorausgesetzt, daß er versichert sein kann, daß die öffentliche Ordnung in Teutsch land weiter­ hin ist und bleibt un.d daß eine unparteiische Verteilung der Lebensrnittel verbürgt ist. Me alliierte Flotte itt Krmstantinopel. London, 14. Nov. (Reuter.) Tie Ad­ miralität teift mit, daß die alliierten Flotten gestern durch; die Tardanellen fuhren. Bri­ tische und indische Truppen, die die Forts be­ setzt hatten, paradierten, als die Schiffe vor­ beizogen. Die Flotte kam heute in Konstan­ tinopel an. r T«r deutsche Kronprinz in Holland. Haag, 14. Nov. Es wird beabsichtigtden früheren deutschen Kronprinzen mit zwei Begleitern bei Arenheim zu internieren. Tie beiden anderen Offiziere sollen in einem ande­ ren Internierungslager untergebracht werden. ' ' ' Aus Holland. , Amsterdam, 14. Nov. In Amsterdam,., im Haag und in Rotterdam sind bisher keine größeren. Ruhestörungen vorgekommen. In allen drei Städten ist Militär zusammengezo­ gen. Außerdem/ werden Bürgerwehren gebil­ det. Tas Straßenbild ist lebhaft. Für die Tauer der Demobilisierung wird der Ausschank von Branntwein verboten. Me Stellung der Offiziere. Berlin, 14. Nov. Wie der "Lokalanz." mitteilt, entbehren Me Gerücht« über einen Ofsizierspntsch jeder Begründung. Tie Offi­ ziere stellen sichj auf den Boden der neuen Ord­ nung, ohne natürlich, ihre innere Ueberzeugung, aufzugeben. Sie sind viel zu Auge ünd intel­ ligente Leute, als daß sie sich! nicht selbst sag­ ten, daß ein gegenteiliger Standpunkt nichp zu dem beabsichtigten Zweck führen tonnte, denn mit der Rückkehr des alten Regimes rech^ neu aüch sie nicht mehr. , ! i Druck tt. Verlag I. I Rtetsch. Verantwortliches IchrLftlettrr F. I. Wagner. G-tde In Laavstzur'. ────────── Land «Hut, de» 15. November —* Das Eiserne Kreuz wurde dem Infanteristen im Zus.-LeibMegiment Herrn Norbert Salat von hier verliehen. —* Das Eiserne Kreuz wurde dem Bierführer Herrn Andreas Teutinger und dem Elektrotechniker Herrn Simon Psaff von hier verliehen. ' ; . ; —* In die Heimat überführt wird die Leiche des int Dienste des Vaterlandes verstorbenen Herrn Justizrat Max Biersack, Rittmeister d. 9t. Tie Beerdigung findet am Montag hier statt. \ —* Aus französischer Gefangen­ schaft, in die er bei dem Rückzug in Serbien geriet, ist Herr Oberjarzt Dir. Rudolf Ortbauer'^ Sohn des Herrn Lehrers Ortbauer im benach­ barten Gündlkofen nach! 30tägiger Wanderung durch! Serbien und Ungarn und zuletzt Bahn­ fahrt von Temesvar hierher zurückgekehrt. —* Die Verpflichtung der staatlichen und städtischen Beamtenschaft auf die neueRegierung hat gestern hier stattgefunden. —* Eine rote Fahne weht heute von unserer Burg Triausnitz. —* Der St e ll per t re ter d e s Kriegs­ ministers der neuen bayerischen Regierung, Nimmersall, so mimt heute hierher, um in einer' nachmittags im Hotel Bernlochner stattfinden­ den Soldatenversammlung zu sprechen. —* Zu dem Vorfall am Bahnsteig, den wir vor einiger Zeit gerügt hatten, wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt, daß der Reisende mit ungiftigem Fahrschein den Zug benutzen wollte und trotz Anweisung, sich! um Fahrterlaubnis an den Fahrdienstleiter zu wen­ den, eigenmächtig zum Zuge drängen wollte. Ter Bahnsteigslchaffner hat daher pflichtgemäß gehandelt, als er den Reisenden an dem Betre­ ten des Zuges hinderte. Tie Kontrolle muß aber infolge der vielen Mißbräuche, die sich. eingeschlichen haben, eine strenge sein, da sonst eine Aufrechterhaltung der Ordnung nicht mög­ lich, wäre. —* Verbo t der Beschlagnahme von Leben smitteln. Die "Bayer. Staatsztg." Lokales.