Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-11-19. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 316, 1918-11-19. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 316 19. November 1918 ────────── Französische Ansprüche. Der Gewalt seinen Frieden, sein Brot. — Die deutsche Nationalversammlung. — Der Vormarsch der Aliierten zum Rhein. — Eine neue Bitte an Lansing. ────────── Tie Wahlen $itr Nationalversammlung sind nach. der Meldung einer politischen Kor­ respondenz im Entwürfe des Reichsamtes des Innern auf 2. Februar' vorgesehen. Dchon die­ ser Wahltermin bedeutet eine ungebührliche Hinausziehung des Uebergangsstadiums. Wer aitiji diese Zusage soll nur eine bedingte sein,, da es nicht für unmöglich erklärt wurde, da st die Regierung noch größere Aenderungen an dem Entwurf zur Wahlordnung vornimmt. Es scheint jetzt, daß wirklich auch der 2. Februar noi;, nicht der Wahltag sein soll, denn eine Berliner Meldung sagt, daß ein "Volks-! beauftragter" sich dahin geäußert habe, daß die Wahlen an diesem Termine noch nicht stattfinden können. ' Tiefe Ansicht muß entschieden bekämpft werden. Zn Bayern sind die Wahlen auf An­ fang Januar versprochen, in Baden sind sie auf den 5. Zanuar festgesetzt. Was hier geht, muß auch, für die Wahlen zur deutschen National Versammlung gehen, denn die Wähler sind bei beiden Wahlen die gleichen. Es liegen also keine technischen Schwierigkeiten vor. Wir können uns mit dem Provisorium nicht länger einverstanden erklären, als dies unbedingt notwendig ist. Es muß eine Volks­ vertretung geschaffen werden, die befugt ist,, im Namen des ganzen Volkes zu sprechen und zu handeln. Es ist dies auch, notwendig int Hinblick auf die kommenden Friedensverhandlungens Neuerdings, erklärte der Vertreter des ameri­ kanischen Präsidenten, Oberst House, daß Wil­ son nicht geneigt sei, mit einer Tiktatur ‘in Deutschland zu verhandeln und er verschärfte diesen Willen in der Formel: Ter Gewalt keinen Frieden Und kein Brot. Dem kann nur die Schaffung einer wahren Volksvertre­ tung begegnen. Ein Zögern der Reichsleitung könnte für unser. Volk die schwersten Folgen haben. ' j Als weiterer Grund kommt in Betracht, daß Deutsch-Oesterreich, das seinen Anschluß an die deutsche Republik erklärt hat, seine Wahlen ebenfalls bereits für Januar, festge­ setzt hat. ■ Tie provisorische Regierung muß sich da­ rauf beschränken, den Uebergang von dem alten in das neue Regime nach, Möglichkeit tn Ruhe und Ordnung zu vollziehen und hierbei, aber auch, nur hierbei, kann sie auf die Mtlapbert aller rechnen, die doch das Gebot der Stunde ist. Tie Mitarbeit aller Kreise des Volkes bedingen die. Grundsätze der Temokratie. Tie Mitarbeit und die notwendige Autorität kann aber nur einer Regierung zuteil werden, die auf dem Willen des ganzen' Volkes beruht. Besonders bet dem jetzt notwendigen Wie­ deraufbau int weitesten Sinne, bei der Neuauf-: richtung und Neueinrichtung, die doch, möglichst Die Wahlen zur Nationalversammlung. schnell einzusetzen hat, must jeder mitmachen^ kann aber nur jeder mitmachen, toemn eine vom. Willen der Gesamtheit getragene pairkamentarische Vertretung und Regierung am der Spitze stehen. Tie baldige Konstituierung eiiner solchen Volksvertretung und Bolksregierumg im vol­ len Sinne des Wortes ist aber nicht nur mit Rücksicht auf die inneren Zustände, sondern» auch, in Anbetracht unserer auswäirtigen Be­ ziehungen die Forderung des Tages.. Schon bei den Wasfenstillstamdsverhandhingen haben unsere Gegner die Aktivlegiti-i mation unserer 'Regierung in Zweisfel gezogen, umso mehr nrühte dies Bei, den toimjmenben Friedensverhandlungen der Fall sein, bereit bal­ dige Aufnahme und Durchführung eine Lebens-, Notwendigkeit für unser Volk und den Wie­ deraufbau unserer VoÜRwirtßchast bedeuten. Ist unter diesen Umständen sichom der Wahl­ termin vom 2. Februar als eine mmberechtzvgte Verzögerung zu bezeichnen, so mpß gegen eine weitere Verschleppung der entschietdenste Wi­ derspruch! erhoben werden. Besonderen Nachdruck erhält diese Forder­ ung durch, die Gefahren, die der neuen Re­ gierung und damit auch, dem deutschen SSoIfe, drohen durch, die in stets verschärftem Maße einsetzenden, bolschewistischen Treibereien. Vor einigen Tagen protestierte der Bremer Solda­ tenrat gegen die Befehlsgewalt der Offiziere, die völlig ausgeschaltet werden sollte. Heute wird gemeldet, daß der Berliner Arbeiter- und Svldatenrat gegen eine bürgerlich-demokratische und für eine proletarische Republik sich ausge­ sprochen habe. Er will auch keine National­ versammlung, sondern eine Deleziertenversammlung der Arbeiter^-,und Soldatenräte. Ein Ende kann all diesen Treibereien nur die Na­ tionalversammlung selbst machen, deren bal­ dige Berufung daher sowohl int Interesse der Regierung als des Volkes eine dringende Not­ wendigkeit ist. 1 9t$ Ire Reiche. Ter Bremer SoldatenSrat gegen' die Re­ gierung. Ter Soldatenrat gibt bekannt: Ter Solda­ tenrat von Bremen protestiert dagegen, daß die Reichsregierung die Befehlsgewalt für die Offiziere wieder einsetzen will. Tee Zusam­ menbruch, des alten Systems hat dieselbe erle­ digt. Eine Regierung, die Hand in Hand mit den Trägern des alten Systems- arbeitet, hat sich ihr Urteil selbst gesprochen Wir. be­ kämpfen diese als Feind der neuen Gewalt der Arbeiter- und Solsatenräte. Tas Parlament ist aufgelöst; Pie darauf ruhende Regierung hat keine Machtbefugnisse mehr. Tie örtlichen Soldaten-. und Arbeiterräte haben die Gewalt und werden diese auch gegen die anmaßende Gewalt der Regierung Ebert-Haase durchsetzen, solange dieselbe eine bürgerliche Politik treibt und keine sozialistische. , r , ────────── tionen des Handelsvertragsoereins eine wachferenz, Oberst House, erklärte Pressevertretern sende Mißsttmmung in der Shweizer Geschäfts- gegenüber, mit einem Deutschland, das unter irgend einer Tiktatur stehe, sei es einer mili­ tärischen oder einer revolutionären, könnten die Alliierten ntfjf verhandeln. Wilson werde einer revolutionären Tiktatur gegenüber den gleichen Standpuntt einnehmen, den er, der Tiktatur der Hohenzollern gegenüber einge­ nommen habe, den Standpunkt, der Gewalt keinen Frieden, /kein Brot. Tie Gefahr eines terroristischen 'Regiments in Teutschland sei glücklicherweise geschwunden. 3ic Alliiertcn in Metz. Genf, 18. Nov. Im Laufe des gestrigen Sonntag na f mittag sind die ersten Vortrup!pen der Alliierten, Franzosen, Engländer und Amerikaner, in Automobilen sowie in kleinen Abteilungen in Metz eingetroffen. Ter "Ma­ tin" meldet, General Pettin und Mcmgis seien dort eingetroffen. I i GrotzlitauiUje Ansprüche. Berlin, 18. Nov. Ein in den Tilsiter litauischen Blättern veröffentlichter Aufruf der sogenannten preußisch-litauischen Volkskommisfron zum Anschluß an ein Groß-Litauen nimmt Labiau, Wehlau, Insterburgs Tarkehnen und Goldäp als litauisches Gebiet in Anspruchs Für Stadt-> und Landkreis Tilsit haben 14 radikale Litauer der "B. Z. ant Mittag" zufolge bereits einen litauischen Landesrat gegründet. Franzöfissche "Ansprüche". Wie der "Matin" feststellt, werden die An­ sprühe Frankreichs an Teutschland 340 Mil­ liarden betragen. Diese Summe setzt sich, zu­ sammen: Rückzahlung der 5 Milliarden Kriegs­ kosten von '1870/71 mit Zins und Zinseszins, 140 Milliarden; für Jnvalidenpensionen 50 Milliarden, für Kriegskosten 50 Milliarden,, für Wiederausbau und Schadenersatz 100 Mil­ liarden, zusammen '340 Milliarden. Vorheri­ ge Anerkennung dieser Schuld sei Vorbedingung der Friedensverhandlungen. Die ande'rjen En­ tenteländer würden !ühnliche Forderungen stel­ len, so daß das deutsche Nationalvermögen nicht ausreichen werbe. Die Entente werde bestim­ men, wieviel man den Teutschen jährlich zum Leben lasse. Ter Teutsche habe künftig nur insofern ein Existenzrecht, als ec seine Schul­ den zahlen könne. : | Tier Gewalt keinen Frieden, kein Brot. Rotterdam, 18. Nov. Ter Vertreter des Präsidenten Wilson bei der Alliiertenkon ────────── Oesterreich. Tier Streit tun Fiume. [ Genf, 18. Nov. Aus jungslawischeuKrei­ sen tu Genf wird bekannt, daß die Reibungen zwischen den Italienern und Jungslawen um die österreichischen Gebiete in Talmatien, s Istrien usw. bereits begonnen haben. Ter größte Zankapfel ist der Besitz von Fiume. Obgleich! noch! gar kein Friedensschluß vor­ liegt, der den künftigen Besitz von Fiume re"gelt, verlangen die Fiumaner, daß die Stadt als italienis ches Gebiet anerkannt werden müsse, während die Jungslawen Fiume als ihren Kriegshafen beanspruchen. Außerdem machen disziplinlose Banden aufgelöstex ungarischer Re«-, gimenter den Jungslawen große Sorge, welche plündern, morden und rauben. "Eine Ab­ ordnung der Jungslawen ist nach: Rom und «Paris unterwegs, um den Schuh der Entente anzurufen gegen die eigenen Landsleute. . Ter- Kommandant der 'serbischen Truppen in- Laibach: sandte den im südslawischen Ge­ biet vorrückenden Italienern die Order, daß er Befehl habe, den Vormarsch: der Italiener zu verhindern. Wenn ihr Vordringen nicht eingestellt würde, müßte er zu den Waffen greifen. • ! I ────────── Frankreich. FranzösiWs Kriegsschiff gesunken. * /Tie Blätter melden: Bei den Marine'' kreisen ist die Nachsicht eingetroffen, daß das • französische Flaggschiff "Waldeck Rousseau"« Ende September l. I. wurde von einem in der beim Einläufen in die Boochss di Cattaro auf [ Nähe von Rotthalmünster gelegenen, der Man- eine Mine gestoßen und gesunken ist. größte Teil der Bemannung ist gerettet. ────────── Amerika. TiemobilisiernnA in Amerika. Nach, Meldungen aus Washington hat Ge­ neral March, Befehl zur allgemeinen Temo-! bilisierung sämtlicher Truppen der Vereinige ten Staolten in einer Gesamtstärke von 1 790 000 Mann gegeben. 1 ────────── Tages-Uebersicht. Verschmelzung der konservativen Partei­ en. Wie feie "Tägliche Rundschau" erfährt, ha­ ben am Sarmstag Cinigungsverhandlungen zwi­ schen den 'Deutsch-Konservativen und denFreichonservatiwen stattgefunden, die zu dem Er­ gebnis geführt haben, daß sie die beiden Par­ teien verschmelzen und in Zukunft gemeinsam auftreten toter bett. Tie neugebildete konserva­ tive Partei wird, in den nächsten Tagen mit einem neuen Programm vor die OÖffentlichkeit treten, daA entsprechend der veränderten Lage einen stark demokratischen Charakter haben wird. ( ────────── welt geltend. Tas Organ des HandelsvertragsVereins, deer "Teutsche Außenhandel", schreibt: "Jedess einschlägige Vorkommnis wird natüxttf, sofiorr auct) in den Gesellschaften und an den Biertischen lebhaft und event. mit Uebertreibung erörtert, so daß ein derartiges Stuftreten in der Tat dem Ansehen der deut­ schen Geschäftswelt in der Schweiz starken Scha­ den bringt. Es sei daher.der deutschen Kauf­ mannschaft wiederholt nachdrücklich anempfoh­ len, alle nnßdeutbaren geschäftlichen Maßnah­ men neutralländischen Firmen gegenüber zu vermeiden und auch! sonst im geschäftlichen Ver­ kehr mit denselben weitestgehenden Takt zu be­ wahren und auf deren "neutralländisches Em­ pfinden die gebührende Rücksicht zu nehmen." tSine weid lisch p Leiche wurde von dem Flußmeister Baier in Moosburtz in der Isar bei Bonau an einem Brückenpfeiler gesunden. Tie Leiche dürfte schon lange im Wasser gelegen haben. , , AyerWe Midjtidjteti. Tie ErriMung von Volksgekichten und die Temökratisierung dev Militärgerichte ist von der Regierung verordnet worden: Tas Volksgericht entscheidet in der Besetzung von 2 Berufsrichiem und 3 Laienrichtern. Tie Richter ernennt der Justizminister im Beneh­ men mit dem Minister für militärische Ange­ legenheiten. Zur Verurteilung oder Freispre­ chung ist eine Mehrheit von 4 Stimmen erfor-. derlich,. Ergibt sich diese Mehvheit nicht, so ist der Beschuldigte an das für ihn sonst zu-' ständige ordentliche Gericht zu verweisen. MÄermeriM MchriAe« ' Deggendorf, 15. Nov. (Plötzlicher Tod.) Gestern abends 6 Uhr wurde der Borstand der Agentie T«eggendorf der Südd. Tvnau-Tämpf--> schifsahrts-Gesellschast Herr Michael Blank in seinem Büro tödlich! dom Gehirnschlage getrof­ fen. i Rotthalmünster, 13. Nov. (Felddiebstahl.) Allerlei. Gegen deutschte Kaufleute, die dem Verneh­ men nah! trotz aller Fremdenkontrolle immer noch, in grrnßer Anzahl nach der Schweiz reisen und dort mutet allen Umstünden Beziehungen mit Firmem anzuknüpfen suchen, die ihnen als Vermittler für den späteren Geschäftsverkehr: mit der G>eschäftswett der feindlichen Staaten oder auch, als Teckadressen für Finanzgeschäfte zur Ermö-gli hung deutscher Steuerhinterzieh­ ungen dienen sollen, mäht sich ztach Informa­ tionen des Handelsvertragsoereins eine wachferenz, Oberst House, erklärte Pressevertretern sende Mißsttmmung in der Shweizer Geschäfts- ────────── Bayerische Nachrichten. Tie ErriMung von Volksgekichten und die Temökratisierung dev Militärgerichte ist von der Regierung verordnet worden: Tas Volksgericht entscheidet in der Besetzung von 2 Berufsrichiem und 3 Laienrichtern. Tie Richter ernennt der Justizminister im Beneh­ men mit dem Minister für militärische Ange­ legenheiten. Zur Verurteilung oder Freispre­ chung ist eine Mehrheit von 4 Stimmen erfor-. derlich,. Ergibt sich diese Mehvheit nicht, so ist der Beschuldigte an das für ihn sonst zu-' ständige ordentliche Gericht zu verweisen. ────────── Niederbayerische Nachrichten. ' Deggendorf, 15. Nov. (Plötzlicher Tod.) Gestern abends 6 Uhr wurde der Borstand der Agentie T«eggendorf der Südd. Tvnau-Tämpf--> schifsahrts-Gesellschast Herr Michael Blank in seinem Büro tödlich! dom Gehirnschlage getrof­ fen. i Rotthalmünster, 13. Nov. (Felddiebstahl.) FranzösiWs Kriegsschiff gesunken. * /Tie Blätter melden: Bei den Marine'' kreisen ist die Nachsicht eingetroffen, daß das • französische Flaggschiff "Waldeck Rousseau"« Ende September l. I. wurde von einem in der beim Einläufen in die Boochss di Cattaro auf [ Nähe von Rotthalmünster gelegenen, der Man- rersfvau Johanna Sttdl gehörigen Krantacker eine größere Menge Kvautkölpfe entwendet. Am Tatort ließ der Täter einen mit dem Namen "I. Tandl" eingestickten Rucksack zurück, was vielleicht auf die Spur des Täters führen dürfte.. ────────── Dienstesnachrichten. - Bahndienst. Verhetzt in etat-mäßiger Weise, auf Ansuchen: Eisenbahnsekretär Otto Rotbenfelder von Haidmühle näch Kaufering. Postdienst. Vom il. Tezember 1918 an werden zu Postverwaltern an ihren seitheri­ gen Dienftorten in etatsmäßiger Weise beför­ dert die PostsekreWre Karl Riebet in Lands­ hut und Otto Brunner in Pasfchu. ────────── gleich der fehlenden und überzähligen Pakete, dem Laufzettelverfahren und der Ersatzleistung sind die Wertpakete bis 100 Mark den gewöhnlilen Paketen völlig gleichzustellen. Daher braucht der Empfänger auch keine Bescheini­ gung über den Empfang zu erteilen. —* Alle Kräfte ans Werk. Tie alte Regierungsform ist gestürzt und mit ihr auch« der Aufbau aller bisherigen Parteiprogram­ me. Nun gilt es, aus den Trümmern neu aufzubauen, fi|i der neuen Zeit anzupassen, ihre Forderungen zu erkennen, zu verstehen, mit ihnen und für sie zu arbeiten, um unserer engeren und wetteren Heimat die gewonnene Freiheit zu erhalten und zu erweitern, damit sie uns und unseren Nachkommen zum Segen: gerechch:e. Auch die liberalen Parteien haben der neuen Zeit Rechnung getragen. Ihre Füh­ rer und Vertreter haben sich, am Samstag und Sonntag in München zusammengefunden und' einen lange ersehnten Wunsch, aller liberal denkenden Männer verwirklicht. Sie haben, alles bisher trennende beiseite schiebend, sich geeinigt, und die Teutsch^ Volkspartei in Bay­ ern auf demokratischer Grundlage geschaffen. Ten Ausruf der neuen Partei, welche die bis­ herigen liberalen Vereinigungen aller Schat­ tierungen in sch k, schließt, bringen wir heute ckn anderer Stelle. Morgen Mittwoch, abends halb 8 Uhr werden die delegierten der hiesigen libe­ ralen Vereinigung im Hotel Bernloch,ner über den Verlauf der Tagung Bericht erstatten;. Hierzu ergeht Einladung nicht nur an die Mit­ glieder, sondern vor allem auch an alle Frauen. Tie Frauen treten nun neu in das politisch^ Getriebe. Die nächsten Wahlen bringen ihnen das aktive und passive Wahlrecht. Durch die­ ses Rckht ergibt sich aber für die Frauenwelt auch die Pflicht, sich politische Schulung zu erwerben, damit sie aus selbständigem Denken und unbeirrt von fremden Einflüssen, ihr, Wahlre cht auszuüben vermag. Politische Schu­ lung vermag aber nichts so eingehend zu ver­ schaffen, als die Teilnahme an den Aussprau'en in politischen Vereinen, bei denen die Tagesfragen kritisch^ und weitgehende Beleuch­ tung erfahren und dem Zuhörer einen tiefen Einblick in das politishe Getriebe verschaffen. Außer den Frauen, die jetzt mit neuem, längst geforderten Reifen ausgestattet werden, muß sich,, aber der Ruf nach Mitwirkung heute auch an alle jene Männer rächten, weKhe bis jetzt dem politischen Leben ferne gestanden oder aus irgend einem Grunde vor ihm in den Shmvllwinkel zurückgezogen haben. Es darf heute keine Indifferenten und keine Schmollenden mehr geben, vor allem näht bei den nächsten Wahlen, die unserem Volke vielleicht auf lange lange Zeit hinaus das Gepräge seiner Regie­ rungsform geben werden, die vor allem die Frage: "sozialistische" oder "Volksrepublik" zu lösen bestimmt sind. Daraus ergibt sähj auch erneut die Notwendigkeit einer alten Forder­ ung: Hinein in die politische Organisation um mitzuberaten, aber auch- mitzukämpfen bei allen Fragen des öffentlähen Lebens. In diesem Sinne werden alle Frauen unb Gesinnungs­ genossen morgen willkommen sein. —* Verweilen der Schuljugend auf öffentlichen Straßen unid Plätzen. Das 'Verhalten der männlichen umd weiblichen schulpflichtigen Jugend am Freitag vor acht Tagen hat dem besonnenen Teil der hiesigen Bevölkerung berechtigten A..laß z.u Entrüstung gegeben. Nicht nur daß die Sch>uljugend sich aus Straßen und Platzen ansamnnelte und da­ mit die Aufrechterhaltung eines geordneten Verkehrs erschwerte, hat sie sich noachgewiefenermaßen auch, an Plünderungen umd Ausschrei­ tungen beteiligt. Solche schlimnne Vorkomjininisse wären Wohl unmöglich;, icenin Eltern und sonstige Erziehungsberechtigte ihres Erziehungs­ ausgabe ernst nähmen und wenn fjte namentlich/ von der Ueberzeugung dur ch,drangen ivären, daß ihre s ch/ulpflichtigen' Kinder bei Eintritt der Dunkelheit nicht mehr auf diie Straße ge­ hören. Stadtsl,ulkommission unib Stadtmagi­ strat Landshut haben zur möglichsten Fernhal­ tung der Schuljugend von der Straße sie zu­ nächst für Samstag den 9. ds. Mss. nachmittags zum Schulbesuch verpflichte't und einen öffent­ lichen Aufruf an die Eltern erllassen. Durch die Herren Slplinspektoren, Lehsrer und Leh­ rerinnen wurde die Schuljugend in den Schä­ len nachprücklich davor gewarnt,, sich in den Abendstunden in der jetzigen beweegten Zeit auf den öffentli chssn Straßen und Plättzen der Stadt aufzuhalten, vor allem weil sie zzu solcher Zeit nicht mehr dorthin gehört und weil sie bei größeren 'Ansammlungen von Menschen unter Umständen Leben und Gesundheiit aufs Spiel setzt. Tie Polizeimannschaft und) die Mitglie­ der der Bürgerwehr, denen die ^Aufrechterhal­ tung der öffentlichen Ordnung umd Sicherheit in der Stadt Übertragen ist, wer wen bei ihren Tienstgängen in den Abendstunde;» (von 5 Uhr an) ihr besonderes Augenmerk der Schuljugend (au / der fortbildungsschulpslichtigen) zuwen­ den und sie beim Betreten auf der Straße zum nach, Hause gehen veranlassen. Bei dieser Tä­ tigkeit werden Polizeimannfchaft und Bürger­ wehr nachdrücklich von den Beamstragten des Arbeiter- und Soldatenrates unteiristützt werden. An alle Eltern und sonstige (Erziehungsbe­ rechtigten, denen das Wohl ihreer Kinder am Herzen liegt, möchte die dringernde Bitte ge­ richtet werden: ."Sorgt dafür, dach euere Kin­ der stets zur rechten Zeit zu Haruse sind und daß es dazu nicht erst eines Eimschreitens be­ darf. Unterstützt vielmehr die Behörden, die in diesem Falle vor allem darauf hinarbeiten, von eueren Kindern'leibliche und sittliche Ge­ fahren abzuwenden. Ihr erleichtert damit nicht nur den Behörden ihre in jetziger Zeit gesteiger­ te Verantwortung' sondern erfüllt aub, eine hohe sittliche Pflicht." ' ! , —* Literarischer Abend Theo Kas­ par. Eine wenn auch; nicht sehr zahlreiche, aber um so andächtigere, aufmerksame Ge­ meinde hatte sich; ant Freitag im Bernlvchnersaale zu dem angekündigten Bortrag des reli­ giösen Dramas "Ter König der Juden"'aus der Feder des rusfif.chen Großfürsten Konstan­ tin KonstantiMwttsch eingefunden. Man möch­ te das Werk als ein zweites Passion^spiel be­ zeichnen, das sich von jenem in Oberammergau dadurch, unterscheidet, daß der Heiland nicht als handelnde Person auf der Bühne erscheint, sondern nur vor das geistige Auge der Hörer tritt und so gewissermaßen den Vorwurf zu den fesselnden, eröauungsreächpn Tialogen der An­ hänger und Widersacher des Gottessohnes bil­ det. Tie blumige, bilderreiche Sprache in der autorisierten liebersetzung des Leipziger Pro­ fessors Alfons Schultz fand in Theo Kaspar, dem vorjährigen, bewährten Oberjpielleiter un­ seres Stadttheaters sprachtechnisch wie im Cha­ rakterisieren eine ausgezeichnete Interpretier­ ung, der das Publikum in lautloser Stille bis zum Schlüsse mit größtem Interesse und Ver­ ständnis lauschte. Reicher anhaltender Bei­ fall lohnte den Künstler, der durch; die Wahl des Themas literarischen Geschmack und Quütität bewies, selbst unter Verzächtleistung auf ein volles Haus, das ihm bei einem HumoristenProgramm sicher in Aussicht gestanden wäre. —* Es schneit. Ter beginnende Winter hat seine Visitenkarte abgegeben. Heute früh setzte ein leichjter Schneefall ein, der Stadt und Umgebung alsbald in hellem Weiß erstrahlen ließ. Tie Jugend holte schleunigst die Schot­ ten hervor im Jubel über die kämmenden Mu­ ter freuden, deren Erfüllung! allerdings noch etivas aus sich; warten lassen dürsten. —* Stadttheater. Am Dienstag, den 19. November findet eine Ausführung der Operette "Ter Graf von Luxemburg" statt. Als Angele tritt Frau Carola Gasster nach ihrer Wiederherstellung zum erstenmale wieder auf. Tie Vorstellung findet zu bedeutend er­ mäßigten Preisen statt. Es wird damit zum erstenmale der Versuch, gemacht, Vorstellungen zu kleinen Preisen einzuführen. Findet diese Vorstellung von Setten des Publikums rechte Beteiligung, so wird sie im Laufe der Spielzeit wiederhott. , : , ────────── versammlung, sondern eine Telegiertenversammlung der Arbeiten- und Soldatenräte soll über die künftige Verfassung bestimmen. ■ Tie Verhandlungen in Spam. Rotterdam, 18. Nov. Aus SIpaa wird gemeldet: Tie deutskM Vertreter des Ober­ kommandos in Spaa haben mit dem Ober-r kommando der Alliierten die Verhandlungen über einige Punkte der Wafsenstillstandsbedin-> gungen beantragt, die das Kriegsmaterial und die Lebensmittelvorräte auf dem linken Rheinufer betressten. Tiefe sollen deutsches Eigentum verbleiben. Ferner wird verlangt, daß die Besatzung nil$ aus schwarzen Truppen bestehen darf und daß die beuts.Ie Polizei in den besetz-' ten Gebietken tätig sein wird. Tie deuts kB Garnison solle an der Grenze der neutralen Zone' evrblleiben können. Außerdem wird da­ rüber verhandelt, daß die Alliierten, um AuÄschreitungenl gegen die Bevölkerung durch die Bolskewisten zu verhüten, sofort Südrnßland besetzen sollten, ebenso auch die baltischen Pro­ vinzen, besonders Libau und Riga. habe. Tazu komme, daß man ja den künftigen Umfang des ReifBgebietes noch gar nicht tenn£, weder die mögli, hen Verkleinerungen, noch den Ukpfang des ft ^ dem Reiche anschließenden TeutslfOesterreich. Auch wisse man nicht, auf wie lange die linksrheinis f ,|en Lande besetzt würden. Aus allen Gründen glaubt der Vokksbeauftragte, daß der Zusammentritt der Na­ tionalversammlung jedenfalls ni kt so früh­ zeitig erfolgen wird, als man vielsah glaubt. Der BornmrMde'r Alliierten zum Rhein. Haag, 18. Noo. Reuter meldet aus Lon­ don, daß der Vormars l der Alliierten nach dem Rhein begonnen habe. Ta man jedoch feinde liles Äebiet durchziehen müsse, wurden die entshrechenden Anstalten getroffen. Es sei des^ halb unmögli l.,, nähere Einzelheiten über die Stärke der Besatzungsiruhpen und ihrer Be­ stimmung zu geben. 1 Bitte neue Bitte an Lansing. Haag, 17. Nov. Aus dem Haag wird beri Aet, daß Staatssekretär Tr'. Sols , an Staatssekretär Lansing eine neue Note gerietet habe. In dieser wird erklärt, daß es bei dem heutigen Zustand des drutshen rollenden Ma­ terials und bei« dem Kohlenmangel unmöglich sein wird, eine auch nur bescheidene Versortgung-mit'Lebensmitteln ft fer zu stellen. Wir bitten angesi^M der dringenden Gefahr, uns möglichst umgehend einen Ort zu oezeichnen, an welhem unsere Vertreter mit bevollmäch­ tigten Vertretern der alliierten Regierungen zu einer Beratung zusammentreten können. Wir bitten, keine Zeit zu verlieren, damit wir imstande sind, die bisher noch aufrecht erhal­ tene Ordnung auch weiterhin ausrecht erhalten zu können. 3'ie Tstkuchvi-Slowak»n mobilisieren. Prag, 17. Nov. Ter tskecho-slowakische Oberkommandierende Shreiner hat die Mobi­ lisierung der tschecho-flowakischen Armee ge­ gen., Ungarn zum Schutze der Slowaken ange­ kündigt. I , Der Berliner Arbeiter- und Soldalenrat g'.gen die lürgerlijkst R.publik. i ; Berl in, 18. Nov. Ter Arbeiter- und Soldatenrat hat den Erlaß einer Proklamation, bef Hoffen, diö daraus hin aus läuft: Wir wollen' kerne bürgerlils-demolhatrsche Reipublik, sondern eine proletariskjö Republik; keine National­ ────────── schlimm, daß er neben ihnen hauste? Jnkens gesun­ des Empfinden sträubte sich gegen MerretS ktankhafte Auffassung. Sie halte das Gefühl, als müßte man nur mit klarem Blick an die ganze Sachlage heran­ treten und nicht feige und furchtsam das Auge senken, dann würden alle dunklen Gespenster schwin­ den, Und hatte der Doktor sie aus der gleichen Empfindung heraus mit heute gebeten, in die "Hel" zu kommen und mit Dütes zu reden? — Und nun battehaS Schicksal, trotzdem sie seine Bitte abgelehnt, sie schon heute in den Helhoog geführt! Jnken schritt sinnend durch den Garten dem Düshoog zu Ein winzig Licht schimmerte ihr von dort entgegen und draußen webten schon tiefe Abendschalten' Jnkens Auge suchte das Meer. Das lag heute so still und freundlich, ünd seine Wellen rollten leickt schäumend auf den weißen Sand. Ueber die Heide dämmerte ein Nebrlmeer. Nur das Licht des Kawperier Leuchtturms glühte wie ein feurige» Auge zu ihr herüber. Herbstesstille lag in der Luft—in der ganzen Natur— ; da drinnen aber tm Tüshoog—das wußte Jnken—ba gab es Sturm. Mutig trat sie über die Schwelle. Sie scheute den Kampf nicht, Jnken Bootje. Sie war eine Mutige und eine Starke. In der dämmerigen Stube saßen, als Jnken eintrat, alle, bet der Abendmahlzeit. Eine kleine Oellampe ^.erhellte nur malt den Raum, und eine zweite, die etwas rauchte, stand auf dem Tisch, wo soeben Kressen Jürgens die gebratenen Fische auf den Teller legte. Die Alte sah gar nicht auf, als das Mädchen in die Stube trat. Sie wischte sich nur die öligen Finger an de gelben Schürze, die schon viele Fleckin trug, und sagte zu Uwe, der übellaunig auf seinen Teller stierte: "Iß man, mein Jung, da vergeht der Aerger. Wirst dir doch nicht um ein so dummes Gör den Kopf schwer machen!" Jnken hing den Helgoländer an einen Nagel an der Tür, dann trat sie zu Merret, die am oberm Ende des Tisches aß und sagte: "Ich komme spät; aber leider war es mir nicht möglich, eher zu kommen, Merret." Die junge Frau sah Jnken warnend, fast be­ schwörend an." "Wo kommst du her? fragte Jens Jürgen« ; grob und schob seinem Jungen eine große Kartoffel in den kleinen Mund, so daß Merret Not hatte, den Junge» vor dem Ersticken zu bewahren. "Aus dem Helhoog," gab Jnken zurück und strich sich mit der Hand leicht über das blonde krause Haar, da» sich in wehenden Löckchen um ihre Stirn ringelte. 1 Schwer hingen die langen Zöpfe über das blaue Kleid herab j Uwe ließ Messer und Gabel mit Getöse fallen ' und sprang wütend auf. "Bist du verrückt geworden!" schrie er sie wütend an, während sich Jens Jürgens schwerfällig erhob, ganz nahe zu Jnken herantrat und ihr drohend ins Gesicht sah. , "Das möchte ich dich f eigen," gab sie fast ver­ ächtlich zurück. "Hat euch denn Urne schon erzählt, daß er unter die Räuber und Totschläger gegangen ist?" fragte Jnken, sich tm Stelle umsehend. " Nein, ihr scheint es noch nicht zu wissen, daß Uwe heute einen Gast des Helhoogs, den fremden Arzt, mit seinem Ruder niederschlagen wollte. Er traf aber glücklicherweise nur den Arm, der nun ge­ brochen ist. Wenn der Doktor w ll, und ich wünsche daß er es will, dann wird Uwe morgen im Gefäng­ nis sitzen!" Mutter Kressen heulte laut auf. "Du du wagst es, so zu lügen!" brüllte Uwe fast sinnlos vor Wut. "Erschlagen hätte ich ihn wollen, als ich euch beide Hand in Hand sah. Oder willst du es leugnen, daß du mit dem fremden Ha­ lunken, den ich heute schon in Westerland mit einer feinen Dame schön tun sah, Hand in Hand die Straße gingst?" ! (Fortsetzung folgt.) | ────────── Literarisches. 2«S freie Wort. Frankfurter HalbmonatS schrift für Fortschritt auf allen Gebieten bei geistigen Lebens. Herausgegeben von Rfcu Henning. 15. Jahrgang. Heft 19/20. Frank­ furt a. M. Neuer Frankfurter Verlag ®. m b. H. Preis vierteljährlich 2 Mark. Ter Ver lag gibt aus Wunsch Probehefte gratis, ad ────────── sind, können nist zurückgeführt werden, ohne die Gefahr eines Bürgerkrieges heraufzubesäwören. Jeden Versuch, das Alte wieder her­ zustellen, lehnen wir deshalb ab. Ebenso aber verwahren wir uns auf das schärfste gegen jede «inseitige Klassenherrschaft, gegen eine Dikta­ tur, die die Rechtssicherheit gefährdet, das Vertrauen zum Wiederaufbau unseres WirtMjastslebens untergräbt und die Gefahr der Einmi­ schung des Auslandes heraufbeschwört. Ter jetzige, auf Gewalt beruhende Zustand muh alsbald in einen geordneten Re^tszu­ stand überführt werden. Deshalb verlangen wir für Bayern, wie für das Reich die schleu­ nigste Einberufung einer verfassungge­ benden Nationalversammlung. Sie muh aus Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes für alle volljährigen Männer und Frauen nach, den Grundsätzen der Verhältniswahl gebildet werden. Zur Vorbereitung der Wahlen fordern wir volle Freiheit der Mei­ nungsäußerung ln Wort und Schrift. Das Ecfc gebnis der Wahlen mutz für alle, auchj für dje revolutionäre Regierung, bindend sein. Z Ter verfassunggebenden Versammlung har­ ren Aufgaben von einer und ©J^jmctte, wie niemals einer deutschen Volksvertre­ tung. Für sie heute ein vollständiges Pro­ gramm aufstellen zu wollen, wäre ganz ver­ messen, wäre Volksbetrug; denn solange der Friede nicht abgeschlossen ist, solange die eiserne Faust der Feinde aus dem deutschen Vaterland« lastet und uns zu erdrosseln droht, ist die Zu­ kunft viel zu dunkel und unsicher, um Forder­ ungen für die Erneuerung unseres nationalen Lebens in allen Einzelheiten gestalten zu kön­ nen. t ! Wir wollen hier nur zu den dringendsten Sorgen der Ration Stellung nehmen und in einigen Leitsätzen aussprechen, was die neue Partei Neues bringen soll. 1. Tie dringende 'Sorge ist, Ruhe und Ord­ nung im Lande auftecht zu erhalten und die Gefahren einer ungeordneten Demobilisierung zu überwinden. Ohne strengste Ordnung kön­ nen Lebensmittel- und Kohlenversorgung nicht durchgeführt werden. Die Lösung der Ordnung, das Versagen der Verwaltung würde für Mil­ lionen Hungern und Frieren bedeuten. Tse Folge wären Plünderungen, Anarchie und knechtende Einmischung des Auslandes. Wir alle müssen alles aufbieten, um dieses Aeußerfte unserem Volke zu ersparen. Wir fordern deshalb von unseren Freunden, daß sie sich,,', unbeschadet ihrer Ueberzeugung, überall den gegenwärtigen Machthabern zur Aufrechterhaltung der Ordnung und einer geregelten Ver­ waltung zur Verfügung stellen. Wir bitten Jie zugleich noch um etwas anderes, nämlich unse­ ren in geordneten Verbänden heimkehrenden Kriegern ein freundliches Willkommen zu be­ reiten. Dem siegreichen Heere würden die Mas­ sen laut zujubeln und Lorbeeren 'im Ueberflntz gespendet haben. Ten wackeren Truppen aber, löte nach, unerhörten Opfern und unsterblichen Taten heute wieder in die Heimat kommen, müssen wir doppelt herzlich; zeigen, wie sehr wir es ihnen danken, daß sie in langen Jahren das Vaterland vor den Verheerungen des Krieges geschlitzt haben. i ' 2. Vordringlich; ist die rascheste Einord­ nung unserer heimkehrenden Krieger in das Erwerbsleben und die Sicherung der Kriegs­ beschädigten gegen wirtschaftliche Not. Für den Wiederaufbau der unzähligen im Kriege vernichteten Existenzen müssen Mittel der All­ gemeinheit int weitesten Umfang bereitgestellt werden. Um die drohende Arbeitslosigkeit und die durchi den Krieg geschaffene Wohnungsnot zu bekämpfen, müssen Mesch, Staat und Ge­ meinden zusammenhelfen. i 3. Unbedingt nötig ist es endliche unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit aus dem Weltmarkt sobald tote Möglich; wieder herzu­ stellen. Nur damit können wir eine durchgrei­ fende Sozialpolitik ermöglichen und verhin­ dern, daß Millionen unserer Volksgenossen als' Kulturdünger in fremde Länder auswandern müssen. So unvermeidlich! es sein mag, die Zwangswirtschaft für unsere Ernährung und für Teile unserer Rohstoffversorgung noch. län-' gere Zeit fortzuführen, so dringend notwen­ dig ist es, Wirts,haft und Verkehr alsbald von drückenden Fesseln zu befreien. Zutr Vermei­ dung einer wirtschaftlichen Panik sind die Kriegsanleihen unbedingt sicher zu stellen. , Für unsere Stellungnahme zu den Auf­ gaben, die nofiji Friedensschluß zu lösen sind, werden die alten und unvergänglichen natio­ nalen, fteiheitlichen und sozialen Forderungen maßgebend sein, vor allem Freiheiit der Ge­ wissen und des Glaubens und der Religions­ ausübung. i Neue Forderungen aber stellt die neue Zeit und älte Ideen erhalten ein neues Gesucht. i ( i ' 1. Wir hoffen, unsere deutsch,--österreichischen Brüder im Reiche willkomment heißen zu können. Tas Großdeutschland, daSt wir schaf­ fen wollen, soll nach! außen neu ersstarken und im Innern ein gesundes Gleichtzewücht zwischen, Nord und Süd herstellen. Wenn damit der bisher einseitig vorherrschende Eintfluß Preu­ ßens aus das einem Bundesstaat (angemessene Maß zurückgeführt wird, so wird was der in­ neren Geschlossenheit des deutschen Volles die­ sen' « 11 •' ( 2. Wir heißen die Frauen ails gleicht rechtigte Mitarbeiterinnen in den öffentlichen Körperschäften wie int politischen ILeben will­ kommen und wir sind gewillt, daroaus zur SiIf.jerung und Auswirkung der neu, ^gewonnenen Gleichberechtigung im Rechts- und 'Wirtschafts­ leben die gebotenen Folgerungen zm ziehen. 1 3. Wir werden nach! wie vor wie Freiheit des Wirtschaftslebens aufrecht erhallten und die von der Sozialdemokratie geforderte Verge­ sellschaftung aller Produktionsmitltel entschie­ den ablehnen. Aber wir werden (alsbald ans Werk gehen, um alle jene Prodmktionsmittel und Betriebe, die in den Händen de:s Einzelnen zu einer Ausbeutung der Gesamth>eit für pri­ vate Interessen führen, in den Besitz des Staa­ tes oder der Gemeinden überzuleiten. 4. Je stärker die Macht des Staates und aller Organisationen anwachst, umso wirksamer werden wir den Schütz, der persömlichen, kul­ turellen und wirtschaftlichen Freihqeit des Ein­ zelnen gegen alle Uebergrifse der ^Staatsgewalt und gegen jede Art von Terrorismtius zu gestal­ ten haben, denn nur dann wirds ein freier' Volksstaat der Gesamtheit zum .'Heil gerei­ chen. | ! 1 1 5. Um die in dem furchtbaren! Kriege ent­ standenen Verluste an geistigen und sittlichen Kräften zu ersetzen, um unser Volk zur vollen und bewußten Selbstbestimmung mit Selbstverantwortlichjkeit zu erziehen, verlangen wir den einheitlichen und fteiheitlichen Ausbau un­ seres gesamten Erziehungs- und Bildungswe­ sens, das den Aufstieg der Tüchtigen aus allen Volksschichten ermöglicht. 1 i 6. Tie Erfüllung der unübersehbaren fi­ nanziellen Verpflichtungen des Reiches, der Staaten und der Gemeinden wird uns nötigen, alle Kräfte in schwerer, harter Arbeit anzu­ spannen. Mühelosen Gewinn und besonders die aus der Not des Vaterlandes gezogenen ungeheuren Kriegsgewinne wird die Steuer­ gesetzgebung streng zu erfassen haben. Bei den unvermeidlichen, harten steuerlichen Eingrif­ fen in die Vermögens- und Einkommensverhält­ nisse werden wir daraus bedacht sein, aus das sorgsamste die Werte schgssende Arbeit zu schonen und den kostbarsten Besitz des Volkes, menschliche Arbeitskraft und menschliche Ar­ beitslust, durchs vorsoogende Sozialpolitik zu pflegen. ‘ 7. Um die Produktionskraft des deutschen Bodens zu erhöhen und die gesunde soziale Gliederung des Volkes zu fördern, müssen wir tiefer als bisher in die Grundbesitzverteilung' eingreifen. Tie Aufhebung der Fideikommis­ se und die Austeilung! unwirtschaftlich ange­ häuften "Großgrundbesitzes muß Bauernland ü. Siedlungsmöglichleit gewinnen lassen. ' 8. Ter Friedensschluß wird uns vor die ganz neue Ausgäbe stellen, den deutschen Volksstaat in die Gemeinschaft des Völkerbundes einzugliedern. Voraussetzung dafür ist die vol- «»it, v le Unabhängigkeit und die volle politische undwirtslchäftliche Gleichberechtigung alcher seiner! Glieder. Auf dieser Grundlage soll der Völ­ kerbund die großen gemeinsamen Inte resse ns der Völkergemeinschaft pflegen, die allgemeine Abrüstung durchführen und dauernden Frie­ den duych, Ausbau einer internationalen Rechts­ ordnung sichern. Unter sorgsamer Wahrung unserer nationalen Selbständigkeit und unserer! nationalen Interessen, gleichberechtigt dabei, mitzuarbeiten, wird eine Aufgabe des deutschen Volkes und der neuen Teutschen Volkspartei sein. ' Wir werden alsbald Anschluß suchen an eine auf unseren Grundsätzen im ganzen Reich! aufgebaute Teutsche Vollspartei und mit ihr zusammen zum Wohl des ganzen Vaterlandes wirken z ? ' Wir wollen eine Volksgemeinschaft bilden, in welcher der einzelne Mensch in seinem Beruf, in Haus und Hof, der geistige wie der Hand­ arbeiter für sich und di e Seinen ein lebens­ wertes Tasein findet. 1 In seiner Gesamtheit schreitet das Volk heute aus Elend und Not in eine Zukünst hinein, die es sich, selbst aus eigener Kraft und aus eigenem Willen gestalten muß. Als freie Volksgenossen zeigen wir hiezu, im vollen Be­ wußtsein alles Schweren, das auf uns lastet,' und doch hoffnungsvoll, freudig, im Bewußt- ’ sein der unverwüstlichen Kraft unseres Vol­ kes den Weg. Wer eines Sinnes mit uns ist, möge uns folgen!!! i ' ' Ter vorläufige Arbeitsaussjchüß der ' ' TeutMu BoMipärtki. Max Böhm. — Tr. P. Tire. — A. Ecker', Hans Hartmann. — Tr. G. Hohmann. — Frau Tr.Kemlpf. — Frau Prof. Kiessel- . t hach. — Tr. L. Quidde. — Georg Baith. i Ter Aufruf ist von sämtlichen Teilnehmern der Vertretertagung unterzeichinet worden. Wei­ tere Zustimmungs-Erklärungen werden erbe­ ten an die Hauptgeschäftsstelle der Teutschen Vollspartei, München, Finkenstr. 3. > «ruck u. Verlag I. I. «letsch. Verantwortliche, «chMtleiter F. X. Wagner. Beibe fct LandS-Ut ────────── Aus dem Reiche. Ter Bremer SoldatenSrat gegen' die Re­ gierung. Ter Soldatenrat gibt bekannt: Ter Solda­ tenrat von Bremen protestiert dagegen, daß die Reichsregierung die Befehlsgewalt für die Offiziere wieder einsetzen will. Tee Zusam­ menbruch, des alten Systems hat dieselbe erle­ digt. Eine Regierung, die Hand in Hand mit den Trägern des alten Systems- arbeitet, hat sich ihr Urteil selbst gesprochen Wir. be­ kämpfen diese als Feind der neuen Gewalt der Arbeiter- und Solsatenräte. Tas Parlament ist aufgelöst; Pie darauf ruhende Regierung hat keine Machtbefugnisse mehr. Tie örtlichen Soldaten-. und Arbeiterräte haben die Gewalt und werden diese auch gegen die anmaßende Gewalt der Regierung Ebert-Haase durchsetzen, solange dieselbe eine bürgerliche Politik treibt und keine sozialistische. , r , Dazu schreibt die "Berliner Morgenpoft": Ta auch in jeder sozialistischen Miliz wohl irgend einer wird kommandieren müssen, wenn! die Miliztrnppen nicht durcheinander laufen sollen, so hoffen wir, daß die etwas aufge­ regten Bremer "sich, wieder beruhigen werden. Tie Kommandogewalt im früheren Sinne ist ja erledigt, und wenn wir eine deutsche Re­ publik haben wollen, so kann auch- nicht jeder Arbeiter- und Soldatenrat darüber befinden, ob er sich, fügen will oder nicht. Tas erste soldatische Gebot heißt Unterordnung unter das. allgemeine Wohl. , Eine Niederlage der Slpiartakusgpuppe. f Tie Spartakusgruppe hat in Stuttgart eine Niederlage erlitten. Ter zurückgetretene Kriegsminister Schreiner hatte sich in einer Versammlung des Stuttgarter Soldatenryts als Anhänger der SpartakuSgrÜppe bekannt. Schrei­ ner wurde darauf von der ^Vorschlagsliste für die Wahlen zum Landes-Soldateutag gestri­ chen und der Soldatenrat faßte mit 26 gegen 2 Stimmen eine Entschließung, daß er auf dem Boden der Revolution stehe und entschlossen sei, die Prodi fort säe Regierung zu verteidi­ gen und zu unterstützen. Tie Versammlung lehnte deshalb die Bildung Finer Roten Garde und die Tiktatur als Kampfmittel ab und erkl.ärte sich, für die baldigste Einberufung der konstituierenden Landesversammlung. Tie deutsch«. Nationalversammlung. Berlin, 16. Nov. Ter vom Reichsamt. des Innern ausgearbeitete Entwurf über die Wahlordnung für die konstituierende Natio­ nalversammlung sieht ttM, einer politischen Korrespondenz als Termin für die Auflegung der Wählerlisten den 2. Januar 1919, als Wahl­ tag den 2. Februar 1919 vor. Der Gesetzent­ wurf ist heute fertiggestellt und bereits von der Regierung beraten worden. Mit dem preußi­ schen Ministerium des Innern ist eine Verab­ redung getroffen worden, daß der Entwurf au (;< gleichzeitig für die Wahlen zur preußischen Nationalversammlung Geltung hat. ────────── BemWes. Ei« neuen? Weg der Wetterbestimmung. Die Wettervorhersage, die gerade im Kriege bei größeren militärischen Unternehmungen von besonderer Bedeutung sei!» kann, ist wesentlich dadurch beeinträchtigt, daß Nachrichten über die Wetterlage in England, Irland und Frankreich heute in unsere Wetterkarten nicht aufgenommen werden können. Dadurch aber fehlt uns gerade die Kenntnis der Gebiete, aus denen die sog. Tief» herkommen, al'o von Tiefdruckgebieten, die gewöhnlich über dem Atlantischen Ozean auftauchen und sich in östlicher Richtung weiterbewegtn und die für das Wetter in Deutschland ln vielen Fällen ausschlaggebend sind, weil sie immer einen Umschlag der Witterung, tn den meisten Fällen Sturm und Regen mit sich bringen. Um nun diese estipsindliche Störung unserer Wettervorhersage zu beseitigen, käme er darauf an, auf anderem Wege ai» dem tm Frieden möglichen eitnen Aufschluß über die Witterungsver­ hältnisse jenser Gegenden zu erlangen. Wie nun Dr. K. SÄHitt in der Umschau mitteilt, scheint sich eine solche Möglichkeit aus einer genauen Untersuchung der Bewegungen der Erdoberfläche zu ergeben, für die der als Erdbebenfchreiber bekannte Pendelapparat, der Seismograph, ein sehr empfindliches Mittel dar­ stellt. Reben den Bewegungen, die durch den mensch­ Ei« neuen? Weg der Wetterbestimmung. Die Wettervorhersage, die gerade im Kriege bei größeren militärischen Unternehmungen von besonderer Bedeutung sei!» kann, ist wesentlich dadurch beeinträchtigt, daß Nachrichten über die Wetterlage in England, Irland und Frankreich heute in unsere Wetterkarten nicht aufgenommen werden können. Dadurch aber fehlt uns gerade die Kenntnis der Gebiete, aus denen die sog. Tief» herkommen, al'o von Tiefdruckgebieten, die gewöhnlich über dem Atlantischen Ozean auftauchen und sich in östlicher Richtung weiterbewegtn und die für das Wetter in Deutschland ln vielen Fällen ausschlaggebend sind, weil sie immer einen Umschlag der Witterung, tn den meisten Fällen Sturm und Regen mit sich bringen. Um nun diese estipsindliche Störung unserer Wettervorhersage zu beseitigen, käme er darauf an, auf anderem Wege ai» dem tm Frieden möglichen eitnen Aufschluß über die Witterungsver­ hältnisse jenser Gegenden zu erlangen. Wie nun Dr. K. SÄHitt in der Umschau mitteilt, scheint sich eine solche Möglichkeit aus einer genauen Untersuchung der Bewegungen der Erdoberfläche zu ergeben, für die der als Erdbebenfchreiber bekannte Pendelapparat, der Seismograph, ein sehr empfindliches Mittel dar­ stellt. Reben den Bewegungen, die durch den mensch­ lichen Verkehr hervorgerufen werden, finden sich und die Ursache in Erdbeben haben, auch Aufzeichnungen von geringer Schwingungsweite, die man als mikroseismische Bewegung bezeichnet und deren Ursache nach der Meinung vou Wtchert jGöttlngen) in den Seegang an der Steilküste Norwegens gesucht werken, soll. Die in Pelsdam aufgezeichnete mikroseiSmische Bewegung scheint nun aber nach den Untersuchungen vo.r O. Meißner dieser Annahme zu widersprechen Auch bei ruhiger See in Norwegen wurde nämlich lebhaste Bodenbewegung beobachtet, und auch die mit den Jahreszeiten zusammenhängenden Schwan­ kungen erwiesen sich als viel erheblicher als bei dem Seegänge. Ueberdtes fand sich dieselbe Bodenbewegung 5 unb zwar in demselben jährlichen Gange wie in Deutschland auch tn Rußland und Sibirien ver­ zeichnet, und es ist auch kaum anzunehmen, daß der Seegang an der norwegischen Küste sich auch in dieser wetten Entfernung noch bemerkbar machen würde. Die Bodrnunruhe wird nach Meißner vielmehr durch Vorgänge tm Luftmeere hervorgerufen und zwar durch Tiefdruckgebiete, die stets eine lebhaste Luftbe­ wegung und damit wieder starken Seegang zur Folge haben. Damit wären aber den Meteorologen wert­ volle Anhaltspunkte für die Wetterlage gerade für die Wetterbestimmung der kommenden Tage von wesentlichster Bedeutung sind. ($. B.)