Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-11-21. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 318, 1918-11-21. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Die Kosten des Weltkrieges. — Ein italienisches Besatzangskorps. — Die Italiener in Fiume. — Amerikanische Lebensmittelzufuhr. ────────── r Tie Großberliner.Arbeiter- und Soldaten­ räte haben im Zirkus Bush getagt und dort Beschlüsse gefaßt, die an Aufrichtigkeit nichts zu wünsken übrig lassen, die aber auch zeigen^ wohin der Weg führen würde, wenn diese Ultraradikalen das Heft in die Hand bekämen. In einer dort gefaßten Resolution wurde erklärt: r "Das Bestreben der bürgerlich,en Kreise, so schnell wie möglich eine Nationalversamm­ lung einzuberufen, soll die Arbeiter um die Früchte der Revolution bringen. Ter Voll­ zugsrat der Arbeiter- und SoldatenräteGrotzBerlins verlangt daher die Einberufung einer Telegiertenversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte Teutskchands. Tiefe hat auf Grund eines von ihr festzusetzenden Wahl­ systems einen Zentralrat der deutschen Ar­ beiter- und Soldatenväte zu wählen, der eine neue, den Grundsätzen der Proletarischen Temokratie entsprechende Verfassung zu ent­ werfen hat. Tiefe Verfassung ist der von ihm zu berufenden konstituierenden Versammlung zur Beschlußfassung vorzulegen." , Man mutet also dem Bürgertum zu, sich! mundtot malen, sich jedes Rechtes entkleiden zu lassen. Und das nennen diese Herren dann die Freiheit. Gegen eine solle Freiheit aber muß entschieden Protest erhoben werden. j Tie Berliner aber mögen sich hüten, in die Kerbe der von Bolschewismus durchseuchten Hafenstädte zu hauen. Es könnte leik,t sein, daß der Berliner Boden als untaugliif; für ordnungsmäßige Verhandlungen der neuen Na­ tionalversammlung befunden werden würde. Ter Name Berlin wird bei uns Süddeutschen ohnedies je naibt Temperament mit mehr oder weniger Zurückhaltung ausgesprochen und eine | Anregung, diese Verhandlungen auf neutralen Boden zu verlegen — es wird Frankfurt ge­ nannt —, konnte aus diesem Empfinden heraus leicht Verwirklichung finden. Tie Berliner dür­ fen nil,t vergessen, daß der Anschluß TeutschOesterreils ihre Stadt noch mehr nach Norden rückt und der SBunfif, nach einer zentraler ge­ legenen Bundeshauptstadt nicht ohne Berechti­ gung wäre. " 1 "■■■■■ Ult ' — I 1 "II '' '■'!* 111 S.e Sntiasfrm ! ' Tie Friedenskonfcrcrnz. Rotterdam, 19. Nov. Teir Berliner Korrespondent des Rotterdams,chem Csourant meldet, er habe von einer Persönlichst, die an den bevorstehenden Friedensoerhandlungen interessiert sei, erfahren, man erwarte, daß die Verhandlungen üoec den vorläufigen Frie­ den in Versailles, die über den enSgiltigen im Haag stattfinden werden. Reiner Tisch. Um den Wahnsinn dieser Radikalinski voll zu rna/en, läßt sich auch ihr geistiger Führer SiebFnei r 't in dem neuen Organ der Gruppe mit wirtslaftlichen Maßnahmen vernehmen, die alles auf den Kops stellen müßten: Annullier­ ung der Kriegsanleihen über 5000 Mark, SechDstundentag usw. Liebknecht fühlt sich zum deutschen Trotzki geboren und er wird von diesem ja auch offen unter Verletzung aller Völkerrechtsverpflichtungen und des Anstandes uns alb künftiger Hertz empfohlen. ! \ Wir im Süden werden zwar bunt die Er­ eignisse im Norden nur insoweit berührt, als sie Einfluß auf den Bestand des Reiches auszu­ üben vermögen. Trotzdem sind diest Tinge auch! für uns von Bedeutung insoferne, als wir unter Umständen die Zechje für das Bacchanal mitbezahlen müßten. Es muß immer wieder daran erinnert wer­ den und selbst Unsere Feinde haben bereits des öfteren Veranlassung dazu genommen, die Friedensverhandlungen werden nur mit einer in fifi gefestigten deutschen Regierung geführt. Tiefe Festigung kann nur durchs die Natio­ nalversammlung erfolgen, die au* die Trei­ bereien all dieser Elemente ihrer Gefahr für das 9teiifi zu entkleiden vermag. * Es verlautet jetzt, daß der Wahltermin für die Nationalversammlung sogar um 14 Tage vorverlegt werden soll. Wir wollen hof­ fen, daß die jetzige Reichsleitung die Kraft besitzt, dies durchzuführen, damit endlich reiner Tisch im neuen Teutschland gemacht wird. , ────────── Die Friedensfrage. Die Friedenskonfcrcrnz. Rotterdam, 19. Nov. Teir Berliner Korrespondent des Rotterdams,chem Csourant meldet, er habe von einer Persönlichst, die an den bevorstehenden Friedensoerhandlungen interessiert sei, erfahren, man erwarte, daß die Verhandlungen üoec den vorläufigen Frie­ den in Versailles, die über den enSgiltigen im Haag stattfinden werden. Rotterdam, 19. Nov. Ter parlamen­ tarische Korrespondent der Tailh News schreibt: Mitte Dezember wird als Votzbereitung der Friedensverhandlungen eine interalliierte Konferenz in Paris zusammentreten, der Frie­ denskongreß selbst wird vermutlich im Januar in Versailles zusammenkomwen und seinHauptquartier in Paris haben. Wie viele Delegierte der Entente dem Kongresse beiwohnen, dort ihre Stimme abgeben und den Friedensoertrag unterzeichnen sollen, werde auf der interalli­ ierten Konferenz in Paris sestgesetz: werden. Es wird auf, eine Anzahl Delegierter lediglich als Ratgeber zugegen sein, die an den Konferenzen teilnehmen werden .Ter Korrespondent läßch. dann die Namen folgen, die bereits auf der Liste für die Konferenz stehen und zu denen später not, einige Delegierte hinzukommen sol­ len. Es sind für: i Frankreich: Clemenceau, Briand, Herbe, Bourgeois,- ! , England: Lloyd George, Balfour und wahrscheinlich Lord Reading. Ein Arbeiter­ delegierter und ein oder mehrere Abgeordnete der Dominions. Sollte die Regierung nach den Neuwahlen noch am Ruder sein, 'o würde sie Asqnith einen Posten in dem Koalitionskabi­ nett anbieten, um ihm Gelegenheit zu geben, als Negierungsvertreter an den Friedensverhand­ lungen teilzunehmen. Ob Lord Greh zu den Abgeordneten gehören wird, ist noch, unbe* stimmt. Ter Arbeiterminister Barnes wird der vorbereitenden interalliierten Konferenz inParis betwohnen, und nach den Wahlen wird die Regierung vermutlich! efn Mitglied der Arbei­ terpartei, vielleicht den Abgeordneten Thomach zum Konferenzabgeordneten ernennen, i ' Vereinigte Staaten: Wilson, Root, Lansing und Honst. s Italien: Sonnino und Orlando. Belgien: Vermutlich! der Premierminister Toreman und Vandervelde. ~ i Japan: Tie Gesandten in London und Paris. > 1 ; Rumänien: Take Jonescu. i Griechenland: Venizelos. , | Serbien: Pasitsch. i 1 Tschpcho-Slowakei: Masarhk. 1 Südslawien: Benes ch. Für Rußland ist bisher noch kein Ver­ treter ausersthen. 1 1 > ────────── hat. Er besteht aus zwei Vertretern des ober­ sten Soldatenrates der Ostsee, zwei Vertretern des Arbeiter- und Soldatenrates der Nordseestation und einem Vertreter des obersten Ma­ rinerates der Niederelbe. In den Bezirken der genannten Röte sind Abordnungen zu bil­ den und zwar aus 24 Vertretern der Nordseestation, 20 Vertretern der Ostseestation und 7} Vertretern der Niederelbe; zu ihnen treten 4 Vertreter von Berlin. Die Wahl dieser Abord­ nungen erfolgt auf demokratischer Grundlage. Tie Abordnungen treten in Berlin zusammen Und kontrollieren das Reichsmarineamt sowie den Admiralstab. Sie wählen dort aus lhrer Mitte 5 Kameraden als Zentralrat der Marine. Alle Anordnungen des Reichsmarineamtes und des Admiralstabs sind außer von dem Unter* staatssekretär von einem Mitglied des Zentral­ rates zu unterzeichnen. Alle Abordnungen bil­ den einen 53er Ausschuß, der die täglich festzu­ setzenden allgemeinen Anordnungen dem Zen­ tralrat vorlegt, der sie an die obersten Solda­ ten- und Marineräte weitergibt. Gegen den Bolschewismus. . Berlin, 20. Nov. Tie "Germania" schireibt: Sehr deutlich! ist die Antwort der deutschen Soldatenräte an der Ostfront auf die Wersuchie der Sowjetregierung, Deutschland zur Nachahmung neurussischer Zustände zu ani­ mieren. Kurz und bündig wird da erklärt, Laß die deutschen Arbeiter- und Soldatenbe­ wegungen antibolschewistisch seien. Tas ist gut gesagt; aber derartige Lichtblicke bieten sich viel zu selten im Vergleichs zu den Anzeichen, daß der Bolschewismus sich immer weiter ausbrei­ tet. Es handelt sich, in Tieutschland tatsächlich! um einen Kampf auf Leben und Tod gegen den Bolschewismus. Teshalb muß für alle Anti­ bolschewisten, ob sie dieser oder jener politi­ schen Parteirichtung angehören, eine gemein­ same Formel ausgestellt werden, mit der sie im öffentlichen Leben auftreten und besonders in den Wahlkampf ziehen. Im "Vorwärts" wird gesagt: Auch die Schsirfsten von den Scharfen wollen es jetzt nicht daraus ankommen lassen, Deutschland in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Sie werden bei ruhiger Ueberlegung auch: zugeben, daß der Friede um eines sozialistischen Prinzipienstrei­ tes willen nicht einen Tag hinausverzögert, die Volksernährung nicht geschädigt werden darf. Friedensschluß und Volksernährung for­ dern den baldigsten Zusammentritt einer Na­ tionalversammlung. Noch! hat sich die Erde über den Leibern der Revolutionsopfer ni# geschlossen, und schon hat unter den Sozialisten darüber ein Streit begonnen, was eigentlich! der ,Preis sei, für den diese Opfer gefallen sind: Demokratie oder Diktatur. Für oder gegen die Nationalversammlung, so hallen die Schlag­ worte durcheinander. Die deutschen Arbeiter können nicht aus ihrer Haut heraus, aber sie werden keine Bolschjewiki werden, wpnn sich auch, manche von ihnen für den Augenblick noch so bolschewistisch gebärden mögen. Es handelt sich! darum, daß man in Deutschland von seiner Arbeit leben kann. Das aber läßt sich, nicht in einem Tag erreichen, zumal in einem Volk« das durchs den Krieg an den Bettelstab gebracht worden ist. An den alten und frischen Gräbern des Freiheitskampfes wollen wir uns geloben, die Einigkeit aller Arbeitenden zu wahren und gemeinsam den Weg suchen, der uns aus den Leiden dieser Zeit in eine bessere Zukunft führt. i ! Fahrt des "Bcowulf" nasch! Tunzig. WTB. Berlin, 20. Nov. Tas Küstenpanzerschiifs "Beowulf" hat Befiehl erhalten, nach! Danzig zu gehen und dort weitere Be­ fehle abzuwarten. . , ' 1 ' Zentrum — Freie deutsche Volkspartci. ' WTB. Köln, 20. Nov. Ein maßgebender Kreis rheinischer Zentrumsleute veröffentlicht in der "Köln. Volksztg." einen neuen großen Programmentwurf. Ter Name der Partei wird geändert in "Zentrum" mit dem Zusatz "Freie deutsche Volkspartei". I - > , Reichsbahn oder vereinigte Staatsbahnen? Amtlich! wird mitgeteilt: Geheimrat Kirchhofs hat einen Studienverband für Verkehrsvereipheitlichung gegründet und ihm eine soeben erschienene Schrift: "Reichsbahn oder vereinig­ te Staatsbahnen?" überwiesen. In dieser wer­ den aktuelle Vorschläge aus Schaffung eines neuen Thps von Eisenbahnobligationen, deren Zinsendienst vorweg auf die Eisenbahnüber­ schüsse angewiesen sind, zur Bestreitung des Milliarden-Retablissements der Eisen'ahn n gemacht, wodurch der Schwerindustrie und deren Arbeiterschaft sofort lohnende Jnlandsausträge zugewiesen werden können. Rückkehr der deutschen Truppxu aus der ‘ 1 Türkei. H ammeirstein, 19. Nov. Hier kamen die ersten Transpvrtzüge der deutschen Trup­ pen ans Konstantinopel an. Ter Zug kam über die Strecke Schwarzes Meer—Nikolajewsk -Kowel—Brest-Litowsö-Pwstken. Es sind 25 Ofsiziere und 465 Mann. sowie zahlreiches Ma­ terial. Weitere Transporte sind unterwegs und werden von Hammerstein nach der Heimat ge­ leitet. ' ; f Mülhausen an Poincare. 1 | Zürich 20. Nov. Poincare empfing ^>urch Bermittluug des Kommissars der Republik in Colmar folgendes Telegramm: Tie Bevölkerung von Mülhausen, die soeben durch, eine Kund­ gebung ihr Vertrauen in die Geschicke und die Größe ihres Vaterlandes gelegt haben, machen es sich, zur Pflicht, dem MinisterprMdenten der Republik ihre Gefühle tiefster Tankbarkeit züm'Ausdruck zu bringen. — Poincare ant­ wortete: Ich, danke der Stadt und der Bevöl­ kerung von Mülhausen von ganzer Seele. Ich kenne ihre unveränderte Anhänglich,keitch an Frankreich,. Frankreich freut sich darüber, sie für immer wiedergefunden zu haben. Ich, sende ihnen meinen herzlichsten Glückwunsch. ────────── • Ungarisch« VolksrepublU. i Budapest, 19. Nov. (Korpsbüro.) Tie Regierung hat verfügt, daß die amtliche Be­ zeichnung Ungarns künftig "Ungarische Volks­ republik" isst. Ter Titel der Regierung lautet "Regierungg der ungarischen Volksrepublik". Für die Teutschen in Ungarn. ' ( Wien, 19. Nov. Die Blätter erfahren von besonderer Seite über die Stellung des Staatsrates zur westungarischen Frage: Ter Staatsrat legt großen Wert auf sreundnachbarliche Beziehungen zu Ungarn und mußte es daher selbstverständliche ablehnen, Ungarn ge­ genüber irgend eine unfreundliche oder auf Annexion abzielende Aktion zu unternehmen. Allerdings vertritt der Staatsrat den Rechtsstandpunkt, daß das Selbstbestimmungsrecht der Nationen für die Deutschen so gut, wie für die anderen Völker gelte und daß in sich zusammen­ hängende deutsche Siedelnngsgebiete zweckmä­ ßig an die Republik Deutsch-Oesterreich anzu­ schließen sind. Längs der Landesgrenze erstreckt sich, ein breiter Gürtel von deutschen Siedelun­ gen, Heidebauern und Heinzen, die seit unvordenklicker Zeit als Teutsche das westungarrsche Gebiet bewohnen. Ter Staatsrat verlieh seiner Rektsanschauung Ausdruck dürch den Beschluß, bei der Friedenskonferenz den An­ spruch der Teutschen von Westungarn zu ver­ treten. Tiefer Konferenz bleibt natürliche die Entscheidung vorbehalten. Ein unfreundlicher Akt gegen die üngartsche Regierung kann darin nicht gesehen werden. Die Grenzbewohner sind übrigens erbittert, weil früher die ungarische Regierung sie hinderte, ihre alten Absatzgebiete Wien und Graz aufzusuchen. Ueberdies sind südslawische und tschechoslowakische Truppen im Begriff, in dieses Gebiet einzufallen, um da­ rüber hinweg zwischen den Nordslawen und Südslawen Brücken zu schlagen. 1 i Ungarn. ────────── Liebenau von einem tschiLh,rschen Oberstleut­ nant beschlagnahmt und trotz des auf die tele­ graphischen Proteste von Wien und Prag ein­ gelaufenen Auftrages, die Geldsumme frei zu geben, born tschechischen Bahnhofskommandan­ ten in Liebenau nach, Turnau zurückbefördert. Bittern. Tie Regierung des Baltikums. Ter Soldatenrat Mitau teilt mit: In Riga tagte zum erstenmale das Parlament sämtlicher Soldatenräte unter der Leitung von AlöertMitau und unter Teilnahme des Reichskommis­ sars für die baltischen Lande August Winnig. 360 Delegierte aus Kurland, Livland, Estland und Litauen waren anwesend. Auf der Grund­ lage des Mtauer Programms einigte man sich, auf einheitliche Grundsätze, die am Schlüsse besagen: Politik treiben die Soldatenräte nichtPolitisch, sind die Soldatenräte nur insoweit, wie sie die Arbeiten der Volksregierung unter­ stützen. Es wurde ein 25er Ausschuß gewählt, der aus sich, heraus einen aus fünf Mitgliedern bestehenden Vollzugsausschuß einsetzen wird. Ter Sitz des Ausschusses wird Riga sein. Sämt­ liche Räte des Ostens haben sich korporativ dem Zentral-Soldatenrat in Kowno (Ober-Ost) angeschlossen. Als Gast war u. a. der bisherig^ Chef der baltischen Lande, Major von Goßler^ anwesend. Die Tagung nahm einen harmoni­ schen Verlauf und wurde mit einem Hoch auf das neue freie Deutschland geschlossen. Bitte der baltische« Lande um Schutz. Berlin, 20. Nov. Die baltische Landes­ vertretung richtete an die deutsche Regierung folgendes Telegramm: "Die plötzliche Zurück­ ziehung der deutschen Truppen aus den balti­ schen fanden, insonderheit aus Estland und Oesel, bringt das schutzlose Land in größte Ge­ fahr und setzt es sicherer Verheerung von Osten her aus. Im Namen der Menschlichkeit bitten wir um die Belassung der deutschen Wehrmacht in allen.Gebieten des Baltenlandes bis eine anderweitige Hilfe in sicherer Aussicht steht. Baltische Landesvertretung. Böhme». | ' 1 , 1 Tschechische Uebergrifse. 1 ' ? Reich,enberg (Böhmen), 19. Nov. (Mel? düng des deutsch-österreichischen Pressebüros.) Als gestern Beamte der österreichisch-ungarischen Bank mit 22 Millionen Kronen von Wien nach Reichenberg fuhren, wurde der Betrag trotz eines Geleitscheines, der die Unterschrift . des tschechischen Gesandten in Wien trug, itt ────────── Baltikum. Tie Regierung des Baltikums. Ter Soldatenrat Mitau teilt mit: In Riga tagte zum erstenmale das Parlament sämtlicher Soldatenräte unter der Leitung von AlöertMitau und unter Teilnahme des Reichskommis­ sars für die baltischen Lande August Winnig. 360 Delegierte aus Kurland, Livland, Estland und Litauen waren anwesend. Auf der Grund­ lage des Mtauer Programms einigte man sich, auf einheitliche Grundsätze, die am Schlüsse besagen: Politik treiben die Soldatenräte nichtPolitisch, sind die Soldatenräte nur insoweit, wie sie die Arbeiten der Volksregierung unter­ stützen. Es wurde ein 25er Ausschuß gewählt, der aus sich, heraus einen aus fünf Mitgliedern bestehenden Vollzugsausschuß einsetzen wird. Ter Sitz des Ausschusses wird Riga sein. Sämt­ liche Räte des Ostens haben sich korporativ dem Zentral-Soldatenrat in Kowno (Ober-Ost) angeschlossen. Als Gast war u. a. der bisherig^ Chef der baltischen Lande, Major von Goßler^ anwesend. Die Tagung nahm einen harmoni­ schen Verlauf und wurde mit einem Hoch auf das neue freie Deutschland geschlossen. Bitte der baltische« Lande um Schutz. Berlin, 20. Nov. Die baltische Landes­ vertretung richtete an die deutsche Regierung folgendes Telegramm: "Die plötzliche Zurück­ ziehung der deutschen Truppen aus den balti­ schen fanden, insonderheit aus Estland und Oesel, bringt das schutzlose Land in größte Ge­ fahr und setzt es sicherer Verheerung von Osten her aus. Im Namen der Menschlichkeit bitten wir um die Belassung der deutschen Wehrmacht in allen.Gebieten des Baltenlandes bis eine anderweitige Hilfe in sicherer Aussicht steht. Baltische Landesvertretung. ────────── Polen. Teutsche Soldaten polnischer Nationalität 1 in Polen. ! Warschau, 20. Nov. Poln:scheu Blät­ tern zufolge haben die deutschen Soldaten pol­ nischer Nationalität, die sich im Osten befanden« beschlossen, sich der polnischen Heeresleitung' zur Verfügung zu stellen. In Warschau allein sind 5000 Soldaten zurückgeblieben, in ganz Polen über 10 000. Sie tragen die deutsche Uniform mit dem polnischen Adler an der Mütze. Tie Ausschreitungen in Lodz wurden gerade von deutschen Polen verübt aus Rache über schlechte Behandlung' seitens der früheren deutschen Militär- und Zivilbehörden. ────────── Ukraine. Zur Umwälzung tn der Ukraine. Kiew, 19. Nov. "Kiews'kaja Mhsl" be­ schäftigt sich mit der neuen Lage in der Ukrai­ ne und erklärt, das Programm, das die neue Regierung herausgegeben habe, sei- unbestimmt und man sei berechtigt, Zweifel an der demo­ kratischen Grundlage desselben zu hegen. Es bleibe abzuwarten, ob die neue Regierung in der Lage sei, das, was sie versprachen habe, zu erfüllen. r ────────── men die Könige von England, Belgien, Ser­ bien, Grieäjcnland und Montenegro; man er­ wartet ,daß ans] Präsident Wilson dabei sein wird. Ferner werden vertreten sein die südafvtfanifd'en Republiken, China, Japan und Portugal. Alle alliierten Armeen werden durch auserlesene Truppen in diesem Siegeszuge ver­ treten sein. Zier Einmarsch de. Franzosen in EisaßLothringen. (Senf, 19. Nov. Tie französiscke Presse veröffentlicht jetzt wieder die sranzösischen wie auf. die englischen und amerikanischen Heeresöevii te über das Vorgehen der alliierren Ar­ meen. Wie mitgeteilt wird ,ist das Vorrücken der alliierten Slmeen so geregelt worden, daß der Vormarsch! jeden Morgen um 10 Uhr be­ ginnt und na ^mittags 3 Uhr beendet ist. — General Mandbui ist zum Militärgouverneur von Metz, General Bourgeois zum Militäri gouverueur von Straßburg ernannt worden. Ter Einzug in Metz wird von General Petain der in Straßourg von Marschall Foch vollzogen werden. i In der heutigen Humanite bes t wert sich Herbe über die s liechte Organisation der Pa­ riser Kundgebung für Elsaß-Lothringen am vergangenen Sonntag. Tie Sabotage des lan­ gen musiklosen Zuges, s treibt er, war so voll­ ständig, daß das Publikum schon um 3 Uhr nachmittags nachhause ging, weil es' den Zug beendet glaubte, während der größte Teil erst uaf| 4 Uhr am Concordienplatz eintraf. Ter Abgeordnete Mayerps hat Clemenceau mitgeteilt, daß er ihn über die Frage der Temobilisation interpellieren werde . In der Humanite stellt Marcel Cach,in ironisch^ Betrachtungen darüber an, daß Cle­ menceau bet seinem geplanten Einzug inStraßburg von dem Sozialisten Peirotes empfangen werde. Tie sozialistisite Presse beschwert sich über die Zensur, die Na laichten über Deutschland nist durchläßt, so daß die Presse keine Infor­ mationen über die inneren Vorgänge inTeutshland besitze. Eine dicke Mauer trennt uns von der übrigen Welt, schreibt der Populaire und protestiert energisch gegen diese Maßnahme. Stfgiee. Explosion eures- Munitionszuges. Berlin, 19. Nov. Aus Eindhoven wird über eine Explosion in Harnant gemeldet: Tie Explosion ereignete fif, ungefähr um JO Uhr auf dem Bahnhof, wo ein deutscher Munitionszug stand. Tabei flog ein Wagen mit Granaten in die Luft, deren Splitter auf die Umgebung niederfielen. Auf dem Bahnhof standen auch 3 Lazarettzüge mit deutschen Verwundeten, die auf den Transport nach Holland warteten. Tiefe Züge gerieten in Brand. Tie Verwunde­ ────────── ten flüchteten, soweit sie imstande baren, aber : 18 S hwerverwundete kamen in dem Flammen um. Ein Lazarettzug konnte rechtzeitig in Sicherheit georckcyt werden, nachdem die bren­ nenden Wagen mit großem Heldemrnut abge­ koppelt waren. Indessen wurde mam des Bran­ des Herr. Ter Anblick der Verwundeten, die über die Grenze kamen, ist unbLschrjeibslich. Während der Katastrophe wagte stich niemand in die Nähe der Station Harnant. .In Harnant sind viele Häuser eingestürzt, wowei die Ein­ wohner unter den Trümmern beg raben wur­ den. Tie meisten Opfer sind deutsch;« Soldaten, aber au- s holländische Soldaten [wurden ge­ tötet. Man sprilt von 1500 bis !2000 Toren und Verwundeten. Es heißt, daß, Kinder in ! der Nähe der Züge mit Feuer bfeilten und da­ durch. die Explosion verursachten. 1600 hollän­ dische Soldaten sind zur Hilseleisstung abge­ gangen. Stille». 1 Tie Italiener gehen zuriiat. Ter Kommandant des seit eintigen Tagen in Ober-Laibach stationierten italiemischen Re­ giments ließ dem Ortsvorsteher Waibachs ein Schreiben zugehen, in welchem er unitteilch daß die ihm unterstellten Truppen aruf höheren Befehl im Lause des morgigen Stage» OberLaibach verlassen und sich aus die irrt den Waffenftillstandsbedingnngen festgesetztem Temarkationslinien zurückziehen werden. Mer Bevollmäjlchigte seines Kommandos werdoe die EinI quartierungigebühieu b.zahle.: und eiwa'ge Re1 quisitronen vergüten. , Belgien. Explosion eures- Munitionszuges. Berlin, 19. Nov. Aus Eindhoven wird über eine Explosion in Harnant gemeldet: Tie Explosion ereignete fif, ungefähr um JO Uhr auf dem Bahnhof, wo ein deutscher Munitionszug stand. Tabei flog ein Wagen mit Granaten in die Luft, deren Splitter auf die Umgebung niederfielen. Auf dem Bahnhof standen auch 3 Lazarettzüge mit deutschen Verwundeten, die auf den Transport nach Holland warteten. Tiefe Züge gerieten in Brand. Tie Verwunde­ ────────── Italien. 1 Tie Italiener gehen zuriiat. Ter Kommandant des seit eintigen Tagen in Ober-Laibach stationierten italiemischen Re­ giments ließ dem Ortsvorsteher Waibachs ein Schreiben zugehen, in welchem er unitteilch daß die ihm unterstellten Truppen aruf höheren Befehl im Lause des morgigen Stage» OberLaibach verlassen und sich aus die irrt den Waffenftillstandsbedingnngen festgesetztem Temarkationslinien zurückziehen werden. Mer Bevollmäjlchigte seines Kommandos werdoe die EinI quartierungigebühieu b.zahle.: und eiwa'ge Re1 quisitronen vergüten. , ────────── Amerika. WTB. Washington, 18. Now. (Reuwr.) | Ta» Marineamt schätzt das Mariruebndget für I 1920 auf 2 441900 000 Dollar. Mas Budget I wurde ursprÄuglich, für den Fall! der Fortdauer I des Krieges aufgestellt. Nun erwartet man be­ deutende Abstriche. Ursprünglich war u. a. für den Zeitraum von 3 Jahren ein Baupro­ gramm von 150 Swiffeu, einschließlich von 10 Ueberdreadnoughts vorgesehen. ────────── Aus neutralen Ländern. Aus Luxemburg. Tic Frkfr. Ztg. meldet aus Luxemburg: Noch immer passieren große deutsche Heeres­ massen auf ihrem Rückzüge Luxemburg. Ord­ nung und Organisation sind an Stelle des ] anfänglichen Durcheinanders wieder hergestellt. Tie Presse stellt fest, daß die Soldaten einen guten Eindruck machen. Am Donnerstag sollen ' die Entente truppen die luxemburgis ke Grenze besetzen .Am 24. November treffen sie in der Stadt Luxemburg ein. Ter Süden des Landes wird von Amerikanern, der Norden von Fran­ zosen besetzt. i ' , Ueber einen Bürgerkrieg in der Ukraine | wird gemeldet: Ter Hetman hat, rote bereits I gemeldet, feine Stellung geändert .Ein rechtsjj stehendes großcussisch-orieutiertes Kabinett hat I fii,| wahrscheinlich in Verbindung mit der EnI tente jüv die Wiederherstellung eines GroßI rußlands ausgesprochen .Tie deutschen TrupI Pen haben den Befehl erhalten, in diesemKonfliit unter allen Umständen Neutralität zu be­ obachten. I i Wiedereröffnung der Sstzpffschrt. Amsterdam, 19. Nov. Nach, hier eingetrofsenen amtliichen Mitteilungen aus England wird eine freie Fahrrinne zwischen Holland und England angelegt, die in 10 bis 14 Tagen fertig sein wird. Hierauf wird den nieder­ ländischen Schiffen die Fahrt durch den Kanal gestattet. Sie werden Falmouth anlaufen müs­ sen, um dort Instruktionen zu erhalten. Aüch, der Suezkanal ist wieder eröffnet. ' , ÄgK-NMM Reichptagspräsident Fehrenbachj -ehalt sich die Einberufung des ReifchMagjes vor. Reichßtagspräsident Fehrenba.ch, der am letzten Sams­ tag von Freiburg naß Berlin zurückgekehrt ist, ließ der Reichsleitung nach einer Besprechung mit den Parteiführern und dem Mitglied der Regierung Ebert nachfolgende Erklärung zu­ gehen: In der am 10. November zur Entgegen­ nahme der Waffenstillstandsbedingungen im Reichskanzlerpalais stattgehabten Sitzung, an der außer sämtlichen Mitgliedern der bama$igen Regierung aujh, Vizepräsident Tove urkd 'ich teilnahmen, habe ich, die Frage aufgeworfen, ob etwa, wie verlaute, eine Auflösung des Reichstags geplant sei, und ob Verneinenden­ falls die für nächsten Mittwoch angesetzte Sitz­ ung stattfinden könne. Tarauf erkl,ärte der da­ malige Reichskanzler Ebert, daß über eine et­ waige Auflösung des Reichstags noch kein Be­ schluß gefaßt sei, daß, aber jedenfalls die ange­ sagte Sitzung nicht abgehalten werden könne. Dagegen konnte iß nach, der Sachlage eine Einwendung nicht machen. Am 14. November fragte iß telegraphisch an, ob gegen die aüs die nächste Woche vorgesehene' Einberufung des Reihstages Einwendungen erhoben und event, dagegen Maßnahmen getroffen werden sollen. Ich-, erhielt die telegraphische Antwort, daß nach Beseitigung des deutschen Kaisertums und des Bundesrats als gesetzgebende Körperschaft auch der Reichstag nicht mehr zusammeutrÄen könne. Tiefe Ansichauung vermag ich weder in ihrem Inhalt noit, in ihrer Begründung als zutreffend anzuerkennen. Zwingende Rücksichten auf die gegenwärtige Lage veranlassen mich- aber, zur­ zeit von der Einberufung des Reichstags ab- ────────── zusehen. 3t, behalte mir diese jedoch aus­ drücklich vor. ,Es können Verhältnisse eintreten^ die sowohl der jetzigen als au hi der künftigen Reistsleitung den Zusammentritt des Reichs­ tages als erwünscht, vielleicht sogar als not­ wendig ersileinen lassen. Ltrci'hnng des KiiltuSou-gcts und S«i»larisalion in Preuß«en. Wie die "B. Z. am Mittag" hört. beabsichtigt der neue preußische Kultusminister Adolf Hosmann, vom 1. April 1919 ab die Zahlung der Kultusgeloer einzu­ stellen, was natürlist, zur Folge haben würde, daß, die Geistliflkeit, soweit sie in Staatsge­ bäuden wohnt, diese verlassen müßte. Vom preußishen Kultusminister werde ferner der Gedanke erwogen, die Besitztümer der Klöster zu sükulari,ieren. .Eine Bestätigung die ec Mel­ dung war bis zur Stunde noch« nicht zu er­ langen. • 1 KriegÄv»scher nach dem Kriege. Aus Ber­ lin wird mitgeteilt, es solle das Kriegswuher­ amt mindestens nsst, 2 Jahre nach dem Krieg fortbestehen, da die Bevölkerung anst, nach dem Kriege noit, unter dem Schleich- und Ketten­ handel, der Hehlerei sowie jeglister Art von Verschiebung zu leiden haben werde. Es meh­ ren fisch schon jetzt die Anzeichen, daß bei der Demobilisierung in den Etappen große Men­ gen für den Heeresbedarf zurückgelegter Roh­ stoffe in unreelle Hände gekommen sind, von Mittelspersonen in die Heimat verschoben und unter der Hand zu Geld gemastt werden. Mobs. Laudrhnt, bta 21 November Kartoffeln Lüchen zur Brennerei na h einer Verfügung des Ministeriums des Innern überhaupt nickt mehr verwendet werden. —* Im stüdt. Friedhofe wurde gestern no,(mittags mit militärischen Ehren der imi Reservelazarett Brust,sal im Dienste des Va­ terlandes verstorbene Gefreite Herr Thomas Birnkammer von hier, dessen Lei he hierher überführt wurde, zur letzten Muhe bestattet. Seine Brust schmückte das Eiserne Kreuz. —* Den Heldentod für das Vater­ land starb der Offiziersstellvertreter Herr Lo­ renz Mayr, Bäcker von hier, an den Folgten einer schweren Kriegsverletzung. Ter Verbliche­ ne, der seit Kriegsbeginn im Felde stand, war mit dem Eisernen Kreuze und dem Militärberdienstkreuze ausgezetstinet. —* Ueber Entlassungen von Solda­ ten ist im heutigen Anzeigenteil eine Bekannt­ machung enthalten, ebenso ein Aufruf an die zur Entlassung aus dem Heere kommenden bessersituierten Bürjger und Bauern, auf den ihnen bei der Entlassung zustehenden Anzug zugunsten der minderbemittelten Soldaten zu verzichten, damit die vorhandenen Bestände ausreichen. 1 ────────── - * Bahnverkehr. Tie D-Züge 21, abends 8.33 Uhr von Regensburg und 8.38 Uhv nalj München und 26, vormittags 8.58 Uhr von München und 9.01 Uhr nach Regensburg Verkehren wieder. Dagegen entfallen bis auf weiteres die Schnellzüge 135, vormittags 8.07 Uhr von München, 8.11 Uhr nach Regensburg und 136, abends 8.38 Uhr von Regensburg und U.46 Uhr na, fl München. Laudrhnt, bta 21 November Kartoffeln Lüchen zur Brennerei na h einer Verfügung des Ministeriums des Innern überhaupt nickt mehr verwendet werden. —* Im stüdt. Friedhofe wurde gestern no,(mittags mit militärischen Ehren der imi Reservelazarett Brust,sal im Dienste des Va­ terlandes verstorbene Gefreite Herr Thomas Birnkammer von hier, dessen Lei he hierher überführt wurde, zur letzten Muhe bestattet. Seine Brust schmückte das Eiserne Kreuz. —* Den Heldentod für das Vater­ land starb der Offiziersstellvertreter Herr Lo­ renz Mayr, Bäcker von hier, an den Folgten einer schweren Kriegsverletzung. Ter Verbliche­ ne, der seit Kriegsbeginn im Felde stand, war mit dem Eisernen Kreuze und dem Militärberdienstkreuze ausgezetstinet. —* Ueber Entlassungen von Solda­ ten ist im heutigen Anzeigenteil eine Bekannt­ machung enthalten, ebenso ein Aufruf an die zur Entlassung aus dem Heere kommenden bessersituierten Bürjger und Bauern, auf den ihnen bei der Entlassung zustehenden Anzug zugunsten der minderbemittelten Soldaten zu verzichten, damit die vorhandenen Bestände ausreichen. 1 Lokales. —* Wilde Gerüstste gehen zurzeit in unserer S.adt um über eine Belegung der Stadt mit tausenden von Truppen. Diese Gerüchte sind grundlos. Bis jetzt ist lediglick der Rück­ transport der beiden hiesigen Friedenstruppjenteile und biie Unterbringung von 3 früherer^ Stäben vorgesehen. Sollten noch mehr Trup­ pen hierherkommen, so wird die Einwohner­ schaft rechtzeitig davon verständigt. —* Das De m o b e l m a«ck u ng s ko m mando des hiesigen 1. Bat. 16. Jnf.-Regts. tarn gestern abends hierher. Das Kommando zog mit llingendem Spiel in die Infanteriekaserne, um dort die notwendigen Vorberei­ tungen für die Demooilmast'nng des Bataillons vorzubereiten. —* Au "oie Landwirte, denen durch! Wegzug der Gefangenen Arbeitskräfte entzogen wurden, ergeht die Aufforderung, sich an das s.üdt. Arbeitsamt um ÜRa,{jroet'ung von Arbeits­ kräften zu wenden. ────────── 'fantmen mit Verbanden der Alliierten die iStadt Fiume besetzt. Ter Einzug der Truppen vollzog sich ohne ZwischeusMe. AmcrUantsftp Leürusmittelzufuhr. Washington, 20. Nov. (Reuter.) Es sind jetzt Skiffe mit 200000 Tonnen Lebens­ rnitteln für Frankreich, Belgien und Oesterreich! nass,) Europa unterwegs. - 1 \ ────────── Allerlei. Eine Bande von 20 jungen Leuten, zum Teil mit Gewehren bewaffnet, erschien angeblich, fnt Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrates Würzburg v^r einer Nudelfabrik in Grombühl und begehrte Einlaß. Tier Besitzer hatte die Fabrik gef, stoffen und telephonisch den Sol­ datenrat benachrichtigt. Ehe noch eingeschritten wurde nahm die Bande Reißaus. Bayerische Nachrichten. 1 Ein Protest gegen die Waffenstillstandsbe» dingnngen. Ter Soldaten- und Arbeiterrat in Erlangen hat einen vom Gen. Paul Ritzer un­ terzeichneten telegraphischen Protest gegen die Wassenstillstandsbedingungen nach Berlin ge­ sandt. Es wird gefordert: 1. Besetzung von Elsaß-Lothringen' durch die Schweiz als Treujhänder bis zur Volksabstimmung in diesem .Lande. 2. Keine Auslieferung der Machtmittel eines sozialislisteu Staates in die unreinen Hände kapitalistischer Regierungen, die diese nur zur Unterdrückung des eigenen Volkes ver­ wenden. 3. Keine Auslieferung von Trans­ portmitteln, die das deutsche Volk dem Hunger­ tode preisgäbe. 4. Verhandlung nur mit frei­ gewählten Vertretern des französischen, eng­ lischen und amerikanischen Heeres und Volkes an der Westfront,'des italienischen an der Südsront. 5. Zusammenschluß, aller sozialistischen KSänber und Regierungen zu einem vereinig­ ten Staatenbunde, wobei jedem Volke freisteht^ sich, anzuschließen. 6. Sofortige Entlassung aller über die politische Sage in Teutsch land unterrichteten Kriegsgefangenen an die West­ front zur Aufklärung ihrer Kameraden. Ter Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat Erlangen hat gleichzeitig an die Regierung bet Republik Bayerns eine Kundgebung gesandt, in der er die für Bayern wieder geschaffene politische Einigung der Arbeiterschaft begrüßt und die Regierung auffordert, alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um' die internationale Ver­ brüderung der Völker an den Fronten zu er­ reichen. Baterlandsdauk. Man schreibt der "M.191. A.": "Anfangs November sollte ich! von der Front weg in ein Lazarett nach 'Teutschland gebracht werden. Solange ich in Belgien war, ging die Sache gut. Als ich jedoch in Aachen aus dem Zug stieg, wurde ich,, nichts ahnend von den Vorgängen in Teutsch land, am Bahn­ hof von einigen ganz jungen Burschen, die als Soldaten angezogen waren — Soldaten kann man solche Leute nicht nennen — angefallen. Man riß mir mit Gewalt die Achselklappen und die bayerische (nicht die deutsche) Kokarde herunter und behandelte mich! in der gemeinsten Weise. Dreißig weiteren Bayern erging es ebenso. Taß wir Bayern die Rohheiten dieser Burschen nicht ohne "weiteres hinnahmen, läßt sichl wohl denken. Tie Fahrt ging weiter nach Köln, wo wir wieder recht abstoßend von den jungen Soldaten behandelt wurden. Tort wur­ de aus dem Lazarettzug auch! der begleitende Arzt durch einen Sergeanten ersetzt. In Frank­ furt angekommen, verlangten wir nuw Ver­ pflegung, weil wir seit Lüttich! keine Nahrung erhalten hatten. Junge "Soldaten" waren es wieder, die uns empfahlen, in die nahezu eine Munde entfernte Kaserne zum Essen zu gehen, da am Bahnhof keine Verpflegung fei. Mt meinen dreißig verwundeten und kranken Ka­ meraden konnte tü dies natürlich nicht tun und so mußten wir hungrig weiterfahren, während die jungen Soldatenräte, tose sie sich, —jeden­ falls zu Unrecht — hießen,, vor unseren Augen Brot, Wurst und Konserven in ansehnlicher Menge verzehrten. Wie ein kriegsgefangener Verbrecher, ganz ausgehungert, verlaust, seeRfjch, und körperlich gebrochen, kam t$, am Bahn­ ────────── ., y—. 'w.w..uy w*. ^ui^umfj&nitaeinot ab Januar die vierteljährigen Vorauszahlung' der Beamtengehälter mit gleichzeitigen zwang weiser Einrichtung eines Postscheck- oider Bar kontos einzuführen, i I f , , Born Bayerischen VoÄsschuktehrervrrein. Ter Hauptausschuh des Bayer. Volks schullehrerverieins war am Samstag den 1 November in München zu einer besonder» Sitzung versammelt, hielt Besprechung; über t neue Zeit und die neuen Verhältnisses in Ba ern und im Teutschen Reiche und faßtee folgen für die Oeffentlichke.it bestimmte > 1 _ Ent schiließ un g. - f "Ter Bayer. Volksschullehrervetrein fiel sich unter Wahrung bet poltitischeit liebe zeugung seiner Einzelmitglieder in voller Au richtigkeit aus den Boden des neuen Volkssta« tes. [ii 1 ; ! Ex hofft, daß durch! ihn eine Fülle net« Kräfte geweckt und zu freiet, selbständige selbstverantwortlicher Axbeit herangezogen toe: de, die bisher verkümmerten. Wir Lehrer erblicken aber in der Mita: beit an der freien Entwicklung aller im Voll schlummernden guten Kräfte die Krone unser« Amtes. I ( 1 ' Wir erwarten deshalb, daß die Vol' regientng nicht zögert, die Folgerungen h ans tot die - - Friede und gemeinschaftlicher Arbeit eine bes­ sere Zukunft erblühe". Es wurde eine 7-gliedrige Kommission eingesetzt und ihr die Ausgabe zugewiesen, ein neuzeitliches ,auf demokratischer Grundlage, der vorstehenden Entschließung entsprechenre-Schul-. Programm umgehend auszuarbeiten, es wird Lehrerbildung, die rechtliche und dienstliche Stellung k>es Lehrers, den Charakter der Volks­ schule, ihren inneren und äußeren Betrieb, die Gehalts-, Ruhestands-, Hinterbliebenenfürsorge der Lehrerschaft und alle anderen einschlägigen Punkte umfassen. Tie weiteren "Schritte ver­ stehen sich- von selbst. i ! Ferner wird die Errichtung eines organi­ sierten Lehrerrates für den ganzenVolksstaat Bayern sofort in Angriff genommen, der Zusammenschluß aller Lehrer und Lehrerinnen­ vereine, soweit sie unsere grundsätzliche Stel­ lungnahme teilen, bewirkt und der Anschluß an den Rat der geistigen Arbeitet herbeige­ führt. 1 I ! i i hof in München an, wo man mir auch die deut­ sche Kokarde abnahm. Tas alles muß einem Soldaten passieren, der fünf Jähre ununter­ brochen im Heeresdienste und fast drei Jahre an der Front.steht. Wenn nicht sofort dafür gesorgt wird, daß an Stelle der jungen Bur­ schen, die noch keine Kugel im Felde pfeifen hörten, alte Soldaten kommen, bann kann es noch zu gefährlichen Auseinandersetzungen kom­ men, denn unsere Frontsoldaten, die 4 Jahre lang ihre Heimat vor dem Feinde geschützt ha­ ben, lassen sich; eine solch! unwürdige Behand­ lung nicht bieten." — JÜBir meinen, daß unsere Soldatenräte ihren ganzen Einfluß, aufbieten sollten, um den geschilderten, ganz mnerhörteu Zuständen sofort ein Ende zu bereiten. Eine Organisation der bayer. Gendarmerie ist in Bildung begriffen. Tie <3tenbatenterte be­ absichtigt, sich in einen Verband zusammenzu­ schließen. Tas Gendarmerie-Korps-Kornmando hat bereits angeordnet, daß durch, ibte MannSrt-v* SH *■ ' " vuuen Mnoarmerrecrusschiutzr der Stärke von fünf Mann wählen,, der gan unabhängig von jedem Vorgesetztemverhältni die Interessen der Mannschaften zu ber trete: hat. Tiefe Anordnung ist ein Uebeirgang bi zürn Umwandlung ;ber Gendarmeriie in ei: Zivilinstitnt. f ^ Gegen die Zahlungsm ittelnot. Tie Frag der vierteljährigen Vorauszahlung der Beam tengehälter wird erwogen. Wie die "Münch!. A Abendztg." hört, ist vorn Verkehrsrn-inisteriur der Dteowittirr ho-* x r— ... öh.xuv«. «i x)vu«ma;;en zu ziehen. Alte längst erhobene ForderuMen der S rerschäft können und müssen jetzt erfüllt ^ hart* 1t«. ^ ‘ * , miviiuvujcu utv innere nno äußere Ausbau der Volksschule, die Neuord­ nung der Lehrerbildung, der Schulleitung, die Sorge für entsprechende wirtschaftliche, gesellschäftliche und staatsbürgerliche Stellung des Lehrerstandes im Volksganzen. j Tjs§ Hösung dieser Grundfragen und vieler Einzelftagen muß zeigen, daß mit dem Kernge­ danken des neuen Volksstaates ernst gemacht wird und daß allenthalben die Erkenntnis vor­ handen ist, daß ohne möglichst gute, freiheitlich geordnete Volksbildung ein Volksstaat nicht ge­ deihen kann. 1 I Tie Vvlksschullehrerschast verpflichtet sich! dagegen, mit allen Kräften daran mitzuarbei­ ten, daß der neue Volksstaat im Volke Wurzel ■ fasse und daß auf seiner Grundlage dem bayerj| sch^n und betn deutschen Volke in Freiheit, Bayerische Nachrichten. 1 Ein Protest gegen die Waffenstillstandsbe» dingnngen. Ter Soldaten- und Arbeiterrat in Erlangen hat einen vom Gen. Paul Ritzer un­ terzeichneten telegraphischen Protest gegen die Wassenstillstandsbedingungen nach Berlin ge­ sandt. Es wird gefordert: 1. Besetzung von Elsaß-Lothringen' durch die Schweiz als Treujhänder bis zur Volksabstimmung in diesem .Lande. 2. Keine Auslieferung der Machtmittel eines sozialislisteu Staates in die unreinen Hände kapitalistischer Regierungen, die diese nur zur Unterdrückung des eigenen Volkes ver­ wenden. 3. Keine Auslieferung von Trans­ portmitteln, die das deutsche Volk dem Hunger­ tode preisgäbe. 4. Verhandlung nur mit frei­ gewählten Vertretern des französischen, eng­ lischen und amerikanischen Heeres und Volkes an der Westfront,'des italienischen an der Südsront. 5. Zusammenschluß, aller sozialistischen KSänber und Regierungen zu einem vereinig­ ten Staatenbunde, wobei jedem Volke freisteht^ sich, anzuschließen. 6. Sofortige Entlassung aller über die politische Sage in Teutsch land unterrichteten Kriegsgefangenen an die West­ front zur Aufklärung ihrer Kameraden. Ter Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat Erlangen hat gleichzeitig an die Regierung bet Republik Bayerns eine Kundgebung gesandt, in der er die für Bayern wieder geschaffene politische Einigung der Arbeiterschaft begrüßt und die Regierung auffordert, alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um' die internationale Ver­ brüderung der Völker an den Fronten zu er­ reichen. Baterlandsdauk. Man schreibt der "M.191. A.": "Anfangs November sollte ich! von der Front weg in ein Lazarett nach 'Teutschland gebracht werden. Solange ich in Belgien war, ging die Sache gut. Als ich jedoch in Aachen aus dem Zug stieg, wurde ich,, nichts ahnend von den Vorgängen in Teutsch land, am Bahn­ hof von einigen ganz jungen Burschen, die als Soldaten angezogen waren — Soldaten kann man solche Leute nicht nennen — angefallen. Man riß mir mit Gewalt die Achselklappen und die bayerische (nicht die deutsche) Kokarde herunter und behandelte mich! in der gemeinsten Weise. Dreißig weiteren Bayern erging es ebenso. Taß wir Bayern die Rohheiten dieser Burschen nicht ohne "weiteres hinnahmen, läßt sichl wohl denken. Tie Fahrt ging weiter nach Köln, wo wir wieder recht abstoßend von den jungen Soldaten behandelt wurden. Tort wur­ de aus dem Lazarettzug auch! der begleitende Arzt durch einen Sergeanten ersetzt. In Frank­ furt angekommen, verlangten wir nuw Ver­ pflegung, weil wir seit Lüttich! keine Nahrung erhalten hatten. Junge "Soldaten" waren es wieder, die uns empfahlen, in die nahezu eine Munde entfernte Kaserne zum Essen zu gehen, da am Bahnhof keine Verpflegung fei. Mt meinen dreißig verwundeten und kranken Ka­ meraden konnte tü dies natürlich nicht tun und so mußten wir hungrig weiterfahren, während die jungen Soldatenräte, tose sie sich, —jeden­ falls zu Unrecht — hießen,, vor unseren Augen Brot, Wurst und Konserven in ansehnlicher Menge verzehrten. Wie ein kriegsgefangener Verbrecher, ganz ausgehungert, verlaust, seeRfjch, und körperlich gebrochen, kam t$, am Bahn­ ────────── Stadttheater. Endlich, wieder einmal ein kleiner Licht­ blick in dem epidemischen Tuntel der moder­ nen Operettenmache, wenn auch nicht vom künst­ lerischen, so doch vom unterhaltenden Stand­ punkte aus. Tiefes Empfinden hatte das Pu­ blikum am Sonntag bei der Erstausführung der Operettenneuheit "Schwarzwaldmädel" von A. Neidhardt, Musik von Leon Jessel. Schon das Libretto ist recht geschickt abgefaßt und wirkt durch fofa§ Milieu, in dem sich die schmucken Trachten aus dem badischen Schwarzwald ma­ lerisch abheben, wenn auch, wie dies gewöhnlich, der Fall ist, der Höhepunkt mit betn zweiten Aktschluß erreicht und bet dritte Akt lediglichtoegen des Abendaussüllens.angehängt wird. Tie Grundidee ist, daß das Lumpenprinzeßchen Bärbels, des Tvmkapellmeisters blondzöpfiges Tienstmägdlein, durch, unvermutete Erbschaft in Wohlstand und Reichtum gehoben wird und da­ durch, tu die Lage kommt, nach. Liebe zu heiraten * und zwar nicht wie vermutet wird, ihren ält­ lichen Tienstherrn, sondern ein wanderlustiges feines Herrchen, das gewissermaßen als Lohengrin betn verachteten armen Bärbele Ritter­ dienste leistet. Auch! biie Musik geht mehr ins' Volkstümliche, Melodiöse und gibt dem §örer* wenn auch! hin und wieder bekannte Weisen anklingen, etwas mit nach! Hause. Tr. Ouedenfeldts Spielleitung bracht« frischen Zug in die unterhaltende Geschichte und schuf auch: szenisch, hübsche Bilder. Frl. Mikulska bot als Bärbdle auch, stimmlich eine äußerst abgerundete, sym­ pathische Leistung und verdiente ehrlichen An­ teil an der überaus beifälligen Ausnahme durch das vollbesetzte Haus. Ter Tomkapellmeister ist wieder einmal eine Charakterfigur, wie mir sie in Operetten lange entbehrten. Herr Koller nahm sich. derselben wärmstens an und ließ anerkennenswerterweise alles Hinteren beisei­ te, nicht so das Liebäugeln mit dem Helfer im Kasten. In der Partie der Malwine gefiel Frl. Lakorna bedeutend besser als kürzlich! in der Csardassürstin; auch! die Kostümfrage löste sie diesmal totchßk, wie der schnoddrige Ber­ liner Kunstsleischvertrvter Schmußheim, den Herr Sadik originell durchführte, zu sagen pflegte. Hans und Richard, die beiden vorneh­ men Psendo-Mnsikanten, fanden in den Herren Tr. Quedenseldt und Varndal, ersterer beson­ ders gesanglich!, letzterer namentlich als humor­ voller, beweglicher Darsteller, die wünschens­ werten Interpreten. Weigels drolliger Wirt vom blauen Ochsen und die übrigen Schwarz­ wälderinnen Frl. Koller und Kühne machstew ebenfalls das ihre zur Sache und standen nicht machtlos vis-a-vis. Tie lustige Prügelszene mit Nachtwächtersolo, eine wirksame Anleihe an die Meistersinger, gab der Lachslust desPublikums reichlich Anlaß. Auch verschiedene hübsche Duos und Terzette rechtfertigten dost da capo-Verlangen der sich! trefflich unterhal­ tenden Hörer. Kapellmeister Bader mit seinen Getreuen war für den orchestralen Teil be­ sorgt, nur dürste die Begleitung noch! dezenter sein, wodurch! auch ein besseres Verstehen der Gesangstexte erreicht würde. Tem vorgestrigen Erfolge nach, dürste die Operette noch öftersauf dem Spielplane erscheinen. ; Hg. s ────────── wenn ichmorgen in den Helhoog gehe und nach dem Kranken frage, der meinetwegen von Uwe beir ahe erschlagen wurde? Uwe würde toben und roßten, und mich vieleicht schlagen, und Jens Jürgens, dein Mann, und das boshafte alte Weib, seine Mutter, würden mich vieleicht aus dem Hause jagen. Soll ich das dahin kommen lassen." "Aber Jnken, bist du denn ganz von Sinnen? Du willst doch nicht etwi auf den Helhoog gehen und den Kranken pflegen?" "Nicht? Märe es nichk unsere Pflicht? Hat der Doktor nicht das Recht, Uwe Jürgens vor das Gciichi zu fordern? Hat er ihn nicht an Leib und Leben bedroht?" "Du darfst nie, nie wieder den Helhoog betre­ ten", schrie Merret auf. "Versprich es nur, Jnken, aus Barmherzigkeit." Das Mädchen sah die Schwester' die mit zittern­ den Fingern über ihre schwarze Schürze von starrer Seide strich, erstaunt und mit le.ser Besorgnis an. "Nie, nie, Jnken, darfst du in den Helhoog. Jens Jürgens würde das nicht leiden . . . er . . . er traut mir nicht mehr ... er ist eifersüchtig auf • Dilles Stöven, und nie mehr kann es gut werden, j selbst wenn Dilles vergessen wollte." j Nur gepreßt, stoßweise, kam alles von Merrets Lippen. Sie hatte angstvoll der Schwester Arm ' Metz von Franzosen besetzt. j Paris, 20.- Nov. Nah einer Haoasmeldung hielt Marssall Petain der Oberbefehls­ haber der französischen Armeen gestern nach­ mittags seinen Einzug in die Stadt Metz an der Spitze der von General Leconte geführten Truppen. Auch, Kolmar wurde von französi­ schen Truppen besetzt. Meine M ilderung der Waffenstillstands- ( bedingnngen. , Bert im, 20. Nov. Alle zurzeit in'der Presse austmuchenden Nachrichten über erreich­ te oder uns zugesagte Milderungen der Waffen­ stillstandsbedingungen entsprechen nicht den Tatsachen. Vielmehr ist festzustellen: Trotz al­ ler Vorstellungen und aller bereits zutage ge­ tretenen Unzuträglich Leiten in der praktischen Durchführung der uns auferlegten Bedingun­ gen des Waffenstillstandes ist von unseren Geg­ nern nicht das geringste Entgegenkommen ge­ zeigt worden. Die deutsche Wafsenstillstandskommission: Staatssekretär E-rtzberger. Vor der Kaiasthophc. r Berlin, 20. Nov. Wie die beutste Waf> fenstillstandskommission in Spa meldet, verumklamanrt, die nun ganz erschrecke von dem eben Gehörten liebreich stützend den Arm um Merret legte. ! "Er traut dir nicht mehr? Auch das noch zu aller Qual? Du, die du nur für ihn und das Kind lebst, die du keinen anderen Gedanken hast, als deine Pflicht? Und in dieses Joch wollt Ihr auch mich zwingen? Nein, niemals! Ich bin frei und niemand soll mich wie dich binden !!" "Jnken", schluchzte Merret auf, während wieder der ungeduldige Ruf Jürg-nr nach Merret vom Hofe herauf klang. "Geh' hinab, Merret", gebot Jnken sanft, geh, füge oich, dulde, leide, soviel Du willst, aber ich, ich gehe einen anderen Weg. Ich gehe, unsere Welt wieder;'finden, die uns hier verloren ging." "Jnken, du darfst nicht fort. Ich würde hier sterben ohne dich " "Nein du wirft leben, Merret." "Jnken, versprich mir . . . nein, versprich mir nichts, aber ich bitte dich aus tiefstem Herzen, bleib! Laß es vergefien sein, was dir Jens Jürgens und Urne getan haben. Ich verspreche dir auch, dahin zu wirken, daß dich Jens nicht zu der Heirat mit 1 Uwe zwingt." I mehren st h Infolge des aufgezwungenen über­ eilten Rückzuges bie Marshschwierigkeiten des deutschen Heeres trotz des bisher günstigen Wet­ ters. Tie Franzosen s,keinen sich auf keine Verlängerung der Räumungsfrist einlassen zu wollen. Eine Katastrophe, d. h. die Auflösung des Heeres, zügelloses Zurückströmen unter Plünderung deF Landes und bewassnetec Wi­ derstand gegen den nahrückenden Feind, kön­ nen jeden Tag eintreten, namentlich,, wenn shlechtes Wetter kommt. Tic Kosten des Weltkrieges. Haag, 20. Nov. "Hollands Nieuwe Bü­ ro" meldet aus Washington: Ter Finanzrat der Vereinigten Staaten hat die Kosten des Welt­ krieges für alle Kriegsährenden bis 1. Mai 1918 aus insgesamt 175 Milliarden Dollars angesh«lagen. In seiner Berechnung wird fest­ gestellt, daß voraussthtlich die Gesamtsumme bis Ende d«ieses Jahres etwa 200 Milliarden Dollars betragen wird. Von dieser Total­ summe sind ekwa 150 Milliarden Dollars durst« Kriegsanleihen der verschiedenen Staaten ge­ deckt. ‘ j Ein ItalienisstpA Msatzungskorps. , Basel, 20. Nov. "Carriere della Sera" bringt folgende Pariser Meldung: Ern italieni­ sches Armeekorps unter General Albrico wird an der Besetzung der deuks«ch«en Gebiete teilneh1 men. Tie Verwaltungsbezirke Elsaß--Lothringen werben die Namen Oberrhein, Niederrhein,, und Mosel führen. 1 ! i Die deutsche demokratische Partei. Berlin, 20. Nov. Tie Fortschrittliche Partei und ein erheblicher Teil der National­ liberalen hat sich, mit dem Unterzeichnen des demokratischen Aufrufes vom 16. November' auf die Grundsätze dieses Aufrufes geeinigt. Tie große demokratische Partei ist damit ins "Sehen ge.reten. ßie führt den Namen "Deutshe demokratische Partei.". I Ausruf au das Sanitätspersonal. WTB. Berlin, 20. Nov. (Amtlich.) Von vsrsliedenen Seiten ist mitgeteilt worden, daß Angehörige des Pflege-, Warte- und sonstigen Personals in Lazaretten ihre Tätigkeit und ihre Posten verließen. Lazarettzüge haben sich, geweigert, in die Etchppe auszufahren und sind na, fl ihrer Heimat gerietst. Andere machten die Ausfahrt von der Genehmigung des zustän­ digen Soldatenrates abhängig. Es liegt auf der Hand, daß ein derartiges Verhalten die ,Versorgung der Verwundeten und K attLn aufs schwerste bedroht, da das Leben vieler Kamera­ den gefährdet wird. Tie Italiens«: in Fiume. Rom, 20. Nov. (Agencia Stefani.) Ge­ stern nachmittags haben unsere Truppen zu"Kannft du mir versprechen, daß Uwe merge: den Düfhoog verläßt? Nein, du kannst es nicht. Mit ihm zusammen aber ist meines Bleibens nicht!" I • Auf der Treppe wurden jetzt Schritte laut und Jens Jürgens Stimme schallte schimpfend durch das Haus. Ich muß hinab", flüsterte Merret. die Schwester an sich ziehend. "Morgen reden wir weiter, Jnken. Schlaf wohl!" "Schlaf wohl!" gab Jnken den Wunsch zurück, einen Augenblick ihre blühende Wange an die der Schwester schmiegend. Dann war sie allein. Einen Augenblick stand das Mädchen starr und unbeweglich im Mondenlichl. Ein finsterer, entschloflsner Zug lag auf ihrem Gesicht. Vom Hofe schallte jetzt auch Uwe JürgerS polternde Stimme. Ec schimpfte mit der Magd. Jnken hob stolz den Kopf. "Rein, niemals", sagte sie dann laut. Sie begann langsam und sorglich ein kleines Büudel zu packen. Zuweilen zuckren die Lippen, als müfle sie vor Schmerz zusammenbrechen, wenn sie an Merret dachte, aber tapfer überwand sie die jähe Verzweiflung, die immer wieder in ihrem Herzen emporstieg. I • l (Fortsetzung folgt.) i . i I J