Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-11-25. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 322, 1918-11-25. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 322 25. November 1918 ────────── Scheidemann zur Reichseinheit. ────────── vor einem Aufgeben der Reichseinheit. Er steht damit nü# allein. ES stimmen ihm hierin nicht nur alle national, sondern vor allem alle volkswirtschaftlich klardenkenden Kreise in Süddeutschland bei. Wenn auch einzelne Kreise bei uns mit dem Gedanken der Rechchstrennung, meist aus agitatorischen Erfinden, spielen, so ist der Reichsgedanke doch auch in Süddeutschjland trotz aller Berliner Mißwirtschaft im Kriege fest verankert. In Süddeutschland lautet der Ruf nichts "Los vom Rest", sondern "Lps von Berlin", wo eigene Asphaltpolitik getrieben und als deutsche Politik ausgegeben wird, los von Beri­ chtn, das jiitji im Weltkriege als Vampyr des Reiches erwiesen hat. Ties hat sich aber auch unter der neuen Regierung, im neuen "freien" deutschen Volkslstaat nicht geändert. Berlin macht die Po­ litik, ja nicht einmal Berlin, sondern nur eine Gruppe von Leuten, die im sozialistischen Cäjsarenwahnsinn das deutsche VoÜ noch schwerer zu knebeln versuchen, als es je die Monarchie getan. 1 Gegen diese Art Freiheit aber erhebt sich! bei uns in Süddeutschjland ejn scharfer und berechtigter Widerspruch. Als einziges Mit­ tel der Abhilfe gegen diese uns von Berlin austgezwungene Diktatur wird die schleunige Ein­ berufung 'der Nationalversammlung erkannt u. gefordert. ( Es sind nicht nur die bürgerlichen Kreise, welche zu dieser Erkenntnis gekommen sind, auch die badischen Arbeiter- und Soldatenräte sind zu der gleisten Ansicht gekommen. Auch sie verlangen baldige Wahl der Nationalverf sammlung. 1 In Bayern war es Zuletzt der Justizminister Timm, der vor wenigen Tagen die Ber­ liner vor bolschewistischen Versuchen warnte und meinte: "Sobald wie möglich muß itnl Reiste, wie in den Bundesstaaten durch ord­ nungsmäßige Wahlen eine Volksvertretung ge^schaffen werden, die die Verfassung des Rei­ ches und der Bundesstaaten festlegt." Stim­ men der gleichen Art kommen aus Württeimst Berg. Aber auch im Norden wird die Haltung gegen den Berliner Terror immer abweisen^der. Zugleich, verbindet sich damit die Fördert ung des Abtrennungsgedankens, für Hannover im Reiche, für die Rheinlands sogar außer dem Reiche. Gerade der letzte Gedanke, der zwar von der "Köln. Volksztg." wieder dementiert wird, fällt sehr schwer, denn er würde dem deutschen Reiche neben den östlichen Kohlen­ revieren, aus welkte unzweifelhaft die Polen die Hände legen, auch! die westlichen Kohlen­ reviere rauben. Daß der Gedanke einer Ab­ trennung der Rheinland« mit ihrer reichen Industrie von dem verarmten Teutschland, von Keine Milderung der Waffenstillstandsbedinguugen. — Die Rumänen in der Bukowina. — Abtrettung der Rheinlande? — Von der Flotte. — Die Italiener annektieren auch das deutsche Südtirol. Scheidemann warnt. den kapitalistischen Kreisen in Erwägung ge­ zogen wird und von der Entente, besonders Frankreich,, selbstverständlich mit allen Kväf| ten gefördert wird, ist nicht von der Hand zu weisen. i i Tie Folgen müßten aber für das Reich, unabsehbare sein. «Taher muß so rasch, als möglich, eine neue Konsolidierung des Reiches erfolgen. ' , Wenn dies nicht mit Berlin zu erreichen ist, dann eben gegen Berlin. Hier wäre die Gründung einer ev. süddeutschen Republikentvereinigung, wenn auch, nur vorübergehend, das einzig tazrgljichst Mittel zu dem Zwecke, das Berliner Hhaos von dem übrigen Reichst fernzuhalten. Tie Berliner aber sind dann die letzten, die sich darüber beschweren dürfen^ wenn sie bei der Neubildung des Reiches aus­ geschaltet werden, sie V-f't anders ge* wollt. ────────── die letzten deut sitzen Truppen die Grenzgegen­ den verlassen haben, eine starke Grenzwache aus entlassenen HeereSangehö-rigen gebildet. In einzelnen oberrheinischen Stationen werden Bahnsteigkarten überhaupt nicht mehr ausge­ geben. In Bingerbrück wurden mehrere Wagen mit Vieh, Mehl und anderen Nahrungsinftteln itm Werte von mehreren hunderttausend Mart tonn den Behörden angehalten. Bei Hanssuchtmsgen kamen große, von den Soldaten, erstan­ dene Warenmengen zum Vorschein. Das Schicksal der deutschen Kricgsgesan' grntn. Tie deutsche Wafsenstillstandskommission, gez. Erzberger, gibt folgendes bekannt: In weiten Volkskreisen werden Gerüchte verbreitet, nach, welchen deutsche Kriegsgefan? gerte nach. Friedensschluß zum Wiederaufbau der durch, den Krieg zerstörten Gebiete Bel­ giens und Frankreichs verioendet werden sollen. Diese Gerüchte stützen sich, aus den Umstand, daß Deutschland bereits bei Abschluß des Waffen­ stillstandes die feindlichen Kriegsgefangenen zuxrückzugeben hat, seine eigenen aber nicht erhält. Alle diese und ähnliche Meldungen sind voll­ kommen unbegründet. Tie deutsche Wafsenstilhstandskommission hat vielmehr vor der Un­ terzeichnung! des Waffenstillstandsabkommens gegenüber den ursprünglichen BarschlägenFochs zugunsten unserer Kriegsgefangenen folgendes erreicht: 1 ( i ! 1. Tie Heimbeförderung der deutschen Kriegsgefangenen, die in Holland und der Schweiz interniert sind, wird, wie bisher, wei­ tergehen. i 1 ; ' 2. Alle zugunsten der Kriegsgefangenen w;ährend der Tauer des Krieges geschlossenen Verträge über Behandlung, Beköstigung und Beschäftigung der Kriegsgefangenen, überSormtagsruhe usw. bleiben für die deutßchenKriegslgesangenen unverändert in Kraft. 3. Tie Zurückführung der deutschenKriegA gefangenen in die Heimat wird bei Abschluß des Präliminarfriedens geregelt. 5,er Abschmb der russischen und rumäni- ! i Ufen Krirgsgefangenen. 58 er litt, 23 .Nov. Nach! einer Mfitteis lung tzer deutschen Waffenstillstandskommission ,tn Spaa erklärten die Gegner, daß sie es ablehnen, russische und rumänische Kriegsge­ fangene im Westen aufzunehmen oder zu em­ pfangen. Sie verlangen deren Abschub nach dem Osten. Bei dem völligen Mangel an Beför­ derungsmitteln wird diese Stellungnahme von zahlreichen Kriegsgefangenen als eine große Härte der Verbündeten empfunden werden. ────────── Aus Bayern. Anschluß an Bayern? Angeregt durch, die Bestrebungen Koburgs, mehren — tote der Frank. Kurier berichtet — sich, auch im westlichen Meiningen die Stimimen, die einen Anschluß des ehemaligen Her­ zogtums an die Republik Bayern befürworten. Namentlich, die Grabfeldbewohner weisen da­ raus hin, daß ihre wirtschaftlichen Interessen nach. Bayern gravitieren und daß sie nur den einen Wunsch, haben, bayerisch zu werden. Ja, es werden sogar Wünsch,e laut, die alle süd­ lich, des Thüringer Waldes gelegenen Gebiete Bayern angliedern wollen »eingeschlossen die Städte Schleusingen, Schmalkalden und Suhl. Tie nördlich, des Thüringer Waldes gelegenen Städte Gräfenthal und Saalfeld können ange­ sichts ihrer' engen Beziehungen zu Oberfränken ebenfalls zu Bayern geschlagen werden. Tas Meininger Tageblatt fordert zu einer öf­ fentlichen Aussprache über das Thema: An­ schluß an Größs-Thüringen oder an Bayern? auf. ; i ; , r ! Ein Protest vor baherischpn Arbeiter- I i und Soldatenviitc. Tie Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte Bayerns versenden folgenden Funkspruch: Funksprujch, an alle Entente- und neutralen Staaten/. I ' 1 i Tie Arbeiter-, Soldaten- und Bauernriäte Bayerns protestieren energisch, gegen die herab­ setzende Behandlung seitens der englischen Ad­ miralität, die in dem Richtempfang des Solbaten rotes liegt. Die Arbeiter-, Soldaten- und 'Bauernräte sind es an erster Stelle, die das alte Regime gestürzt haben und dann zurAufrechterhaltnng her Ordnung und des Gesamtlebens der Nation sich, der Regierungsgewalt bemächtigen mußten, bis die konstituierende Na­ tionalversammlung die Regierung in die Hand des ganzen Volkes legt. , " Darum erbitten wir bis dahin die Anertkennung und ersuchen in Zucunst, daß'Abord­ nungen des Arbeiter-, Soldaten- und Bauern­ rates als vollberechtigte, bevollmächtigte Ver­ treter unseres freien Volksstaates Bayern em­ pfangen werden. Die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte r des Bolksstaates Bayern. ' 1 t Ankündigung eines Programmes der > i RcMsregierung. 1 Berlin, 23. Nov. Wie verlautet, will die Berliner Regierung am Montag ein aussührliches Programm über die Durchführung aller wirtschaftlichen und politischen Plane ver­ öffentlichen. I Ein Schweigegebot für Hindenbnrg. München, 23. Nov. (Amtlich.) Ter bis­ herige Generalfeldmarschall Hindenbnrg erlaßt in letzter Zeft wiederholt Kundgebungen, die geeignet sind, aufs empfindlichste die bevor­ stehenden Friedensverhandlungen zu stören. , Ter Ministerpräsident des Volksstaates Bayern nimmt Anlaß, gegen diese ebenso un­ glückliche wie unzulässige Einmischung des bis­ herigen Generalfeldmarschalls in die Politik entschieden Protest einzulegen. ES ist nicht mehr, an der Zeit, den im deutschen Volke angesanch melten Zorn auf das feindliche Ausland ablens ken zu woNen. 1 ; , Ter Ministerpräsident: Kurt Eisn er. Was Hindenbnrg bisher veröffentlicht hat, gibt Kurt Eisner keine Berechtigung zu einer derart starken Abweisung. Hindenburgs Mahnung zur '^Schaffung einer geordneten Regtet rung mag den derzeitigen Machthabern uns angenehm «gewesen fein, aber sie war berechl ttgt. 1 ’t ────────── Oesterreich. f Geöffnete Geheimarchive. | Wien, 22. Nov. Auf Beschluß des öster­ reichischen Nationalrates wurden die Geheim­ archive im kaiserlichen Kabinett und im Ministe­ rium des Aeußern geöffnet, um die Gewißheit über die Schnldfrage für den Kriegsausbruch mit Serbien und für die Fortsetzung desKcieges festzustellen. Tlas von Fasse vermittelte Friedensangebot. Wien, 23. Nov. Zu dem Friedensangebot der Vereinigten Staaten im Herbst vorigen Jahres schreibt Graf Czernin in der "N. Fr. Presse" u. a.: Von einer angeblichen Aktion, eines Genfer Vertrauensmannes des Präsidensten Wilson, der sich, an Teutschland gewendet haben soll, ist hier nichts bekannt. Lemberg von den Polen zurückerobert. ! Wien, 23. Nov. Nach, hiesigen Nachrichjten wurde Lemberg von den Polen wieder zurückerobert. ; Besetzung von Wien und Salzburg bevor- ! j r stehend. Wien, 23. Nov. Tie Besetzung von Wien durch, die Truppen der Entente steht unmii telbar bevor und dürfte als politische Ma nähme gegenüber der beabsichtigten Verbindung Teutschk-Oesterceichs mit Teutschland anzusehen sein. Auch, die Besetzung Salzburgs durch die Italiener steht bevor. , ( ────────── Böhmen. Tschische Uebergriffe. Tie Wiener Blätter melden, daß in Ma­ rienbad am 19. November z ber Bahnhof von tschechischem Militär besetzt wurde, das die , " Bahnhofswache entwaffnete und vor dem Bahch hose Waschjinengewehre aufftellte. Zwei, Züge marschierten mit zwei Maschinengewehren in! die Stadt und übernahmen im Stadthaus die Regierungsgewalt. Eine nach, Tausenden zählende Menschenmenge sammelte sich vor dem, Rathaus und verlangte die Zurückziehung der Truppen. Ter Bürgermeister erklärte im Ein­ verständnis mit dem Stattonskomwandanten u. dem Bezirkshauptmann, daß sie die Verant­ wortung für das Kommende nicht übernehmen könnten, worauf die Tschechen abzogen und Ma­ rienbad verließen. ────────── O — au® schweigende und finstere Gesichter gesehen wurden. Ter BiMpf iveigerte sich, den Fests­ gottesdienst zu hatten und mußte durch, den obersten Vikar vertreten iverden. ────────── Rußland. Der Kampf gegen die BolWjewiN. I Helsing so rs, 23. Nov. Nach Mittei­ lungen, die ein hier ansässiger Ententediplosmat mchhie, hat der konzentrierte Angriff der Alliierten gegen das Sowjetsrußland begonnen. Tie Salonikiarmee, bestehend aus Engländern, Italienern, Franzosen und Serben, zusammen 710 000 Mann umfassend, hat fif), nach Nordosten in Marsh gesetzt. Rumänische Trugen haben sich, angeschlossen. Vortruppen haben Beharabien, einzelne Abteilungen Odessa er­ reicht. Andere Truppen stehen im Vormarsch auf Kiew. General Berthelot, der das Untere k nehmen organisieren soll, ist bekanntlich in ^Rumänien angekommen. J'm! Zusammenhang nrnt der Aktion Weißer Garde von Pskow und der Engliänder von Murman kommt auch, die Möglichkeit eines Angriffes vom nördlichen Nser des Finnischen Busens in Betracht. Geriifttoetfe verlautet aus Reo ah daß leichte englis he Seestreitkräfte am Montag Reval in östlicher Richtung Ipafi'iert hätten. BolWpwikiumtrieLe in Petersburg. Kopenhagen, 23. Nov. Tie Bolßchewtki haben in den letzten Tagen in Petersburg siirljtbare Morde begangen; sie haben ungefähr 500 frühere Offiziere getötet. ────────── Tage dauernde Fahrt größtenteils stehend zu­ rücklegen mußte. Tuchchi den Verlust des Gepäcks find die Beamten, namentlich! die weiblichen schwer geschädigt. Sie verloren zumteil ihre gesamte Habe. Auch- auf Schwerkranke wurde beim Transport keine Rücksicht genommen. Polen. PolnisW Heldentaten. Ueber den Abtransport des in Warschau tätig gewesenen Personals der Postverwaltung wird berichtet: Das. etwa 650 Personen starke Personal, darunter 250 weibliche Angestellte, mußte in der.Nacht gegen halb 12 Uhr sich auf Anordnung tfbn polnischer Seite auf den Bahnhof begeben .Es wurde ihn nur gestattet, drei Hemden, drei Unterkleider und drei Paar Strüinpse mitzunehmen, sowie sich; für einige ..Tage mit Lebensmitteln zu versehen. Das. ganze übrige Hab und Gut mutzte zurückge-; lassen werden und gilt als verloren. Auf dem Bahnhof mußte das Personal die ganze Nacht bis gegen 8 Uhr morgens warten .Ter Zug setzte sich, erst in Bewegung, nachdem der. Lo­ komotivführer bestochen whrden war. Tie Fahrt selbst fand in Viehwagen statt, obwohl auf dem Bahnhöfe Warschau sich einige tausend deut sche Personenwagen befanden. Kurz vor der Grenze mußte das Personal aussteigen, da die Polen Pedeuken hatten, die Viehwagen nach Deutschland zu überführen. Ter Weitertrans« | Port erfolgte nunmehr in offenen Kvhlenwa- I gen, in denen das Postpersonal die mehrere * ────────── der deutschen Revolution schreiben, diesesWort in Anführungszeichen .Sie tun so, als VH st« glauben würden, dgß alles nur Mäche sei und den Zweck habe, die Alliierten irrezuführen. Tie Morningpost, die natürlich äußerst militä­ risch, und gegen den Völkerbund ist, schreibt: Seit der angeblichen Revolution in Deutschland haben unsere Politiker, immer wieder versi­ chert, daß nicht nur in der Verfassung,, sondern auch; in der Gesinnung- Deutschlands etnpradikale Veränderung vor sich; gegangen fei. Dieser Glaube wurde durchs die Enthüllungen Über, die Behandlung unserer Gefangenen erschüttert.. Es ist die deutsche Demokratie, die das getan.hat, das liberale und sozialistische Deutschland, Wir haben niemals eingesehen, warum die AWienten Deutschland mit Lebensmitteln versorgen sollten; wir sind im Gegenteil bett Ansicht, daß Deutschland gezwungen werden müßte, die Alliierten zu ernähren, und wir verstehen nicht, mit welchem Recht die alliierten Regie­ rungen vorschlagen können, daß die knappen Hilfsmittel ihrer Völker zur Ernährung eines fremden und feindlichen Volkes benutzt werden sollen. ( l ,;M'( ! ; Unstimmigkeiten innerhalb dpr MgfWprr Regierung. Haag, 23. Nov. Londoner Meldungen zu­ folge ist Robert Ceeil von seinem Ppsten zu­ rückgetreten. Auch, der Nahrungsmittelkontrop leur Clynes wird aus der Regierung au& scheiden .Es sollen sich zurzeit ziemlich tief­ gehende Meinungsverschiiedenheiten innerhalb der en glis hon Regierung bemerkbar machen. England. Die Lebensmittclvcrsoygnng Europas. Im englischen Unterhause erklärte in Ue­ bereinstimmung mit anderen Rednern der Ver­ treter des Ernährungsministeriums, Europa stehe vor einer schweren Fletschnot,- die umso ernster sei, als der Fleischtrust mehr als die Hälfte der Weltprodüktion beherrsche und die Lage in der Hand habe, falls nicht der inter­ alliierte ErnäHrungsrat dem Fleischtrust sein Verhalten vorschreibe. Es bestehe die -Möglich^ keit, daß neutrale und andere Länder, die an Mangel an Fleisch! und anderen Lebensmitteln litten, durch die Organisation des interaMerten Ernährungsrates versorgt werden könnten. Aus dieser Bemerkung ist zu schließen, daß der Anschluß Deutschlands an die bereits bestechende Organisation des interalliierten Ernährmngsrates erwartet wird. — Am gleichen Tage teilte ein Mitglied der Regierung im Oberhaus allerdings mit, daß in einem Falle schon ein Versprechen Hoovers über die Lieferung von Viehfutter an England nicht;gehatten werden konnte und zwar wegen "ernster Verrechnun­ gen" über die Vorräte und den Eigenbedarf Amerikas. Tie Zukunft der auWelieserten Sstchiffp. Nach einer Reutermeldung aus London schreibt Daily Chrvniele: Was immer auch in Zukunft mit den deutschen Kriegsschiffen ge­ schehen wird, wir können sicher fein, daß Deutschland sie niemals zurückerhalten wird." Tire deutsche "Revolution". Rott erdam, 23. Nov. Ter Rotterdamsche Courant meldet aus London: Tie mei­ sten englischen Blätter setzet:, wenn sie von ────────── Aus neutralen Ländern. Gegen den Bo lschpwismu». Stockholm, 22. Nov. Unter den Zungsozialtsten Schwedens ist es zu einer Spaltung gekommen, nachdem gegen die Treibereien der russischen Bolschewiki in Schweden einaHchiritten wurde .Die Intellektuellen und die Anstibolschewisten befinden sich an der Spitze der Mehrheit dieser Partei. ! 1 ────────── und einen neuen Vertreter der MoskauerSowijetsregierung .für Berlin zuzulassen, da die Entente entsihlossen sei, den Waffenstillstand zu kündigen bezw. niht zu verlängern, wenn diese Warnung kein Gehör finde. Tie SehnsrOst nach Enrckpa. Haag, 23. Nov. Nashj einer Newyorker Meldung mah>t sich ein starker Reisedrang nach Europa bemerkbar. Seit der Unterzelhnung des Waffenstillstandes haben nhht wertiger als 100 000 Personen um Reisehälse na.hi Europa nahgesucht. Tie Gesuche wurden aber in den meisten Fällen abfhDägig verbeschieden. Jms merhin warten 25 000 Personen aus Berschstsx sungSgelegenheit nah, Europa ────────── den Liebe des Mannes, dem sie sich zu eigen gegeben. Sie hatte den besten und ehrlichsten Willen mit inj die Ehe gebracht, ihrem Manne eine pflichttreue! Frau zu sein. Mit immer gleichbleibender Geduld ertrug sie die ihr oft sehr wenig sympathischen Ge­ wohnheiten Jens Jürgens, und seine rauhe Art/ sie zu äußern. Sie wußte unter der harten, oft abstoßenden Hülle einen guten, wertvollen Kern. Ihr schien es eine schöne lohnende Aufgabe, diesen Kern ans Licht zu heben. Wenn Merret zurückdachte an die vier Jahre ihrer Ehe, so konnte sie sich voll Befriedigung gestehen, daß ihr Opfer nicht ganz umsonst gewesen. Wie blitz und blank hatte sich der Düfhoog unter ibrer Leitung heraus gemacht, der unter Mutter Knfftns Regiment dem Verkommen nahe gewesen war. Wie war ihr Mann innerlich und äußerlich vorwärts gekommen, wie hatte sich fein Empfinden verfeinert und w.lch beglückendes Verständnis hatte er allmählich th.er Eigenart ent­ gegengebracht. Ein» gab ja auch dem trüben, armseligen Leben einen goldenen Schimmer, das war ihr Kind. Ihr Kind war eine Welt, so schön, so groß, so heilig, daß aller Schmerz, alle Sehnsucht, alle Reue darin versank. Wie lachten ihm die Augen! Welche Wünsche, welche Hoffnungen, welche Welten, lagen in dem süßen Blick de» Kinde»! Merret war reich, war glückäch, so lang der Dir feine Aermchen um ihren Hals legte und mit schmeichelnder Stimme bat: "Nicht weinen, Mudding. Olf ist brav . . Ja, DIf war immer brav. Und wenn sie auch sonst nicht» mit Jens Jürgens ver­ band, dieses Kind war der wahre Strom, der immer wieder ihr Herz zu Jens Jürgens führte. Merret schrie plötzlich ganz laut auf. Ihr mar, als hätte sie einen Mann, in einem dunklen Schiffermantel am Fenster gesehen, und dieser Mann starrte ihr mit glühenden, vorwurfsvollen Augen ins Gesicht. Erschreckt trat Merret vom Fenster zurück. Ihre Augen irrten angstvoll durch da» dunkle Zimmer hin zur Kammertür Ein schwacher Lichtschein hinter der Türspalte zeigte ihr den Weg zu ihrem Kinde. Merret hob jetzt gefaßt das Haupt. Sie tat die weiße Haube mit dem Goidschnuck ab und begann ihre blonden Flechten zu losen. "Es ist Schlafenszeit", sagte sie vor sich hlnlächelnd. Licht mochte fie nicht anzünden; cs war, als fürchte sich Merret vor sich selber. Was hatte sie denn eigentlich Jens gegenüber verbrochen? War es so schlimm, daß sie, um den f alten, schrecklichen Bann zu lösen, den Jugendfreund ; bat: "Geh fort von hier! Hilf daß ich wieder l froh werde." War das so unerhört? Merret hatte das Gefühl, a T § würde sie auch heute wieder ebenso I handeln, wenn ihr Ditlef Stoven begegnete. Waru^ I sah Jen» Jürgens sie an wie eine Verbcecherin? Was dachte er von ihr? Nein, zu welch' unerquick­ lichen Schlüffen sie ihr Grübeln verleitete! Es war wohl der Aerger über Uwe und Jnkeu, der Jens Jürgens so unwirsch machte! Damals, als er ihr eröffnete, er wollte selber zu Dilles Stöven gehen, um die ganze Geschichte : mal ins rechte Gleis zu bringen, und sie voll heißer Angst abwehrte . . ., hatte es damals richt wie tückische Bosheit in feinen Stugen gefunkelt, und halte sie fett jener Stunde nicht immer ein Schauer über­ rieselt, wenn seine Hand nur die ihre streifte? Ja, jetzt wußte sie es : Jens Jürgens hatte sie schon früher einmal mit dem selben Auge angeblickt. Das war, als Ditlef den Helhoog erbaut und Einzug gebalten hatte in den Hos. Cs war zur Zeit des JöölfesteS, das einst der Göttin Freia auf der Insel geweiht wurde. Reges Lebe» hatte in Keitum wie auf der ganzen Insel geherrscht. Die Seefahrer waren heimgekehrt, und die Haljunkengänger (Fortsetzung folgt.) ────────── China. Chinas Haltung. Gens, 22. Nov. jpatoaS berhhhet aus Newyork: Nah. einer Pekinger Meldung der Newyork Times haben französische und italienishe Soldaten, denen sich Zivilpersonen anshlossen, den Portikus umgestürzt, den China auf Verlangen Deutschlands zur Sühne für die Ermordung des deutschen Gesandten von Ketteler errichten mußte. ────────── Aus den Kolonien. Lettow-Vorbccks HcldenkaMpf. Haag, 23. Nov. Tie Times teilen mit, daß seit dem 18. Oktober General von Settotob Vordeck Teutsshs-Ostafrika verlassen und srch nach Nord-Rhodesia längs der Ostküste des NhassaSee zurückgezogen habe. Man sucht ihn bei Tabara abzuschneiden, er wandte sich aber westb lich, und griff den englischen Grenzposten bei Life an, aber ohne Erso^. Lettvw-Vprbeck hat ungefähr 300 Europäer und 1000 Askaris be­ fehligt. Die Maschinengewehre, die er hatte, waren den Portugiesen abgenommen Settotob Vorbeck wollte sich nicht ergeben, Tr. Schnee, der frühere Gouverneur von Teutstf-Ostafrika hat angeblich, die Bedingungen des Waffenstill­ standes festgesetzt. Man bestätigt, daß Settotob Vorbeck es selbst in England zu einer gewissen Popularität gebracht hat. , ────────── Tages-Übersicht. Neue sozialpolitische Maßnahmen. Tas Rethsarbeitsamt Plaut folgende soziale Maßf nahmen: Ausdehnung der Krankenversich^rungslpslicht bis zu einer Einkommensgrenize von 5000 Mark. Außerdem wurde die Achtb stundenschicht für die Arbeitszeit in Bäckereien und Konditoreien beschlossen; das Nachtbach­ verbot soll auch, in Zukunft ausrecht erhalten bleiben. Schließlich soll auch die SonntagÄruhe eine Neuregelung erfahren und eine Ver­ doppelung der Mannsihastsrenten eintreten Anzeigen von heute. In der in Stutt­ gart ers.heinenden Süd-Ztg. findet sich folgen­ des Inserat: Ein durch, die Zeitverhältnisse brotlos gewordener linderrei. her Stabsoffizier bittet um Arbeit. Gesunder Mann, Mitte 40, mit umfassender humanistischer Bildung. Ange­ bote usw. ( ( BebkrhrAsperre. Auf Anordnung der fran­ zösischen Betriebsleitung in Straßburg wird der Eisenbahnverkehr zwisshen Elsaß-Lothringen u. Teutsfillland bis auf weiteres eingestellt Beitritt znlr -sutschpn demokratischen Pars­ tet. Tlie wücttembergische Volkspartei ist auf Antrag der Abgeordneten Paher, Hautmann, Lieshing und Fischer geschlossen der deutschen demokratischen Partei beigetreten. ────────── Bayerische Nachrichten. Die Liquidation des Königtums. Tie bis­ her burf Verfassung, Gesetze und Verordnun­ gen Dem Könjg persönlich, vorbehaltenen Ent­ scheidungen und Verfügungen werden von den Ministern innerhalb ihrer Geschäftskreise er­ lassen. Tie Sanktion der Gesetze und die Ausst Übung des Begnadigungsrejchtes in Fällen der Todesstrafe stM dem Ministerrat vorbehalten. — Tie Perwaltung der vormaligen k. Zioilliste wird unter der Amtsbezeichnung Verwaltung des ehemaligen Kronguts dem Staatsmini­ sterium der Finanzen unterstellt. Tie bisherigen k. Hofstellen sind aufgehoben. Verfügungen dritter über unbewegliche Besitzungen, Jnvens tar, Materialien und sonstige Zugehörungen der vormaligen k. Ziv Mist e sind nur mit Geb nehmigustg des Staatsministeriums der Finanjzen oder der Verwaltung des ehemaligenKrongutes zulässig. Tlie Nationaltheater werden von dieser Regelung nicht berührt. — Tas zustän­ dige Ministerium hat nach! einer Blättermeldung die Frage der Schjaffung eines neuen, Wappens für den Volksstaat Bayern bereits er­ wogen. Ein bekannter Heraldiker soll schon mit der Ausarbeitung eines Entwurfes be­ auftragt worden sein. Tkie Rückkehr der Trulppen. Als erster in feftliff.er Weise empfangener Truppentransport traf mm Freitag Ser bayerische Ballonzug Nr. 216 in Münchssn ein. Er wurde am Bahnhof herzlichst begrüßt und mit klingendem Spiel zur Kaserne geleitet, die von bengalischssm Licht taghell erleu chtet war. Große Volksmengen begleiteten die Zurückgekehrten, die überall herzlichst begrüßt wurden. Airs zum Kamps gegen den Wucher. Wenn wir nicht in kurzer Zeit in eine vollständige Verrottung Unseres ganzen Wirts Haftslebens hineinkommen wollen, wenn wir nicht in we­ nigen Wolken das Hangergejpenst im Lande Laben wollen, dann muß der Kamps gegen den Wucher von allen Seiten und mit größtem Ras,druck geführt werden. Vor allem gilt es, den LebensmitteWiiebern und dem Schleichf — —•— Handel schärf auf die Finger zu sehen und jenen gewissenlosen Elementen, die während desKrieges Waren zurückbehalten haben, um sie jetzt teuer zu verkaufen, rücksichtslos aus den Seio zu rücken. Vielfach, kommen jetzt solche zurückb I gehüstene Warenlager zum Vorschein.Wer durch j solche ehrlose Geschäfte die Not seiner Vplksb I genossen ausbeutet, verdient keine Schonung. Leider ist bisher das Verbrauchärtum der Not­ wendigkeit der WuchärbeNmPfung teilnahms­ los, ja ablehnend gegenübergestanden; die Be­ hörden und ihre Vollzugsorgane fanden nicht nur keine Unterstützung, sondern erfuhren vielfach noch Widerstand und Anfeindung. Hel­ fen kann such das Publikum nur durch Anzeigen gegen das wirtschaftliche Verbrechertum. Ver- ‘ schiedene Hindernisse, die bisher der behörd- ; lichen Verfolgung der Volksausbeutung imWege i standen, sind jetzt beseitigt. Neuerdings giatf das Kriegswu«Heramt bekannt, daß die Namens der Anzeigenden vertraulich, behandelt werden ff Ten Anzeigen muß eine genaue Angabe besi Tatbestandes zugrunde liegen. Aussaht auf Er-^ folg hat dieser Kampf gegen den schlimmsten Feind des Lebens Und der Existenz des Einb Seinen wie aller nur dann, wenn das Publib kum diesen Kampf selbst mit aller Rück, i ich:? losigkeit führen hilft. Tenn wo kein Kläger ist, da ist kein Richtetz! | , Der baycr. Landwirt,Ich jaftsrat wählte an­ stelle des zurückgetretenen 1. Präsidenten Dr. Frhkn. von Cetto den bisherigen 2. Präsi­ denten Landesöikonomierat Mittermeier. Tie Versammlung nqhm sodann mehrere Anträge an, in denen den heimkehrenden Kriegern Be­ grüßung und Tank für ihre heldenhafte Ver­ teidigung des Vaterlandes entboten wurde. Außerdem wurde die bisherige Haltung des .Tireftoriums gebilligt und von der neuen Re- I gierung verlangt, daß der Organisation der ihr f zukommende Einfluß in dem provisorischen 1 Bauernrat werde, rascheste Entlastung landw Betriebsleiter und Arbeitskräfte, Ueberlassung alles brauchbaren landw. Kriegsgutes, außer der Versteigerung von Pferden auch, Ueberlas­ sung von solchen zur 'freien Abgabe an Land­ wirte, Abholung der Lebensrnittel bei den land- , li-chen Sammelstellen durch militärische Kraft- f fahrzeuge, Gewährleistung der Sicherheit auf dem Lande und Zusammenfassung aller landw. Drganisationen und Einrichtungen zu gemein­ samer Arbeit. Tie baherisschpn Kricgsehrrnzc} chen. Tie Verleihung der bayerischen Kriegsehrenzeichen an die Angehörigen des bayerischen Feldhee­ res findet, wie amtlich, mitgeteilt wird, auf Vorschlag der Felddienststellen, wie bisher statt. Ter mähirische Großgrundbesitz der frichherc» Königin von Bahckrn ist, wie aus Brünn gemeldet wird, in tßkjechkfch^ Zwangsvetz rat? tung genommen worden. Zum Zwangsversrälter wurde Tr. Krolotp, der Tirektor dieses Besitzes ernannt. ────────── Volk gebracht für jeden einzelnen in bergetntat* so muß auch, jeder einzelne es nun als soziale Pflicht betrachten, Kriegsbeschädigte bei sich! aufzunehmen. Tie Unbequemlichketten sind'eins der Beschädigten und müssen überwunden wer» Gettnges, gegenüber den Leiden und Opfern: den. Auch in der Landwirtschaft kann für Kriegsbeschädigte geeignete Arbeit gefunden werden für die ihre Kräfte ausreichen, dt« ihnen neuen Mut gibt und damit auch ihre Lei-, stungen allmählich, verbessert. Die WirtschaftÄstelle befaßt s ich, auch, mit der Unterbringung? von schwer Kriegsbeschädigten und ersucht alle persönlichen Unbequemlichkeiten in den Hinter­ grund zu stellen und Arbeitsplätze für Kriegsbe­ schädigte umgehend der 'Wirtschaftsstelle mit­ zuteilen. i ! —* Liberale Vereinigung Landsi­ tz nt u. U. Heute abends 8 Uhr Ausschüßsitzüng im Sterngarten. —* Der letzte Novembersonntag brachte uns gestern eine kalte winterliche Tenchperatur. Tie Straßen waren fest gefroren und nur in den Mittagstunden wurde es etwas wärmer. —* Im Welt? Kino findet das gegen­ wärtige Programm, besonders das fünsallige Drama "Sein Weib", den ungeteilten Beifall der zahlreichen Besucher. Dieses Programm: gelangt nur noch! heute und morgen zur Voy| sührnng. s 1 Lokales. Landshut, den 2&. November. —* Die Kraft stromabnehmer er­ mahnte Herr stiädt. Baurat Scheller in der letzten Magistratssitzung nochmals eindringlich die Sperrstunden am Morgen und Abend ein­ zuhalten. Diese sind notwendig, weil das Werk am Ende seiner Leistungsftchigkeit sei- Nur ge­ gen vorherige Anfrage bei der Direktion dürfe in den Sperrstunden Kraft entnommen werden. —* Der kleine Senat stand auch in der letzten Magistratssitzung !zur Beratung. Herr Bürgermeister Tr. Herterich! gab die Zustim­ mung des Gemeindekollegiums bekannt. In der eingehenden Aussprache wies er daraus hin, welche schwierigen Aufgaben diesem Senat ob­ liegen, bei den vielen Aufgaben, die jetzt den Gemeinden von oben zugewiesen werden. Er wies hierbei aus die Erwerbslosenfürsorge hin, die ohne gesetzliche Grundlage sei. Dennoch! Hütte au ch er, selbst ohne Befehl von Berlin und Münch-en, die Fürsorjgemaßnahme aus rein sozialen Gründen angeregt. Ein feststehender Kredit für den kleinen Senat wurde nicht be­ stimmt, sondern Nur weiseste Sparsamkeit emp pfohlen. —* Die Getrei deanfuhr hat sich, wie der Herr Bürgermeister i.n der letzten Magsstratssitzung betonte, in der setzten Woche auf den Notschrei hin, den der LandshuterMagistrat erlassen hat, wieder etwas gebessert. Es wurden 1200 Zentner angefahren, also fast die Bedarfs­ summe von 1400 Zentner erreicht. Herr M.-R. Kohlndorser wies hierbei auf die schwierige -Sage hin, in der sich, die Landwirte infolge vieler Erkrankungen ihrer Leute an Grippe bei­ finden. i [ [_ [ 11 | —*ZumEmpfangunsererTruppen hat der Wollzugsrat des Berliner Arbeiter- und Soldatenrates Anregung gegeben. Ter Herr Bürgermeister betonte, ps Hütte dieser Anregung wohl nicht bedurft, die Stadt Hütte auch ohne ihn ihre Pflicht erfüllt. Es könne allerdings kein Hurraipatriotismus getrieben werden, denn es sei dies die schwerste Stunde für jene, die unter den Heimkehrenden den Gatten, Vater« Bruder, oder Sohn vermissen. Zum Empfang soll der Bahnhof geschmückt und mit Willkommgrüßen geziert werden. Die Bevölkerung solle ersucht werden, zu beflaggen (in weitzblau oder weitz-r,ot). soll ein Er­ frischungsraum am Bahnhöfe eingerichtet wer­ den und Zigarren und Zigaretten an die Trup­ pen verteilt werden. In der Stadt soll! eine Be­ grüßung vom Rathausbalkon rms stattfinden. Es rücken hier ein das 1. Bataillon 16. Jnf.Regts., ev. das ganze Regiment, das 2. Schwere Reiter-Regt. und die Stäbe der 12. Jnf.-Tiv., der 2. b. Jnf.-Tiv. und des 63. Armeekorps, Zur Unterbringung der Mannschaften sollen die Massenquattiere, für die Offiziere Hotels und Büvgerquattiere benützt werden. Ersatz für Einquattierung ro.trb aber nur bei Ausweis durch eine gemeindliche Anweisung geleistet. Herr Bürgermeister Dir. Herterich, bat für den würdigen Empfang der Gruppen noch! um ev. Ratschlage aus Bürgerkreisen, für die er dank­ bar wäre. -r~* Das Bürgerrecht wurde folgenden Kriegsteilnehmern gebührenftei verliehen: Hausmeister Sebastian Maushammer, Vieh Händler Georg Tengler, Kaufmann Anton Stenzenberger und Kaufmann Hans Achner. —* An Spiritus wurden für November der Stadt 700 Liter zugewiesen, statt 1444 Liter wie vorher. Tie Stadt hat gegen diese geringe Zuweisung an das Ministerium Protest eingelegt, der an die Regierung zur Verbesch«^dung zurückgegeben wurde. Diese lehnte den Einspruch üb mit der Motivierung, datz LandsHut noch! immer besser versorgt sei, als andere niederbaher. Kommunalverbände. Ter Magi­ strat beschloß nun, an das neue Ministerium abermals Protest einzulegen. —^Waffenscheinewerden jetzt nicht aus­ gestellt. Nur Jäger, die neben ihrer Jagdkarte jetzt auch! einen Waffenschein haben müssen, erhalten einen solchen. Dieser soll von jetzt bis Ende 1919 gellen. t —* Eine Warnung hat der hiesige Ar­ beiter- und Soldatenrat erlassen, der alle Per­ sonen, welch« noch militärische AusrüstungÄMegenstände in i&änben Jja6en £ auffordert, dies« abzuliefern. Ter Magistrat schloß sich dieser Warnung in seiner letzten Sitzung an. i —* Der Landwirtschj. Bezirksaussschuß Landshut 1 hat in seiner Sitzung vom 21. November an der nahezu alle 2lus£ schutzmitglieder, soweit sie ortsanwefend wa­ ren, teilnahmen, einstimmig! folgende Reso­ lutton geastzt: "Ter Landw. Bezirksausschuß Landshut 1 ersucht den landw. Kreisausschutz für Niederbahern beim Baypr. Landwirtschgstss rat dahin vorstellig zu werden, datz der landw. Verein umgehend in geeigneter Weise dafür sorgt, daß den im landw. Verein zusammenge­ schlossenen Landwitten bei der kommendenPatlamentswahl der nötige Einfluß gesichert wird." —*Eine öffentlicht Bolksve rsamnp lung veranstalteten am Samstag die Soztaldemokraten im Bernlochpersaal hier. AIs Re­ ferent erschien Herr Schmitt-München, der Prä­ sident des prov. Nationalrates mit ein-und einhalbstündiger Verspätung, was von den Zuf hörern, die im ungeheizten Saale warten mußsten, nicht gerade als Annehmlichkeit empfunden wurde. Endlich, um 9 Uhr statt um halb 8 Uhr nahm die Versammlung ihren Anfang. Was der Referent iiz seiner Rede, der das Thema "Ter Volksstaat in Bayern" zugrunde lag, sagte, war das alte sozialisticheProgramm. TasThema hätte eigentlich, heißen sollen "Ter sozialistisch«' Staat", denn seine Ausführungen gipfelten da­ rin, datz die von allen Seiten heute zur Klä­ rung der Verhältnisse gefordette Nationalver­ sammlung erst naii;, der "Befestigung der Er­ rungenschaften der Revolution" gewählt und einberufen werden dürfen. Wenn er sagte: Nach der Tillatur mutz die Temokratte wieder auf den Thron erhoben werden, das Volk muh entscheiden können, wie es von den Verhältj» nissen denll, so kann, man ihm hierbsi borbest haltlos zustimmen. ES komwt nur auf den Zeitpunkt an, wann dies geschehen sioll. Hier aber trennen sich, die Ansichten. Wenn er meint, datz die Reaktion durchs schnelle Nationalwah­ len die früheren Zustände wieder herbeiführen wolle, so paßt dies schlecht zu dem sonst zur Schau getragenen Siegesbewutztsein der So­ zialdemokratie. .Jedenfalls ist heute bite Gefahr von links, die er nur flüchtig.streiiste^ viel größer und in ihren evtl. Folgen veerderben^ bttngender 'für das Volk. Wenn er sargte "Die Reallion wieder auf .den Thron zu erheben, bedeutet den Bürgerkrieg, so mutz schom darauf hingewiesen werden, daß, das Volk sich, auch vermutlich, kaum ohne Gegenwehr eine Tillatur des Radikalismus gefallen ließe. Das hat selbst ■ das sonst so apathisch« russische Volk gezeigt, ; dessen Mittelkreise sich, mit allen Kräften um ' ihre Existenz wehren. Wenn der Redner unter dem Sammelnamen Reallion alle bürgerlichen Patteien gemeint haben sollte, so müssen wich dagegen Protest erheben. Tie "Teutsche Volks| Partei" sagt in ihren Richtlinien ausdrücklich: Wir bekennen uns freudig zum neuen 4 frei en Volksstaat. Die Dynastien, die | trotz Ueberlieferung von Jahrhunderten wehri[ los der Umwälzung zum Opfer gefallen sind, i können nicht zurückgeführt werden, ohne die | Gefahr eines Bürgerkrieges herauszubeschwAren. Jeden Versuchs das alte wieder herzustellen, lehnen wir ab. Ebenso verwahren wir uns aber auf das schärfste ge­ gen jede einseitige Klassenherrschaft. Wir wol­ len den freien Volksstaat, aber nicht den unter dem gleichen Deckmantel segelnden sozialistischen Staat. Freie Bürger im steten Staat, .wie der Redner sagte, das wollen wir, aber nicht ein geknebeltes Bürgertum im einseitigen soi statistischen Staatswesen. Diese grundlegenden I Verschiedenh eiten sollen festgelegt werden, da­ mit auch, die bürgerlichen Besucher der Verssammlung heute schon wissen, wohin der Weg der Patteien führt, wo ihr Platz in dem künf­ tigen Wahlkampf sein wird und muß. in der "Teutschen Volkspartet". ' —* Die Wirtschaftsstelle Landshut schreibt uns: ES ist ein Gebot der Tankbarkett auch, schwer kriegsbeschädigte, das sind solch«, mit 50 Prozent und mehr Erwerbsbeschxänktcheit unterzubringen ,damit dieselben auch ihre verminderten Arbeitskräfte zum Wöhle deSGanzen verwenden sönnen "unb sich als nützliches Mitglied der Allgemeinheit suhlen. Wie die jchwierhkiGsVeschädigten Opfer ftr 'das ganze , ────────── Letzte Posten. r ' Beravbeiterstrcik. Beuthen, 24. Nov. Ter Bergarbeiter­ streik hat sich, säst auf das ganze vberschlestscher Kohlenrevier ausgedehnt und überall einem recht erheblichen Umsang angenommen. Tie Rumänen in der Bukowina. Wien, 24. Nov. Ter "Slawischen Kor» respondenz" zufolge, erfährt der galizischsükrainisch« Vertreter Wasilko aus der Buko­ wina: Tie ganze Bukowina, also anchl der nördliche und nordwestliche ukrainische Teil ifif von der rumänischen Armee besetzt. Ter frü­ here Gendarmeriekommandant der BukowinaGeneral Fischer wurde verhaftet und nach Jassy abgeführt. Ueber sämtliche ukrainischen Be­ zirke wurde das Standrecht verhängt. Ti«, rumänischen Soldaten plündern die ukrainü scheu Dörfer und verleiten die Bevölkerung: zu Brandstiftungen und Pogromen. Tie Ru-, mänen durchschreiten bereits die Grenze der! Bukowina und befinden sich, im Anmarsch ge­ gen Kolomea. | ' Tie Italiener annektieren auch, das deutsch« ' Südtirol. Wien, 24. Nov. BMtermeldungen aus Innsbruck: In Südtirol stehen nun zwei ita­ lienische Armeen. In den südlichen Gemeindete des Bezirkes Bozen werden alle deutschen Auftr schristen entfernt. Tie italienischen Behördem haben in den Gemeinden Südtirols bis zurm Brenner Plakate anbringen lassen, aus denen mit unzweifelhafter Deutlichkeit hervorgeht, daß die Italiener beabsichtigen, Teutsch^Südttrol dauernd zu behalten. Tie deutschen Südtiroler! werden bereits als Staatsangehörige Italiens! behandelt. Italienisch« Schulen sind vorge­ sehen für das Etschtal, Eisacktal, GrödnertaH, Abteital und Henneberg unh gemischtsprachig« in gemischtsprachigen Gebieten. Wenn deutsch« Gemeinden deutsch« Schulen haben wollen, ist dies auf eigene Kosten gestattet. r Bon der Flotte. London, 24. Nov. "Sündah Times" schreibt: In Marinekreisen erzählt man: Schis-« se der Hochseeflotte und eine Zerstörerslottill« würden im Laufe dieser Wach« nach Kiel und» Wilhelmshafen kommen, um! sich, zu vergewisfern, datz die Abrüstung der deutsch«» Schiffet aus die vereinbarte Weise vor sich, gehe. Ad--» miral Browning soll das Kommando haben undk von einem französischen, einem italienischem UHld einem amerikanischen Admiral begleitet! sein. Admiral Beatth soll von Deutschland eint anderes Schlachtschiff und einen anderen Zer­ störer verlangt haben, damit die in den Waf-» finstillstandsbedingungen festgesetzte Zahl er­ reicht werde., [ i. [ , . , \ ( . ( i i J ────────── Am Balkan. Propaganda für eine Republik in Bulgarien. Bern, 22. Nov. Ter Bund meldet: Ln Genf besteht ein bulgarisches republikanisches Komitee, welches u. a. fordert: Erklärung Bul­ gariens als Republik. Absetzung der Dynastie Koburg, Sturz des Kabinetts Malinoff und Kammerauflösung, ein neues Ministerium aus SMnnern der Agrar- und der republikanischen Partei, Eiitvernehmetr mit der Entente und Verständigung mit den Nachbarstaaten, Bestra­ fung der an der Katastrophe Bttlgariens Schuld digen. i Vom 25. November an gibt das Komitee ein Bulletin heraus. 1