Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-11-08. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 305, 1918-11-08. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Wilson und die Alliierten. — Naturalien als Kriegsentschädigung? — Die Wahlen in Amerika. — Clemeneeau über die Wasseuftillstaudsbedingungen. ────────── Der deutsche Bericht. MTB. Berlin, 7. November, mittags. VvoßrS Hauptquartier: H8e#ilt*er KriegSsGanvkntz. Nordöstlich von Oudenaarde stießen die Franzosen über die Schelde. Im Gegenangriff warfen wir sie zurück. 1 j Zwischen Schelde und Oise suchte der Feind die plangemäße Fortführung von am 4. Nov. eingeleiteten Bewegungen durch heftige An­ griffe zu verhindern. Ter Schwerpunkt der Angriffe lag nordöstlich von Balenciennes, süd­ lich der nach Mons führenden Straße bei Bavai und bet Aulnohe an der Ehvmbre. In schweren wechselvollen Kämpfen hielten unsere Truppen dem feindlichen Ansturm stand. Ter Feind stand am Abend bei Quievrain, am Westrand bei Bavai, östlich, von Aulnohe, weshlich von La Capelle^ < | > Zwischen der Oise und der Aisne hat der Gegner die Linie Berviers—Rozoh erreicht. , Beiderseits von Rethel hat er die Aisne Werschritten und stand am! Abend in Linie Vassignh—Novian—Porcien und nördlich! von Tourteron. Zwischen Aisne und Maas folgte er bei Bendresse und Mouton. k l Auf beimj Ostuser der Maas setzte der Ame­ rikaner seine heftigen Angriffe fort. Es ge­ lang ihm, seinen Brückenkopf östlich von Dun zu erweitern. Wir brachten den Feind in den Waldungen von Murvaux und Fontaine äup| Stehlen. Oestlich von Chivrh hat die be­ währte brandenburgische 228. Jnfanterie-Div. ihre Stellungen voll behauptet^ . , Ter 1. GLneralquartiermeister: i i 1 ! ! Groener. , ────────── deutschen Kaiser die unumgjängsichjen Stützen zur Fortführung des Krieges fehlten. Der Oberste Kriegsrat bort Versailles stellte die Wasfenstillstandsbedingungen für Deutschland fest. Tie Bedingungen gingen cm 1 Montag an Wilson ab, der sie, falls er sie billigt, der kaiserlichen und demokratischen Regierung zur Kenntnis bringen wird. (Heiterkeit.) Es wird dann genügen, daß Deutschland sitz an Fach wendet. Der Geist, in welchem- dieses letzte Do­ kument versaßt wurde ,ist derselbe, wie der­ jenige, dem die drei anderen entsprungen sind. (Anhaltender Beifall.) Di« Bedingungen wur­ den uns durch, Wilson selbst empfohlen. Für den Fall, daß die Feindseligkeiten wieder aus­ genommen werden sollten, sei der Zweck die Entwaffnung des Feindes, soweit sie nötig sein würde, um im Falle des bösen Willens oder Wortbruches seitens des Feindes die Wiederauf­ nähme der Feindseligkeiten zu verhindern. (Bei­ fall.) , ' ' Gegen die Bosichewiki. In Paris, London und Washington mißt Man der gegen die Bokschewikiregierung ge­ richteten Haltung Deutschlands, die mit den Tendenzen der Entente übereinstimmt, große Bedeutung 'bei. Für möglich gilt, daß die Entente und Deutschland eine Vereinbarung tresfen, bei der Wiederherstellung geordneter Zustände in Rußland einander nicht zu hin­ dern. Biel koimme aus Deutschlands Verhär­ ten bei d'en unmittelbar bevorstehenden Ope­ rationen der Entente hin Schwarzen Meere an. Eine Abänderung des deutsch-österreichisch rumänischen Vertrages zugunsten Rumäniens gilt dem "Temps" als unabweisbar. ────────── An die Bevölkerung Bayerns. Tie W as senstillstandsverhändlungen sind im Gang, sie werden baldigst zum Abschluß Kommen. r . * , Tie Bevölkerung hat während des Krieges Not, Entbehrung, Sorge und Leid starken Her­ zens in ruhiger Besonnenheit ertragen. Jetzt gilt es erst recht, Rühe und Ordnung zu wahren. Innere Unruhen anstiften, hieße den Krieg nochmals beginnen. Die Verlöte, die uns der Krieg gekostet, würden sinnlos durch neue vermehrt. Ernsthafte Unruhen würden na­ mentlich für unsere Städte die Lebensmittel­ versorgung trotz aller Bemühungen pm Stocken bringen, die Gefahr der Hungersnot wäre unabwendbar. ( 1 Solche Unruhen sind aber nicht möglich, wenn alle besonnenen Männer und Frauen Ruhe bewahren und in ihren Kreisen für Ruhe sorgen. Darin tue jeder seine Pflicht. ! Tie Bevölkerung darf überzeugt sein, daß sie gegen jegliche Willkür und Gewalttätigkeit den ausreichenden Schutz finden wird, den das ganze Volk von seiner Regierung erwartet.. München, 6. November 1918. j Dr. v. Brett reich, . i K. Staatsminister des Innern. ' ────────── Am Balkan. Ein serbokroatischer Staat. Bern, den 6. Nov. Der bisherige ser­ bische Ministerpräsident Pasitsch, ist gestern mit 3 Fühvern der fortschrittlichen und der ra­ dikalen Sozialistenpartei aus .Paris in Genf eingetroffen. Gleichzeitig traf in Genf eine Ab­ ordnung des südflavischen Ausschusses unter der Führung von Dr. Trumbitsch, ejn. Unter betn) Vorsitz von Pasitsch wird in Gens ein Kongreß abgehalten werden, der auf die Bildung eines südslavisch-serbokroatischen Staa­ tes Mit Einschluß von Serbien abzielt. ────────── Aus Polen. Fudenhetze in Pole». > > Wie aus Warschau berichtet wird, erschie­ nen dort an allen Anschlagsäulen Plakate in Form von Todesanzeigen mit breiten schwär« tzen Trauerrändern, in welchen Personen na­ mentlich bezeitnet werden, die Grundstücke an Juden verkauften. Auch die Namen -der Käuser werden angegeben. Die Zettel erregen im« geheures Aussehen, da Räumn aus der besten Gesellschaft genannt werden. Der Mische Warschauer Kausmannsverein richtete eine Denkschrift an die jüdische Gemeindeverwaltung, die ] ausführlich die antisemitische Hetze in Warschau schildert und die Gemeindeverwaltung auffor­ dert, bei der Regierung Schritte zu unterneHmen. Auf die Vorstellungen der jüdischen Ge­ meinde hin sagte der Ministerpräsident ein energisches Einschreiten der Regierung zu. ────────── Teutschseinp lischst Unruhe» in Runtinicn. Bukarest, 4. Nov. Gestern fand hier eine deutschfeindliche Kundgebung statt. Mt Rücksicht aus die Gerüchte, daß im Palasthvtel, wo das Oberkommando der Besatzungstruppen seinen Sitz hüt, eine englische und französische WLtärfnission eängetrossen sei, um über den Waffenstillstand zu verhandeln, sammelte sich, gegen Mttag ein« große Menschenmenge an, meist junge Leute. Tie Volksmenge sang ru­ mänische Lieder und die Marseillaise, die Bafb die MilitäUmusik übertönten. Zufällig anwe­ sende oder vorüber-sahrende deutsche Offiziere, darunter auch der FestungHkvMmandant Ge­ neralleutnant Koch, wurden mit Pfuirufen em­ pfangen. Teutsche berittene Militärpolizei griff ein und zerstreute die Menge, ohne daß es zum Was sengebrauch kam. Ten ganzen Np, himittag blreb die Haupsitraße Vrctoria, die sehr besucht war, Mt deutschen Patrouillen besetzt, di» jede Ansammlung von Menschen verhin­ derte. Die rumänischen Blatter rügen das Verhalten der Menge. Ter Mnifier des Aeußern Arion ermahnte das Publikum zur Wah­ rung der Ordnung iznd Beherrschung der Ge­ fühle. Wir sind, sagte der Minister, a'tni Vor­ abend des Friedens. Tie Ausschreitungen wür­ de» sich gegen die Bevölkerung richten. Das Gerücht von der Anwesenheit französischer und englischer Offiziere sei nicht richtig. Der Mi­ nister erklärte,, daß die rumänischen Behörden Bei Sem deutlichen Oberkommando eingeschrit­ ten seien, um ihm die geringe Bedeutung dar­ zulegen, die Dem gestrigen Vorfall Mkomme, und es zu bitten, daß nur die unbedingt not­ wendigen Maßregeln für bfe Aufrechterhaltung der Ordnung ergriffen werden. 1 Aus Rumänien. ────────── Italienischer "Sieg". Wien, 3. Nov. Apsttich wird verlautbärt: In Punkt 1 der zwischen dem Armee­ oberkommando und der italienischen Heeres­ leitung abgeschlossenen Waffenstillftandsbedingungen wurde die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten zu Lande, zu Wasser und in der Luft vorgesehen. Am 3, Novembsr 3 Uhr früh wurde an die Armee Befehl zur Einstel­ lung der Feindseligkeiten gegeben. 8 Stunden später erfuhr das ArmeeoberVommando, daß die italienische Heeresleitung nachträglich fest­ gesetzt habe, die Feindseligkeiten erst 24 Stun­ den nach der Unterzeichnung einzustellen. Das Armeeoberkommando .legte gegen diese plötz­ liche Aenderung der bereits unterzeichnet«: Be­ dingungen Verwahrung ein, und wies aus die technische Unmöglichkeit hin, an dem eigenen Heere den bereits erteilten Wäsfenstillstandsbefehl zurückzunehmen und verlangte neuer­ dings die sofortige Einstellung der Feindselig­ keiten. Tie italienische Heeresleitung zeigte sich aber nicht geneigt, den durchaus berechtig­ ten Wünschen des Armeeoberkommandos zu willfahren, die italienischen Truppen nützten vielmehr die Unklarheit der Lage aus, um noch militärische Erfolge zu erzielen. So fuh­ ren im engen Zillertal unsere« dicht ausgeb schlosserten Kolonnen plötzlich italienische Pan| zerautos mit Maschinengewehren und Gef schützen vor, machten schließlich halt und erklärten die überholten Truppen — mehrere Tivials Gefangene. Auf Widerstand waren sie nicht gestoßen, da unsere Leute die Feindseligkeiten bereits eingestellt hatten. Das Armeeoberkommando protestierte gegen dieses Der Krieg mit Italien. Vorgehen nochmals und forderte die Freilassung aller auf eine so gewaltsame Weise gefangen genommenen Leute. Eine Antwort ist noch nicht eingetrofen. ────────── Asr lötriBo. 1 i Wahlsieg der Republikaner. , > r New York, 6. Nov. Reuter meldet: Die demvkratifchen Blätter Newhvrk Times und World geben zu, daß die Republikaner im neuen Kongreß die Mehrheit haben werden^ NÄvhork Times behauptet, daß die Republi­ kaner im Senat eine Mehrheit von 4 und irrt Repräsentantenhaus eine Mehrheit von 19 Ver­ tretern haben werden. ────────── Aus neutralen Ländern. Tiie Brotration in Holland. > ch > Tie Meldung, daß die deutschen Unter­ händler von Berlin nach der Westfront ab­ gefahren sind, hat in Holland sehr optimisti­ sche Erwartungen hinsichtlich eines baldigen Friedens Hervorgerufen. So äst es attcfj' zu erklären, daß die holländische Regierung den Beschluß faßte, die militärischen Getreidevor­ räte zur Verbesserung der Volkse»nähtrung in Anspruch zu nehmen. Tie Regierung hat sich, nämlich entschlossen, von Mitte dieses Monats ab, die Brotration von 200 auf 280 Gramm zu erhöhen, weil es sich gezeigt hat, daß das Umsichgreifen von allerlei Epidemien, besonders der Grippe, aus die Unterernährung zu­ rückzuführen ist. ; ────────── archie bleiben ober Republik werden mÜiiffe. Bis dahin betrachtet die Entente Kaiser Karl als den rechtmäßigen Vertreter Deuts,Hj-Oesterpeichs. In Graz sei bereits eine Delegation alliierter Osfiziere eingetroffen. Lmr>ckM«rM, der Armee Mackensen durch, > 1 1 i Ungarn. Wien, 7. Nov. Tie ungarische Negierung hat eine Kojmimission nach Belgrad geslftckt, ümi mit den französischen Generalen über die Wasfenstillstandsbedingungen zu verhandeln. Tie Verhandlungen scheinen sich, schwierig zu gestalten, so daß sich Gras Karolhi entschlossen hat, in Begleitung des Nattonalitätenlminjisters Jaszt selbst nach Belgrad zu reisen. Tie Hanptschwierigkeit sseint in der Frage des Tnrchlmjarsches der Armee Mackensen durch Un­ garn zu bgstehlen. Die deutsche Regierung hat­ te freien Durchzug der Armeen Mackensens durch Ungarn perlangt und den Wunsch ge­ äußert, daß die ungarische Regierung hierfür die nötigen Transportmittel zur Verfügung stelle. Tomgegenüber vertrat die ungarische s Regierung den Standpunkt, daß sie als neufe tratet Staat den Durchzug von bewaffneten | Truppen nicht gestatten könne. Im Laufe der t, Verhandlungen wurde von Ungarn schließlich' | zugestanden, daß die deutschen Truppen inner-, I halb 14 Tagen vom, 3. November nachmittags I» 3 Uhr an gerechnet, unter Niederlegung der f£ Waffen das ungarische Gebiet verlassen könn- g ten und die Waffen später nachgesandt wür-. §L den. Tie Verhandlungen zwischen der deut-^ p| schen und ungaris len Regierung wurden jedoch R durch eine vorgestern nachts eingetroffene Mel-' D düng aus dem Belgrader Hauptquartier der " l Entente hinfällig. Die Entente verlangte den »unbedingten Abzug der Armee Mackensen in-^ tnerhälb 14 Tagen und fordert, daß diejenigen j deutschen Truppen, die innerhalb dieser Friste ; das österreichisch-ungarische Gebiet nicht teere 1 ilassen haben, als Gefangene zu betrachten sei-, fett. Die Durchführung der Waffen will die »Entente gleichfalls nicht gestatten. Die un­ garische Regierung hat diese Mitteilung noch' gestern der deutschen Regierung weitergegeben und erklärt, daß sie sich! den Vors,fristen der Entente fügen müsse. In politischen Krei­ sen rechnet man mit der Möglichkeit, daß die Armee Mackensen sich gewaltsam den Durchzug durch Ungarn erzwingen wird. In die­ sem Falle wird darauf verwiesen, daß der un­ garische Staat über leine eigene Armee mehr verfügt und sich gegen den Durchmarsch Ma­ ckensens nur durch! einen Protest slützen könnte. ────────── ausschusses teil. Es wurde die Erhebung fol­ gender Forderungen beschlossen: 1. Sofortiger Waffenstillstand. 2. Amnestie auch für mili­ tärische Vergehen. 3. Unverzügliche Demokra­ tisierung der Regierung und Verwaltung auch in Preußen und allen anderen Bundesstaaten. Die Parteileitung wurde ferner beauftragt, betn! Reichskanzler mitzuteilen, daß der Parteiaus­ schuß und die Reichstagsfraktion die von der Parteileitung in der Kaiserfrage getroffenen Schritte billige und die schleunigste Erfüllung dieser Forderung verlangt. Tages-Uebersicht. Sozialseinvtratische BeWüsse. An der kam! Mittwoch nachmittags abgehaltenen Sitz­ ung Der sozialdemokratischen Reichstagsfrak tton, die bis in die Abendstunden hinein dau­ erte, nahmen auch die Mitglieder des Partei­ ────────── Bayerische Nachrichten. Niederschlagung von Strafverfahren. Ser' Entwurf eines Gesetzes Wer dieNiederschlagung von Strafverfahren ist vom Justizminister der Kammer der Abgeordneten zugegangen. Nach dem bayerischen Verfassungsrecht war die gna­ denweife Niederschlagung anhängiger Straftet-' fahren bisher nicht zulässig. Nach dem öinzigen Artikel des Gesetzentwurfes können nun-' irnefc Strafverfahren wegen Handlungen, die' während des Krieges begangen sind, im Wege der Gnade niedergeschlagen werden. Das Glei­ che gilt für Strafverfahren wegen Handlungen, die vor dem Kriege begangen sind, sofern das Verfahren infolge der Kriegsverhältnisse län­ gere Zeit geruht haben. | I 1 I 2fn Notgeld gibt die Stadt Ingolstadt' <100 000 Stück 6-Markscheine heraus. 1 I Eine sozialdemokratische ReWstags-wU)- j lerversamNilung war für Mittwoch, abends in den Franziskanerkeller in Münchem einberufen worden, wo Abg. Auer wieder eine prograjmmimatische Rede hielt. Am bemerkenswertesten waren seine Hinweise auf Bahetrn-Preußen. Wirtschaftlih wäre eine Trennunrg Bayerns von Preußen der schwerste Sfaden für Bay­ ern, denn es habe keine Kohle fütr die Indu­ strie und auch als Agrarstaat fehle es i^mj an vielem. Auer entwickelte bannt ein wirt­ schaftspolitisches Parteiprogramm, in dem er vor allem eines betonte: Ein einiges Teutsches Reich, fei für die Arbeiterschaft außerordentlich wichtig. Denn das wirtschaftliche Gedeihen Bayerns beruht auf der in 50 Jahren groß und stark gewordenen gesamtdeutschen wirt­ schaftlichen Organisation. Mit btiefer Organi­ sation sei der friedliche Wettbewerbb nach! Frie­ densschluß sofort wieder erfolgtet,aufzuneh!men. Eine neue süddeutsche Konsteellation aber müßte sich erst ein neues wirtstmftliches Ge­ füge mühsam aufbauen. Bis dahin aber wäre der Weltmärkt längst von den Konkurrenten dauernd erobert. Auer wandte sich dann au,chj gegen Terror und Revolution, die nur das Ziel unserer Feinde erleichtern müßten. In der Aussprache traten mehrere Soldaten als Redner aus, die sich, mit Soldatenangelegenheiten beschäftigten. Im Schlußwort warnte Marcusen und ein Redner der Mehrheit davor, die militärische Disziplin jetzt zu lockern? damit fördere man den Sieg der Entente. Es sei zu unterscheiden zwischen nationaler Verteidigung und Grenzwacht zum, Schutz des eigenen Lan­ des. Jene lehne die Wehrhettspartei ab, diese aber fei unerläßlich, imti die Heimat zu schützen'. Diese Worte machten einen sichtlichen Ein­ druck aus den größeren Teil der Versammlungs. die gegen 12 Uhr geschlossen würde. ────────── i In einem Maueranschlag hatte sschpn am Vormittage das Ministerium die Bevölkerung zur Besonnenheit, Ruhe und Ordnung aus ge­ fordert. !"" ' f : i . i ────────── Ein Roman von der Insel Sylt von ] f [ | i I Annh Wothe. i > 20 I 1 | i i (Nachdruck verboten.) i Es lag etwas Afonulmentales, Sjtarresch Seltsames in der Haltung! des Ibratinen Weibes, das Wertet erschütterte. 1 f ' c "Kommt, Mat," sagte Merrei sanft, den Arm stütz­ end um dte Alte legend. "Kommt, Ihr bebt ja vor Kälte, ich will Euch führen" "Hoho", lachte Maiken Taken. Dann sang sie vor sich hin: "Schön Merret im goldenen Haar, So golden, wie das von Kressen war! Ich hass' euch alle! Das Jürgengeschlecht, Es muß vergehen.—dann Bin ich gerächt!" "Schaff, das Weib aus der Stube," schrie Jens ärgerlich. "Ske wird immer verrückter mit ihren alten Reden. Ich weiß es von meinem Vater \ selbst, daß er sie gar nicht weiter gekannt hat. Marsch, hinaus, Alte!" "Kommt, Mai Taken," wiederholte Merret sanft, "ich führe Euch." Die alte Sagenerzählerin, die von Hütte zu Hütte auf der Insel ging und oft Monate lqng ihr kleine, versandete Schlasstätte inRantum nicht sah, lachte gellend aus. Versunkene Welten. ^ "Guck mal dort hinaus, mein Söhning," lachte sie Hönisch und zeigte durch» Fenster auf das Meer.f Da hoben sich hohe Wafferberge empor. Die brausten heran, und wenn sie näher kamen, dann taten sich tiefe schaurige Wellengräber auf. Zischend und brausend stieg dte Flut und brach sich donnernd an den Ufern. s "So wie da draußen das Meer groß ist, so bist du klein, Jens Jürgens," rief Matten Taken verächtlich, die Tonpfeife aus dem Munde nehmend und wieder in ihre Jackentafche versenkend. "Matten Taken verachtet dich und deine Mutter, Maiken Taken hat keinen Teil an dir." i "Kommt, Mai," mahnte Merret, bittend zu Jens herübersehend, der nicht Übel Lust hatte, die Alte mit Gewalt zu entfernen, "kommt, ich bringe Euch zu Jnken." i "Schön Jnken hat goldenes Havr," trällerte Alte, und wi Hohnlachen klang ihre Stimme. Merret schob das alte, grauhaarige Weib zur Tür hinaus. j Nun standen sie am flackernden Feuer des Hertes in der Küche, und dte rote Glut strahlte über das alte harte Gesicht mit den dunklen funkelnden, Augen. Grell blitzten dte großen weißen Zähne zwischen den breiten Lippen hervor. Das graue Haar, das am Herdfeuer langsam trocknete, bäumte sich wieder in starrer Wucht um das braune Gesicht, Gierig schlürfte Maiken Taken den heißen Tee, de» ihr Jnken gereicht hatte. "Da ging ein König einst ein und aus. Er trug eine Krone, ern Purpurkleid, Jetzt trägt er ein Kleid, das Kleid von Setb." "Maiken Taken, kommt zu Euch," mahnte Merret. Erzählt lieber eine Geschichte wie einst, als Ihr zu uns in das Listerland kamt und mit Ptdder Bootje Geschichten erdachtet." "Sie wird immer verückter," flüsterte Jnken der Schwester heimlich zu, "ich fürchte mich vor ihr. i Merret lächelte. Auch ihr war Maiken Taken ein unheimlicher Gast, aber sie mußte -doch so oft 'an sie denken. Sie mahnte sie an jene Welt, die ‘tot und begraben war und doch so schön, so zauber­ isch schön wie ein Märchenreich plötzlich vor ihr auf­ tauchte. Dieser Erinnerungen wegen war Merret sanft und gut mit Maiken Taken und geduldig, trotzdem die Alte nie ein Hehl daraus machte, daß ihr derrDüfhoog und feine Bewohner verhaßt waren. | Maiken Taken begann jetzt ihre getrockneten folten Schuhe wieder über die bloßen Füße zu ziehen. 1 "Wo gehr Ihr jetzt h!n?" forschte Frau Merret. j"@s regnet ja noch immer." (Fortsetzung folgt.) ────────── Niederbayerische Nachrichten. TeMeudors, 6. Nov. (Schließung eines Metzgereidetriebes.) Tie Bayer. Fleischversor­ gungsstelle hat den Metzgereibetrieb der Ehe­ leute Anton und Rosa Schmid in Deggendorf wegen Unzuverlässigkeit geschlossen. > i Zwiesel, 7. Nov. (Der Pour le me rite) wurde dem Leutnpnt und Bataillonsadjutjanten Fritz RümMelein,' Sohn des Herrn Holzgroßhändlers Rüimimelein hier, verliehen. ────────── keine wesentliche Beanstandung und dürften .diese Belege wohl auch, für jede andere Rech­ nn ngs--Revision genügend fein. Ich muß. daher den mir mit dieser Aeußerung gemachten VorWurf als nicht den Tatsachen entsprechend zu­ rückweisen. i —* Zur zeitweiligen Schonung der Jungviehbestände hat Me Bayerische Fleischversorgungsstelle angeordnet, daß bis auf weiteres Jungvieh — mit Ausnahme der Käl­ ber — mit einem Lebendgewicht von weniger als 3.5 Ztr. iirni allgemeinen nicht abgenom­ men werden darf. Insbesondere ist hon einer Freimachung solcher Jungtiere abzusehen. Falls sich ein Landwirt genötigt sicht, freiwillig Jungvieh unter 3.5 Ztr. Lebendgewicht wegen Futtermangel usw. abzugeben, so ist auf dem «Schlußschein der vom Verkäufer zu unterzeichn toende Vermerk "Zur Abgabe angeboten" anzu­ bringen. Vobn 11. November ab wird für Jungvieh unter beton genannten Mndestlebendgewicht, soweit dieser Vermerk nicht im chSlußschein augebraM ist, den Auskäufern keine Pro­ vision gewährt. Freiwillig angebotenes Rind­ vieh (unter 3.5 Zch. Lebendgewicht mit Ver­ merk) ist an den Vichsammelstellen anzulie­ fern. ■ t f 1 ’ i 1 —* Der Viktualienimarkt war heute tour schwach bestellt.. Auch der KaninchenMarkt hatte nur mittelmäßige Zufuhr. Der Krauttunb der Rübenmarkt dagegen war sehr gut beschickt. Bei der herrschenden starken Nach­ frage entwickelte sich ein reges Geschäft. i —* Stadttheater. Morgen Samstag fin­ det die erste Aufführung! des Singspiels "Der Hutmiacher Seiner Durchlaucht" von Tr. G. ^Quedenseldt, Musik von Josef Snaga statt. Das Stück erlebte seine erfolgreiche Urauffährung in der Schauburg in Hannover und bil­ det seit Monat Juli, das Reperioirstück des Berliner Künstlerkhieaters. Die erste Wieder­ holung findet am Sonntag abends statt. Am »Sonntag nachmittags gelangt als zweite Kin­ dervorstellung "Rübezahl der Berggeist" zur Ausführung ────────── Das Deutschtum in Oesterreich. Unter den schwerwiegenden Umwandlungen, die ge­ genwärtig in dem österreichisch-ungarischen Staat vor sich gehe«, ist dar einzige rrhebenr Schauspiel der einmütige Zusammenschluß de» Deutschtums in Oester­ reich. Nach lange» Partelungen und Zwistigkeiten, die die Macht der Deutschen tu Oesterreich hn letzten halben Jahrhundert geschwächt haben, stehen sie nun­ mehr wieder fest beisammen und haben erkannt, wohin sie gehören. Damit besinnen sich die österreichischen Deutschen wieder auf bte uralte Ueberlieferung, die ihre Geschichte und Entwicklung ihnen liefert. Das Deutschtum in Oesterreich ist von Anfang an der Kern der ganzen Donaumonarchie gewesen, denn dieser Reich ist hervorgegangen aus der Ostmark, bte Karl der Große zum Schutz seiner Qstgrenze schuf. Seit dem Jahre 796 haben hier Deutsche auf der Greuzwacht gestanden, uud zwar waren es in erster Linie bayjuwartsche Geschlechter, die als die Vollstrekker der kaiserlichen Gewalt tn dem Lande ihren Sitz nahmen. Das Deutschtum bildete zunächst In den wetten Gebieten eine obere Schicht über der einheimi­ schen Bevölkerung, übte aber vermögend seiner Macht und höheren Kultur einen bestimmenden Einfluß ans. Seit der Gründung der Ostmark find die Deutschen die führenden Geister in Oesterreich-Ungarn gewesen und bildeten in der Staatsverwaltung wie in die Heeresverfaflung des Reiches den festen Kern, um den sich die andern Völker zusammenschkdffen. Der Entwicklung in der deutschen Ostmark vollzog sich dann in der Welse, daß einerseits von Westen her deutsche Bauern langsam vordrangen, während von Osten her der Strom der Tschechen und Magyaren in das Land flutete. Die in Böhmen und Ungarn aufgerichteten Reiche unterlagen dann der Anziehnngriroft des Habsburgischen Hauses, das mit dem Jahre 1282 in dem deutschen Teile Oesterreichs zur Herr­ schaft gelangt war, und so wurde» diese drei ver­ schiedenen Stammlande, das deutsche, böhmische ungarische, zu einem Staate vereinigt. Die «eltgeschichtliche Bedeutung des neuen Staatswrfens offen­ barte sich daun in dem Jahrhunderte währende« Kampf gegen den Ansturm der Türken; aber als diese große nationale Aufgabe gelöst war, geriet Oesterreich-Ungarn durch seine etge»arti$e Lage inmitten ««derer, stets stärker werdender Nationen tn immer schwierigere Problem«. Je letdenschaftltcher dt« fto wischen Elemente des Balkans ihr Volkstum betonen, desto mehr mußten sie auf die verwandten Völker Oesterreich» ihre Anziehungskraft ausüben und den Einfluß de» Deutschtums schwächen. Oesterreich, da» fe lange tn Deutschland führende Macht gewesen war, wurde Immer mehr herausgedrängt au» dem reichsdeutschen Schicksal. Der Steg Friedrich des Großen bedeutet den Anfang, der Sieg von 1866 das Ende dieser Entwicklung. Bis 18, 6 war der deutsche Charakter des österreichischen Staate» noch immer dar selbstverständlich Gegebene gewesen. Nu» erfolgte ein völliger Umschwung. Die anderen Nasionalttäten erhoben immer lauter ihre Ansprüche, bte nur aus Kosten der Deutsche» befriedigt werden konnte». Die Gründe zu dieser Schwächung des Deutschtums in Oesterreich sind, wie Prof. Horniger in seine« soeben tu zweiter Auslage erschienenen Buch "Da» Deutschtum tm Ausland" ausführt, in der Haltung des deutsch österreichischen Liberalismus und in der zunehmenden Industrialisierung zu suchen. Dadurch, daß die deutsch.österreichischen Liberalen fett 1848 für die politische Freiheit aller Stämme eintraten, holten sie den andern Nationalitäten die Kastanien aus dem Feuer und machte« ihnen bte Bahn frei zum politischen Einfluß. In ihrem Idealismus spielten sie de» Slaven die wirksamsten Kampfmittel gegen das Deutschtum tn die Hände. Die Entwick­ lung der Industrie, die bereits tn der Zeit der Konttneutalsperre mit dem Ausblühen des Fabrtkwefens in Deutsch-Böhmen einsetzte, lockte fremdsprachige Arbeiterin die deutsche» Gebiete. Mit ihrer raschen Zunahme erhoben diese ihrerseits-nationale Forder­ ungen. Dazu kam, daß die Deutschen über alle Teile der Donaumonarchie verbreitet sitzen, während bte andern Nationalitäten tn der Hauptsache aus ihre alten Stammsitze beschränkt sind. Die Deutschen bildeten also gleichsam bett Sauerteig, der die Kultur des ganzen Landes beseelte. Das wird am besten beleuchtet durch die Slattsttk. Oesterreich zählte tm Jghre 1910 gegen 28 Millionen Einwohner, von denen 9,950,266 Deutsche sinv, also 35, 58 °U der Gejamtbeoöikerung. Schaltet man Galizien, Buko­ wina und Dalmatien aus, als Länder, die dem alten Deutschen Reich nicht angehörten, so erweist sich ein Fortschritt des Deutschtums . In den ehe» , maligen deutschen Bundesländern Oesterreichs hat sich die Gesamtbevölkerung im letzten Jahrzehnt um 8,85 °/ 0 vermehrt, bte Zahl der Deutschen aber um 10,26,/°. Die 9,/* Millionen hier ansässigen Deutsch Oesterreicher, die das eigentliche Deutschtum in Oester­ reich repräsentieren, zerfallen in zwei -Gruppen. Die eine, tn Ober- und Niederösterreich i und in den Alpenländern, umsaht - 6 Millionen,, bte andere, tn den Sudetenländern, 3 1 / 1 Millionen. Mit Ausnahme einiger Sprachinseln tn den Alpen,, Böhmen und Mähren gehören diese 9 1 /« Millionen dem geschloffenen deutschen Sprach und Siedlungsgebiet an. Die übrige */, Million Oesterreicher verieili sich auf die anderen Kronländrr. Hier sitzen die Deutschen zum größten Teil tn den Städten und haben als Vertreter des Beamtentums und von Handel und Industrie einen großen kulturellen Erinfluß ausgeübt. ────────── Kriegsbriefe aus dem Westen. Berlin, 6. November 1918. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verböte«.) Flüchtttugselend. SEctegrcmati unsre» Kriegsberichterstatter». Kriegspre ffequartie r West, 4. Nov. Trotzdem, sowohl von den deutschen Be­ hörden wie seitens französischer und belgischer Vereinigungen alles geschieht, umt die Völker­ wanderung der Hunderttausend« von Flücht­ lingen aus bernt Kriegsgebiete unterzubringen und weiterzuleiten, bleibt das Elend unbe­ schreiblich groß. Seit dem, Dreißigjährigen Krieg« hat Europa solch eilt Verkommen von Menschen wohl nicht mehr erlebt, wie man es jetzt und feit Wochen täglich, auf allen von den Frontgebieten nach! Osten sühirenden Straßen mitansehen muß, ohne Helsen zu können. Trotz­ dem wir jedes FnhBverk für militärische Zwec­ ke gebrauchen, hat die deutsche Heeresverwal­ tung in großherziger Weise, die von den Flücht­ lingen warm' anerkannt wird, uns aber selbst­ verständlich van den Feinden nicht gedanÄ werden wird, nach Möglichkeit Wagenkolonnen zum Abtransport am» den durch französische, englisthe und mtwiEantMe Granaten gesätzrNNt* vlMchlOe« stM Soldaten als Fahrern Und Begleitern zur Verfügung ^gestellt. Weck einen solchen Transport erreicht''hat, darf sich verhältnismäßig glücklich! schätzen; denn sein Weg ist ihm vorgeschrieben» für Unterkunft ist? gesorgt, die Familien bleiben beisammen und die Leute können das notwendige und ihre werchvollste Habe mit ftch führen. > > , ' Oft aber hüben plötzliche Kriegsnotwendig-. leiten keine geordneten Vorbereitungen zugelassen, und ungezählte Einwohner französi­ scher und belgischer Ortschaften haben sich botf Panik ergriffen auf die Flucht begeben, ohine daß ihre Häuser vom Kriege bedroht waren. Diese Leute haben nichts mitgenommen, als was sie auf dem' Rücken tragen oder auf einen Karren packen konnten. Kleine Fuhrwerke ha­ ben in Stunden höchster Gefahr märchenhafte Preise erreicht. So wurden in Dvuai bei ber. Massenflucht 1000 Franken für einen Kinder­ wagen bezahlt. Einige Bündel wurden auch den mitgeführten Haustieren aufgeladen; doch Müssen diese meist nach wenigen Wandertagen wegen Entkräftung geschlachtet werden. Viele wandern einzeln, von sinnloser Angst vorwärts gepeitscht; meist aber haben sich, Gruppen zu­ sammengefunden, die sich früher nie gesehen Haben, darunter zahlreiche fremde Kinder, die von ihren Eltern abgesprengt worden sind und sich einer anderen mitleidigen Familie ange­ schlossen haben. I 1 i > ) In den größeren Städten, wo die Flücht­ linge in Scharen ankommen, sorgen Mitglieder des holländisch-spanischen Hilsskmnitees in auf­ opfernder Weise für Nahrung, Bekleidung und Schlafgelegenheit, und die deutschen Behörden für baldige Weiterbeförde rung über die hol­ ländische Grenze. In Lüttich! beherbergen die Hallen der Ehemaligen Weltausstellung täg­ lich! einige Hunderte von französischen Flücht­ lingen. Do kommen viele so entkräftet an, daß täglich Todesfälle vorkommen. Ungezählte aber sterben am Wege, ehe sie einen größeren Ort erreichen, wo ihnen ärztliche Pflege geboten werden sann. r [ 1 1 Auf den Heeresstraßen nehmen sich! die deutschen Soldatey in oft rühirender Weise der Unglücklichen an, teilen mit ihnen ihr Brot, geben ihnen aus den Feldküchen Suppe, ho­ len ihnen Wasser. Man sieht deutsche Sol­ daten zu allem Gepäck französischen zmd flä­ mischen Müttern die kleinen Kinder tragen Helsen. Französische Greise, Frauen, Kranke,, die am Wege erschöpft liegen geblieben, wer­ den aus Trainwagen, Protzen, selbst aus Ge­ schützen na, hi dom nächsten größeren Orte ge­ fahren. Das rühmjen die Unglücklichen dank­ erfüllt; dagegen beklagen sich! zahlreiche fran­ zösische Flühtlinge .über die feindselige Auf­ nahme, die sie in einzelnen born Kriege noch nie berührten französisch-belgischen Ortschaften " gesunden haben, wo es wiederholt eines Machtspruches der deutschen Kommandantur bedurft hat, um ihnen - nur Obdach! in Ställen und Scheunen zu verschaffen. Doch hübe ich selbst anderseits beobachtet, daß wallonische Mnwo'hi ner das Letzte mit den Mittellosen Flüchtlingen geteilt und alles getan haben, um? ihr Los zu erleichtern, allerdings in Landstrichen, wo man 1914 selbst den Krieg hat kennen lernen. Mit der Hinauszögerung des Waffenstill­ standes wird die Stimmung! in den Gegenden, die glaubten, daß der Krieg nicht bis zu tijtoen zurückfluten, sondern noch kurz vor ihnen zums Stshvn kommen werde, verzweifelt, und auch hier reißt Panik ein, nachdem vor "14 Tagen die Geistlichen mehrfach, van der Kanzel den nahen Frieden begrüßt und die Bevölkerung dadurch- beruhigt hatten. Französische Gefan­ gene, die ich, sprach, sind erschüttert von denh zwecklosen Elend, welches sie imi Flüchtlingsgebiete gesehen haben, und sagen, sie steten über­ zeugt, daß dem französischen Volke mit Ab­ sicht dieses ungeheure, ganze Provinzen Harb vor Kriegsschluß verwüstende llnglück ver­ schwiegen werde; toenn das französische Volk in Wahrheit wissen würde, tote die befreiten Ge­ biete aussehen, würde es sich wie.ein Mann er­ heben und fordern, daß fein französischer Sol­ dat mehr einen Schritt vorwärts tue, um bis; Greuel zu vermehren, chi» seit Wochen nutzlos -sind und mit einem Worte beendet werden könnten. 1 ' (Kb.) j t _ K& ©d&titermantt, Kriegsberichterstatter. ────────── dann vielfach die alten Götterzeichen eingegraben wurden. Der Ursprung der amerikanischen Lynch­ justiz. Der Geist des zügellosen Hasses und der wüsten Kriegshetze, der in Amerika die Gemüter aufgepeitscht, hat seine traurigste Entladung in jenen zahllosen Lynchmorden gefunden , gegen die sich dann Wilson, der eigentliche Urheber dieser geistigen Epidemie, in salbungsvollen Worten zu wenden suchte. Dieser "Lynchgeist", der so viele schuldlose Opfer gefordert hat, wird immer als ein Fluch auf dem amerikainschen Volke laste». Das Lynchen ist ja nichts Neues im Volksleben der Iankees; es hat sich nur in diesem Kriege am scheußlichsten offenbart. Woher der Name eigentlich stammt, ist zweifelhaft. Man hat versucht dies ungesetzliche Gerichtsverfahren in Verbindung zu bringen mit einem englischen Bürgermeister von Galway, »amen» Lynch, btt im Jahre 1493 seinen eigenen Sohn als Mörder kurzerhand zum Tode verurteilte. Aber diese alte Geschichte dürfte mit der Lynchjustiz, die gegen Ende des 28. Jahrhunderts in den Verei­ nigten Staaten aufkam, wenig zu tun haben. Glaub­ würdiger ist eine Erklärung, dte sich in den 1842 erschienenen "Erzählungen ans dem Grenzerleben" des Obersten William Martin findet. Martin berichtet hier auf Grund seiner eigenen Erlebnisse "In diesen Tagen (b: h. im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts) siedelten sich eine große Menge wüster Gesellen an den Grenzen an, die durch ihre Diebstähle das Land sehr schäotgten. Da traten denn dte Ansiedler zusam­ men, um diese Verbrechen zu unterdrücken, und bilde­ ten die sog. Regulatoren. Sie organisierten sich nach militärischer Art mit Offizieren und Unteroffizieren; sie setzten auch aus ihrer Mitte einen Gerichtshof ein, der die Schuldigen verurteilen und bestrafen sollte, wenn sie gefangen genommen waren. Die Strafen bestanden zumeist in Durchpeitschen, in Ver­ weisung aus dem Lande und, wenn der Dieb etwas hatte, in der Ersetzung des gestohlenen Gutes. Diese Art der Verurteilung wurde zuerst in die Wege ge­ leitet von dem Obersten Charles Lynch aus Bedford County! in Virginia. Diese Selbsthilfe der Ansiedler wurde lange Zeit geübt, brachte mehr Ordnung im Lande und wurde dann auch bei der Besiedelung neuer Länder angewandt, bis später dte Gesetze wirksamer zur Geltung kamen. Lynch bestrafte zu­ meist mit 39 Pettschevhieben, wobei er sich, wie ich vermute, auf das biblische Vorbild von Moses stützte So kam es, daß allmählich jedes ungesetzliche Aus­ peitschen und dann überhaupt jede Bestrafung außer­ halb der Gesetze als, Lynchgesetz" bezeichnet wurde." Der Fuchs im Artitler.efeuer. Ueber ein eigenartiges Verhalten, das der Schlau­ heit Reinekes nicht gerade Ehre macht, weiß Leutnant Thorbecke in der Deutschen Jäger-Zeitung zu berich­ ten. Am 4. Dezember 1917 gegen 9 Uhr vormittags war feine Batterie gezwungen, wegen des starken feindliche» Artilleriefeuers einekleine Verschiebung um einige hundert Meter vorzunehmen. Kaum war man in der neuen, völlig ungedeckten Stellung, als wieder schweres Feuer kam. Ein Schuß schlug mitten zwischen zwei Geschütze ein, worauf ein-Fuchs zwischen den Geschützen hindurch flüchtig wurde. Er muß kaum fünf bis sechs Schritte von dem Einschlag entfernt gelegen haben, und hatte sich durch die bisherigen Operationen in keiner Weise stören lasten. Auch hatte ihn vor seiner Flucht niemand gesehen, was allerdings bei dem Feuer und der allgemeinen Auf­ regung im Großkampfe erklärlich ist. Es blieb nur fraglich, wie der Fuchs überhaupt in diese Gegend gekommen war, denn die Stellung lag in der früheren schmalen neutralen Zone zwischen betn ersten deutschen und englischen Graben, also umgeben von Drahthinderviffen mitten im Trichterfeld und umringt von einer Anzahl zerschossener Tanks. Außerdem war die genannte englische Stellung erst fünf Tage vor­ her von den Deutschen genommen worden, also lange Zeit der Brennpunkt der Kampfes mit allen Waste» gewesen. Daß sich gerade ein Fuchs in eine so ge­ fährliche Gegend verirren könnte, schien recht verwun­ derlich. Es wurden auch einige wenige Hasen beo­ bachtet, die wie kopflos in der Gegend herumsausten. Hühner gab es ziemlich viel; sie. strichen aufgeregt umher oder lagen fast an den Boden gedrückt, sodaß man fast auf sie treten mußte, ehe sie hochflogen. Es hätte sich also mitten in der beschossenen Stellung Gelegenheit für eine regelrechte Jagd geboten, an die freilich während der Aufregung des Kampfer niemand dachte. . . . Steirrkreuze. In Niederdeutschland finden sich an vielen Stel­ len noch Steinkreuze. Die Zeitschrift Rieders achsen deutet sie als sog. Sühnkreuze, die neben der Zah­ lung eines Wergelde» von Totschläger aufgerichtet werden mußten und beschäftigt sich weiter mit einem Aufsatze "dar Rätsel der Steinkreuze" von dem Altertumsforscher Hilmar Kalltefe. Dieser stellt fest daß die alten Steinkreuze nur in germanischen Län­ dern vorkommen. Daß sich die Kreuze immer zu mehreren an einer Stelle finde», scheint nicht dafür zu sprechen, das es sich um Mord oder Sühnkreuze handelt. Diese Bedeutung kommt ihnen nur in »er« Unzeiten Fällen zu Kaltefe führt die Kreuze auf den Götterkult unserer Vorfahren zurück. Bet ihrer Bekehrung hat die Geistlichkeit die Opferstätten zer­ stört, damit an ihrer Stelle Kirchen oder Kreuze errichtet würden, um auf diese Weise dem Volke das Christentum zugänglicher zu machen. Auf die Kreuze hat das Volk dann z. T. die alten heidnischen Zeichen gesetzt, wie das Rad, Wotans Speer, Schuh oder Hufeisen usw. Die Zahl der Steine nimmt Bezug auf die Götter, auf die Zahl der Richter, der Schöffen uns. Die Zeichen auf den Steinen sind Sinnbilder der Götter und GertchtSzeichen. Die Kreuze biete» eine Erinnerung an die Tätigkeit der ersten christlichen Missionare in deutschen Landen. Das Volk hielt zähe am Heidentum fest; nahm es »ach außen hin auch de» neuen Glauben an die alten Götter wurden im Stillen doch noch verehrt, sodaß sich die Kirche genötigt sah, die alten Heilig­ tümer beizuhalten. So setzen sie Steinkreuze, in die Vermischtes. Kreuze biete» eine Erinnerung an die Tätigkeit der ersten christlichen Missionare in deutschen Landen. Das Volk hielt zähe am Heidentum fest; nahm es »ach außen hin auch de» neuen Glauben an die alten Götter wurden im Stillen doch noch verehrt, sodaß sich die Kirche genötigt sah, die alten Heilig­ tümer beizuhalten. So setzen sie Steinkreuze, in die