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        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1918-12-16"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">71. Jahrgang Nr. 343</biblScope>
          <date when="1918-12-16">1918-12-16</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Polen gegen Deutschland.</p>
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          <p>Am 11. Dezember erschien Kurt Eisner in einer Versammlung der Münchner Spartakus­ leute, die beabsichtigten, einen Temonstrationsumzug zu veranstalten. Ter Redner der Ver­ sammlung', ein Tr. Lewin, hatte u. a. die Forderungen vertreten, energisch Propaganüa für die Weltrevolution zu machen, eine rote Armee nach- russischem Muster zu bilden und gegen die Nationalversammlung zu arbeiten. Eisner, der sichMch den Boden unter sei­ nen Füßen wanken fühlt und es mit dem Gruseln zu tun bekommt, schlug in dieser Ver­ sammlung ganz andere Töne an, als er es noch, auf der Tagung des Landesarbeiterrates Montag statt. Er bat fast flehentlich um Ruhe und Ordnung; denn eine Revolution, die nicht imstande sei, Ordnung zu haften uub Arbeit zu leisten, sei verloren. Wenn Tausenoe von Münchener Arbeitern aufmarschierten, dann würden sie mit allen Mitteln für die Aufrecht­ erhaftung der Ordnung eintreten. Ja, Eisner sieht sogar "geheimnisvolle Fäden", die sich von der äußersten Linken zur äußersten Rech­ ten spinnen, und darum bittet er, dahin zu Frachten, daß eine Nationalversammlung zu­ stande kommt, "die es möglich macht, unsere Politik fortzusetzen." Wenn das Proletariat die Nationalversammlung verhindere, so fei das der Bankerott des Proletariats. Tie be­ soldete rote Garde hält Eisner für Korruption, Leute von Besonnenheit und Charakter für ein unbedingtes Erfordernis. Recht bezeich­ nend war der Satz, daß das, was gestern Herrn Auer passiert ist, morgen ihm selbst passieren könne. Hinc illae lacrimae! In diesem Bekenntst nis liegt wohl der «Schlüssel zur Erklärung von Eisners Wandlung. Von den zwei Seelen, die in Eisners Brust wohnen, muß zurzeit die eine schweigen; er fürchtet die Geister, die er rief, und hofft sich! nun — der Strohhalm, an den sich! der Ertrinkende klammert! — die Ret­ tung seiner unhaltbaren Stellung von der Na­ tionalversammlung, für die er bisher so wenig Gegenliebe gehabt hat. Schienen ihm die Sparjlacusleute in Bayern stark genug, um die Nei­ gungen seiner zweiten Seele durchzusetzen, dann wäre es ihm sicherlich lieber! Eine Zeit wie diese verlangt an der «Spitze eines von inneren Feinden noch mehr als von äußeren bedrohten Volkes Männer von ge­ radem Sinn und von klaren Zielen, nicht schwankende Gestalten. Herrn Eisners Uhr ist abgelaufen. Tas freiheitliche Bürgertum wird wissen, cras es zu tun hat. Geradeaus ans den zielklaren Wegen der Teutschen VolksPartei! Ein deutscher Protest. — Der Präsident von Portogal ermordet. Kurt Eisner sttzenkte gestern unserer Stadt die Ehre seines Besuches. Wie alle großen Herren, ließ er aus sich« warten, sodaß in der Nachmittagsversammliuttg viele der herbeigeeilten Zuhörer ihrem Unmut offen Ausdruck gaben, weil sie die An­ kündigung Eisners für einen Bluff hielten. In den Abendstunden verbreitete sich, dann die Nachricht, daß Eisner abends 8 Uhr im Bernlochnersaal sprechen werde. Es begann denn auch, bald eine kleine Volkswandecung zum Bernlochnergebäude und in kurzer Frist war der Saal vollbesetzt. Pünktlich! erschien Cisner und begann nach kurzen einleitenden Worten des Versammlungs­ leiters, Herrn Holl, mit seiner Rede. Wer ein Programm von ihm erwartet hatte, wurde schwer enttäuscht. Tas soll vor­ weg konstatiert sein. Tie ganze Rede Eisners war eine Verneinung. Jeder, der sich vielleicht unter dem unmittelbaren Eindruck der Rede von dem Pathos gefangen nehmen ließ, wird heute bei ruhiger Ueberlegung des Gehörten uns beipflichten, wenn wir dies feststellen. Ver­ neint wurde das alte System in Bausch! und Bo­ gen, nicht nur lesen Auswüchse, verne.nt wurde die volkswirtschaftliche Berechtigung des Ka­ pitalismus, verneint wurde die Preßfreiheit. An Positivem wurde nur gesagt, daß künsttiff "Freiheit für Alle" gelten soll, daß nach dem Heere auch! die Fabriken demokratisiert werden .sollen, daß. sozialisiert werden soll, aber all das bedarf noch der Zeit. Es wird heute wohl wenige geben, jvelche dem alten System, auch! wenn sie nicht nur dessen Schattenseiten sehen, eine Träne nacht­ weinen. Es Irirb aber noch, weniger Leute geben, die es mit dem Wohle des Volkes ernst meinen, die das heutige Shstem als Volksbe­ glückung empfinden. Tas Wort Temokratie ist im Munde der heutigen Regierung ein leerer Schall geworden, die Volkssreiheit war nie beschränkter als heute. 'Man hört eigentlich, das Wort Freiheit nur in Reden und Versamm- I lungert. Man warf dem früheren Shstem vor, I daß, nur eine Clique von Aristokraten und | Kapitalisten das Land regierte, heute ist es eine Clique der Linken, die nach, dem Muster in anderer Farbe schaltet und waltet. Darüber Helsen auch« die schönsten Worte nicht hinweg. "Freiheit für Alle" verkündete auch, ge­ stern Kurt Eisner. Er betonte dazu noch, aus­ drücklich die Preßfreiheit, die er selbst unter Aufgabe seiner Nachtruhe gewahrt habe. Er fand es aber trotzdem nicht unter seiner Würde, die Presse in einer Weise zu beschimpfen, wie dies noch, niemals unter dem früheren Re­ gime der Fall war. Von den Redakteuren, die in München den Bajonetten und Revolvern weichen mußten, sprach, er ironisch als "Helden, wie Redakteure nun einmal sind". Wir möchjten Herrn Kurt Cisner fragen, ob er wirklich, glaubt, durch, solche Ausfälle die Preßfreiheit zu wahren. Oder soll die Preßfreiheit nur dort gelten, wo die Ansichten der Presse mit den seinigen sich, decken. Weiter möchten wir ihn fragen, in welchem Preßorgan dies der Fall ist. i Wer in der letzten Zeit die Presse aller Schattierungen verfolgte, in Bayern von rechts bis zur äußersten Linken, der wird erkannt haben, daß die Person Kurt Eisner von allen Seiten, von allen Parteien, von der gesamten Presse bekämpft wird, einschließlich der "Münchner Post". Tas mag Herrn Eisner wohl unangenehm sein, es sollte ihm aber doch« ein Fingerzeig sein. Wo eine derartige Uebereinstimmung in der Presse herrscht, da muß am Gegenpol etwas nicht stimmen. Ta hilft kein ödes Geschimpfe, da helfen nur Ta­ ten. Im demokratischen Staate gibt es in diesem Falle nur eine Tat. Ein Mann, der von der ganzen Presse bekämpft wird, der besitzt nicht das Vertrauen des Volkes, denn, mag Herr Eisner schimpfen, wie er teilt, die Presse war schon vor ihm und wird nach ihm der Niederschlag der öffentftchen Meinung, des Volkswillens bleiben. Wenn er heute noch« glaubt, diese Volksmeinung durch« e;ne zügel­ lose Hetze gegen die .Presse zur bekämpfen, so irrt er. Mit Revolvern, Bajonetten, Boykott, Jnseratenmonopol und ähnlichen Zwangsmit­ teln bekämpft man die Volksmeinung nicht. Taidurch« aber macht man das auch von ihm so oft gebrauchte Wort Temokratie zu einem leeren Schall, der nirgends mehr einen Resonanzbo­ den findet. So weit zu Kurt Eisner. Was aber dann die Diskussion zutage förderte, das war eine Verhetzung der Massen im schlimmsten Sinne. Wir konstatieren u. a., daß von einem der Redner die Vorzensur für jene Blätter, welche den Bürgerkrieg ins Land tragen, verlangt wurde. Herr Kurt Eisner schwieg sich zu die­ sem Verlangen in seinem Schlußwort aus. Gegen eine solche Beschränkung aber müßte die gesamte. Presse wie ein Mann energischen Protest einlegen. Auch« das Volk hat hieran das größte Interesse, denn es hat ein Recht, daß seine Meinung rückhaltlos in der Oefsentlichleit vertreten wird. Ter Vorirurf Eisners, der die Presse des kapitalistischen Lohnschreibertums beschuldigte, ist ja nicht haltbar. Tas weiß er selber. Jede Zeitung wird und muß die In­ teressen ihrer Partei vertreten. Tie Parteien sind aber ihrerseits Verbindungen von gleich­ gesinnten Volksgenossen. Mögen fidy nun die Parteianschauungen widersprechen, sie bleiben immer der Ausdruck der Meinung der in der Partei zusammengeschlossenen Staatsbürger. Wer daher die Presse knebelt, unterdrückt die Aeußerrrng des Volkswillens. Wahrlich« es muß um ein Shstem schlecht bestellt sein, wenn es sich der öffentlichen Kritik entziehen muß, wenn es sich, hinter rohe Gewalt, hinter Re­ volver und Bajonette zu verschanzen gezwun­ gen ist. ' Gegen eine solche Vergewaltigung aber protestieren wir im Namen der Freiheit des Volkes. Wir stimmen mit Kurt Eisner über­ ein, wenn er die Freiheit für alle verspricht, wir fordern sie aber dann auch für alle ohne Ausnahme.. j — Der Bergarvetterstreik. Was will er nun eigentlich.</p>
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          <p>Aus Bayern. Eisners Arbeit für die TWjvchen. Wien, 14. Tez. Infolge der Sperrung des Briefpostverkehrs zwischen Deutsch-Böhmen und Teutsch-Oesterreich ist die deutsch-österrei­ chische Postverwaltung an die bayerische Re­ gierung mit dem Ersuchen herangetreten, die Post über Bayern zu leiten. Ties wurde von der Regierung Eisners verweigert. Desgleichen wurde von der bayerischen Regierung dieDurchsllhr von Material zur Errichtung einer Fun­ kenstation in Teutfcht-Böhmen verboten. 7M Hilfe Eisners für Kramarsch erregt hier das größte Befremden.</p>
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          <p>Oesterreich. Die Tiroler Landesversammlung. Innsbruck, 14. Tez. Ter Tiroler Na­ tionalrat beschloß, daß die aus 40 Mitgliedern und zwar aus 22 .Mitgliedern der Volkspartei, 10 deutschfreiheitlichen und 8 Sozialdemokra­ ten bestehende Landesvecsammlung spätestens bis zum 19. Dezember einberufen werden soll. Tie Landesversammlung hat den Landeshaupt­ mann nebst drei Stellvertretern sowie die aus diesen vier Personen und weiteren sechs Mit­ gliedern gestehende Landesregierung zu wäh­ len.</p>
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          <p>Finnland. Bolschewistische Propaganda. Wie dem "Svenska Tagbladet" aus Helsingsors gemeldet wird, fanden die Behörden an Bord des von Petersburg nach Schweden abgegangenen Dampfers "Jnge.rmanland", der wegen des Sturmes den finnischen Hasen Björiö anlaufen mußte, sieben schwere versiegelte Ki­ sten mit bolschewistischem Agitationsmaterial in englischer, französischer, russischer, beut/; scher und finnischer Sprache. Aus Grund der sofort aufgenommenen Untersuchung wurden fünf Passagiere in Hast behalten, die sich, als Bolschewisten erfDiesen. Es stellte sich her­ aus, daß die schwedischen, von Petersbuyg kom­ menden Tampfer schon längere Zeit von den russischen Bolschewik! dazu benutzt wurden, über Stockholm bolschewistisches Propagandamater'.ul nach Westeuropa zu bringen. Wie schon gemeldet, wurde die Gesandtschaft der Bol­ schewik! aus Schweden ausgewiesen.</p>
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          <p>Die "Westim irrster Gazette" gegen eine« Gewattfriede«. Rotterdam, 13. Tez. Tie Westminster Gazette schreibt: "Tie Wehrpflicht darf nur dann aufgehoben werden, wenn wir einenFrieden durchsetzen sönnen, der vom Völkerbundgedanken beherrscht wird, einen Frieden, bei dem auch unsere Feinde nach! der Wiederher­ stellung der Zerstörungen chren Platz haben werden als Parteien, die dem Frieden bei­ stimmen, und nicht als unterdrückte Missetäter. Tiefer Frieden, der allein die Wehrpflicht zu­ nichte machen kann, darf nicht der Wahlsrie»den der gelben Presse sein und nicht ein Frie­ den mit Zehntausenden von Millwnen Scha­ denersatz und mit endloser Besetzung feindlichen Gebietes, solange seine Schuld noch. nicht getilgt ist .Es darf auch kein Frieden mit endlosem Boykott des feindlichen Handels und mit der Ausschließung der Fremden aus England sein." Tie Daily Mail stellt einen Teil ihres Blattes der Propaganda für die Arbeiterpartei zur Verfügung. Jerome K. Jerome schreibt nun dort: "Weil ich daran glaube, daß der ein­ zige Frieden, der Europa retten kann, der Wilsonsrieden ist, unterstütze ich, die Arbeiter­ partei .Tenn sie ist die einzige Partei, die Wilson unterstützt. Außerhalb der ArbeiterxPartei aber hört man nur Rufe nach, einem' Frieden ,der im Gegensatz zum Wilsonfrieden steht, nach einem Frieden, der von Rache, Ge­ walt, Selbstsucht und Unterdrückungsgeist dik­ tiert ist.Rur die Arbeiterpartei ist während des ganzen Krieges ihrer Idealen treu geblie­ ben, den Idealen, für die wir in den Krieg gezogen sein sollten." Tie erste»» Besprechungen. London, 14. Tezember. (Reuter.) Nach einem drahtlosen Telegramm von Tampfer "George Washington" an Newyorker Blätter werden die ersten, nichtforrnellen Besprechun­ gen zwischen den leitenden Staatsmännern der Alliierten am Ttienstag, Mittwoch und Donnerstag stattfinden. Es ist möglich, daß mit Rücksicht auf andere Angelegenheiten die Zu­ sammenkünfte erst am 3. Januar 1919 wieder aufgenommen werden. Während dieser Pause wird 'Wilson die belgischp, englische, franzö­ sische und amerikanische Front besuchen und Vor den Friedensverhandlungen. auch, einen Abstecher nach Italien macken. — Ter Präsident hofft, daß der Friedensvertrag noch, vor Ende März unterzeichnet wird.</p>
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          <p>England. Lloyd George sprichst. London, 13. Tez. (Reuter.) In einer Rede in London sagte Lloyd George: Wir kön­ nen nicht verlangen, daß Teutschland das, was es uns schuldig ist, sofort bezahlt. Tie erste Schuld, die Teutsch land zu begleichen haben wird, ist der Ersatz der Schaden, die es in Frankreich! und Belgien verursachte.</p>
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          <p>Entschädigungen verlangen. Wenn andere Na­ tionen ihre Rüstungen fortsetzen, müssen wir es auch tun. Zweifellos werden die Behörden die die Entscheidung des internationalen Ge­ richtshofes durchsetzen wollen, noch auf Jahre hinaus Flotten in großem Umfang beanspru­ chen. Bevor die Völker sich nicht aus eine '-vernünftige Beschränkung der Rüstungen ge­ einigt haben, müssen die Vereinigten Staaten bereit sein, eine evenso große Anzahl Schisse, wie irgend eine andere Station zur Seemacht beizutragen.</p>
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          <p>Ein Roman von der Insel Shit von Annh Wothe. 37 ! (Nachdruck verboten.) Durch, den grauen Nebel stiegen einige Leuchtkugeln in weiter Ferne empor, dann ver­ sanken sie in den schwarzen Wogen. "Schiff in Gefahr!" gab Klaas Feddersen, ein breitschulteriger Hüne mit einer dicken, roten Nase, die Pfeife von dem linken in ,. den rechten Mundwinkel schiebend, mit mo­ notoner Stimme zurück. "Es scheint ein Segelboot zu sejn," berichstete Ralph, angestrengt durch, das Glas in die neblige Ferne auslugend. "Gebt her!" Merret entriß ihm das Glas und spähte hinaus. Nichts als Nebel, end­ loser Nebel und Wasser, und plötzlich da. . . wieder ein Licht! "Es ist Jens Jürgens Boot!" rief sie laut. "Ter Mast ist zerbrochen, es treibt aus den Wellen. Mein Kind, wer rettet mein Kind! Erbarmt Euch!" schrie sie, die Knie der Männer umfassend, "rettet meinen kleinen Öls, mein einziges Glück." "Es ist unmöglich!, Frau," sagte der alte Ralph. "Wir koutmen über die Brandltng nicht Versunkene Welten. hinaus, an den Klippen zerschellt unser Boot. Wir haben alle Weib und Kind daheim; es geht nicht, Frau Merret, nehmt doch Vernunft an!" , ( 1 . ' i ) ! ..Seid Ihr denn Männer?" rief Merret wild. "Feiglinge seid Ihr, »renn Ihr mit ansehen könnt, wie ein unschuldiges Kind vor Euren Augen ertrinkt. Geht Ihr nicht, so will ich selbst hinaus, ich will, ich muß mein Kind retten!" "Ist das Weib denn von Sinnen?" wet­ terten die Schiffer wild und rissen Merret, die in ein Boot springen wollte, heftig von dem Ufer zurück, gegen das die Wellen wild an­ strömten. "Bei dem Wetter kommt niemand zurück!" "Seid doch vernünftig, Frau," redete Klaas Feddersen Merret zu. "Ihr wißt doch, daß die Männer der Insel so leicht nicht zu­ rückschrecken vor Not und Gefahr. Hundert Mal haben wir alle schon dem Tod ins Auge gesehen; aber es hieße Gott versuchen, wenn wir es wagen wollten, hinauszufahren." Ihr seid ja herzlose Schwächlinge, erbärmliche Egoisten", rief Merret, verzweifelt bemüht, sich den kräftigen Händen der Männer zu entwinden. "Wenn Ihr nichts wagt, so soll ein Weib Eure Pflicht zei­ gen!" , Ein wüstes Tumelt entstand unter de» Schiffern, die Merret noch immer mit Gewalt zurückhalten wollten. j War geht hier vor?" tönte plötzlich unter dem Brausen der Sturmes eine harte, befehlende Stimme in den Haufen hinein. Ditlef Stöve» stand, gefolgt von Matke» Take», unter der Menge. Der alte Ralph berichtete. Ditlef Stöven hörte stumm, mit unbewegtem Antlitz zu. Jetzt fiel sein Blick aus Merret. Auf ihren Knien schleppte sie sich heran und hob das getsterblaffe Gesicht zu ihm empor. Ihre Arme umfaßten seine Knie. Er sprach kein einziges Wort, aber die harten Männer, die rings im Kreise standen, waren erschüttert von dem stummen Flehen der gebrochenen Frau, deren verzweifelte Angst um ihr Kind ein Echo selbst im Herzen der harten Männer weckte. Ditlef Stöven neigte sich zu ihr hernieder. Einen Herzschlag lang ruhten ihre Augen ineinander, dann löste Ditlef sanft die hin umklammernden Hände. "Geh heim, Merret", sagte er sanft. "Wenn dein Kind lebt, so soll es bald bet dir sein." Merret schluchzte heiß auf und ihre warmen Tränen rannen über seine Hand. Er schob die wei­ nende Frau beiseite und winkte den beiden Burschen, die ihm gefolgt waren und die schon am Werk wa­ ren, mit Masten Takens Hilfe ein Boot flott zu machen. ; , Wortfetzunü folgt.) , , ^</p>
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          <p>Böhmen. Die Tschechen besetzen Ten4fch-Bähmen. Wien, 14. Tez. Wie das "Neue Wiener Tagblatt" mitteilt, sind heute die beiden Städ­ te Tetschjen und Bodenbach von tschechischen Truppen besetzt worden. Vor dem Einmarsch der Truppen wurde den Bürgermeistern der beiden Städte durch einen Kurier ein Schriftt[titif in englischer Sprache überbracht, in wel­ chem ein englischer Major und ein französischer Hauptmann die Mitteilung machten, daß die Abgesandten der Entente am nächsten Tage 6 Uhr früh in der Stadt eintreffen. Tie städti­ schen Funktionäre hätten sich zum Empfang einzufinden. Ties geschah auch. Tie beiden Osstziere kamen im Automobil an und teilten dem versammelten Gemeinderat mit, daß Let­ schen und Bodenbach im Aufträge der Entente von den tschechischen Truppen besetzt würden. Tas nationale Gefühl der deutschen Bevölker­ ung werde aber dabei in keiner Weise verletzt werden. Bald darauf rückten tatsächlich die tschechischen Truppen in Letschen und Bodenbach! ein und besetzten alle öffentlichen Gebäude. Tie Bürgermeister der beiden Städte legten formell Protest gegen die Besetzung ein. T^e Ruhe wird nicht gestört. Für heute 18 Uhr nachts wird die Besetzung Reichenbergs durch die tschechischen Truppen erwartet.</p>
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          <p>Landshut, den 16 Dezember —* Das Eiserne Kreuz wurde dem Gefreiten Herrn Seb. Wackerbauer, Sohn des Herrn Weichenstellers Ernst, und dem Landsturmmann Wolfgang Schütz, Schichmachermei­ ster und Hausbesitzer am Gries hier, ver­ liehen. -r-* In italienische Gefangenschaft geriet der Feldwebel im 35. öftere. JnspRegt. Herr Versicherungsinspektor Hans Wessely von hier, Bruder des Buchpindereifaktors Herrn Wessely hier. - * In amerikanische Gefangen­ schaft geriet der bisher als vermißt gemeldete Unteroffizier des 7. Feld-Art.-Regts. Herr Lud­ wig Münch, Sohn des Herrn Restaurateurs Münchs hier. * Kurt Cisner, der provisorische Mini­ sterpräsident von Bayern, der gestern abends in-einer Volksversammlung hier sprach, über­ nachtete im Hotel Dräxlmair und kehrte heute früh mit Automobil nach! München zurück. * !) 5 Mark wurden gestern einer hiesi­ gen Ttenstmagd gestohlen. f -* 5 Zuchtgänse wurden gestern durch Einbruch aus einem Anwesen an der Regens­ burgerstraße entwendet. 1 Wäsch e im Werte von 000 Mark wurde in e iner hiesigen Wirtschaft gestohlen. • * Ein Hochw asse r von bedeutender Höhe strömte in den letzten Tagen durch, unsere Stadt. Es erreichte gestern früh ß Uhr seinen .Höchststand mit 220 Zentimeter Birketpegel/ So schnell die Hochwasser reile gekommen war, so schnell verschwand sie wieder. Heute früh 8 Uhr wurden bereits 115 Zentimeter Birketpegel gemeldet mit stündlicher Abnahme von 8 Zentimeter. 1 1 * Herabsetzung der Brotration? Tas Reichsernährungsamt trägt sich' mit dem Gedanken, infolge der schweren, fast unmögli­ chen Erfassung der Getreideernte, die kürzlich erfolgte Erhöhung der Brotration um GO Gr. wieder zu streichen. Eine solche Politik: "Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln!" werde, so erklärte Minister Auer im Münchner Arbeiterrat, Bayern nicht gutheißen. Lokales. —* * Eine Frauenversammlung fin- . bet heute Montag abends halb 8 Uhr im Bernloch nersaal aus Veranlassung der Teutschen Volkspartei in Bayern statt. Frau KrämerMünchen wird über das Thema: "Politische Ausgaben der Frauen" sprechen. Als zweite Reserentin wird Frl. Rheinstrvm über "Ju­ gendfragen" reden. Es sind hierzu alle Frauen aus Stadt und Umgebung eingeladen, ja, es ist Pflicht jeder Frau, sich über die Ziele jeder Partei Aufklärung zu verschaffen. Ta an­ schließend an die Vorträge freie Diskussion gestattet ist, kann eine eingehende Klärung al­ ler Fragen stattfinden. Hierdurch aber wird den Frauen Gelegenheit geboten, sich! vollstän­ dige Klarheit über alle politischen Vorgänge zu verschaffen und sich dadurch die politifchje Schulung zu erwerben, die allein sie zu einer freien Ausübung ihres neuen -Wahlrechtes be­ fähigt. Aber nicht nur die Frauen laden wir zur Versammlung ein; auch Herren sind er­ wünscht. Die Politische Gleichberechtigung der Geschlechter bringt eine Menge neuer Tages­ fragen in den Vordergrund, die bisher ausner haben das grüßte Interesse daran, die schließlich Frauenforderungen waren. DieMKnkünstigen Wünsche der Frauen kennen zu ler­ nen. Teshalb sin dauchj sie für den heutigen Abend herzlich, willkommen. —* 1.5 Pfund Marmelade erhalten wir gegen Reservemarke O. —* Bunter Abend. Am 1. Weihnachts­ feiertag veranstalten die auch! hier bestbekann­ ten Dir. Max Linnbrunner und Toni Toms im Bernlochuersaal zwei Vorstellungen und zwar nachm, halb 4 Ahr und abends halb 8 Uhr mit einem großen bunten Abend, der in allen Thei­ len hochinteressant und belustigend zu werden verspricht. Ter Vorverkauf findet bei Herrn Kaufmann Mühldorser statt.</p>
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          <p>Tages-Übersicht. Der Tlovesstos^ In einer von den Spartakus-Leutein in Berlin abgehaltenen Versamm­ lung rowebte mitgeteilt, daß spätestens in 14 Tagen in ganz Teutschland der Generalstreik beginne; es sei alles schon organisiert; in Ber­ lin habe die Liebknecht-Gruppe mehr als 50 Maschinengewehre im Besitz. Mit letzterem Hinweis soll ftohl gesagt sein, wie man sich die Beteiligung der Arbeiterschaft am Streike denkt: Wer nicht freiwillig mitgeht, den zsiingt man. Ueber den Frevelmut, mit dem die Spartakusleute das ganze wirtschaftliche Leben in Teutschland lahm legen wollen, braucht kein Wort verloren zu werden; jedermann ist sich im Klaren darüber, was es heißt, in einem Augenblick mit einem Generalstreik zu spielen, in dem Teutschland, aus tausend Wunden blu­ tend, am Boden liegt. So können nur Leute handeln, die in Teutschland niemals boden­ ständig waren, die deutschfeindlich sind. Um j diesen finsteren Mächten und ihren Gesinnungs­ verwandten Richtungen mit Erfolg begegnen zu können, ist die entschiedenste Abwehr not­ wendig. Sie kann nur erfolgen durch! einen starken Zusammenschluß des Bürgertums. 9Cm sichersten sind seine Interessen vertreten in der Teutschen Volkspartet.</p>
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          <p>Stimmen aus dem Publikum. (Die Redaktion übernimmt für Einsendungen unter dies« jRufinl dem Publikum gegenüber keine Verantwormng.) ' Bon» Fcrkllinartt. Wer den Ferkelmarkt am Freitag den 13. Tezember besuchte, der konnte die Beobachtung machen, wie auswärtige Händler bemüht Ivareu, die Ferkel in aller Eile aufzukaufen, um sie dann so rasch als möglich auch mit Hilfe von Helfern wieder los zu werden. Einsender konnte beobachten, wie einer der fraglichen Händler von einem Bauern das Paar für 90 Mark kaufte und dann sofort 80 Mark für das Stück begehrte. Auch! die Aussichtsorgane wurden aufmerksam gemacht. Es wäre Zeit, daß man einem derartigen Unfug, Wucher und Preistreiberei ganz energisch auf den Leib geht, | denn für den weniger Begüterten, der sich! auch I ein Schwein zulegen möchte, bleibt nur das $ Nachsehen übrig, und wo kommt man hin mit ' solchen Preisen. N.</p>
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          <p>Der Präsident von Portugal er,nordet. Lissabon, 15. Tez. Ter Präsident der Republik Portugal Sidonio Paes ist ermordet worden. Lissabon) 15. Tez. (Reuter.) Ter Präsident wurde von drei Kugeln getroffen. Ter Führer der unionistischen Partei Britio Camacho wurde unter Polizeischutz gestellt. Teutscher Priest. WTB. Berlin, 15. Tezember. (Amtlich.) Gegen die Schließung der Universität Straßburg und die Entlassung sämtlicher Professoren ohne Gewährung von Gehalt und Pension ist in einer der letzten Sitzungen der internationalen Waffenstillstandskommission seitens der deutschen Vertreter schärfster Protest erhoben worden. Tie demokratische Partei für Vorverlegung der Wahlen zur Nationalversammlung. Berlin, 16. Tez. Eine große Versamm­ lung der demokratischen Partei nahm eine Entschließung an, in der jeder Plan, die Rhein­ lande vom preußischen Staat abzureißen, nach­ drücklichst abgelehnt wird. Tie Entschließung tritt gleichzeitig für eine Verlegung der Wah­ len zur Nationalversammlung auf einen mög­ lichst früheren Termin ein. Bergarbeitcrstre tE Oberhaus, 16. Tez. Ter Bergarbeiterstreik hat nunmehr auch! auf die Zeche Al­ staden, der fiskalischen Gewerkschaft Liberia, übergegriffen. Polen gegen Deutschland. Warschau, 15. Tez. Tie polnische Telegraphen-Agentur meldet: Gestern vormittags überreichte der Vorstand der -politischen Ab­ teilung des Ministeriums des Aeußern Tr. Carl Bader in Begleitung des Referenten für deutsche Angelegenheiten Cajetan Mvrawski im Namen der polnischen Regierung dem Grafen Keßler eine Note, in welcher unter Hin! reis auf die Zustände in Oberost, wo die deutschen Behörden den polnischen Staatsinteressen zu­ widerlaufende Handlungen begingen und ge­ meinsam mit den Bolschewiki vorgingen, die polnische Regierung die Ueberzeugung ausdrückt daß weitere Verhandlungen mit der deutschen Regierung zwecklos, ja sogar für die Anord­ nungen in Polen, sowie für die künftigen ge­ genseitigen Beziehungen schädlich toäccn. Aus diesem Grunde steht sich! die polnische Regier­ ung genötigt, die diplomatischen Beziehungen mit der deutschen Republik abzubrechen und ersucht den deutschen Vertreter, unverzüglich mit Hem gesamten Personal der Gesandtschaft die Republik Polen zu verlassen. Graf Keßler erklärte, er werde in der meisten Richtung die Grenze 'des Staates verlassen. Letzte Posten.</p>
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          <p>An unsere Mitbürger in Stadt und Land. Mitbürger, Mitbürgerinnen! Am 13. Januar 1919 soll zum bayerischen Landtag gewählt werden. Von de« Ausfall dieser Wahl hängt alles ab: für jedes Einzelschicksal wie für die Zukunft von ganz Bayern, auch darüber hinaus unabsehbar viel für die Zukunft des Deutschen Reiches, des Deutschen Volkes. Die überwältigende Mehrheit des Volkes, nicht nur das Bürgertum im engeren Sinne, will die Rückkehr von der Ge­ walt zum Recht, von Unordnung und Unsicherheit zu gesicherter Ordnung, von Partei- und Klaffenherrschaft zu demokra­ tischer Freiheit. Die überwältigende Mehrheit will, daß der Auflösung Einhalt getan werde, in welcher, was der Krieg übrig gelaffen hat, die Revolution verzehrt und zerstört; sie will den Wiederaufbau des staatlichen, des wirtschaftlichen, des sittlichen Lebens; sie will die Wiederherstellung der internationalen Geltung, welche das Reich und seine Glieder verloren haben, der Achtung des Auslandes und unserer Selbstachtung. Wird aber aus den Wahlen ein Landtag hervorgehen, der diesem Volkswillen entspricht? Wir wissen es nicht. Aber soviel wissen wir: die Wahlen können nur dann so ausfallen, wie es Bayerns Zukunft verlangt, wenn auch -ns Bürgertum sich auf den vollen Ernst dieser Schicksalsstunde besinnt und wenn nach dem Vorbild anderer Stände auch im Bürgertum jedermann seine Pflicht tut Der letzte Mann, die letzte Frau zur Wahl! Das ist selbstverständlich. Aber es genügt nicht. Der letzte Mann, die letzte Frau, hinein in die Partei, in die Parteiarbeit und nicht zuletzt in die Opfer für die Partei! Darauf kommt es an. Wenn dies geschieht, wird es wieder Tag werden; wenn nicht, so sind wir hoffnungslos, rettungslos verloren. Wir wollen keine neue Partei gründe». Wir verlangen auch nicht eine Verschmelzung der bürger­ lichen Parteien. Rur das eine rufen wir ins Land: jetzt kein Bürger mehr ohne Partei! Keine kleinlichen Bedenken, keine Eigen­ brötelei! Auf die Hauptsache gesehen und auf das Nächste! Und das Andere: keine Zersplitterung. Und das Dritte: unter den bürgerlichen Parteien kein unnötiger Streit! Wenn je. so gilt es heute: Altes vergessen, Neues lernen und vor allem endlich lernen, daß dessen mehr ist, was uns eint, als dessen, was uns trennt. Oder ist es nicht so? Sind nicht alle dringendsten und wichtigsten Forderungen, um die es heute sich handelt, uns allen gemeinsam? Wir erinnern nur an die folgenden: 1. Sofortige energische, durchgreifende Sorge für die öffentliche Sicherheit, fürVersammlungs- und Preß­ freiheit und znm 12. Januar für unbedingte Wahlfreiheit. 2. Sofortige wirksame Abhilfe gegen Vergeudung von öffentliche» Geldern, gegen Verschlendernng und Verwahrlosung von Staatsgut! 3. Auf die Dauer des gegenwärtigen Provifornms Vermeidung aller Eingriffe in das bestehende Rechts», Verwaltungs- und Wirtschaftsleben, soweit es sich nicht um unbedingt nötige und ganz unanfschiebliche, vorübergehende Maß­ nahmen handelt! Kein "neue» Staatsrecht" der Revolution nach dem Diktat der Berliner Bolschewisten! Keinerlei dilettantische Experimente, auch nicht unter Mitwirkung irgend welcher einseitig und willkürlich zusammengesetzten "Rät e" oder eines "Nebenparlaments," von dem ««gleich mehr zu fürchten als zu hoffe» ist! 4. Reichseinheit auf streng föderativer Grundlage! Anschluß von Deutsch-Oesterreich! Kein Uebergewicht eines einzelnen Bundesstaates! Berlin kann und darf nichtmehr derMittelpunkt deutscher Einheit bleibe». Der Reichsbestand ist nicht partikularistisch bedroht, umsomehr aber bolschewistisch. 5. Möglichst rascher Abba« der Kriegswirtschaft, Beseitigung der unseligen Kriegsgesellschaste», Befteiung unserer Wirtschaft in Handel und Verkehr von allen drückenden Fesseln! 6. Wiederherstellung des wirtschaftlichen Lebens, insbesondere der lebenswichtigen Produktion und der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmärkte; Festhält n an den Grundlagen unserer wirtschaftlichen Ordnung (Privateigentum!), gesunde Sozialpolitik, aber nicht die Sozialisierung unseres Staats- und Wirtschaftslebens. 7. Wiederaufrichtung aller durch den Krieg vernichteten und durch die Revolution bedrohten Existenzen, vor allem des gewerblichen Mittelstandes; Wiedereinordnung der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädig­ ten in das Erwerbsleben unter Wahrung und Sicherung ihrer Rechte. Die Kriegsanleihen find unbedingt in ihrem Werte sicherzustellen. 8. Endlich aber verlange» wirfürdenineinemgerechtenWahlverfahrenundinFreiheitgew ä hlte» Landtag die volle, unbeschränkte Souveränität. 'Gr allein hat dafür zu sorgen daß auf demokratischer Grundlage die Staatsform rechtsgültig festgestellt wird. Bon der provisorischen Regierung und ihren "Räten" verlangen wir die bündige Erklärung, daß sie sich den künftigen Beschlüssen des Landtags, vorbehaltlos und rückhaltlos unterwerfen. — In so vielen, in so wichtigen, in allen für die nächste Wahl wesentlichen Dingen sind wir also einig. Wenn wir aber einig sind und wenn das Bewußtsein dieser Einigkeit uns alle erfüllt, dann werden wir auch stark und unbesiegbar sein. Wir bitten Euch, bayerische Mitbürger und Mitbürgerinnen, werbt mit uns überall, an allen Orten und in allen Organisationen, für eine Verständigung innerhalb des Bürgertums. in diesem Sinne. Sie wird in der tiefsten Not unseres Volkes die Erhaltung des Bürgertums, die Erhaltung -des Vaterlandes bedeuten. München, den 14. Dezember 1918. Universitätsprofessor Dr. Fr. W. Frhr. v. Blsslug; Landesökouomierat Aug. Büchner, G.-B.; Rechtsanwalt Hanns Dann; Bank« Direktor Dr. H. Chr. Dietrich; Kammer,lenratLudw. Drexler, G.-B.; Bezlrksfchultnfpektor Hch Eber; Gehetmrat Th. v. Fuchs, Präsident der Kammer der Abgeordnete»; Oberzolltuspektor Ludw. Giehrl, M. d. L ; Prof. d. technischen Hochschule Dr. S. Günther, M. d. L.; Hauptlehrer K. Gut mann, G-B.; Großhändler ».Hartlmater; Sanitätsrat Dr. Jos. Hei gl, G.-B.; Bäckermeister M a t t h. Hofmann, G.-B.; Kommerzienrat H. Ilgen, 1. Vors, des Rabatt-Spar-Vereins Landesverband Bayern; Kommerzienrat Dr. M. Jo dl« bauer, Mag.-Rat; Kaufmann Frz. Kaufmann; Rechtsrat Dr. Ad. Konrad; Malermeister Jos. Letpstuger; Auskunfletbefitzer G. Ltedl; KaufmannAlba« Mayer, G.-B., Vors, des Verbandes bayer. Kolonialwarerthändler, Bankdlrektor Dr. W. Frhr. o. Pech« man»; Kaufmann Ed. Rau; Schultnfpektor a.D.Fr. Rudelsberger; Justtzrat Aug. Rumpf, G.-B.; Bäckermeister K. Sch arnagl, M. d. L.; Rentner G. W. Schenk, M.-R.; Bäckermeister Jof. Schäfer, G.-B., Obermeister der Bäckertanung; »ommer,tenrat I. Schoen, M. d. L.. 2. Vorstand des Gem.-Koll.; Rechtsanwalt PH. Seuffert; Regterungsdtrektor K. Speck, M. d. L.; Oberstleutnant z. D. SpieS; Glafrrmetster A. Wagner, 1. Bors. des Bayer. Haudwerker- und Gewerbebundes; Obermeister Jof. Würz, G.--B. Hnudwirlskammer.</p>
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          <p>nakverfammlung. Diese rufenden Kreise wissen, daß, wenn nicht bald Ernst gemacht wird, das , Reich unter die Bajonette der Entente geraten muß. Daß eine kleine Gruppe entschlossener Leute, wie diese Spartaküsgruppe, wagen darf, täglich Unordnungen zu erzeugen, daß sie öf­ fentlich! ungestraft zum Bolschewismus auffor­ dern darf, erschreckt uns und viele frühere ehr­ liche Freunde Deutschlands. Es ist einfach un­ begreiflich, wie ein so intelligentes, geschultes Volk, wie die Teutschen, sich bei einer Revo­ lution so ungeschickt und dumm benehmen kann, sie werden mit ihrer Unentschlossenheit noch die Republik in Gefahr bringen. Ter Fehler, den Die heutigen Machthaber begehen, liegt einfach, darin, daß sie sich immer noch ni# entschließen können, ehrlich und rückhaltlos eine Demokratie zu schaffen."</p>
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          <p>Inserate.</p>
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