Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-12-18. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 345, 1918-12-18. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 345 18. Dezember 1918 ────────── Danzig gegen die Polen. Bor veu FriedeuSverhandlilngen. — Helgoland soll vernichtet werden. — Ein neuer Prä­ sident in Portugal. — Finnland geräumt. ────────── Von Karl Büttner-Erlangen. 1 s Zunächst eine Vorbemerkung: Es wäre, schon aus technischen Gründen, noch! mehr zum Zwecke der Betonung der deutschen Einheit und Zusammengehörigkeit, besser gewesen, trenn für das Teutsche Reich und für sämtliche deut­ sche Bundesstaaten die gleiche Wahlordnung erlassen worden wäre. Ferner ist die Forder­ ung-, nicht die Bitte, sondern die Forderung zu erheben, daß die Wahlen zur deutschen Na­ tionalbersammlung nicht erst am 16. Februar, sondern spätestens am 19. Januar vorzunehmen sind. Was in Bayern geht, geht im Reiche auch,- Endlich sei die Warnung ausgesprochen,' über die rüayauw,e Anerkennung des künf­ tigen Landtags bezw. Reichstags als der höch­ sten, einzigen und für die gesamte Verfassungs^und Gesetzgebung ausschlaggebenden Instanzen weiterhin zweideutige Aeußerungen zu tun. Wir lassen uns nicht an der Nase herumführen. Zur neuen Wahlordnung in Bayern sind folgende Anmerkungen allgemeiner Art zu machen: 1 j Tie Wahlkreise bleiben wie bisher, heißen aber fortan Stimmkreise. Es werden wie bis­ her Kandidaten für die einzelnen Stimmkreise ausgestellt und die WahHettel des Wählers enthalten nur einen (in Stimmkreisen mit 2 Abgeordneten zwei) Namen. Tvch müssen sichj die Kandidaten vor der Wahl für eine be­ stimmte Partei entschieden haben und von die­ ser Partei dann in einer Liste zusammenge­ faßt sein. Andere Kandidaten als solche, dje [in Listen stehen, dürfen nicht gewählt werden. Ter Kandidat muß gleichsam von der.Partey abgestempelt sein. Ter Wähler gibt also, wenn er den Zettel zur Urne trägt, nicht nur für einen Kandidaten, sondern damit zugleich auch für dessen Partei eine Stimme ab. Taraus folgt, daß jede Stimme für die Partei den gleichen Wert hat, ob sie für einen sicheren oder für einen aussichtsikosen Kandidaten abgegeben wird. Je mehr aber die Parteil Stimmen erhält, desto mehr Abgeordnete bekommt sie. Zuwächst werden nach dem Verhältnis der für die einzelnen Parteien abgegebenen Stim­ men 163 Mandate unter die Parteien verteilt; innerhalb der Parteien kommen die Kandida­ ten in der Reihenfolge der Stimmenzahlen die sie errungen, zum Zuge. Sind die 163 Mandate verteilt, dann werden, ebenfalls nach dem Verhältnis, noch, weitere 17 Mandate, wie­ der zunächst in die Parteien, verteilt. Tie dabei anfallenden Sitze können dann die Par­ teien nach, eigenem Ermessen an solche Kandi­ daten vergeben, welche einerseits bereits in die Liste aufgenommen sind, anderseits aber bei der Berteilung der 163 Mandate leer aus­ gingen. Tadurch, wird es ermöglicht, daß sich die Parteien besonders erwünschte Mtarbei- , Was muß der Wähler von der neuen bayerischen Wahlordnung wissen? ter in der parlamentarischen Tätigkeit sichern, die außerdem vielleicht durchgesaklen wären. Tie Wahlkreis- (jetzt Stimmkreis-)Vorsitzenden haben also umgehend die Aufstel­ lung ihres (in zweimännigen Stimmkreisen ihrer zwei) Kandidaten in die Wege zu leiten. In aussichtslosen Stimmkreisen nimmt man am besten einen von der Vorftandschaft (vom Ver­ tretertag) der Landespartei vorgeschlagenen Kandidaten. Dadurch,, daß ein solcher in meh­ reren, wenn auch, für sich allein aussichtslosen Stimmkreisen ausgestellt wird, kann er auch, zum Zuge gelangen. Tie Hauprsache ist, daß schon jetzt überall, auch, in der rersprengtesten Diaspora, gearbeitet wird, damit am Wahbtage die allerletzte Stimme für die Partei in die Urne gelangt. Es ist nicht mehr so wie früher! Jetzt zählt tatsächlich jede Stimme. Was für die Partes- und Vereinsvorstän­ de gilt, das gilt ebenso für die einzelnen Par­ teifreunde, die Wähler: Mitarbeit, Beitritt zur Partei, Erklären des Programms, Aufklären der Bekannten, Uebernahme von Wahlgeschästen aller Art, wie FlugblättervertgMng u. a. Taneben ist folgendes besonders zu beachten: 1. Alle Bayern, die am 11. Januar 1919 zwanzig Jahre alt werden oder schon älter sind, haben gleiches Wahlrecht, also auch die Soldaten und die Frauen. Alle, die 25 Jahre alt werden oder älter sind, können gewählt werden. 2. Wer von jetzt bis 12. Januar seinen Wohnort wechselt, lasse sich beim Wegzuge eine Bescheinigung darüber geben, daß er in der Wählerliste des alten Wohnortes nicht mehr steht; im neuen Wohnort veranlasse er sofort die Eintragung in die Wählerliste; das kann noch, am 12. Januar geschehen, bei Soldaten sogar dann, wenn sie vorher infolge mili­ tärischer Verhinderung (Bescheinigung!) bis dahin noch, in keiner Wählerliste eingetragen waren. . Am 4., 5. oder 6. Januar müssen alle Wähler und besonders alle Wählerinnen nach­ sehen oder nachsehen lassen, ob ihr Name in den Wählerlisten steht; versäumen sie das, dann besteht große Gefahr, daß sie nicht wählen dürfen. Zum Schlüsse wäre noch zu bemerken: Bis jetzt sind vier Parteien auf den Plan getreten 1. die Teutsche Volkspartei (Teutsche Temokratische Partei), diese vertritt die Interessen aller deutsch- und freiheitlich gesinnten Staatsbürgers, des Arbeiters ebenso wie des Bauern, Handwerkers Kaufmanns und Be­ amten. Sie hat das ehrlichste Bestreben, je­ dem das Seine zu geben und jede wirt­ schaftliche und politische oder kulturelle Be­ drückung zu verhindern. 2. Tie Bayerische Bolkspartei ist das bisherige Zentrum unter der Führung Tr. Heims und Tr. Schlittenbau­ ers. Tas Programm der neuen Bayerischen Volkspartei ist in allen wesentlichen Punkten sachliche das des früheren Zentrums. 3. Tie Sozialdemokratie ist die Partei, der wir die Revolution verdanken. Sie trsit jetzt einig auf, noch vor wenigen Wochen bekämpften sich! ihre beiden Flügel sehr heftig. Ob die Grup­ pen um Liebknecht u. a. auch, zur Sozialde­ mokratie gerechnet werden müssen, wird man vielleicht erst aus der Äandidatenaufstellung erkennen. 4. Tie Mittelpartei setzt sich! wohl hauptsächlich aus den bisherigen Konservati­ ven, den Anhängern bei* Bundes der Land­ wirte und der Vaterlandspartei zusammen. ────────── Kriegs «uinister Scheuch, zurückgetreten. - Berlin, 17. Tez. Auf eine Anfrage beim Kriegsministerium wird dem "Lokalanzeiger" mitgeteilt, daß Generalleutnant von .Scheuch, um Enthebung seiner Stellung gebeten hat, weil seine Bemühungen, dem Offiziers­ korps, das sich! bereitwilligst in den Tienst der Ordnung und der Regierung gestellt hat, Schmähungen, Verleumdungen und Beleidigunggen fernzuhalten, als erfolglos angesehen wer­ den müssen, ferner weil die EEinmischung un­ berufener und nichtsachverständiger Mitglieder bon Soldatenräten usw. in seine Befehlsbefug­ nisse eine ersprießliche Arbeit unmöglich machte. Gegen die rote Kokarde! Berlin, 15. Tiez. Tas Garderegiment zu Kuß hat den Kameraden und anderen Forma­ tionen die rote Kokarde von den Mützen ent­ fernt. Tie Soldatenräte wurden von benv 1. Garderegiment zu Fuß für ausgehoben erklärt. -Ebenso jj)ßt das Garderegiment in Potsdam die Entfernung der roten Abzeichen verfügt Und die Funktion der Sioldatenräte für aufge­ hoben erklärt. — Tie Truppen wollen die de­ mokratische, nicht sozialistische Republik. 1 Ter Reichskongreff der A.- und S.-Räte | tagt zurzeit in Berlin. Bolksbeauftrager Ebect weist aus die Kinderkrankheiten der neuen Republik und die Schwierigkeiten der Arbeits­ beschaffung hin. Er betonte: In Zukunft kann es in Teutschland nur einen Rechtsstaat geben. Das ist der Wille des ganzen Dolles. Je eher wir dazu gelangen, unseren deutschen Bolksstaat auf die feste Grundlage des Willens der ganz»« Nation zu stellen, um so eher wird die deut­ sche Republik gesund und stark werden, um so eher kann sie an die Erfüllung ihrer großen sozialistischen Ziele herangehen. Temokratie Und Nationalversammlung Bieten für die end­ gültige Ueberwindung der Willkürherrschaft dauernde Garantie. Errichten Sie, Arbeiter und Soldaten, hier das große Werk der Freiheft imb der Demokratie, und die deutsche Volksre­ publik wird aller Gefahren Herr werden und einer glücklichen Zukunft entgegengehen (Leb­ hafter Beisall i;nb Händeklatschen). Ein An­ trag, Liebknecht und Rosa Luxemburg als be­ ratende Gäste zum Kongreß zuzulassen, wird abgelehnt. (Großer Lärm Bet einem Teil der Versammlung.) Inzwischen kam ein Zug strei­ kender Arbeiter vor dem Versammlungslokal an. Eine Teputation erschien im Saal und forderte in der Hauptsache eine einheitlich-so­ zialistische Republik, die Uebertragung der gan­ zen Macht an die Arbeiter- und Soldatenräte, -Einsetzung des Vollzugsrates als höchstes Or­ gan der Gesetzgebung und Exekutive, der außer­ dem auch, die Reichsbehörden einzusetzen und tzu ernennen hat, Beseitigung der Vvlksbeauftragten Ebert und Haas« (großer Lärm, Pfutzrufe), sofortige energische Durchführung aller -Einrichtungen zum Schutze der Republik, Ent­ waffnung lier .Gegenrevolutionäre, Bildung einer Roten Garde (großer Lärm), und endchsth Aufforderung an das Weltproletariat zur Schaffung der sozialistischen Weltrepublik. Ter Vorsitzende Richard Müller erstattet dann Be,richt, in welchem er sich gegen wen Rat der Volksbeauftragten wendet, der sW der Kontrol­ le des Vollzugsrates zu entziehen suche. Dittmapn teilte mit, daß das Entlassungsgesuch jSolfs genehmigt, dieser aber noch! im Amte fei. Zur Sozialisierung können jetzt keine Ex­ perimente gemacht werden. Sehr kräftige Tö­ ne schlug Eberts (Essen) an, der meinte: Ter Berliner Vollzngsrat geht den Sozialisten in der Provinz bis an den Hals (Sehr wahr). Wir wessen entrüstet die Zumutung des Bollzngsrates zurück, daß wir hier bis zum 25. Dezember sitzen und täglich! 50 Mark Träten einstecken sollen. (Lebhafte Zustimmung.) ────────── klärung sei zu erwarten. Tie Scheldefrage werde freundschaftlichen Besprechungen vorbe­ halten bleiben. Belgien. BelÄMt ntti> Holland. ' .. Ter Brüsseler Korrespondent des Allgenteen Handelsblad berichtet seinem Blatts daß' die Pariser Pressekampagne gegen Holland in Belgien nicht gebiMgt werde. Besonders Hnismans und Bandervelde seien gegen die Pariser Annexionisten. Eine belgische Regkerungser- ────────── Vor den Friedensverhandlungen. Tie Vorbereitungen für den Friede». Berlin, 16. Tez. Nach! dem Eintreffen Lloyd Georges in Paris Ende dieser Woche Ter kommende Friede» und wie sich ver­ schiedene Ententekreise ich» vorstelle». Genf, 16. Tez. Nach einer Washingtoner Meldung hat die deutsche Regierung durch Ver­ mittlung der Schweiz von den Vereinigten Staaten rasche Mitteilung erbeten über Tatum und Ort der Friedenskonferenz. In Paris rechp net man, daß die Vorverhandlungen einen Mo"nat in Anspruch! nehstren werden und daß also ehestens Anfang Februar die eigentlichen Prä! liminarverhandlungen beginnen können, am I denen Teutschland teilnehmen wird auf Grund der von der Entente aufgestellten Borbedkngungen für den Friedensschluß. Tie Verlängerung des Waffcnst iltstandes. London, 16. Tez. (Reuter.) Ueber die Verlängerung des Waffenstillstandes schreibt die "Daily Mail": Tas deutsche Volk hat te^ nerlei Ursache, sich über die Veränderungen zu beklagen. Es sei sogar mit äußerster Rücksicht ! behandelt worden. Trotzdem scheint die beut« I fche Regierung bereits mit einer Propaganda } gegen »die netten Veränderungen begonnen zu haben. Tie Alliierten würden sich daran er­ innern, daß dies die Bedingungen des Waffen­ stillstandes und nicht die Friedensbedingurch gen seien, die notwendigerweise sehr bersch,re­ den von den ersteren sein müßten. Daraus er­ kläre sich, auch, daß es den deuffchen Schliffen ge­ stattet werden solle, mit deutschen Besatzungen Lebensmittel für die deutsche Bevölkerung aus Amerika zu holen. Eigentliche seien ja diese Schliffe Eigentum der Alliierten, das. nach dem Friedensschluß den Alliierten Mrückgegeben werden müßte, getreu dem Grundsatz, den Eng­ land ausgestellt hat "Tonne um Tonne". Auch! bei den Waffenstillstandsverhandlungen sei Teutschland davon verständigt worden, dah für die angerickhteten Schäden völlige Vergütung gefordert toterben würde. beendet sein werden. Die Hauptkonferenz über den vorläufigen Frieden wird in der darauf­ folgenden Woche zusammentreten. An den Ver­ handlungen wird sich!, dem "Berl. Lokalanz." zufolge, auch, Wilson beteiligen, der das Weih­ nachtsfest bei den amerikanischen Truppen in Trier zu verbringen gedenkt. Ende Januar wird er in London erwartet. ────────── Böhmen. Reichenbcrg von den Tschecho-Slowaken besetzt. 1 Reichenberg, 17. Tez. Heute früh wurde die Stadt Reichenberg von tschecho-slowakischen Truppen besetzt. Tie Tschechv-Slowaken enthoben den Bürgermeister von seinem Amte, lösten das Stadtverordnetenkollegium auf und setzten eine Verwaltungskommiffion, aus sieben Teuffchen und vier Tschechen beste­ hend, ein. Gleichzeitig bestimmten sie, daß die deutsche Volkswehr von Reichenberg binnen fünf Tagen aufzulösen sei. Bald hierauf befestig­ ten die Tschecho-Slowaken unter donnernden Slavarufen weißrote Fahnen aus dem Rat­ hause. Tie deutsche Bevölkerung strömte von allen Seiten herbei, und stimmte in brausendem Ehor die Klänge der "Wacht am Rhein" an, von deren Tönen die tschechischen Slavarufe erstickt wurden. Auch <£yer und Komotau wurden heute von den Tschechen besetzt. i Tages-lleberM * «htteke» abgefetzt. Ter Vertrauensmann iw preußischen Kultusministerium Tr. Wyneken gegen den 7ich eine heftige Opposition geltend mochte, ist bon seiner Stelle enthoben worden. ────────── Tages-Uebersicht. * «htteke» abgefetzt. Ter Vertrauensmann iw preußischen Kultusministerium Tr. Wyneken gegen den 7ich eine heftige Opposition geltend mochte, ist bon seiner Stelle enthoben worden. Trennung von Kirche und Staat. Gegenüber den Meldungen, daß die Durchs fuhrung der Trennung von Kirche und Staat unmittelbar bevorstehe, erfährt die "Rheini­ sche Zeitung" bon zuständiger Seite, daß dies' nicht der Fall sei. Vorgestern habe im Kul­ tusministerium eine besonders zusammengesetz­ et Kommission ihre Arbeiten aufgenommen. Tie Kommission wird die mit der Trennung von Kirche und Staat zusammenhängenden Fra­ gen zu erörtern haben. Bei dieser Kommis­ sion befinden Iich auch eine Anzahl Geistlicher. Amerika» ischj-mexikanischer Zwischenfall. Tie mexikanische Grenzwache in Tampico griff die Besatzung des «merikanischen T«ampfers "Meuterei," an. Tie Amerikaner töteten einen mexikanischen Hauptmann und verwunde­ ten einen anderen Mexikaner tödlich,. Ter Zwi­ schenfall wird seitens der beiden beteiligten Staaten auf diplomatischem Wege erledigt. | Tie neuen deutschen Stenergesetze. i Berlin, 17. Tez. Tie neue und ver| schärfte Krtegsgewinnsteuer wird im Verord. nungswege dekrediert werden, während die an­ deren Steuervorlagen durch- die Nationalver­ sammlung Gesetzeskraft erhallen sollen. Tie Verordnungen dürften in der nächsten Zell er­ scheinen. I Wiedereröffnung des Kapitalmarkits für f Bundesstaaten und Gemeinden. 1 Wie aus Berlin verlautet, wird demnächst eine Verordnung des Reichsschatzamtes den Bundesstaaten und Kommunen den Weg zum Kapitalmartt wieder erschließen und zwar für den Finanzbedarf der Kommunen grundsätzlich!, während den Bundesstaaten durch, das Reichs­ schatzamt die Ausgabe kurzfristiger Schatzanweisungen nahegelgt sterben soll. t I Tie deutsche« Offiziers- «ud Maunschasts- , I Verluste. Berlin, 16. Tez. Nach, den amtlichen Feststellungen sind im Kriege 58 500 Offiziere gefallen. Tie Zahl der verwundeten, erkrank­ ten, erblindeten und siechen deutschen Offiziere > übersteigt, der "Boss. Ztg." zufolge, die Zahl | Von 200 000. I In Ergänzung früherer Mitteilungen über die Höhe der deutschen Verluste im Weltkriege teilen die "P. P. N." folgende authentische ' Zahlen mit: 1 600 000 Tote, 203 000 Vermiß. te, 618000 Gefangene, 4 064 000 Verwundete, t Summa 6 490 000 Gesamtverluste. Erhebliche Einschränkung des PersonenVerkehrs. Berlin, 16. Tez. Tie heute beginnende Ablieferung der 5000 Lokomotiven aus Grund der Bestimmungen des Waffenstillstandes be­ dingt eine weitere Verkehrseinschränkung. Vor allem müssen alle Weihnachtsreisen unterblei­ ben. Auch, alleg)rivaten Reisen werden behörd­ lich, eingeschränkt werden. Tie 5000 Lokomoti­ ven müssen binnen Monatsfrist abgeliefert wer­ den, andernfalls wertere 500 Lokomotiven als Strafe abzuliefern sind. Merlei. Verhafteter Pferdeschieber. In den Bnreauräumen des Bauernrats im Landtag ge­ lang es, einen Händler zu verhaften, der ge­ kommen war, um sich zu "rechtfertigen". Ter Schieber hatte nicht weniger als 92 Pferde zu­ sammengekauft um einen Betrag von 4700 (!) Mark, der größtenteils als Schmiergeld in die Tasche eines Sergeanten geglitten war, der bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnte. Tie Tiere, die der Händler im Garten eines Waldrestauränts unweit München untergebracht hat­ te, konnten mit Ausnahme von 8 Stück, welche bereits weller verkauft waren, beschlagnahmt und enteignet werden. ' ' 1 MtderdinieriW StodMB Aobeneaakkoftn. 17. Dez. (Das Eisern« Kreuz 1. Kl.) wurde dem Artillerieunterofft-, zier Herrn Joseph Braun. Krämerssohn von hier, verliehen. , i ! t •( ’ t ────────── Allerlei. Trennung von Kirche und Staat. Gegenüber den Meldungen, daß die Durchs fuhrung der Trennung von Kirche und Staat unmittelbar bevorstehe, erfährt die "Rheini­ sche Zeitung" bon zuständiger Seite, daß dies' nicht der Fall sei. Vorgestern habe im Kul­ tusministerium eine besonders zusammengesetz­ et Kommission ihre Arbeiten aufgenommen. Tie Kommission wird die mit der Trennung von Kirche und Staat zusammenhängenden Fra­ gen zu erörtern haben. Bei dieser Kommis­ sion befinden Iich auch eine Anzahl Geistlicher. Amerika» ischj-mexikanischer Zwischenfall. Tie mexikanische Grenzwache in Tampico griff die Besatzung des «merikanischen T«ampfers "Meuterei," an. Tie Amerikaner töteten einen mexikanischen Hauptmann und verwunde­ ten einen anderen Mexikaner tödlich,. Ter Zwi­ schenfall wird seitens der beiden beteiligten Staaten auf diplomatischem Wege erledigt. | Tie neuen deutschen Stenergesetze. i Berlin, 17. Tez. Tie neue und ver| schärfte Krtegsgewinnsteuer wird im Verord. nungswege dekrediert werden, während die an­ deren Steuervorlagen durch- die Nationalver­ sammlung Gesetzeskraft erhallen sollen. Tie Verordnungen dürften in der nächsten Zell er­ scheinen. I Wiedereröffnung des Kapitalmarkits für f Bundesstaaten und Gemeinden. 1 Wie aus Berlin verlautet, wird demnächst eine Verordnung des Reichsschatzamtes den Bundesstaaten und Kommunen den Weg zum Kapitalmartt wieder erschließen und zwar für den Finanzbedarf der Kommunen grundsätzlich!, während den Bundesstaaten durch, das Reichs­ schatzamt die Ausgabe kurzfristiger Schatzanweisungen nahegelgt sterben soll. t I Tie deutsche« Offiziers- «ud Maunschasts- , I Verluste. Berlin, 16. Tez. Nach, den amtlichen Feststellungen sind im Kriege 58 500 Offiziere gefallen. Tie Zahl der verwundeten, erkrank­ ten, erblindeten und siechen deutschen Offiziere > übersteigt, der "Boss. Ztg." zufolge, die Zahl | Von 200 000. I In Ergänzung früherer Mitteilungen über die Höhe der deutschen Verluste im Weltkriege teilen die "P. P. N." folgende authentische ' Zahlen mit: 1 600 000 Tote, 203 000 Vermiß. te, 618000 Gefangene, 4 064 000 Verwundete, t Summa 6 490 000 Gesamtverluste. Erhebliche Einschränkung des PersonenVerkehrs. Berlin, 16. Tez. Tie heute beginnende Ablieferung der 5000 Lokomotiven aus Grund der Bestimmungen des Waffenstillstandes be­ dingt eine weitere Verkehrseinschränkung. Vor allem müssen alle Weihnachtsreisen unterblei­ ben. Auch, alleg)rivaten Reisen werden behörd­ lich, eingeschränkt werden. Tie 5000 Lokomoti­ ven müssen binnen Monatsfrist abgeliefert wer­ den, andernfalls wertere 500 Lokomotiven als Strafe abzuliefern sind. Merlei. Verhafteter Pferdeschieber. In den Bnreauräumen des Bauernrats im Landtag ge­ lang es, einen Händler zu verhaften, der ge­ kommen war, um sich zu "rechtfertigen". Ter Schieber hatte nicht weniger als 92 Pferde zu­ sammengekauft um einen Betrag von 4700 (!) Mark, der größtenteils als Schmiergeld in die Tasche eines Sergeanten geglitten war, der bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnte. Tie Tiere, die der Händler im Garten eines Waldrestauränts unweit München untergebracht hat­ te, konnten mit Ausnahme von 8 Stück, welche bereits weller verkauft waren, beschlagnahmt und enteignet werden. ' ' 1 ────────── RottenSurg, 16. Dez. (Kirchenraub.) i silberne, innen und außen vergoldete Meßkelche un t> ein Meßkelch! aus Messing, mit Blumen verziert und ebenfalls vergoldet, sind am 5. Dezember aus der Wallfahrtskirche HZ. Brunn bet Hvhentann entwendet worden. ────────── Bayerische Nachrichten. ®mcit Msner. Ter Fortschrittliche Volks­ verein TaHau hat am 14. Dezember eine Ent­ schließung angenommen, die u. a. folgendes aussprach«: Es ist dringend nötig, mit aller Energie darauf hinzuwirken, daß der Mann, der in seinem politischen Tjlettantismus die Einheit des Reiches aufs schwerste gefährdet hat, baldigst aus der Provisorischen Regier­ ung entfernt wird. Aufs schärfste wird da­ gegen .Protest erhoben, daß ein solcher Wann, nochj dazu ein Nichtbayer, mit der Vertretung Bayerns bei den Friedensverhandlungen be­ auftragt wird. Energisch« wird Widerspruch er­ hoben gegen jene undeutsche Politik, die in würdeloser Geschäftigkeit bestrebt ist, Teutschjland die alleinige Schuld am Weltkrieg aufzu­ bürden, um den Feind milde zu stimmen. Tie Vergesellschaftung, die von der neuen bayerischen Regierung angestrebt wird, soll durch die Ausbreitung des Konsuinvereinswchsens eingeleitet werden. Im Ministerium des Aeuhern werden die Vorarbeiten hiezu be- || reits aufgenommen. , Ti« Arbc itsloseitwersi«cher»«ng. Ter Mini­ ster Unterleitnet hat am Samstag im Winchsner Arbeiterrat die Erklärung abgegeben, daß die Verpflichltung d^s Beitrittes zur Arbeits­ losenversicherung sitr jeden eingeführt werden soll, der nicht mindestens 5000 Mark Jahres einkommen hat. ; Tie Einigung der Sozialdemokratie scheint nach! der neuerlichen Haltung der Unabhängi­ gen Tatsache zu werden. Wenigstens fand aus der Reichskonferenz der Unabhängigen der Vor­ schlag eines selbständigen Eintretens in den! Wahlkampf starken Widerspruch,. Sämtliche Beamte über 65 Jahre sollen dem "Bayer. Kurier" zufolge in Bayern pen­ sioniert werden. Tvr Bayer. Laudessoldatenrat lehnte einen Antrag des Vorsitzenden S--R. Glas, an die ~ - /-xV k. rvt V 1 J in Berlin ein Begrüßungstelegramm zu richf ten, ab. Es wird dann nach« längerer Tebatte die Errichtung eines eigenen Blattes "Ter freie Kamerad" beschlossen. * 1 1 — — | * | ,, ( (Sitte AkademÄer-Kersammluttg der deutschen Volkspartei fand am Montag in München im großen Wagnersaal statt. In diese Versammlung drangen mit Gewehren und Handgranaten bewaffnete Soldaten und Wjatrosen ein, die später auch« die Teilnehmer auf Waffenbesitz untersuchten. Es wird immer netter in Bayern, dem Lande, das sich "voller" Versammlungs-, Rede- und Preßfreiheit er­ freut. u ! In Zeiten, die immer weniger Möglichkei­ ten zur Selbständtgmachung bieten, muß sich dtzr Ruf verstärken, daß die Privatangestellten die Erfüllung ihrer rechtlichen Forderungen und den angemessenen Anteil am Ertrag ihrer Arbeit finden. , 1 Teutsche Volkspartei in Bayern (Deutsche Demokratische Partei.) lebe Person (männlich oben weiblich) kann Mied der deutschen Volkspartei werden, wenn sie das 18. Jahr volllendet hat. ────────── Lokales. La » d « h, I, de» 18. Dezember —* Das König Ludwigkreuz wurde dem Schuhmachermeister Herrn M. Schäfffer Telegiertenversammlung der A.- und S.-Rät^Wbon hier verliehen. * In Geistesstö rung ging heute Nacht eine Frau in der Länd nur mit Hemd bekleidet auf die Straße. Sie wurde ins städt. Kranken­ haus verbracht- I > —* Im Schlafe wurde aus der Fahrt von München hierher einem Arbeiter von Ober­ dorf die Brieftasche mit 95 Mark Bargeld und Arbeitspapieren gestohlen. Ter Tteb ist unbekannt. —* Deutsche VolkSpartet in Bay­ ern (Teutsche demokratische Partei). Heut« Mittwoch, abends halb 8 Uhr im Turnerzimmer des Hotel Bernlochner Zusammenkunft und Be­ sprechung, zu der alle Mitglieder, Gesinnungs­ genossen und Frauen willkommen sind. ────────── das Tach, unter dem die Mutter bei ihrem kranken Kinde saß und sang, bis der Morgen tagte. Ter Sturm hatte stchi ausgetobt. Tie hochgehende See verebbte jetzt friedliche im Mor­ genlicht. > 1 — T i— ■ ! Schwere dunkle Tage zogen über den Düfhvvg herauf. Jens Jürgens, dem der Arzt die Sttrnwunde zugenäht, ging nach! einigen Tagen, in denen er das Bett gehütet, wieder int Hause herum. Mutter Kressen hatte ihn «gepflegt, weil er jede Annäherung Merrets störrisch zurückwies. Zudem hatte Merret Nicht Zeit, sich viel um Jens Jürgens zu kümmern. Ter kleine Olaf lag in heftigem Fieber, und Merret wich« sreder bei Tage noch bei Nacht von seinem Lager. Ter Arzt hatte eine schwere Lltngenentzündung bei dem Kleinen konstatiert. Ein schwerer <%oU war in Jens Jürgens, wenn er des Todfeindes gedachte, dem er sein und seines Kindes Leben dankte. Warum hatte ihn da draußen im entscheidenden Augenblick die Kraft verlassen! Warum hatte er nicht dafür gesorgt, daß Titlef Stöven allein oder mit ihm ein Grab in den Wellen fand! Er wollte nicht leben in dem Bewußtsein, dem Kapitän irgend etwas danken zu müssen. Mer­ ret ging er aus dem Wege. Zuerst, als sie — ob aus Pflicht oder aus Sorge um sein Be­ finden — an sein Lager getreten, hatte er sie schweigend zurückgewiesen. Jetzt, wo sie ganz in der Pflege des Kindes ausging, ihn übersah, wuchs eine tiefe Gereiztheit gegen Merret in ihm empor, und nur seine Angst um den kleinen Olaf hinderte ihn daran, seinen Zorn gegen Merret losbrechen zu lassen. Je mehr sich« die Krankheit des Kindes verschlimmerte, desto feindlicher wurden Merrets Augen, wenn ihr Blick Jens Jürgens traf. Und eines Abends, da hatte plötzlich! Tam Erichs in der Tür der Wohnstube gestanden. Merret, die soeben aus der Kammer des kleinen Olaf trat, hatte ihn tödlich! erschreckt angeblickt. Er hatte ihr beruhigend zugewinkt. "Seid ohne Sorge, Frau Merret," hatte er bestimmt zu ihr gesagt. "Jnken ist wohlgeborgen, und ich bin gekommen, um nach Eurew kranken Kin^ : de zu sehen, von dem mir der Kapitän erzählt hat." "Jens Jürgens," hatte sie in wilder Hast ausgestoßen, "Jens Jürgens, er wird Euch töten." "Nicht doch, Frau Merret," hatte er begültigend erwidert, "mit Jens Jürgens will ich« schon fertig werden. Wie mir mein Kollege sagte, ist es' nicht schlimm mit seiner Wunde, aber d as Kind, Merret, laßt es mich sehen." $ nisterpräsident Eisner heute im Landtage un­ ter dem Beifall des gesamten Hauses mitteilte, das Referendum (Volksabstimmung wie in der Schweiz) sein. 2«r tschechische Verrat im ftrtcge. Wien, 15. Tez. Tie Tschechen enthüllen yunmehr das ganze System ihres Hochverrats. Tie "Narodtti Listh" schildern dieses also: Alles wurde betraten, Truppenb«! egungen, Munitionstransporte, strategische Pläne, die wirtschaftliche Lage, Stimmungen bei Hose, Wnisterbrtese, militärische Geheimbefthle, Statthaltereierlasse, Wasfenbestetlungen, be­ lauschte Telephongespräche, die Börsenlage, ja sogar ganze Seiten aus Notizbüchern österreichi­ scher Minister, und diese Tinge gingen in Ge­ heimschrift über die Grenze, die Originale in den Drähten der Regenschirme, in Einbänden der Bücher, im Griff des Stockes, als Inhalt der Knöpft oder mit unsichtbarer Tinte ans sei­ dene Unterröcke einer Opernsängerin geschrieben oder enimontiert in die Kolben einer Maschine. Gegenüber der österreichischen Bestie war alles erlaubt. Ter Verrat wuchs und nahm über­ hand. Tschechische Aerzte begannen in schreck­ licher Wenge Blinddarmvperatiönen vorzuneh­ men. Erkrankte Soldaten konnten nicht ge­ sund gemacht werden, die Spitäler waren ge­ steckt voll, auf den Klinikett wurden Soldaten beobachiet, deren Krankheiten Eselhaft und unersorschlich waren. Aus den Straßen in Prag wimmelte es von Krüppeln mit einem oder zwei Stöcken, denen die Militärärzte ab­ solut nicht helfen konnten. Unternehmungen reklamierten die Leute aus dem Militärdienst, ob sie sie brauchen konnten oder nicht. Bürger­ meister, Fabrikanten, alles reklamierte, was es nur konnte. Als der österreichische Staat Me­ talle brauchte und sammelte, bekam er um, wenigsten aus Böhmen. Tie Kriegsattleihen wurden nicht gezeichnet, und wer es tun muß­ te, trachtete, diese Papiere so schnell wie mög­ lich! wieder los zu werden. Mt einem Worte: auf ylles, was Oesterreich! von seinen Völkern wollte, antwortete unser Volk mit einem ein­ mütigen Nein! I Wie tief muß die Moral von Leuten ge­ sunken sein, die sich« noch, solcher SWttdljchf« ketten rühmen. • , | Reichstagspyä sident Fehrenbach verzichtete auf die Einberufung des Reichstages, da zu­ nächst ein Bedürfnis für den Zusammentritt des Reichstages nicht bestehe. « "Ach«, Tam Erichs," schluchzte Merret auf, "rettet mein Kind!" [ Er schritt an Merret vorüber durch, die dunkle Holztür in die Kammer, in welcher der kleine Olf mit fieberheißem Köpfchen sich unruhig in der weiten Bettsponde hin und her warf. Mit angstvollen Blicken verföchte Merret jede Bewegung des Tottors, der l as Kind untersuchte. Immer ernster, immer un­ durchdringlicher wurden Tam Erichs Züge. "Ihr habt keine Hoffnung," schrie Merret plötzlich auf, "mein Kind stirbt." "Ruhig, ruhig, Merret! Solange dasKind atmet, solange können wir auch, hoffen." Sr gab kurze, bestimmte Weisungen, sprach! Merret Mut ein, stellte einen Besuch! für morgen in Aussicht und dann fragte er mit scharfer Stiinsme: "Wo ist Jens Jürgens? Ich! will n;cht, daß er denken soll, ichj hätte mich heimlich in sein Haus eingeschlichen. Ich will ihn spre­ chen!" 1 "Um Gottes Willen, Tam Erichs, Ihr wollt ihm doch nicht sagen . . (Fortschun', folgt.) /t~r - - ' ────────── Literarisches. "Der Vortrupp", Halbmonatsschrift fftt das Deutschtum unserer Zeit. Herausgegeben vo» Dr. iur. Hermann M. Popert, Hamburg. e*b Kapitänleutnant a. D. Hans Paasche, Berlin. Verantworlltcher SchriftleUer: Dr. phil. N. 'Kraut, Hambürg. Verlag von Alsted Janssen, Hamburg Preis: Jährlich 8 Mark, vierteljährlich 2 Mark. Einzelnummer 40 Pfg. Der "Baumeister", Monatshefte für Architektrn und Baupraxts, (Verlagsbuchbehandlung ®eorg D. W. Callwey). Das 'Heft ist zum Preist vo» 8—. Mark durch alle Buchhandlungen zu beziehen. "Wachtfeuer" (Architektur - Verkrg "Der Zirkel« G. m. b. H., Berliu, Wtlhelmftr. 48, Pre!» 30 Pfg.) ist das neueste 145. Heft erschienen 2k» freie «ort. Frankfurter Halbmonat». schrift für Fortschritt auf allen Gebieten dcS geistigen Lebens. Herausgegeben von Max Henning. 15. Jahrgang. Heft 19/20. Frank­ furt ' lag gibt auf Wunsch Probehefte gratis ab Huuvefport «uv Jagd. Amtliche Zeit» ltche Zeitschrift des Deutschen Reichsverbander für Polizei- und Schiutzhunde, E. W. mit 28 Unterabteilungen und anderer Verbünd«. ®r» scheint wöchentlich einmal ton Verlage Gnadlach-Meftftld. Preis viertelWrktch 2.26 M. ────────── Finnland g»rA««»t. [ Helsing fors, 17. Tez. Heute reisten die Reste der deutschen Truppen und der Stab des Generals Grasen von der Goltz auf 2 gra­ sten Uederseedampsern ad. Bei der Abreise versammelte sich- eine unübersehbare Volks­ menge und brachte begeisterte Kundgebungen für die deutschen Truppen und für TeutschjLand aus. 1 > ────────── der Wahl zu beteiligen. Niemand dürfe sichs ausschließen. Die Gesttze müßten einen Aus­ gleich- der Wünsche der einzelnen Klassen her­ beiführen. Tie Frauen müssen Helsen, die neue Zeit zu gestalten. Tas Frauenstimmrecht müsse den weiblichen Einfluß aus die Politik sichern. In der Diskussion sprach! zuerst Schauspieler Borstendörfer, der das sozialdemokratische Pro­ gramm hervorhob und Liebknecht, Lenin und die bolschewistischen Ideen, häufig unterbra­ chen, in den Vordergrund stellte. Aus Herrn Schwede rs Rede konnte man nicht klug werden, er erregte aber durch, eine rednerische Eptglep» sung den Unwillen der Frauen. Herr Besk wies daraufhin, daß das Programm der Temo­ kraten schon 1848 geschaffen sei, also viel eher als es überhaupt Sozialdemokraten gegeben ha­ be. Frau Bvrstendörstr bricht für Kurt Eisner unter öfteren Beisalls-- und Mißfaklensäußerungen der Versammelten eine Lanze. Herr Tr. Buhl wies darauf hin-, daß Herr Borstendörfer mit Unrecht das "sozialdemokratische Programm im Munde führe, denn die Lenin, Liebknecht etc. seien keine Sozialdemokraten. Herr Hölldobler erwiderte aus einen Anruf der Frau Borstendörfer. Hieraus nahm Frau Krämer das Schlußwort, in dem sie nochmals die Frauen aufforderte, sich! einer Partei anzu­ schließen und ihr Wahlrecht auszuüben, wo­ rauf die Versammlung, die in ihrem zweiten Teil manche stürmische Szene auslöste, geschlos­ sen wurde. Es ist ein Verdienst der Vorsitzen­ den, daß die Versammlung trotzdem einen wür­ digen Abschluß fand. , - • Stimmen aus dem Publikum. (Die Redaküon übmttmmi für Einsendungen uni« dtq« Aubril betn Publikum gegenüber keine V«antw»Nu»g.) Aur BotWoersam« lang. Zur Zisf. 1 Ihrer "Stimmen aus' dem Pu­ blikum" von gestern bitte ich« hiemit eine Lanze Wr d ie hiesige Polizei brechen zu dürfen, da es sicher den bestehenden Zeiwerhältnissen ge­ rechterwerdend geschehen ist, wenn sie es ver­ mied, in Dienstuniform bei den jetzt so häufig geschehenden politischen Versammlungen zu er­ scheinen. Nicht nur, daß durch ihr Auftreten Sn dieser Aufmachung (Uniform) viel zu sehr an die früheren "Ueberwachungen der politi­ schen Versammlungen" erinnert und damit von vornherein in manchen Köpfen böses Blut ver­ ursacht würde, sie tonnte auch- in keiner Weise Um Sinne der Meinung des Einsenders tätig sein. Es ist ganz sicher nicht Sache der Po­ lizei, von der man doch! mit vollem Rechte verlangt, daß sie in ihren Tiensthandlungen völlig politisch neutral sei, dahin .polizeilich tätig" zu sein, daß ein der Versammlung an­ scheinend mißliebiger Redner zu Wort und zu Gehör kommt. Etwas anderes kann der Einsender nicht im 'Auge haben, da doch trotz Der großen Menschenansammlung keinerlei Aus­ schreitungen vorkamen und somit ein Ein­ schreiten der PvliM picht notwendig erschien. Zur Beruhigung des Einsenders möchte noch gesagt sein, daß ich! mehrere Angehörige der Polizei in Zivilkleidern, ob dienstlich oder dienstfrei anwesend, weiß ich, nicht, unter den Persammlungs-Tetlnehmern gesehen habe. —f_ i t ' * • } Die Francuvrrsammlurrg ( die am letzten Montag abends von der Teutschen Molkspartei in Bayern im Bernlochuersaal ab­ gehalten wurde, eröffnete Frau Professor Humsmel mit einer zündenden Vorrede. Tie erste Meserentin Frau Krämer-München betonte u. ja.: Tie Sozialdemokratie habe ihre Ideen von der Temokratie. Karl Marx hat gesagt, ohne die Temokratie hätte er die Sozialdemokratie nicht ausbauen können. Schon 1832 erließen die Temokraten einen Ausruf: Minner und Mädels, kommt und helft uns. Tas Zentrum hat erst in der allerletzten Zeit sein Herz für das Frauenwahlrecht entdeckt. Tie Rednevin gab dann ein umfassendes Bild der Frauenfftimmrechtsfrage und meinte: Nun haben HM Frauen das Wahlrecht und es kommt daraM an, dasselbe richtig zu gebrauchen, Hand in Hand mit den Männern den Staat neu auszu­ bauen. Politik sei eine schwere Sache und Die letzten Jahre zeigen, daß, selbst die Männer Ahr nicht voll gewachsen waren. Es sei nicht wichtig, wenn man sage, die Frauen haben keine Zeit. Tie Frauen dürfen nur das "Rat­ schen" richtig' verwenden und sich gegenseitig politisch aufklären. Auch in der Ehe sei es Vesser, wenn politische Meinungsstreite andere vielleicht schlimmer wirkende ablösen. Tie Frauen sind aus dem 'Zustand erlöst, der sie Kindern und geistig Minderwertigen gleich! stellt. Erst ein Mensch!, der eine Verantwortung trägt, ist ein ganzer Mensch. Hinter dem Wahl­ recht liegen aber noch weitere Ziele. Tie Frauien sollen einen anderen Ton in die Politik tragen. Tie Unabhängigen geben der Freiheit Kne eigene AÄÄlegung. Me lassen uns in Ver­ sammlungen nicht reden. Hie sprengen die Ver­ sammlungen nach« dem Rezept "und willst du «richt mein Bruder sein, so schlag' ich dir den Mhäidel ein". Tie Frauen werden sich von die­ sen Ultraradikalen nicht anstecken lassen. Ti« Frau braucht die Ordnung. Wie sehr sie diese siebt, das haben wir während des Krieges ge- f sehen, wo die Stadlscqu und die Landsttau alles getan Haben, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Tie Freiheit, die wir meinen, wir demokratischen Frauen, das ist die Mit­ betätigung der Frau im freiheitlichen Staat. Zuerst wollen tojr die Dankbarkeit gegen un­ sere Krieger, die Kriegerwitiven und Krieger­ waisen nicht vergessen. Wir wvllen den heim­ kehrenden Kriegern ein eigenes Heim auf eige­ ner Scholle bieten. Tazu müssen die Groß­ grundbesitzer, die Fideikvmmisse aufgeteilt wer­ den. Tie Fabriken müssen hinaus verlegt wer­ den aufs Land, damit den Arbeitern und ihren Kindern bessere Wohnungsverhältnisse geschaf­ fen werden können. Wir wollen ferner den Heimatboden in der Weise ausnützen, daß wir die Bodenschätze, wie Kohle, Erz und Salz, für die Allgemeinheit und nicht in den Hän­ den Einzelner ausbeuten lassen. Wir wollen aber anderseits nicht alles verstaatlichen, es soll auch dem Tüchtigen Gelegenheit geboten wer­ den, seine Tüchtigkeit zu nutzen. In Rußland habe man plötzlich! Ales verstaatlicht und jetzt schon nach kurzer Zeit hat Lenin zugeben müs­ sen, man müsse von der Verstaatlichung zurückst kommen. Es gehe aus diese Weise nicht. Tie Kriegsgewinne wollen wir ganz scharf heran­ nehmen. Ferner werden wir demokratische Frauen dafür sorgen, daß die Erbschaftssteuer eingeführt, aber nicht blindlings gemacht wer­ de. Es müsse der Verschwendung Einhalt ge­ tan werden. Hier habe besonders das Militär schwer gesündigt. Schuld daran seien aber wir alle, weil pte es uns so lange haben gefallen lassen. Ter Ausstieg des Tüchtige» solle auch . in der Schule gewährleistet werden ohne Unter­ schied des Standes und der Konfession. Unser Erziehungs- und Bildungswesen muß auch- noch immer besser ausgebaut werden. Wir müssen die freie Staatsschuld fordern ohne Beschn-,dung des Willens der Eltern hinsichtlich der religiösen Kindererziehung. Wir brauchen eine zeitgemäße Umgestaltung der Mittelschulen. Ter Religionsunterricht soll zunächst im Rahmen der Schule durchgeführt werden. An einer Ver­ bindung von Kirche und Staat wird die Kirche bei den in einem demokratischen Staatswesen wechselnden Partei-Mehrheiten selbst wenig In­ teresse haben. M«n müsst nicht rufen "die Re­ ligion ist in Gefahr". Tas ist sicher nicht der Fall, wenn die Frauen im Staate mitarbeiten, denn die Frauen sind religiös und wollen ihre Kinder im Wesen der Religion erziehen. Wir wollen auch! sorgen, daß unsere Kinder in gesun­ de Wohnungen kommen, daß die Gesundheits­ pflege eine bessere werde, Mutterschutz, Säug­ lingspflege und die Krnderrechtssrage gelöst werden. Ten Müttern soll die Möglichkeit gege­ ben werden, gesunde Kinder zu gebären, das sei die beste Bevöllerungspolitik. Etwas schlim­ meres als eine Trennung vom Reiche könnte uns nicht passieren, denn alle Teile des Rei­ ches seien wirtschaftlich auseinander angewiesen. Allerdings werden uns wir in Süddeutschland die Vorherrschaft von Preußen nicht mehr ge­ fallen lassen. Wir wollen gut bayerisch! sein und gut deutsch!- Wir brauchen ein großes Reich!, in dem wir auch die Teutsch-Oesterreicher herzlich! willkommen heißen. Wir Frauen wol­ len die Abrüstung und den Völkerbund als Ga­ rantie dauernden Friedens. Tte Republik muß durchs die Nationalversammlung befestigt wer­ den. Hierzu muß jede Frau mitarbeiten und hier kommt es aus jede Stimme an. Heute ist die Stimme eines Fabrikmädchens so viel wert als die Stimme des Herrn Kramer-Klett oder des Herrn Oldenburg-Janu schau. Wir wollen 'aber den Wahlhampf nicht führen, daß wir nach dem Kriege draußen nicht einen Krieg im Lan­ de bekommen. Ter Wahlkamps soll veredelt werden. Wir Frauen wvllen nicht überreden, sondern überzeugen. Wir können auch, auf diese Weise die Minner erziehen. Tie zweite Re­ ferentin Frl. Rheinstrom, wandte sich! an die Jugend, die durch den Krieg zum Ernste erzo­ gen, aus ihren Träumen gerissen worden fq. Sie verlangte u. a. für die heranwachisende weibliche Jugend bessere Wirtschaftsmöglichkeit duvch den Ausbau der Schulen und HochschMen. Im Übrigen stellte sie die gleichen Forderungen auf tote die Vvrrednerin und ermunterte die Frauen, bte mit 1.25 Millionen Stimmen den ©Blutern überlegen seien, sich vollzählig an