Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-12-23. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 348, 1918-12-23. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Tas diplomatische Spiel am grünen Tisch der Friedenskonferenz beginnt, dieses Spiel um höchsten Einsatz, um Völkerschicksal» bei dem wir leider selber ausgeschaltet sind. Zwecklos, sich! irgend einer Täuschung hinzugeben. Auch toemt es uns gestattet sein sollte, mitzureden und sich, Herrn Erzbergers mehr breite als tiefe Beredsamkeit über die Kongreßteilnehmer ergießen würde, so würden wir doch! den Ver­ lauf der Verhandlungen nicht wesentlich! beein­ flussen können. Für uns hängt alles davon ab, tvelche Grundanschauungen auf der Gegenseite siegreich bleiben. Tie Gegensätze sehen wir ganz Deutlich! vor uns. Wir wissen wohl auch im übrigen die Macht der einzelnen Staaten richtig abzuschätzen, aber irgend einen Anhalt für den Ausgang dieses Ringens haben wir nicht. Es hängt zuviel von unvorhergesehenem Zufälli­ gem ab, das man nicht in die Rechnung ein­ stellen kann. Wir müssen uns damit begnü­ gen, als aufmerksame -und leider nur allzu stark tntereffie&e Beobachter diesem diploma­ tischen Kampf zu folgen. Auf der einen Seite stehen die europä­ ischen Verbündeten, deren Hatz gegen Teutsch­ land und deren Ländergier keine Schwanken kennt. Zweifelhaft ist nur, wie weit Engjland die Ansprüche der anderen unterstützt. Daß es sich! die eigenen Taschen füllt, ist selbst­ verständlich!; dies entspricht auch seiner großen geschichtlichen Ueberlieferung. Seinen politi­ schen Maximen würde es allerdings auch, ent­ sprechen, daß es die Bundesgenossen nicht zu mächtig werden läßt und zwischen ihnen strit­ tige Grenzen schasst, doch tun wir gut, unsere deutschen Hoffnungen nicht allzu stark zu ent­ flammen. Völlig undurchsichtig ist die Hal­ tung Japans, das wie im Kriege so auch, im Frieden seinen eigenen Weg gehen dürste und den Streit der europäischen Nationen mit sei­ nem überlegenen Lächeln verfolgen wird. An Reibungen zwischen ihm und Amerika und England ivird es trotzdem kaum fehlen. Sein 'Verlangen nach! den deutschen Südsee-Jnseln stellt eine Bedrohung Australiens dar und d^e !Vereinigten Staaten werden einen Machtzu­ wachs Nippons nach dieser Richtung hin nur mit äußerstem Mißtrauen begleiten. Für uns selbst haben wir wenigstens während der Frie­ denskonferenz von diesem weiß-gelben Zwie­ spalt nichts zu erwarten. So wird Amerika für uns zum entscheidenden Faktor. Unser ^Schicksal hängt heute davon ab, ob es Wilson gelingt, seine Gedanken in die Wirklichkeit um­ zusetzen. Er ist tatsächlich der Einzige, der unser schweres Los erleichtern kann und wohl auch, die Absicht hat, uns zu helfen, um fe^ne idealistischen Ideen durchzusetzen. In dieser Hinsicht ist schon der Anstatt außerordentlich interessant gewesen. Gleich nach, der Ankunft Wilsons in Paris hat im Whssee-Palast ein Frühstück stattgefunden, bei Dem die beiden Präsidenten Reden gehalten haben. Wenn man will, kann man in thuen schon programmatische Erklärungen sehen. Tie Ansprache Poincares atmete ganz den Geists den wir aus den Kundgebungen Clemenceaus und den Handlungen Fochs kennen. Wohl wußte dieser Lothringer auch! von dem Kampf gegen EroberungspMn« zu sprechen, aber er hatte dabei nur die Teutschen im Auge, die er offenbar trotz unseres Zusammenbruches noch immer fürchtet. Schon die sehr merkwürdige Aeußerung, daß Kriege der Menschheit nicht erspart bleiben würden, kennzeichnet den Mann, dessen brennender Ehrgeiz mit die Schuld an dem Ausbruch! des Krieges trägt. Was er er­ strebt, ist ein Frieden der Wacht, auch wenn er dieses Wort vermeidet. Und nun vergleiche man damit einmal die Antwort Wilsons. ES ist fast, als sprächen die beiden Staatsmänner aneinander vorbei. Mit bewußter Absichtlichkeit stellt der Ameri­ kaner den Rechtsfrieden in den Vordergrund. Nicht bloß den Krieg zu gewinnen» war das Ziel, für das die Vereinigten Staaten die Waf­ fen ergriffen, sondern die Aufrichtung der ewi­ gen Grundsätze des Rechtes und der Gerechtigskeit. Mit aller Entschiedenheit wird Betont, daß der Weltsriede gesichert werden müsse und daß nur aus ihm, die Areiheit und das Glück aller Völker beruhe. Wohl spricht auch, er von Bestrafung der Schuldigen, wobei er in erster Linie an Teutschland denkt, aber es ist nicht klar, pb er nur uns dabei im Auge hat. Schält man aus den üblichen diplomatischen Fragen den Kern heraus, so bleibt, wenn man von den üblichen gegenseitigen Beglückwün­ schungen und Freundschaftsbeteuerungen ab­ sieht, nur dieser große unüberbrückbare Ge­ gensatz übrig, der auf der Friedenskonferenz ausgekämpft werden muß. Setzt Wilson seinen Willen durch!, so schrumpfen die Eroberungs­ gelüste Frankreichs und Italiens beträchtlich zusammen. An einer Einverleibung des Saar­ reviers, die Foch mit allen Mitteln erstrebt, wäre dann selbstverständlich! nicht zu denken, auch! die Pfalz, die jetzt die Kultur schwarzer Franzosen aus nächster Nähe bewundern kann, darf dann aufatmen. Ebenso würden sich! den Italienern Grenzen ziehen, was übrigens auch! im Interesse des Friedens liegt, da bei Erfüll lung der römischen Ansprüche ein Zusammen­ stoß trj.it den Slawen an der Adria unvermeid­ lich! wäre. -Auch stienn wir nicht im eigensten Interesse einen Erfolg Wilsons wünschen müß­ ten, kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß nur sein Programm imstande ist, den erschöpf­ ten Völkern Europas den Frieden zurückzu­ geben. Jeder Versuch!, Nationen zu unterdrüc­ ken, führt mit Naturnotwendigkeit zu neuen kriegerischen Verwicklungen. Wir haben es oft genug erlebt, wie in den Friedensschlüssen der Keim zu neuen Kämpfen gelegt worden. Man braucht nur an die Beschlüsse des Wiener Kon­ gresses erinnern, der sich, als eine Trachensaat der Zwietracht erwiesen hat. Selten ist eine derartige Verantwortung in die Hand eines Mannes gelegt worden. Keiner der großen Welteroberer, weder Alexan­ der ^och Cäsar, noch Napoleon, haben je das Bölkerschicksal so entscheidend beeinflussen kön­ nen, wie dieser Geschichtsprofessor, den der Zufall in einem der größten Augenblicke der Geschichte auf den wichtigsten .Platz der Wensichf- heit stellte. Nichts aber kann uns darüber? hinwegtäuschen, daß sein Kampf ein außerge­ wöhnlich, schicerer wird. Neid, Habsucht und Rachegier lehnen sich gegen ihn auf. Siegen! sie, so bedeutet das nichts anderes, als daß wir vor neuen Kriegen stehen. ────────── missare und Klofievamter aufgefordert, dem Ministerium baldigst Vorschläge für die Bil­ dung selbständiger Gemeindebezirke zu ma­ chen. Selbständige Gutsbezirke sollen vermie­ den werden. Tie schon bestehenden Schulen !und andere Zwcckoerbände werden als Grund­ lage für den Aufbau der neuen Gemeinde em­ pfohlen. Tie Großgüter sollen überall mit den benachbarten Bauerngütern und -Häfen zu­ sammengeschlossen werden. Tas ist richtig, das .entspricht den Anforderungen der Zeit. , f Wann wird Preußen folgen? \ Liebknechts Teinonsirationcn. Berlin, 21. Tez. Tie heute erfolgte Beisetzung der am 6. Dezember bei den StraKenWmpsen ums Leben Gekommenen wurde von den Spartakusleuten zu einer Kundgebung benützt. Man sah in der Menge vielerlei Bil­ der: Soldaten, schießt nicht wieder auf Eure Klrbeitsbrüder! — Vier Jahre haben sie ge­ litten, sie standen wie ein starker Fels, dann haben sie den Tod erlitten durch, den Berliner Bluthund Wels! ; 1 Teutscher Grenzschutz im Oste». , 1 Liegnitz, 20. Tez. Zur Sicherung der deutschen Ostgrenze gegen den Einfall polnischer Banden ist heute eine Verstärkung für den Mtmatschutz-Ost abgegangen. In unterrichte­ ten Kreisen wird die Nachricht, daß eine Ge­ währ sür die Provinz Schlesien vorliegt, nicht bestätigt. i '' i | i Tie Bilanz des Tauchkootskrieges. . Basel, 22. Tez. Aus Paris verlautet, daß nach, der nunmehr fertiggestellten Bilanz über den Tauchbootkrieg die feindlichen Tauch­ boote 15 033 786 Tonnen Handelsschiffsraum aller Nationalitäten versenkt haben. Tie b'rttische Handelsflotte allein hat 9 631828 T. verloren. Tiefe Verluste wurden zum Teil durch! Neukonstruktionen ausgeglichen, ebenso durch, Kaperung und Beschlanahme feindlicher schisse. Insgesamt wurde die Welttvnnage ge­ genüber derjenigen vor dem Kriege um !1811584 Tonnen vermindert. Die Bedürfnisse seien jedoch^ beinahe verdoppelt worden. Ter Zusammentritt der deutschen NationaLversammlung. 1 Berlin, 21. Tez. Tie Tagnngsdauer der Nationalversammlung wird, wie der Geh. Oberregierungsrat Schultze vom Reichsamt des ' Dnnern in der Zeitschrift "Tas demokratische Teutschland" mitteilt, auf mindestens acht Wojchen geschätzt. Wo die Nationalversammlung Zusammentritt, ist noch, unbestimmt. Der Zu­ sammentritt kann nicht unmittelbar nach der Wahl erfolgen, weil das amtliche Wahlergeb­ nis erst am 25. Januar festgestellt wird. Nach der Feststellung des Wahlergebnisses läuft noch, eine weitere Frist von einer Woche, in der sich die Gew'ählten über die Annahme der Wahl Zu entscheiden haben. Tanach wäre nicht vor Klnsang Februar mit dem Zusammentritt der Nationalversammlung zu rechnen. | \ i ■ ■ Polnische Ansprü che. ! " f U Berlin, 22. Tez. Die Ansprüche Polens aus ewrtvolle deutsche Gebietsteile im deut­ schen Osten sind von großem Ernste. Insbe­ sondere ist, wie der "Vorwärts" sagt, die Ge­ fahr in größter Nähe, die den deutschen Besitz .des oberschlesischen ,Polengebiets von polnischer Seite bedroht. In Ostsachsen wird unter den ländlichen Bewohnern eine starke tschechische Propaganda betrieben. Durch, Aeußerungen der dort weilenden französischen Offiziere wird man zu der Vermutung getrieben, daß eine Besetz­ ung sächsischer Gebietsteile bereits eine beschlos­ sene Sache ist. ff.- ! ────────── ordneten Tittoni, welcher der italienischen Kom­ mission angehört, die aus Triest hier ange­ kommen ist, um wegen des Heimtranspvrtes italienischer Kriegs- und Zivilgesangener wei­ ter zu verhandeln. Tittoni meinte, Trjest habe kein Hinterland mehr und deshalb auch seine Bedeutung als Handelshafen verloren. Seine Zukunft liege in der Schaffung einer großen Industrie und int Schiffbau. Gegenwärtig wer­ de ein reger Schiffsverkehr mit Venedig, Anco­ na und Brindisi gepflogen. Tie Pläne über die Znternationalisterung Triests bezeichnete Tittoni als Versuchsballone. 1 Tschechenausschveitungen in Brünn, i Brünn, 20. Tez. Tschechische Soldaten und Zivilisten fahren fort, die deutschen Fir­ menschilder herunterzureißen und zu beschädi­ gen. Ter deutsche Verwaltungsausschuß legte dagegen Protest ein und bricht« mit weiteren Beschwerden in Prag. Oesterreich. I Französischer Oberbefehl in Cattara, ! - 1 Spalato, 20. Tez. In Cattaro Ist ein ifranzöstscher General angekommen, der den Oberbefehl über die Ententetruppen in Cattarv und Montenegro übernommen hat. .11, { I | Me Zukunft Triests. I ' i 1 ' Wien, 20. Tez. Tie Wiener Allgemeine UektuNg veröffentlicht eine Unterredung eines Wrer Vertreter mit dem italienischen Mbgq- ────────── Frankreich. , Französisch^- italienisch« Pläne. . 1 I Genf, 20. Tez. Während Clemenceaus Organ mit Rücksicht auf Wilson die sranzösischp italienischen Pläne nur ganz vorsichtig an­ deutet, geht aus den Blinksprüchen zwischen Poincare und König Emanuel deutlich, hervor, daß die beiden Mächte im Begriffe sind, die Einzelheiten des wirtschaftlichen Abkommens festzustellen, mit dem Hauptzweck, Teutschland und Oesterreich, auch nach dem Krieg toetter i einzukreisen. i ────────── England. I England baut weiter Kriegsschiffe, i Rotterdam, 20. Tez. Auf eine An­ frage, ob die Wersten in Portsmouth, die bis­ her für den Bau von Kriegsschiffen verwendet wurden, nunmehr nach, Kriegsschluß nicht für den Bau von Handelsschiffen verwendet wer­ den könnten, erhielten die Fragesteller von den zuständigen Stellen die Antwort, daß dies nicht möglich! sei, da die Arbeiten für die Kriegsma? rine in absehbarer Zeit nicht eingestellt wer­ den könnten.. Auch, sei ein neues Marinebau­ programm emttoorfen worden, sodaß an den Bau von Handelsschiffen auf den Werften von Portsmouth nicht gedacht werden könne. ────────── Türkei. Ti* Türkei < f soll nach, einem Telegramm der Züricher Movgenzeitung sich, mit dem Gedanken tragen, den Staatsbankrott anzumelden. ────────── ; ! Ausstand. I ' Beuthen t. Oberschilesien, 22. Tez. Ter Ausstand in der Schamottengrube bei Rybnic ist beendet. T>Ie Arbeit auf sämtlichen ober­ schlesischen Gruben ist wieder doll im Gange. Wettlnftpost. Amsterdam, 20. Tez. Tas niederlän­ dische Pressebureau Radio meldet, daß, so­ bald der Frieden unterzeichnet und die Behin­ derungen für den Luftverkehr aushören, der Lustverkehr für Passagiere, Postpakete usw. über alle Teile der Welt entwickelt werden wird. Tse Flugzeuge werden mit drahtlosen Sta­ tionen ausgerüstet werden. i i ────────── Zwischen zwei Neuern. Einige Tage vor Ausbruch« der Resolu­ tion fand in München eine große Versamm­ lung statt, in der Tr. Müller-Meiningen sprach!. Auchj Herr Eisner war in dieser Versamm­ lung erschienen und trat als Diskussionsrede ner auf. Tr. Müller-Weiningen warnte ihn damals vor den Folgen seiner aufreizenden Tätigkeit und sagte ihm, daß ihm eines Tages die Wellen, die er beschwöre, über dem Kops zusammenschlagen würden. Tiefer Augenblick scheint jetzt da zu sein. In einer Versamm­ lung, hie der Spartakusbund am Tonnerstag in München abhielt, richtete er einen fast ver­ zweifelten Appell! an die "Vernunft". ßt habe als Minister die größte Sorge, wie man Arbeit, Kohlen, Lebensmittel und Frieden schasse, während man tagtäglich in Versamm­ lungen ein und dasselbe sage. Unverständlich! sei, wie man heute vom Massenstreik reden könne. Tas erste Blutbad, das komme, sei das Ende der Revolution. Ta es die Spartäkrtsleute ablehnten, die Reden Eisners weiter an­ zuhören, so schloß er: "Ich- kämpfe nicht mit dem Radau. Kein. Wort werden Sie mehr von mir in einer von Ihnen einberufenen Ver­ sammlung hören." Tamit verließ er das Lokal. Tie Bekehrung" des Herrn Eisner ge­ schieht unter einem unwiderstehlichen Zwäng, hat daher natürlich« nicht den geringsten Wert. Er sieht, daß er zwischen zsvei Feuer geraten ist, zwischen die Ordnungsbestrebungen und die Anarchie, die er aber selbst beschworen hat. Tie Nottalvr Bauern und die Bayerisch!« BoMpartei. 1 In den Kreisen des ehemaligen Zentrums scheint man zu früh gejubelt zu haben. Be­ kanntlich! wurde dieser Tage mitgeteilt, daß aus Anraten des Reichstagsabgeordneten Bau­ er die bündlerischen Wähler des Wahlkreises Pfarrkirchen zur Bayerischen Vvlkspartei abge­ schwenkt seien. Nunmehr hat am 18. Tezember in Pfarrkirchen eine Versammlung des Bau­ ernbundes stattgefunden, bte den von Bauer gebung des Eisnerschen Ministeriums macht geflissentlich! aus den Worten Schmids etwas anderes und legt ihnen die Behauptung unter, es sei von Schützengräben die Rede gewesen. Tas sek "blödsinniges Gerücht". Es handle sich! um den Umbau eines Stallgebäudes für Wohnzwecke. Wie zuverMssig mitgeteilt wird, bestehen diese "Wohnzwecke" darin, daß in den Räumen des bisherigen Stalles eine Wach­ stube eingerichtet wird. Ed. Schmid hat also durchaus nicht so unrecht gehabt, wenn er Herrn Esiner die militärischen Maßnahmen zum Schutz seiner Person vorgeworfen hat. | Tie Teutsche Boikspartei und das Verhältnis , i von Kirche und Staat. , j ' j In einer Sitzung der Teutschen Volkspartei Augsburg wurde die Frage erörtert, wie sich! künftig das Verhältnis von Kirche und Staat wohl gestalten werde, eine Frage, die jetzt viele Gemüter bewegt. ! I j ' i : . Tie Erörterung ergab die einmütige Bil­ ligung folgender Richilinien: i 1. Tie Teutsche Vvlkspartei steht aus dem Boden voller Glaubens- und Gewissensfreiheit. Sie tritt ein für die staatsbürgerliche Gleichbe­ rechtigung der verschiedenen Religionsgemein­ schaften und für religiöse Tuldsamkejt. 2 .Tie Pflege der hohen sittlichen Werte der Religion und eines wahrhaft religiösen Geistes sehen wir als ein unantastbares Grundrech! t an, nicht minder wie die Frei­ heit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. 3. Dementsprechend muß bei der Abgrenz­ ung der staatlichen und kirchlichen Befugnisse die weitestgehende Rücksicht aus die religiösen und kirchlichen Bedürfnisse der Bevölkerung genommen werden, bei aller Wahrung der staatlichen Hoheitsrechte und bei aller .Abwehr Bayerische Nachrichten. | angeregten Beschluß aufhebt. Tie Bersamm»lung vom 18. Tezember stellte sich! einmütig wieder auf den Boden des Bayerischen Bauern­ bundes. — Es scheint, daß die Panik, die in den ersten Wochen nach» der Revolution Ange­ hörige verschiedener Parteien ins Lager der Bayerischen Volkspartei! hineingetrieben hat, allmählich! schwindet. ! » I ; ' , Wieder ein neues Wnisterinm. Seit Ausbruch! der Revolution haben wir in Bayern ein achtes Ministerium, das für soziale Angelegenheiten. In nächster Zeit soll ein neuntes, ein Landwirtschastsministerium, errichtet werden, dem bald ein zehntes, ein Handelsministerium folgen soll. Gelegenhei­ ten genug zur "Wahrung von Personalien"! Ter "Stall" tat Ministerium des Aeußern. Ter sozialdemokratische Abgeordnete Ed. Schmid hat bekanntlich» am Mittwoch' tat Na­ tionalrat seinem ehemaligen Genossen Eisner vorgehalten, daß er mit Aufwand von 5000 Mark Schanzwerk und Barrikaden im MiUf- E“ ÄJiSLXÄ s Ä sreiheitsfeindlichjer, klerikal-politischer Wacht« bestrebungen. Ten kirchlichen und religiösen Gemeinschaften muß das Recht freier Reli­ gionsausübung voll gewahrt werden, gleichviel ob die Trennung von Kirche und Maat itt rein rechtlichem Sinne kommt oder nicht. Er­ folgt diese Trennung, so muh den Kirchengemeinschästen eine weitbemessene Uevergangsizeit unter Fortgewährung der staatlichen Bei­ hilfen gelassen werden, damit sie sich, den neuen Verhältnissen anpassen können. ; ; . i 1 4. Tie Schule sehen tote als eyte Angele­ genheit der Volksgesamtheit an. Me unter­ steht daher einer' staatlichen Fachaufsicht, an der die Religionsgemeinschaften in geeigneter Form zur Wahrung der religiösen Interessen beteiligt werden können. Ter Religionsunter­ richt muß in der Schule nach dem Willen der Eltern erteilt werden, ohne dag dabei ein staatlicher oder gemeindlicher Zwang auf irgend jemanden ausgeübt wird. ÄtW den weltlichen Lehrern muß das Recht bleiben, sW an der religiösen Erziehung und Unterwei- E“ ÄJiSLXÄ s Ä gemeinschasten Zu beteiligen. An Orken mit geschlossenem religiösen Bekenntnis oben mit ausgeprägter Mehrheit eines bestimmten Be­ kenntnisses soll bei AnsteUung dev Lehrkräfte aus die Zugehörigkeit der Lehrer zu der betr. Kt rchen gemein schast nach Wunsch» de» Eltern­ schaft Rücksicht genommen werden. ! 1 I Ti« Tezemverzutäge für die PenftonSstett. ’ München, 21. Tez. Tße Ministerialent­ schließung für die Tezemberzulage an bte Pen­ sionisten ist bereits bei den einzelnen Ministern zur Unterschrift tat Umlauf. Es ist, so wird uns versichert, infolge der Knappheit der Zah­ lungsmittel nicht möglich gewesen, die Sep­ temberzulage zu erhöhen. Für bte Dezemberzulage kommen demnach» bte gleichen Sätze wie bei der einmaligen Septemberzulage zur Aus­ zahlung. Tie amtliche Bekanntgabe bürste noch vor Weihnachten erfolgen. » [ ! ’ » ; 1 I ; ────────── türlich nicht, Jens Jürgens, »as es heißt, de» Kelch der Schmerzen bis zur Neig, zu leeten, btt kennst nur dich und dein« Wünsche; ich aber dacht« an Olf und dich. Ich wollte versuche«, aus de« Trüm­ mern des zerbrochene« Vertrauens eine neue Well für uns zu zimmern, eine kleine, enge, bescheiden« nur, in der ich geben immer wieder gebe» muß. Gott weiß," fuhr Merret erhobenen Toner sott, und wie rin stiller Glanz legte es sich über ihr blasses Erficht, mit den leichten Schmerzesfall-n n« de» Mund, "daß mein Wollen gut und mein Denke« rein war, daß tH nichts wellte, als «eine Pflicht erfülle», als Gattin und als Mutier." - "Merret . . Jens Jürgens sprach e» leise und schüchtern. Dieses Wetb da, das so hech und herrlich wie von Glanz umflossen vor ihm stand, -sprach keine Lüge. War er wirklich ttn Blinder Tor gewesen, konnte nicht doch alles wieder gut werde»? Der grenzenlose Egoismus in Jens Jürgens regte sich sofort, bte weiche Stimmung Merrets für sich zu nützen. "Nein fei aber vernüftig, Merrtt," mahnt, er, "ich glaube dir ja, und wenn der Ka­ pitän erst fort ist, dann wird dt« alte Geschichte ja bald vergesse» sei». Ich bi» einmal ei» bißchen heftig und etsersichtig, na ja, eifersüchttg bin ich auch. Es ist ja traurig, daß wir den Jungen ver­ lieren mußte», aber sie, die Zukunft kaun uns noch andere Kinder bescheren . . i ii i 11 Btoiei* wj mtm Versunkene Welten. 1 Ha Rürmm blan öee Insel W VW ]£] r | in ET1KHR& Wvkhe< m iwm 43 11 r) [ H ! iMWMkck verbüken.; ' Jens Jürgens stockte. Sine tiefe Röte flammte! über fein Antlitz. Verfluchtes Ungeschick, das ihn sagen ließ, was er eigentlich' verschweigen wollte Mit erschreckten Augen hatte ihn Merret ange­ blickt. Jetzt lachte sie rose wahnsinnig auf. "So hat Karltnken recht gehabt," schrie sie rolld, "der ei­ gene" Vater hat sein Kind gemordet. Geh' fort, rühr' mich nicht an, sonst vergesse ich, daß du der Vater metueS Kindes bist, dessen Leben du leicht­ sinnig aufs Spiel setzest, um deiner lächerlichen Eifer­ sucht Genüge zu tun." Jens Jürgens war bis an die Lippen erblaßt Es war ihm, als sinke ihm der Boden unter de« Füße». "Willst btt leugnen, daß es nicht nur Juken war, die dtch zu dem heimlichen Ausflug trieb? Gestehe!" brüllt, er Merret plötzlich an, "gestehe deine Schuld, oder ich zeige dir daß ich Macht über dich habe!" Merret lächelte verächtlich. "Macht," entgegnete sie und schob den näher tretenden Jens von sich, "du irrst, deine Macht über mich ist gebrochen. Sie zerbrach in Stücke, als es mir klar wurde, daß du aus niedriger Rachsucht mir das Ktnd genom-' men." ! ; "Noch ein Wort, Weib, und ich vergesse mich!". ' Schlage doch! Was fi»d die körperlichem Mißhandlungen gegen die jahrelangen, die du mei­ nem Herzen zugefügt? Sie könnten kaum dem Bilde der Erbärmlichkeit, das du mir geschaffen, noch etwas Schlimmerer hinzufügen." f »Du schweigst," schrie Jens Jürgens jetzt wild. «Willst du leugnen, du Pflichtvergessene, Ditlef ©tönen getroffen zu habeni" "Nein, ich leugne nichts. Ich habe thn auf List gesehen und gesprochen, ich habe ihm sogar gesagt daß ich nie aufgehört habe, ich ihn bitte, mir mei­ nen Treubruch zu verzeihen." f Jens Jürgens knirschte vor Zorn. "Erbärm­ liche Kreatur." keuchte er, die Hände vor Zorn und Wut ballend und Merret wieder dicht gegenübertreteud" ich könnte dich vor Wut niederschlagen." "Tu's doch, Jens Jürgens, eine mehr oder weniger, das macht Euch Jürgens doch nichs aus. Aber du irrst, wenn du meinst, ich hätt, Ditlef Stöven da draußen auf Verabredung in den Dünnen geltes» fett. Dein, niedere Gesinnung, die uns beide scheidet, sieht eben nur alles in einem Acht. Ich hab» dort drüben in List Abschied genommen fürs Leben von Ditlef Stöven. 6t hat mir versprochen, dem Hel­ hoog den Rüke» zu kehren, damit ich frei werde von der Schuld, dl» meine Seele quält. Du weißt na­ ────────── Letzte Posten. AnS der WasstnMlsiaudÄomm ission. Berlin, 20. Tez. In der Sitzung der internationalen Wasfensttllstaudskommission vom 20. Tez. in Spaa wurde von dem Vertre­ ter der deutsche» Regierung eine Note über­ reicht, nach, der die norwegische die britischje. Regierung gebeten hat, 6 deutschen, sich in Hekstngfors oder auf dem Wege dorthin be­ findlichen, mit norwegischen, gemäß dem ame­ rikanischen Abkommen zur Ausfuhr freigegebe­ nen Mschpvodukten. beladenen und außerdem einigen deutschen in deutschen Häfen noch! lie­ genden mit Rohmaterialien für Norwegen bela­ denen Dampfern Geleitscheine bis zum Bestim­ mungsort zu erteilen. Im Interesse der Le­ bensmittelversorgung Deutschlands wurde die­ ses Ersuchen von der denttchen Regierung un­ terstützt. | j :'i f- | ! Ein deutscher Proteste ! Berlin, 22. Dez. Ter französische Block­ kommandant von Höchst o. M. ordnete an, daß, der gesamte Verehr zwischen besetztem Gesbiet und der neutralen Zone, also auch! zwischen Höchst und Frankfurt a. W-, völlig gesperrt wird. Alle erteilten Pässe sind für ungültig erklärt worden. Tie Franzosen rissen in der Grenzstadt Nied die Schienen aus. Dadurch entsteht in den Vororten von Frankfurt a. Min kürzester Frist Arbeitslosigkeit. Tie frank züsische, Besatzung ordnete gleichzettig die Ge­ stellung von Geiseln an, welche für Wohlverhal­ ten der Arbeiter Gewähr leisten sollen. Ge­ gen diese Anordnung, die zum Wortlaut des Waffenstillstandes in Widerspruch steht, ist Pro­ test erhoben worden. Tie deutsche Waffenstill­ standskommission. { . : ' Militärischer Protest, j Berlin. 22. Tez. 8000 aktive Unter­ offiziere und ß Offiziere usw. in Kiel haben durch! eine Teputatton bei dem Kommandeur von Kiel Roske schärssten Einspruch gegen den Beschluß des Rätekongresses bezüglich der Ab­ legung der Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen eingelegt und Unterstützung der Regierung ver­ langt, damit der Beschluß nicht zur Durchfüh­ rung kommt. In Kiel herrscht über diesen Beschluß des Rätekongresses größte Erregung. Die Bereinigung von Serbien und Mm» > ,. : teuegro. ; , , > . Agram, 22. Tez. Delegierte der mon­ tenegrinischen Skupschtina notifizierten gestern in Belgrad formell die Bereinigung Montene­ gros mit Serbien. | | i |I Teutsche BoWpartel in Bayern. , j (Teutsche demokratische Partei.) ! i Am Samstag beMnn in Nürnberg die Telegiertenversammlnng, die Tr. Hohmann-Wstnchen leitete. EEs wurde beschlossen, von einer , angeregten Aenderung des Namens unter stär­ kerer Hervorketzhrung des demokratischen Prin­ zips vor den Wahlen Abstand zu nehmen. Hier­ aus wurde der Anschluß an die Teutsche bentw irakische Partei i mReiche beschlossen. Zur Kandidatenaufftellung referierte Oberbürger­ meister Dr. Geßler über die künftigen Ausgaben der Nationalversammlung. Tas erste und wichstigste wird die Bestellung einer gesetzmäßigen Regierung sein, und da entsteht die Frage, in wie weit die jetzigen Machthaber bereit sind, sich der Volksstimmung zu fügen. Von außer­ ordentlicher Bedeutung ist auch die Frage des Präsidiums des Nationalrates. Er besprach die gegenwärtigen Verhältnisse und stellte am Schluffe folgenden Antrag: : -- ; "Ter Parteitag der Teutschen Volkspar­ tei in Bayern fordert, daß die neue pandtagsfraftion den neuen Verhältnissen volle Rechinung trägt durch ihre Stellung zu den einzeh neu politischen und wirtschaftlichen Fragen. Er fordert weiter als selbswerständliche Erfüllung der Temvkratte, daß die Fraktion shchl bei allen wichtigen Fragen mit dem Vorstand der Partei in Fühlung setzt und, falls keine Einigung zwischen Fraktion und Vorstand erzielt werden sollte, auf Beschluß des Vorstandes diese Frage einem Parteitage unterbreitet. Ferner setzt der Parteitag fest, datz der erste Vorsitzende der Partei oder der von ihm genannte Stellver­ treter zu allen Fraktionssitzungen einzuladen ist und dort beratende Stiottne hat. Tie Frak­ tion hat in allen wichtigen Fragen in voller Geschlossenheit zu entscheiden, worüber ein Mehrheitsbeschluß zu bestimmen hat." 1 Ter mit stürmischem Beifall aufgenomme­ nen Rede Dr. Geßlers folgte ohne Tebatte die einstimmige Annahme des Antrages. Ter Vorsitzende, Tr. Hvhmann, bemerkte in einem kurzen Schlußwort, daß die nunmehr folgende Kandidatenausstellung unter den Gesichtspunk­ ten der Ausführungen Tr. Geßlers erfolgen solle. Hieraus trat der Parteitag in bte Beratung der Kandidatenaufftellung ein, wozu die Kreis-verbände zunächst ihre Vorschläge bekannt ga­ ben. , i ' I . ! : ────────── Deutsche Volkspartei in Bayern (Deutsche Demokratische Partei.) Es muß Klarheit darüber herrschen, daß sich auch die revolutionären Regierungen in Bayern und im Reiche dem Spruche des Vol­ kes bei den Nationalwahlen unbedingt zu beu­ gen haben. Welches Ergebnis die Wahlen ha­ ben mögen — des Volkes Wille ist oberstes Gesetz! Pflicht der Regierung ist es, die Frei­ heit der Wahl zu verbürgen. Wir paktieren nicht mit links, wir paktie­ ren nicht mit rechts. Unser Weg geht gerade aus und unser Ziel ist, dem erschöpften Volke Ruhe und Ordnung, wirtschastüche Erholung und politische Freiheit zu sichern. Beitrittserklärungen für den Ort sv er ein Landshut nehmen an der 2. Vorsitzende Herr Privatier ^Schmid, Schwimmschulstraße, die 3. Vorsitzende Frau Professor Hummel, der Kas­ sier, Herr techn. Bahnsekretär Schwarz, imb die Expedition des "Kurier für Niederbaheri:". i Deutsche Dolkspartei in Bayern. | j I i (Ortsverein Landshut.) j | | Anmeldeschein. Bor- und Zuname: ' ; ! ! ! Beruf: ; : ! 1 ; ; ; i U Wohnung: l ’ i l i Staatsangeh örigkeit: ! ' j ' ■ Landshut, den | ! ’ J^de Person (männlich oder weiblich) kann Mitglied der deutfchp» Volkspartet werden, wenn sie das 18. Zahr vollendet hat: ! ────────── Literarisches. Tie FNustrierte Kriegs-Chronik des Teheim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen qe« radezn auf dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Lhronikstil die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist es also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Waffentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag von Velhageu und Klasing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Heft tes 80 Pfg.) , , ! ! i 1 I ────────── «,1t, 5 Mn der Verwertung des Kriegsgutes wirS sich, der landwirtschaftliche Kreisausfchuß iw ausgedehntem Maße beteiligen. Tie waggon­ weise übernommenen Bedarfsartikel tote Eimer« Gießkannen, Schubkarren, Schaufeln, Nägel und später auch landwirtschaftliche Maschinen aller Art sollen ohne Zwischengewinn unmittelbar an die Landwirte abgegeben werden. Bekannt­ gabe der Abgabetermine erfolgt in der Soges?» presse. ! - h f ' Ein Gesuch! der Zentralstelle für genossen^ schastliche Viehverwertung wird nach Antrag des Berichterstatters Tierzuchtinspektvr "^He­ rold bis auf weiteres zurückgestellt, ebenso' ein Gesuch der Molkereigenossenschaft Sulzbach a. Inn um einen Bauzuschuß nach Antrag des Landrates Stadlberger. ' ! ! I X : Dem Teutschen Landwirtschastsrat wird zur Erfüllung seiner Aufgaben ein Zuschuß von 1000 Mark bewilligt. 1 Für unseren wirtschaftlichen Wiederaus bau, bor allem in Industrie, Handel und Ge­ werbe, ist die erste Voraussetzung die Erhaltung der Reichseinheit. Wer die Reichseinheit zer­ trümmert, macht jede Erholung von den Fol­ gen des Krieges unmöglich. Er vernichtet auch die Sicherheit der Kriegsanleihen. , ! > Nr. 350 bezirke eingeteilt. Für die Kosten der Wahl bewilligte der Magistrat für jede Wahl 1000 Mark. Herr Rechtsrat Costa betonte hierbei-,' jdaß die Wählerliste nun auf Grund der Volks­ zählung für die Lebensmittelversorgung und der erfolgten Nachkontrolle hergestellt sei. Trotzdem werde jeder Wähler gut tun, nachzu­ sehen, ob sein Name in der Wählerliste vorge­ tragen ist. ! ! I —* Die Kohlengeldzuschüsse für di« «rinderbemittelte.Bevölkerung für den Monat Dezember gelangen demnächst zur Verteilung. jEs sind jetzt 1270 Gesuche mit 4500 Anteilen gegen ursprünglich! 260. Es wird pro Anteil !1 Mark gegeben. Tie Verteilung wird jeden­ falls erst nach Neujahr erfolgen können, da zur­ zeit die Kohlenhändler nur wenig Vorrat haBen. t ; —* Die Schaufensterbeleuchtung wurde durch- Magistratsbeschluß nach WeihnachjTfcen vollständig verboten. Tie Sperrstunde für Gas wurde vom Montag an (mit Ausnahme des HI. Abends und der Samstage) auf 9 Uhr abends festgesetzt. Tie Läden müssen nach Weihnachten um 5 Uhr, am Samstagen um i7 Uhr geschlossen werden. j i | r—* Deutsche Volks-Partei in Bay­ le rn (Teutsche Temokraten-Partei). Heute abends halb 8 Uhr Ausschußsitzung im Stern- * In der Pflaster- und Brückenzvllsrage hatte das Gemeindekollegium be­ schlossen, die Erhebung desselben nur noch bis 31. Jnni 1919 zu bewilligen. Eine WeiterenHebung um 1 Jahr wurde abgelehnt. Am Samstag hatte sich! der Magistrat mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen und wurde hier mit allen gegen 1 Stimme beschlossen, im Prinzipe aus einer Kummulativ sitzung zu be­ stehen, doch! solle diese erst zu einem späteren Termine einberufen werden. f —* Taschendieb in. Eine 14jähr. Schlos­ serstochter von München stahl gestern im Ge­ dränge am Bahnhöfe einer Frau die Geldbörse mit mehr als 90 Mark Inhalt. —* Zwischen die Puffer geschoben wurde während eines Rangiermanövers gestern Nachmittag am hiesigen Bahnhof bei einem star­ ken Gedränge vor dem Zuge Frau Anna Reischl jaus München. Es wurde ihr der linke )Arm zersguetscht, so daß sie durch die freiw. SanitätÄbolonne ins städt. Krankenhaus verbracht wer­ den mutzte. i i ■ ! —* Ein richtiges Sudelwetter brach­ ste uns der gestrige Sonntag und noch! mehr die heutige Nacht. Tie Hoffnung auf Winterfreu­ den, die der Witterungsumsturz der letzten Ta­ tze erwarten ließ, dürsten damit buchstäblich zu Wasser werden. , —* Am Viehmarktplatze hier wurde am setzten Freitag eine Versteigerung von Pfer­ den durch, den Münchner Bauernrat vorgenom­ men. Bei großem Andrang von Steigerungs!sustigen wurden die vorhandenen 54 Pferde zu Durchschnittspreisen von 450 Mark, ebenso drei Maultiere zu 150 Mark an den Mann tzebracht. ' —* Das letzte Hochwasser hat nach Bericht des Herrn Stadtbaurates Simon ca. 5600 Mark Schaden verursacht, der aus der sEtatpvsition "Elementarereignisse" gedeckt wer­ den kann. Zugleich! betonte der Herr Stadtbau rat, daß durch! die Weigerung der Arbeiter der städt. Gasanstalt, am Ziehen der Schützen an der Schleuse mitzuhelfen, das Hochwasser Mn Jsargestade ausgetreten ist. Herr Bürger­ meister Tr. Herterich! erklärte, daß die Angele­ genheit untersucht und die Arbeiter der Gas. anstatt verwarnt werden sollen. ES sei übritzens Pflicht jedes Bürgers, in Notfällen auf Anruf Hilfe zu leisten. Tie von Bewohnern des JsargestadeS angemeldeten Ersatzansprüche mit 74 Mark werden ausnahmsweise aner­ kannt ohne Anerkennung einer rechtlichem Ver­ pflichtung, da die Stadt für Hochwasser-, BlitzCber Wolkenbruchschäden überhaupt nicht haft­ pflichtig gemacht werden kann. Es wurde fer­ mer wnstatiert, daß der Hochwassermeldedienst -bei dem letzte« Hochwasser nicht funfitonierte., f —* Tie Mitgliederversammlung! j des Musikvereins Landshut hat ein­ stimmig die Auslösung des Vereins beschlossen. Ter Musikoerein wurde 1901 gegründet und kann somit auf eine 17jährige und zwar ruhm­ volle Vergangenheit zurückblicken. Ernste Pfle­ ge von nur wirklich! guter Musik war fein Bestreben und erstklässige Größen aus der mu­ sikalischen Künstlerweit traten in den Konzer­ ten des Vereins auf. Während der letzten drei Kriegsjahre hatte der Verein seine Tätigkeit eingestellt und will diese angesichts der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse nicht mehr beginnen. Das gesamte Inventar des Vereins hat die hiesige Liedertafel tzbernomimen und diese wird neben der Pflege des Ge­ sanges auch Konzerte nach den bewährten Tra­ ditionen des Musikoereins veranstallen. : I —* Die Wirtschastsstelle Landshut bedarf notwendig ca. 1000 (tausend) männliche landwirtschaftliche Arbeitskräfte für sofort. An­ fragen sind an die Wirtschaftsstelle Landshut zu richten. 1 i . —* Stadttheater. Tie Kindervorstel­ lung "Wie Hebt Elschen das Christkind suchen ging" beginnt morgen Dienstag nachmittags 3 Uhr. , , i . i , ( ] ( : Landwirtschaftlicher Krcisansschnß von , , | Riederbayer«. | • | , (Sitzung vom 19. Dezember 1918.) Ter 1. Vorsitzende Exzellenz v. Pracher eröffnet die Sitzung und beglückwüns«ht den 2. Vorsitzenden Landesökonomierat Mittermejer in herzlichen Worten zu seiner Wahl zum ersten Präsidenten des Bayerischen Landwirtschastsrates. i Tie Sitzung leitet, da der 1. Vorsitzende durch! dringliche auswärtige Tienstgeschäste da­ ran verhindert ist, der 2. Vorsitzende. Oekonomierat Nebesky berichtet über den Stand der Gründung von Bauernräten im Regierungsbezirk Niederbayern. Nach, einem Referat des Herm Oekonomierates Münsterer werden nachstehende Matznahmen zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung als vordringlich, bezeichnet. 1. Aslsbaldjge geordnete Abgabe genügen­ der Gespanne. 2. Zuweisung geschulter Arbeitskräfte. 3. Vermittlung reichlicher Mengen mine­ ralischer Düngemittel namentlich Phosphor säure- und Stickstoffhaltiger. 4. Tunlichste Erleichterung bei Beschaftfung aller Art von Saatgut. 5. Bereitstellung landwirtschastlicherHilfsmittel wie Leder, Oele, Fett, Seiberwaren usw. in ausreichender Wenge aus den Heeresbeständen. ! I 6. Entlassung der notwendigen Arbeiter (Schmiede, Sattler, Wagner), damit zur Zsjt der Felderbestellung wieder mit brauchbaren Geräten gearbeitet werden kann. 7. Erleichterung beim Bezug landwirch schaftlicher Maschinen und Geräte. Ueber den Stand bei der Abgabe von Pfer­ den bei der Abrüstung berichtet Oekonomierat Nebesky. Tie Abgabe erfolgt jetzt ausschließlich durch, die Bauernräte. Bezüglich der Zuchtstu­ ten, deren Abgabe durch! das Landgestüt ersvhgen soll, wird ein Antrag Mittermeier ein­ stimmig angenomwen, wonach, die wenigen Zuchtstuten, die sich' bei überwiesenen Verstei­ gerungstransporten oft befinden, nicht für die freihändige Zuteilung an bewährte Züchjter ausgemustert, sondern beim Bersteiger­ ungstransport belassen werden sollen. Nach einem Bericht des Herrn Landstallmeisters Beichhold steht der Ansall an brauchbaren Zuchtstuten in gar keinem Verhältnis zu den vorliegenden Gesuchen auf Zuweisung solcher Stuten. i Ter landwirtschaftliche Kreisausschuß hält es für dringend geboten, daß die bezirksweise durchzuführenden Pferdeabgaben zur Vermei­ dung von Pferdeschiebereien straff organisiert werden und daß namentlich! dafür Sorge getra­ gen wird, daß auch schwere Pferde des Schla­ ges 3 und 4, wie sie Niederbayern in großer AnzaW bei der Mobilmachung zur Verfügung gestelü hat, wieder in den Regierungsbezirk in genügender Anzahl hereinkommen. , I , , ────────── Auszug aus den Zivilstandsregistern des Standesamtes Landshut. Sterbefälle. ' 13. Tez.: Katharina Büchner, Bahnwär­ terswitwe, 80 Jahve alt; Margareta Pöppsh Prwatiere, 61 Jahre alt; Anna Kapsner, Taglöhnerswihve, 73 Jahre alt; Anna Zieglmeter« Gasarbeitersehefrau» 50 Jahre alt. 15. Dez.: Anna Scheibenzuber, Tekorationsmalersehesrau! 61 Jahre alt; Anna Obermaher, Tamenschmchderin und Schuhmachermeistersehesrau, 57 I. alt. 16. Tez.: Elisabeth Theresia, «leg., 10 Tage alt; Theresia Heim, Schwalgerchvitwe, 35 Jahre alt. 18. Tez.: Bartholomäus Stallwanger, emv traten, die Herrn Brack immer wieder in seinen Aus­ führungen unterbrachen. Erst des Redners Hin­ weis aus die von der gegenwärtigen Regierung proklamierte Redefreiheit ermöglichte die Fort­ setzung der Versammlung. Tße Ausführungen fanden den allgemeinen Beifall der Anwesen­ den. In der Diskussion bat Herr WimmertErgolding, bei, der Aufstellung der Kandidaten vorsichtig zu fein,, einen bäuerlichen Kandida­ ten auszustellen, widrigenfalls die gesamte Bau­ ernschaft Ergoldings sich der Wahl enthalte» Hierauf- erwiderte Herr Brack: Bei der gegen» ivärttgen Lage W es Pflicht jedes Wahlberech­ tigten, seine-,Stimme abzugeben, das Gegenteil geradezu ein Verbrechen. Wenn die Wähler wirklich nicht.für die niederbaherischeu Kan­ didaten- stimmen könnten, sv sollten sie es we­ nigstens für einen geeigneten Kandidaten eines anderen Wahlbezirkes, tun, damit ja keine Stimime verloren gehe, wovon nur die Gegenpartei­ en den Nutzen haben. Tas war natürlich/wieder nicht im Sinne der Sozialdemokraten gespro­ chen, die die einzig richtige Partei zusein beans spruchten, der man das Kriegsende zu verdan­ ken Habe. Herr Brack konnte unter allgemei­ nem Beifall der Anwesenden diese Anschauung nichit teilen und wies mit Recht darauf hin, daß schpn die vorige Regierung mit Prinz Max als Kanzler, an der Spitze in joer Nacht vom tzt. zum 5. Oktober die Waffenstillstandsverhand­ lungen erbeten habe. Nachdem sich dann nie­ mand m«hr zum Worte meldete, wurde die in­ teressante Versammlung geschlossen. ; ! Passau,, 20. Dez. (Einem Schwindler zum Opfer gefallen.) Einer Gütlersfrau in Rastbühl stellte sich kürzlich ein unbekannter Mann als angeblicher Vetter vor und Mb an, in der jßotv terie 60000 Mark gewonnen zu haben, wch, von- er auch 2000 Mark ihr gebe. Auf diese Weise gelang es dem Schwindler, der genannten Frau u. a. ein Paar neue Schuheiml Werte von 60. Mark und, 30 Mark irt^sPargeld her­ auszuschwindeln. Als der Tat verdächtig kommt kaut ,Tvnauztg." der ledige Schneider Anton Scheuerer von. Hubreith bet Rotthalmünster in Betracht. : ! 1 i I ! i ! -