Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-12-06. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 333, 1918-12-06. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Die Neuwahlen in Bayerp. j I Site Neuwahlen im Batzern. > ! | An das Baherisjche Volk. C. H. Tie Regierung des Volksstaates Bahn­ ern bestimmt hiemit, daß die Wahlen zum, neuen bayerischen Landtag am Sonntag, den 12. Januar 3.919 stattfinden. Wahlberechtigt sind: 1. Alle männlichen und weiblichen baye­ rischen Staatsangehörigen, die am Tage der Wahl das 20. Lebensjahr zurückgelegt haben, 2. die bayerische Staatsangehörigkeit besitzen, ausgenommen sind nur entmündigte und solche, die die bürgerlichen Ehrenrechte nicht besitzen. Wählbar sind alle männlichen und weiblichen wahlberechtigten bayerischen Staatsanangehörigen, die das 25. Lebensjahr zurückge­ legt haben. Nähere Bestimmungen über die Wahlen werden in einer Wahlordnung ge­ troffen. » , München, 5. Dezember 1918. Tie Regierung des Volksstaates Bayern. ────────── Aus Eberls Jugeudjahrcm. Tie Gestalt des- Volksbeauftragten Frie­ drich, Ebert tritt unter den Männern unseres neuen Reichsregierung am eindringlichsten her­ vor, und wir haben ein lebhaftes Interesse^ Näheres über die Herkunft und Entwicklung dieser Persönlichkeit zu erfahren, die als Führer der sozialdemokratischen Partei während des ganzen Krieges eine große Rolle gespielt hat und nun in der schwersten Zeit an verantwort­ lichster Stelle steht. Im neuesten Heft der "Weltbühne" entwirft Johannes Fischart ein anschauliches Bild seiner Lehr- und Wander­ sah re: "In Heidelberg ist er geboren. Es war in jenen Tagen, da ganz Deutschland, nach dem Sieg über Frankreich, jubelnd die Fahnen aus den Häusern steckte, als das neue Deutsche Reich eben in Versailles erstanden war. Friedrich wuchs, ohne irgendwelche Unterbrechung in kleinbürgerlicher, beinahe proletarischer Enge auf. Der Vater? Einer von den Vielzuvielen, die nur, grau in grau, ihr Leben lang zu arBeiten hatten. Die Mutter? Wie alle Mütter in jenen engen Gassen und winkligen Höfchr sind. Tuch, um den Kops, früh gealtert und abgearbeitet. Friedrich, machte die Volksschule durch, und wurde, vierzehnjährig,' zu einem Sattler in die Lehre geschickt.' Ach Gott, die Welt war so schön um ihn. Ter Schjwärzwald, der Neckar, der Ottheinrichsöau, die sprühende Lebenslust der Studenten, während er unter die "Enterbten" gehörte. Zu den Ausgestoße­ nen der Gesellschaft, zu den unter dem Soziali­ stengesetz'Geächteten fühlte er sich hingezogen. Gierig verschlang er die Zeitung, die insge­ heim zugesteckten Flugblätter und sog, immer lesend und lernend, seine Seele voll mit den Idealen der sozialistischen Weltanschauung. «Plötzlich, fallen die Schranken. Bismarck wird «us dem Amt gestoßen und muß, nach, achtundipreißigjähriger Tätigkeit als preußischer W- ! ‘Sie SozialifterungMüntmissiM j hat für Donnerstag nach«mittags ihre erste Sitz­ ung festgesetzt, um sich« über ihr Arbeitspro­ gramm schlüssig zu machen. Von den ursprüngjlich, eingeladenen Herren ist Walter Rathenan ausgeschieden, Legen dessen Berufung anschei­ nend von unabhängiger sozialistischer Seite Stimmung gemach! worden wär, obwohl di« Beihilfe eines praktisch, tätigen Unternehmens der Kommission sehr erwünscht gewesen wäre. Polnische Putschversuche in OberSichiesien. In großpolnischen Kreisen Oberschlesiens! wird dafür Stimmung gemacht, nach beim 3. Tezember (Tag der Wahlen zum oberpolnischen Teilgebietsrat) einen Handstreich, auf Oberschle­ sien zu verüben. Es sind Vorkehrungen getrof­ fen, um Putschversuche im Keime zu ersticken.. Aus dem Reiche. nisterhväsident, Bundes- und Reichskanzler, in wenigen Stunden das Kanzlerpalais räumen. Ter Kaiser besteht darauf. Nicht länger kann er mehr an sich, halten, die Zügel des Reiches selbst zu ergreifen. Das Sozialistengesetz fällt mit dem Eisernen. Die kaiserlichen FebruarErlasse scheinen eine neue soziale Aera einzu­ leiten. Ein geistiger Frühlingssturm geht durchs djL Lande. Auch Ebert wird davon erfaßt. Nun ist die Bahn frei. Jetzt kann man für Ideale der Sozialdemokratie endlich, ehrlich und offen, streiten. Friedrichs Wanderjahre enden in Bremen. In der Organisation schwimmt er, mit dem frisch pulsierenden südlichen Blut, bald oben, und wird Redakteur der Bremer Bürgerzeitung. Jahre vergehen ohne sonderliche Zwischenfälle. Er wird von der Partei bei den Wahlen zur Bürgerschaft als Kandidat ausgestellt, wird gs,wählt und rückt, bei dem zunehmenden Umfang des Par­ teibaues, allmählich, auf zum Arbeitersekretär. Fünf Jahre später ist er bereits Vorsitzender der Zentralstelle der arbeitenden Jugend Deutschlands und wird in den Vorstaud der Ge­ samtpartei entsandt. Auch hier setzt sich der Mann mit 'der schwarzen Wolle auf dem Kops und dem spießbürgerlichen Henriquatre rasch durch,. Wie ein Fremdling . sieht er, rein äußerlich, unter den Blond- und Bräunlingen dieses Parteikollegiums aus. Ein süddeutsch­ romanischer Mischling? Vielleicht. Auch das Temperament könnte darauf schließen lassen: bedächtig und doch, wenn es sein muß, drauf­ gängerisch,. Sein Gebiet ist die Organisation, und darin leistet er nicht Alltägliches." Rheinland-Westfalen eine Republik im Reich«. Köln, 4. Tez. Zwei Riesenvecsammlungen, die heute abend hier abgehalten wurtz den, forderten nach« Ansprachen des Reichs­ tagsabgeordneten Trimborn, des Lolksüeauftragten Barth sowie des HauIptredakteursHöber unter gewaltigem Beifall die baldige Proklamierung einer dem Deutschen Reiche angehörigen selbständigen rheinisch-westfälischen Republik unter folgendem Wortlaut: 5000 rheinische Bürger und Bürgerinnen, die am 4. Dezember in der Bürgergesellschaft zu Köln versammelt sind, fassen folgende Entschließung: In Anbetracht der tiefgreifenden politischen Umwälzungen int Teutschen Reich, in der Erkenntnis der völligen Unmöglichkeit, in Berlin eine geordnete Regierung zu schaffen und in der Ueberzeugung, daß die Länder am Rhein nebst Westfalen politisch,, kulturell und wirtschaftlich ausreichend staatsbildende Kräfte besitzen, gibt die Versammlung dem fe­ sten Willen Ausdruck, die Einheitlichkeit des Reichs zu wahren und den Wiederaufbau des neuen deutschen Staatswesens von den Län­ dern am Rhein und Westfalen aufzunehmen. Tie Versammlung fordert die anerkannten Vertreter des Volkswillens aller Parteien im Rheinland, in Westfalen und den anderen Län­ dern gm Rhein aus, baldigst die Proklamierung einer dem Teutschen Reiche angeh örigen selbständigen rheinisch-westfälischen Republik in die Wege zu leiten, t ! i ’ i I, I I [ , i ────────── Sie Konferenz der Alliierten. Haag, 4. Tez. Reuter meldet aus Lon­ don: Heute abends ist folgende offizielle Mit­ teilung erschienen: Zwischen den Regierungen von Frankreich,, Italien und England sind un­ ter dem Vorsitz von Lloyd George in den letzten Zwei Tagen Konferenzen abgehalten worden, die heute abends beendet wurden. Anwesend waren die Premierminister von Frankreich,, Ita­ lien und England, Balfour, Sonnino und Fo,ch, und der Chef des großbritannisch,en Reichs«-. stabes. Es wurden auch, Zusammenkünfte ab­ gehalten zwischen den Vertretern der Kriegskabinette der Alliierten ut^b des britischen Rei­ ches, woran die ersten Minister von Kanada,« Australien, Neufundland und anderen übersee­ ischen Kolonien ebenfalls teilnahmen. , Wilsons Ankunft, i \, j | ! Nach, einer Meldung des Nieuwe Rotterdamschen Courant aus Paris, ist die Ankunft des Präsidenten in Paris für den 13. Dezember morgens festgesetzt. Wilson und der Exkaiser. , < Nach dem Nieuwe Rotterdamschen Courant meldet die "Times",, daß wegen des früheren! deutschen Kaisers feine Schritte unternommen werden sollen, ehe über die Angelegenheit mit der amerikanischen Regierung verhandelt wor­ den ist. ! / Vor den Friedensverhandlungen. ────────── Was dem Nürnberger Sozialistenorgan ganz und gar mißfällt, das ist der Vorschlag Jasfes, . den provisorischen Nationalrat dem durch die J Revolution geschaffenen Mteshstem anzupas­ sen. Jasfes Ideal sei, neben den bestehenden drei Räten, dem Arbeiter-, Bauern- und Sol­ datenrat, noch. zwei weitere Räte zu bilden, nämlich, den der freien Berufe und der selbstän­ digen Gewerbetreibenden in Handel, Industrie und Handwerk. Als die Krönung des Shstems denke sich, Herr Jafse die Schaffung eines fö­ derativen Senats. Tiefe Konstruktion, so sagt das Nürnberger Blatt, ist vom sozialistischen Standpunkt aus aesehen ein Rückfall ist längst überwundene Zustände. Man kenne ja aus der Geschützte den deutschen Jammer, der mit in erster Linie seinen Ursprung hatte in dem berufsständtschen MÜfbau des Heiligten römischen Reiches deutscher ; Nation. Höhnisch fügt das Blatt hinzu, mit diesem föderativen-Senat solle wohl demVolke t die politische Antiquität einer "Ersatzreichsrats- \ kammer" vor die Nase gesetzt werden. | Wenn die "politischen Architekten" in ] München mit ihren Experimenten bei den ihnen $ am nächsten stehenden Kreisen so wenig Gegen­ liebe finden! ────────── Ungarn. Kohlenmangel in Budapest. [ Mit Rücksicht auf die Kohlenknappheit hat litt Budapest der Regierungskommissar für Koh- j lenangelegenheit verfügt, daß die Kaufläden um 4 Uhr, alle Bureaus mit Ausnahme der öffentlichen um 3 Uhr und die Lebensmittehgeschiäfte um 7 Uhr schließen müssen, i Ungarische -Verfügungen. > Budapest, 5. Tez. Tie Regierung nahm ein Gesetz über völlige Preßfreiheit an. Dem­ nächst werden alle Einschränkungen betreffend die Aufnahme von Frauen in Hochschulen weg­ fallen. ────────── England. Englische Wünsche. Rotterdam, 5. Tez. Nach. dem Rvtterdamschen Courant schreibt die ultrakonservative Morningpost in einem Artikel: Teutsch-land muß. nicht nur die Kriegskosten bezahlen, son­ dern auch. den Alliierten Schadenvergütung lei­ sten. Man kenne Teutschlands Reichtum aus den Schätzungen seiner eigenen Publizisten, do­ pen Angaben aus einer Zeit herrühren, als noch, nicht die Rede davon war, diese Reichs, tümer zu besteuern. Ebenso wie die Menschen einen Teil ihrer Einkünfte zur Bezahlung von Steuern beiseite legten, würde auch, Teutschfland seinen Teil seiner Einkünfte zur Bezah­ lung einer größerer Ablösungssumme für die noch näher zu bestimmende Schadenvergütung hergeben müssen. England und die Gefangenen. Tie englische Regierung beabsichtigt, wie aus dem Haag berichtet wird, die in englischer Gefangenschaft befindlichen Schwerverstundeten und Ztvilinternierten demnächst nach Teutschland zu schicken. ────────── Präsident Wilson es für seine Pflicht hält, nach, der Friedenskonferenz zu gehen, keine näheren Erklärungen verlange. — Tas"Joupnal os Commerce" ist mit der Rede des Präs stigen Sinne und sagt, daß sich das Urteil hofft, daß die Reise des Präsidenten die Ber? wirklichpng des großen Zieles, für das die Vereinigten Staaten kämpften, fördern werde. Auch "Philadelphia Ledge" äußert sich im ßilttf Auch "Philadelphia Ledge" äußert sich im gün­ stigen iSnne und sagt, dahj sich das Urteil Wilsons stets in jeder Beziehung als richtig herausgestellt habe. Tie "Chicago Tribune" schreibt: Die Mitteilung des Präsidenten über den Zweck seiner Reise ist allgemeiner Natur und er versuchte nicht, auf die Beschwerden zu antworten, die gegen seine Abreise vorge­ bracht wurden. Ta Wilson seinen Beschluß ge­ faßt habe, sehen wir im Augenblick keinen Grund, über diese Beschwerden zu diskutieren. "Boston Globe" schreibt: Wenn der Krieg den Präsidenten zum Autokraten gemacht hat, ft hat er sich jetzt dieser Autokratie wieder ent­ ledigt. Andere Blätter setzen sich; für die Bestraf fung der schuldigen Personen in Teutschland ein, die sie als die vornehmste Aufgabe des Friedenskongresses betrachten- Amerika. Glitte Anleihe Amerikas. i Wie das Reutersche Bureau aus Washing­ ton berichtet, werden bereits Maßregeln für die wahrscheinlich, im April zu erwartende in­ nere Anleihe getroffen. | i , Amerikanisches Urteil über Wilsons Rede. Rotterdam, 5. Tez. Nach dem Rvtterdamschen Courant gehen die Betnachtungen der >.Ämerikanischen Blätter über die Rede deS Präsidenten Wilson je nach, der polsttschen Färbung der Blätter sehr auseinander. Ter "Sun" kritisiert heftig, daß der Präsident die von ihm vertretenen Grundlagen für den Frieden nicht näher beschrieben habe. Biele andere Blätter, darunter der Gerald" und die "World" sind der Anficht, daß die große Mehrheit des amerikanischen Volkes jetzt, rca ────────── Aus neutralen Ländern. Schiffsbauindustrie in Spanien. Vor dem Kriege war die spanische Schiffbauindustrie recht unbedeutend. Es gab nur . drei größere Werften. Die größte Jahresleistung an Stapelläufen betrug 10 000 Tonnen. Schon in den ersten Kriegsjahren aber belebte sich, wie die Zeitschrift "Der Schiffbau" mitteilt, die Bautätigkeit; einige neue Werften wurden gegründet, alte, längst stillgelegte HolzschliffsWersten wieder in Betrieb genommen. Ende 1917 hatten die spanischen Werften einen Auftragsbestand von 10 000 Tonnen, der bis Mitte 1918 auf 190 000 Tonnen anwuchs. Das ist ermöglich tt worden durch die Aufnahme der Herstellunrg von Schjifsbaustahl in Spanien, bte bereits so umfangreich ist, daß die Werften für mindestens 50 000 Tonnen Jahresleistung versorgt werden können. Spanien verfügt über reiche Schätze an Eisenerzen und Kohlen, und Überdies kann die Eisenherstellung auf elek­ trischem Wege dank den reichen Wasserkräf­ ten des Landes einen großen Umfang aftirehmen. In Spanien entwickelt sich also gegenjMrtig eine sehr gesunde Schßfsbauindustrie. Tie -bei weitem größte Werst ist die Societa Espanola des Construction Naval, an der der spa­ nische Staat allerdings neben britischem Ka­ pital beteiligt ist. Insgesamt umfaßt ihr Auf­ tragsbestand elf Dampfer von zusammen 86 000 Tonnen. Tie zweitgrößte Werst ist die Compania Euscalduna in Bilbao, die Aufträge von 27 000 Tonenn hat. ────────── "Wenn die Spartacus-Kumpane uns Vvgelfres Mächen, sind auch Dr. Liebknecht und Konsorten voglelfrei. Wenn die Regierung sich 'von einer Handvoll Kult und ihren Verführern terrorisieren läßt, erfordert es unser Klassen­ bewußtsein, selbst Ordnung und Ruhe zu schaf­ fen. An den Anschlagsäulen in Berlin-Wilmers­ dorf erschien ein Plakat, das Arbeiter und Bürger auffordert, das Vaterland, vorm Unter­ gänge zu retten und die Führer der Spar«tacusgruppe tvtzuflchlagen. ! Ein Flugblatt der Sozialdemokraten ruft die Soldaten auf, reinen Tisch zu machen und die hinwegzufegen, die sich. als unfähig erp wiesen, die Spldaten zu vertreten. Energisch nimmt der Zentralrat der Ostfront gegen bol- ■ schewistifche Einflüsse Stellung, indem er bte von den russischen Bolschewiki eigenmächtig vorgenommene Anmeldung russischer Abgeord­ neter zu der Gesamttagung der deutschen Arbei­ ter- und Soldatenräte am 16. Dezember ab­ weist und erklärt, die russischen Abgesandten auf jeden Fall an der Einreise zu verhindern. Tie deutschen Soldaten tot Osten haben die Bolschewiki kennen gelernt. Wie recht unsere Soldaten haben, wenn sie die Bolschewisten bis aufs Messer bekämpfenund nicht davor zurückschrecken, sie als vogel­ frei zu erklären, beweist am besten folgende Meldung aus Rußland: Nach. der Schilderung eines aus Pußland zurückgekehrten Mitgliedes der deutschen Handelskommission in Moskau ist die Räteregierung in Petersburg auf ihren nahen Sturz durch die Entente gefaßt; in bolschewistischen Kreisen herrscht daher stark gedrückte Stimmung. Wie ein Mitglied der Räteregierung selbst mitteilte, ist ein großer Teil der Mitglieder der Regierung bereits im Besitz von Pässen für die vorbereitete Flucht nach Stockholm. Die Unzufriedenheit mit der bestehenden Regierung wächst von Tag zu Tag auch in den untersten Volksschichten, da sich allgemein die Erkenntnis Bahn bricht, daß die Räteregierung das Land in jeder Beziehung an den Abgrund gebraii||t, nur zerstört, aber yijchts wieder ausgebaut hat. Ter Verfall des wirtstliästlichen Lebens ist er­ schreckend. Ueberall Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. Tie Fürsorge für das Proletariat für das die Räteregierung zu kämpfen vor-, spiegelt, steht lediglich auf dem Papier. Tas Anerbieten eines Mitgliedes der beut fiten Han­ delskommission an einen hohen Sowjetsbeam­ ten im Petersburger Handelsministerium, Me­ dikamente an Rußland liefern zu wollen, lehn­ te dieser Beamte mit dem Bemerken ab, Med'ikamente-würden nicht gebraucht, das Volk möge ruhig zugrunde gehen. Russische Kriegsgefan­ gene, die aus Teutschiland zurückkehren, er­ fahren nach, Betreten des russischen Bodens keinerlei Fürsorge. Ohne Nahrung und Un­ terkunft, verhungern oder erfrieren Tausende in den Wäldern. Auf einer Bahnstation der Strecke Orstha—Moskau wurden, wie ein Audenzeuge berichtet, an einem Tage 80 auf diese Weise umgekommene Kriegsgefangene beerdigt. Auch die bis Moskau gelangenden Kriegsgefan­ genen bleiben mangels jeder Organisation ohne Nahrung und Unterkunft; viele baten die deut­ schen Kommissionen, daß sie wieder nachTeutschland 'zurückgeführt werden möchten. Tteses entsetzliche Bild von den Zuständen im bolschewistischen Rußland zeigt uns, wo­ hin Deutschland von dem Wahnwitze eines Lieb­ knecht gebracht würde, wenn es nicht einmütig dem verbrecherischen Treiben der Spartakusleute ein Ende macht. Vogelfrei! Aus Köln wird gemeldet: Trotz scharfer Gegenmaßnahmen dauern hier die Plünderun­ gen fort. Ter aus dem Werkbundausstellungsigelände befindliche Heerespark wurde von einer nach- Tausenden zählenden Menschenmenge ge­ stürmt. Tie Wachposten wurden überrascht und die einzelnen Depots gewaltsam geöffnet. Hun­ derte von Personen führten mit Karren das kostbare Heeresgerät ,das ungemein großenWert aufweist, weg. Sicherheitsmannschasten eilten herbei und pflanzten Maschinengewehre aus, worauf die plündernde Menge das Gelände verließ. Beim Zusammenstoß von Plünderern mit Polizeimannschasten in der letzten Nacht wurden vier Personen getötet und eine An­ zahl von Verwundeten befindet sich in den Hospitälern. Zahlreiche Plünderer sind ver­ haftet., « i |. ( |' | i i, ! [ i i Solche Vorkommnisse müssen die heimskehrenden Frontsoldaten aufs tiefste verstim­ men und erbittern. Sie fühlen wohl, auf stekchen Einfluß alle diese Schandtaten undUebergriffe zurückzuführen sind, und wenden sich daher jetzt sehr entschieden gegen die bolfchewistisichen Treibereien der Spartavusgruppe. In Berlin wird ein von den Frontsoldaten unterzeich,netes Flugblatt verbreitet, worin es heißt: ────────── Tie Entente hat der Schweiz versprochen, diese Lebensmittel zurückzuerstatten. Hindenburg beim Einzug der KafsMrGarnison. Eine ergreifende Szene wird dem"Hannoverschen Kurier" von einem Augenzeugen des Einzuges der Kasseler Garnison berichtet. Nachdem die von der Einwohnerschaft in den ge­ schmückten Straßen festlich begrüßten 83er und sonstigen Trulppenteile in ihre Kasernen gezün­ gen waren, ordneten sie sichj zu einem Zuge nachj der Kaiserstraße, die gegenüber Wilhelms­ höhe liegt, wo Feldmarschall von Hindenburg mit dem Großen Generalstab sichj befindet. Ter Feldmarschall kam den Truppen entgegen und erwartete den Zug. Als die ersten 83er mit ihren Fahnen herannahten, die von so mapJ cher siegreichen Schlacht erzählen können, da W zuckte es, wie die gegenüberstehenden Kasseler U Einwohner sahen, über das Gesicht des FeldF Herrn, und die Wangen hinab schlich fto) eine Träne, die das Taschentuch schnell beseitigen «mußte. Tann reckte sich der Feldmarschall hoch! r aus, und während et die ersten seiner heim­ kehrenden Krieger, die an ihm vorbeimarschMten, grüßte, brachte ein Kasseler Bürger, Fa­ brikant Schneider, ein Hoch auf Hindenburg aus, das sichj brausend durch die langen Reihen der Feldgrauen und der herbeigeeilten Ein­ wohner fortpflanzte. : i TjeutsW "Würde". Ueber die Abreise der bisher in Ruhleben interniert gewesenen englischjen Zivilgesangenen, die in mehreren gro­ ßen Transporten zur Einschiffung nach Saß­ nitz befördert worden waren, wird gemeldet, Aerg erliche Szenen spielten sich vor den dänischjen Transportschiffen "König Haakon" und "Königin Maud" ab, in denen die englisch>en Zivilinternierten von Saßnitz, aus heimbeför­ dert wurden .Tie jedenfalls gut verprovian­ tierten Engländer machten sich das Vergnügen, den Schaulustigen, die aus Saßnitz und Umge­ bung herbeigeströmt waren, große MengenKeks, Zwieback, gefüllte Konservenbüchsen und andere Lebensmittel von Bord der Tampser aus zuzu­ werfen. Um die begehrenswerten Artikel rissen sichj nicht nur Kinder, sondern auch! Erwachsene. Ebenso würden getragene Kleidungsstücke- Stie­ fel und Tecken sowie Geld unter die Wenge ge­ worfen. Tie freigebigen Engländer amüsier­ ten sichj prächtig. Es sollen sogar einzelne Szenen gefilmt worden sein, um die Bilder in England vorzuführen. Es ist Vorsorge dafür getroffen worden, daß sich-ähnliche Szenen nicht wiederholen können.! 100 Millionen Mark als Reischftzuschnßj für die Neubautätigkeit. Tie Vorsitzenden des Ra­ tes der Volksbeauftragten haben sich! damit einverstanden erklärt, daß zur Wiederbelebung der -Neubautätigkeit sowie zur Errichtung von Not- und Behelfsbauten nach! Maßgabe der vom Bundesrat in der Sitzung vom 31. Oktober 1918 beschlossenen Bestimmungen Baukosten­ zuschüsse aus Reichsmitteln bis zum Betrage von 100 Millionen Mark gezahlt werden kön­ nen. I ■ ! Gin Protest der Presse. Tiie Versammlung großstädtischer Zeitungsverleger in Berlin hat an die Volksbeauftragten Ebert, Haase und Scheidemann einen Protest gerichtet, worin sie gegen den beabsichtigten Erlaß einer den Papterverbrauch des Zeitungswesens regelnden Anordnung Einspruch! erhebt, die den tägliifßn Umfang der Zeitungen und den Einzeloer­ kauf einer neuen, tieseinschneidenden Beschrän­ kung unterwirst. ────────── Diese Haltung der Bayerischen Volkspartei I ist in den gegenwärtigen Zeiten gepfitz sehr be­ dauerlich;. Tie Stellung des Bürgertums ge­ genüber der Klassenherrschaft wird dadurch we­ nigstens nicht gestärkt. Wer es ist deswegen kein Anlaß von einer völligen Ohnmacht des Bürgertums zu sprechen. Zu den National­ versammlungen wird nach; dem Proporz ge­ wühlt. Jede Stimme komwt zum Zuge, keine wird verloren gehen, auch; wenn die Parteien getrennt aufmarschieren. Das Bürgertum mutz sich; nur aufraffen und auf dem Damme sein. Anlatz dazu hat es übergenug. Es muh sich; ent­ scheiden zwischen der Bayerischen Volkspartei, die das Reich; zerschlagen will, und der Deutz scheu Volkspartei, die an der Einheit des Rei­ ches unbedingt festhält. Ter Teutschen Volks­ partei erwächst nach Lpge der Tinge die tot# tige und entscheidende Aufgabe, sowohl eine Mehrheit der Bayerischen Volkspartei, wie eine Mehrheit der Sozialdemokratie zu verhindern. Sie wird mit der Linken gehen müssen, soj-veit die Aufrechterhaltung des Reiches und der demokratischt Ausbau des Staates in Frage kommt, mit der Rechten hingegen, wenn es nötig ist, die bürgerliche Gesellschaft vor über­ stürzten sozialistischen Experimenten zu be­ wahren. . ( Das allein ist praktisch^ Politik, im Ge­ gensatz zu den Utolpien erschreckter Illusionisten, die den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen! I 1 ! [ ────────── "Jnken, Liebling, Einzige, Süße," flüstertt er heiß zu ihr hernieder, die mit geschloffenen Augen totenblaß an seinem Herzen lag. Fühlst du denn nicht, wie heiß, wie grenzenlos ich dich liebe?" Und er küßte ihre geschloffenen Augen, ihre leis g.öffneten Lippen, bis langsam die Farbe wieder in ihr Antlitz trat und sie die tiefen, grauen Augen klar und hell zu ihm aufhob. "Jnken, sprich ein Wort! Liebst du mich?" "Ja, Tam Erichs, ich liebe dich!" gab sie feierlich ernst zurück, ihre beiden Hände um seine» kranken Arm legend und sich tief hernieder auf die Hand beugend, die ihretwegen Schmerzen litt. Es lag etwas Demütiges und doch zugleich Stolzes, Hchsitsvolles in dieser- Bewegung, und Tam Erichs zog jauchzend den blonden Kopf an feine Brust. "Und du wirst nun nicht mehr den törichten Wunsch haben, Kind," fragte er dann zärtlich, Jnken wieder an seine Seite auf die Moosbank ziehend, "fortzugehen von der Insel? Du wirst hier bleiben und bald mit mir das kleine hübsche Häuschen auf der Strandstraße in Westerland beziehen, um als meine Frau die Menschen schon durch einen bloßen Anblick gesund zu machen, die vielleicht sich zu mir verirren sollten, Heilung zu suchen?" j ! (Foptsetzung folgt.) Tam Erichs Augen hisgen leuchtenden Blickes an den frischen, roten Lippen, die so süß plauderten, und ihm war, als höre er ein Märchen aus Kinder­ tagen. Jetzt traf Jukens Augenpaar das felnlge mit holdem Erschrecken. "Ihr liebt Eure Heimat vielleicht mehr, als die anderen Sylter Frauen, Jnken Bootje," sagte Tam Erichs langsam, warum wollt Ihr sie verlassen?" "Ich muß, Herr." "Wollt Ihr mir nicht verträum? Glaubt Ihr nicht, daß ich Euch helfen kann?" Jnken schüttelte den Kops und legte ihn bat n etwas zurück, fest gegen die weiße Sandwand, dann ober begann sie mit fliegender Hast zu erzählen, von Uwe, von Merret, von Jürgens, von der Fremde und daß sie fort müßte um jeden Preis. — Tam Erichs lächelte fast väterlich zu Jnken hernieder. Wie töricht dieses junge Menschenkind war, und doch wie süß in seiner hilflosen Angst! "Habt Ihr nie daran gedacht, Jnken Bootje, daß jemand hier auf der Insel ist, der Euch tn Schutz nehmen kann gegen Jens und Uwe Jürgens?" Er hatte langsam einen ihrer blonden Zöpfe ergrif­ fen und thn heimlich an die Lippen gepreßt. Aber Jnken hatte es doch bemerkt. "Was tut Ihr, Herr," rief sie hastig ausstehend, das Antlitz ln 8 Glut getaucht. Tam Erichs zog sie sanft wieder auf die Moosbank zu sich hernieder. "Jnken." bat er welch', "denkt doch einmal nach, wüßtet Ihr niemand auf der Insel, bei dem Ihr geborgen wäret? Hättet Ihr nicht zu einem, zu einem einzigen Vertrauen?" Jnken schlug zitternd die Augen nieder. Wie seltsam das alles war, der Doktor hielt ihre Hand, u. sie sühlte die seine in der ihren beben. Eine heiß emporsteigende Blutwelle drohte sie zu ersticken. "Ich muß fort, Herr!" rief sie bebend. .Merret wird kommen, und ich bin nicht daheim," Tam Erichs gab sofort die Hand frei und stand langsam auf. Auch er erhob sich und sah Jnken ernst und warm in die großen, jetzt roll zu ihm ausschlagenden Augen. Denkt nach, Jnken Bootje rief er fast fröhlich, bett gesunden Arm ihr entgegen&rettenb, "denkt nach!“ Einen Augenblick stand Jnken betroffen still. Es war, als kreise ihr das Blut wild tn den Adern, als feiste sich der Himmel herab, als lösten sich die unendlichen Sandmaffen um sie her und hielten sie tn ehernem Todesbann. Sie hastete mit geschloffenen Augen und vorgestrecktem Arm vorwärts, um dem Unfaßbaren zu entfliehen, doch da sühlte sie sich von Tam Erichs Arm umschloffen und fest gegen seine Brust gepreßt. ────────── Bayerische Nachrichten. Arbeit fü* Herrn Eisner! Ter Münchenejr "Edelanarchist" Eriche Mühsam lädt in einem Plakat zu einer am Mittlvo# den 4. Dezem­ ber in München stattfindenden Versammlung ein, zu der bezeichnenderweise nur Soldaten in Uniform Zutritt hüben sollen. Wf dem Plakat heißt es: "Die Reaktion marschiert!Sse marschiert unter der. roten Fahne und mit dem Rufe der Demokratie. An der Spitze der Gegenrevolution stehen die verbrecherischen Of­ fiziere des alten Regimes! — — Wenn H»rr Eisner, der sich; ja so gerne als Schützer von Ruhe und Ordnung aufspielt, der Meinüng ist, daß in diesen Sätzen eine Hetze liegt, dann wird er sich, beeilen müssen, seinem Freund Mühsam ebenso wie seinem Freunde Sontheimer das Gefährliche dieses Tuns klar zu machen. ────────── gegen hat der Adjutant des 2. Schweren Reite ' Regiments unserem Bürgermeister mit Schee ii Bert vom 16. Nov., eingelaufen gestern abends, I mitgeteilt, daß das Regiment von den jetzigln | Unterkünften Mitte Dezember im Landmars H die Gegend von Kiew erreicht und von da ab­ transportiert werde. Nach Ansicht des Ad­ jutanten dürfte das Regiment aber kaum vor 10. Januar in Landshut eintreffen. —* Die neue Zeit. An der hiesigrn Realschule hat sich im Einverständnis mit Rek­ torat und Lehrerkollegium ein Schülerausschuß gebildet. —* Unwah rh ästig kei t wirst uns die "Landsh. Ztg." vor, weil toir uns dagegen : verwahrt haben, daß ein ausschlaggebendes | Wort, das wir nicht geschrieben haben, uns 1 unterlegt werden sollte. Tas heißt man i nt J gewöhnlichen Leben berichtigen, aber niic jit I stich eln. Es ist überhaupt unbegreiflich, duß ^ sich, die "Ldsh. Ztg." so sehr darüber aufregt, H daß wir die Unterschiede der beiden Parteien, Ä vielleicht im Interesse von beiden Seiten ge- ® klärt haben. Ob dies ein "Kampf gegen etre bürgerliche Partei" ist, überlassen wir getrost dem Urteil unserer. Leser und auch! dem unserer Gegner. —* Die daher. Landtagswahlen am 12. Januar. Von Interesse dürfte bei die­ ser Nachricht sein, daß der Arbeiter- undSoidatenrat Landshut heute vor 14 Tagen eine Eingabe an da sMinisterium des Volksstaates Bayern beschlossen hat, angesichts der offen­ sichtlichen Verschleppung der Nationakwahlen und der hieraus entstehenden großen Gefahren für unser Vaterland mit tunlichster Beschleu­ nigung die Vorbereitungen für eine t^aherssichst Nationalversammlung zu treffen. Ter Antrag wurde behufs gleichen Vorgehens an andere Soldateuväte geleitet und hat nur mit Uu- ' terstützung des Militärs seinen Zweck erreicht. —* Bo lks h o chsch ulp e re in. Zwischen dem Nordende von Europa und dem Nordpol von beiden rund 1000 Kilometer entfernt, liegt ein Jnselreich so groß wie Bayern, das vom unseligen Kriege verschont geblieben ist,Spitz- . bergen, wie eine tief tn das Eismeer getauchte Alpenland schuft, unberührt von den friedlo­ sen Menschen, unbewohnt und noch herrenlos. Aber eine unglaubliche Menge von Pelztieren und Vögeln belebt die stillen Inseln; Millionen von Fischen und riesige Wale tummeln sich im Meere; ein Blumenteppich bedeckt während des kurzen Sommers den schneefreien Küstenstreisen. Vier Monate lang geht hier die Sonne nicht unter; eben so lange dauert die Polarnacht Von der Schönheit dieser stillen Polarwelt wird heute Freitag der in weitesten Krei­ sen wohlbekannte Herr Oberstleutnant J.Baumann-München, int Volkshochschnlvereine er­ zählen und seinen Vortrag mit vorzüglichen selbst aufgenommenen Lichtbildern beglei­ ten. i Lokales. La»bahnt, bett 6. Dezember —* Der Vorstand der Gewerbeanst alt Landshut, Herr Obertngenieur Taubald, ist aus dem Heeresdienste entlassen und hat seine berufliche Tätigkeit wieder in vollem Umfange ausgenommen. Tie Ges,ch,äste der An­ stalt werden in gleicher Weise. Wie vor dem Kriege weitergeführt werden. —*DasGebot der Stunde. Ueber die­ ses Thema wird am Sonntag im Bernlvjchßretzsaal Herr Dr. HofmanwMümten im Namen der Teutschen Volkspartet sprechen. Das The­ ma gevoinnt erheblich; an Interesse durch die heute bekanntgegebene Festsetzung der Wahlen zum neuen bayerischen Landtag für den 12. Januar. Mit einem derart nahen Wahltermin hatte bei der.bishevigen Haltung des bayerischen Ministeriprästdenten niemand gerechnet. In wenigen Wochen wird nunmehr das bayerische Volk an die Wahlurne zu treten haben, um zu entscheiden über die künftige Staaöts- und Re­ gierungsform. Es obliegt daher jedem Manne, jeder Frau, welche das 20. Lebensjiahr zurück­ gelegt hat, die Pflicht, sich über die Richtlinien der neuen Parteien zu unterrichten, damit sie mit gutem Gewissen no,t eigener Ueberzeugung derjenigen Partei ihre Stimme geben können, welche in ihren Zielen mit ihrer Weltanschaujung und ihren Wünschen für Volkswirtschaft und Volksivohlfahrt übereinstimmt. Tie Teut­ sche Volkspartei in Bayern, Ortsverein Lands­ hut, hält daher am nächsten Sonntag im Bern!loch.nersaal eine öffentliche Volksversammlung, um allen Wahlberechtigten die Ziele ihrer Par­ tei zu erläutern. Es ist jeder Mann und jede Frau hierzu« ingeladen. Wir scheuen nicht zurück vor einer freien Aussprache. Unsere Ziele geben dem Volke die wahre Freiheit, allen Ständen volle Gerechtigkeit,unser Kampf gilt der Klassenherrschaft von links und rechts, dem unsozialen Wirken eines, skrupellosen Ka­ pitalismus. Komme daher jeder, dem es ernst ist mit seinen Staatspflichten, Mann und Frau. Nur wer alle Parteien gehört, ttier deren Ziele • kennt, wird ause igenem Urteil befähigt sein, sein Wahlrecht auszuüben zum Wohle unseres Volkes und zu seinem eigenen Wohle. —* Im Reservelazarett im Magdalenenheim starb der Pionier Willy Rosenfeld von Hamburg. —* Seinen Einzug hielt gestern vormit*tags hier der Stab der daher. 12. Division herzlich, empfangen von der hiesigen Bevöl­ kerung. Es waren nur noch, 10 Offiziere, 50 Mann uund 42 Fahrzeuge. f , —* Dru pp enHe i m keh r. Die Bevölkerung ist begreiflicherweise in gespannter Er­ wartung, l.mnn unsere heimischen Truppen hier einziehen. Tie Bevölkerung darf überzeugt sein, daß sie rechtzeitig davon verständigt wird rmd soll sich, durch voreilige Gerüchte in keiner Wsise in Aufregung bringen lassen. Seit Sonn­ tag, den 1. ds. früh bis Freitag abends ist ketz nerlei Meldung mehr vom 16. Jnfanterie-Regiment eingekommen. 19 größere Bahnknotenpunkte, die bei der Heimfahrt unserer Truppen berührt werden, sind ersucht, sofort Mittei­ lung zu machen, falls das 16. Infanterie-Regi­ ment dort durchkommt. Vorläufig steht nur fest, daß unsere Sei zehner sich aus dem Fuß­ marsch oder im Ruhequartier befinden. T«f- ────────── Landrat von Niederbayern. 3er Nfinletat ’ f für den Kreis Niederbahern wurde gestern im Landrate genehmigt. Tie Einnahmen aus Staatsfonds zu ins­ gesamt 3 222 310.69 Mark werden anerkannt. Sodann wurde der Bedarf der ntederbah. Volksschulen aus Staats- und Kreissondszufchüssen also festgesetzt: Ständige Bezüge des Leh Personals aus Staatsmitteln: aus pflichtmäßigen Reichnissen ©735.94 Mark, auf Grund besonderer Willigung ;46j44.48 Mark, Anschlag der vom Staate über­ lassenen Dienstwohnungen und Tienstgründe 15.40 Mark. Gehaltserg,änzungszuÜMsse für das Lehr­ personal in Gemeinden ohne Ortssatzung ,892 320.07 Mark Tienstalterszulagen aus Staatsmitteln für das Volksschullehrpersonal in den Gemeinden bis zu 10 000 Einwohnern 860 000 Mark. Außerordentliche Zulagen für das Lehr­ personal in diesen Gemeinden 276 000 Mark, Kriegsteuerungsbeihilfen und -Zulagen für das Kehrpersonal 1010 000 Mark. Vergütungen für Aushilfslehrer in Ge­ meinden ohne Ortssatzung 28 500 Mark. Ter ©och, nicht feststellbare Mehrbetrag an Kosten für Unterrichtsaushilfen an den Volksschulen iytrf aus den Erübrigungen der anderen Titel des Kreisvoranschlages und der Kreisreserve für 1919, sowie aus allenfallsigen Wehreinnahjimen von Umlagen gedeckt werden. Besondere Vergütungen und Unterstützun­ gen für das Lehrpersonal und zwar: im allge­ meinen 5000 Mark, für dürftige Anwärter des Volksschuldjenstes während der Ableistung ihrer gesetzlichen Heevesdienschflicht (aus Staatsmit­ teln) 500 Mark. ; ( f ' ■ _ I Allgemeine Beiträge an " Schulkassen: Bauschbeträge an die Schulkassen der Gemein­ den mit 10 000 und mehr Einwohnern 65 792 Mark 66 Pfg. Weitere Beiträge an die Sch Ul­ kassen dieser Gemeinden 25 675.60 Mark. Zu­ schüsse an die Schulkassen der übrigen Gemein­ den mit Ortssatzung 26 053.35 Mark. Auf Grund besonderer Willigung für klösterliche Lehrerinnen an Volksschulen aus Staatsmitteln 123 446 Mark, aus Kreismitteln 25 669.12 Mk. Für allmähliche Ablösung des Mesnerdienstes 'ist jetzt der Fond aus 3517.26 Mar? angewachjfen. . s ' ' ' • 1 Beiträge zum Sachbedarf der Schulen und zu Schulhausbauten: aus pflichtmäßigen Reich­ nissen des Staates 460.14 Mark, aus KreismitMn 1720 Mark, Beiträge zum Unterhalt von Schulhäusern und zu Schulhaüsneubauten 85 720 Mark. Ständige Bauausgaben: 112.22 Mark. Prüfnngs- und Aufsichtskosten: Entschädi­ gung der Tistriktsschulinslpektoren für Vornah­ me der Schulprüfungen und dergl. 19 645 Mk., für die Kreisschulinspektoren: Gehalte 18000 Mark, für Dienstreisen 3000 Mark, für RuhegeiHalte und Hinterbliebenenbezüge 1895 Mark. Ruhegehalte und Unterstützungen .für dienstunfähige Lehrpersonen: Zuschuß an die Kreispensionsanstalt für dienstunfähige Lehr­ personen: aus Staatsmitteln 151 300 Mark, aus Kreismitteln 130 269 Mark, Ruhegehaltszulagen nach, einem Drittel der zuletzt bezogenen Tienstalterszulageu aus Staatsmitteln 58 000 Mark, zur Unterstützung der in den Ruhestand versetzten Lehrpersonen 12 300 Mark, zur Un­ terstützung von Lehrpersonen, die vor dem 1. Januar 1904 in den Ruhestand versetzt wurden, aus Kreismitteln 1000 Mark. Unterstützungsbeiträge für die Hinterblie­ benen der Volksschullehrer: aus Staatsmitteln:.. Unterhaltsbeiträge 145 000 Mark, zur Unter­ stützung der Lehrerhinterbliebenen 10 400 Mk., für dürftige, dem Unterstützungsalter entwachtfene Lehrerwaisen 2000 Mark; aus Kreismititeln: Zuschuß au den Kreisverein zur Unter­ stützung der Hinterbliebenen der Volksschulleh­ rer 28 078 Mark, Beitrag an den Privatveretn zur Unterstützung dienstunfähiger Volks schuhLehrer in Niederbahern 1000 Mark, zur Unter­ stützung der Lehrerhinterbliebenen 10000 Mk. Uebrige Ausgaben: Unterstützungen fürAnwäcter und Anwärterinnen des Volks schuldienftes während der Ableistung ihrer Schulpraxis ilOOO Mark, auf die Fortblldnng des Volks»- schullehrerpersonals: Entschädigungen der Beßirksaberlehrer 13 000 Mark, Reiseentschädigung an Fortbildungspflichchige zum Besuche der Kon­ ferenzen 1000 Mark, zur Förderung der Be»zirkslehrerbüchereien 500 Mark, zur Hebung des Unterrichts in den weiblichen Handarbeiten 11900 Mark, zur Unterhaltung und Ergänzung der Kehrmittelausstellung in Straubing 500 Mark, zur Unterstützung- armer Gemeinden be­ hufs Anschaffung von Büchereien 500 Mark. Unvorhergesehene Ausgaben: 2674.11 Mk., tn Summa: 3 991310.69 Mark. , Zusammenstellung: Ausgaben 3 991310.69 Mark i Einnahmen 3 222 310.69 Mark ) 1 Leistung des Kreises 769 000.00 Mark Für Unterstützung der bereits 1 Jahr als .Aushilfen in Verwendung gewesenen Lehrkräfte, welche wieder in den Vorbereitungsdienst zu­ rückgestellt werden, wurden für 1919 30000 Mark genehmigt. - i | i i ~! • Mn Gesuch- um Entschädigung für Mitfüh­ rung weiterer Schulklaffen wurde als für 1919 , nicht mehr in Frage stimmend abgelehnt. Die Würdigung von Gesuchten um Beihil­ fen zu den Kriegsteuerungszulagen in Orten über 10000 Einwohnern wird der Regierung und dem stand. Land ratsaus schuß überlassen. Als Beitrag zu Schulhausneubauten zär Beschaffung von Arbeitsgelegenheit stehen 85 000 Mark aus Staatszuschüssen zur Verflbgnng. Ihre' Verteilung wird der Regierung und dem ständ. Landratsausschutz überlassen. Aushikssleh rkväften, welche das ganze Schuljahr tätig waren, sollen Fünftig die Ge­ bühren für die beiden Ferienmonate belassen werden. 1 ────────── Letzte Posten. Wilsons Abreist. s Amsterdam, 5. Tbz. Nach» einer Mel­ dung der niederländischen Radioagentur trug die Abreise Wilsons von Newtzork den Cha­ rakter einer großen Festlichkeit. Der Dampfer "Georg Washington" wird von der Flotte der Bereinigten Staaten nach Frankreich geleitet. LhnrschM droht. WTB. Rotterdam, 4. Tez. Churchill erklärte in einer Wählerversammlung in Tun­ dee, man brauche nicht zu fürchten, daß Teutsch^ land mit einer leichten Strafe davonkommen werde. Tie Strafe werde alles bisherige gn Schrecklichkeit übertreffen. , t Heftiger Wahlkampf in England. WTB. Stockholm, 4. Tez. In England ist der Wahlkampf mit unerhörter Heftigkeit entbrannt. Er entwickelt sich immer mehr zu einem Kamps zwischen dem Imperialismus und dem Sozialismus. Tie Arbeiterpartei gehe itt 300 Kreisen zum Angriff vor. List Franzosen in der Pfalz. I WTB. Ludwigshafen, 5. Dez. Heute vormittags sind in Kaiserslautern mehrere tau­ send Mann französischer Truppen eingerückt, darunter die marokkanisch^, Division. Iw Spey­ er rückten um die Mittagsstunde das französische 51. Infanterie-Regiment und die 9. Genie­ kompagnie, zusammen etwa 1500 Mann, unter klingendem Spiel in die Stadt ein, wo vor dem Präsidialgebäude Fine Parade vor dem Tivisionsgeneral stattfand. In Ludwigshafen, traf mittags mit Gonderzug eine interalliiert« Kommission aus sechs Offizieren ei« und hatt« im Eisenbahndirektionsgebäude mit den maß­ gebenden ©teilen Besprechungen. t Eine Anfrage Bayerns. l Berlin, 5. Tez. Ter bayerische Minisfterpräsident Eisner hatte der Rehchsregierung eine erneute Konferenz der deutschen Freistaa­ ten in Jena vorgeschlagen, deren Aufgabe es sein sollte, eine programmatische Kumdgebung der äußeren und inneren Politik zu vereinba­ ren, insbesondere die Frage der Nationalver­ sammlung, der Besetzung im Auswärtigen Aimj* te und der AktenveröfsentlichjunA zu regeln. Tie Reichsregierung habe daraus folgende Ant­ wort erteilt: Wir sind zu dem einmütigen Be­ schluß gelaugt, von der Einberufung einer sol­ chen Konferenz abzusehen, weil nach unserer Ansicht kein genügender Grund für einen sol­ chen Zusammentritt vorliegt. . ' Keine neue Bundesstaatentagnilg. C. H. Pon der Regierung des Volksstaates Bayern ist heute an die Volksbeauftragten Ebert und Haase folgendes dringendes Tele­ gramm abgegangen. Tie öffentliche Meinung Bayerns ist aufs tiefste beunruhigt über die Frage der Verlängerung des Waffenstillstandes, der in wenigen Tagen abtaust. Wir ersuchen dringend sofort uns über den Stand der Ange­ legenheit zu unterrichten. Ferner fordern wir daß uns unverzüglich Antwort gegeben wird aus unseren Antrag der Einberufung des deut­ schen Vertretertages. ^ , l Tie Regierung des Volksstaates Bayern. Ministerpräsident Kurt Eisner. Die Armee Mackensen. Berlin, 5. Tez. Tie deutsche Waffenstilkstandskommiffion hat durchgesetzt, daß von der Internierung der Heeresgruppe Mackensen end­ gültig Abstand genommen wurde. Tie Rück­ führung der Truppen in die Heimat wird mit der Bahn und zu Fuß fortgesetzt. Eine große Anzahl von Formationen hat die deutsche Gren­ ze bereits überschritten. ChnrjchM spricht. London, 5. Tez. In einer in Tundee abgehaltenen Rede sagt« Churchill, es bestehe nicht die Absicht, die Rückgabe von Helgoland zu verlangen. Tie Admiralität halte das nicht für notwendig. Ferner teilte er mit, daß die Regierung die Nationalisierung der Eisenbah­ nen beschlossen hat. ; , , ' i ■ i . ■ I ────────── Inserate. ────────── Reichrbmd der KriegsbcWWte» rat Client. Kriegsteilnehmer (Ortsgruppe Landshut). Sonntag, den 8 Dezember, vormittags 10 Uhr Gasthaus Rainer, Altstadt Mitglieder-Versammlung Wegen der wichtigen Tagesordnung zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. 3406 Der Vorstand. ────────── Druck u. Verlag I F. Rietsch. Verantwortlicher Schriftleiter K. X. Wagner. Beide in Landshut