Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-02-27. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 47, 1918-02-27. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Hilfskreuzer "Wolf" hat in Durchführ­ ung der ihm übertragenen Aufgabe mindestens 35 feindliche oder für den Feind fahrende Handstlsschiffe mit einem Gesamttonnengehalt von mindestens 1 " 210 000 Brutto-Regiftcrtonnc» vernichtet oder so schwer beschädigt, daß ihre Wiederverwendung auf längere Zeit ausge­ schlossen ist. i Es handelt sich vorwiegend um große wert­ volle englische Dampfer, deren gleichwertiger Ersatz in absehbarer Zeit nicht möglich ist. Mehrere Dampfer waren besetzte englischst Trup­ pentransporter. Ihr Untergang hat entspre. chende Menschenverluste zur Folge gehabt. Fer­ ner sind durch die Kriegsmaßnahvien des Hilfs­ kreuzers der japanische Linien schiffskreuz!er"Hanmci" von 20 000 Tonnen Wasserverdrängung I und ein englischer oder japanischer Kreuzer, dessen Name nicht festgestellt werden konnte, schwer beschädigt worden" Der Ches des Admiralstabes der Marine. Der iftert-ng. Mt. WTB. Wien, den 26. Februar. Mittags.; -iwiro Westlich der Brenta scheiterte ein Vorstoß der Italiener. Ter Ches des Generalstabs. Situ westlich« NiWschmllz Lailkanx vergiftet? Wie aus Bern gemeldet wird, soll Caillaux unter Vergistungserscheinnngen erkrankt sein. Sein Gertchtsverteidiger drjngt auf eine genaue Untersuchung des Sachverhaltes. Ar denisSe Berich-. WTB. Berlin, den 26. Februar 1918 Großes Hauptquartier: i - i Heeresgruppe Eichhorn. 1 Mer Tage nach Ueberschreiten des Moonsundes haben gestern vormittags die aus Reval angesetzten Truppen — Radfahrer, Kavallerie und Maschinengewehrscharfschützen an der Spitze — unter Führung des Generalleutnants von Seckendorf nach Kamps die Festung genommen. In Livland haben viele Städte bei unserem Einzüge geflaggt, i Zahlreiche durch Russen verhaftete Landeseinwohner wurden befreit. Südlich von Pleskau (Pskow) stießen un­ sere Regimenter auf starken Widerstand. In heftigem Kampfe schlugen sie den Feind. DFe @tstbt wurde genommen. Heeresgruppe einsinge* Feindliche Kräfte warfen sich unseren in der Ukraine längs des Pripjet vordringenden Abteilungen bei Kolekowitschi entgegen. , Zm schneidigen Angriff wurde der Feind geworfen, Stadt und Bahnhof erstürmt. Zn wenigen Tagen haben die Truppen der Heeresgruppe Linsingen zu Fuß, mit der Bahn und auf Kraftwagen unter großen Anstrengun­ gen und Entbehrungen mehr als 300 Kilometer zurückgelegt. ' '< Im Verein mit ukrainischen Truppen ha­ ben sie große Teile des Landes von plündern­ den Banden befreit. > Tie ukrainische Regierung hat in den vom Feinde ge änderten Gebieten die Ruhst und Ord­ nung wieder hergestellt. An Gefangenen wurden an der Ostfront neuerdings eingebracht: 3 Tivisionsstäbef 180 Offiziere und 3676 Mann. Gesangenenzähl und Beute aus Reval und ^Pleskau lassen sich noch nicht übersehen. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. ' 1. Generalcmarttermeilter: Ludend or,f. WTB. Berl.in, 26. Februar. Amtlicher A-bendbericht: Nie Operationen im Osten nehmen den be»bstchtigten Verlauf. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. ────────── , nannt hatten, daß ihnen aber von den Bolschetoifi die Pässe verweigert wurden. 1 Die Rote Garde bestehlt aus Arbeitslosen. Tiie "Mmes" erfährt aus Petersburg, daß das maximalistische Heer in der Hauptsache aus Arbeitswsen zusammengesetzt ist, "verert Zahl infolge der durch den deutschen Vormarsch tocraiuifnu>z Schließung der Fabriken und Ar-, beitsstellen stets größer geworden ist Eine kleine Unzahl - russischer Soldaten hilft den Bolschewiki bei der Organisierung von Trupps zu i00() bis 1500 Mann, deren Stufgabe es sein soll, die deutschen Angreifer zu beunruhigen. ────────── Aus Kurland, Livland und Esthland. 3He Befreiung Wtt Walk. Vorgeschobene Kraftfahrer erreichten am 22. Februar mittags nach GewaltmärschenWall!. In der Stadt hatten sich viele Hunderte von russischen Soldaten versammelt, die die Strapa­ zen des Rückzuges nicht mehr ertragen wollten und gleichgültig die Teutschen erwarteten. 200 Mann, die sich am Bahnhöfe mit dem Plün­ dern der ungeheuren Vorräte beschäftigten, wurden durch eine Attacke unserer Husaren zersprengt .Es wurden diele Kriegsgefangene gemacht. 500 Oesterreicher und 100 Teutsche wurden befreit und sofort zürn Sicherheitsdienst gegen die zahlreich versteckten Roten Gardisten verwandt. .Tie Einwohner kamen doller Dank für die Erlösung aus schwerster Not mit Tränen in den Angen den Teutschen entgegen. Die Bol­ schewisten schleppten auch ans Walk mehrere Hundert deutsche und lettische Einwohner weg. Von den aus Wolmar Deportierten wurden 20 im Walde losgelassen und dann tote die Hasen niedergeschossen. Zwei 'Letten, darunter ein Pfarrer, die sich tot stellten, enttarnen. Ter tägliche Anblick von dem Glend sinnloser Zer­ störung treibt die deutschen Truppen, die schwer­ sten Strapazen mißachtend, zur größten Eile. Ruhetage gibt es nicht. Marschleistungen von 50 bis 80 Kilometer, trotz verschneiter Straßen 6et 15 Grad Kälte sind an der Tagesordnung. Tie Rote Garde hat den systematischen Banden­ krieg organisiert zu^neuen Schrecken für die Be­ wohner. Tie llebersälle mit Untaten und be­ stialischer Rohheit nehmen zu. Jede Stadt, jedes Torf und Gehöft fleht die Teutschen um Hilfe an. Es ist unmöglich, gleich,zeitig allen zu helfen. Das Land hat so schwer gelitten, daß erst eine lange Zeit geordneter Verwaltung normale Vedhältnisse wieder herstellen kann, um die Wunden, die durch die Bolschewiki ge­ schlagen wurden, zuHeilen. Ter Vormarsch der Teutschen geht int Eiltempo unter den schwie­ rigsten Verhältnissen rastlos weiter. ────────── Das deutsche Ultimatum an Rußland. Ber l in, 26. Febr. In der heutigen Reichstagssitzung gab Unterstaatssekretär Frhr. 'bon dem Bussche das Ultimatum bekannt, das von den russischen delegierten angenommen worden ist. Es lautet: Deutschland ist bereit, unter folgenden Be­ dingungen mit Rußland die Verhandlungen wieder aufzunehmen und Frieden zu schließen: ' 1. Das Teutsche Reich und Rußland erklä­ ren die Beendigung des Kriegszustandes. Beide Nationen sind entschlossen, fortan in Frieden und Freundschaft zu leben. 2 Tie Gebiete, die westlich der den russi­ schen Vertretern in Brest-Litowsk mitgeteilten Linie liegen und zum russischen Reiche gehört haben, werden der territorialen Hoheit Ruß­ lands nicht mehr unterstehen. Tie Linie ist in Gegend Tünaburg bis zur Ostgrenze Kurlands zu verlegen. Aus der ehemaligen Zugehörig­ keit dieses Gebiets zum russischen Rejche werden ihnen keinerlei Verpflichtungen gegenüber Ruß­ land erwachsen. Rußland verzichtet auf jede Einmischung in die [inneren Verhältnisse djkeser Gebiete. Deutschland und Oesterreich-Ungarn beabsichtigen, das künftige Schicksal der Gebiete im Benehmen mit deren Bevölkerung zu be- ff stimmen. Teutschland ist bereit, sobald der allg gemeine Friede geschlossen und die russische I Demobilisierung sofort durchgeführt ist, das öst­ lich der oben genannten Linie gelegene Webtet zu räumen, soweit sich nicht aus Artikel 3 etwas anderes ergibt. 3. Livland und Estland werden von russi­ schen Truppen und Roter Garde unverzüglich geräumt und von deutscher Polizeimacht besetzt, bis andere Einrichtungen die Sicherheit ge­ währleisten und die staatliche Ordnung herge­ stellt ist. Alle aus politischen Gründen ver­ hafteten Landesbewohner sind sofort freizu­ lassen. 4, Rußland schließt sofort Frieden mit der ukrainischen Volksrepublik. Tie Ukraine und Finnland werden ohne jeden Verzug von rus­ sischen Truppen und Roter Garde geräumt. 5. Rußland wird alles in seinen Kräften stehende tun, um alsbald die ordnungsgemäße Rückgabe.der ostanatolischen Provinzen an die Türkei sicherzustellen und erkennt die Abschaf­ fung der türkischen Kapitulationen an. 6 a. Tie völlige Demobilisierung des russi­ schen Heeres einschließlich dar von der jetzi­ ges Regierung nengebildeten Heeüesteile ist un­ verzüglich durchzuführen. , 6 6. Tie russischen Kriegsschiffe Km Schwar­ zen Meer, in der Ostsee und im Eismeer sind wieder in russische Häsen zu überführen und dort bis zum allgemeinen Friedensschluß zu belassen oder sofort abzurüsten. Kriegsschiffe der Entente im russischen Machtbereich sind wKe russische Kriegsschiffe zu behandeln. 6 c. Tie Handelsschifsahlrt im Schwarzen Meer und in der Ostsee wird wieder aufgenom­ men, wie es im Wasfenstillstandsvertrag vor­ gesehen war. Tos Mnenväumen dafür hat so­ fort zu beginnen. Tas Sperrgebiet im Eismeer bleibt bis zum aUgemeinen Friedensschluß bvstehen. Tie letzten Punkte der Bedingungen be­ treffen die Handelsverträge. Ter Staatssekretär 'sagte noch dazu: T»e russische Delegation, zu der auch Trotzki und Joffe gehören, ist bereits vyn Petersburg ab­ gereist. Ihre Reise wird allerdings durch eine gesprengte Brücke verzögert, die Delegation wird aber heute oder morgen früh in BrestLitowsk eintreffen, wo die deutsche schon ein­ getroffen ist. Tie türkische und die bulgarische treffen im Lause des Tages ein. Nach einer wetteren Meldung wurde das Wiederinkrafttreten des deutsch-russischen Han­ delsvertrages, Sicherung der Meistbegünstigung bis Ende 1925, Verzicht auf jede Agitation ge­ gen die verbündeten Regierungen, auch in den besetzten Gebieten, verlangt Tie Bedingungen des Ultimatums mußten binnen 48 Stunden angenommen werden Rus­ sische Bevollmächtigte haben sich unverzüglich nach Brest-Litowsk zu begeben und binnen 3 Tagen den Frieden zu unterzeichnen, der inner­ halb zweier Wochen ratifiziert werden muß ────────── Aus Rumänien. Die Verhandlungen mit dem General Avarescu haben am Sonntag begonnen. Nach österr. Pri­ vatmeldungen sollen sie bisher einen günstigen Verlauf nehmen. Bedingungen für Rumänien. Budapest, den 26. Febr. Wie hiesige Blätter melden, wird Oesterreich in den Ver­ handlungen mit Rumänien vor allen Dingen draaus bestehen, daß die Freiheit der Tonauschisfahrl von Rumänien nicht mehr in sol­ cher Weise -gestört werden kann. wie das in den letzten Jahren des Krieges geschehen ist. Nach österreichischen Privatmeldungen legen die Rumänen auf drei beßarabische Kreise, die sie im Berliner Vertrag verloren haben, dasHauprgewicht. Es handelt sich um ein Gebiet von 10 000 Quadratkilometer, General Avarescu hat sein Kabinett nunmehr gebildet. Er konnte aber bisher keinen der in Bukarest zurückgebliebenen Parlamen­ tarier zum Eintritt in sein Kabinett veranlas­ sen. : Aufforderung zum Rücktritt. Von einer besonderen rumänischen Seite wird dem Berliner Korrespondenten der Frtf. Ztg.: gemeldet: Herr Luppu Kostak,Verweser des 'rumänischen Ministeriums des Innern, hat im Namen des früheren Äcinistevpräsidenten Peter Earp der rumänischen Delegation, die von der Jassher 'Regierung zwecks Verlängerung "des Waffenstillstandes mit den Vierbundsmächten nach Bukarest gesandt worden ist, folgende Er­ klärung überreicht: Herr Peter Carp bittet Sie, Seiner Majestät gehorsamst 'unterbreiten zu wollen: daß seiner Meinung nach, selbst Wenk' der König den Frieden mit den Mittel­ mächten unterzeichnet, sein weiteres Verblei­ ben aus dem rumänischen Thron eine Reihe von Erschütterungen hevoorruferr könnte, die die Dynastie unmöglich macht, und die Hei­ lung der durch eine fatale und falsche Politik verursachten Wunden bedeutend erschweren würde. * ────────── Am Balkan. Einberufung des serbische« Parlaments. Römische Zeitungen berichten, daß das ser­ bische Parlament von der Regierung zum 20. März nach Korfu einberufen worden sei. Ter Secolo glaubt, die unerwartete Einberufung der serbischen Kammer mit angeblichen separa­ tistischen Bestrebungen der serbischen Staats­ männer in Verbindung bring«« zu sollen. ────────── Aus neutralen Ländern. Schweden auf den Aalandsiusel«. ' Nachdem eine Verabredung bezüglich der Räumung der Aalandsinseln von den russischen und finnischen Streitkräften getroffen wurde, beschloß die Regierung, gemäß Ermächtigung des Reichstages eine Abteilung zwecks Kon­ trolle, Bewachung und Schutzes der Bevölke­ rung gegen Gewalttätigkeiten dorthin zu sen­ den. Abends schiffte sich. die Mannschaft in Anwesenheit des Königs, des Kronprinzen nebst dessen Sühnen und einer Volksmenge ein, die die Truppen mit Hurrarufen begrüßte. ────────── Der Krieg mit England. Englische Friedensströmunge«. Eine Reutermeldung besagt aus London: In einer Versammlung/die in London über die Friedenspolitik von Lord Lansdowne abgehal­ ten worden war, wurde ein Brief von Lord Buckmaster,dem früheren Schatzkanzle», verle­ sen. Törin wurde beantragt, daß Wilson die we­ nigen und unklaren Ziele umschreiben wolle, derentwegen der Krieg fortgesetzt werde. Man solle von der Erörterung allgemeiner Fra­ gen absehen, dann könnten eventuell die Per­ lhandlungen beginnen. , , Ein anderer früherer Minister, Lord Loveburn sagt, es handle sich um den Wunsch zu prüfen, über welche Bedingungen man sich mit dem Feinde einigen könnte. Nachdem der Sozialist Ramsah Maedonald und der Arbeiterführer Smitlie Ansprachen ge­ halten hatten, wurde eine Entschließung ange­ nommen ,die die Erklärung über die Kriegsziele der Alrbeiterpartei und die Wilsonschen Ausfüh­ rungen unterstützt . ────────── reit erfolglos. Tier Zusatzantrag stellte Me kur­ zen Bahnlinien ebenso unter das Gesetz, wie die langen Strecken. Tier Präsident wird ermächtigt^ Raten für den Passagier- und Frachtderkehv festzustellen. Ter Bahnbetrieb durch die Bun­ desregierung' soll noch 18 Monate nach dem Kriege fortdauern. Ter Gesetzentwurf liegt auch dem Repräsentantenhause vor. ────────── Aus Revals Vergangenheit ner. Und bis zum heutigen Tage ist auch das weiße Kreuz in rotem Felde das Wappenzeichen der Stadt Reval geblieben. Im weiteren Ver­ lauf der Ereignisse wurde die dänische Herr­ schaft sehr bald wieder erschüttert, und als König Waldemar durchs den Grafen Heinrich! von Schwerin gefangen gesetzt war, ergriff der Teutsche Orden die Gelegenheit, um in Esth­ land vorzugehen. Tie Befestigungen des Dom­ berges sind damals durch 'den Teutschen Orden geschaffen worden, und am Fuße des Berges entwickelte sich unter den günstigen Bedingun­ gen eine Niederlassung, die hauptsächlich durch Westfalen und Medersachsen besiedelt wurde. AIs aber Waldemar aus der Hast befreit war, kam es schließlich, zwischen ihm und dem Orden am 7. Juni 1230 zu Stenby zu einem Vertrag, durch welchen die Landschaften Reval, Harrten und Wierland den Dänen, die Landschaft Jerwen dem deutschen Orden zugesprochen wurde. In der folgenden Friedenszeit konnten sich die fraglichen Gebiete gut. entwickeln. Tie Dänen vermochten aber niemals ganz festen Fuß zu fassen, da die Bevölkerung auch jetzt hauptsäch­ lich durch Medersachsen und Westfalen Zuzug erhielt. Airs diese Weise wurde deutscher Han­ del immer mehr in Nepal beheimatet, und iw Jahve 1285 gehörte die Stadt bereits dem Hansabund an. Eine bedeutsame Wendung brachte der Esthenaufftand in der Georgsnacht des Jahves 1343, nach dem der deutsche Or­ densmeister Burchard vvn Tveienleben dm Dä­ nen zu Hilfe kam. Tiefe Ereignisse veranlaß­ ten fedoch König Waldemar TV. am 16. August 1346 die Stadt Reval ihves Treueides zu ent­ binden und mitsamt den dänischen Besitzungen in Esthland gegen 19 000 Mark Silber kölni­ schen. Gewichts dem Hochmeister des Teutschen Ordens abzutreten. Durch den Auseinander­ fall des Ordens im Jahre 1562 kam Reval dann an die Schweden. Nach! einer Zeit des Rückgan­ ges versuchte Gustav Adolf, die Verhältnisse in Reval wieder zu bessern, was ihm jedoch wegen der für seine Kriege erforderlichen gro­ ßen Summen nicht gelang. Tie schönste Erin­ nerung an seine Wirksamkeit für die Teutschen findet sich nicht in Reval, sondern in Torpat in Gestalt der dortigen Universität. Tie Nie­ derwerfung der schwedischen Macht durch die Russen in der Schlacht von Poltawa beendete dann diese wandlungsreiche Zeit, und am 29. September 1710 mußte Reval dem Zaren Peter seine Tore öffnen, um von da an ununterbro­ chen unter dem Tvuck der Russenherrschast zu verbleiben, j Reval, das sich seit Anfang des 18." Jahr­ hunderts unter russischer Herrschaft befand, wurde jetzt, 200 Jahre nach seiner Unterwer­ fung, Wieder von der russischen Macht geräumt, und damit tritt die Geschichte auch dieser schjicksalsreichen Ostseestadt in ein neues Stadium. Tie Vergangenheit Revals ist wie die Rigas vielfach durch, den Einfluß des Teutschtums gekennzeichnet, auch, hier spielte vielfach der Teutsche Orden eine entscheidende Rolle. Wäh!rend wir über die Gründung Rigas durch den Chronisten des Bischofs Albert, Heinrich von Lettland, unterrichtet sind, ist eine eigentWe Geschichte der Gründung Hevals nicht bekannt geworden. Man ist hier also mehr oder weni­ ger auf Vermutungen angewiesen, wahrschein­ lich ist an der Stelle der heutigen Stadt bald nach der Niederwerfung der Eschen ein kleines Hakelwerk entstanden, und nach der Befestigung des "Tombergs" wurden durch die ausgezeich­ neten Handelsaussichten unternehmende Leute angelockt, sodaß sich ziemlich, schnell ein größe­ res Gemeinwesen bilden konnte. Mer heute nach Reval gelangt, kann beim ersten Anblick das Gemisch von Teutsch,tum und Russentum unterscheiden, er sieht auf dem Tomberg das alte Teutschordensschloß, die Domkirche und die byzantinischen, goldglänzenden Kuppeln der russischen Kathedrale. Tie .Eroberung des nörd­ lichen Esthland 'wurde zuerst von Dänemark unternommen. Verschiedeytliche Versuche, dcks Esthenvolk zu christianisieren, hatten keinen dauernden Erfolg. Erst durch das Verhalten des Bischofs Albert von Riga, der wegen sei­ nes' Gegensatzes zum Erzbischof von Bremen den Dänen nachgab, trat eine entscheidende Veränderung ein. Im Juni 1219 konnte der Tänenkönig Waldemgr auf 1500 Schiffen ein großes Heer in der Bucht von Reval landen. Tie Eschen unterwarfen sich scheinbar, riefen aber heimlich Ltmdsleute zu Hilfe, und es kam zu einem heftigen Kampfs dessen Ausgang lange fraglich schien, bis endlich die Tauen den Sieg davontrugen. In die Geschichte dieses Kampfes ist durch die Sage auch, die Entstehung der däni­ schen Flagge verknüpft. Ter Sieg soll nämlich, durch den im Gefolge Waldemars befindlichen Erzbischof Avdreas von Lund herbeigeführt worden sein, auf dessen inbrünstiges Gebet vom Himmel eine rote Fahne mit weißfew Kreuz Herabfiel, die nichts anderes war, als der Tänebrog, Dänemarks heutiges Reichsban­ ────────── Die Nebelfrau. Roman von Annh Wothe. 24[ . i i Machdruck verboten.) Sie dürfen sich die Sache nicht schlimmer und ungeheuerlicher vorstellen, als sie ist, Un­ dine. Ich werde nur selten im Gorlingshof zu sinden sein. Meine vielen Reisen und meine anderen Güter nehmen mich so in Anspruch, daß Sie sich Jhv Leben ganz nach Ihren Wün--. schen und Ihrem Geschmack einrichten können. Bedingt es die Konpenienz, so werden wir der • Welt als ein tüchtiges und friedliebendes Ehe­ paar erscheinen. In Wirklichkeit, Undine, totitL. sche ich, daß wir mit der Zeit wenigstens Freun­ de werden, einer den andern achtend, gute Ka­ meraden, die Vertrauen zu einander haben. 'Wie das so bei Geschästsleuten Sitte ist, gad 'Undine bitter zurück. Haben Sie denn nicht daran gedacht, daß ich vielleicht eines Tages gar nicht imstande sein könnte, dieses Scheinleben zu führen, daß eine Zeit kommen könnte, wo ich mich losreißen müßte von Ihnen und dem Gorlingshof, wo vielleicht mein eige­ nes Herz sprechen würde? Wenn Sie auch und hhvlich. Wollen Sie es mit htir versuchen? Wollen Sie Vertrauen zu mir haben? Ter Frühlingssturm da draußen klopfte an die Scheiben, und es war, als höre man von fern banges Flüstern, wie wenn es leise im Riedgras raunte. ! Ueber die Dänen zog fernher auf ihren Rabenflügeln die Nacht. Undine meinte, ihren bangen und schweren Flügelschlag schaurig zu spüren, i Wenn sie jetzt nein sagte, dann war die Bahn für das Verderben frei. Wie konnte sie das dem Vater gegebene Versprechen besser erfüllen als wenn sie sich selbst zum Opfer brachte? Ihr graute vor dem Mann, der da so nachlässig, so gelassen vor ihr stand und ihr gewissermaßen, weil er das Geld und die Macht hatte, das Leben nahm. Sie hätte ihn schlagen mögen, so sehr haßte sie ihn ln diesem Augen­ blick, und doch wuchs vvn Mnute zu Mnute ihr Wille, ihr leidenschaftlicher WMe: Ich will und ich! muß! (Fortsetzung folgt.) i , % Ihves Herzens so sicher sind, daß Sie niemals nach einer Frau begehren würden, wer sagt Jhüen, daß auch, mein Herz in dem Kreis der Pflichten und Sorgen, die es auf sich nimmt, erstarrt? Wer sagt Ihnen, daß es nicht plötzlich aufschreit und nach Glück ver­ langt und trotz des "Geschäfts" blind darauf losstürmt und nimmt, wonach es fiebernd drängt? i■ : Reimar sah aufmerksam in das tteferregte Mädchengesicht mit den stolz flammenden Au­ gen. Etwas wie Unruhe flog über sein Ant­ litz, dann aber schüttelte er ernst den Kops. Wenn ich nicht unbedingtes Vertrauen zu Ihnen fühlte, Undine, dann hätte ich meinen Antrag nicht gestellt. Sp, wie ich, redet ein Mann nur zu einer Frau, die er hvchschäZt. : Und die ihm sehr gleichgültig ist, ergänzte Undine, bitte, beschönigen Sie nichts, sondern antworten Sie mir lieber. Was dann? - Auch daran habe ich! gedacht. Wenn Sie einst zu mir kommen und sagen: Gib mich frei, ich liebe einen anderen, ich! ertrage das Lebvn so wie du es mir bieten kannst, an Deiner Seite nicht, dann soll, ehe ein Jahr verflossen ist, der Weg frei, sein und trotzdem der Gorlingshof Ihnen und den Ihren verbleiben. Und nun geben Sie mir eine Avtwort, Undine, offen ────────── den, wogegen Mexiho das Silberausfuhrver« bot aufhebt. ( ^ - > ' Tie. mecklenburgische Staatsfrage. Die staatsrechtliche Frage wird mntlicherseits daHn aufgefa&t, daß der Erbfall an Schwerin zweifel­ los geworden ist, nachdem der in Rußland le­ bende Angehörige endgültig ausgeschieden sein wird. Ter GroWerzvg von Mecklenburg-Schwe­ rin traf gestern abends in Neustrelitz ein. Tjie versiegelten Palpiere des Verstorbenen sollen nach der Aufschrift angeblich nur Verfügungen über die Hofhaltung enthalten. ! Tie Wahlen in Spanien. Lyoner Blätter sind besorgt über den Ausgang der spanischen Parlamentswahlen. Tie Wahl des konserva­ tiven Führers Maura in Madrid ist gesichert, die der anderen deutsch-freundlichen Kandida­ ten ist trotz der großen republikanischen Pro­ paganda wahrscheinlich. \ i Tages-Uebersicht. Amerika und Mexiko. Dem Amsterdaimier Handelsblad zufolge hat die Regierung der Peränigten Staaten die Zustimmung erteilt, fünf Millionen Tvllar in Gold nach Mexiko zu sen­ ────────── Allerlei. Eine Neberschwemmuugskatastroplhe in Ba­ tavia. Aus Batavia wird gemeldet, daß infolge eines lhestigen Wvlkenbruches und eines gewalttgen Wirbelsturmes hälb Batavia unter Wasser steht. Mehrere Dörfer sind weggespült und einige tausend Bewohner obdachlos. : Großer Briesmarkcndiebstahll. Bei einem Postamte in Budapest wurde eingebrochen und Briefmarken im Werte von 100 000 Kronen entwendet, i ! f ────────── tcn und bton dort abtransportierten Ladungen von und nach Wien durchs die Bahn befördert werden müssen. Man kann von einem.unerwar­ teten und glänzenden Erfolge sprechen, da auch die Kosten .für Scheinwerfer und Leuchtbojen nicht allzu hoch, sind, j j ────────── Letzte Posten. Reue tV«*otS ; i Ter Chef des Admiralstabes der Marine. .Tie russische Tielegation. Petersburg, 25. Febr. Airs Anord­ nung des Rates der Volksbeauftragten ist eine Abordnung nach Brest-Litowsk gesandt worden um den von der deutschen Regierung vorgeschla­ genen und in der Sitzung vom 24. Februar 4 Uhr morgens vom ausführenden Hauptaus­ schuß in Petersburg angenommenen Frieden zu unterzeichnen. Zu den Mitgliedern der Frie­ densdelegation gehört auch diesmal ivieder Trotzki. . 1 Neue Prüfung der Entente-Kriegsziele. Amsterdam, 26. Febr. Tie Londoner "Daily Mail" meldet, das britische Kahinett habe sich in seiner Sitzung amFrejitag bereit erklärten dievon Wilson, gewünschte Nachprü' fung der Versailler Kriegszielbeschlüsse einzu­ treten. i '' r 1 Fliegerangriffe aus Italien. C ' Rom, 25. Febr. (Agenzia Stefani.) Eine am Montag abends veröffentlichte halbamtliche Note besagt: Bei einem Vorstoß in der letzten Nacht warfen feindliche Flieger *27 Bomben auf Venedig, 30 aus Mestre und 5 auf Castelscancv. 'In Venedig wurden 2 Personen ge­ tötet und 9 verletzt, in Mestre 3 Personen ge­ tötet. T-ke Opfer gehören sämtliche der Zivil­ bevölkerung an. Leichter Schaden wurde an Gebäuden und Privateigentum angerichtet, i ────────── Literarisches. Die Verficheruitgsprojekte der Bayerischen Berkehrsverwaltung von Ludwig Bennert, 80 Seiten, München, Weinstr. 2, Militärische Ver­ lagsanstalt, Preis 1.75 Mgrk. (Sin Wegweiser zum Turchhalken in Küche und Haushalt ist das soeben erschienene Büch-! lein: Haus und Herd in schwerer Zeit. Unter Förderung des Wohlfahrtsausschusses Mün-! chen und unter Mitwirkung von Eugenie Erle­ wein, Leiterin der Hauswirtschastlichen Bera­ tungsstelle München, herausgegeben von- Ca­ roline Herrmannsdorfer. Verlag Carl Aug. Seyfried u. Comp.,'München. Das Buch, dessen Ratschläge alle aufs gewissenhafteste erprobt und mit Unterstützung fach- und berusstüchtiger Frauen und Männer durchgearbeitet sind... lehrt praktische, nutzbringende Sparsamkeit. Es hat drei Teile: 1. Praktische Winke und Erspar­ nisse im Haushalt, 2. Kochrezepte, 3. Hand-, werksbehelse im Haushalt. Ein Anhang klärt über Säuglingspflege, auf und verzeichnet aus­ führlich. was und wie gesammelt werden soll im Interesse der Allgemeinheit. Preis 1.20 Mark kartonniert und 1.80 Mark gebunden. "Wachtfeuer" (Architektur-Verlag "Tn Zirkel" G. m. v. H., Berlin, Wilhelmstr. 48, Pack 20Psg.) ist das neueste 145. Heft erschienen ────────── Vermischtes. Eine Entführung. i An der Südwestküste Englands, dort, wo der St. Georgskanal, der breite Meerbusen 1 zwischen Irland und England, in den Aermeü kanal mündet., steht der Leuchtturm von Wizard. Mn äußerst lebhafter Schiffsverkehr ballt Ich hier manchmal zusammen, doch vergehen jetzt, nachdem unsere U-Boote in einem Jahr' 9.6 Millionen Tonnen versenkt haben, manchmal Tage, bis wieder ein.Schiss vorbeikommt. Tlie Bewachung dieses Teils der Küste ist jedoch andauernd sehr stark, weshalb es einem UBoot sehr schwer ist, unbemerkt in dieser leb-, hasten Fahrstraße zu arbeiten.^ , Am Weihnachtstage hatte hier eines un­ serer neueren U-Boote unter- einem sehr bewährten Kommandanten Wartestellung einge- j nommen, und dabei ein mit vollen Segeln nä­ herkommendes Vollschisf beobachtet, bas sich aus der Ausreise befand. 'Um unbemerkt zu : bleiben, tauchte "U..." unter und steckte nur ab und zu das Sehrohr über den Wasserspiegel hervor,^.um'das ^ Segelschiff zu beobachten. Ta kamen plötzlich hinter dem Kap vier englische Bewachungsdampser. hervor, die das Voll- 1 schiss, welches die norwegische Flagge aufzog, anhielten. Ta die Marineleute dem U-Boot den Rücken zudrehten und angespannt nach dem Norweger hinüberstarrten, konnte Kapitän­ leutnant St. durch das Sehrohr unbemerkt be­ obachten, Wie der Kommandant des einen Be­ wachers das Sprachrohr an den Mund setzte . unb etwas Hinübexrief, worauf der norwegische Kapitän den Kops schüttelte. Zweifellos hatte der Engländer gefragt: "Haben Sie ein Unter­ seeboot gesehen?", und der Norweger geant­ wortet: "Nein," denn beruhigt trollten darauf die vier feindlichen Schiffe von dannen, wäh­ rend. "U..." dem mit prallen Segeln nach ■ Westen enteilenden Vollschiff fölgte. Bald da­ raus tauchte es.auf und hielt durch einen Ge­ wehrschuß den Segler an. Eine Versenkung an Ort und Stelle erschien zu gefährlich, weil Geschützdonner oder Knall der Sprengpatro-, neu in kürzester 'Zeit die Bewachung alar­ miert und die Verfolger auf die Spur des UBootes gehetzt hätten, .was es zu vermeiden wünschte, weil es unbemerkt bleiben wollte. Deshalb faßte Kapitänleutnant St. den Ent­ schluß, den Segler aus dieser stark bewachten Gegend herauszuführen, zu welchem Zwecke er den Steuermann G. mit 3 Mann an Bord des Vollschisfes schickte, um es etwa 30 Seemeilen weiter aus dem TaMpferweg hinauszusegxln. Genau wie beabsichtigt/ wurde der Vorsatz aus­ geführt. Bei der frischen Brise lies das Segel­ schiff gute Fahrt, . so daß das U-Boot Mühe hatte, ihm zu folgen. Drei Stunden später jedoch übermittelte ein Flaggensignal vom UBoot dem Steuermann auf dem Segler- den Befehl, beizudrehen. "U..." schoß ‘heran, Sprengpatronen wurden herübergereicht, die Mannschaft verließ das Schiff, und bald daraus sank der ngch Amerika bestimmte Segler ‘in die Tiefe. Schon zwei Tage später sollte sich die Wirkung der Kriegslist zeigen, indem "U. in seinem alten Tätigkeitsgebiet einen Gekeitzng. überfallen und 3 Dämpfer mit zusammen 17 000 Brutto-Register-Tonnen versenken konn­ te. Dadurch wird die Neugierde der Bewa­ chungsdampfer nach der Anwesenheit eines deut­ schen Unterseebootes ja wohl befriedigt gewe­ sen sein. ! . ────────── schen Artillerie, indes feindliche Erkundungen Hoiedevhvlt gegen die Hindernisse vorfühlten, um den Grad ihrer fortschreitenden Zerstörung fest’ zustellen. Schon in diesen Tagen nahm Infan­ terist Johann. Schopf, ein Holzhauer aus Wtschönau. B.-A. Grafenau, und bereits einmal verwundeter Inhaber des Eisernen Kreuzes ^des öfteren aus freien Stücken an nächtlichen Unternchmungen zur Fernhaltung des Gegners und Einbringung Von Gefangenen teil. 1 Als aber am Morgen des 16. die nach schwerstem Trom­ melfeuer losbrechende feindliche Infanterie bei­ de vorderen Linien überrannte und trotz des deutschen Sperrfeuers mit Unterstützung ihrer Artillerie durch die Verbindungsgraben an die "Reimser"-Straße heranzukommen suchte, wehr­ te Schopf ungeachtet seiner mehrfachen Ver­ letzungen durch Granatsplitter in den Reihen des Stoßtrupps der 8. Kompagnie die Fran­ zosen so erfolgreich ab, daß der beabsichtigte Durchbruch mißlang. Obwohl schließlich Schopfs Wunden eine weitere Teilnähine am Wurfkampfe unmöglich machten, verblieb er dennoch in der Stellung und schleppte unermüd­ lich Handgranaten bei, bis ihn die heftigsten Schmerzen zwangen, ärztliche Hilfe auszusuchen. Für dieses mustergiltige Verhalten tottrbe er mit der Silbernen Medaille belohnt. ────────── Stadttheater. Tie ANtoren Oswald und Grünwald der am Sonntag gebenen phantastischen Komödie "Ein seltsamer Fall" haben sich offenbar in der Türe geirrt, denn HP Machwerk gehört nicht auf die Bühne, sondern einzig und allein auf t die Kinoleinwand. Tie märchenhaften Hirn­ gespinste des spleenigen Engländers Lord De­ lhi, der dank seiner utophsttschen Erfindung ein Doppelleben zu führen imstande sein wollte, in die Nähe der Wahrscheinlichkeit zu rücken ist eine dankbare Ftlmaufgabe für diese Sensationslhintertreppen-DoteHivbegebenheit. Dije Bühne kann und darf keinesfalls zum Sprach­ rohr derartiger an 10 Pfg. Massenheft-Literartur mahnende Machenschaften herabgewürdigt tverden. Herr Kaspar gab sich Mühe, die Phan­ tastik in den Vordergrund zu bringen und verstand es, die in dem Sorbe vereinigten bei­ den Naturen des Guten und des Bösen wirksam auseinanderzuhalten. Tie zu dem Geschehnisse! erforderlichen Nebenrollen beschäftigten außer­ dem noch die Tamen Eiselt, Blom, Laschinger, Mikulska und Robby, sowie die Herren Weigl, Tr. Quedenfeldt, Oberdörfer, Köhler, Seusert, Brückner und Walter. Ob die verschiedenen Lachsalven der Gewohnheit des gutbesetzten Hauses entsprangen oder humorvolles Mitleid für die Väter dieses englisch-krankhaften Musenfindes bedeuteten, müßte dem Spürsinne eines Stuart Webbs oder Joe Tebbtz überlassen werden. Einen.Vorzug hätte die Komödie'und zwar jenen der Mrzp, denn das Theater war um 9.15 Uhir bereits geleert. - Hg. ────────── Dienstesnachrichten. rolina Büchner von Landshut in Tunding; in den dauernden RNhestand versetzt: der im zeitlichen Ruhestand befindliche Hauptlehrer Fr. Xaver Müller von Osseltshausen aus Ansuchen unter Anerkennung seiner Dienstleistung. Ab 15. Februar 1918 wurden versetzt auf Ansuchen: der Hanptlehrer Joseph Mooser von 'Rejchersdorf (Landshut 1) nach Obe raich dach; entlassen aus Ansuchen: die Schulverweserin Therese Wolf in Hauzenberg. . Staatsministerinm des Innern für Kir­ chen- u. Schulangelegenheiten. Ter Bezirks­ amtsassessor am Bezirksamte Deggendorf Max Säule, derzeit verwendet im Staatsministerium des Innern für Kirchen- u. Schulangelegenheiten wurde in gleicher Ttenstesetgenschaft in die­ ses Ministerium einberufen, i ( Vermessungsdienst. In etatsm.. Eigen­ schaft ernant wurde der ge!pr. Geometer Karl Schmidt, verwendet im Regierungsbezirk Niederbapern, zum Kreisgeometer bei der Regie­ rung von Oberbahern, Kammer der Finanzen. S-uldienst. Ab 1. Januar 1918 wurde int zeitlichen Ruhestand belassen: der Hauptlehrer Joseph Stoiber von Thanndors auf ein wei­ teres Jahr. Ab 1. Februar 1918 wurden be­ fördert: zum Volksschullvhrer der Schulver­ weser Alois Huber von Scott, z. Zt. im Heere^ in Heiligenberg; zu Schulverwesern die Hilfs­ lehrer Franz Schönecker von Schwarzach in 'Schönberg, Karl Buchstett von Landau a. I., z. Z. im Heere, in Geisenhausen; zu Schttlderweserinnen die Hilfslehrerinnen ANna Weber von Achdorf in Schwimmbach, Anna Lackerbau­ er von Kollnburg auf ihrer Tienstesstelle; ver­ setzt auf Ansuchen: der Schulverweser Johann Nagler von Schönberg nach! Lam, der Hilfsleh­ rer Joseph' Uttenthaler von Schöllnach, z. Z. im Heere, nach Landau a. Js.; berufen: der Schul­ verweser Karl Hofmann von Geisenhausen, z. Z. im Heere, als Taubstummenschulverweser an der Kreistaubstummenanstalt Straubing, die Hilfslehrerin Anna Kainz von Tunding nach' A'chdors; berufen als Hilfslehrer: die Schul­ amtsbewerber Karl Grpber von Passau nach Schwarzach. Max Windschiegl von Rottenburg nach Schöllnach, beide z. Z. im Heere? berufen «lls Hilfslehrerin: die Schulamtsbewerberin Ka- ────────── Straubing, 23- Februar. Die ledi Dienstmagd Theres Berndorfer von Eglsee bei Stmbach a. I. kam um Peter und Paul vor. Jrs. außerehelich von einem Kinde nieder, welches sie alsbald forttrug, un­ terwegs erstickte und sodann die Leiche in das hohe Gras eines Weihers warf. Sie war un­ umwunden geständig und gab als Motiv der Tat die große Scham über den Vater dieses' Kindes an, welcher ein serbischer Kriegsgefan­ gener gewesen sei. Wegen Kindstötung wurde sie zur Gefängnisstrafe von 2 Jahre» 2 Mona­ ten verurteilt. Von der erlittenen Untersuchs ungshaft kommen 3 Monate in Anrechnung, ! Am Mittwoch, den 19. Tezember v. I. kam es um die Mittagszeit in der Behausung des Bauern Lorenz Stiedl in Rottfelling zu einem Auftritte, welcher leider mit dem Tode der Ehefrau des Stiedl endete. Beide Eheleute waren, wie schon öfters, in einen Wortwechsel geraten, der schließlich in eine Rauferei ausartete, an welcher sich auch die übrigen Fgntilienm^tglieder beteiligten. Hiebei wurde auch dem Lorenz Stiedl arg zugesetzt. Im Verlause dieser Palgerei hatte letzterer einen Schürhaken ergriffen und schlug damit auf seine Ehefrau ein, die | eine aufgeregte Person war. Schließlich versetzte er Hr aber auch noch! mit seinem langen Messer einen Stich mitten ins Herz, so daß sie bjhtnen weniger Sekunden eine Leiche war. Lorenz Stiedl hatte sich nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verantworten. Er redete sich darauf hinaus, daß e.r infolge der erhal­ tenen Mißhandlungen gar nicht mehr wußte, was er tat. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde er zur Gefängnisstrafe von 2 Jahren 6 Monaten verurteilt. Tie leb. Dienstmagd Sophie Magerl von Allkofen Tarn am 12. Januar fy. I. im An­ wesen ihres Tienstherrn, des Bauern Joses Bergmann dortselbst außerehelich von einem Kinde nieder, welches Hr im Wege stand, wes­ halb sie es unter dem Bette Zugedeckt liegen ließ, so daß es den Tod durch Ersticken fand. Sie war unumwunden geständig. Nach ihrer Angabe wvrde sie aus Furcht vor ihrem eige­ nen Vater und weil sie keinen 'Vater zu diesem zweiten außerehelichen Rinde angeben konnte, zu dieser Tat getrieben. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von 2 Jähren 2 Mo­ naten. • Straubing den 25. Febr. (Schwurgericht.) Ter verh. Bauer Xaver Aigner in Radldors hatte schon seit längerer Zeit verschiedene Kriegsgefangene zu landwirtschaftlichen Arbei­ ten zugeteilt bekommen, zuletzt zu Beginn des Frühjahres v. Jrs. einen Russen, dann um die Heuernte den Engländer Martin Harry und seit etwa drei Wochen vor der in Frage ste­ henden Tat noch den Engländer Leo Ripleh. Mit den Arbeiten dieser Kriegsgefangenen war j Iligner im allgemeinen zufrieden. Am Samstag den 1. Tezember gingen die drei Gefangenen Ü auf Geheiß des Aigner in den Aignerschen Wald bei Hirschling, um "bort wie die vorhe­ rigen Tage Holzarbeiten zu verrichten. Ta es Niederbayer. Schwurgericht. um' 6 lltjir früh noch sehr dunkel war und außer­ dem starker Nebel !herrschte, so verfehlten M den Weg und kamen erst gegen 10 Uhr in die Waldabtetlung. Gegen Mittag fuhr Aigner mit fetpen beiden Töchtern und einem GvhNe dort­ hin, worauf die Kriegsgefangenen ihr Mit­ tagsmahl verzehrten. Aigner aber hielt sich darüber auf, daß so wenig gearbeitet wurde. Nach AUngabe der Kriegsgefangenen schimpfte er in einem fort, während sich der Engländer Leo Riplh darüber aufhielt, daß er soweitig Brot zum Essen bekomme. Ans dieses hin soll ihn Aigner auf die Brust gestoßen haben,Ripleh sprang aber zurück und ergriff eine Holzf­ axt, die er mit den HändeN vor sich hielte den eisernen Teil gegen den Boden zu, Mg? ner schrie ihm zu. er solle, die Axt wegtun, und als Riplh keine ^Antwort gab, sprang Aig­ ner gegen ihn, riß ihm die A!xt aus derHand und warf sie 'hinter sich; fast im selbenAugenblick aber versetzte Aigner dem Gefangenen mit einem langen und dicken Fichtenprügel, den er einige Zeit vorher zum Baumwiegen abgesägt 'hätte-, einen derartigen Hieb, auf bett Kopf, daß der Verletzte zu Boden sank. Tier Geschlagene wurde schließlich auf einem Holzwagen in das Anwesen des Aigner verbracht, wo er infolge des erlittenen Schädelbruches noch in derselben Nacht verstarb. Aigner, der sich nun wegen Körperverletzung mit Todes­ folge' zu verantworten hatte, schützte zu sei­ ner Verteidigung Notwehr vor. Bei dem Wort­ wechsel sei der Engländer mit der Hake vor Hin gestanden und dann auf ihn losgegangen, so daß er sich nicht mehr anders zu helfen wußte, als mit seinem Prügel aus ihn zu schla­ gen. Ter ganze Vorfall habe sich übrigens sehr rasch abgespielt. Tiefes Vorbringen des Aigner wurde auch durch andere Zeugen und Tatsachen unterstützt, so daß die Geschworenen zur Berneinung der Schuldfrage kamen worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. ────────── Inserate. ────────── Kronprinz-Lichtspiele Liditspialhans L langes. 0 Spielplan 568 El J vom 27. Febr. bis einschlietzl. 1. März IS ▼ Mittwoch, Donnerstag unb Freitag. ▼ DDO (Eine ceijenfie Komödie in 2 Akte«. Zöisehen Z Feuern. B-B Film in der Hauptrolle Melitta Petri. Leo Penkert. Spannendes Drama aus der Maria Gidal-Serie! Der rote Streifen. Die Geschichte einet schöne» Zigeun-rin in 4 Akten« Bo» Urda« Gad. PMWh sein Miinne. Eine lustige Dackelgeschichte in 2 Akten. ®ie IuuMllWN II Wematographifchee Naturaufnahme. ^ || MMM#. ────────── Die Beute des Hilfskreuzers "Wolf": 210000 Tonnen — Fliegerangriffe auf Italien. Neue Prüfung der Ententekriegsziele. ────────── Lokales. Landshut, den 27. Februar —* Das Eiserne Kreuz wurde dem Unteroffizier Herrn Willy Georg Schreinergehiilfenssohn von Hier verliehen ' Ter 'Vater des Ausgezeichneten stehlt ebenfalls seit 1914 als Landsturmmann j|ml Felde. ,, i , —* Das Miklitäv-Verdienstkre uz wurde dem Infanteristen Herrn Ludwig Amann beim Stabe einer bayer. Division, Sohn des K. RegierungssekretLrs Herrn Erhardt Amann hier verliehen, i , I I —* Das Wsjlitäh-Verdienstkre uz ftttt Schwertern wurde dem Gefreiten in einem Infanterie-Regiment Herrn Karl Staller, Buch­ halter in den Vereinigten Kunstmühlen hier, verliehen. ; j ■ ^ i —* Eine lyanvtasche mit ca. 15 Mark Inhalt wurde gestern von einer hiesigen' Frau gefunden und der Polizeiwache übergeben Tie Verliererin hat sich noch nicht gemeldet, -ist aber aus dem Inhalt der Tasche als Bauerstochter aus der Umgebung festgestellt j —* Ein Pferd gestohlen, In der Nacht von Montag aus Dienstag wurde dem Gastwirt Kettner in Pfettrach bei Moosburg ein belgi­ scher Hengst im Werte von 6000 Mark gestoh­ len. 'Man vermutet, daß der Dieb mit seiner Beute in die hiesige Gegend geflüchtet sesr, konn­ te'seiner aber noch nicht habhaft werden, t —* Die neuen Friedensbedingun­ gen, die von unserer Regierung an die bolschewisttschen Machthaber in Petersburg gestellt worden waren, sind gestern im Reichstag be­ kannt gegeben worden. Ta'diese Bedingungen von Rußland bereits angenommen sind, dürste auch die Unterzeichnung des Friedens mit Ruß­ land in der gegebenen Frist von 3 Tagen erfol­ gen und damit die ganze Ostfront bis Rumä­ nien frei werden. Mit Rumänien werden die Verhandlungen bereits seit mehreren Tagen geführt und dürfteri auch bald zu einem Ziele führen, umsomehr, als die militärische Lage dieses Landes hoffnungslos ist. < : —" Regiments fniusik-Konzert. Tie aus dem Felde für kurze Zeit'beurlaubte ge­ samte Regifichnts-Musik des daher. ReserveInfanterie-Regiments Nr. 18 veranstaltet unter Leitung des Kapellmeisters.Gustav Bunge am Freitag, den 1. März int Leiderersaale ein Konzert zugunsten der Hinterbliebenen von ge­ fallenen Regiments-Angehörigen. Tie Kapelle hat wiederholt in München mit großem Erfol­ ge konzertiert, verfügt über hervorragende Kräfte und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Näheres durch Abschlag und Anzeigen. —* Der Bahnhofperron kein Spa­ zierweg. Titz K. Baihinstation teilt mit: Der Aufenthalt im Bahnhöfe zum Zwecke des müßi­ gen Auf- und Abgehens oder Herumstehens ist verboten. Zuwiderhandlungen werden nach Pa­ ragraph 77 B.-O. und Art. 82 PEl-MÄStz • strafrechtlich verfolgt. I i * Mhsterfenspie le. ANf Veranlas­ sung des kathvl. Frauenbundes finden Anfang März im Leiderersaale "Mysterienspiele" statt. Tie mittelalterlichen Mysterienspiele machen .uns tfFtt alter deutscher Volkskunst wwoer be­ kannt, die lagge im Volk vergessen war, bis Herr Gümbel-Seiling in München den Versuch wagte, diese Schätze aus den Bibliotheken wie­ der ans Licht zu ziehen. Und siehe da: die Wivkung auf die Gemüter war eine tiesergreisende. Tie hochgebildeten Kreise sowohl, wie der ein­ fache Mann waren gerührt von der Innigkeit und der mächtigen Eindruckskrast der langver­ gessenen Spiele. Es war etwas ganz anderes, was sich da in ergreifend schönen Bildern of­ fenbarte, als was man fönst auf dem Theater zu sehvn gewohnt war. Eine Bühne, wie wir fke haben, gab es damals nicht r unö die äußere Ausstattung beschränkte sich auf Symbole. In allen großen Städten hat sich nun der Wunsch geregt, mit diesen Schätzen einer verklungenen Zeiten der Art und Weise bekannt gemacht zu werden, tote es m München geschehen ist. In Leipzig, Stuttgart, Berlin und Magdeburg ha­ ben sie bereits einstimmigen Bejifall gefunden. Zn jüngster Zeit wurden die Spiele auch in Passau mit großem Erfolg aufgeführt. ' '