Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-04-16. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 104, 1918-04-16. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 104 16. April 1918 ────────── Die Schlacht im Westen. Englische Gegenangriffe gescheitert. - Wulwergem und die anschließenden Linien erstürmt Deutsche Truppen in Helfingfors eingerückt - Die österreichische Ministerkrisis; der Nach­ folger Czernins noch nicht ernannt. ────────── Der Krieg zur See. Ein Weißbuch über die englischen Schiffs­ verluste. Tie englische 'Regierung ist kürzlich mit einem Weißbuch über die englischen Verluste infolge des Unterfeebootskrieges hervorgetreten, dessen Ziffern von den amtlichen deutschen Vevsenkungszissern nicht unerheblich abweichen u. zwar natürlich zugunsten der Engländer. Tie englische Statistik berücksichtigt nicht sämtliche Verluste, sondern nur die Verluste des Teiles der Handelsflotte, der für den Bedarf der bürgerlichen Bevölkerung tätig ist. Tie Ver­ luste an Schiffen, die an irgendwelcher Ver­ bindung für Heer und Flotte tätig find, also | Munrtionsdampfer, Kvhlendampfer usw. sind | nicht mitgezählt worden. Tiefe Verluste sind aber besonders erheblich, da sich die Tätigt leit dieser Schisse gerade im Sperrgebiet voll­ zieht. S-I.c amerikanische Flotte mit der eng* tischen vereinigt. Reuter meldet aus London: Dem "Daily Chroniele' wird von einem hohen Marineoe,-amten mitgeteilt, daß die amerikanischen Kriegs­ schiffe sich der englischen Hochseeflotte ange­ schlossen haben. Vor Eurger Zeit hat der Mckrinesekretär Tantels mitgeteilt, daß die ame­ rikanischen Kriegsschiffe nach England unter­ wegs seien, nun wird bestätigt, daß der Anschluß an die englische Flotte vollzogene Tatsache sei. Der Rücktritt Des Grafen Czernin Berlin, den 15. April. Ter Rücktritt des Grasen Czernin erfolgte im Anschluß an eine lebhaft verlaufene Konferenz, die er ge­ stern vormittags 10 Uhr beim Kaiser hatte, Gleichzeitig wurde auch, wie dem Berl.Tgbl. aus Wien gemeldet wird, ein Ministerrat ab­ gehalten, dem auch der ungarische Minister­ präsident Tr. Wekerle beiwohnte. Ter Mini­ sterrat dauerte bis 1 Uhr, worauf sich Mekerle aus Baden nach Wien zurückbegab. Um 4 Uhr nachmittags wurde Wekerle mit dem Grasen Tisza neuerdings nach Baden in Audienz zum Kaiser berufen, von wo beide um 8 Uhr abends nach Wien zurückkehrten. Ter unmit­ telbare Anlaß zur Temisfion Czernins bil­ det, wie der Vertreter des Berl. Tgbl. authen­ tisch erfährt, die Tatsache, daß Kaiser Karl dem Minister von dem politisch zweifellos sehr bedeutsamen Brief, den er im März 1917 an den Prinzen Sixtus von Bourbon gerichf tet hat, bis zur Veröffentlichung dieses Schrei­ bens durch die französische Regierung keiner­ lei Mitteilung gemacht hat- Gras Czernin hat dies als einen Mangel an Vertrauen empfun­ den und daraus seine Folgerungen gezogen. In den Kreisen der deutschbürgerlichen und christlichifsozialen Abgeordneten hat die Nach­ sicht von dem Rücktritt des Grafen Czernin großes Bedauern, teilweise sogar Bestürzung hervorgerufen, obwohl nach dem neuerlichen Telegramm des Kaisers an Kaiser Wilhelm die Bündnistreue auch weiterhin als richtungge­ bend für die auswärtige Politik der Monarchie anzusehen ist. AUch von ungarischen Staats­ männern, von denen gerade heute Wekerle und Tisza in Wien weilen, wird der Rücktritt Ezernins im gegenwärtigen Augenblick bedauert. Tie angebliche« Gründe des Rücktritts Czernins. ' ' Wien, 15. April. Wie der Vertreter der "Mittagszeitung" von autoritativer Stelle er| fährt sind drei Gründe für den Rücktritt des Grafen Czernin maßgebend gewesen, und zwar 1. seine Haltung gegenüber den Polen, 2. sein Passus in seiner letzten Rede gegen die Tsche­ chen, 3. die Aufrollung der Affäre Clemeneeau. Es hatten sich Unstimmigkeiten mit dem Kaiser ergeben, aus denen Gras Czernin die Konsequenzen zog. Graf Czernin habe von dem Kaiserbrief erst vor einigen Tagen Kenntnis erhalten: bei dieser Gelegenheit konnte er sich durch Einsichtnahme in das Konzept überzeug gen, daß der Kaiser den Passus über ElsaßLothringen keineswegs in der von Clemeneeau behaupteten Form, sondern in einer Form ge­ bracht hatte, die das Communique des Ministeriums des Aeusern vom 12. April aus Mleri| höchsten Befehl feststellte. Graf Czernin wird I sich voraussichtlich als Generalmajor an die 1 Front begeben. | Sie Nachfolge Czernins. Wien, 15. April. Ueber die Nachfolge liegt noch keine bestimmte Meldung vor. Ge­ nannt werden der Berliner Botschafter Prinz Hohenlohe, Graf Tisza, Graf Julius Andrassh, der ehemalige Londoner Botschafter GrasMensdorf, der Botschafter in Konstantinopel Mark­ graf Pallavieini und auch der frühere öfter« reichische Ministerpräsident von Körber. ' abgehalten, die speziell der beharabischenFrage gewidmet war. Alle Fraktionsführer imParlament erhoben energisch Protest gegen die internationale Spekulation der rumänischenRegieruTtg Sie wiesen darauf hin. daß dieser Anschluß nicht nur nicht dem Wunsche der Ukrainer, Teutschen und Bulgaren in Beßarabien entspricht, sondern auch nicht dem Wunsche der moldauischen Bevölkerung selbst, spricht, sondern auch nicht dem Wunsche der moldauischen Bevölkerung selbst. 9tt Äritfl bi« 3ttlten. Tiie hohen italienischen Viehpreise. Tie "Gazette bei Popolo" vergleicht das sprunghafte Hinausgehen der Viehpreise mit dem Emporschnellen der Börsenwerte. Eine Kuh, die vor wenigen Tagen 800 Lire kostete, wird jetzt mit 2000 Lire bezahlt. Ein Paar Ochsen ist nicht unter 7000 Lire zu haben. Ein Schlachtkalb kostet das vier- bis sünsfache des bisherigen. Das Blatt erörtert die sähe Teuer­ ung angesichts der allgemeinen Ernährungsf, Nöte sehr erregt 'und ermahnt zur äußersten Sparsamkeit und fordert die Einführung einer täglichen Kopfration. Aar 9tniönien. Tns bkßarabische Parlament und Rumänien. StuS Kischinew wird gemeldet, daß in der Schlußsitzung, in der imBeisein Marghilomans der Anschluß Beßarabiens an Rumänien be­ sprochen wurde, 86 Stimmen für und 3tSimfmen gegen den Antrag abgegeben worden sind bet 33 Stimmenthaltungen; abwesend waren 13 Mitglieder der Versammlung. 9t? Krieg mit England. Mene englische Timnvumgeschosse. Berlin, 14. April. Tie jüngste Unter­ suchung des üblichen englischen Geschosses er­ gab, daß das Geschoß aus einem Stahlmantel besteht und einem geteilten Bleikern, dessen kleinerer Teil in der Mantelspitze und der grö­ ßere unten im Geschoß liegt. Ter Stahlmantel ist so wenig widerstandsfähig, daß er beim Entfernen des Geschosses aus der Hülse ohne weiteres abbricht. Trifft also das Geschoß auf Widerstand, so schlägt durch den Vorwärts!schwung der untere Kern des Bleikerns gegen des Blei in der Spitze und spritzt unter Zerreiß­ ung des dünnen Stahlmantels nach alten Sei­ ten. Dieses, dem Aussehen nach von einer normalen Patrone nicht zu unterscheidende Ge­ schoß ist also seiner Wirkung nach den bisher festgestellten feindlichen Tiumdumgeschossen mit der abgeschnittenen Spitze völlig gleich. A«r neutralen Lindern Spanisches Eisenbahnmaterial für die amerikanischen Truppen. Zwischen Spanien und Amerika ist, wie dem Berl. Tgbl. gemeldet wird, ein Vertrag für spanische Lieferungen an die amerikani­ schen Truppen in Frankreich abgeschloffen wor­ den. Das spanische Eisenbahnmaterial wird von Amerika mit Lokomotiven und Güterwagen erigänzt werden, um den Transport zu erleichstern. ────────── Der Rücktritt des Grafen Czernin. Berlin, den 15. April. Ter Rücktritt des Grasen Czernin erfolgte im Anschluß an eine lebhaft verlaufene Konferenz, die er ge­ stern vormittags 10 Uhr beim Kaiser hatte, Gleichzeitig wurde auch, wie dem Berl.Tgbl. aus Wien gemeldet wird, ein Ministerrat ab­ gehalten, dem auch der ungarische Minister­ präsident Tr. Wekerle beiwohnte. Ter Mini­ sterrat dauerte bis 1 Uhr, worauf sich Mekerle aus Baden nach Wien zurückbegab. Um 4 Uhr nachmittags wurde Wekerle mit dem Grasen Tisza neuerdings nach Baden in Audienz zum Kaiser berufen, von wo beide um 8 Uhr abends nach Wien zurückkehrten. Ter unmit­ telbare Anlaß zur Temisfion Czernins bil­ det, wie der Vertreter des Berl. Tgbl. authen­ tisch erfährt, die Tatsache, daß Kaiser Karl dem Minister von dem politisch zweifellos sehr bedeutsamen Brief, den er im März 1917 an den Prinzen Sixtus von Bourbon gerichf tet hat, bis zur Veröffentlichung dieses Schrei­ bens durch die französische Regierung keiner­ lei Mitteilung gemacht hat- Gras Czernin hat dies als einen Mangel an Vertrauen empfun­ den und daraus seine Folgerungen gezogen. In den Kreisen der deutschbürgerlichen und christlichifsozialen Abgeordneten hat die Nach­ sicht von dem Rücktritt des Grafen Czernin großes Bedauern, teilweise sogar Bestürzung hervorgerufen, obwohl nach dem neuerlichen Telegramm des Kaisers an Kaiser Wilhelm die Bündnistreue auch weiterhin als richtungge­ bend für die auswärtige Politik der Monarchie anzusehen ist. AUch von ungarischen Staats­ männern, von denen gerade heute Wekerle und Tisza in Wien weilen, wird der Rücktritt Ezernins im gegenwärtigen Augenblick bedauert. Tie angebliche« Gründe des Rücktritts Czernins. ' ' Wien, 15. April. Wie der Vertreter der "Mittagszeitung" von autoritativer Stelle er| fährt sind drei Gründe für den Rücktritt des Grafen Czernin maßgebend gewesen, und zwar 1. seine Haltung gegenüber den Polen, 2. sein Passus in seiner letzten Rede gegen die Tsche­ chen, 3. die Aufrollung der Affäre Clemeneeau. Es hatten sich Unstimmigkeiten mit dem Kaiser ergeben, aus denen Gras Czernin die Konsequenzen zog. Graf Czernin habe von dem Kaiserbrief erst vor einigen Tagen Kenntnis erhalten: bei dieser Gelegenheit konnte er sich durch Einsichtnahme in das Konzept überzeug gen, daß der Kaiser den Passus über ElsaßLothringen keineswegs in der von Clemeneeau behaupteten Form, sondern in einer Form ge­ bracht hatte, die das Communique des Ministeriums des Aeusern vom 12. April aus Mleri| höchsten Befehl feststellte. Graf Czernin wird I sich voraussichtlich als Generalmajor an die 1 Front begeben. | Sie Nachfolge Czernins. Wien, 15. April. Ueber die Nachfolge liegt noch keine bestimmte Meldung vor. Ge­ nannt werden der Berliner Botschafter Prinz Hohenlohe, Graf Tisza, Graf Julius Andrassh, der ehemalige Londoner Botschafter GrasMensdorf, der Botschafter in Konstantinopel Mark­ graf Pallavieini und auch der frühere öfter« reichische Ministerpräsident von Körber. ' ────────── nicht erörtern. Dazu Md die Ereignisse noch Zn frisch. Alles aber deutet darauf^ hin, daß die Vorgänge, die mit dem Briefwechsel zwischen Kaiser Karl und seinem Schwager znsammenhängen mit zu seinem Rücktritt geführt haben. IDas aber sei gesagt, die Veröffentlichungen CleInenceaus haben diesen Rücktritt nicht bereut» Ilass, da Gras Czernin von dem Briese Kaiser kKarls selbst nicht unterrichtet war. Eine un­ mittelbare Veranlassung seines Rücktrittes ist litt diesem Bries nicht zu sehen. GrafKCzernin tritt in einem Augenblick zurück, in dem der i Charakter der deutsch-österreichischen Beziehunigett dank der Kaisertelegramme gefestigter als je sichtbar wird. Sein Rücktritt ist durchaus kein Erfolg der Feinde des deutsche österreichi­ schen Bündnisses. Die 'Politik Oesterreichs ist festgelegt. $üc Lasten-Teckung. Aus Anlaß, einer Versammlung der Altenburger Vertrauensmän­ ner für die 8. Kriegsanleihe äußerte sich der Staatsminister von Wus/ow in Altenburg einem Vertreter gegenüber zu der Frage, ob die deut­ sche Volkswirtschaft nach dem Kriege leistungs­ fähig genug sein werde, die Lasten des Krieges zu tragen, wie folgt: > Angesichts dessen, was jetzt im Westen unsere Heere an glänzendsten Erfolgen leisten, bin ich der Ueberzeugung, daß selbst, wenn eine größere Kriegsentschädigung seitens unserer Feinde nicht erreichbar sein sollte, wir stark und kräftig genug sein werden, die Lasten zu fra­ gen, und ich stütze diese Ueberzeugung aus die Beobachtung, daß in weiten und nicht den schlechtesten Kreisen der feste Wille besteht, die Grundsätze der Einfachheit und Sparsamkeit des Lebens, denen sich das Volk in seiner gro­ ßen Mehrheit im Kriege hat unterwerfen müssen, auch nach dem Kriege aufrecht zu er­ halten, und zwar nicht nur unter dem Zwang der Verhältirisse, sondern auch aus der Ueber­ zeugung heraus, .daß der Wert des Lebens nicht in materiellen Genüssen, sondern in der Pflege der Güter und Gaben des Deistes und Gemütes und in d er Hingabe an die Arbeit und die Erfüllung der Pflicht liegt. Daß Iber Sinn für Pflichterfüllung und Arbeitsamkeit in un­ serem Volke nicht erloschen ist, hat der Krieg bewiesen, und es fehlt nicht an Anzeichen, daß Strebsamkeit und Arbeitsamkeit nach dem Krie­ ge in verstärktem Maß^ Hervortreten werden um die Verluste, d ie der Krieg unserer Volks­ wirtschaft gebracht hat, nicht nur auszuglei­ chen, sondern letztere kraftvoll auszugestaÄen. Wenn die Tugenden der Einfachheit, Sparsam­ keit und Arbeitsamkeit, die zuerst nach den Freiheitskriegen eingesetzt und zu dem großen Emporblühen des deutschen Volkes und der deutschen Volkswirtschaft im vorigen Jahvhundert geführt haben, buch nach dem Kriege in Geltung und Kraft bleiben, bann kann ein weiteres Emporblühen nicht ausbleiben, ,und daß die Tugenden in erhöhtem Matze in Zu— iiTitMfta ' Roman von Anny Wothe. 58] ! i (Nachdruck verboten.) Laß mich, rief sie angstvoll, ich meine, ich höre Stimmen! Man sucht uns, laß uns rufen. i . ii Und Graf Reimar ries laut in die Nacht hinaus: i f ■ i i Hoiahoi! 1 ' Aber alles blieb still, und es war, als ballte sich der Nebel immer dichter und un­ durchdringlicher. kunft gepflegt werden, müß und wird das ernste Bestreben aller einflußreichen Kreise sein. 51er Wucher mit Holzpantoffeln. Ter Wu­ cher ist ein äußerst robuster iund rastloser (Bur­ sche. Er macht sich jede Gelegenheit tzunutze, um sein Schäfchen zu scheren. Wird eine Ware rationiert, so begibt er sich auf ^Schleichwege; werden Höchstpreise festgesetzt, so sucht er sich am Schund schadlos zu halten. Am Liebsten ,tummelt er sich dort, wo seinem jBeMigungsf dränge noch keine Zügel angelegt wurden. So ist er seit einiger Zeit beinfkHolzpantoffelhandel an der Arbeit, sich sein 'Bäuchlein fru, mä­ sten. Ter Holzpantoffel unterliegt bekannt­ lich so wenig der Rationierung bezw.derDezugscheinpflicht wie einer Preisborschrift. Eine so schöne Gelegenheit, sein Geschäftchen zu ma? chen, läßt sich unser Hans Dampf ün allen Gassen nicht entgehen. Pantoffeln, die bor dem Kriege 60 bis 80 Pfennig 'kosteten, hat (jer auf 4—5 Mark und darüber hinaufgetrieben. Es läßt ihn vollkommen kalt, daß jesj sich foeii der Schröpfung um die ärmsten Teufel handelt. Er lacht auch nur, wenn diese «über Die feiende Qualität der Ware schimpfen, die keine zwei Wochen des Tragens Mshält. Spottend höhnt er: "Es ist Krieg! Ein Dummkopf, (der sich nicht int Kriege die Taschen füllt!" 'Eine rück­ richtslose Ueberwachung des Handels mit Holz­ pantoffeln erscheint unumgänglich. ────────── Klaviersolos zum Vortrag. Herr Unteroffizier Zinkt verschönte durch einige "Querivorträge den Abend, dessen Hauptteil die Musik des Ersatzbat. 2. Jnst-IRegts. unter ihrem stello. Musikmeister Herrn Kauer trug, die eine Reihe von Musikoorträgen 'bot, nachdem sie bereits am Nachmittag die Bewohner unserer Stadt durch eine Serenade vor dem Rathause erfreut hatte. l —* Ueber das Gebot der Stunde sprach am Sonntag abends im Leiderersaäl nach, einer einleitenden. Begrüßung der Er­ schienener, unter denen sich auch Herr Regier­ ungspräsident Exzellenz v. Pracher befand, durch Herrn M.M. Gerstenecker Herr Dt. Goldschmidt IU München. Er streifte kurz unsere bisherigen Bemühungen um Frieden, die stets von den Feinden unter Hohn und Spott zurückgewiesen wurden. Wir haben alle das Empfinden, baß, wir vor der letztensAktiön des großen Dramas ,Weltkrieg" stehen. Ter Friede kommt, wenn die Menschen für ihn reis sind. Dias Gebot der Stunde ist ein viel­ faches. ' Wir müssen unsere Feinde niederrin­ gen — 'sie wollen es nicht andersmit allen Kräften, die uns zu Gebote stehen auf der Erde, auf und unter dem Wasser und in der Lust. Auch im Innern muß alle Kraft dem Vaterlande zur Verfügung gestellt werden. Auch das Geld und hierzu bietet die 8. Mriegsanleihe die beste Gelegenheit. Jeder, auch der kleinste Mann, leihe daher dem Staate gegen gute Zinsen und Sicherstellung sein Geld und er­ weise dadurch unseren tapferen Trupgen int Felde seine Unterstützung. Tie Zeichnung be­ deutet eine persönliche Pflicht, es ist ein Mequr valent für den Schutz, daß pur im -deutschen Hause sicher wohnen können. Es ist der Dank für die draußen, welche ihr Leben und Blut, ihre Gesundheit für tuns einsetzen. Wenn wir das Gebot der Stunde begreifen, kann viel­ leicht der Friede ebenso schnell kommen, wie er über alles Erwarten früh heuer in der Natur gekommen ist. Herr M.-M. Gersten­ ecker gab noch einen Rückblick auf die abgelau­ fene fast vierjährige Kriegszeit und den Frie­ den im Osten» der zwar kein VerständigungAfriebe sei, den es leider in einem (solchen Kam­ pfe nicht gebe. Er kam anch laus den englischen AUsspruch zurück, nach welchem England und Amerika den Krieg fortsetzen werden, wenn der Friede auf dem Kontinent geschloffen wäre und weinte, den könnten wir aushalten. Ihn würden unsere Ichterseebvote mit geringem Auf­ wand an Leuten und Mitteln so lange j-u führen vermögen, bis auch England gezwungen wäre, um Frieden zu bitten. England sei überhaupt, das einzige Hindernis des Friedens, da es die vielen Eroberungen, die es während des Krie­ ges gemacht habe, nicht mehr herausgeben wol­ le. Er schloß tnit einem warmen A fruf ßu recht reger Beteiligung an der Zeichnung der Kriegsanleihe die Versammlung. ────────── Die Nebelfrau. Roman von Anny Wothe. 58] ! i (Nachdruck verboten.) Laß mich, rief sie angstvoll, ich meine, ich höre Stimmen! Man sucht uns, laß uns rufen. i . ii Und Graf Reimar ries laut in die Nacht hinaus: i f ■ i i Hoiahoi! 1 ' Aber alles blieb still, und es war, als ballte sich der Nebel immer dichter und un­ durchdringlicher. tsenn ver Nebel nicht weicht, murrte Rei­ mar, sind wir, ehe der Morgen tagt, erfroren. Wir hätten doch versuchen sollen, den Weg zu finden. 1 i Tu kennst nicht die Gefahren der Dünen­ täler im Nebel. Laß uns warten. Warum gingst du noch in die Nacht hin­ aus? fragte Reimar. Und warum folgtest du mir? gab Undine zurück. Beide schwiegen dann wieder, ohne sich Antwort zu geben. Darf ich dich etwas fragen, Undine? ! Gewiß, rede nur. j j Dir ist es leid — ich meine — unser ganzer Handel — du bereust? j Ja, tief und schwer. , Tu möchtest alles ungeschehen machen? 1 Eine fieberhafte Hast sprach aus seinen Worten. Fast Hang es wie Angst. ! Ja, wenn ich könnte, ich würde selig sein. ' Einen Augenblick blieb alles still. Nur das Meer grollte leise, dann sagte Graf Rei­ mar tonlos: Vielleicht erfüllt sich dein Wunsch eher, als du gedacht. Jetzt klang es wieder wie fernes Rufen. Hoiahoi! klang Reimars Stimme durch die Nacht. Es schien, als hätte man das Zeichen ver­ nommen, denn lebhaftere Zuruse ertönten, und jetzt schimmerten hier und da in dem dichten Nebel wie Glühwürmchen Laternen auf. Noch einmal rief Gras Reimar in die Nacht hinaus. Er hatte sich erhoben und hatte versucht, einige Schritte zu gehen. Als er sich umwandte, war es ihm, als sinke Undine ganz in sich zusammen. Schwer und kalt lag sie dann in seinen Minen. 1 Noch einmal ertönte sein Ruf, jetzt aber angstzitternd und verzweifelt, und dann sah er sich von bärtigen braunen Schissern um­ ringt, die ihre Laternen hoch, emporhoben und das weiße totenähnliche Gesicht Undines be­ leuchteten. Hollah! rief Olaf Thornsen, das war hohe Zeit, daß wir Euch fanden, Herr. Wir hatten es säst aufgegeben, Euch und die Iran Gräfin zu erspähen. Wir wollten es gar nicht glauben, daß Ihr in diesem Nebel hier in den Tünen sein könntet, fuhr er fort. Dorret aber jagte uns hinaus, als die gnädige Frau Gräfin schickte und fragen ließ, warum die junge gnädige Gräfin nicht heimkehrte. Wir erfuhren da­ bei, daß der Herr Graf auch noch nicht zurück sei. i Gras Uleimat winkte abwehrend mit der Hand. Ich danke Euch, Ihr Leute. Auch Euch, Olaf Thornsen und Euch, Jens Lüng, daß Ihr kamt. Jetzt aber mckcht Platz und beleuchtet den Pfad, den Ihr wohl besser kennt, als ich. (Fortsetzung folgt.) .. _ i ────────── Kreigsbriefe aus dem Westen. Berlin, 11. April 1913. : -..•fc.'i'e;;'' Nachdruck, auch auszugsweise, | tetbDteR.) I Ter Asnefte PÄssi." I -Teiegranmi unsres Kriegsberich terstatiers.) | Iw Westen, 10. April 1918. f Division um Division aus seiner eigenen Operationsarmee und den Front- und Reserve­ beständen der ihm unterstellten Engländer hat General Foch nach dem Prestigewinkel vor Amiens geworfen, nachdem er mit seinem Wort für die Uneinnchmbarkeit dieser Festung ga­ rantiert hatte. Während er noch dabei war, die Menschenmauer an dieser Stelle immer dichter zu machen, traf ihn d er deutsche Schlag mit voller Wpcht an anderer Stelle. Nach vier­ stündiger, aber äußerst starker Artillerievorbe­ reitung traten gestern früh um 8 Uhr 45 Min. die deutschen Regimenter, Preußen, Bayern,' Sachsen und Lothringer, vereint aus dem alten Kcirnpffelde südlich der Lys und nördlich des La Basfee-Kanales zum Sturm an. Hier, wo der Jeind so viel seiner besten Kräfte in den jahre­ langen vergeblichen Versuchen, uns Lille zu entreißen, verblutet hat, gingen nun ynm ersten Male die Deutschen zum Angriffe über. In dem völlig ungedeckten flachen Lande, wo man jede Maus laufen sieht, wie dort unsere Grabentämpfer früher sagten, konnte die Bereit­ stellung der Angreifer dew Feinde nicht völlig verborgen bleiben. Trotz seiner Wachsamkeit erlitt er eine Niederlage so vollkommen, wie zwischen La Fere und St. Quentin und dann beim Vorstoßss gegen die Ailette. Ta die Engländer der Kampfkraft der hier eingesetzten portugiesischen Tivisionen nicht trauten, aber gefesselt durch unsere Tastangrisse um Amiens über ihre Reserven nicht frei ver­ fügen konnten, so hatten sie gerade eine der Portugiesischen Tivisionen durch eine abge­ kämpfte englische ablösen wollen, als der deut­ sche Angriff so 'verheerend hereinbrach, daß Portugiesen und Engländer in denselben Stru­ del hineingerissen wrrrden. Wieder sah sich die feindliche Führung vor eine Aufgabe ge­ stellt die ihre' Fähigkeiten überschritt. Hatte man sich mit der Hoffnung getröstet, daß die deutsche Hauptkrast bei ÄMiens beschäftigt sei, .war man dann, verblüfft über die Kraft des deutschen Turchstoßes gegen Folembratz und Couep überzeugt, daß wir nun nur noch Kräfte zu Nebenunternehmungen hätten, so brach nun hier oben der Angriff abermals in 20 Kilo­ meter Frontbrerte mit unwiderstehlicher Wucht lo-s. Gleichsam als Teilunterinhinen nebenher Großen Schlacht begannen die Teutschen eine neue Schlacht, welche abermals den Umfang der ganzen englischen Cambrä'iofseniive hatte und in einem Angriffstage mehr Erfolg und Um­ fang zeitigte, als diese. Trotz des sehr schwieri­ gen Geländes — der Boden ist kilometerbreit durch verschlannnte Granattrichter fast ungang­ bar —, waren schon gegen 10 Uhr 40 Min. j die drei ersten feindlichen Linien durtzbrochea, : In 7 Kilometer Angrifssgewinu standen unsere ! Truppen am Abend an der Lhs. Die Beute zu zählen, hatte niemand Zeit gehabt, die Gefangenen wurden sofort hinter der Kampffront zum Herrichten der Wege und Straßen verv,endet, doch wurden jie schon am Abend aus mehrere Tausend geschätzt. Tie feindliche Artillerie blieb durch die sieberlegenheit der unsrigen zu sehr schwacher Gegenwirkllng verurteilt. Sie begnügte sich mit ,pärlichem Abstreuen des Hintergeländes. Unsere Verluste sind diesmal ebenso gering, wie Bei dem Siege von Anngnh—Sineenh. W. Scheuermann, Kriegsberichter,stattet ────────── Die Schlacht bei Armentieres. Telegramm unsers Kriegsberichterstatters. Fm Feld'e, 12, April. In Ergänzung des Heeresberichtes können I über den Sieg bei Armentieres noch folgende I Einzelheiten mitgeteilt werden: Auch der Am | griff beiderseits Waasten tarn dein Feind völlig i. überraschend. Zn mehrstündigem Feuerkampfe würde seine Artillerie niedergerungen, dann erfolgte ein kurzer Feuerschlag gegen die Jnsanterie, und unser Sturm begann. Gegen er­ bitterten englischen Widerstand wurde Messines durch Umfassung vor Norden und Süden ge­ nommen, ferner der Feind aus dem Dstrande des Waldes, aus dem Torfe Ploegsteert Ver­ trieben, die Straße Ploegsteert—Armensieres, das Dorf Biget genommen. Durch überraschen­ den Vorstoß aus der Gegend von Houthem siel Hollebecke in unsere Hand. Ter Anschluß an die Nachbartruppen bei Messines wurde erreicht. Starke englische Gegenangriffe aus Richtung Wulverghem scheiterten. Im Laufe des Spätnachmittags hatte die Armee von Quast ihre Linien schon an Brmentieres herangeschoben, in dessen Vorstädte wir am Abend eindrangen. Inzwischen war die Lhs zwischen Erqninghen und Estaires überschritten, EstaireS unter heftigen Kämpfen vom Feinde gesäubert und auch der Uebergang über die Lawe an mehreren Stellen erzwungen worden. Von Norden durch die Truppen des Generals von Arnim, von Süden durch die des Generals von Quast ums­ saßt, mußte sich Armentieres während der Nacht nach tapferer Gegenwehr übergeben. In unaufhaltsamem Raumgewinne gegen Nordwe­ sten und Westet: drangen wir noch während per Nacht in Nieppe ein, schlugen in GegendSteenswerck englische Gegenangriffe ab und über­ schritten die Becque in Richtung auf Bailleul. Tie Truppen des Generals von Carlowitz sind nachts bis über Toulteu und bis NenfPerguin vorgestoßen, am Süduser der Lhs bis zum Städtchen Meerville vorgedrungen. Am Nord-slügel ist der Kampf wieder in vollem Gange. Die Höhe von Nachtigall (Rossignol) ist enftürmt und wir nähern uns Wulverghem, wel­ ches bisher den Engländern als Krastsammekstelle für starke/Gegenstöße diente. 1Kb.) W. Scheuermann. Kriegsberichterstatter ────────── steck hervorgeholt. Sie hatten offenbar $en= stecken gespielt. Als Leiche gesunden wurde der seit vorvergangenen Montag abgängige 37Whriqe Kauf­ manns) ohn Anton Gicha von Günzburg in einem Sumpfe zwischen Leipheim und Untere sahlheim. Es liegt allem Anschein nach ein Unfall vor. Gicha war vor zwei Jahren nett bemrant vom Felde zurückgekehrt und schwach­ sinnig. ' Geständnis eines Defraudanten. Der in Schweinsurt verhaftete Bankbuchhalter Koehler von der Versicherungsgesellschaft Halle ge­ stand ein. von der unterschlagenen Summe von 200 600 Mark 199 000 Mark im Schwebheimer Wald vergraben zu haben, wo sich auch das Geld mit bet Kassette vorfand. ‘ Bayerische Nachrichle«. Urteil zum Schwabinger Atclierfest. 'Tie Veranstalter des Schwabinger Atelierfestes, K. August Kroth, Hermann Schaesser, LucieSchaefi ser und Romaine Wagenseil, wurden wegen groben Unfugs zur Höchststrafe von je sechs Wochen Haft und zu den Kosten verurteilt. In der Begründung des Urteils heißt es: Wenn sich- jemand mit Maskentand bewirft und sich int Faschingstanze dreht, während Tausende unserer Volksgenossen im Totentanz des schlimmsten Entscheidungskantpses Blut und Le­ ben opfern, zu einer Zeit, da ungezählte Fa­ milien um ihre Väter und Söhne trauern, so ergreift jeden berechtigte Entrüstung, der Zeuge solch unwürdigen Treibens wird. Wer vor sol­ chen Dingen nicht zurückschreckt, der übt Verrat an denen, die mit ihren Leibern die Heimat schützen, verhöhnt alle, die in solchen Zeiten dem Ernst der Stunde sich hingeben. Wer es wagt, die öffentliche Meinung in einer sol­ chen Weise herauszufordern, der verdient em­ pfindliche Strafe. Bedauerlich ist es, daß un­ sere Friedensgesetzgebung eine höhere Strafe als sechs Wochen nicht zuläßt. Lias Gemeindekollegium Nürnberg hat den vom Magistrat mit sechs bayerischen Banken trbgeschlossenen Verträgen über die Gewährung zweiter Hypotheken unter Haftung der Stadt zugestimmt. Tier Magistratsbeschluß, dem ge­ meinnützigen Wohnungsbauverein mit einem Stammanteil von 100 000 Mark und einem verlorenen Zuschuß von 200 000 Mark beizu­ treten, wurde gutgeheißen. ────────── Sitzung des landwirtschaftlichen Kreisansfchusses von Niederbayern vom 10. April 1918. 1 Ter 1. Vorsitzende Exzellenz v. Pracher eröffnet die Sitzung und ersucht in längeren Ausführungen die anwesenden Herren Kreisausschußmitglieder in den Kreisen ihrer Be­ rufsgenossen dahin wirkxn zu wollen, daß auch die 8. Kriegsanleihe gleich ihren Vorgängerin­ nen mit einem glänzenden Ergebnis abschließt. Ter landwirtschaftliche Kreisausschuß beschließt äuf Vorschlag des 1. Vorsitzenden die 8. Kriegs­ anleihe mit einem Betrag von 50 000 Mark zu zeichnen. Nach Vorschlag des 2. Vorsitzenden Lan­ desökonomierat Mittermeier genehmigt 'der landwirtschaftliche Kreisausschuß zur Jubtläumsstiftung anläßlich des 50jährigen Bestehens der landwirtschaftlichen Abteilung der k. tech­ nischen Hochschule in München einen Betrag von 5000 Mark. , > Auf Antrag des Landtagsabgeordneten Wasner und Oekonomierat Nebeskh beschließt der landwirtschaftliche Kreisausschuß, bei den maßgebenden Stellen dahin vorstellig zu.Wer­ den, daß das bei der Abrüstung anfallende Kriegsgerät, namentlich die Pferde, Wagen, Geschirre und landwirtschaftlichen Maschinen möglichst unmittelbar an die Landwirte und sonstigen Bezugsberechtigten durch die land­ wirtschaftlichen Körperschaften in jedem Re­ gierungsbezirk zur Abgabe kommen soll. Zur Kenntnis dienen verschiedene geschäft­ liche Mitteilungen und der vom Kretssekretär erstattete Vortrag über das vorläusige Ergeb­ nis der Jahresrechnung 1917. Außerhalb der Tagesordnung gibt Landesiökonomierat Mittermeier eine Entschließung bekannt, die sich mit der Bekämpfung der Auf­ Urteil zum Schwabinger Atclierfest. 'Tie Veranstalter des Schwabinger Atelierfestes, K. August Kroth, Hermann Schaesser, LucieSchaefi ser und Romaine Wagenseil, wurden wegen groben Unfugs zur Höchststrafe von je sechs Wochen Haft und zu den Kosten verurteilt. In der Begründung des Urteils heißt es: Wenn sich- jemand mit Maskentand bewirft und sich int Faschingstanze dreht, während Tausende unserer Volksgenossen im Totentanz des schlimmsten Entscheidungskantpses Blut und Le­ ben opfern, zu einer Zeit, da ungezählte Fa­ milien um ihre Väter und Söhne trauern, so ergreift jeden berechtigte Entrüstung, der Zeuge solch unwürdigen Treibens wird. Wer vor sol­ chen Dingen nicht zurückschreckt, der übt Verrat an denen, die mit ihren Leibern die Heimat schützen, verhöhnt alle, die in solchen Zeiten dem Ernst der Stunde sich hingeben. Wer es wagt, die öffentliche Meinung in einer sol­ chen Weise herauszufordern, der verdient em­ pfindliche Strafe. Bedauerlich ist es, daß un­ sere Friedensgesetzgebung eine höhere Strafe als sechs Wochen nicht zuläßt. Lias Gemeindekollegium Nürnberg hat den vom Magistrat mit sechs bayerischen Banken trbgeschlossenen Verträgen über die Gewährung zweiter Hypotheken unter Haftung der Stadt zugestimmt. Tier Magistratsbeschluß, dem ge­ meinnützigen Wohnungsbauverein mit einem Stammanteil von 100 000 Mark und einem verlorenen Zuschuß von 200 000 Mark beizu­ treten, wurde gutgeheißen. Bayerische Nachrichten. wüchse bei den Kriegsgesellschaften befaßt und die in der Versammlung des landwirtschaftli­ chen Bezirksvereines Landau am 2. April an­ genommen wurde. "Tier landwirtschaftliche Kreisausschuß stimmt dieser Entschließung ein-' stimmig zu und leitet sie an den Bayerischen Landwirtschaftsrat zur geeigneten Verwertung weiter. Eingehende Erörterung fanden auch die von der bayerischen Landessiedelungsgesellschaft bisher entfalte t e Tätigkeit, die starken Eingriffe in unsere Viehbestände durch. Erhöh­ ung der Schlachtviehanforderung und die Ver­ wertung der in letzter Zeit in erheblicher Men­ ge angelieferten sehr jungen Tiere. Regierungs­ rat Heichlinger und Tierzuchtinspektor Herold gaben zu diesen Punkten erschöpfenden ANsschluß. ────────── Au alle Mütter, Frauen, Töchter, Schwester«! Auf! Ausl Ihr Frauen Deutschlands, Jhr Mütter, Töchter, Schwestern! Helft, helft'. Eine verzweifelte Mutter, die soeben ihren einzigen Sohn dem Vaterlande zum Opfer brachte, fleht Euch an: Helft diesem schrecklichen Elende, die­ sem Blutvergießen ein Ende zu machen, helft .einen baldigen glorreichen Frieden zu erlan­ gen. Wir Mütter, die wir unsere Kinder, unser Bestes, Liebstes hergaben, wir fühlen mit allen Jenen, die noch in Sorge und Angst um ihre Lieben im Felde zittern. .Laßt uns diesen jhr Glück und den Inhalt ihres Lebens erhalten. Draußen opfern unsere Männer, Söhne, Brü­ der ihr Leben für uns, sollten wir zu Hause da untätig zusehen? Nein, wir müssen ihnen beistehen und wir können es in unserer FWeise. Laßt uns an Geld zusammenbringen, was nur . immer möglich ist. Eine Kriegsanleihe, wie sie noch nie dagewesen ist, soll Zeugnis ablegen von der Liebe deutscher Mütter, Frauen, Töch­ ter und Schwestern für das Vaterland, für ihre Lieben im Felde. Welche Mutter gäbe nicht lieber den letzten Pfennig, ihr einziges Stück­ chen Brot, wenn sie wüßte, daß sie damit dem Sohne das Leben retten könnte! Denkt, daß Jhr mit jedem Betrage, den Jhr in Kriegs­ anleihe zeichnet, hunderten und tausenden jun­ ger, blühender Menschen das Leben rettet, in­ dem durch eine überwältigende Zeichnung der Kriegsanleihe unsere Feinde vielleicht doch zur . Einsicht gezwungen werden, daß wir unbesieg­ bar sind. Laßt uns Rache nehmen für all das Leid, das wir erlitten, eine edle Rache, zeichnen wir soviel, daß unsere Feinde stau­ nend vor der Tatkraft Deutschlands die Waf­ fen strecken. Und denkt auch, daß jedes zurück­ gehaltene Geldstück dem Gegner neue Kugeln schmieden Hilst, die das,Herz des eigenen Soh­ nes, Mannes, Vaters, Bruders bedrohen. Ihr Frauen, Mütter, Töchter, Schwester«, wer jetzt noch Geld für Kleider, für besseres Leben, für Vergnügungen hergibt, wer feige oder geizig oder gleichgültig sein Geld zurück­ hält, der versündigt sich an unseren tapferen Helden im Felde. Aber auch wer schon Geld hergegeben hat, der gebe noch mehr, so viel als er kann. Es ist ja nichts verloren! Geht in diesem Kampfe des Geldes eben so mutig und tapfer vorwärts wie unsere Lieben drau| ßen gegen den Feind! Euere Kinder und Enkel g werden es Euch tausendfach segnen! * Eine tiefgebeugte Mutter. ! Bahnt» »enst. Versetzt in etatsmäßiger Weise auf Ansuchen: Eisenbahnsekretär Joh. Münchsdorfer von der Ablösegruppe der Eisenbahn­ direktion Regensburg nach Straubing; Joseph Barth von der Betriebswerkstätte Simbach. c. Inn zur Werkstätteninspektion 1 München. Ver­ setzt in etatsmäßiger Weise auf Ansuchen: Zug­ führer griebrufi Kluy von Landshut nach Nürn­ berg Hbf.; Stationsmeister Ant. Hösl von Schalding nach Wallersdorf; Stationsmeister im Nebenbahndienst Friedrich Braun von Kiv> chenlamitz-Stadt nach Pfeffenhausen: Lokomo­ tivführer Joseph Reitberger von Plattling nach StraUbing; Stationsdiener im Nebenbahndienst Konrad Frankenberger von Pfeffenhausen nach Kirchenlamitzf,Stadt. Befördert in etatsmäßi­ ger Weise zum Schaffner der Postbote Joseph Möller von Moosburg in Pfarrkirchen. Dienstesnachrichten. ────────── Landshut, 12. April. (Viktualienmarkts Ter heutige Viktualienmarkt bot gegenüber je­ nem der Vorwoche nichts neues. Garten-Er­ zeugnisse, tote sie zurzeit Häufig verlangt wer­ den, waren in entsprechender Zahl, Älteres und Neugemüse nur wenig vorhanden, Kaninchen, verschiedener Größe und Alters, sowie Tauben wenig zu haben. F. Straubing, 12. April. (Zeichnungen für die 8. Kriegsanleihe.) Die Stadt Strauibing zeichnete für die 8. Kriegsanleihe den Betrag von 1.5 Millionen Mark. (Inbegriffen sind die Zeichnungen der Sparkasse, diejenigen für die Einleger derselben, der Stadtkämmerei und der Stiftungen.) Biechtach, den 14. April. (Schonungslos an den Pranger.) Das K. Bezirksamt gibt bekannt: In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß vaterlandslose, charakterlose Reibspersonen sich in Verkehr mit Kriegsgefangenen einlassen. Das Bezirksamt wird zur Abschreckung, abge­ sehen von der Strafanzeige, zukünftig jeden Fall schonungslos an den Pranger stellen und die Namen der fraglichen Weibspersonen in einer öffentlichen Bekanntmachung der Bevöl­ kerung bekannt geben. Niederbayerische Nachrichten. ────────── Letzte Posten. Neue U-> Bootserfolge. WTB. Berlin, den 15. April. (Amtlich.) Im Sperrgebiet des mittleren Mstsielmeeresj versenkten deutsche und österreichifch-ungarrische U-,Boote 6 Dampfer, die in gesicherten!Geleitztigen fuhren, und 2 Segler mit zusammen mindestens 25 000 Brütto-Register-Tonnen. , Ter Chef des Admtralstabes der Marine. Beßarabien und Rumänien. Berlin, 16. April. Die Verhandlungen des beßarabischen Landesrates über den An­ schluß an Rumänien haben am 7. und 8. April in Kischinew stattgefunden. Tier Landesrat sprach sich in namentlicher Abstimmung mit 84 Stimmen bei 36 Enthaltungen für den Anschluß aus. 26c Nachfolge Gzeruins. ; Be rlin, 16. April. Dem ,Kokal^Anz." zufolge erhält sich in österr^ungar. unterrich­ teten Kreisen die ^Meinung, daß als Minister des Auswärtigen Graf Andrassy zunächst in Betracht komme. In Budapest hält man Andrassys, in Wien Tiszas Aussichten für gün­ stiger. 2er gefälschte Kaiserbrief. Wien, 15. April. (Meldung der k. u. k. Telegraphen-Agentur.) Tie Blätter erfahren von unterrichteter Seit«, Graf Czernin habe in die Urschrift des Briefes des Kaisers Karl an den Prinzen Sixtus von Parma Einsicht genommen. Tie Urschrift stehe völlig im Ein­ klang mit der über den Kaiserbrief veröffent­ lichten Kundmachung Unseres Ministeriums des Aeuhern vom 12. AprilRücktritt des ungarischen Ministeriums? Berlin, 16. April. Ter "Voss. Ztg," ‘ wird aus Budapest gemeldet: In unterrichte­ ten Kreisen verlautet, daß das Kabineft Wekerle unverzüglich seine Entlassung nehmen wird. v. Kühlmaun nach Berlin zurückgekehrt. WTB. Berlin, 15. April. Staatssekre- " tär v. Kühlmann kehrt bereits morgen aus dem Großen Hauptquartier zurück, um für morgen.: die Parteiführer des Reichstages zu einer Be­ sprechung einzuladen. _ 2jer Reichstag. Berlin, 15. April. An den Reichstag, der sich heute nach längerer Pause wieder versammelt, treten wichtige Aufgaben aus dem Gebiete der Kriegswirtschaft und der Sozial­ politik heran. Ten Auftakt zu einer weit ausgreifenden Reform auf dem Gebiete der Bevölkerungspolitik bildet die Vorlegung eines bezüglichen Gesetzentwurfes. Im Mittelpunkte der Erörterungen über die Finanzpolitik wird die neue Steuervorlage stehen, die früher ofoecr später kommen muß. . i.