Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-05-31. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 146, 1918-05-31. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 146 31. Mai 1918 ────────── teressen zur Geltung brachte. Von demselben I Gesichtspunkte sei aüch die Haltung der deut- * -sö §oa(|3 qttomam quoj(pJjn3Q; ui sqvh upj -MpqvA U0$ -usjscusö pjppß sjjsa^ uschj merkt. Ein neutrales Urteil über dien deutschen Sieg. Basel, 30. Mai. Ter bekannte schweize­ rische MiliKrschriftsteller Oberst Egli schreibt in den Basler Nachr. über die deutsche Of­ fensive: Selbst wenn man einen guten Teil des Erfolges der Uebprraschung zuschreibt, so darf darin noch nicht der Hauptgrund ^desMuen deutschen Steges gesucht werdren; denn die Pariser Depesche hont '27. ds. 11 Ahr abjends gesteht ausdrücklich M, daß die französischen und englischen Äruppen nach der Tiefe ge­ staffelt seien. Das Eingreifjen ihrer Reserven war demnach nicht imstande, den Sihwung des deutschen Angriffes 'zu brechen, bevor er die Höhvn des Chemin des Tämvs überwunden, äuf breiter Front das Nordufer des Aisne erreicht und sogar die Aisne Werschritten hatte. Trotz der Wucht, mit welcher der Angriff am '27. Mai durchgeführt wurde, ist heute noch hiW zu übersehen, welches die Absichten derdeutsjchjen Obersten Heerjesleitung sind: handelt es sich um einen Vorstoß, um an der Aisne eine An­ lehnung zu suchen, die gestattet, den Haupt­ angriff in anderer Richtung umso sicherer fort zuführen oder ist es der Beginn einer Offensive westlich Reims gegen Süden (Paris), oder soll­ ten nur die französischen Reserven in dieGegend von Soissons gelockt werden, um In der Picardie und in Flandern freie Hand zu hekom­ men V Auf jeden Fall ist jetzt 'der 'Augenblick da, wo General Foch zeigen muß, ob er der bedeutendere Feldherr ist, für den ihn die Al­ liierten lhalten. ────────── Allerlei. Mertel Ermordet wurde int Wiener Hotel Bristol die 40jähr. Gesellschafterin Julie Earl der Gat­ tin des Direktors der Triester Filiale der Unionsbank Frhrn. b. Vivante. Zugleich wur­ de ein Lederkösfer mit Schmucksachen im Werte hon einer Halben "Million und 18000 Mark Bargeld geraubt. Als Täter wurde jetzt ein Neffe des Tiirektors, der Versicherungsbeam­ te Emmo Tävidi und dessen Bureaugenosse! Kurt Frank verhaftet. Ter geraubte Juwelen­ koffer wurde aus dem Dachboden des Hauses gefunden, indem der Vater Franks Portier ist. Frank behauptet, daß Tävidi ihn zur Tät ver­ leitet habe. Ter Mord war von langer Hand vorbereitet worden. Es ist festgestellt, daß eines der Mvrdinstrumente schon vor einem Monat gekauft worden fft. Um die Gesellschaf­ terin zu veranlassen, den 'Juwelenkoffer aus dem Safe des Hotels' Bristol zu Hohen, bestürm­ te Tävidi die Gesellschafterin, ihm Einblick in das im Koffer 'oerwa!hrte TestarEnt zu ver­ schaffen, da er nachseihen wolle, ob er darin bedacht sei. Am Tage des Mordes fand sich Tävidi mit Kurt Frank vor "dem Hoßel ein. Tie Gesellschasterin Julie Earl gab Tävidi das verabredete Zeichen, daß has Ehepaar Vivänte ausgegangen sei, woraus sich Tävidi und Frank ins Hotel begaben. Tävidi suchte die Earl aus und forderte sie aus, den Koffer zu holen. Frank blieb hinter einer Portiere versteckt und betrat das Zimmer der Gesell­ schafterin erst bann,, nachdem diese sich ins Hvtelbureau begeben hatjte. Als die Gesell­ schafterin in ihr Zimmer zurückkehrte, wurde der Mord ausgeführt. Taun verließen Da­ vidi und Frank getrennt das Hotel. Tävidi eilte ins Cafe de I'Europe am Stehhänsplatz!, wo er mit einer Bureaukollegin ein Rendez­ vous vereinbart hatte. Frank ging nach Hause, um den Raub zu verbergen. Tte Polizei hatte hon Ansang an Tävidi für den Mörder oder lvenigstens für den Mittäter des Mörders ge­ halten, ohne ihn Wersühren zu tonnen. Im Laufe der Erhebungen lud sie auch Frank zur Vernehmung vor, der in der letzten Zeit viel mit Tävidi verkehrt hatte. Der junge Mann verwickelte sich bei dem Vevhör in Widersprü­ che und legte schließlich ein Geständnis ab. Frank ltxxr ein braver, fleißiger Mensch, der erst durch die Gesellschaft Tävtdis verdorben worden ist. Wenn IHM in der letzten Zeit hon seiner Familie wegen seines Lebenswandels Vorwürfe gemacht wurden, sagte er stets: "Tavidi wird schon dazu schauen, daß ich ein rei­ cher Mann werde." Emmo Tävidi ist verheira­ tet, seine Frau ist die Tochter des wohlhabenden Seifen- und Parsümeriefäbrikanten Täneso in Triest. Ter Ehe ist ein jetzt fner Jahre altes Töchterchen entsprossen. Vor Jahres­ frist hat die Frau mit dem (Kinde Wien ver­ lassen. Sie befindet sich zurzeit in Mriländ bei der Mutter ihres Gatten, die Witwe ist ────────── Soiffons genommen. Die Forts der Nordwestfront von Reims sind gefallen. — Unsere Truppen nähern sich der Marne. — Bisher 35,000 Gefangene. — Gewaltige Beute an Artillerie und Kriegsmaterial. ────────── Tjie Fortsetzung der Besprechmtgjen int Großen Hauptquartier. Silier Währscheinlichkeit nach dürste der österr.-ungar. Minister des Aeußern Baron Burian in der ersten Hülste, des Juni in Berlin eintreffen, um dort mit hem Reichskanzler Tr. Grafen von Hertling und dem Staatssekretär von Kühlmann die im Gro­ ßen Hauptquartier 'begonnene Beratung über die fernere Ausgestaltung des deutsch-österr. Bündnisses in wirtschaftlicher, politischer und militärischer Beziehung fortzusetzen. Ta bei dürste auch die polnische Frage in größerem Maße aufgerollt werden, die bei den Beratun­ gen im Hauptquartier nur kürz gestreift wur­ de. Allerdings wird eine Lösung der polni­ schen Frage erst dann möglich sein, wenn der ganze Fragenkomplex zwischen den beiden ver­ bündeten Monarchien gelöst ist. Tier Papst und der Fliegerangriff aufKöln. Laut Köln. Volksztg. traf beim Kardinal Hart- Tages-Uebersicht. mann folgendes Telegramm des päpstlichen Staatssekretärs Casparri ein: Ter Hl .Vater hat mit lebhaftestem Schmerz vernomwen, daß der jüngste Fliegerangriff auf Köln Schmerz und Tod in zahlreiche friedliche Familien ge­ bracht hat. Ter Hl. Vater vertraut darauf, daß die Kriegführenden besondere Rücksichten aus den Fronleichnamstag nehmen. Er hat sich deshalb aus alle Weise bemüht, daß die Pro­ zessionen am Fronleichnamstage sich ruhig ent­ falten können. L L ' 1 Tabakkarten wurden zur Rationierung des Tabakkonsums in Frankreich eingeführt. Eroberungsgeld für Fesselballone. Mit rückwirkender Kraft vom Beginn des Krieges ab wurde vom König bestimmt, daß. für jeden durch Abschuß vernichteten Fesselballon ein Er­ oberungsgeld von 350 Mark zu zahlen ist. T!er Berteilungsmodtts der Zentralmächte. Nach einer zwischen den maßgebenden Fak­ toren getroffenen Vereinbarung wird Ungarn im Laufe des Juli die ersten Ueberschüsse an Getreide an Oesterreich und Teutschland abge­ ben. Begründet wird diese Abgabe damit, daß nach den getroffenen Vereinbarungen jenes Land, das zuerst geerntet hat, die Verpflich­ tung übernahm, feinv Ueberschüsse jenen Län­ dern zuzuwenden, in welchen erst später ge­ erntet wird. Tia in Ungarn die Ernte am frühesten beginnt, ist es zunächst in der Lage, seine Ueberschüsse an Oesterreich und Teutsschfland abzugeben. Linsingen — Nachfolger Kessels. AlsNachfolger des verstorbenen Generalobersten v.Kessel ist Generaloberst von Linsingea, der Sieger vom Stochod ernannt worden. Wie gearbeitet wird. Interessante Auf­ schlüsse über die landesverräterische Tätigkeit eines deutschen Fahnenflüchtigen in der Schweiz ergab eine Haussuchung, die die Polizei Ende April bei dem der sozialdemokratischen Ju­ gendorganisation angvhörigen 16jährigen Gg. Müller in Berlin-Friedenau vornahm. Es zeigte sich, daß öin gewisser Felix Lewinsohn, der hör dreiviertel Jahren in die Schweiz desertiert war, zahlreiche Versuche unternom­ men hatte, durch Geheimschrift in äußerlich' harmlosen Briefen den revolutionären Gedan­ ken gerade in den Jugiendkreisen nach allen Kräften zu fördern. Eine umfangreiche Kor­ respondenz und viele revolutionäre Hetzschriften sowie Flugblätter fielen dckr Polizei in die Hände. Neuwahl des Reichstagspräsidenten. Wie verlautet, werden die Fraktionen des Reichs­ tags erst am Dienstag kommender Woche beim Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten zur Beratung Wer die Neuwahl zusammentre­ ten. Tie Wahl des neuen Reichstagspräsiden­ ten dürste also erst in der Sitzung vom 5.Juli stattfinden. Täs Zentrum hat endgiltig be­ schlossen, dazu den Abg. Fehrenbach zu prä­ sentieren. ! I ────────── Lias GemeindckoUegium Nürnberg 'W± am Dienstag nach längerer Debatte den städt. Etat für 1918, der in Einnahmen und Ausga­ ben mit 66170 000 Mark bilanziert, genehmigt und die Gemeindeumlagen auf 195 Prozent (tote i. V.) festgesetzt. Zugleich wurde ein Dar­ lehen in Höhe von 10 Millionen Mark aufzu­ nehmen beschlossen. ■ 1 Höchstpreise für Frühvbsti. Beim Verkauf Äon Obst dürfen höchstens folgende Preise für den Zentner gefordert und bezahlt werden: Erzeugerpreis frei Abnähmestelle in der Er­ zeugergemeinde: Süße Kirschen, Weiche, 23.50 Mark; Erzeugerpreis frei Verladestation: 25 Mark; Großhandelspreis für im Verpackzeug des Empfängers gelieferte Ware ab Verlade­ station: 28 Mark; Großhandelspreis' für 'netto, u. verschn. Ware ab Verladestation 29 Mark; große harte Kirschen 33^50, 35, 38, 39 Mark; Sauerkirschen, Weine, 23.50, 25, 28 29 Mark; große 33.50, 35!, 38, 39 Mark; Pflaumen, Mirabellen 38.50, 40, 43, 44 Mark; Reine­ clauden 28.50, 30, 33, 34 Mark; Großsrüchtige Pflaumen, Edelzwetschgen 23.50, 25, 28, 29 Mark; Frühzwetschgen 18.50, 20, 23, 24 Mark; Kleinfrüchtige (Ernte-) Pflaumen (Kriecherln) 13.50, 15, 18, 19 Mark, Beeren Erdbeeren 1. Wahl 68.50, 70, 78, 80 Mark; Erdbeeren 2. Wahl 38.50, 40, 48, 50 Mark; Waldbeeren: 98.50, 100, 108, 110 Mark; Johannisbeeren, weiße, rote und schwarze 28.50, 30, 34, 35 Mark; Stachelbeeren 28.50, 30, 34, 35 Mark; Gartenhimbeeren: 68.50, 70, 76, 80 Mark. Sämtliche Preise gelten für gesunde, marktfähi­ ge, pfleglich behandelte Handelsware. Site Liberale Landtagssraktion und Abg. 2ir. Quidde. Eine Begegnung, die der Land­ tagsabgeordnete Dir. *Quidde Nor kurzem in der Schweiz mit einem Amerikaner!hatte, rief in der Oessentlichkeit Erörterungen hervor. Professor Dir. Quidde hat in der Presse fest­ gestellt, daß die Non deutschfeindlicher Seite hierüber verbreiteten Klarstellungen völlig un­ zutreffend sind und daß bei der Unterredung insbesondere keine deutschen Friedensziele be­ sprochen wurden. Gleichwohl richtete die Li­ berale Landtagsfraktion in ihrer letzten Sitzung an Tn. Quidde den dringenden Wunsch, derar­ tige Begegnungen und Besprechungen zu unter­ lassen, da sie Non den Feinden Deutschlands für ihre sriedensgegnerischen Zwecke mißbraucht werden können. Im übrigen wurde es als selbstverständlich erklärt, daß die Liberale Frak­ tion keinerlei Verantwortung für die pazifi­ stische Tätigkeit Dir. Quiddes trägt. "> Bayerische Nachrichten. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Straubing, 28. Mai. 1 (Metzgerversammlung.) Ter Bezirksverein Bayern im Deut­ schen Fleischerverband Welt gestern in Strau­ bing seinen diesjährigen Verbandstag ab. Zu demselben lhatten sich ungefähr 400 Metzgermei­ ster aus allen Gegenden des rechtsrheinischen Bayern eingefunden. Ten wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildeten die Ansprüche des Gewerbes für den seinerzeitigen Uebergang' zur Friedenswirtschaft, worüber Verbandsvor­ sitzender Lammertz den Bericht erstattete. Es sprachen weiter noch die Herren Obermeister Würz-München und Weinberger-Nlärnberg.Zum Schlilsse wurde folgende Entschließung ange­ nommen: "Nach der jetzigen Lage des Fleischer­ gewerbes muH; 'für Bayern eine Stelle ge­ schaffen werden, welche die Einfuhr von Vieh, Fleisch und sonstigen für die Fleischer nöti­ gen Produkten überaus, daß die drei beste­ chenden Viehmarktbanken München, Nürnberg und Augsburg durch Zusammenschluß diese Aufgabe übernahmen und beauftragt den Vor­ stand des bayerischen, Fleischerverbandes, ge­ eignete Schritte zur Durchführung und Errei­ chung der Erlaubnis der EinfuhN obengenann­ ter Artikel beim Ministerium einzuleiten." Tieggendorf, 30. Mai. (Das Eiserne Kreuz 1. Kl.) wurde dem Leutnant Ludwig Bachmann, «PwstNerwalterssohu Non hier verliehen. Oberpiebing, 30., Mai. (Besitzwechsel.) Das hies. Geißlsche Gastwirtsanwesen, utnfaffenbllO Tagwerk Grund, ging samt lebendem und to­ tem Inventar im Kaufswege an den landw. Bezirksverein Straubing über. An Kaufspreis werden 220 000 Mark genannt. Driftern, 30. Mai. (Ehrvergessenes Weib.) Die Gütlersfrau Hasmann in Godelsham, wur­ de von ihrem Ehemann im Streite erschlagen. Als ihr Mann eingerückt war, führte dieHasmann einen Lebenswandel, der jeder Beschrei­ bung Hohn spricht. Ganze Tage und Nächte war sie ivon daheim fort, überließ ihre drei Kin­ der ,von denen das jüngste 2 Jahve alt ist, ihrem Schicksal. Die Folgen dieses schrecklichen Tuns stellten sich ein; das pflichtvergessene Weib verkaufte den größten Teil des Vieh­ bestandes, nahm auch noch Darlehen auf und verjubelte in Gesellschaft ihrer gleichgesinnten Verehrer 5000 bis 6000 Mark. Selbst Avi­ sen und Trinkgelage in Soldaten-Gvsellschaft gehörten nicht zu den Seltenheiten. ────────── Lokales. Land,rhut, den 31. Mat —* Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde dem Mrjor und Bataillonskommandeur int 12. Landivehr-Jns anterie- Reginprut Herrn Jägerhuber, K. Regierungsrat von hi^er, ver­ liehen. Dessen Sohn dtzr Torpedomaat der Hochseetorpedoflotte, Herr Karl Jägerhuber, er­ hielt das Oldenburgische Friedrich AugustKreuz. t ; ; | : i ' ; • —* Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde Herrn k. Kreisgeometer Oskar Wanner, der als Oberleutnant seit Krjpgsbeginn im Felde steht und gegenwärtig eine Kartenstelle im Westen leitet, für dfe anläßlich der großen Frühjahrsofsensive "vorzüglich geleisteten Dien­ ste" 'verliehen, nachdem ihm schon im vorigen Jähre für die treffliche Vorbereitung einer Fernbeschießung die Aberkennung des Armee­ oberkommandos ausgesprochen wurde. —* Das Eiserne Kreuz wurde zu seinem Militär-Verdienstkreuz dem Gefreiten bei einem Reserv«-Jnf.-Regt. Herrn Jakob Sedlmeier, Hausbesitzer in Altfraunhoflen ver­ liehen. Das Eiserne Kreuz wurde dem Pionier Roman Huber, Sohn des Herrn Ku­ pferschmiedmeisters Huber und dem Soldaten einer Luftschifferabteilung Emil Seil, Tiekateur von hier, verliehen. ! ; | —* Zu Hauptleuten wurden die Ober­ leutnante Baptist Ritter von Scheuring, Al­ bert Schwub, Hadrian Ried, Walter Heinrich und Johann Steinle des 16. Jnfanterije-Regts. befördert. i —* Zum Rittmeister wurde der Ober­ leutnant Karl Streck des 2. Schwertzn ReiterRegts. befördert. —* Aus der GefangensKast zurück. Aus Amsterdam wird gemeldet: ,MllgKneen Handelsblad" zufolge brachten die gestern in Rotterdam angekommenen Hospitalschisse 95 deutsche Offiziere, 540 Unteroffiziere und 17 Zivilinternierte aus England. Unter den Of­ fizieren befinden sich per Kommandeur des 16. daher. Jnfanterie-Regts. A. Bjedall und Major Wölfl. , i —* Die O f sensive im Westen gäht rüstig vorivärts. Gestern wurde bereits der Fall von Soissons und der Nordwestforts von Reims gemeldet. Der Abendbericht meldet, daß sich unsere Truppen südlich von Feye-en-Tardenois bereits der Marne nähern, von der sie also nur noch ca. 10 Kilometer entfernt stählen. An Gefangenen werden bereits 35 000 gemel­ det. Tie Beute ist gewaltig. Selbstoerständlich können aber genaue Ziffern noch nicht an­ gegeben herben, denn unsere Truppen haben jetzt etwas besseres zu tun, als die Beute zu zählen. Das hat noch Zeit. —* Flag gen sch muck trugen gestern blfe; staatlichen Gebäude aus Anlaß des Sieges un­ serer Truppen im Westlän. Abends folgten auch Privatgebäude. 1 ! —* Die drei daher, stellvert r. Ge­ neralkommando s erlassen eine Be kanntmachung betreffend Beschlagnähme und Vorratsevhebung von Gummibereifungen für Kraftsährzeuge jeder Art. ! —* Nationalsammlung. Gestern nach­ mittags halb 3 Uhr besuchte S. Exz. Herr Re - 1 gierungspräsident von Pracher, empfangen vom engeren niederbaher. Kreisausschuh. der Na­ tionalsammlung die Ausstellung in der Aula des K. hum. Gymnasiums. Um 3 Uhr wurde die Ausstellung dem allgemeinen Besuche ge­ öffnet. —* Die Fronleich na msprvzession war gestern von schönstem Wetter begünstig. Die Prozession bewegte sich in der herkömm­ lichen Form und Ordnung unter Vorantritt der drei geharnischten Ritter und des Erz­ engels durch die von dichten M«nschpnmenge t .umsäumten Straßpn. Nur das Militärspaliec 'das Grün auf den Straßen sohlte, eine Folge des Krieges. Hinter dem Allerheiligsten schrit­ ten Se. Exzellenz Herr Regierungspräsident v. Pracher mit Herren Beamtpn der!K. 'Re­ gierung, Herr Oberpostdirektor Stingl mit Her­ ren Beamten der K. Oberpostdirektion und di: Herren Beamten der übrigen 'hiesigen Behör­ den und Lehranstalten, Herr Rechtsrat Cost: mit den Herren der beiden städt. Kollegien und eine große Schar von anderen Andächtigen ────────── Allerlei. Erstochen aufgefunden wurde in seiner Wohnung in Würzburg der Postsekretär Hans Wehde. Er hatte einM ^Sjtich in den Rücken evhalten. Sein Schwager, bfer aus dem Feld gekommen war, soll sich mit ihm geneckt habjää. Aus Verfehlen sei betn W. dabei das Seitenge­ wehr des Soldaten in den RückpU eingedrun­ gen. Der ALkähol hat bei dem Unglücksfall anscheinend auch eine Rolle gespielt. Ter Schwager, Magistratssekretär Georg Werner, wurde verhaftet. 1 Molkenbrirch^ Am 27. ds. ging in der Mitte des Taubertales ein starker Wolkenbruch nieder, der einten Schaden von 100 000 Mark anrichtete. Schlossen in bedeutender Größe sie­ len etwa eine halbe Stunde lang. Viele Felder sind überschwemmt und sähen einem großen See ähnlich. 1 ────────── Städtische Schwimschulr. 31. Mai 1918. Wasser . 16 Grad C. Luft 19 Grad C Kriezpbriefe aus dm Westen. 1 ' ' i Berlin, den 29. Mai 1918. iUnberschtigter Nachdruck, auch auszugsweise oeröoten.j Die Schlacht am Dameawcg. Telegramm unsres KriegSberichterstatterS. Großes Hauptquartier, 28. Mat. Wie es bei der Ausdehnung der Angriffssront und der Stärke des Einsatzes selbstver­ ständlich ist, lhaben die bis in die letzte Ein­ zelheit genau durchgeführten Vorbereitungen mehrere Wochen beansprucht. Tenno'H hat der Feind nicht das Mindeste von ihrem Umfange wahrgenommen. Tie gefangenen Offiziere sagen übereinstimmend aus, daß sie zwar mit einem 'Angriffe, aber nur einem solchen von ganz be­ schränktem Umfange gerechnet hätten. Tie Schwierigkeit, den Gegner über die Vorberei­ tungen zu täuschen, war umso größer ,als das Anmarschgelände nördlich von Laon flaches, fast deckungsloses Land ist und die für den Aufmarsch von Infanterie und Artillerie ent­ scheidenden letzten Nächte mond'hell waren, soLaß sie dem Feinde eine ausgedehnte Lustbe­ obachtung ermöglichten. Ferner geht aus den Aussagen der gefangenen Offiziere 'hervor, daß sie den fast 20 Kilometer tiefen französischen Stellungsgürtel des Berglandes südlich von Laon durch Natur und Kunst für so stark befe­ stigt hielten, daß er nach der ,m Frieden lherrschenden Ansichten für unangreifbar ge­ golten hätte, nach den kn diesem Kriege ge­ wonnenen Anschauungen aber eine mehrtägige Artillerievorbereitung dem Angriffe 'hätte vor­ ausgehen müssen. Tiefe ganze Besestigungsgotte aber hat unsere herrliche Infanterie in einem Anlaufe zu derselben Zeit überrannt, als die feindliche Presse jeden Tag davon er­ zählte, daß die deutschen Truppen durch hartem Kampfe genommen, Loupieige, Mareuil und Traoegny durchschritten. Bei Jonherrh wurde die Vesle überwunden und Dhierrh be­ setzt. Im Lause des Tages wurde mehrfach hartnäckiger Widerstand in stark verdrahteten, alten, rückwärtigen Stellungen gebrochen und der Feind bis über die Linie Ville Mvntaire— Fere-en-Tardenois zurückgeworfen. Tamit ist ein großer Teil der Straße Ehateau—'Thierrh— Soissons besetzt. Ein starker französischer (Ge­ genangriff, 'von Tanks und Schlachtsliegern un­ terstützt, scheiterte unttzr hohen feindlichen Ver­ lusten. Tie sofort nachdrängende Infanterie entriß dem Feinde Irfciter Gelände. Auf dem Ostteile des Kampfseldhs sielen die Forts der Nordwestfront von Reims. Es wurde Bethfenh genommen. Feindliche Auto- und Jnfantjeriekolonnen wurden von deutschen Fliegern an­ gegriffen und von der Artillerie Zusammenge­ schossen. Tie Beute an Gefangenen, an Kriegs­ und Artilleriematerial wächst ständig. Tas rasche Vordringen der deutschen Sturmtrup­ pen ließ, dem Feinde keine Zeit, die ungeheuren Vorräte und Werte aus dem bedrohten Ge­ lände zurückzuführen. Südlich von La Ville au Bois sielen allein 33 FeldgLschütze, von Lenen 8 durch Volltreffer beschädigt wärest, in unsere Hand. Nördlich Breuil für Vesb wurde zwei unversehrte Eisenbahngeschütze mit Lokomotiven erbeutet. Im Aisnfe-Tal blieben 'zahlreiche schwere und leiste Geschütze stehen. Bei Pinon eroberten die Teutschen eine voll verwendungsfertige 14.5 Zentimeter-Batterie samt Munition und zugehörigen Kraftwagen. Westlich von Reims fielen mehrere Eisenbahnzüge mit LokomotivEn und Geschützen in deut­ sche Hand. Tie Einwohner der zerstörten Dör­ fer sind auf wilder Flucht in das Innere. Ttfe» wenigen Zurückgebliehenen sind in fassungs­ loser Wut auf die Engländer, dentzü die Schuld an der Niederlage zugeschrieben wird. Auf­ fällig ist die geringe Zahl der teutschen Ver­ wundeten. ────────── schlechte Ernährung und Ueberanstrmgung ih­ ren Gesechtswert immer mehr verlören. Tas Gelände bot für den Beginn der Schlacht eine beträchtliche Erschwerung dar: Statt 'von einem festen Sprungbchckte muhte der Angriff aus dem versumpften Grunde des Oise —Aisne-Kanals und der Äilette, wo das Was­ ser trotz der trockenen Witterung der letzten Zeit noch in den, Gräben und Trichtern stand, auf Den steilen und beherrschenden Hügelrücken vorgetragen werden. Hher ergab sich schwere Arbeit für die Pioniere, die auch weiterhin Schulter an Schulter mit der Infanterie vor­ gehen mußten, um ihr In dem durch gewach­ sene und mit Menschenkraft geschaffenen "Hin­ dernisse zerklüfteten Hügellande überall den Weg zu ebnen. Pontonbrücken waren in dem versumpften Grunde nicht möglich, es mußten Bockbrücken und schwimmende Stege angelegt werden. Aus diese Uebergangsstellen 'vereinigt der Feind selbstverständlich, das Feuer seiner gesamten Artillerie. Dennoch blieben die Ver­ luste in Grenzen ,die den Angriffsgeist der Truppe nicht schädigten. Tie zersjchysseneuBrnkken und Stege wurden fortwährend geflickt. Tie in ihrem Ehrgeiz angestachelten Pioniere lest steten hierbei Außerordentliches. So wurde eine Kolonnenbrücke, die erst um 9 Uhr ebends fer­ tig werden sollte, schon um 5 Uhr nachmittags für schwerste Fahrzeuge benutzbar den Betriebe übergeben. Tausende von Geschützen und Minpnwersern leiteten den Angriff ein. Tie Wirkung dieser Hagelschläge vonFeuer und Stahl erwies sich als ungeheuer, je wei­ ter man in die feindlichen Stellungen eindrang. Hatten am Kanal noch die französischen Gra­ benbesatzungen, die sich freilich über das ovrzeittge Weichen ihrer englischen Flügelnachbarn beklagten, zähen Widerstand zu leisten versucht, so boten beim Borschreiten der Feuer­ welle auch französische Regimenter vielfach! den bei diesem tapferen Gegner seit Beginn des Krieges kaum me'hr erlebten Eindruck eines völligen Zusammenbruches dar. Es genügte, daß unsere siegreich 'vorrückenden Sturmtrup­ pen einzelne Kommandos vor dfen Eingängen der Unterstände zurückließen, welche die In­ sassen zur Uebergabe aufforderten, woraus diese zu Hunderten herauskamen, die Waisen streck­ ten und sich willig abführen ließen. Entspre­ chend der deutsch-französtstchjen Vereinbarung über die Gefangenenbehandlung wurden sie sofort nach hinten aus der Feuerzone hinaus­ gebracht. 'Tie Gefangenen waren se'hr 'verschie­ denartig, gute, kriegstüchtige mit müden alten und halbausgebildeten Jungen vermischt. Alle verwünschten sie den Krieg, und trenn diese Stimmung awh bei frisch Gefangenen begreif­ lich ist und keinen allgemeinen Rückschluß auf die schwindende Kampffähigkeit unseres sol­ datisch begabtesten Gegners zuzulassen braucht, so kam doch der Zorn der Gefangenen gegen Clemenceau, der tmntfer größeres Unglück über CFrankreich heraufbeschwört, und gegen die englischen Bundesgenossen aus vollem ehrli­ chem Herzen. Auch die gebildeten Offiziere sind se'hr nachdenklich über die Größe der Blut­ opfer, die Frankveich bei der Verzettelung sei­ ner Reserven an alle deutschen Angriffsstellen seit dem 21. März hat bringen müssen. Dabei war ihnen der Umfang des deutschen Erfol­ ges vom gestrigen Tage, den die Abendmeldun­ gen als den räumlich größten erkennen lassen, der je an der Westfront erzielt worden ist, noch gar nicht bekannt. Wenn auch' der mili­ tärisch denkende Offizier weiß, daß der Ge­ winn oder Verlust einer Anzahl Ortschaften und einiger Quadratmeilen Land nicht den Weltkrieg entscheidet, so fühlt er doch bitter, daß mit jedem weiteren Verlust französischen Gebietes die Wunden unheilbarer werden, die Frankreichs Zukunft geschlagen sind, und der französische Traum, den Krieg mit amerikani­ scher Hilfe aus deuschem Boden zu Ende zu soll­ ten, in ein Nichts versinkt. — Gestern noch (hat­ ten die maßgebenden französischen Stellen ver­ sichert, daß die französische Front unerschütterlich sei, wo sie auch angegriffen werden möge. Tlie Antwort war ant Abend von unserer fechtenden Truppe gegeben: ein Einbruch in mehr als 50 Kilometer Breite und 18 'Kilo­ meter Luftlinientiese über Höhenunterschiede von 100—150 Meter hinweg, durch ein Gra­ ben gewirr, wie es dichter an keiner Frontstelle besteht. In Eile wurden hastig zusammen­ geraffte Reserven in Lastkraftwagen nach der Angrisfsfront gefähren. Sie kamen in die zuzurückslutenden geschlagenen Truppentrümmer und Bannten das Schicksal der Schlacht nicht wenden. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Berlin, den 29. Mai 1918. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) Neue Schläge. (Telegramm unsres Kriegsberichterstatters.) Großes Hauptquartier, 28. Mai. Nach einer von der deutschen Obersten Heeresleitung eingelegten Pause, welche der Feind dulden mußte, ohne daß es Ihm gelang, durch seine örtlichen Angriffe an irgjenb einer Stelle die Freiheit des Handelns zu errin­ gen, haben nun auf breiten Abschnitten der Westfront neue Kämpfe zu der seit Wochjen da­ für festgesetzten Stunde begonnen. In Flan­ dern wurden die französischen Stellungen öst­ lich des Tickebuschsees angegriffen, Elzenwalle und Seewald genommen und die deutschen Vor­ stellungen bis nach Vifver'hoek bis an die Mitte des Ostrandes und bis an den Südzipfel des Tickebuschsees vorgetragen. Preußen,Bay­ ern und Sachsen, die hier gemeinsam vorgin­ gen »brachten einige hundert Gefangene ein. An dem Erfolge waren unsere Flieger stark be­ teiligt, die während des Kampfes die volle Ueberlegen'heit in der Lust behaupteten, obwohl der Feind an dieser Stelle schon seit mehreren Tagen den Angriff erwartet hatte. Nördlich Albert frei Hamel und am Walde von Aveluh versuchte der Engländer angrisfsweise vor­ zugehen, um den schweren Truck aus seine Front zu erleichtern, doch brasch der vovher auf einem Uebungsgelände geprobte Angriff nach heftigem Ringen erfolglos zusammen. Auf vielumkämpsten Schlachtfeldern tra­ ten gestern um halb 5 Uhr nach zweieinhalb-, stimmigem Trommelfeuer die Armeen des Teut­ schen Kronprinzen zwischen Pinon und Berrhau-Bac zum Sturme an. Vor den Stürmern lag der tiefe Einschnitt des Aielettegrundes, hinter dem sich als ein natürlicher Festungswall der Höhenzug des Dämenweges auftürmt, ein von Schluchten zerrissenes Gelände, mit star­ ker Artillerie besetzt, mit zahllosen im Busch­ verstecken an den Hängen verstreuten Maschi­ nengewehren unwegsam gemacht. Ter Feind hielt einen ernsthaften Angriff an diesem Abschnitt, wo er selbst in monatelangem Ringen jeden Fußbreit Boden mit Strömen von Blut bezahlt hatte, für unmöglich und glaubte noch, während der Artillerievorbereitung an einen Täuschungsversuch, als schon die deutschen Sturmbataillone jeden Widerstand rasch nie­ derringend in allmählich sich auf etwa 60 Ki­ lometer verbreithrnderFront in die stark ausge­ bauten Stellungen eindrangen. Alle die viel­ umstrittenen Brennpunkte der französischen Tämenweg-Ossensive, der Winterberg, die "Hurtebise-Fsrme, Gramme und Craonnel waren schon in unserer Hand, als bei Sonnenaufgang der Nebel einem kristallklarem Tage zu weichen begann, der unserer vorgehenden Artillerie die besten Wirkungsmöglichkeiten gewährte. In küh­ nem Schwünge ging der Angriff weiter. Mit­ tags war die Aisne schon an vielen Stellen überschritten, gegen Abend die Vesle erreicht, Fismes, der Sitz eines Oberkommandos und ein Etappenlager mit reichen Vorräten, in unserer Hand. Ter siegreeiche Vorstoß war an dem einen Kampftage in 18 Kilometer Tiefe vorgetragen worden. Tie Zahl der Gefangenen, auf dem linken Flügel Engländer, auf dem rechteüFranzosen 'ist sehr groß, läßt sich aber zur Stunde noch nicht stchsitzen. Unter der Beute befinden sich französische LangrohrgefchÜtze, welche Samt zerstört haben. j Ter Kaiser weilte weit vorn aus dem Schlachtfelde und besuchte abends den General­ feldmarschall von Hindenburg auf dessen Besehlsstelle. , ' • i : W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Städtische Schwimschulr. 31. Mai 1918. Wasser . 16 Grad C. Luft 19 Grad C Kriezpbriefe aus dm Westen. 1 ' ' i Berlin, den 29. Mai 1918. iUnberschtigter Nachdruck, auch auszugsweise oeröoten.j Die Schlacht am Dameawcg. Telegramm unsres KriegSberichterstatterS. Großes Hauptquartier, 28. Mat. Wie es bei der Ausdehnung der Angriffssront und der Stärke des Einsatzes selbstver­ ständlich ist, lhaben die bis in die letzte Ein­ zelheit genau durchgeführten Vorbereitungen mehrere Wochen beansprucht. Tenno'H hat der Feind nicht das Mindeste von ihrem Umfange wahrgenommen. Tie gefangenen Offiziere sagen übereinstimmend aus, daß sie zwar mit einem 'Angriffe, aber nur einem solchen von ganz be­ schränktem Umfange gerechnet hätten. Tie Schwierigkeit, den Gegner über die Vorberei­ tungen zu täuschen, war umso größer ,als das Anmarschgelände nördlich von Laon flaches, fast deckungsloses Land ist und die für den Aufmarsch von Infanterie und Artillerie ent­ scheidenden letzten Nächte mond'hell waren, soLaß sie dem Feinde eine ausgedehnte Lustbe­ obachtung ermöglichten. Ferner geht aus den Aussagen der gefangenen Offiziere 'hervor, daß sie den fast 20 Kilometer tiefen französischen Stellungsgürtel des Berglandes südlich von Laon durch Natur und Kunst für so stark befe­ stigt hielten, daß er nach der ,m Frieden lherrschenden Ansichten für unangreifbar ge­ golten hätte, nach den kn diesem Kriege ge­ wonnenen Anschauungen aber eine mehrtägige Artillerievorbereitung dem Angriffe 'hätte vor­ ausgehen müssen. Tiefe ganze Besestigungsgotte aber hat unsere herrliche Infanterie in einem Anlaufe zu derselben Zeit überrannt, als die feindliche Presse jeden Tag davon er­ zählte, daß die deutschen Truppen durch Kriegsbriefe aus dem Westen.