Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-06-11. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 157, 1918-06-11. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 157 11. Juni 1918 ────────── Der Vorstoß südwestliche Noyon. ────────── 8000 Gefangene. — Die feindlichen Linien in 8 Km. Breite zurückgedrängt. - Der österreichische Minister des Äußeren nach Berlin abgereist. - Die russische Abordnung in Berlin. ────────── ' WTB. Berlin, 10. Juni 1918, mittags!. Großes Hauptquartier: «restlicher «rieg4s»a«stl.tz. Heeresgruppe des Gancralfeldmarschalks Kronprinz Rupprecht von Bayer«. Zwischen Lhs und Albert, südlich! der Som­ me und an der Avre lebte der Artilleriekampf aus. Rege Erkundungstätigkeit hielt an. Heeresgruppe des deutschen Kronprinzen. Im kräftigen Angriff brachen wir gestern in das Höhengelände südwestlich von Nohon ein. Westlich der Matz nahmen wir die franzö­ sischen Stellungen bei Mvrtimer und Orvillers und stießen über Curillh, Riequeburg hin­ aus vor. Oestlich der Matz wurde die Höhe von Gurh erobert. Trotz zähen feindlichen Wider­ standes erkämpfte Infanterie den Weg durch die Wälder von Riequeburg und Lamotte und warf den Feind über Bourmont und Moreuil zurück. Südlich und südöstlich! von Lassignh dran­ gen wir weit in den Wald von Thiescourt ein. Heftige Gegenangriffe der Franzosen wurden abgewiesen. Wir machten etwa Gefangene und erbeuteten Geschütze. An der Front von der Oise bis zur Marne ist die Lage unverändert. Oertliche Kämpfe nördlich von Reims, nordlvestlich von Chateau Thierry und bei Vrigny brachten Gefangene ein. Gestern wurden 37 feindliche Flugzeuge und 6 Fesselballone abgeschossen. St. Kroll errang s einen 27. und 28., St. Übet seinen 27 St. Kristen seinen 23. Lustsieg. r«*? i, ÄensralrmartirrmeMesr KndeKdorkf. WTB. Berlin, den 11. Juni. Amtlicher Abendbericht: Südwestlich von - Rohön machten wir im Kampfe mit neu herangeführten französischen Kräften Fortschritte. Die Heeresberichte. Der deutsche Heeresbericht. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 10. Juni, mittags. Amtlich wird gemeldet: Feindliche Vorstöße bei Capo Sile und ge­ gen mehrere Stellen der venezianischen Gebirgssront wurden wie an den Vortagen glatt abgewiesen. Eines unserer Bombengeschwader erzielte bei einem Angriff aus dse italienischen Flugplätze von Treviso und Monte Belluno zahlreiche Treffer. Das Artillerieseuer, das der Feind seit längerer Zeit gegen die hinter unserer Piave­ front liegenden Ortschaften richtet, kostet täg-l lich italienischen Staatsbürgern des Leben. Der Chef des Generalstabs. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. > i Zur Kampftage. Das "Berner Tagblatt" fragt: Wie wird cs weitergehen? Einig ist sich alle Welt darüber, daß wir noch immer am Beginn der großen Kämpfe im Westen stehen, die von der deutschen Heeresleitung zur Herbeiführung einer Ent­ scheidung geführt werden. Wo wird sich aber die gewaltige Schlachthandlung abspielen? Es kann die Bedrohung von Paris jetzt schon schwerer gestaltet werden, indem nunmehr eine Offensive gleichzeitig an den AusMllsstellun- • gen im Winkel von Chateau-Thierrh und bei Montdidier einsetzt. i] Verzögerung durch U-Boote. Eine zweistündige Unterredung Clemenceaus mit Haig und Lord Mtlner galt auch, wie "Homme libre" merken läßt, den durch Besorg­ nisse vor neuen großzügigen deutschen Unter­ nehmungen unabweisbar gewordenen Umgrup­ pierungen der Entente in mehreren Abschnitten der Westfront, namentlich im Umkreise von Montdidier. Gewisse, für die Verteidigung der Ostforts noch erforderliche Behelfe werden aus England erwartet. Tie Verzögerung scheint durch die vorwöchigen, sehr bedeuteudenTransportversenkungen im Aermelkanal entstanden zu sein. ────────── Aus Finnland. Ans toben der industriellen Tätigkeit in Helsingsors. Aus Helsingsors wird berichtet, daß die industrielle Tätigkeit, die seit Ausbruch des Bürgerkrieges darniederliegt, wieder aufzüleben beginnt. Ans der Ukraine. Gleichberechtigung aller Nationen in der Ukraine. Kiew, 9. Juni. Der ukrainische Unter-, richtsminister Wassilenko betonte in einer Rede, die er aus dem Lehrertag hielt, daß in der Ukraine der Grundsatz der Gleichberechtigung aller Völker erklärt und vor allem im Schul­ wesen durchgeführt werden solle. Die Ein-, sührung der ukrainischen Unterrichtssprache ist nur für die staatlichen Schulen Bej)Soffen, be­ ginnend mit den unteren Klassen. ────────── Aus der Ukraine. Aus Finnland. Ans toben der industriellen Tätigkeit in Helsingsors. Aus Helsingsors wird berichtet, daß die industrielle Tätigkeit, die seit Ausbruch des Bürgerkrieges darniederliegt, wieder aufzüleben beginnt. Ans der Ukraine. Gleichberechtigung aller Nationen in der Ukraine. Kiew, 9. Juni. Der ukrainische Unter-, richtsminister Wassilenko betonte in einer Rede, die er aus dem Lehrertag hielt, daß in der Ukraine der Grundsatz der Gleichberechtigung aller Völker erklärt und vor allem im Schul­ wesen durchgeführt werden solle. Die Ein-, sührung der ukrainischen Unterrichtssprache ist nur für die staatlichen Schulen Bej)Soffen, be­ ginnend mit den unteren Klassen. ────────── Italienische FriedenssehnPncht. Ter Mailänder Seoolo, dessen Pariser Korrespondent das Ungeheuerlichste in Ver­ hetzungen geleistet hatte, stellt sich heute eben­ falls aus die Sötte derjenigen, die wie "Heure" "Humanite" usw. sich gegen die einfache Ver­ werfung einer etwaigen Friedensoffensive er­ klären. Ter Korrespondent findet die Forde­ rung dieser Blätter vernünftig, daß die En­ tenteregierungen mit den feindlichen Regierun­ gen in Berührung treten, selbst wenn deren Vorschläge zunächst unannehmbar seinen soll­ ten und die Redaktion des Secolo fügt hinzu: sie könne mit gutem Gewissen behaupten, daß stk niemals zu jenen gehört habe, die ein Eintreten in Friedensvarhandlungen grundsätz­ lich verworfen haben. Tas rücksichtsvolle italienische Ober­ kommando. Der Corriere della Sera erklärt die Ge­ rüchte, wonach die aus den von dem Feinde besetzten Landesteilen stommenden Soldaten von der Front zurückgezogen worden seinen, für u «begründet. Sie seien nur von der vene­ zianischen an andere Frontstellen verschoben worden ,um ihnen den Anblick der Zerstörung ihrer Heimstätten zu ersparen. Der Krieg mit Italien. ────────── Der Krieg mit England. Dänische Arbeiter für englische Mnni1 tion. Kopenhagen, 10. Juni. Wie aus pri­ vater Quelle bekannt geworden ist, haben am 24. Mai dänische Arbeiter, die in Kopenhagen von englischen Agenten zur Arbeit in engli-' scheu Munitionsfabriken angeworben worden sind, auf der Durchreise über Bergen nach England Christiania passiert. Ursprünglich ist Pressemeldungen'zufolge die Zahl der Ange­ worbenen groß gewesen; jedoch infolge Einwir­ kung anderer Arbeiter erheblich zusammenge­ schmolzen. Dbr Rest ist am 25. Mai mit einem englischen Dämpfer nach England weitergereist. ────────── Aus neutralen Ländern. Amerikanische Ausfuhr nach Island. Reuter meldet aus Washington: Ein Dam­ pfer mit einer Ladung Stückgut liegt zur Aus­ fahrt nach Island bereit, Auch eine ziemliche große Menge Del ist geladen. Das Kriegshandelsamt hat für diese Dinge die Ausfuhr be­ willigt und wie verlautet, wird es auch die Ausfuhr amerikanischer Artikel nach den FarOeern erlauben, soweit sie für die Deckung des Jahresbedarfes erforderlich sind. Island und Dänemark. Das Kopenhagener Blatt ,fBoersel" hat wiederholt die Aufmerksamkeit auf die höchst ! betrübende Lage gelenkt, in welche die dänischen ’S Interessen aus Island infolge Kriegsmahnah- l wen verschiedener Art geraten sind. Jetzt schreibt das Blatt hierüber: Ter gesamte dä- i nisch-isländische Handel ist tatsächlich! ausge­ schaltet und wir haben uns damit abfinden müs­ sen, daß Islands Produkte, die wir sehr not­ wendig brauchen könnten, an 'bie Engländer und die skandinavischen! Nachbarländer ver­ kauft werden. Gegen norwegische Lügenmcldungcn. WTB. Berlin, den 9. Juni. (Amtlicht) In der norivegischen Presse erschien vor kurzem eine größere Anzahl sehr gehässiger Artikel, die unsere U-Bootskriegsführung an­ griffen, weil im vergangenen Monat mehrere Fischerfahrzeuge an der Murmanküste versenkt wurden. Bekanntlich ist durch den FriedensVertrag von Brest-Litowsk seinerzeit die von uns erfolgte Erklärung eines Sperrgebietes int nördlichen Eismeer nicht aufgehoben worden. Um der norwegischen Regierung entgegenzu­ kommen, wurden im vorigen Somwer bestiwjmte Teile dieses Gebietes den norwegischen Fi­ schern für den Dorsch- und Robbenfang freige­ geben. Aus Grund der jetzt hier vorliegenden Berichte ergibt sich einwandfrei, daß die Ver­ senkung der Fischersahrzeuge in dem nicht freigegebenen Teil des Sperrgebietes stattfand. Tie norwegischen Fischer haben sich ihr MH-' geschick daher selbst zuzuschreiben. Tie Fischer­ fahrzeuge wurden in der üblichen Weise durch Warnschüsse angehalten, wobei kein Fahrzeug getroffen wurde. Die Versenkung erfolgte erst, nachdem die Besatzungen von Bord gegangen waren. Die Besatzungen von zwei Fischerfährzeugen, die außer Sichtweite vom Land versenkt wurden, wurden auf einem anderen Iischersahrzeug zur Beförderung nach dem Heimatshasen eingeschifft. Alle übrigen Versenkungen er­ folgten in nächster Nähe der Küste, sodaß es den Besatzungen möglich war, mit ihren Booten in kurzer Zeit das Land zu erreichen. Tie Be­ hauptungen der norwegischen Presse, daß die Versenkungen ohne Rücksicht auf das Leben der Besatzungen erfolgten, ist daher unwahr. Es wäre ohne weiteres möglich gewesen, noch et­ wa 30 Fischersahrzeuge, die im Sperrgebiet im Eise festsaßen zu versenken. Mit Rücksicht aus die Besatzungen ist dies jedoch unterblieben. Ein größerer Dampfer wurde in der Waidabucht, die gleichfalls im Sperrgebiet liegt, durch Artillerie versenkt. Die von norwegischer Seite gebrachte Meldung, daß die Rettungsboote dieses Dam­ pfers beschossen worden seien, ist erfunden. ────────── Tie Freunde Irlands in Amerika. Reuter meldet aus Newyork: Olcary und fünf andere sind unter der Beschuldigung des Verrats verhaftet worden. Olcary soll seit Beginn des Krieges die Teilnahme Amerikas am Kriege bekämpft und Bei der Errichtung der Gesellschaft der Freunde Irlands mitge­ wirkt haben. 1 Tie Amerikaner in Gibraltar und Tanger. Ter Madrider Korrespondent der Köln. Ztg. meldet,: Tie Amerikaner haben nicht nur die englische Garnison in Gibraltar ersetzt, son­ dern Tanger zu einem Stützpunkt amerika­ nischer Kriegsschiffe gemacht, die dort ankern Und deren Mannschaften bewaffnet durch die Stadt ziehen. Aus Amerika. ────────── Japanische Nadelstiche. Ein großes. japanisches Matt, die "Kokumin", erklärt in einer Besprechung der Kriegs­ ziele der Entente, daß der gegenwärtige Krieg nur ein Streit zwischen Deutschland und Eng­ land sei, die sich beide um die Suprematie strei­ ten. Japan habe sich in diesen Streit nur ge­ zwungen durch sein Bündnis mit England ein­ gemischt. Die Zeitung fragt, wie es komme, daß die Vereinigten Staaten sich erst nach einer dreijährigen Kriegsdauer ihrer erhabenen Zie­ le erinnerten, daß sie für die Kultur und Frei­ heit der Völker mitkämpfen müßten. Tie Pa­ role für die Nationalitäten und Demokratien fei nicht ernst zu nehmen. Tie Engländer wür­ den den Militarismus nur noch mehr verallge­ meinern. Japan im Kriege. ────────── I Unsere Helden in Ostmrika. ' Berlin, 10. Juni. Nach den letzten eng­ lischen Meldungen vom ostafrikanischen Kriegs­ schauplatz läßt sich schließen, daß General vonLettow-Vorbeck mit seinen Truppen sich der festen Umklammerung des Feindes entzogen ijtnb (über den Luriofluß zurückgegangen ist. Tk: eng­ lische Presse bringt eine ausführliche Darstel­ lung über die militärischen Maßnahmen in Ostafrika von General Dewenter, die bis zum Dezember 1917 reicht. Diese von feindlicher Sette stammende Darstellung ist geradezu eitti Ruhmesblatt unserer Schutztruppe, deren außer­ ordentliche militärischen Leistungen Dewenter verschiedentlich anerkennt. Augenscheinlich hat Dewenter selbst nicht gehofft, daß ihm eine baldige Besiegung des Feindes gelingen werde. Die Leistungen der deutschen Kolonilltruppen sind um so höher zu betoerten, als sie dort gegen eine etwa IKfache Uebermacht kämpfen. Durch ihre Tapferkeit haben sie dauernd einen Einfluß auch auf den europäischen Kriegs­ schauplatz ausgeübt, und zwar dadurch,, daß sie die Engländer veranlaßt haben, Truppen und Kriegsmaterial, die für den euroPäischenKriegsschauplatz bestimmt waren, nach Ostasrika zu werfen. Sehr erhebliche englische und Portu--giesische Truppenkontingente sind durchs unsere ostafrikanische Heldenschar auf diese Weise in Ostafrika gebunden. Aus den Kolonien. ────────── Der Krieg zur See. Tie Nnterseebootsbeute mt der amerikanischen Küste. Die Züricher Neue Korrespondenz meldet: Es wurden einige Schiffe an der amerikanischen Küste versenkt. Bis jetzt wird der durch Unter­ seeboote vernichtete Frachtraum an der ameri­ kanischen Küste auf mindestens 40 000 Tonnen geschätzt. ────────── Einmalige Bcrmögcnsabgafce. Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung des Haupt­ ausschusses des Reichstags, in der nofiil der Abg. Fehrenbach den Vorsitz, führte, stand der bereits am 13. Mai veröffentlichte Antrag Gröber betreffend den Entwurf eines Kriegs­ steuergesetzes. Danach soll für 1918 eine außer­ ordentliche Kriegsabgabe vom Einkommen und Vermögen der natürlichen Personen erhoben werden, und zwar 1. von Jahreseinkommen von mindestens 20000 Mark in durchgestaffel­ ten Steuersätzen von 5 bis 20 v. H.; 2. von der Einkommensvermehrung während des Krie­ ges in durchgestaffelten Steuersätzen von "5 bis | 50 v. H.; 3. von Vermögen von mindestens I 20 000 Mark in durchgestaffelten Steuersätzen i von 1 bis 3 v. T. Staatssekretär Graf Roedern erklärte, daß der Bundesrat sich mit dieser Abgabe einverstanden erkläre. Der Ertrag der Mehreinkommensteuer wird "auf 850 Millionen geschätzt. 2er Vizekanzler und das Wahlrecht. Ter Zentralausschuh der Fortschrittlichen VolksPartei hielt am Sonntag eine Tagung ab. In der Aussprache nahm als erster Redner Vize­ kanzler von Payer das Wort, indem er der Par­ tei seinen Dank aussprach für das Vertrauen, das sie ihm in seiner neuen Stellung entgegen­ bringe. Dieses Vertrauen mögen ihm die Par­ tei und die Reichstagsmehrheit auch in schwie­ rigen Situationen bewähren. Der Vizekanzler gab eine Schilderung seines jetzigen Arbeits­ feldes und reihte daran einen Ueberblick über die politische Lage, in deren Verlauf er die Be­ fürchtung aussprach, daß die Lösung der elsaßlothringischen Frage sich bis zum Frieden ver­ schieben könne. Mit der Einlösung des Ver­ sprechens aus Gewährung des gleichen Wahl­ rechts in Preußen stehe und falle er. Einstim­ mig tourbe folgende Entschließung angenom1 men. Der Zentralausschuß billigt die Haltung I der Rieichstagsfraktion in den Fragen der äuße! ren und inneren Politik. Er begrüßt das Zu* sammenarbeiten der Fraktion mit den anderen Tages-Übersicht. ────────── Parteien des Reichstages zwecks Unterstützung der gegenwärtigen Regierung in ihren Bestre­ bungen für einen die deutsche Entwicklung sichernden Frieden nach außen und für die freiheitliche Ausgestaltung im Innern. Ter Zentralansschuß dankt dem Vizekanzler von Putzer für sein ersprießliches Wirken und spricht ihm sein Vertrauen aus. Täs Wahtrechtskompromiß. Tas preuß. Wahlrechtskompromiß kann im wesentlichen als abgeschlossen gelten. Der Entwurf sieht bor, daß eine Zusatzstimme für Alter und eine zweite für zehnjährige Selbständigkeit im Berufe mit der Alternative zehnjähriger ehrenamtlicher Tätig­ keit abgegeben werden. Die wirtschaftliche Selb­ ständigkeit im plutotratischen Sinne ist also von der zweiten Zusatzstimme ausgeschlossen wor­ den, ebenso das Beamtentum. Ferner sollen die Sicherungsantväge angenommen werden, da­ runter die konfessionellen des Zentrums und bei der Vorlage auf Abänderung der Ver^ fassung ein Sicherungsantrag auf Durchzäh­ lung beider Häuser bei Finanzgesetzen. Man erwartet dazu noch Anträge für die zweite Zu­ satzstimme auf weitere Alternative für Fami-, lien- und für zehnjährige Ortsanfässigkeit. Mit der Regierung und dem linken Flügel der Na­ tionalliberalen hat man sich nicht in Verbin­ dung gesetzt. Montag vormittags finden entscheidenden Fraktionssitzungen statt. Der Antrag soll dann vom Ausschuß formuliert und vielleicht auch auf Grund der endgilgen Beschlüsse noch redaktionell etwas geändert werden, um am Dienstag als neuer Kommis­ sionsantrag im Plenum eingebracht zu werden. Rückgang der sächsischen Sozialdemokra­ tie. In der Landesvckvsammlung der sächsischen sozialdemokratischen Partei wurde mitgeteilt, daß die MitgliederzaM von 177 000 im Jahre 1914 aus 23 000 im Jähre 1918 zurückgegan­ gen sei. Etwa 70000 Mitglieder seien im Hee­ resdienst und Organisationen mit rund 62 000 Mitgliedern seien zu den Unabhängigen über­ gegangen. ZurückgeMrt wird der Rückgang auf die Arbeiterverschiebungen infolge des Darniederliegens der sächsischen Textilindu­ strie außerhalb Sachsens. Einstimmig nahm die Landesversammlung einen Antrag an, der empfiehlt, sich weiterer Erörterungen über die Parteistreitigkeiten zu enthalten und sich ledig­ lich den organisatorischen und praktischen Auf- . gaben zu widmen, die der Partei gestellt seien. Große Schiebungen. Die "Teutsche Ztg." meldet: Großes Aussehen erregt die Verhaftung des Oberbahnhofvorstandes in Kirchweyhe bei Allenstein wegen schwerer Vergehen gegen die Kriegsgesetze. Der Verhaftete soll zahlreiche umfangreiche Lebensmittelunterschlagungen und Fleischschiebungen begangen haben und auch am Verschwinden einer großen Waggonla­ dung Pfeffer beteiligt sein. Bei der Haussu­ chung wurden mehrere Sack Pfeffer gesunden. Me Sletelst«. Roman von Annh Wvthe. .(Nachdruck verboten.) 98 Tie dürre Gestalt hoch aufgerichtet, schritt Ekke Thornsen zu der toten Enkelin und legte ihr sacht die magere Hand auf die bleiche Stirn. ! Mit dieser hier, fuhr er fort, die Augen starr hinausrichtend auf den weißen Schnee aller Sonnenglanz meines armen, alten Le­ bens dahin. Olaf, wird, wie ihr, Herr; hin­ ausziehen in die Welt, in weite Länder, über tiefe Meere ,und er wird, wie ihr, der lToten ge­ denken, wie einer Blume, die einmal kurz an eurem Lebensweg geblüht. Ich aber, ich werde still dasitzen, und jede 'Minute meines Lebens wird sie mir fehlen mit ihrem goldenen La­ chen, ihrem süßen Wesen, ihrer süßen Stirn-, me ,die immer in dieses alte Haus, in dieses alte Herz den Frühling brachte. > Wißt Ihr, Herr, wie es ist, wenn man ganz verlassen ist? Nein,' Ihr seid jung, Ihr könnt ausziehen zu neuen Taten in die Welt. Aber ich, Herr, ich war ein Mann, der des Le­ bens Mittagshöhe weit Überstiegen hatte, und! j Die Untersuchung wurde von Beamten des | Kriegswucheramtes Berlin geführt. I Plan einer Eisens,euer. Tie "Teutsche I Bergwerkszeitung" berichtet unterm 9. Juni: § Heute findet in Berlin eine Sitzung statt, in I der s ich die Reichsregierung ,im Einvernehmen I mit Vertretern der Eisenindustrie über den | Vorschlag der Einführung einer Eisensteuer j schlüssig werden wird. Geplant ist die Schas| ,ung einer Roheisensteuer von 10 Mark für jede Tonne und von 10 Prozent des fakturier-, ten Wertes. Anzunehmen ist, daß man die Steuer von der Tonne erheben will, da sonst nicht die von den einzelnen Werken selbst ver­ arbeitete Menge erfaßt wird. ' Verschiebung des Prauutweinmvnopols. Um die Vorlagen, in d ie das neue Besitzsteuer-Kompromiß hineingearbeitet werden wird, mög­ lichst bald zu verabschieden, so daß die Ein-> nahmen noch, im Laufe dieses Jahres einzugehen beginnen, sind unter den Meyrheitsparteien Erwägungen im Gange, ob das umfangreiche und schwierige Branntweinmonopol-Gesetz nicht bis tzum Herbst verschoben werden Sonnte. Alle übrigen indirekten Steuern sollen schon jetzt verabschiedet werden. , ────────── mit Galizien, fest, während man in Berlin die Schaffung eines selbständigen Polens unter einem eigenen König mit engem Anschluß an die Mittelmächte für minder bedenklich und zweckentsprechender hält. Ueber diese schon lang umstrittene Frage will man jetzt endliche zu einer Einigung zu gelangen suchen. Im übrigen sei nochmals ausdrücklich be­ tont, daß sowohl die politische wie die mifttörk sche als auch die wirtschaftliche Seite des an­ gestrebten und im Grundsatz schon gesicherten Waffenbundes — dies Wort im weitesten Sin­ ne genommen — Zwischen Deutschland und der Donaumonarchie keinerlei Osfensivzwecke, son­ dern lediglich eine Defensivtaktik verfolgt, d. h. es wird nach dem Weltkriege, der ja doch einmal sein Ende finden muß, von unseren jetzigen Gegnern abhängen, ob sie, wie verkün­ det, wenigstens den Wirtschaftskrieg verewigen oder aber den Weg zu den früheren Begriffen von Kultur und Verkehr und menschlicher Ge­ meinschaft zurückfinden ivollen. ────────── ich liebte eine stille, bleiche Frau, die Mutter von Undine Randolt, die dort kniet und um Dorret weint, ich liebte sie mehr als mein Le­ ben. Und ich sah sie still an per Seite des Man­ nes, der einst mein Freund war, und der sie mir genommen, vergehen, wie im Nebel. Tie Nebelfrauen, so geht die Sage, kün­ den Glück und Unheil dem Geschlecht der Ran­ dolts, — ich sehe die Geister in stillen Nächten, wie ihre Schleier wallen, ich sehe das Gefpinnst weben für Heil und Unheil des Geschlechtes. Deine Mutter, Undine, war selbst noch eine stille, bleiche Nebelfrau, glücklos durch eigene Schuld. Hüte dich und versuche, deinem Man­ ne mehr zu sein, als eine Nebelfrau, sonst wird Marnars Tochter zu Grunde gehen, wie ihre Mutter, ungeliebt! Wie ein Prophet ftani) der Alte. die Augen groß und weit über die Leiche hinweg in die Ferne gerichtet. 1 Jetzt aber geht, Ihr Leute, führ Ekke Thornsen fort. Mein Sohn Olaf kehrt heim. Er ist ausgezogen in die verschneiten Dünentäler. Vielleicht will er einsam weinen. Was weiß ich? Aber wenn er wiederkehrt, dann muß er allein sein mit Dorret. Seht Ihr nicht, wie sie lächelt? Sie hat den Kranz im Haar, wie eine Braut, sagt Tjalda. Warum weint Tjalda, das törichte Weib? Die Nebelfrau. Roman von Annh Wvthe. .(Nachdruck verboten.) 98 Tie dürre Gestalt hoch aufgerichtet, schritt Ekke Thornsen zu der toten Enkelin und legte ihr sacht die magere Hand auf die bleiche Stirn. ! Mit dieser hier, fuhr er fort, die Augen starr hinausrichtend auf den weißen Schnee aller Sonnenglanz meines armen, alten Le­ bens dahin. Olaf, wird, wie ihr, Herr; hin­ ausziehen in die Welt, in weite Länder, über tiefe Meere ,und er wird, wie ihr, der lToten ge­ denken, wie einer Blume, die einmal kurz an eurem Lebensweg geblüht. Ich aber, ich werde still dasitzen, und jede 'Minute meines Lebens wird sie mir fehlen mit ihrem goldenen La­ chen, ihrem süßen Wesen, ihrer süßen Stirn-, me ,die immer in dieses alte Haus, in dieses alte Herz den Frühling brachte. > Wißt Ihr, Herr, wie es ist, wenn man ganz verlassen ist? Nein,' Ihr seid jung, Ihr könnt ausziehen zu neuen Taten in die Welt. Aber ich, Herr, ich war ein Mann, der des Le­ bens Mittagshöhe weit Überstiegen hatte, und! Mit schweren Schritten trat jetzt Olaf Thornsen in die Stube. Wie ein verwundetes Tier stürzte er, einen Schrei ausstoßend, an dem Lager Torrets nieder, als er aber dann nach einer Weile fassungslosen Schmerzes Timm gewahrte, lies ein wildes Zucken über sein Ge­ sicht, und drohend hob er die Hand zu tljrit empor. Ta faßte Timm die schwielige Faust, und, dem ungeschlachten Riesen fest in die Augen sehend, rief er bewegt: Wir haben beide viel verloren, Kapitän. Ein ganzes Leben ging dahin, und eine Welt voll Leid ist uns geblieben. Er hat ttttcff so lieb, der Oheim, hat mir noch Dorret vor wenigen Stunden gesagt, als sie noch lächeln konnte und auf unser Glück hoffte. Und nun ist alles dahin. In ehrlichem Kampfe wollte ich tritt Euch um sie ringen, Kapitän, aber ein Höherer hat in diesem Kampfe entschieden. Niemand sollte von uns Sieger sein, aber Freunde, Ka­ pitän .können wir dennoch werden! Um der teuren Toten willen, die da so friedlich schlum­ mert, reicht mir die Hand! Das gleiche Leid, der gleiche Schmerz ist unser! Und Dorret lä­ chelt dazu, und ihre süße Stimme bittet: Um meinetwillen! (Fortsetzung folgt.) .. 4 ^ ——mni'» ────────── Bayerische Nachrichten. Tie Sicherung der Ernährung von Heer und Volk nn Kriege hat das Kriegsministertum zu nachstehenden Anordnungen veranlaßt: 1. Alle arbeitsfähigen Personen sind verpflichtet, auf Aufforderung der zuständigen Behörde ihres Aufenthaltsortes in der Ausenthaltsge-f meinde oder in einer Nachbargemeinde wäh-rend der Dauer der Erntearbeiten zu diesen Arbeitshilfe zu leisten. Der Arbeitgeber hat dem Verpflichteten die ortsübliche Entlohnung zu gewähren. 2. Zuständige Behörde ist iw Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern die Ortspoltzeibehörde, in München die Polizei­ direktion, in den übrigen Gemeinden die Djistriktspolizeibehörde. 3. Zur Arbeitshilfe sol­ len nicht herangezogen werden Personen, die in einem Berufe, Gewerbe, Dienst- oderArbeits-verhältnis tätig und dort unabkömmlich sind oder ohne wesentliche Schädigung ihrer eigenen Verhältnisse die Arbeit nicht übernehmen kön­ nen. 4. Gegen die Heranziehung zur Arbeitshilfb ist Beschwerde an die Kreisregierung zu­ lässig. 5. Wer den Anordnungen zuwiderhan­ delt und zur Zuwiderhandlung auffordert oder aufreizt, hat schwere Strafe zu gewärtigen. Verlängerung der Erlcnbach scheu Papiergewebc-Ausstcllung in Nürnberg bis Samstag, den 15. Juni. In der Zeit der Stossknappheit und Bezugschernnot trägt die pon der Firma I. Erlenbach in Nürnberg veranstaltete Papier­ gewebe-Ausstellung das ihrige dazu bei, uns das Turchyalten in der Heimat zu erleichtern. Tiefe Schaustellung gibt Rechenschaft über die im Kriege geleistete nationale Arbeit und hier wird hall und ganz der Beweis erbracht, MB in Deutschland die Kleider- und Wäschenot ein überwundener Standpunkt ist und daß wir mit vollem Vertrauen der Zukunst entgegensehen können. Damit auch die weitesten Volksschicht ten Gelegenheit haben, diese Sammelausstel­ lung eingehend zu studieren, hat sich die Firma bereitfinden lassen, die Besichtigung derselben bis zum 'Samstag den 15. Juni zu verlängern und es wird wohl hon diesem besonderen Ent­ gegenkommen sich noch ein reger Ausstellungs­ besuch erwarten lassen. An zahlreichen Pro­ ben wird der Werdegang der Herstellung ge­ zeigt, wie aus Päpier oder Zellstoff, deren Ab­ arten die Textilose und Teytilit sind, wie aus Brennessel, Lüplin, Hopfen, Ginster; Schilssaser der Torffaser u. a. m. die feinsten Gespinnste hergestellt werden. Welche Fertigfabrikate aus diesen Fasergespinnsten entstehen, wird an 'der Hand eines Miniaturwebstuhles praktischvorgeführt. Wir finden in der Ausstellung ganze Wohnungseinrichtungen, Gardinen, Möbelbe züge und Wandbespannstosse usw., lediglich aus ivaschbaren, bezugscheinfreien Geweben herge­ stellt. Für Handarbeiten sehen wir die mannig­ fachsten Ausführungen. Weiter sind ausgestellt Papierteppiche, Decken- und Läuferstosie in den /verschiedensten Ausführungen, ferner Schuh­ sohlen, die imprägniert werden, wie auch die Schäfte der Stiefel aus Zellstoff erzeugt sind. Ein Spezialgebiet bildet die Bett- und Leib­ wäsche. Die elegantesten Modelle an Hemden, Beinkleidern, Unterröcken, Schürzen, Schlasan- , zögen, Knaben- und Mädchenkonsektion, Hüte, j Mützen, Korsetten, Säuglingswäsche aller Art, i komplette Betteinrichtungen, Matratzen, Keil­ kissen, Sportartikel, Bett- und Badewäsche wer­ den gezeigt und deren Anfertigung in der Aus­ stellung selbst vorgeführt. 'Von Bedeutung sind die Uusrüstungsgegenftände für Heer und Marme, sowie die Berufskleidung, die aus diesen Gespinnsten hergestellt sind und die zum Teil wasserabstoßend, flammsicher und säurebestän­ dig getränkt zubereitet werden. Bei richtiger Behandlung in der Wäsche (diese wird in der Ausstellung praktisch vorgeführt) sind sämtli­ che aus Papiergewebe hergestellten Erzeugnisse dauerhaft und waschbar, sie werden durch öfte­ res Waschen immer geschmeidiger. Für ge­ werbliche und technische Zwecke finden wir ein ganz außergewöhnlich reichhaltiges Lager der verschiedenen Stosse. So ist denn das Interesse, das dieser Ausstellung — als der ersten in Bayern — entgegengebracht wird, i— sie ist in­ zwischen von vielen Tausenden besucht worden — voll und ganz gerechtfertigt. Tie aiB der Not der Zeit geborene Ersatztextilindustrie er­ öffnet unserem Wirtschaftsleben ungeahnte Aus­ blicke und dies umsomehr, als jetzt durch das direkte Verspinnen der Holzfaser, dem Zellu--! Ion, eine noch größere Haltbarkeit des Gewe­ bes gewährleistet werden kann. Diese bahnbre­ chende Neuheit wird ebenfalls, auf der Aus­ stellung an Hand der ersten Stoffproben gezeigt, ebenso auch die neu entstandenen Mischgewebe. .Es sind dies Stosse aus Wolle mit Papier, Seide mit Papier, die in der Uebergangswirtschast eine große Rolle spielen werden. Tie Reichsbekleidungsstelle in Berlin bekundet ihr regstes Interesse für die von der Firma I. Erle'nbach in.Nürnberg aus eigener Initiative 'veranstaltete Ausstellung. Tie interessante Nürnberger Schau ivährt nunmehr bis Samstag den 15. Juni. Tie Besichtigung ist bei erläu­ ternden Vorträgen von 10 bis 6 Uhr völlig kostenlos. ' | Mllö. I Land »Hut, den 11. Zuni. Z«m Bürgermeister der Stadt Landshut wurde heute Vormittag vom Kollegium der Gemeindebeoollmächtigten mit 17 Stimmen der bisherige Rechtsrat in Bamberg Herr Dr. Hertterich geivählt. 11 Stimmen fielen aus Herrn Reg.-Rat Tr. Hundemer, 4 auf Tr. BaumannMünchen und 1 auf Herrn Rechtsrat Ambros. r —* Die Einzahlungen bei der städt. Sparkasse sind, wie in der letzten Magistrats­ sitzung bekannt gegeben wurde, in erfreulicher Weise im Zunehmen. Es wurden wöchentlich durchschnittlich! 35—40 000 Mark bei der städt. Sparkasse eingelegt. —* Eine Kassen Visitation hielt das städt. Revisionsamt in der städt. Sparkasse ab. Indem Bericht an den Magistrat wird betont, daß die Revision zu keinerlei Beanstandungen irgend welcher Art geführt habe und asies in bester Ordnung befunden wurde. Der Magistrat «ahm hiervon in seiner letzten Sitzung mit Befriedigung Kenntnis. —* Besitzwechse l. Die Firma Max Kohlndorser hier ist, wie wir erfahren, an die landw. Zentralgenossenschaft Regensburg über­ gegangen. ! 1 —* Städt. Anlagen. Herr Rechtsrat Costa erklärte in der letzten Magistrats sitzung, daß er vergeblich zu dem ausgeworfenen Be­ trage eine geeignete Person für die Dienste eines Flurwächters gesucht habe. Nur die Po­ lizeiinspektion habe einen Mann namhaft ge­ macht, der aber mindestens 60 Mark monatlich beansprucht. Wie notwendig aber die Ueberwachung der Anlagen sei, zeige ein Vorfall am 21. Mai, wo ein Schutzmann von einem Rudel Knaben, welche in den Anlagen am Schil­ lerdenkmal und bei der protestantischen Kir­ che Unfug trieben, lediglich einen festhalten konnte, der dann allerdings eine Reihe seiner Kameraden namhaft machen konnte, welche alle Besucher de,c Volksschule sind. In einem an­ deren Falle hat ein Knabe an den Anlagen am I Ländtorplatz von einem Zierapfelbaum die I Früchte abgerissen. Ueber all machten die El­ ────────── Automobilen zu den Bahnstationen entstehen. So tostet im Forstamt Zwiesel ein Ster 7.89 Mark, im Forstamt Mauth-West 8.16 Mark, int Forstamt K!elhetm-Nord 11.5x7 Mark. Dazu kommen noch die Bahnfrachten und die Trans­ portkosten von der hiesigen Station zum Holzhof. 5862 Ster stehen für die neue Heizperiode 1918/19 noch zur Verfügung, was als ausrei­ chend erscheinen dürfte. Nur soll eine müßige Erhöhung der Holzpreise bei den besseren Sor­ ten Platz greifen, die von der minderbemittelten Bevölkerung nicht gekauft werden. Prügelholz, Buchen- und Nadelscheitholz 3. Klasse bleiben int Preise unverändert. Mit Rücksicht darauf, daß die Mdr. Bevölkerung teilweise sich jetzt schon gerne mit Holz eindecken möchte und auf die Abftchr von Hotz ausppW Hvtzhof , die auch einen erhöhten Zinsenverlust hintanhalten und Platz für neue Hotzvorräte schassen würde, soll noch im Juni mit der Verteilung von Hotz begonnen werden. Es ist wünschenswert, daß, jeder, der zu Hause einen kleinen Lagerplatz hat, sich möglichst bald eindeckt. Das Hotz ist guter Qualität und wird wohl wieder gerne abgenommen, Mmal sich die Preise wesentlich! niedriger halten, als bei einem Verkauf durch die Händler. Herr Rechtsrat Ambros dankte den bei der stöbt Hotzkommission tätigen M.R. Koller und Wicklmahr, dem stöbt. Förster und dem Magistratssekretär Rupp für ihre im Interesse der Bevölkerung der Stadt geleiste­ ten Dienste. Herr M.-R. Koller dankte und wies aus die zahlreichen Schwierigkeiten hin», die der Kommisiton entstanden sind durch die Frage der Bedürftigkeit, obwohl die Grenze Ziemlich weit, auf 5—6000 Mark gesetzt wurde. Jedenfalls wurde die Holzversorgung sehr se­ gensreich empfunden, nachdem in den Privat-' Waldungen sehr wenig Hotz geschlagen wurde. Es soll auch für die Periode 1918/19 daran festgehalten werden, daß ein Haushalt nicht Mehr als 13 Ster Hotz erhält. Der Magistrat stimmte den Ausführungen zu, ebenso dem Ausdrucke des Dankes an die benannten Personen. ────────── Sommertheater. Daß man altbewährte Komödien ver­ filmt, ist heute nichts neues mehr und man hat dies im allgemeinen auch hingenommen, der umgekehrte Versuch, den Kintop als Vor­ wurf für ein abendfüllendes Bühnenbild zu verarbeiten, darf ruhig als ein verunglücktes Experiment bezeichnet werden. Ein fauler Zau­ ber ist dieser "Filmzauber", den die Autoren Bernauer und Schanzer zu einer Posse nach! Berliner Geschmack mit dortigen Lokalwitzeu gepfeffert umgeformt haben. Walter Kollo und Willy Bredschneider, die derzeitigen Modekonvponisten in leichter norddeutscher Musik haben durch ihre Mitarbeit als Vertoner den Verle­ gern das Unterbringen des Stückes an den Bühnen erleichtert. Die Posse ist bereits vor dem Kriege über unsere Bühne gegangen, ohne weiteres Interesse beim Publikum gefunden zu Haben. Tie Neueinstudierung am Sonntag konnte uns nicht eines besseren belehren. Von den Darstellern hatten besonders Frl. Mikulska (Frünze) und Herr Dahmen-Dalius (Musenfett) Gelegenheit, ihr bewährtes Temperament zu entfalten und ihre Dacapofreudigkeit zu be­ weise«, während Herr Almas trotz aller Ver­ wendbarkeit als Käsebier nicht am richtiges Platze stand. Tie Regie des Herrn Tr. Que-> denseldt und die Musikalische Leitung des Hrn. Krause verdienen Anerkennung. Für pns bleibt dieser Filwzauber' hoffentlich nur eine Eintagsfliege. Hg. ────────── Ein französischer Offizier über den Frieden. Von der Westfront wird uns geschrieben: Dvrt, wo von der Höhe des längst genommenen Ehateau de Bellevue bei Soissons der Schloßweg aus die große Landstraße mündet, die längs der Aisne und der Vesle gen Reims führt, ra­ sten i n der Mittagshitze französische Gefangene. Ein Offizier ist unter ihnen, am Oberarm und Kops ist er verwundet; grell leuchtet das Weiß des Verbandes über das Mattblau der Uniform, in das Grün der Landschaft. Er gehörte zur 74. Division, die unser Ansturm in Trümmer schlug? gewehrt hat er sich mit männlicher Tap,erketr, ots die Verwuiioung ihm die jirajt nahm. So hat er ein gutes, ein [wizes Soioa-, lpngeivisien uno vrauchr oen Kopf ntajt hangen zu laßen. &sir kommen ins iseunxtaj; vom muau, oer Mmpfe erzaylr er, von oer Unntbgnujtett, mit von Nieoertagen erschütterten Trümmern einer Truppe oem Sieger Hau zu. gevteten; als Sotoat würdigt er mit Fresinur sie tiAvye uno Stywere der Niederlage; ein­ mal nur ja-teicht gallische Phrasensreuoigkcht jny ein, wenn er von [einem Regiment berüh­ ret, "ytuus avons ioiu perou, saus t'honneur." Wie immer geiler aas Gespräch, ohne Willkür zu dem Traumbild eines kunsligen Kriegsendes; er sprstyr zuerst oas Wort 'vom Frieden, und die vage Hanooewegnng eines Skeptirers eniscyutdigt dabei die Anrufung des meist gebrauchten Wortes, noch glaubt er nicht an Frieden. Seltsam aoer klingen die Weinungen dieses tapferen französischen Kämpfers und selt­ sam fein Glauoe, warum der Friede fern sei. mein, mililärsifch hofft er nicht mehr auf den Sieg der alliierten Sachp. "Wir haben einige ruhmreiche Schlachten gewonnen, Ihr aber den Krieg," meint er mit einem Anflug von Trauer, der Achtung verlangt. Aber er hebt den Kopf höher, lächelt ganz leise und meint: "Tafür werden wir den Frieden gewinnen," und nach kurzem Schweigen erläutert er die scheinbare Paradoxie seines Glaudens, der der Glaube vieler denkender Franzosen sei. "Jetzt als Ge­ fangener sähe er es wieder bestätigt, — und er vergißt, daß diesmal er selbst von Frieden be­ gann: "Ihr ^verlangt zu sehr nach- Frieden, Ihr müßt ihn am nötigsten haben. Jeder Mutsche, der mit mir spricht, fragt nach, dem Frieden," und er lächelt dabei fein. ,Jhr seid gewaltige Soldaten, der Franzose und der Teut­ sche find überhaupt die einzigen Soldaten der Welt. Ihr seid auch gute Kaufleute, wiewohl Ihr für unseren Geschmack um lauter Kausen nicht, Gott sei Dank," und er nickt uns ver­ gesset. Mer Friedenskausleute, die feib Ihr und Verkaufen und Arbeiten das Leben fast ver­ gnügt zu. Tänn aber, wieder ernst: "Natur-, lich will alle Welt Frieden, auch wir, wir brauchen ihn pielleicht am nötigsten. Ihr seid ja Kaufleute, Ihr kennt das Gesetz von dem Angebot und der Nachfrage. Eure Nachfrage ist zu leidenschaftlich, Euer Bedarf muß großer sein als der unsere. So gute Kaufleute sind selbst wir, daß wir uns in die Molle finden kön­ nen, unser Angebot zurückzuhalten, um Eure Nachfrage zu steigern." Es entsteht eine Pause im Gespräch ; dann aber meint — und ein Schat­ ten huscht über seine sonnengebräuuten Züge — der Tapfere nachdenklich: "Es ist ja möglich!, daß wir uns irren. Ich- bin Franzos«, ich kann es nicht glauben, ich will es nicht, ichs darf es nicht glauben. Seit einem halben Jahre zehrt unsere Hoffnung von der Offenkundigkeit Eures Friedenshungers. Wir brauchen Hoff­ nung — jeder Mensch braucht sie —, und Ihr gebt sie uns mit vollen Händen. Wir hoffen, daß wir Euch an Zähigkeit überbieten Verden, wir dürfen das hoffen, vielleicht weil die Not bei uns tiefer im Fleische sitzt, Und wir Ke Ge­ fahr Eures Friedens lebendiger sehen als Ihr die Gefahr des unseren. Wir sprechen darum nicht vom Frieden. Und darum glaube ich, daß Ihr im Kriege siegt und wir im Frieden." "Sie glauben-an Amerika?" Es folgt ein La-, cheln und eine leise wegwerfende Hanobewegung. "Arme und Beine," meint dieser fran­ zösische Grübler, "wichtig sind sie, entscheidend nkcht. Sie werden Euch nicht besiegen, besiegen werdet Ihr Euch selber." Der Gefangenenzug setzt sich wieder in Marsch. Mt fast herzlichem Grüße geht der tapfere Optimist, der so vieles wirklich sieht und doch nicht die WirkMKkKt. Nachdenklich schweift unser Blick über dieTurmspitzen des deutsch gewordenen Soissons. (Z) ────────── Städtische Schwimmschule. 11. Juni 1918. Wasser . 16 Grad C. Luft . . 18 Grad C ────────── Aus Rußland. Tic Engländer an der Murmankiiste. v Das rumänische Blatt "Steagul" bringt einen "Der englische Keil in Rußlands Rippe" betitelten Artikel über die Festsezung Eng­ lands an der Murmanküste, in dem ausgeführt jwird: Im Namen des Rechts und der Zivilisa­ tion wurde im August 1914 ein Kreuzzug zu­ gunsten der kleinen Staaten eröffnet. In­ zwischen nahmen die Dinge jedoch eine so selt­ same Entwicklung, daß selbst die Großmächte genötigt sind, Schutz zu fördern gegen die Ver­ gewaltigung, die sie ebenfalls im Namen des Rechts und der Zivilisation erleiden. In der Zeit, als Rußsland noch gemeinsam mit der Entente kämpfte, als die Soldaten des Zaren in den Karpathen zu Dunverttausenlen starben, landete eine englische Expedition an der Mur­ manküste und setzte sich dort fest, angeblich, um den einzigen Ausgang zum Meere, der dem nordischen Koloß noch geblieben war, zu hüten und die Verbindung zwischen Rußland und den Westmächten zu sichern. Das englische Deta­ chement wurde später durch weitere Truppen wesentlich verstärkt, die sich am Eingang des Varanger Fjords häuslich niederließen. Nach und nach wurden die Engländer die tatsächlichen Herren Nordrußlands und seiner wichtig sten Häfen am Weißen Meer: Ter englische Kommandant, der sein Hauptquarrier in Alexandrowsk einrichtete, übt an der ganzen Küste seine Dikattur aus; der ganze Handel geht durch englische Hände. Die Tinge gingen sogar soweit, daß nicht nur die Fremden, sondern selbst die russischen Bürger der Genehmigung der engli­ schen Lokalbehörden bedürfen, um in jenen Gegenden sich niederzulassen oder dort Handel zu treiben. Die Züge der Murmanschen Eisen­ bahn. die aus dem Süden kommen, müssen war-, ten, bis englische Offiziere die Revision der Pässe vorgenommen haben, mit einem Worte: dieser Teil des nördlichen Rußland wurde in des Wortes voller Bedeutung zu einer eng­ lischen Kolonie. Tie vernichteten Kulturstätten Rusx lauds. 1 Maxim Gorki veröffentlicht in seinem Blatte eine Statistik der während des Krieges in Rußland vernichteten Kulturstätten. Dar­ nach ivurden während des Krieges und haupt­ sächlich seit der Revolution 17 Museen, 36 Gemäldegalerien, 146 öffentliche und 373 Hri--' vatbibliotekhen, 13 Theater und 316 Lesehal­ len verwüstet. Petersburg vor der Hungersnot. ' Moskau, den 9. Juni. Lenin hat an alle Sovfets folgendes Rundetelegramm gerichrichtet: Eine unerhörte Katastrophe bedroht Pe­ tersburg. Es gibt dort kein Brot mehr. Tie Be­ völkerung nährt sich nur von Kartoffeln u. Biskuits, die jedoch bald zu Ende sind. Das revolutionäre Petersburg stirbt vor Hunger. Tie Gegenrevolutionäre haben hieraus bereits Vorteil gezogen, indem sie die Arbeiter gegen die Sovfets aufwiegelten. Bietet alles aus, uM Petersburg vor dem Hungertode zu retten. v Tie Ereignisse in Rußland. Petersburg,'9. Juni. Tschitscherin soll dem bolschewistischen Vertreter in Berlin,Joffre, durch Funkspruch mitgeteilt haben, die bol­ schewistische Regierung sei bereit, den Teutschen die russische Schwarzmeerflotte zu übergeben, sofern diese Schiffe nach Friedensschluß zurück­ erstattet und von den Deutschen nicht in Ge­ brauch genommen werden und sofern diese ih­ ren Vormarsch einstellen. Fische für Rußland. Das Kopenhagener "Ek,trabladet" meldet aus Honningsvaag, daß bereits Millionen von Fischen ausgelagert und zur Ausfuhr nach Nordrußland bestimmt seien. Russische Han-rdelsleute erklären, daß Norwegen hierfür von Rußland Teer, Holz und vielleicht etwas Pe­ troleum erhalten könne. Dagegen sei es aus­ geschlossen, daß Nordrußland Mehl nach Nor­ wegen ausführen könne. , , ────────── Letzte Posten. Neue U-Bootserfolge. WDB. B er l i n, den 10. Juni. (Amtlich.) Im Mittelmeer versenkten unsere U-Boote 7 Dampfer von zusammen etwa 26 000 BruttoRegister-Tonnen. . Ter Chef des Admtralstabes der Marine. / Gras Burian abgereist Wien, 10. Juni. Ter österreichisch-un­ garische Mnister des Aeußern Graf Burian hat heute 6 Uhr 5 Min. abends die angekünbig-f te Reise nach Berlin angetreten. Tie russische Anordnung in Berlin. Berlin, 10. Juni. Tie "Nordd. Allg^ Ztg." schreibt: Am Sonntag traf in Berlin eine Abordnung der Regierung der russischen Volks­ republik ein. Sie besteht aus den Herren Bucharin, Larin und Sokolikow. Der Zweck der Kommission ist die Aufnahme der von der russischen Regierung beantragten Verhandlun­ gen über die im Brest-Litowsker ^riedensvertrag getroffenen Sonderabmachungen zwischen Deutschland und der russischen Volksrepublik. Tie Beschießung von Paris. Köln, 10. Juni. Wie die "Kölnische Volkszeitung" aus zuverlässiger Quelle er­ fährt, richteten die Geschosse unserer weittra­ genden Ferngeschütze auch an einzelnen mili­ tärisch wertvollen Objekten in Paris Schaden an. Die Geschosse schlugen zum Beispiel auf dem Ostbahnhof und dem Bahnhof St.Lazare ein; auch der Quai d'Orfai, der Justizpalast, der Place de la Concorde und der Ost- und Südfriedhof wurden getroffen. Amerikanische Freiheit Stockholm, 10. Juni. Stockholms Tidningen berichtet, daß das amerikanische Re­ präsentantenhaus beschloß, alle wehrpflichtigen Ausländer auszuweisen, die als solche Befrei­ ung vom Mlitärdienste fordern. Tie "Gefahr" in Sibirien. A u s d e m H a a g, 10. Juni. Reuter mel­ det aus London: "Daily Mail" berichtet unterm 1. Juni aus Tokio, der deutschfreundliche Bol­ schewismus westlich von Charbin dehnt sich! rasch nach dem Osten aus und droht sich über Char­ din in der Richtung von Wladiwostok auszu­ breiten. Der Kvsakenführer Semenow kann den Strom nicht mehr abwenden und die jap«nischen Behörden kaum noch- die Lage beherr­ schen. Ans Grund von Informationen aus guter Quelle -glaubt man, daß der ferne Osten Zeuge einer dramatischen Lösung sein wird. (Das Drama wird Wohl darin bestehen, daß Japan sich ein schönes Stück rufst fites Gebiet einverleiben wird.) Litauen protestiert. Ber«, 10. Juni. Der litauische NatiMalrat hat jn einem Telegramm an die Ministers Präsidenten von Frankreich, England und Ita­ lien gegen die Beschlüsse des Versailler Kriegs­ rates protestiert, einen polnischen Staat mit einem freien Zugang zum Meere zu schaffen, da dieses Programm nicht verwirklicht werden könnte, ohne das Gebiet Litauens zu zerfplit-, lern. Den gleichen Einspruch- hat der litauische Nationalrat bei den hiesigen Gesandtschaften der Alliierten erhoben.