Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-06-12. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 158, 1918-06-12. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 158 12. Juni 1918 ────────── 10 Kilometer vor Conpieque. ────────── Der auf unsern Angriff vorbereitete Feind in erbitterten Kämpfen über die Aronde zurück­ geworfen. — In zwei Tagen über 10 000 Gefangene; feit 24. Mai 75 000 Gefangene. Das gleiche Wahlrecht in Prentzen abermals abgelehnt. — Ein englischer Angriff in Palästina gescheitert. ────────── WTB. Berlin, 11. Juni 1918, mittags. Großes Hauptquartier: lOcftli Aer OrlegsfDnnplatz. Heeresgruppe des GemeralseldmarschaUs Kronlprintz Rupprecht von Bayer». Die tagsüber mäßige Gefechtstätigkeit lebte nur beiderseits der Somme auf: Nach, starker Feuersteigerung griff der Feind am Abend zwi­ schen Ancre und Somme an. Oertliche Ein­ bruchsstellen des Feindes an der Straße Cordte —Wrah wurden durch, Gegenstoß, zum Stehen gebracht. Vor der übrigen Front brach! der Angriff blutig zusammen. Heeresgruppe des dejntschen Kronprinzen. In zwei Kampftagen hat der Angriff der Armee des Generals Hutier zu dem beabsichtig­ ten Erfolge geführt und uns in den Besitz, des Höhengeländes südwestlich! von Noyon gebrachst. Der Stoß, traf eyten auf unseren Angriff vor­ bereiteten tief gegliederten Feind in stärkster Stellung. Tie französischen Divisionen konnten trotz­ dem der ungestümen Angriffskrast unserer Truppen nicht widerstehen. Auch! die zu ein­ heitlichen Gegenangriffen herangeführten Di­ visionen der französischen Heeresreserve wur­ den gestern in, erbittertem Kampfe zurückgeschla­ gen. Auf dem rechten Angrisfsslügel behaupten Truppen des Generals Oettinger die südlich von Assainvillers genommenen feindlichen Linien gegen heftige Gegenangriffe. Die Truppen des Generals Webern stehen im Kampfe bei Courcelles und Mery. Beiderseits der großen Straße Rohe — Estrees—St. Denis eroberten wir den Höhen­ rücken östlich, von Mery, durchstießen die vierte feindliche Stellung und warfen den Feind über die Aronde zurück. Trotz zäher feindlicher Ge­ genwehr erkämpften sich, die Truppen des Ge­ nerals von Schoeler den Uebergang über die Matz. Nach, Erstürmung der Höhe von Margueglis und des Vignemontberges drangen sie in unaufhaltsamem Angriff bei Antheuil vor. Das Korps des Generals HosMann hat in stetem Kampfe das feindliche Stellengewirr aus den Höhen südlich von Thierscourt durchstoßen. Auf den nach, Süden bis zur Oise abfallen­ den Hängen drangen wir bis Ribecourt vor. Die Gesangenenzahl hat sich auf mehr als 10000 Manu erhöht. . ! z , 1 i Die Heeresberichte. Der deutsche Bericht. j Damit steigt die Zahl der von der Heeres­ gruppe "Deutscher Kronprinz" seit 24. Mafi eingebrachten Gefangenen auf etwa 75jOOO. Auf der Front von der Oise bis Reims ist die Lage unverändert. Erneute Angriffe des Feindes nordwestlich von Chateau Thierry brachen verlustreich, zu­ sammen. f>* 1, flkÄtralmrartiermetBem >«de»dorff. WTB. Beylin, den 11. Juni. Amtlicher Abendbericht: Aus dem Kampsseilde südwestlich, Nohon sind erneute Gegenangriffe der Franzosen un­ ter schwersten Verlusten gef heitert. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 11. Juni, mittags. Amtlich wird gemeldet: An der untersten Piave scheiterten aber­ mals italienische Vorstöße. Auch, in der Fren­ zelaschlucht wurden feindliche Erkundungsab­ teilungen abgewiesen. Nordwestlich, von Korea in Albanien ha­ ben die Franzosen ihre Angriffe wieder ausge­ nommen. Ter Chef des Generalstabs. ────────── Friedensfühler? 'Der "Nieuwe Rotterdams e Courant" be­ richtet: "Dailh Chronicle" meldet aus Paris: Die neuerrichtete republikanische Koalition er­ ließ einen Aufruf, in dem sie das Volk ausiordert, die nationale Verteidigung mit allen Kräften fortzusetzen. Wenn unsere Feinde vom Frieden reden wollen, dann sollen sie ihre Ge­ danken klar äußern. Wir werden vor Fall­ stricken keine Angst haben. Eine offene, klare Beratung von den Parlamentstribünen herab, wird genügen, um alle zweideutigen Manöver zu vereiteln. "Homme libre" sagt: Wir inerben nicht erlauben, daß die deutschen militärischen Führer es so darstellen, als ob die Verbündeten gegen den Frieden seien. Deutschland soll spre­ chen: wir sind bereit, zu hören, aber fest ent­ schlossen, alle zweifelhaften Anerbietungen zur Abhaltung von vorher nicht genau umrissenen Besprechungen zurückzuweisen. Wir möchten gerne erfahren, was Deutschland will und wür­ den mit größter Aufmerksamkeit die Bedingun­ gen, die es für die Anstellung seines Banditen­ wesens und für die Aufgabe seiner aggressiven Pläne stellt, prüfen. Eine derartige Prüfung könnte uns nur nützen. Unsere Hände sind rein und unsere Sache ist gerecht. Hierzu bemerkt der Berliner "Lokalanzeiger": Bor der Offen­ sive las mans anders. Die Theorie vom "Fall­ strick der deutschen FriedenswiMgkeit" toctr bei den amtlichen und beruflichen Kriegshetzern des Verbandes zum Dogma geworden, Zu bemer­ ken ist jedenfalls, daß "Homme libre", dessen, Stimme oben angeführt wird, das Blatt des Ministerpräsidenten Clemenceau ist. Hält er die Zeit für geeignet, unverbindliche Fühler auszustrecken? Der türkische Bericht. WTB. Konst antißvpel, den 10. Juni. Amtlicher Heeresbericht: Palästinafront: Am frühen Morgen des 8. Juni setzte nach, äußerst heftiger Artillerie­ vorbereitung im Küstenabschnitt ein Angriff starker feindlicher Kräfte ein. Erbitterte we-bselvolle Bajonett- und Handgranatenkämpfe spielten sich im Vorgelände unserer Stellungen ab. Infolge der zähen Verteidigung unserer vorgeschobenen Postierungen gelang es dem Feinde nicht, seinen Angriff an unsere Stellun­ gen heranzutragen. Da, wo der Feind sich int Vorgelände festgesetzt hatte, wurde er mit­ tags durch tapfere Gegenangriffe unserer Trup­ pen geworfen. Erneute feindliche Angrisisver« suche d urch frisch herangeführte Reserven wur­ den durch unser wirksames Artilleriefeuer im Keime erstickt. Zwei zum Angriff bereitgestellte Bataillone wurden auseinandergetrieben. Die bisherigen Stellungen find restlos wieder in unserer Hand. Tie Verluste des Feindes sind schwer. Vond en anderen Fronten nichts neues. WTB. Konstantinopel, den 10. Juni. Amtlicher Heeresbericht: Palästinafront: Nach, der Niederlage, die der Feind gestern sich, im Küstenabschnitt holte, herrschte heute an der ganzen Front nur ge­ ringe Gefechtstätigkeit. In der Gegend von El Tire wurde ein feindlicher Flieger im Luftkampf abgeschossen. Auf den anderen Kampffronten ist die Sage unverändert. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. 1 Tic belgische Krisis I Dem "Nieuwe Courant" zufolge berichtet der "Moniteur Belge" aus Le Havre, daß zu­ gleich! mit Brocqueville auch! alle übrigen Mit­ glieder demissionierten, daß aber der König diese Demission nicht angenommen hätte. ────────── kanntzugeben und die Anberaumung einer Konscrenz zwischen den Mittelmächten und Geor­ gien Mr Besprechung aller schiebenden Fra­ gen zu erbitten. Die deutsche Reihsregierung hat sich bereit erklärt, an der Konferenz reil­ zunehmen. Als Ort der Verhandlungen ist Konstcmtinopel in Aussicht genommen. Aus Polen. ! Polnisches Leibe«. Marsch au, 11. Juni. Nach dem"Tziennik Wspolny" empfing der Regentschaftsrat den bekannten Posener Industriellen Kasprowiez in Audienz, wobei dse Fragen der Wiederbele­ bung der Industrie im Königreiche erörtert wer­ den. Demselben Blatte zufolge traf in War­ schau eine Abordnung der polnisch>en akademi­ schen Jugend aus Rostow am Don ein. Diese Abordnung erstrebt eine Verständigung mit den Behörden bezüglich! der Rückkehr der polni­ schen Akademiker in die Heimat, sowie ihre Aufnahme in die Warschauer Hochschulen. Alls der Ukraine. Tier Gegenzug der Witterte«. WTB. Kiew, 10. Juni. Nach! einer Mel­ dung der Moskauer Press« stehen die Hauptkräf­ te der tschghio-slowakischen Truppen (etwa 1,1 000 Mann) im Gebiete von Tscheljabinsk, wo sie einen Teil der sibirischen Bahn besetzt und Waffen und Artillerie erbeutet haben. Die Truppen der Staatsregierung haben TscheHabinsk geräumt und sich, bei Slatonst konzen­ triert. In den bet dieser Stadt ausgefochtenen Kämpfen wurden die tschechischen Truppen ge­ schlagen. Eine andere Gruppe der tschechischen Aufrührer steht dicht bei Samara, dessen Lage gefährdet sein soll. Eine dritte Gruppe der Tschqsio-Slowaken bemächtigte sich der sibiri» scheu Magistrate von Nowv-Nikolajewsk bis zur Tajgan. Der direkte Trahtverkehr mit Ost­ sibirien soll unterbrochen sein. Nach! einer Meldung der Zeitung "Nascha Rodina" stehen die tsche> tjv-slowa'kischen Truppen unter dem Schutze der vier Ententestaaten England Frank­ reich, Italien und Amerika, die an die Staats­ regierung die Forderung gestellt haben sollen, daß den tschqho-slowakischen Truppen die Mas­ sen belassen werden. ────────── Aus Polen. Polnisches Leibe«. Marsch au, 11. Juni. Nach dem"Tziennik Wspolny" empfing der Regentschaftsrat den bekannten Posener Industriellen Kasprowiez in Audienz, wobei dse Fragen der Wiederbele­ bung der Industrie im Königreiche erörtert wer­ den. Demselben Blatte zufolge traf in War­ schau eine Abordnung der polnisch>en akademi­ schen Jugend aus Rostow am Don ein. Diese Abordnung erstrebt eine Verständigung mit den Behörden bezüglich! der Rückkehr der polni­ schen Akademiker in die Heimat, sowie ihre Aufnahme in die Warschauer Hochschulen. ────────── Tier Gegenzug der Witterte«. WTB. Kiew, 10. Juni. Nach! einer Mel­ dung der Moskauer Press« stehen die Hauptkräf­ te der tschghio-slowakischen Truppen (etwa 1,1 000 Mann) im Gebiete von Tscheljabinsk, wo sie einen Teil der sibirischen Bahn besetzt und Waffen und Artillerie erbeutet haben. Die Truppen der Staatsregierung haben TscheHabinsk geräumt und sich, bei Slatonst konzen­ triert. In den bet dieser Stadt ausgefochtenen Kämpfen wurden die tschechischen Truppen ge­ schlagen. Eine andere Gruppe der tschechischen Aufrührer steht dicht bei Samara, dessen Lage gefährdet sein soll. Eine dritte Gruppe der Tschqsio-Slowaken bemächtigte sich der sibiri» scheu Magistrate von Nowv-Nikolajewsk bis zur Tajgan. Der direkte Trahtverkehr mit Ost­ sibirien soll unterbrochen sein. Nach! einer Meldung der Zeitung "Nascha Rodina" stehen die tsche> tjv-slowa'kischen Truppen unter dem Schutze der vier Ententestaaten England Frank­ reich, Italien und Amerika, die an die Staats­ regierung die Forderung gestellt haben sollen, daß den tschqho-slowakischen Truppen die Mas­ sen belassen werden. Aus der Ukraine. ────────── Der Krieg mit Italien. 1 Italienische Friedensfrage«. Ter "Avanti" schreibt: Das einzige und wahre Interesse der Völker ist auf den Frieden gerichtet. Tie 'Ententeblätter berichten über eine neue deutsche Friedensoffensive. Sie sa­ gen aber nichts über ihren Inhalt. Ter Rest des Artikels ist durchs große Zensurlücken ver­ stümmelt, zwischen denen nur ein paar kurze Sätze stehen geblieben sind, wie: Das italienische Volk ist mündig und hat ein Recht darauf, die deutschen Vorschläge wenigstens zu kennen. . . i. Man sagt uns, es handle sich! nur um eine Falle. Mag sein, aber man gebe uns die Einzelheiten bekannt. . . . Man lasse dem italienischen Vol­ ke die Freiheit, dies zu untersuchen, und der Presse, sie zu besprechen. Vier Jahre unerhör­ ter Leiden haben den Völkern ein Recht gege­ ben gehört M werden. ────────── Der Krieg zur See. Unsere U-Boote a« der amerikanische« I Küste. Haag, IU Juni. "Daiky Mail" meldet aus Newyork: Auf Grund von Schilderungen der Besatzung amerikanischer Tvrpedobootszerstörer, die vereinzelt die Versenkung amerika­ nischer Dampfer in ven Küstengewässern ab­ wenden konnten, schließen die Mavtnemitarbeiter amerikanischer Blätter, daß die in den ame­ rikanischen Gewässern tätigen Unterseeboote dem neuen Kreuzerthp angehören. Man glaubt, daß diese Kreuzer, abgesehen von der Hin- und Rückfahrt, bis sechs Wochjen ununterbrochen in den amerikanischen Küstengewässern kreuzen können. Tie Blätter melden, daß bisher in den amerikanischen Gewässern rund 80 000 To. amerikanischer Handelsschifssraum vernichtet worden seien und daß die Gefahr für Trans­ porte aller Art nach! Europa bedeutend größer geworden sei. Ter Bau von Torpedobooten und Unterseebootsjägern müsse aufs äußerste gesteigert werden, aber dadurch! werde wieder der Bau von Handelsschiffen bedeutend beein­ trächtigt. Tie U-Boote vor Amerika. Die "Daily Mail" berichtet aus Newyork: Aus Grund von Schilderungen der Besatzungen amerikanischer Torpedobootszerstörer schließen die Marinemttarbeiter der amerikanischien Blät­ ter, daß die in den amerikanischen Gewässern tätigen U-Boote dem neuen Kreuzer-Typ an­ gehören. Man tzchaubt, daß diese Kreuzer 4 bis 6 Wochen ununterbrochen in den amerika­ nischen Gewässern kreuzen können. Der "NewYork Herald" schreibt, man müsse damit rechpew, daß die Deutschen, nachdem sie nun einmat die Blockade der nordamerikanischen Gewässer be­ gonnen hätten, diese jetzt oitdEj. durchhalten wer­ den. ────────── Aus neutralen Ländern. 1 TeMonstrierende Frauen. ! In Zürich! demonstrierte gestern während der Sitzung des Nationalrats vor dem Rathaus eine Versammlung von etwa 300 Frauen, die die sofortige Zulassung einer Delegation im Ratssaal und die Beschlagnahme aller LebensMittel forderten. Der Rat beschloß schließlich', die Frauen nicht sofort zu empfangen, worauf sämtliche Vertreter der Linken demonstrativ den Saal verließen. ; Tnges-lleberW. lieber 15 Milliarden Mark als SchlußergebniS der aichteu Kriegsanleihe. WTB. Berlin, 11. Juni. Das Ergebnis der achten Kriegsanleihe stellt si t nach Ablauf der Feldzeichnungsfrist, dem 18. Mai, nunmehr auf 15 00ls425>400 Mark Tie bei der ersten Meldung ausgesprochene Erwartung einer weiteren Erhöhung hat sich also durch Hinzukommen von rund einer Vier­ telmilliarde Mark erfüllt. , ────────── Das Reich und die Einzelstaaten. sTie "Deutsche Zeitung" schreibt: An Stelle der von der Regierung verlangten 3 Milliarden Mark Steuern will nunmehr der Reichstag 4.2 Mil­ liarden bewilligen. Dieses Mehr ist aber allzu teuer erkauft auf Kosten der künftigen steuer­ politischen Selbständigkeit der Einzelstaaten. Tie Reichseinkommen- und Vermögenssteuer schickt sich! an, ihren Eiüzug zu halten. Tie Regierung ist schwach! genug gewesen, dem nicht zu wehren. Sie wird nicht stark genug sein, um zu verhüten, daß sichl die einmalige Reichs­ einkommen- und Vermögenssteuer bei der gro­ ßen Reichsfinanzreform nach dem Kriege als dauernde Einrichtung festsetzt, daß dann aus der außerordentlichen Krtegsabgabe eine or­ dentliche Reichssteuer wird. 1 Ter Hauptansschutz des Reichstags voll-' zog gestern vor Eintritt in die Tagesordnung die Wahlen des neuen Vorsitzende« und seines Stellvertreters. Auf Vorschlag des Abg. Grö­ ber (Z.) wurde Abg. Ebert (Soz.) zum Vorsit­ zenden und Abg. Dr. Stresemann (natl.) zum stellvertretenden Vorsitzenden durch Zuruf ge­ wählt. Darauf wurde die Beratung der Aen­ derung des Reichsstempelgpsetzes fortgesetzt. — Der Hauptausschuh des Reichstags zur Vorbe­ reitung der Getränkesteuer beriet einen Komprömißantrag, die Weinsteuer, deren Ermäßi­ gung von 20 Prozenit auf 10 Prozent in erster Lesung beschlossen worden war, wieder­ um auf 20 Prozent sestzusetzeLn, aber den Bundesratz u ermächtigen und aus Verlangen des Reichstags zu verpflichten, nach Beendi­ gung dieses Krieges diesen Satz für Weine bis jzu 2 Mark das Liter auf 15 Prozent zu errnäßi- 4 gen. Zur Abstimmung kam es noch nicht. : 1 Tages-Übersicht. Ueber 15 Milliarden Mark. als SchlußergebniS der aichteu Kriegsanleihe. WTB. Berlin, 11. Juni. Das Ergebnis der achten Kriegsanleihe stellt si t nach Ablauf der Feldzeichnungsfrist, dem 18. Mai, nunmehr auf 15 00ls425>400 Mark Tie bei der ersten Meldung ausgesprochene Erwartung einer weiteren Erhöhung hat sich also durch Hinzukommen von rund einer Vier­ telmilliarde Mark erfüllt. , ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. I { £8er tin, den 2. Juni 1918^ (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugswertz« verboten.) ────────── Täs tatarische Nest hängt zwischen Ber­ gen und Meer, die blaue Luft des Südens liegt wie feiner Tust über den weißen Häu­ sern, den Mandelbäumen,, den Kastanien, den dunklen Zypressen, die das leuchtende Grün der jungen Wallnußblätter nur noch leuchtender erscheinen lassen. Zn der engen Hauptstraße stehen Hunderte hott Männern, deren Hurrah über die Häuser hinausschlägt .Tie Pferde können nicht weiter. Wir sind in einer Welle von Begeisterung. Man steckt uns die Taschen voll Tabak. Ein großer Weingutsbesitzer verteilt unermüdlich den berühmten roten Wein von Gur'uff. Wie bunte Blumenguirlanden sitzen die Frauen auf den Dächern ,ihr Lächeln in den schön ge­ schnittenen Gesichtern ist wie vom Meißel ver­ ewigt. Man kann kein Gesicht erblicken, das nicht sofort dies strahlende Willkommenlächeln aussetzt. "Hier freuen sich die Steine, daß Ihr kommt!" läßt mir ein Tatare sagen. Jh glaube es ihm. GursUff ist schön, so schsön, wie man sonst nur im Traum die Landschaften und Dörfer steht, die mit den Farben der Erim nerung und Sehnsucht gemalt sind. Am schön­ sten sind vielleicht die ersten Minuten in diesem Wogen 'hon kindlichen Menschen, die in Teut­ schen schlechtweg das Gute sehen und ihre Freude flattern lassen wie helle seidene Fest­ wimpel. Die großen Hotels in Gursuff liegen "int schönen Park, den der Herzog von Richelieu angelegt hat, die Nebengebäude sind alle nicht im Betriebe; im Hauptgebäude wurde etwas wie der Schein eines Hotels aufrecht gehalten. Vom Zimmer sieht man auf einem Fel­ sen im Meer die kleine Puschkin-sKapelle; der Abend liegt dunkelblau Mer dem aufleuchten­ den Gestein. : (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter der gesamten deutschen Kriegswirtschaft, die keinen Mann entbehren kann, die Zurückkehren­ den ftüher, als es unter anderen Umständen ge­ schehen würde, zur Arbeit eingesteM werden! müssen. Aus diesem Grunde kann der ihnen für die Zeit unmittelbar nach Rückkehr aus der Gefangenschaft zugedachte Erholungsurlaub im allgemeinen leider nicht Wer vier Wochen Aus­ gedehnt werden. Selbstverständlich wird dafür gesorgt wer­ den, daß die Heimkehrenden, wenn es irgend möglich ist, an ihrem alten Wohnort oder in seiner Umgebung, also in der Nähe ihrer An-! gehörigen Verwendung stnden. Dadurch ge­ nießen sie gegenüber den nach ihrer Heinlkehr aus der Gefangenschaft wieder in die Armee und unter Umständen vor dem Feinde Dienst­ tuenden, wie dies bei den aus Rußland Heitw kehrenden der Fall ist, erhebliche Vorteile. Die durch die deutsche Regierung aus d er Gefangen^ schaft befreiten Kriegsgefangenen werden da­ rum ztveifellos die durch die Not der Zeit ge­ botene Begrenzung ihres wohlverdienten Ur­ laubs voll verstehen und alle ihre Kräfte der heimischen Wirtschaft und damit dem Kampfe um den Endsieg freudig widmen. Von einer militärischen Verwendung der zurückkehrenden Kriegsgefangenen, die die Arbeit an den vorge­ nannten Stellen übernehmen, wird abgesehen werden. I i ften Gebirgsgang der Welt ziehen .Berliner in der Hauptsache. "Junge, da staunste! Wenn dat Mutter sähe! Tat globt eenem keener nich, wie scheen det hier ist! Ach, Fritze, nu noch Frieden .dann will icf' ja nischt mehr sagen!" Tie Tage sind weiß, und heiß. Tie Sonne liegt wie heißes Licht über der Landschaft. Tie Zypressen, die kaum noch grünen Wallnußbäume sind weißbestaubt, die Straßen brennen. Nach dem Horizont zu ver­ liert das Meer seine Farbe und tropft aus in weißes .milchiges Licht. An den Dörfern stehen die Tataren. Sie grüßpn tief. Ihre Freude hat etwas Rühren­ des . Man sagt, daß sie wenig tatarisches Blut in ihren Adern hätten, Goten, Griechen, Ita­ liener; alle die Völker, die an der gastlichen Küste saßen, wären ihre Voreltern. Ter Islam hat ihnen das gemeinsame Ideal der Ruhe gegeben. Sie sind nicht aufdringlich in ih­ rem Jubel. Wir sitzen in dem großen Torf Kisiltasch, zwischen Aluschta und Gursuff. Tie flachen Dächer sind farbig von dielen Frauen und Mädchen ,die aus ihnen hocken. Sie sind still. Ihre braunen Augen sehen blank aus den unverhüllten Gesichtern, ihre Kopftücher, ihre Röcke leuchten. Wie eine Wolke von Neugierde, Spannung, Rührung liegt es über ihnen .aber sie schweigen. Nur ein paar ältere Frauen habe ich weinen sehen, große, langsam fließende Trä­ nen ,daß die Zeit namenlosen Elends vorbei sei, die Zeit, in der sie ihre Kinder verloren, weil es Kinder hon kataxm waren, die man töten durfte, "ehe die Brut groß wurde". Tie Männer sind fast alle um das Kaffeehaus ver­ sammelt. Zuweilen streichelt eine Hand langsam über das Tuch! der deutschen Uniformen. Ein Leutnant sagt, als sie ihn nach dem Bande des Eisernen Kreuzes fragen, das käme vom Kaiser. "Kaiser Wilhelm". Ihre Mienen werden sehr ehrfürchtig. ( Brot und Eier und Milch stehen wieder aus unserem Tisch. Täzu, schleppen sie immer neue Milch heran und bringen süßen türkischenKaffee in kleinen hübschen Tassen. Im Zimmer steht ein mächtiges Blechgesäß holl Wein. Täneben viele Gläser; das ist die Vorbereitung für die durchmarschierende Truppe, von der die Husaren erzählt haben, daß sie guten deut­ schen Durst besäße. Die erste Patrouille hatte übrigens zur Vorsicht vor dem Torfe an ei­ ner der schönen Granatmauern an der Tal­ seite des Weges einen Eimer voll Wein hin­ gestellt. Ter Eimer war leer, als wir als die nächsten vorbeikamen, aber der Zettel der Pa­ trouille hing noch an ben Steinen: "Achtung, Husaren! Im dritten Haus links am Eingang des Tvrfes großer Weinkeller! Guter Wein! Probe hier!" ! In steilen Serpentinen biegt die Straße nach Gursusf ab. Tie Verwendung der aus Frankreich heim­ kehrenden Kriegsgefangenen. ! Der Austausch der seit mehr als achtzehn Monaten in Frankreich kriegsgefangenen deut­ schen Heeresangehörigen erfolgt bekanntlich, ge­ gen ungefähr ebensoviel französische und bel­ gische Kriegsgefangene. Diese befinden sich bis­ her zum überwiegenden Teil auf Arbeit. Sie müssen also der deutschen Wirtschaft entzogen tverden, um unseren schwergeprüften kriegsge­ fangenen Landsleuten die Heimkehr zu ermög­ lichen. Die dadurch, entstehende zweifellose Schädigung der deutschen Kriegswirrschäft ist von den beteiligten Stellen nach reiflicher Er­ wägung um des hohen Zieles willen in den Kauf genommen worden. Tie Abgabe der fran-. zöstschen Kriegsgefangenen war jedoch« nur mög­ lich unter der Voraussetzung, daß sie baldigst durch die zurückkehrenden Teutschen ersetzt w>ür-> den, die den Platz der Ausscheidenden im Wirt-! schaftsleben einnehmen müssen. Es liegt auf der Hand, daß bei der mächtigen Anspannung ────────── Bayerische Nachrichten. Für die Waldbeereuerute hat die Bayer. Landesstelle für Gemüse und Obst eigene Vor­ schriften für die Bewirtschästung der Waldbee­ renernte in Niederbayern, der Oberpfälz und Oberfranken erlassen und in Schwandorf eine Nebenstelle mit dem Namen "Bayer. Waldfrüchtestelle" errichtet. I , ────────── durchs die umsichfige Leiterin der Kranken- und Wochenbettpflege des kath. Frauenbundes: Frau Baronin von Aufseß und den verschiedenen Kriegspflegerinnen ungefähr 734 Stück ver­ teilt werden konnten. Und zwar lieferten wir ab 173 Stück Hemdchen, 143 Stück Windeln, 135 Stück Jöppchen, 283 Stück sonstige Wäsche­ stücke. Nun aber heißt's haushalten mit dem noch vorhandenen Vorrat an Wäsche, da wir nicht allein der jetzigen, sondern auch! der zu­ künftigen Not gedenken müssen und nicht mit leeren Händen dastehen dürfen, wenn im kom­ menden Winter die bittenden Hände der Müt­ ter sich, uns entgegenstrecken. Der Bund geht deshalb daran, sich! eine Rücklage an Säuglings­ wäsche für spätere Zeit zu schaffen, womit na­ türlich, nicht gesagt sein soll, daß nicht auch jetzt nach! Möglichkeit jede wirkliche Notlage berück­ sichtigt werden soll. Die Volksbibltothek des kathol. Preßvereins wird von nächsten Freitag ' ab wieder eröffnet. Weise. Nicht nur dürres Holz wird wahllos von den Holzsammlerinnen abgerissen, sondern auch, in vollem Saft stehende junge Bäume wer­ den umgeschnitten und zerkleinert. Ten Holz­ dieben soll jetzt energisch! zu Leibe gegangen werden. —* Butterschmalz wurden 35 Pftmd vorgestern hier beschlagnahmt, die von einer Münchner Hamsterin in einem Reisekofser nach; München ausgeführt werden sollten. —* Ihren Verletzungen erlegen ist heute Nacht im städt. Krankenhause die am Samstag abends von ihrem Manne dem Tag­ löhner Joses Mark! in ihrer Wohnung hier durchs einen Stift, .in den Unterleib schwer ver­ letzte Frau 'Elise Markt. Der Ehemann ist, wie bereits gemeldet, in Haft genommen. —* Brandalarm ertönte heute früh 5 Uhr. Im Elevatorenraum des Getreidesilos der Vereinigten Kunstmühlen war durch Heiß­ laufen eines Elevators Feuer entstanden, das «aber durch! £ie Arbeiterschaft der Mühle und die rasch herbeigeeilte Feuerwehr unter Zu­ hilfenahme von Rauchapparat, Minjimax- und Handspritzen raschl gelöscht wurde. Tie Rücksicht auf die aufgespeicherten Getreidevorräte, die aber von dem Brande gar nicht berührt wurden, gebot bei den Löscharbeiten größte Vorsiftzt. Am Brandplatze, der von einer militärischen Brandwache abgesperrt wurde, waren Herr Re­ gierungspräsident Exz. v. Pracher, Herr Reichjtsrat Ambros, Herr Stadtbaurat Simon und Herr Vorstand Koller der Freiw. Feuerwehr erschienen. Die Löffcharbeiten leitete Herr Kom­ mandant Baumeister Wagner. 1 —* Ludendorfs spende. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist jetzt und für viele Jahre nach dem Frieden die Fürsorge für die­ jenigen Kriegsteilnehmer, die im Kantpfe für das Vaterland durch! Verwundung oder Krank­ heit Einbuße an ihrer Erwerbsfähigkeit erlit­ ten haben. 'Aus ihrem Berufsleben herausge­ rissen und durch! Leiden oder Verstümmelungen gehemmt, finden sie aus eigener Kraft häufig nichtid en Weg in das Erwerbsleben zurück. Zwar hat es die Heeresverwaltung übernom­ men, die Verwundeten und Kranken nach! bestem menschlichen Können zu heilen und man wird anerkennen müssen, daß sie sich« dieser Auf­ gabe mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften unterzieht. Die aus dem Heeresver­ band entlassenen und trotz aller ärztlichen Kunst in ihrer Erwerbstätigkeit beschränkt ge­ bliebenen Kriegsteilnehmer kann sie aber nie in der Weise versorgen, daß sie ihnen eine dem Grade ihrer körperlichen Beeinträchtigung entsprechende Rente gewährt, die für sich, allein verhältnismäßig selten den Kriegsbeschädigten und ihren Familien ein sorgenfreies Leben ermöglicht. Diese Lücke in der Versorgung in anderer volkswirtschastlichj richtiger Weise er­ gänzend auszufüllen, nämlich, die Kriegsbefchschdigten wieder in den Wirtschaftskörper an pas­ senden Stellen, tunlichst im früheren Berufs'«kreise einzugliedern und damit wieder zu voll­ wertigen Gliedern unserer Volksgemeinschaft zu machen, istd as Ziel, das sich! die unter Leitung oder Mitwirkung der Bundesregierungen er­ richteten Hauptaussschjüsfe für die Kriegsbe­ schädigtenfürsorge gestellt haben. — Äuftj in unseren Expeditionen sind Sammelstellen für die Ludendorffspende errichtet, aus die wir wie­ derholt verlveisen. , —* 90 holländische Pferde im Alter von zweieinhalb bis drei Jähren werden am nächsten Montag, 17. Juni, 9 Uhr vormittags am Viehmarktplatz hier versteigert. —* Kath. Frauenbund Landshu t. Emsige Hände haben sich, in den letzten WochpN' fleißig gerührt, die Ergebnisse der so gelunge­ nen Windelwoche zu verarbeiten und der Not unter unseren Kleinen und Kleinsten in Etwas wenigstens zu steuern. Mitglieder unseres Bun­ des und arbeitsfreudige Mitglieder der Jugendabteilung des kath. Frauenbundes haben zer­ rissene Wäschestücke wieder gebrauchsfähig ge­ macht und aus Mdhaften Leintüchern, Kissen­ bezügen, zerrissenen Hemden und sonstigen al­ ten Sachen eine stattliftje Menge vonSäuglingswäsche hergestellt. So war es möglich,, daß ────────── raten, der einzige, der sonst mt Leben die Treue hält. Fahr wohl, Dorret, fahr wohl.' 1 Mit hartem Truck preßte er Timms Rechteck dann ging er müden, schweren Schrittes hin­ aus. : " ; | Tie Wintersonne schien in die Stube. Mit fahlem Glanz lag sie auf dem Blondhaar der Toten, die Undine jetzt leise zum Abschied küßte? Fahr wohl, Tvrret, sagte auch sie. Wie ein Frühlingstraum war dein Leben, wie ein 1 Frühlingshauch ging es dahin. | Das Haupt tief gesenkt, verließ, Undine die Wiedingharde und schritt langsam die oer=, schneite Tvrsstraße entlang dem Schlosse zu. i Gras Timm aber preßte die kalten, blei-! chen Hände der Geliebten an seine tränenden Augen und an "seine zuckenden Lippen. j Vielsüßes Lieb, ade, flüsterte er bewegt, bu 1 mein alles, du meines Lebens Glück und Ende? Noch einmal umfaßte sein Auge die braut-' liche Gestalt, noch einmal nickte er ernst betn 1 Greise zu, der, auf seinen Stock gestützt, zu HäUpten des Lagers stand, dann schritt auch Timm zur Tür hinaus, in den sonnigen Win'tertag hinein. i [ 1 ( \ Ekke Thornsen aber richtete sich hoch em­ por, und auf sein totes Enkelkind blickend, frief er, gebieterisch den Krückstock erhebend,[ j Die Nebelfrau. i Roman von Mnny Wottze. j /Nachdruck verboten.? 99] Ueber das Lager der Toten hin hielt er die Rechte des bärtigen Mannes mit den finster drohenden Augen fest uülschlossen. Timm sah, welcher Kampf in der Brust des Kapitäns tobte, wie er sich in tiefem Groll hon ihm wenden wollte, aber er hielt den Blick fest auf ihn gerichtet, und sanft die tote Mäd­ chenhand in bte des Kapitäns legend, sagte er leise: 1 Bitte du für mich, Torret. Bitte du. Ta ging ein tiefes Schluchzen durch den Raum und die Hand des Grasen Timm mit festem Truck umfassend, sagte Olaf Thornsen mit rauher Stimme: t Ich habe sie Euch nicht gegönnt, Herr. Ich sah es kommen, wie alles in ihr Euch ent­ gegendrängte. Ta wünschte ich ihr und mir den Tod. Zu ihr ist er gekommen und mich hat er hier gelassen, der mir ein Freund ist, dem ich hundertmal da draußen auf dem Meere ins Auge gesehen habe. Auch er hät mich her- . .und ihn wie ein Schwert Wer die Leiche stre­ ckend: s Tä gehen sie hinaus, alle! Sie alle haben 'dich geliebt und weinen um dich. Täs Herz will ihnen brechen vor Weh. Wenn aber der Frühling kommt, dann wirst du ihnen vielleicht nichts mehr sein, als ein verwehter Lenztraum im Winde, ein loses Blatt ihrer Erinnerung. Und die dürren Hände Wer den Krück­ stock haltend, kam es fast wie ein Jauchzen von den zitternden Lippen des Greises: Wohl dem, der mit den Spielgenossen, Ten Rosen, deren Duft zerflossen, Sobald der Lenz das Augenlid Geschlossen. ! Fm ersten Kuß, beim ersten Lied i Verschied! i Tann lachte der Alte auf. Unheimlich klang das Lachen in der stillen Stube, in der Tvrret einem schöneren Morgen entgegen? träumte. , i Ekke Thornsen hockte wieder ganz in sich zusammengesunken am Herde, die Augen unbetveglich auf das süße Gesicht der Enkelin ge­ richtet, das noch immer ein lächeln sonnte. , _ Ter neue Bürgermeister ist am 8. März 1883 in Würzburg als Sohn eines Handwerks­ meisters geboren, absolvierte dort seine Ghmnasial- und Univerfitätsstudien und promo­ vierte zum Tr. jur. Im Jahre 1910 machte er den Staatskonkurs und trat hierauf als Rechtspraktikant bei einem Rechtsanwälte in 'Schweinfurt ein. x Seit 3. November 1913 ist er als Rechtsrat am Magistrate Bamberg tätig. Er hatte dort das Referat über Polizei, Gesundheitspflege, Jugendfürsorge, Zwangserziehung, Wohnungs­ fürsorge, Beschaffung 2. Hypotheken, Handel und Gewerbe, Beratung der Industrie, städt. Hafenanlagen, Heimat- und Bürgerrecht etc. Im Kriege übernahm er anfangs die Brotgetretdeversorgung und erhielt allmählich, die gesamte Lebens- und Futtermittelbeschaffung übertragen, die'er dort bis heute führt. Ter neue Bürgermeister wird voraussicht­ lich sein Amt anfangs Juli antreten. Die Bürgermeisterwahl ────────── Der Untergang des Mittelstandes. Unter diesem Titel veröffentlichen die "Leipz. N. N/' einen Artikel aus der Feder eines Leipziger Rechtsgelehrten, der viele be­ herzigenswerte und wahre Momente zu dem so überaus ernsten und vielgestaltigen Problem der Erhaltung des deutschen Mittelstandes ent­ hält. Es heißt dort: Der Grad des von der Sozialdemokratie zu erwartenden Widerstandes wird bei innerpolitischen Maßnahmen der Kriegszeit immer mehr zum ausschlaggebenden Gesichtspunkt. Das mag bei vorübergehenden Anordnungen zu er­ tragen sein. Aber die "Neuorientierung" ist als bleibend gedacht, die "Uebergangszeit" nach, dem Kriege kann Jahrzehnte dauern, und auch vorübergehend gemeintes erhält tatsächlich, nur zu oft eine bleibende Wirkung; werden z. B. kleine und mittlere Gewerbsbetriebe für län­ gere Zeit stillgelegt, so ist vielfach an ihr Wie-^ deraufleben überhaupt nicht mehr zu denken. | Je häufiger mit Hilfe des heutigen Dauer| reichstages Maßnahmen von bleibender Wir1 kung durchgeführt werden, desto entschiedener ist zu verlangen, daß dabei auch nichtsozialde­ mokratische Interessen gebührende Würdigung finden. Vor allem ist darauf zu dringen, daß der Zusammenbruch des städtischen Mittelstan­ des endlich einmal aufgehalten und nicht durch, verfassungsrechtliche und wirtsichgstspolitische Neuordnungen immer mehr beschleunigt werde. Sozialdemokratische Blätter haben im Sta­ dium des drohenden Kriegszustandes höhnisch erklärt: man werde ja sehen, was alles während eines Krieges zusammenbrechen werde. Daß die anfängliche Lohalität der gesamten sozialdemokratischen Reichstagssraktion von Hintergedanken an Kompensationen völlig frei war, dürfte nicht über allen Zweifel erhaben sein. Und wenn der Sozialdemokratie immer weitere Konzessionen gewährt werden, so ist es recht belanglos, ob der Herr Minister Trews das für "Belohnungen" hält oder nicht. Die Wahlrechtsänderungen in den Einzelstaaten wie im Reiche kommen trotz, aller Theorie ausschlieslich der Sozialdemokratie zugute. Daß ein verarmt aus dem Felde zurückkehrender Hand­ werksmeister nicht an politischen Reichten hinter daheimgebliebenen Kriegsgewinnern zurückste­ hen soll, klingt ja recht überzeugend; praktisch aber wird es ihm vermutlich mehr auf die Si­ cherung einer Parlamentsmehrheit ankommen, bei der er einiges Verständnis für seine Jn- ────────── "Will uns die Regierung vor dem Hinein­ treiben in nordamerikanische Verhältnisse be­ wahren, so darf sie nicht auf den Wtzgen ihrer Vorgängerin fortschreiten. Die Bethmannzeit hat der Sozialdemokratie ein Zugeständnis über das andere gemacht und die Kriegsgewinner mit Sammethandschuhen angefaßt. Das Wort des sozialdemokratischen Dichters von dem Ärmsten und getreuesten" Kinde des Vaterlan­ des gehört seit Herrn von Bethmann tzmm ständigen Sprachschatz der Regierung, obwohl von den beiden Superlativen der erste längst nicht mehr auf die Arbeiter paßt, und der zwei­ te nur eine durch nichts begründete Beleidigung der "Mindergetreuen" ist, die ohne Aussicht auf Gewinn aus einer Neuordnung die gleichen Blntopfer g ebracht und dazu vielfach auch!'ihr früheres Geschäft verloren haben. DenKriegsgewinnern gegenüber gipftlt die Weisheit der früheren Regierung darin, daß Kriegsgewinne nicht unehrenhaft zu sein brauchen, — was aber natürlich nützt beweist, daß sie in jeder beliebi­ gen Höhe sachlich berechtigt sein müßten, — und außerdem in der kühlen Bankiersberech­ nung, daß die dem einzelnen verloren gehen­ den Vermögen doch! im Lande bleiben; — als wenn es belanglos wäre, daß sie großenteils in die üble Hand geraten und sich, dort zu 'Rie­ senvermögen aufspeichern! teressen erwarten kann, als auf die Bewertung seiner Wahlstimme, mit der er als Nichtsozialist doch in der Minderheit bleibt. Ter leider in den Sprachschatz der Regierung übergegan­ gene famose Satz, daß Bildung plutokratisch sei, ist bei der ständigen Zunahme des gebilde­ ten Proletariats ein geradezu blutiger Hohn'. Tie "Sicherung der Minderheiten" durch! Ver­ hältniswahl ist blässeste Theorie. Man kennt doch die Wirkung der Verhältniswahl aus dem Auslande und könnte deshalb wissen, daß diese in großen Wahlkreisen niemals dazu führen wird, der nächst der Sozialdemokratie stärksten Partei, z. B. in GroßfLeipzig den Nationalliberalen, einen Sitz zu verschaffen; die So­ zialdemokratie braucht ja nur die genügende Zahl von Mählern abzukommandieren, um ne­ ben drei Unabhängigen einen Mehrheitssoziali-? sten oder etwa einen Fortschrittler durchzubrin­ gen. Indessen ist wohl der Widerstand gegen die verfassungsrechtliche "Neuorientierung", d. h. Demokratisierung, aussichtslos geworden, u. es lohnt sich deshalb nicht mehr zu fragen, ob auch andere als die Sozialdemokraten Herrn' von Bethmann für sein Vermächtnis zu Tank verpflichtet sind. Es kann sich! heute nur nütz! darum handeln, ov die Sozialdemokratie mit ihrem wirtschaftlichen Aktionsprogramm den gleichen leichten Sieg erringen soll. Dieses ist wohl freilich nicht überall ganz wörtlijh! zu nehmen, oder sollte sie mit ihrem Schlagwort "Abschaffung aller Ausnahmegesetze" auch- die Beseitigung der -Schwerarbeiterzulagen zu ih­ rem Programmpunkt gemacht haben? Tie Sozialdemokratie zieht heute am glei­ chen Strange mit einer pluto'kratischen Rifchss! tung nordameriikanischen Stiles, und auf der Proskriptionsliste der stillen Verbündeten steht der Mittelstand im weitesten Sinne. Die neue Plutokratie ist nicht als Partei organisiert und nicht in der älteren deutschen Großindustrie M suchen. Sie ist erst im Werden begriffen', da wir ja bisher RiesenvermöAen nach ameri­ kanischem Muster bei un» nicht gekannt haben. Ter Weg ist ihr schon vor dem Kriege durch! die sorgfältig gepflegte Verehrung vor Ame­ rika und Jemens goldenen Kalbe geebnet wor­ den. Der Krieg schafft ihr auch das Vermögen. Eie macht sich schon recht deutlich geltend in der Neigung zur Vertrustung, wie in der Theo­ rie von der "Ueberflüssigkeit" der mittleren Betriebe und des Zwischenhandels, indem sie sehr geschickt die Schuld an der Lebensverteuerimg den Mittelgliedern zwischen Produzenten itttb Konsumenten zuschiebt und fidj 1 damit zu­ gleich einen gefährlichen Nimbus von Populari-, tat sichert. Es bedarf nur geringen Nachdenkens $u verstehen, daß die Sozialdemokratie und ein Kapitaltssmus größten Stiles bei aller Feindschaft untereinander doch, auch, die weitest­ gehende Interessengemeinschaft haben. Wer es wstaunlich findet, daß die Sozialdemokratie den Rroßkapitalismus immer noch lieber sieht, als den ihr scheinbar viel näherstehenden Mittel­ stand, der lese nur, was der amerikanische So­ zialist Myers in seiner Geschichte der nordame­ rikanischen Vermögen (übersetzt von A. Schlipstl) über den Mittelstand sagt. Die Sozialde­ mokratie muß schon deshalb mittelstandsfeind­ lich sein, weil sie natürlich! weiß, daß Lohnver­ besserungen immer noch leichter bei einem Mil­ liardär oder einem Trust durchzusetzen sind, der sie nicht gewähren will, als bei einem Ar­ beitgeber des Mittelstandes, der sie gar nicht gewähren kann. Dazu kommt in viel entfern­ terer Linie noch, daß ihr die Proletarisierung des Mittelstandes einen Zuwachs an Wahlstim­ men und an Intelligenz verschaffen muß, und daß damit eine Schlicht beseitigt wird, die in dem Streit zwischen Sozialdemokratie und Großkapital oder Landwirtschaft gelegentlich »das Zünglein auf der Wage bilden kann. Einer Plutokratie nach amerikanischem Muster kann die Proletarisierung des Mittelstandes gleich­ falls nur willkommen sein. Sie hat davon Ersatz der durch Kriegsverluste und durch Aus­ bleiben fremder, namentlich italienischer Ar­ beiter wegfallenden Arbeitskräfte zu erwarten, imb sie fürchtet keine Gefahr für sich selbst, weil sie aus Nordamerika weiß, baß ihr der Cozialismus trotz aller Demokratisierung des Etaatslebens doch nichts anzuhaben vermag. Eie kann deshalb getrost der Demokratisierung in die Hände arbeiten, zumal ihr bas einen Aktivsaldo von Popularität einbringt. Der Mittelstand ist dieser Entente wehrlos preisgegeben, wenn er nicht bei der Regierung oder vei einzelnen alten Parteien noch eine Stütze findet, namentlich 'bei dem Zentrum, das voraussichtlich nachj der "Neuorientierung" die einzige zahlenmäßige Macht neben der So­ zialdemokratie bleiben wird. Denn er hat es leider versäumt, sich rechtzeitig zusammenzu­ finden, und er sieht anscheinend auchj heute über dem von seinen Gegnern geschürten Streit zwischen Stadt und Land, zwischen Gewerbetrei­ benden und Festbesoldeten, zwischen Mieter und Vermieter noch immer nicht, wo der gemeinsa­ me Feind steht. Der Angriff richtet sich! vor­ läufig gegen den städtischen Mittelstand als den schwächsten Punkt der Front; ist Hier erst der Durchbruch! erfolgt, so wird die Landwirt­ schaft bald merken, daß'die Reihe auch, an sie kommt. , I I I I ! : I I Der erste ernstliche Schtitt gegen Ueberhandnehmender Kriegsgewinne ist die von dem Abg. Müller-Fulda beantragte Mehreinkom­ mensteuer. Von einem mehr als rein theoreti­ schen 'Wohlwollen für den Mittelstand ist auchj heute noch nichts zu spüren, obwohl man ihm doch, bei der Enteignung und Besteuerung we­ nigstens die negative Rücksicht gewähren könn­ te, ihn nicht ständig nach sozialdemokratischem Rezept zu den "Reichen" zu zählen; es ist ja oft genug ausgerechnet worden, daß nicht nur Kleingewerbetreibende und mittlere Beamte, sondern auch, tzahlreichje höhere Beamte int Ein­ kommen hinter Arbeitern — auch abgesehen von Rüstungsarbeitern — zurückstehen. ────────── Städtische Schwimmschule. 12. Juni 1918. Wasser . 16 Grad C. Luft . . 17 Grad C ────────── Letzte Posten. Nene U-BootSerfolge. WTB. Berlin, den 11. Juni. »(Amtlich^ Im Sperrgebiet um England wurden neuer­ dings durch! die Tätigkeit unserer U-Boote. 10 500 Brutto-Regtstertonnen vernichtet. Ter Chef des Admiralstabes dar Marine. Das gleiche WahlreW in Preußen abgelehnt. Berlin, 12. Juni. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde der An­ trag Lukas (natl.), Aronsohn (Fortsch. V.) und Brust (Z.) auf Wiederherstellung desParagraPH 3 der Regierungsvorlage, die das gleiche Wahl­ recht vorsieht, mit 235 gegen 164 Stimmen ab­ gelehnt und d-er Kompromißantrag Tr. Loh­ mann mit 255 gegen 154 Stimmen angenowmen. , u* h • Englitzch-VulgarWe Verhandlungen über f 'Gefaugenenanstauschr London, 11. Juni. Im Unterhaus er­ klärte Hope in Vertretung des Staatssekretärs des Auswärtigen, daß die englischen Delegier­ ten im Haag beauftragt seien, sich! mit dem dor­ tigen bulgarischen Vertreter zu einem neuen iAbkommen über die Repatriierung englischer und bulgarischer Kriegsgefangener in größerem Maßstabe zu verständigen. Tie dcutsch-cnglitzchp Konferenz. i Aus dem Haag, 11. Juni. Die deutschenglifche Konferenz über die Gesangenenbehandlung usw. hielt gestern nachmittags ihre zweite Sitzung ab. Es liegt nicht in der Absicht, regel­ mäßige Preßberichte über die Verhandlungen zu veröffentlichen, genau so wenig, wie dies 1917 bei der ersten Konferenz dieser Art im Haag geschehen ist. Tie amerikanische Hilfe. AusdemHaag, 11. Juni. Reuter mel­ det aus Washington: Kriegsminister Baker er­ klärte in einer Ansprache an die ftanzösischjen Alpenjäger, daß mehr als 700 000 arNerikanische Soldaten nasch Frankreich geschickt worden seien. ────────── Bekanntmachung. Betrefft Wahl eines rechtskundigen Bürger­ meisters für die Stadt Landshut. Gemäß Art. 18 der Gmte Ocdg. gebe ich bekannt, daß bet der heutigen Wahl Herr rechM. Magistratsrat Sr. 3asef Hetterich in Bamberg zum rechtskundigen Bürgermeister der Stadt Landshut gewählt worden ist. Lands Hut, den 11. Juni 1918. Der Wahlleiter: • Dr. Hofmann K. Regierungsrat. iei9