Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-06-14. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 160, 1918-06-14. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 160 14. Juni 1918 ────────── Erneute franz. Angriffe zusammengebrochen. ────────── Die Gefangenenzahl ist auf über 15 000 gestiegen. — Südlich der Aisne wurde der Feind abermals zurückgeworfen; 1500 Gefangene. - Vorsichtsmaßregeln in Paris — Gefechtstätigkeit an der italienischen Front. ────────── WTB. Berlin, 13. Juni 1918, mittags. Großes Hauptquartier: ; «e«lt»er Äti« Heeresgruppe des Goneralfe ldmarschatts Kronprinz, Rnpprecht von Bayern. Zeitweilig auflebender Artilleriekampf. Oertliche Jnfanteriegesechte. Heeresgruppe »es -ejntsche» Kronprinzen. Südwestlich, von Noyon führte der Fran­ zose erneute starke Gegenangriffe beiderseits der großen Straße Rohe—Estrees!—St. Tenis. 'Unter schwersten Verlusten brach, auch dieser Ansturm zusammen. Astehr als 60 Panzerwa­ gen liegen zerschossen aus dem Kampffelde. Die Ge fangeneng ah l ist auf über 1 15000 gestiegen. Die Beute an Geschützen beträgt nach! bisherigen Feststellungen mehr als l i 150 Bei Abwehr der feindlichen Gegenangriffe fielen einige Unserer bis in die feindlichen Jnfanterielinien hinein aufgefahrenen Geschüt­ ze in Feindeshand. Nördlich! der Aisne drangen Sturmabtei­ lungen in die feindlichen Gräben. ' > Südlich der Aisne griffen wir na,h, starker Artilleriewirkung den Feind an und warfen ihn ausweinen Linien östlich, von Cutry—Tvmier über diese Orte hinaus zurück. Nördlich, von Corcy wurde der Savieresgrund vom Feinde gesäubert. Wir machten mehr als 1500 Gefangene. Mehrfach wiederholte feinblife Angriffe nordwestlich, von Chateau Thierrh brachen ver­ lustreich, zusammen. Zn den beiden letzten Tagen wurden 35 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Haupt­ mann Bertholt» und Leutnant Menkhosf erran­ gen ihren 33., Oberleutnant Schleichj seinen 29. und 30., Leutnant Veltjens seinen 20. und 21., Hauptmann Reinhardt seinen 20. Luftsieg. '*>$ 1. Se®etoIomrtimne«e®i WTB. Berlin, den 13. Juui. Amtlicher Abendbericht: An den Kampffronten ist die Lage unver­ ändert. Oertliche Kämpfe südlich, von Ipern, südwestlich! von Noyon und südlich der Aisne. Die Heeresberichte. Der deutsche Bericht. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, 13. Juni 1918, mittags. Amtlich wird gemeldet: Italienische Front: Gefechtstätigkeit. In Albanien wurde das Vordringen der Franzosen in der Linie Kamia—Sinapremte zum Stehen gebracht. Ter Chef des Generalstabs. ────────── Der türkische Bericht. WTB. Konstantinopel, den 11.Juni. Amtlicher Heeresbericht: Palästinafront: In den späten Abendstundes 9. Juni erneuerte der Feind nach! starker Artillerievorbereitung den Angriff im Küsten­ abschnitt. TUrZ unser gut liegendes Artil­ lerie-, Maschinengewehr- und Jnfanterieseuer erlitt der Feind schwerste Verluste. Wieder­ um ist der feindliche Angriff gescheitert. — Von den anderen Fronten nichts von Bedeu­ tung. ────────── Warum Clrmcnecau keinen Frieden schließt. Ter Madrider Berichterstatter des "Az Est" erfahrt, daß. Clemencean seine Abneigung, Frie­ den zu schließen, vor einem Freunde in fol­ gender Weise gerechtfertigt habe: "Jhj kenne die französische Sentimentalität sehr Mt. Wenn ich Frieden schließe, wird man mich — auch, wenn er noch, so vorteilhaft und gut ist — der Schwäche und des Landesverrats anklagen. Wenn ich indessen den Krieg fortsetze, werde ichj — auch wenn er noy" so schrecklich ist — natio­ naler Held. Denken Sie daran, was das Schick­ sal Thiers" und Gambettas war! Ich sehne mich mis t nach der schweren und undankbaren Rolle von Thiers." ────────── Aus Rußland. Reorganisation der russischen Armee. Nach Moskauer Meldungen beabsichtigt Trotzkl zur Reorganisation der Armee die Ein­ führung der allgemeinen Wehrpflicht für alle Bürger gwischen 18 und 50 Jahren. Tie Dienstdauer soll 4 bis 8 Monate betragen und einzig der militärischen Ausbildung gewidmet sein. Auslösung der Dstsccftottr? "Ekstrabladet" meldet aus Stockholm: Per­ sonen, die aus Kronstadt in Wiborg eingetrof­ fen sind, teilen mit, daß die dort liegende Ost­ seeflotte in Auslösung begriffen sei. Tie Be­ satzungen seien aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzt. Tie Schisse seien ohne Beaufsichtigung und ohne Wachtmannfchaften. | | j | i s ; i J I Aus Finnland Finnland und Rußlanv. "Berlingske Tidende" meldet aus Helsingfors: Das amtliche Organ der russischen Re­ gierung dementiert die Meldung, daß die sinnt* fche Expedition an der Murmanffüste mißglückt sei. Die Militärkommission an der Murmaniküste berichtet, daß die finnischen Truppen von der Bevölkerung unterstützt wurden und bet dieser jedes Entgegenkommen finden. Tie rus­ sische Regierung erhielt die Versicherung, daß Finnland nicht beabsichtige, die ganze Murinrnküste zu besetzen, sondern nur den Teil, der ihm früher versprochen worden sei. Der ein­ zige Senator schwedischer Nationalität Frey und der Senator für soziale Fürsorge Louhipouri sind mgrfiidgetreten. ────────── Der Eindruck in Italien. Die Kriegslage Im Westen beschäftigt in Italien die Gemüter lebhaft. Wie die in Rom erscheinende Jtalia" berichtet, ist die allgemeine Aufmerksamkeit der parlamentarischen Kreise auf die Ereignisse in Frankreich, gerichtet. Man habe in der Kammer die Ueberzeugung, daß die jetzigen Vorgänge auf den Schlachtfeldern das Schlichcn enchchplven werden. Tie neue in Rom erscheinende Zeitung "Tempo" glaubt dagegen, daß die kritische Periode den ganze« Sommer andauern werde. Der Strategie der Entente erwachse aber jetzt die Lhufgabe, zu prüfen, ob es nicht besser jst, die Sicherheit der Front­ abschnitte zu riskieren, um an einem bestimm­ ten Punkte zahlenmäßig Werlegen auftreten zu können. Tie darin liegende Gefahr wäre 'allerdings groß; aber der Erfolg wäre ja im­ mer an ein gewisses Risiko gebunden. Ter milirärksche Mitarbeiter der Mailänder "Jtalia" der noch vor wenigen Tagen ebenfalls den Ge­ danken einer baldigen Gegenoffensive vertrat, ist heUte bereits wieder davon abgekommen, da der Moment zur Gegenoffensive noch nicht ge­ kommen sei. Eine Gegenoffensive unternehmen hieße heute alles aufs Spiel zu setzen. Eine falsche Meldung des italienischen <■ Admiralstabrs. WTB. Wien, 12. Juni. (Wiener K;. Kj. Tel. Korr.-Bur.) Gegenüber der Meldung des italienischen Admiralstabes, daß am Morgen des 10. Juni zwei italienische Torpedoboote eine österreichisch-jungarische Schiffsabteilung Der Krieg mit Italien. | angegriffen, einen Kreuzer vom Typ "Viribus | Unitis" mit zwei Torpedvtreffern und einen 1 anderen mit einem Torpedo getroffen sowie einen verfolgenden Torpedojäger beschädigt hät­ ten, verweisen wir auf die heute ausgegeben«: Mitteilung der österreichischi-ungarischen Ma­ rinesektion, daß der "Szent Jstoan" torpediert, aber weder ein anderes Schiff getroffen nochj ein Begleitfahrzeug beschädigt wurde. Tie schweren Artilleriekämpfe an der Westtiroler Front. Der "Züricher Tagesanzeiger" beruhtet, daß die schweren Artilleriekämpfe an der gan­ zen Westtiroler Front vom Stilfser Joch bis zum Tonale ununterbrochen fortdauern. Auch während der letzten Tage war auf den Bergen der Zentral- und Ostschwetz der Kanonendonner von der italienischen Front mit einer noch nie gehörten Deutlichkeit und Stärke vernehmbar. ────────── Die Petroleum-Industrie in Baku. "Petit Parisien" erfährt aus Moskau, daß in Baku die Petroleumindustrie einstweilen eingestellt worden sei. Tie Ausfuhr von Petro­ leum habe aufgehört. Seit Ende Januar habe auch die große Fabrik Provodnik den Betrieb wegen Kohlenmangel eingestellt. ! Die Wahlen in Rumänien. Die rumänischen Parlamentswahlen sind bis auf wenige Stich- und Nachwahlen, die in diesen Tagen stattfinden, beendet. Von den zwei Senatskollegien wurden 107 Regierungs­ anhänger und 3 unabhängige Kandidaten ge­ wählt; außerdem steht versassungsgemäß betn Kronprinzen, je einem Vertreter der" beiden LandesUntversitüten und 8 geistlichen Würden­ trägern je ein Sitz im Senat zu. Von den drei Kammerkollegien wurden 163 Regierungs­ kandidaten, die beiden beßarabi scheu Minister, 3 Kandidaten der Gruppe Carp, 4 Anhänger Steres Und 7 unabhängige Kandidaten gewählt. Unter den Unabhängigen befinden fidji General Averescu, der den Präliminarfrieden unter­ zeichnet hat und der nationalistishie Antisemit Caza sowie der ehemalige Minister Badarcu. Trotzdem die Parteien Bratianus und Take Jonescus mit allen Mitteln für eine Wahlent­ haltung in der Hoffnung eintraten, daß die vom Wahlgesetz vorgeschriebene Mindeststimmenzahl von einem Drittel der eingeschriebenen Wähler nicht erreicht werde, war die Wahlbeteiligung im allgemeinen fast ebenso stark wie früher, besonders in den großen Städten. Nur in einem einzigen Fall, in Galatz, mußte wegen zu geringer Wahlbeteiligung die Wahl für ungül­ tig erklärt werden. Aus Rumänien. ────────── Der Krieg mit England. Die Londoner Sozialisten?mfrrenz. Die "Populaire" bestätigt, daß Branting und Troelstra in England erwartet werden, wo sie dem am 36. Juni stattfindenden Kongreß der englischen Arbeiterpartei beiwohnen und fidji mit Camille Huhsman treffen werden. Longuet schreibt in der genannten 'Zeitung, daß sich a«jh französische und belgische Sozialisten zu dieser Londoner Konferenz begebon werden, auf der die internationalen Angelegenheiten eingehend besprochen werden sollen. Nach Schluß des Kongresses werden sich, die Führer der schwedisch,en und holländischen Sozialisten, wie "Bataille" mitteilt, nach Paris begeben, um sich dort mit Albert und Thomas, Bandervelve, Henderson und Huhsman über die Orga­ nisation einer internationalen Konferenz yt besprechen. Man glaubt ihm nicht mehr. Berlin, 12. Juni. Den überschwengli­ chen Behauptungen von Lloyd George über das angeblich errett f;te Gleichgewicht zwischenSchiffbau und Schiffsvevsenkung tritt unterm 30. Mai auch das erste englische Reederfachblatt "Fairplay" mit ruhiger Sachlichkeit entgegen. Es schreibt: Die letzte Rede Lloyd Georges in Edinburgh kennzeichnet fiif! wiederum durch dieselbe Unbestimmtheit, die wir an ihm ge- Wohnt sind, die sich, lieblich anhört, sich aber als dürftig herausstellt, sobald man ihr auf den Grund geht. Wir zweifeln natürlichi nicht an dem guten Glauben des Premierministers, erkennen aber weder den Zweck noch die Berechn tigung für seine ständig wiederholte Hofsnungsseligkeit. Tatsache ist, daß England nach! den amtlichen Angaben der Admiralität im ersten Viertel dieses Jahres 320 280 Bruttoregister­ tonnen erbaute und 695 380 Bruttoregisterton­ nen, also über das Doppelte der Neubauten, verlor. Dies ist die Entwicklung, die mit Not­ wendigkeit zum Zusammenbruch führt, wenn sie nicht aufgehalten wird. Nach den amtlichen deutschen Angaben ist das Verhältnis zwischen Schiffbau und Versenkungen für den ersteren noch erheblich ungünstiger. Nachdem aber auch, wie die "Times" vom 4. April 1918, sowie der "Daily Telegraph" und fast alle übrigen urteilsfähigen Stimmen von drüben dasSchifssbauresultat der ersten drei Monate dieses Jah­ res als enttäuschend bezeichneten, bleibt für deutsche Begriffe nur noch; zu verwundern, daß ein seebefahreiides Volk wie die Engländer sichi von einem Minister vom Schlage Lloyd Georges immer wieder irreführen läßi- Als die einzige Erklärung hiefür bleibt, daß sich im breiten britischen Reitze kein Staatsmann fin­ det, der die Erbschaft eines Lloyd Georges heute noch übernehmen möchte. ────────── Aus neutralen Ländern. Nordische- Seercjcht. Aus Kopenhagen wird berichtet: Laut "Ekstrabladet" schlagen die nordischen Reeder und Seeleute die Bildung einer gemeinsamen nordischen Kommission vor, die einen Entwurf für ein gemeinsames nordisches Seerecht aus­ arbeiten soll. Die drei nordischen Länder sollen je einen Reeder, einen Kapitän, einen Schisfsführer, einen Versicherer, einen Handelsver­ treter und zwei Juristen in'die Kommission wählen. Die dänischen Reederkreise wünschen, daß die drei Länder je zwei Schiffskapitäne, die sowohl Dampfer wie Segelschiffe vertreten, und auch Vertreter der Maschinisten in die Kommission entsenden. ────────── Zur bevorstehenden Heraufsetzn»»- der Getreidcpreije. Das Kriegsernährungsamt teilt mit: Ein Berliner Blatt bringt in seiner gestri­ gen Morgenausgabe eine Zuschrift aus Den Kreisen des Reichstagsbeirats über die bevor­ stehende Heraussetzung der Getreidepreise. So­ weit in dieser Zuschrift von Absichten des Kriegsernährungsamtes die Rede ist, sind diese falsch und unvollständig wiedergegeben. Eine eingehende Mitteilung darüber wird folgen, sobald der Bundesrat und der Ernährungsbei­ rat in der Angelegenheit gehört worden sind. Schon jetzt aber sei festgestellt, daß die in dem Blatte für das kommende Wirtschaftsjahr er­ rechnete Brotpreiserhöhung von sechs bis acht Pfennig pro Pfund gegenüber den der Bera­ tung zugrunde liegenden Entwürfen des Kriegsernährungsamtes um ein Vielfaches zu hoch, an­ gegeben ist. (AmtlichZ eingetretenen noctj^ toet) rpsli-ch^igen Angehörigen • des Jahrganges 1869 und die älteren, nicht me|r wehrpflichtigen Kriegsfreiwilligen zu ent­ lassen. Soweit sich diese nicht in wichtigeren Stellungen befinden (z. B. als Offiziere, Aerzte, Beamte usw.), ist ihre Entlassung ohne weiteres durchzuführen; im übrigen hat die Entlassung nittt), Ersatzgestellung, sobald es die dienstlichen Verhältnisse zulassen, zu erfolgen. Freiwilli­ ges Verbleiben im Dienst ist zulässig und er­ wünscht. Für die TurchMhrung Der Entlas­ sung sind grundsätzlich die Ersatztruppenteile zuständig. Tie Entlassenen dürfen im Bereiche des Heeres aus Dienstvertrag beschäftigt wer­ den. Im Heeresdienst befindliche Offiziere z. Ä. sind nicht zu entlassen. Offiziere a. D., die durch! Allerhöchste 'Entschließung mit einer Stelle bestehen sind, können aus ihre Bitte nur durchl Asterhöchste Bestimmung von dieser Stelle enthoben werden. Entschädigung deutWr Gläubiger. Rach einer Mitteilung Der Reichsentschädigungskommission wird dort zurzeit erwogen, die Ent­ schädigung für beschlagnahmte Güter aus dem besetzten Gebiete Oberitaliens zu regeln und dabei im Wege der Verrechnung möglichst auch den Gläubigern der zu Entschädigenden zu ihrer Befriedigung tzu verhelfen. Ob und wie sich! diese Regelung durchführen lässt, ist bisher noch! nicht M übersehen. Aus alle Fälle aber empfiehlt es sich! für die deutschen Gläubiger, ihre Geldforderungen gegen Einwohner oder Firmen der- besetzten Gebiete Oberitaliens bei der ReichsentsfWdigungskommission anzumel­ den und zwar bis zum 30. Juni 1918. Spätere Meldungen werden von der Kommission nur entgegengenommen werden, wenn der Gläubiger ohne sein Verschulden an der rechtzeitigen An­ meldung verhindert war. Für die Anmeldung müssen die bei der Glaubigerschutzanteilung der Reichsentschädigungskommission, Berlin W. 10, Viktoriastr. 34, erhältlichen Vorschriften be­ achtet und die zum Preise von 10 Pfg. für sede Buch- und 30 Pfg. für jede Wechselsordernng zu beziehenden Anmeldevordrucke benutzt wer­ den. Verhandlungen von Seidlers mit Dem tscheMschen Verbände. Das Wiener "Fremden­ blatt" schreibt: Ministerpräsident Tr. v. Seidler setzte die Verhandlungen mit den Vertretern des tschechischen Verbandes fort. Gestern tagte ein längerer Minfsterrat, in dem noch! keine entscheidenden Beschlüsse über die Fortdauer der Vertagung und die Haltung des Kabinetts gefaßt wurden. Aushebung der politischen Zensur in der Türkei. Aus Konstantinvpel wird' gemeldet: Der interimistische Presseleiter Asts Bei be­ rief vorgestern die Redakteure der bedeutend­ sten Blätter zu fM> und teilte mit, daß die po­ litische Zensur der Zeitungen aufgehoben wur­ de und nur die militärische Zensur aufrecht­ erhalten werde. ~ ' ────────── Gandorser (Bbd.) wegen Beleidigung des Syn­ dikus der Handwerkskammer von Stiederbayern durch! die Abgeordnetenkammer. Frostschaden an s8ohnenpslanzungen ist in den letzten Kagen vielfach, entstanden. Zu ihrer Beseitigung wird daher Nachpslanzung von Busche oder Stangenbohnen empfohlen. Tie daher. Landessaatstelle in München und Samen­ handlungen stellen hierzu den Kommunalver­ bänden Saatgut auf Verlangen zum ermäßigten Preise von;22j5, Mark zur Verfügung. Tie außerordentlichst: Zuckerzulage. Als teilweiser Ersatz für die Herabsetzung der Brot­ menge ist, tote bereits mitgeteilt, den Kommu­ nalverbünden neben den monatlichen Zucker­ verteilungen und neben dem heuer allerdings etwas herabgesetzten Einkochzucker eine Menge von 750 Gramm Zucker auf den Kops der Be­ völkerung zugetoiesen worden. Tie Verteilung dieser außerordentlichen Zuckerzulage buri.f> die Kommunalverbünde wird im allgemeinen Mitte Juni erfolgen. , 1 Zwei Millionen Mark stiftete die Bayer. Zentraldarlehenskasse aus Anlahihres 25jähr. Bestehens. Tie Zinsen von 160 000 Mark jähr­ lich! sollen verwendet werden: 1. zur Förderung der Wohlfahrtspflege aus dem Lande; a) durch, Schaffung und Unterstützung von Wohlfahrts­ einrichtungen, insbesondere der Landkranken­ pflege, b) durch, Beihilfe für Kriegsinvalide und sonstige Kriegsteilnehmer, sowie Heilung von Kriegsschüden überhaupt, 2. zur Färber- ! ung der Ausbildung der männlichen und weib­ lichen Jugend für das landwirtschaftliche und j genossenschaftliche Leben, 3. zur Verbesserung ! des landwirtschaftlichen Betriebes. Berechtigt j zum Genuß der Stiftung sind die der Bayer. ] Zentraldarlehenskasse angeschlossenen Genos­ senschaften und deren Mitglieder, sowie die ‘ Wohlfahrtseinrichtungen in den Vereinsbezir- j seit. Tie Genossenschaften wie deren Mitglie- i der, ebenso die Kreisanwülte und Bezirksver- j bandsvorstände sind berechtigt, Gesuche einzureichen und Vorschlage zu machen. , f ────────── und Trösterin, ihr vertraue ich Dich ruhig an. Sie wird Dich aufrichten und Dir neue Lebensaufgaben stellen. Und Du, Rekmar? fragte Timm rasch und faßte nach der Hand des Bruders. Retmar wehrte düster ab. Laß dar Timm. Es gibt da keinen'Weg. Ich habe mit Ebbo Klar alles besprochen. Er hat sich zu dem ich auch einst ungerecht und heftig war, als ein wahrhaft getreuer Freund erwiesen. Ich werde den Gorlingshof in den nächsten Tagen für immer verlasien, und die offizielle Trennung von meiner Frau wird in aller Kürze erfolgen. Das ist nicht rech', Reimar. Du hättest nicht wichen sollen. Versuche doch eine Aussöhnung mit Undine. Nie! Sie hat mir deutlich genug gezeigt, daß sie mich für einen Glückrjäger hält, für einen Betrüger und wer weiß, für was sonst noch. Die Akten find darüber geschlossen. Ich werde ohne Bedauern aus einem Hause scheiden, in das ich so vermessen den kindlichen Glauben, ich könnte das helle Glück hier, in die düsteren Mauern hinetnzaubern, wo immer nur kalter Schatten lauerte. Umsetzung fWgt.) J ^ *lOj* Roman von Sännt) Wuth*. (Nachdruck verboten.) 100 J Laß das, Timm, wehrte Gras Reimar. Es war meine Schuld, daß ich nicht verstand, dein Vertrauen zu erringen. Tie Jugend hat eben andere Wünsche als wir, die wir schon im Zenith des Lebens stehen. Unsere Mutter hat dich mir einst ans Herz gelegt. Des Vaters Leichtsinn, der ihr so viel Weh bereitet, wollte sie in deiner Sorglosigkeit, in deinem Freimut sehen. Strenge sollte dich zügeln. Ta übte ich sie und ließ die Liebe nicht offenbar wer­ den in meiner heißen Angst um dich. Und nun ist Leid dein Teil, Bruder. Ich gestehe, daß ich bei meiner Rückkehr, als ich hörte, dn seiest im Gorlingshof zu Gast, dir voller Mißtrauen entgegentrat. Ich glaubte — vielleicht ist es dir eine Genugtuung, wenn ich nichts beschö­ nige — ich glaubte, deine alte Neigung zu Undine habe dich in meiner Abwesenheit hier­ her geführt, um die zu erringen, die Du einst geliebt. Wenn ich mir auch tausendmal sagte, daß dieser Gedanke Wahnsinn sei, daß ich, wenn Die Nebelfrau. , 'auch nicht auf die Liebe und das Vertrauen i meines Bruders, so doch aus "ferne Ehrenhasj tigfett bauen konnte, so quälte mich der Ge» ! danke doch bis zur Verzweiflung. ■ i Fest entschlossen, Auge in Auge Rechen­ schaft vvn dir zu fordern, sah ich voll Staunen und geheimer Scheu, als ich hier in das Kau» des Todes trat, wie alles sich gewandelt.' Daß eine neue Liebe und ein neues Leid über dich gekommen und du in dem holden, blonden Friesenkind, das mir einst so trotzig-herb gegen­ überstand, einen Lebenshalt gefunden, dessen grausame Zerstörung auch mein Herz ans das tiefste erschüttert hat. Ich hoffe, Timm, wenn wir uns wiedersehen, wird dein Schmerz um die verlorene holde Menschenblume sich in sanfte Wehmut verwandelt haben, so daß du trostvvllen Herzens ihrer gedenken kannst. Nie, nie mehr, kam es von Timms zuckenden Lippen. Ich werde gehen, Reimar, aber zurückkehren, das werde ich nie. Es drängt mich, endlich wieder Dienst zu tun. Sobald die "Amazone" wieder mit mir hinauszieht, grüße ich die deutsche geimat zum letzten Male! Reimar lachte weh und doch ein klein wenig überlegen. So geh mit Gott, mein Junge. Die gewaltige erhabene Natur da draußen ist die beste Lehrmetsterin .. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Straubing, 12. Juni. (Die Silberne Me­ daille des Verdienstordens der Bayer. Krone) erhielt die Reichsvats- und Fideikommißgutsbesitzerswitwe Emma von Lang-Puchhof in Puchhof. , Freyung, 12. Juni. (Blitzschlag.) In der Nähe von Kleinphilippsreut suchten drei Holz­ arbeiter vor einem Gewitter Schutz unter einem Baume. Ein Blitzstrahl traf den Baum, tötete den Rottmeister Ludwig Springer von Schwar­ zental und verletzte einen zweiten. Ein dritter, ein löjähriger Bursche, blieb unverletzt. ────────── Lokales. Laudshut, den 14. Juni —* DaS preuß. Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde dem Schmiedmeister Matthias Seefried d er Firma F. I. Sommer, Maschinenfabrik hier, verliehen. —* Auf dem Felde der Ehre fiel der Unteroffizier und Geschützführer des 9. daher. Fuß-Art.-B. Johann Gtedl, Metzger undSchenkkellner, Sohn der ehem. Braumeisterseheleute Giedl hier. Der gefallene Held war mit dem Eisernen Kreuz und dem Militär-Verdienst­ kreuz ausgezeichnet. —* Besitzwechsel. Das Staudinger-An» Wesen an der Hagrainerstraße wurde vom Franziskanermissionsverein (Solanushaus) käuflich, erworben. Als Kaufpreis werden 82 000 Mark genannt. —* Einen Selbstmordversuch verübte gestern abends der Taglöhner Markl, der vor einigen Tagen seine Frau durch einen Messer­ stich, derart verletzte, daß sie starb, im hiesigen Gefängnis. Markl wurde ins städt. Kranken­ haus verbracht, wo er jijch bereits wieder auf dem Wege der Besserung befindet. —* Fleischverso rgung. Für die kom­ mende Woche gelangt der volle Anteil mit 200 Gramm Frischfleisch oder 400 Gramnt Wurst zur Abgabe. —* Die Verteilung ber neuen Brot­ marken findet morgen Samstag nachmittags von 3 'Uhr an ln den 15 Abgabestellen statt. Für die Giltigkeit ist kein Endtermin ange­ geben, da die Genehmigung zur Beibehaltung der bisherigen Ration noch, nicht eingetroffen ist und daher ev. eine Streckung durch Ver­ längerung der Geltungsdauer eintreten muh. —* Die Isar brachte heute Nacht starkes Hochwasser. Tie Flut schwoll derart an, daß sie am Jsargestade die User üoerspülte. Da das gelbbraune Wasser viel Holz und Laubstreu mitführt, ist zu vermuten, daß im Oberlauf des Flusses ein Wolkenbruch, niedergegangen ist. . . : . —* Hilssdienstpflichtige werden für den Wachtdienst bei Mühlen und Lagerh,äusern gesucht, btäheres in der BekanntmajchMg in der heutigen Nummer. , —* Ein Wohltätigkeit skonzert ver­ anstaltet am nächsten Mittwoch abends 8 Uhr die Regimentsmusik des 22. b. Jnf.-Regts^ unter Leitung des Herrn K. Musikmeisters Ludw. Gaul im Heihgarten, bei ungünstiger Witterung in der Jägerhalle. —* Dienststun denim Magi strat. Mt Wirkung vom 15. ds. Mts. wird in den maA, Büros der Samstag Frühschtuß eingeführt und sind an diesem Tage die Büros nur mehr von 8—1 Uhr geöffnet. Von 2t—5 Uhr findet aus Zimmer Nr. # ein Tagesdienst für unausschiebliche dringende Tienstgeslchjäfte statt. Auch an Sonn- und Feiertagen bleibt in der Zeit von halb 11 bis halb 12 Uhr nur mehr dieses eine Büro für nur dringende Geschäfte geöffnet; außerdem noch, das städt. Einwohner- und Fremdenamt. Für die übrigen Wochentage bleibt es bei der bisherigen Regelung- Die stüdt. Werke, sowie das Stadtbauamt und die Leihanstalt werden hievon nicht berührt. Tie Einführung ist vorläufig Probeweise bis 1. Oktober. Siehe Ausschreibung. : —* Der Viktualienmarkt stand heute im Zeichen der Erdbeeren, die in großer Menge zum Verkaufe standen. Auch sehr schöne Rot­ kappen und Champignons waren am Markte. An Geflügel waren junge Hühner und Enten, auch eine Partie EnteUkücken vorhanden, die zahlreiche "Bewunderer" fanden, Ter Kanin­ chenmarkt war mittelmäßig beschickt. —O Saatgut für Kartoffeln. Ter Bayer. Lsndessaatstelle stehen noch, einige Wa­ gen Saatkartoßel zur Verfügung. Kommunal­ verbände, die infolge Frostschaden an Kartof­ felpflanzungen zum Nachsetzen Saatgut benö­ tigen, wollen sich, umgehend an die Bayer. Landessaatstelle, Verw.-Abtlg., in München, Fernsprecher Nw. 6635, wenden und Bedarf anmelden. i —* Zur Aufbringung des Schlacht­ viehs schreibt die Bayer. Fleifichpersorgungsstelle: Trotz aller Aufklärung wird immer wie­ der das Gerücht verbreitet, daß mindergewchchf tiges bayerisches Vieh von Bayern nach, Norddeutschland geliefert, dort auf Weiden fettge­ füttert und erst später an das Heer abgeliefert werde. Dieses Gerücht ist völlig unzutreffend. Alles angelieferte Vieh wird restlos entweder der Heeresverwaltung oder den Kommunalverbänden zur Schlachtung überwissen. Die (Bayer. Fleischrersorgungsstelle macht erneut da­ rauf aufmerksam, daß gegen die Erfinder und Verbreiter dieses Gerüchtes auf Grund der Be­ kanntmachung des K. steift). Generalkommandos 1., 2., 3. BaheU. Armeekorps (Ki. B. Staats­ anzeiger Nr. 21 vom 25. Januar 1918) unnachsichtlijch) vorgegangen wird. Nach dieser Be­ kanntmachung werden Personen, die unwahre Gerüchte, toe(fj|e geeignet sind, die Bevölkerung zu beunruhigen, vorsätzlich, oder fahrlässig aus­ streuen oder verbreiten, wenn nicht die Gesetze eine schwerere Strafe androhen, mit Gefäng­ nis bis zu einem Jahre, beim Vorliegen mil­ dernder Umstände mit Haft oder Geldstrafe bis z u 1500 Mark bestraft. —* Sommertheater. Svnntag, den 16. Juni, abends 8 Uhr, findet ein Varieteabend statt, der von den Komikern W. Baumer be­ stritten wird. Tie Künstler bringen Duo-Pos­ sen, Duette, Charakterthpen und uarricamren zur Tarstellung, die in ihrer komischen 'Wir­ kung einzigartig sind und erst kürzlich, im Münchner Kolosseum durchschlagenden Erfolg hatten. In den Zwischenpausen konzertiert das städtische Opchester. —* Po stverkehrmit Rußland. Nach Rußland werden fortan gewöhnliche und ein­ geschriebene offene Briefe und Postkarten des allgemeinen Verkehrs und Gefangenen b ri fpost befördert. Zugelassen sind folgende chen: deutsch;, russisch, kleinruMsch, polnisch, finnisch,, dänisch, englisch, französisch, hollän­ disch, italienisch, norwegisch, schwedisch, spa­ nisch, und ungarisch;. Sendungen des allge­ meinen Verkehrs nach, Rußland sind noilji den Sätzen des Weltpostvertrages frei zu machen. Für Sendungen aus Rußland gelten einstweilen folgende Gebühren: für Briese 30 Kopeken für je 15 Gramm; Postkarten 12 Kopeken, mit Antwort 24 Kopeken; Einschreibgebühr 30 Ko­ peken. ! ' ────────── Die Illustrierte Kriegs-Chronik des Dt. heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen qeradezu auf dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Chroniksttl die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist ei also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Wassentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag von Velhagen und Klsv sing in Bielefeld und Leipzig. Kreis des Hef­ tes 60 Psg.j "Wachtfeuer" (Architektur - Verlag "Tu Zirkel" G. nt. b. H., Berlin, Wilhelnrstr. 48, Pren 20 Pfg.) ist das neueste 145. Heft erschienen Literarisches. ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, den A. Juni 1918, Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) ────────── . hat nicht stattgefunden. .Hinter den weißen 1 Mauern von Tijülber war Schweigen. Man hatte auch später keine Wünsche.. I . Es ist unnötig, über diesen Teil des Zaren­ hauses. groß sm Deutschenhaß, tragisch im Fall, etwas zu sagen. Die Bäume, die wundervollen Expressen von Tijülber, rauschen es, und auf leuchtendem Meer fingen es die Geister Wer den Wassern "Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!" Aus dem grünen, gärtlichen Park von Alupka geht die Straße hinaus in die Felsen­ einsamkeit von Baidarphor. Tie Landschaft hat Heroisches. Dias Meer blinkt fern wie Stahl, die Zacken türmen sich schroff, das Grün verschwindet. Felsentrümmer, Einsamkeit, kla­ re, weihe Luft. Tier Wind dröhnt über Baidarthor^dem mächtigen, iM römischen Stil gebau­ ten Eingang ind as Tal von Baidar, in das Innere der Krim. (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ,ittitce§ gäbe, daß der Fürst Obolenski, unter feinen Augen ermordet worden wäre, und daß .die Leichen der ertränkten Offiziere Wochen, 'lang am Kai schwammen. Tie Bilder von ein Dutzend Chansonetten sehen von der Wand, es riecht nach Parfüm. Tie Preise in Jalta sind die höchsten, die ich in Rußland in diesen letzten- Monaten lernten gelernt habe, und ich war recht abge­ härtet. Zn den Anlagen, die ein schwacher Abglanz von Denen in Gursuff sind, ist ein mächtiges -Grab, über dem ein B.erg von verwelkten Krän­ zen mit roten Schleifen liegt. Hier sind die Bolschewisten, die bei dem Tatarenaus stand im Januar und Februar fielen, begraben. Was Jalta Zu anderen Zeiten seinen be­ sonderen Reiz gegeben hat, die Welt, die sich mit Anstand zu langweilen versteht, ist natür­ lich nicht zu 'bemerken. Tschqtvw meint in der Novelle "Tie Dame mit dem Spitz", die in Jalta spielt, daß zwei Eigentümlichkeiten der eleganten Gesellschaft hier besonders ausfie­ len: "Tie älteren Damen waren viel zu ju­ gendlich gekleidet, und es gab eine Menge Ge­ neräle." Außerdem sagt er an einer anderen «Stelle, daß es eigentlich nur eine Redensart prüfen; ich hatte den Eindruck, daß ich den letz­ wäre. daß es in Jalta langweilig fet... Es läßt sich das alles heute nicht nach­ ten Satz nicht unbedingt jetzt unterschreiben würde, daß es mit Mvdeorten und Allerweltsschönbeiten eben oft eine fragwürdige Sache ist, scheint ja keine ganz neue Erfahrung. Jalta hat seinen Ruf eigentlich von der Nähe von Livadia, dem kaiserlichen Schloß, bezogen. Ter Zar und die kaiserliche Familie bevorzugten Livadia; die Hofgesellschaft zog dre Gesellschaft nach sich!, die zum Hos Beziehun­ gen hat oder haben möchte. Dazu kamen die Internationalen, die demokratisch sind und glücklich, den Schein des Hoflebens nur von fern bewundern zu dürfen. Das neue Schloß, das 19D1 fertig gewor­ den ist, liegt weiß und prächtig in den schönen Wirten, hat im Stil manche Erinnerungen an das Maurische übernommen. Die alte Diener­ schaft ist aus Anordnung des weiland PetersBurger Sowjet zum Teil dageblieben, sie hat Waffen tragen dürfen. " Tie Möbel stehen in sauberen weißen Ueberzügen, die Bilder liegen in schweren Kisten wohl verpackt, die Tür­ klinken sind ordentlich mit Leinwand umwikfeit. Im Arbeitszimmer des ehemaligen Za­ ren, in dem noch ein paar schöne chinesische Porzellane stehen, fällt der mächtige Schreib­ tisch auf, der eigentlich eine ganze Gruppe oon 1 Schreibtischen bildet. Es gibt dann noch Puen, anderen Schreibtisch, der einen starken Gegen­ satz zu betn Regierungstisch' bildet, den des klei­ nen Zarewitsch, ein braunes Kindermöbel, wie man es in vielen Kinderstuben Deutschlands findet (wie ein Ausschnitt aus einer Schulbank), mit dem kleinen billigen beklexten Tintenfaß, das t* der linken Seite eingelassen ist. Es ist sonst alles sehr konventionell, sehr prächtig und sehr gut gehalten. Tie Revo­ lution hat von der Einrichtung nichts berührt. Tie Teile dxr kaiserlichen Familie, die im April 1917 nach der Krim geflüchtet sind, wohnen alle in Tsstlber zusammen. Von Fi-Todor an liegen die Tatarendörfer dicht nebeneinander an der Straße, Villen und Schlösser leuchten tief unten ami Meer weiß her­ auf. Bei dem Torf Koele ist die große schmied­ eiserne Tür, die in die Besitzung TWber hin­ einführt. Sie wird geöffnet. Unsere Wagen fahren die steilen Serpentinen durch denSchloßpark des Großfürsten Pietro Nikolajewitsck hinab. Im Park ziehen sich wieder neue Mau­ ern um das Schloß und den kleineren Garten. An den Biegungen steht man Männer stehen, die man für Detektivs halten könnte. Sie tun sehr gleichgültig, haben die Hände in den Taschen ihrer Sportanzüge und beobachten doch, wie man beim Umsehen merkt, genau die ersten Teutschen, die hier diesen Weg Her­ unter kommen. Vor der nicht breiten Tür Zum Schloßgarten und dem weißen, auch mau­ risch gehaltenen Schloß, steht ein Posten mit Gewehr. Als unsere Wagen halten, erscheinen etwa 25 Soldaten, ein paar Matrosen unter thuen, bald kommt ein Marineoffizier, ohne Abzeichen natürlich, heraus. Sie seien die Wache des Großfürsten und der kaiserlichen Personen. Man würde den Hofmeister voni Nikolai Nikolajewitsch holen. Ein älterer Herr, grauer Spitzbart, Reisemütze, sehr gepflegt, stellt sich vor. Baron Stahl-Holstein, Hofmeister Sr. kaiserlichen Hoheit des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch. Nach den ersten paar Sätzen in ausgezeichnetem Teutsch erklärt der Baron, daß er leider Teutsch nicht genügend beherrsche und bäte, Russisch fortfahren zu dürfet-, auch dymit die anwesenden Herren — er deutet auf die 25 Soldaten — der Unterhaltung fol­ gen könnten, damit keinerlei Mißtrauen bei ihnen entstände. Er setzt dann zunächst das Wesen dieser Wache auseinander. Sie sei vom Petersburger Sowjet geschickt, um das Leben der Fürstlichkeiten zu schützen; sie hätten ge­ schworen, mit ihrem Leben die kaiserlichen Per­ sonen zu verteidigen. "Also eine zarentrene Mannschaft?" Herr von Stahl lächelt trotz seiner sichtbaren Bewegung. "Nein, sie haben das Leben zu schützen und dafür zu sorgen, daß niemand aus Djülberin Berührung mir der Außenwelt kommt." Tie Soldaten und der Offizier nicken zustimmend. "Sie unterstanden beut Sowjet von Sewastopol." Es wird nun die Frage einer Unterredung mit dem Großfürsten erwogen. Es folgt eine genaue Vorstellung, und der Baron erklärt, prinzipiell erlaube er sich aber daraus auf­ merksam zu machen, daß diese Unterredung nur im Beisein von Vertretern bet Wache geführt werden könne und nzrr aus Russisch. Man wün­ sche keinerlei Mißtrauen bei der Wachmann­ schaft zu erregen und wolle deren Aufgabe nicht erschweren. Tier Hofmeister zieht sich zurück, um mit dem Großfürsten zu sprechen. Wir ha­ ben eine Viertelstunde Zeit, die wir in der merkwürdigen Gesellschaft der bolschewistischen Wache verbringen. Tie Spitze unserer Kavalle­ rieschwadron zieht wohl eben ans der großen Straße vorüber, aber hier sind diese 25 Mann im Besitze ihrer Waffen doch im Rechte des Stärkeren. Vom Sowjet in Sewastopol haben sie seit einem halben Jahr keine Be kehle mehr .erhalten; bezeichnend ist die Bitte des Offiziers für einen Mann seiner Abteilung, der in einem der Dörfer zum Kommissar ernannt worden war und sich geweigert chatte, die unsinnigen Verhafiungs- und Mvrdbesehle von dem Sewastopoler Matro sen-jKomitee auszuführen. Schließlich sollte er selbst verhaftet werden, er verteidigte sich gegen die Organe Sewasto­ pols mit Handgranaten. ' Dabei wurde er ver­ wundet. Tie Bitte des Offiziers ging nun dahin, für den Mann, der im Lazarett liege, zu sorgen, ihn nicht etwa als verwundeten Bol­ schewisten zu betrachten. Eine wirklich genaue Erklärung, ob die Wache denn nun bolschewi­ stisch wäre oder nicht, war nicht zu bekommen. Sie s cheint die letzte radikale Strömung nicht mitgemacht zu haben, wird auch von dem Groß­ fürsten und der Kaiserin-Mutter Marie Jeodorowna. die auch in Tijülber ist, gut genug be­ zahlt worden fein. Das sagte man wenigstens später in Alupka. Einen ganz besonders guten und sauberen Eindruck machten die Matrosen in der Wache, sie stammten aber nicht von der Gardeequipage, sondern von der Jmperatrice Maria, betn Großkampfschiss, das bald nach seiner Fertigstellung 191:5 durch Explosion sank. Inzwischen kam ein Auto vorgefahren, aus dem mehrere 'aus dem Gefolge der KaiserinMutter stiegen. Ter Hofmeister kam zurück und erklärte, daß ein Politisches Gespräch von dem Groß-, fürsten — wie es zu erwarten war — nickt geführt werden türmte, und daß es schwer sei, die Politik zu vermeiden, daß der Großfürst j unter diesen Umständen, die der Baron aus| führlicher umschrieb, auf ein Gespräch verztchiten I müsse. Tie Antwort war wieder auf Russisch I gegeben, und die Wache schien ihr durchaus zuI zustimmen. I Vom Garten aus hat der ehemalige Ober» p befehlshaber der russischen Armee dann später | lange unbeweglich dem Vorbeimarsch der beut« j scheu Truppen zugesehen. Irgend eine BeI rührung mit den Insassen von Schloß Tjülber ────────── Letzte Posten. Neue U-Vootserfolge. WTB. Berlin, den 13. Juni. (Amtlich.) Eines unserer U-Boote, Kommandant Kapitän- , lvutnant Ernst Haushagen, hat im Sperrgebiet ÜM die Azoren und in der Biscaha rund 25 000 Brutto-Registertonnen vernichtet. i Ter Chef des Admiralstabes der Marine. BorsichitsmasMgelit in Paris. Berlin, 14. Juni. In Paris hat man gestern über eine etwaige Räumung der Stadt sowie Wer die Sicherung der Kunstschiätze und die Ausnutzung der unterirdischen Räume ver­ handelt für $Men Fall, daß Die Stadt einer starken Beschießung ausgesetzt werden sollte. untere -n«5»ote «n ver amerikanischcn Küste. London, 13. Juni. (Reuter.) "Daily Chronicle" meldet aus Newhork, daß nach Te­ legrammen aus Norfolk die Ueberlebenden des von einem U-Boot torpedierten amerikanischen Frachtdampfers "Pinar.bei Rio" erzählen, das U-Boot sei von einem Dampfer von ungefähr 6000 Tonnen mit grau angestrichenem Schorn­ stein begleitet gewesen. Während das U-Boot angriff, blieb dieser Dampfer in einer Entfer­ nung von 2—3 Meilen. Dann erhielt er den Befehl, dem U-Boot zu folgen. Hierauf ver­ schwanden beide Schiffe. Das U-Boot war schätzungsweise 200 Fuß lang. Sachsen für flcisWose Wochen. Dresden, 13. Juni. Sachsen hat be­ reits vor geraumer Zeit beim Kriegsernäh­ rungsamt die Einführung fleischloser Wochpn im ganzen Reich, zur Schpnung der Milchkühe beantragt. stirrsrirw akdbrand. Rothenburg (Oberlausitz), 13. Juni. Seit vorgestern wütet in den von Strachwitzschen Forsten in Podrosch ein Waldbrand. 500 Morgen Wald sind bereits verbrannt. Tas Feuer konnte noch nicht gelöscht werden. ────────── Städtische Schwimmschule. 14. Juni 1918. Wasser . 15 Grad C. Luft . i, 16 Grad C ────────── Bekanntmachung. Betreff: Lebeusmittelmarken-Abgabe. Die Verteilung der LeöellsmttMMen findet am Samstag, de« 15. Juni e. von nach­ mittags 3 Uhr bis abends 7«? Uhr in den 15 Abgabelokale» statt. Die Abgabelokale sind auf den Lebensmittelauswelskarten vermerkt. Die Brotmarken gelten für die Zeit ab 16. Juni Lands Hut, den 13. Juni 1918. Stadtmagiftrat Lands Hut. 1638 I. 93.: Ambros. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Wachdienst: Die bisher mtliiärtfcherfelts gestellten Wachen bei den Mühlen und Lagerhäusern sind von nun ab durch Hilftdienstpflichtige zu stellen. Gemäß § 7 Abs. 2 des Hilfsdienftgesetzes ergeht zunächst die Aufforderung zur freiwilligen Meldung; letztere hat während der Zeit vom 14. bis einschließlich 19. Juni c. im städt. Arbeitsamte Landshut zu erfolgen. Nach Ablauf der Frist wird bei nicht genügender Meldung der Ein­ berufungsausschuß in Tätigkeit treten. Für die gei nannten Wachen werden 40 HilfSdienstpflichtige benötigt, welche als Wachposten im Winter von 6 Uhr abends bis 6 Uhr früh und im Sommer von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh aufziehen. Die sich Meldenden sollen möglichst gedient haben oder mit einer Waffe umzugehen wtffen. Sie sollen bestbe­ leumundet, nicht zu alt und mit ausreichendem Sehund Höhr vermögen ausgestattet fei». Die sich mel­ denden Hitssdievstpflich.igen werden zunächst 10—14 Tage im Wachdienst beim Ers.-Batl. des K. Landwehr-Jnf.-Rgt. 2 ausgebildet, das bei Bedarf für Unterkunft und Verpflegung durch die Truppenküche während der Ausbildungszeit Sorge trägt. Die Entlohnung beträgt 3 50 Mk. pro Posten. Den Hilfsdtenstpflichtigen kann Gelegenheit gegeben werden, in ihrer wachfreien Zeit anderweitiger Beschäftigung nachzugehen. L a n d S h u 1, den 10. Juni 1918. Stadtmagiftrat Laudshut. 1634 I. 93.: Ambros. Schwarz. ────────── Betreff: Regelung der Dienststnnöen. Wir bringen htemit zur Kenntnis, daß ab 15 ds. Mis. die »ragistratischen Büros im Rat­ hause an den EomaWMMhroM—lHjjr die Assen m» 8—12 Uhr geöffnet sind. An den Samstag-Nachmittagen von 2— 5 Uhr, sowie an Sonn- u. Feiertagen von halb 11—halb 12 Uhr ist ein Tagesdienst auf Zimmer Nr. 2 eingerichtet und werden in diesen Stunden nur uuaufschiebliche dringende Angelegenheiten erledigt. Bi» auf weiteres bleibt an Sonn- u. Feier­ tage» auch noch das Einwohner- u. Fremden­ amt (Zimmer Nr. 8) in der Zeit von IO 1 /» bis 117« Uhr geöffnet. An den übrigen Wochentagen bleibt es bei der bisherigen Bürostundemegelung von 8—12 Uhr und 2—6 Uhr. Die Außenbetriebe werden von dieser Regelung vorläufig nicht berührt. Laudshut, den 14. Juni 1918. Stadtmagistrat. 1839 J.B.: Ambros. Bekanntmachung. ────────── Allerlei. Erdbeben. Hollands Nieuwe Bureau" meldet aus London: Die "Times" erfahrt aus Sidueh, daß der Seismograph ein sehr großes Erdbeben in der Gegend der Keppel-Bai an der australischen Ostküste registrierte. Schiffshallenbrand. In Berchtesgaden brach, am Mittwochj in den Schsssshallen des Schiffsmeisters Moderegger von Königssee in­ folge Kurzschluß ein Brand aus, äscherte fünf Schiffshallen ein und zerstörte fast sämtlich^ Motorboote. Der Schaden wird auf dreiviertel Millionen Mark geschätzt. Das daneben stehen­ de Hotel zum Schissmeister konnte nur mit Mühe gerettet werden. . ,