Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-06-18. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 164, 1918-06-18. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 164 18. Juni 1918 ────────── Der deutsche Bericht. i WTB. Berlin, 17. Juni 1918, mittags'. sGroßes Hauptquartter.) «eWliOer Hceresgmvppe des WeucratfewmarschatlS Kroniprinz Rupprecht von Bayern Rege Erkundungstätigkeit führte an vie­ len Stellen der Front gu heftigen Infanteriegefechten. Südivestlichj von APern und beiderseits der Somme lebtcp die Gefechtstätigkeit am Abend aus. i l Heeresgruppe des deutschen Kronprinzen. Aus dem Kampfselde südwestlich, von Nohon nahm die Artillevietätigkeit am Abend an Stärke zu. . . : Zwischen Ourcq und Marne mächten wir bei örtlichen Unternehmungen 120 'Gefangene. Tie Geschützbeute aus unserem Vorstoß, zwischen Montdidier und Noyon hat sich! von 150 auf mehr als 300, darunter schwersteKaliber, erhöht. Tie Beute an Maschinengeweh­ ren beträgt weit Wer 1000. Heeresgruppe v. Wallwitz Zwischen Maas und Mosel fügten wir den Amerikanern durch Vorstöße beiderseits von Xivrah Verluste zu und zerstörten ihre Stellungen. Heeresgruppe des Gencralfeldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg. Erkundungsabteilungen holten in den Vo­ gesen und dem Sundgau Gefangene aus ameri­ kanischen Gräben. Gestern wurden 8 Flugzeuge und 8 Fessel­ ballons zum Absturz gebracht. . : Der 1. General quartiermeister r Babenbotfl. » WTB. Berlin, den 17. 'Juni. Amtli­ cher Abendbericht: Von den Kampffronten nichts Neues?" ────────── Die am Südflügel der Heeresgruppe Feld­ marschall Boroevie vordringenden Streitkcäfte des Generals der Infanterie von Csicserictz entrissen dem Feinde westlich! von San Tvna weiteren Boden und nahmen Capo Sile mit deutsch-österrehhischen und ungarischen Mann­ schaften. Wetteifernd legten hier tschechische und polnisch-ruthenifsche Bataillone durch ihr tap­ feres Verhalten die Probe ab, daß die seit Monaten täglich wiederkehrenden Versuche des Feindes, sie zu Verrat und Schurkerei zu ver­ leiten, erfolglos geblieben sind. 1 Für die Piave kämpfe vom 15. Juni ver­ dient unter der Wer alles Lob erhabenen In­ fanterie das junge oberungarische Regiment 106 besondere Erwähnung .Wie immer, haben unsere braven Sappeure und unsere Schlachtünd Jagdflieger auch! am E.chlge der letzten Tage hervorragenden Anteil. Tie Zahl der an der Südwestftont einge­ brachten Gefangenen erhöhte sich, auf 21000. Ter Chef des Generalslabs. Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 17. Juni, mittags. Amtlich! wird gemeldet: An der venezianischen Gebirgsfront wur­ de gestern die Kampftätigkeit durch! Wetter und Nebel beträchtlüch, eingeschränkt. Westlich der Brenta behaupteten alpenWndische Regimen­ ter die tags zuvor erkämpften Gebirgsstellungen gegen heftige Angriffe. i Im Höhengelände des Montello schoben sich die Divisionen des Feldmarschjalleutnants Ludwig Goiginger kämpfend gegen Westen vor. Beiderseits der Bahn Oderzo—Treviso schei­ terten starke italienische Gegenstöße. , \ ■ ────────── was mit ihnen eigentlich! geschehen ist. Was sie erreichen sollten, ist ihnen unklar. "Man weckte uns", erzhälte einer, "und befahl uns vorzuge­ hen; so sind wir vorgegangen". — Gerade ge­ wachsene Kerle sind es, aber ganz unmilitärisch und froh, aus einer Sache herauszusein, deren Sinn sie nicht verstehen. Aus der Entfernung haben sie den Krieg als Sport betrachtet, aus der Nähe ist er ihnen höchst unsympathisch«, da sie gesehen haben, daß es mit Schneid allein nicht geht, daß man vielmehr Erfahrung haben muß Sie haben jedenfalls noch viel zu ler­ nen, mehr noch, als seinerzeit die Engländer Zu lernen hatten. Bis jetzt sind sie nur Sport­ soldaten. Und das kommt ihnen teuer zu stehen. — So urteilt ein Offizier, der soeben aus den Kämpfen kam. — Wenn die Franzosen also hoffen, die Amerikaner würden die Wendung M Gunsten der Entente herbeiführen, so müssen sie noch lange warten, ehe auch nur die Vor­ bedingungen geschaffen sind, die Amerikaner als "Gegner" den kampferprobten deutschen Truppen gegenüberzustellen. Und da bei dem beschränkten «Schiffsraum die angekündigte Mil­ lion nur in Bruchteilen eintreffen kann, wird ftsfi, die Wartezeit naturgemäß nutz länger hin­ ziehen. Ob damit der Entente gedient ist, scheint doch mindestens zweifelhaft. Wieder eine Spionin in Frankreich z nm Tode verurteilt. Das Kriegsgericht verurteilte die 21jährige Sidinie Ducret wegen Spionage zugun­ sten des Feindes zum Tode. Die Ducret soll angeblich Nachrichten über die Niedergangs­ punkte der Bomben in Paris an den Feind verkauft haben. Zwei andere Mitangeklagte wurden freigesprochen. ────────── Aus Finnland. Englands Sck'Uld a« der finnischen Re­ volution . 1 Tie Beweise für Englands Mitschuld an der finnischen Revolution mehren sich. Die Un­ terstützung durch, Geld- und Waffenlieferungen wird durch Quittungen dargetan, die aufge­ funden worden sind. ────────── Rücktritt des bulgarischen Kabinetts. WTB. Sofia, den 16. Juni. Ter Mini­ sterpräsident Radislawow hat dem König die Demission des Kabinetts angetragen. DerKönig* hat die Demission angenommen und beauftragte den Minister, bis zur Bildung eines neuen Kabinetts die Geschäfte weiterzuführen. 1 In Berliner politischen Kreisen wußte man schon seit längerer Zeit, daß die Stellung Radoslawows infolge der Angriffe seiner innerpolitischen Gegner erf.buttert sei. Besonders das Kondominium in der Rotddobrudscha und bie vstmazedonische Frage dürften ihnen den er­ wünschten Anlaß gegeben haben. Gerade todt die innere Politik die eigentliche Ursachle des Sturzes Radoslawows ist, kann man mit un­ bedingtem Vertrauen annehmen, daß die äußere Politik Bulgariens unverändert bleiben tofcb. Es wird der B. Z. a. M. zufvlge angenommen, daß nunmehr ein aus Vertretern aller Oppo­ sitionsparteien bestehendes Koalitionskabinett unter Führung Malinows gebildet werde« wird, dem die Stambukowisten ihre Unterstütz­ ung gewähren werden. Vermutliche hat der Uebertritt der StaMbulowiste« zur Opposftivn Radoslawow lzum Rücktritt veranlaßt. Am Balkan. ────────── Fliegerangriff auf Paris. Fortgang Ser österr.-nag. OffenfiSe; 21000 Gefangene. — Die Beschießung San Paris. Rücktritt »es bulgarische« Kabinetts. ────────── Die Heeresberichte. ────────── Der türkische Bericht. Konstantinopel, den 15. Juni. Amt­ licher Bericht: Palästinafront: Tie beiderseitige Gefechts­ tätigkeit hielt sich! in mäUgen Grenzen .Auf unseren Stellungen östlich! des Jordan liegendes feindliches Feuer wurde wirkungsvoll von un­ seren Batterien erwidert. Ein erneuter Angriff Ausständiger gegen die Hedschasbahn zwischen Tschuruf und Aneze wurde vereitelt. Rebellen­ lager bei Tasile wurden von unseren Fliegern mit Bomben und Maschinengewehren angegrif­ fen. Ostfront: Angesich>ts des Vordringens der Engländer in Persien haben wir zum Flankenfchutz unserer im Kaukasus stehenden Trup­ pen beiderseits des Urmiasees Fuß gefaßt und Däbris besetzt. Konstantinopel, den 16. Juni. Amt­ licher Bericht: Palästinafront: Auf unseren Stellungen und dem Hintergelände lag zeitweise lebhaftes feindliches Artillerieseuer, das ton unseren Batterien kräftig erwidert wurde .SchwereGeschütze maihten erfolgreiche FeuerWersälle aus die feindlichen Lager. Westlijch! des Jordan­ brückenkopfes wurde vor unserem linken Flü­ gel feindliche Kavallerie verlustreich, abgewie­ sen. An der Hedschasbahn fanden Mehrfache Zu­ sammenstöße mit RebeÜen statt, die durchweg für uns günstig Verliesen. Ein KaisertclegramM mt den Kronprinzen. Berlin, 16. Juni. S. M. der Kaiser rich­ tete an den Kronprinzen folgendes Telegramm: Unter Deiner Führung haben die siegreichen Truppen des Generalobersten v. Boehn, der Generale von Below und von Hutier den Feind empfindlich! geschlagen Md den Ansturm seiner heraneilenden Heeresreserven zum Scheitern gebracht. 85 000 Gefangene, mehr als 1000 Geschütze sind das äußere Zeichen dieser gewal­ tigen Schlachterfolge. Dir, den beteiligten Füh­ rern und Truppen spreche iifii meinen und des Vaterlandes Dank aus. Ter Angriffsgeist und die Angriffskraft meiner unvergleichlichen Truppen verbürgen den endgültigen Sieg. Gott wird weiter helftn. Wilhelm I. R. ────────── A«s der Ukraine. Ter ukrainisch-russischje Waffenstillstand. Kiew, 15. Juni. Das ukrainisch-russische Waffenstillstandsab kommen ist veröffentlicht worden Ten Rückwanderern ist die Mitnahme von 10 000 Rubeln für das Familienoberhaupt und weiteren 2000 Rubeln für jedes Familien­ mitglied, höchstens aber 20 000 Rubel für jede Familie gestattet. In EinzelfMen wird die Summe bis auf 100 000 Rubel erhöht, wenn der Betrag die Flüssigmachung des ganzen Vermö­ gens ist. Ferner werden gemeinsame Kommis­ sionen für den Warenaustausch, die Rückgabe des roNenden Eisenbahnmaterials, die Wieder­ herstellung des Post-, Telegraphen- und Reise­ verkehrs und für die Bestellung von Konsuln und Kommissaren eingesetzt. In der gestrigen Gesamtsirung der Friedensunterchättdler ist die Erörterung der Grenzfragen begonnen worden. Tie Vertretung der Sowjetregierung verlangt eine freie allgemeine Volksabstimmung auf eth­ nographischer Grundlag». Die Ukraine will die Abstimmung nur in strittigen Ausnahmefällen zulassen, soweit dadurch die Interessen des gesamten Staatsorganismus nicht gefährdet werden. Eine Einigung ist nicht erzielt wor­ den. Der ehemalige Adelsmarschall des Gouver­ nements Tschernigvw, Iwan Tolstoleß, ist zum ersten Sekretär der Ukrainischen Gesandtschaft in Berlin ernannt worben. Die Regierung bereitet einen Gesetzent­ wurf Über Handelsverbote zur Bekämpfung der Warenspekulation vor. Der jüdische Arbeiterbund ntfi zur Ablieferung der Waffen, auch wo sic zum Selbstschutz gegen Judenpogrome 3ULÜifr ,-atien woroen sind, auf. Tie Vcre'nlgung Der Industriellen t öü Jekaterinoslaw lviderspricht der Nabricht von einer angeblichen Nichtanerkennung kollektiver Lehurcrträge. — "Kieskaja Mysal" meldet: Nach Mitteilungen aus utrainifiten Militär­ kreisen verschlechterte sich die Lage der Kübantosaken von neuem. Sie ziehen sich auf Tamen zurück. , 1 ' Aus Finnland Englands Sck'Uld a« der finnischen Re­ volution . 1 Tie Beweise für Englands Mitschuld an der finnischen Revolution mehren sich. Die Un­ Ter ukrainisch-russischje Waffenstillstand. Kiew, 15. Juni. Das ukrainisch-russische Waffenstillstandsab kommen ist veröffentlicht worden Ten Rückwanderern ist die Mitnahme von 10 000 Rubeln für das Familienoberhaupt und weiteren 2000 Rubeln für jedes Familien­ mitglied, höchstens aber 20 000 Rubel für jede Familie gestattet. In EinzelfMen wird die Summe bis auf 100 000 Rubel erhöht, wenn der Betrag die Flüssigmachung des ganzen Vermö­ gens ist. Ferner werden gemeinsame Kommis­ sionen für den Warenaustausch, die Rückgabe des roNenden Eisenbahnmaterials, die Wieder­ herstellung des Post-, Telegraphen- und Reise­ verkehrs und für die Bestellung von Konsuln und Kommissaren eingesetzt. In der gestrigen Gesamtsirung der Friedensunterchättdler ist die Erörterung der Grenzfragen begonnen worden. Tie Vertretung der Sowjetregierung verlangt eine freie allgemeine Volksabstimmung auf eth­ nographischer Grundlag». Die Ukraine will die Abstimmung nur in strittigen Ausnahmefällen zulassen, soweit dadurch die Interessen des gesamten Staatsorganismus nicht gefährdet werden. Eine Einigung ist nicht erzielt wor­ den. Der ehemalige Adelsmarschall des Gouver­ nements Tschernigvw, Iwan Tolstoleß, ist zum ersten Sekretär der Ukrainischen Gesandtschaft in Berlin ernannt worben. Die Regierung bereitet einen Gesetzent­ wurf Über Handelsverbote zur Bekämpfung der Warenspekulation vor. Der jüdische Arbeiterbund ntfi zur Ablieferung der Waffen, auch wo sic zum Selbstschutz gegen Judenpogrome 3ULÜifr ,-atien woroen sind, auf. Tie Vcre'nlgung Der Industriellen t öü Jekaterinoslaw lviderspricht der Nabricht von einer angeblichen Nichtanerkennung kollektiver Lehurcrträge. — "Kieskaja Mysal" meldet: Nach Mitteilungen aus utrainifiten Militär­ kreisen verschlechterte sich die Lage der Kübantosaken von neuem. Sie ziehen sich auf Tamen zurück. , 1 ' Aus Finnland Englands Sck'Uld a« der finnischen Re­ volution . 1 Tie Beweise für Englands Mitschuld an der finnischen Revolution mehren sich. Die Un­ ────────── rauf hörte Man von der Stelle, wo sie im eng­ lischen Graben versitzwunden waren, entsetzliche Todesschreie. Als der deutsche Angriff über diese «Stellung vorgetragen wurde, sah man die Leute auf einem Haufen kreuz und quer durch­ einander tot daliegen. Nach, ihrer ganzen Lage waren sie nicht im ehrlichen Kampf gefallen. Verschiedenen Leuten waren die Augen ausge­ stochen. Der dazu benutzte Dolch lag mitsamt den Augen auf der Brust des Offiziers. Tiie anderen waren in rohester Weise verstümmelt. Kämpfe mit der Polizei in Irland. Aus London wird gemeldet: In Ballygar in Irland kam es gestern bei der Verhaftung zweier Kolonialwarenangestellter zu einem Zu­ sammenstoß zwischen der Polizei und der Be­ völkerung. Tie Menge rottete sich gegen die Polizei zusammen und ihre Haltung wurde so drohend, daß Befehl gegeben wurde, von den Knüppeln Gebrauch Zu matzen. T«ie Menge warf mit Steinen und Eiern. Ter Weg nach der Stadt zu wurde mit Baumstämmen und Stacheldraht verbarrikadiert .AIs die Verhaf­ teten nach dem Gefängnis von «Sliga geführt wurden, kam es zu erneuten Zusammenstö­ ßen zwischen Polizei und Menge Tie Polizei konnte schließlich der Menge mit dem Knüppel nicht mehr Herr werden Es wurde eine Bajo­ nettangriff angeordnet, wobei sechs Personen verletzt wurden. Ein jüdischer Generalleutnant in ngland. Haag, den 17. Juni. Generalmajor Sir John Monast hat den Befehl über eme austra­ lische Armee und gleit fcßeitig den Rang eines Generalleutnants erhalten. Das ist die höchste Auszeichnung, die jemals ein Israelit bei der englischen Armee errecht hat. Der Krieg mit England. Englische BeftiatiMc«. Berlin, 15. Juni. Ein neuerlicher Vor­ fall aus dem Kemmel-Gebiet beweist wiederum die unmenschliche Grausamkeit englischer Sol­ daten g egen Verwundete. Am 25. April wur­ den ein Offizier und 5 Leute des deutschen In­ fanterie-Regiments 118 bei ihrem Vorgehen in die englische Stellung umzingelt. Kurz da­ ────────── Aus China. Verschickung der Teutschen aus China. Rotterdam, 17. Juni. Tr. Tsur, der Sekretär der chinesischen Gesandtschaft in To­ kio ist nach! Reuter zum Direktor des Deportatignsbüros ernannt worden, das die Verschlick­ ung der 7000 deutschen Männer und Frauen aus China nach Australien duritzzuführen hat. Er ist nach Peking gereist, um von dort die Reise nach Australien fortzusetzen. Wie verlautet, wird Tsur, regelmäßig die Gefangenenlager in Australien besuchen. Tie Kosten der Depor­ tation sollen durch die alliierten Regierun­ gen getragen werden. ────────── Japan im Kriege. Japanischer Eifer. Reuter meldet aus Tokio: Wegen der Un­ ruhen in «Swatow (Hafenstadt in China) wur­ den dort am 9. Juni japanische Marinetrup­ pen gelandet. , Tager-MerMt. Tie Reform des Auswärtigen Ticnstes. Ter Teutschen Ztg. wird betreff der Reform des Auswärtigen Dienstes von einem Münche­ ner Gewährsmann u .a. mitgeteilt: Man hat sich in den unterrAtzteten Kreisen Münchens darüber gewundert, daß die Berliner Presse im Falle Lichnckwsky dem sehr deuüittzen Be­ streben nicht schärfer entgegengetreten ist, die allerdings eigenartige Persönlichkeit dieses Di­ plomaten als eine Ausnahmeerscheinang hinbe­ stellen. Hier ist man der Meinung daß dies ganz und gar nicht zutrifft und daß ein nur lallzugroher Teil unserer Diplomaten gleicher Geistesrichtung und politischer Molluskenartig­ keit ist wie unser letzter Londoner Botschafter. Man nimmt an, daß eine Gesamtkritzk des Ausewärtigen Amtes nach! der personellen Seite über kurz oder lang erfolgen muß. Hält mm» sich nur an die Leiter währand des Krieges, so ist das kritische Urteil trostlos. Herr von Jagow hat hier menschlich hohe Achtung genossen, aber als Staatssekretär lebt er hier fort als der Diplomat, der die Ausnutzung des Bjelowescher Forstes für Zwecke des deutschen Heeres für un­ tunlich hielt und verhindern wollte, weil der Zar sich! darüber durch! Neutrale beschweren ließ. ────────── Liegt das Fürstentum Schaumburg-Lippe in Teutschland? So muß man fragen, wenn man folgende Bekanntmachung im fürstlichen Amtsblatt liest: "Bekanntmachung betreffend Ausgabe von Einmachzucker. Als Sonderzulage für Zwecke der häuslichen Obstverwertung wer­ den außer der üblichen Monatsmenge im Juni d. Js. 6 Pfund Zucker auf den Kops der Bevöl­ kerung des Fürstentums auf Sonderkarten zur. Ausschüttung gelangen. Personen, Die im Be­ sitz einer im Fürstentum für Monat Juni aus­ gestellten Zuckerumtausch karte sind, haben An­ spruch auf bje Sonderkarte. Bückeburg, 29. Mai 1918. Fürstlich Sjckjaumburg-Liplpe sches Ministerium. Abteilung für Gemeindeangele­ genheiten. Frhr. v. Feilitzsch." — Wo hat denn das Fürstentum den Zucker her? Diese Frage wird wohl beantwortet tzverden müssen, denn bei Zwangsrationierungen muß jede Son­ derbevorzugung Mißstimmung bei den Minder­ begünstigten erregen. i Ein brotloser Tag in Glauchau. TasLPz. Tgbl. meldet: Einen "brotlosen Tag" hat die Amtshauptstadt Glauchau bestimmt. Um einer vorzeitigen Belieferung der Brotmarken vorzu­ beugen, hat sie innerhalb ihres Bezirkes den Handel mit Backwaren am Donnerstag allge­ mein verboten. Wer dem zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit ^Geldstrafe bis zu 50000 Mark bestraft. __ Herabsetzung der Brotration in Wien. Ein d Ministerrat in Wien, der sich! mit der Ernäh­ rungsfrage besaßt hat, ist zu der Entschließ­ ung gekommen, daß die Brotration für Wien auf die Hälfte, d. h. von 1260 Gramm auf 630 Gramm pro Kops und Woche, also auf 90 Gramm pro Kopf und Tag herabgesetzt werden ’ muß. Eine gleichzeitige Kürzung der Mehl­ ration ist vorläufig nicht beabsichtigt. In der Provinz ist diese Maßregel schon vor einiger Zeit verfügt worden. i ] i i G rundbesitz ans teilung für Krieger in Un­ garn. Nach! einer Budapester Meldung der Boss. Ztg. soll in Ungarn die Absicht bestehen, die großen Grundbesitze der Toten Hand und die Fideikommisse von Staats wegen zu parzel­ lieren, damit die heimkehrenden SoldatenGrund und Boden erhielten. , i i ' ────────── Allerlei. Gesunde Natur. Eine Maurersfrau, die im Walde bei Ebersberg Holz sammelte, wurde dabei von zwei Knaben entbunden, die tot zur Welt kamen. Die Mutter packte die beiden toten Kinder in ihre Schürze und ging nach(hause, nicht aber ohne auch! ihren Schubkarren voll-Prügelholz mitzunehmen. Jugendlicher Mörder. Bon der Jugendstrafkammer des Landgerichts München 1 wur­ de der noch nicht 18 Jahre alte 'Schlosser August Wagner von München wegen eines VergwMANMmHim brechens des Mordes in Tateinheit mit einem Verbrechen des schweren Raubes, wegen mehI rerer Diebstähle und wegen Sachbeschädigung $ zu einer Gesamtges ängnisstras e von 15 Jahren 1 verurteilt. Wagner hat am 4. Dezember 1917 in München den Bildhauer Mario Vianello in dessen Wohnung in der Theresienstraße mit einem Revolver vorsätzlich, ermordet und aus ver Wohnung des Vianello 1000 Mk. gemußt. Außerdem hat Wagner früher schon eine Stra­ ßendirne bestohlen und in Augsburg aus einem Flobertgewehr aus einen vollbesetzten Straßen­ bahnwagen geschossen, ohne jemand zu ver­ letzen. Mit Wagner teilte die Anklage der 37jährige Schneider Ametsmeier, der von dem Vorhaben des Wagner Kenntnis hatte, es aber unterließ die Polizei zu verständigen. Das ge­ raubte Geld hat Ametsmeier von Wagner zur Aufbewahrung angenommen und hiervon 200 Mark als Anteil für sich behalten. Zu den früheren Diebstählen hat er den Wagner an­ gestiftet und jedenfalls seinen Beuteanteil er­ halten. Ametsmeier wurde zu 2 Jahren 6 Mo­ naten Gefängnis und 5 Jahren Ehrenverlust verurteilt. | ────────── In der Kammer der Abgeordneten wur­ den in d er Sitzung am letzten Freitag die libe­ ralen und sozialdemokratischen Anträge auf Ab­ änderung des Landtagswahlgesetzes durch! all­ gemeine Einführung der Verhältniswahl, Her­ absetzung des Wahlalters auf 21 Jahre und Einführung des Frauenstimmrechtes durch! das Zentrum abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag Held d urch das Zentrum, der die Ver­ hältniswahl für die größeren Städte Bayerns vorsieht. ! Erkrankt ist der baher. Verkehrsminister von Seidlein an einer Rippenfellentzündung. Erbeutete Geschütze ans der SMacht von Armentieres sind in München eingetroffen und haben sich! mit den beim Denkmal Otto von Wittelsbach vor dem Armeemuseum schon seit längerer Zeit aufgestellten französischen und russischen Kanonen zu einer stolzen Siegestro­ phäe vereint. 5#00 städtische Eier verloren. Infolge eines bedauerlichen Unglücksfalles ist am Bassin der städt. Einkalkungsvorrichtungen in Würz­ burg eine Wand eingebrochen. 90 000 Eier stürzten in einen Keller. 5000 Eier zerbrachen, die übrigen blieben ganz. Bayerische Nachrichten. ────────── Niederbayerische Nachrichten. In der Kammer der Abgeordneten wur­ den in d er Sitzung am letzten Freitag die libe­ ralen und sozialdemokratischen Anträge auf Ab­ änderung des Landtagswahlgesetzes durch! all­ gemeine Einführung der Verhältniswahl, Her­ absetzung des Wahlalters auf 21 Jahre und Einführung des Frauenstimmrechtes durch! das Zentrum abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag Held d urch das Zentrum, der die Ver­ hältniswahl für die größeren Städte Bayerns vorsieht. ! Erkrankt ist der baher. Verkehrsminister von Seidlein an einer Rippenfellentzündung. Erbeutete Geschütze ans der SMacht von Armentieres sind in München eingetroffen und haben sich! mit den beim Denkmal Otto von Wittelsbach vor dem Armeemuseum schon seit längerer Zeit aufgestellten französischen und russischen Kanonen zu einer stolzen Siegestro­ phäe vereint. 5#00 städtische Eier verloren. Infolge eines bedauerlichen Unglücksfalles ist am Bassin der städt. Einkalkungsvorrichtungen in Würz­ burg eine Wand eingebrochen. 90 000 Eier stürzten in einen Keller. 5000 Eier zerbrachen, die übrigen blieben ganz. iieherWfdif Nachrichtm Teggendorf, 17. Juni. (Besitzwechsel.)Die Brauereibesitzerswitwe Frau Maria Wohlmut in Niederaltaich hat ihr gesamtes Besitztum bestehend aus Bierbrauerei, Gastwirtschaft,Oekonomie und einem Privathaus, ferner sechs ihr gehörige auswärtige Gastwirtschaften mit Oekonomiebetrieb an das Benediktinerkloster Metten verkauft. Als Kaufpreis wird die Sum­ me von 570 000 Mark genannt. Wie verlau­ tet, soll in den umfangreichen Gebäulich^eiten in Niederaltaich ein Sanatorium für ner­ venkranke Krieger errichtet werden. Sossau, 16. Juni. (Während des gestrigen Gewitters) hat ein plötzlich einsetzender Wir­ belsturm die Dachung des Stadels der Gastwirts Reistnger vollständig zertrümmert und die öst­ liche Gibelwand auf einen dort angebauten Viehstall heruntergeworfen, wodurch 4 Stück Großvieh und 2 Schweine getötet wurden. Aiterhosen, 17. Juni. (Vom Blitze er­ schlagen.) Während des gestrigen Gewitters wurde der Hofbesitzerssohn Ganslmeier, der eine Fuhre Heu noch einbringen wollte, auf dem Heuwagen sitzend vom Blitze erschlagen» Ein dabei» beschäftigter Franzose, der sich; auf demselben Heuwagen befand, blieb unverletzt. ────────── ’i Der Nebel stieg. Ten ganzen Hof hüllte er in dichte Schleier, und vom Meere her jagte es herauf wie ein Gespenst, verdüsternd, unheilkündend, unentrinnbar wie das Schicksal. Gräfin Fridrun lag in ihrem Zimmer auf einem Ruhebett und starrte ins Leere. So verharrte sie schon stundenlang beim mat­ zten Schein der Lampe, die Hände krampfhaft geballt, den Mund "verzerrt und die schöne 1 «Stirn tief gefaltet. Sie hatte sich mit Kopfschmerzen entschul­ digen lassen, als der Gong'zum Tee rief. Sie hatte aber fieberhaft an der Tür gelauscht, Ub Graf Reimar das Speisezimmer aufsuchen würde. Nein, auch er war nicht gekommen. So saß denn wohl Undine allein vor der sum­ menden Teemaschine. So lange Fridrun zurück-, gekehrt, hatte sie noch! keiner Mahlzeit im 1 Fa­ milie n'zimmer beigewohnt. Sie scheute Undines fragende Augen, und zu einer Aussprache war es noch Ummer nicht zwischen ihnen gekommen. Lorl, die vorher ein wenig bei ihr ge­ spielt, hatte Fridrun wieder weggeschickt. Das Kind war wie ein Wirbelwind. Die laute, lär­ mende Art der Kleinen machte ihr Unbehagen. 1 (Fortsetzung steigt.) Die Nebelfrau. i i Kommt ioon Anny (Ent|e. 1 (Nachdruck verboten.) 103] Gelassen löste der Graf die zarten Händel die seine Knie um'klammert hielten. | Stehen Sie auf, Gräfin. Entwürdigen Sie sich, nicht weiter, indem Sie bei einem Manne um Liebe betteln, der nichts weiter für Sie empfindet, als grenzenlose Verachtung, die nicht einmal das Mitleid kennt. Fridrun sprang wie eine gereizte Tigerin emp!vr. Ihre Augen glühten dunkel, fast schwarz auf, als sie mit zuckenden Lippen her­ vorstieß: i Lüge, alles Lüge! Ich, weiß es besser, wie du leidest an der Seite einer ungeliebten Frau, deren Stolz, deren Härte auch, mein Leben zerstörte. Tu verkennst aber Undine, wenn du meinst, sie würde dich halten. Ein einziges Wort genügt, dich für immer freizuma­ chen. Sprich es aus! , Mit blassem Gesicht und gesenkten Augen stand der Graf eine Weile wortlos, dann, die Augen langsam hebend, sagte er tonlos: Es ist vielleicht schon geschehen. Wenn es Sie aber beruhigen kann, Gräfin, so will ich .Ihnen heute sagen, daß ich, Undine tief und '/ .innig liebe. ,11, j i Einen Augenblick herrschte Totenstille itii dem Gemach,. 'Es war, als hörte man das Herz-! klopfen d er beiden Menschen, die sich; hier gegenüberstanden. j i Dann aber schrie Fridrun laut und gel-; lend auf und hastig nach, ihrem Schleier grei­ fend, stürzte sie in wilder Flucht aus dem Zimmer. Gras Reimar schloß hinter ihr die Tür. Tann legte er wie in stummer Qual die Hände aus die Augen und stöhnte auf: Wie konnte ich milch, nur hinreißen lassen, ihr das zu sagen. Sie gerade durste das nie erfahren. , > ' '| Müde trat er zu seinem Schreibtisch, um 1 allerlei Papiere zu ordnen, denn der heutige Tag sollte fein letzter auf dem alten Schlosse fein. Morgen verließ er für immer den Gor-" lingshof und seine Frau, die für ihn nur ein Schatten war, die Nebelfrau, wie Ekke Thornsen sie genannt. | i i Der Abend kam herauf, der letzte Abend. Dröhnend warfen die Meereswellen große Eis­ schollen an den Strand, und durch die Lust ging ein Brausen. A , L ────────── (Ut Redaktion übernimmt für Einsendungen unte* bietst Rubrik dem Publikum gegenüber keine Verantwortung.) Ilcberschrcitungen der Höchstpreise lverden stets bekrittelt. Die Schuld daran wird natürlich stets den Produzenten zugeschoben. Wenn man aber sieht, wie ein Teil unserer Frauenwelt die Schwaigsrwägerl schon auf den Zufahrtswegen zum Markte erwartet und ihren Bedarf von der Straße weg deckt, so muß man schon sagen, unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn in den Produzenten der Glaube erwächst, daß sie ihre Produkte auch ohne Markt leicht verkaufen können. Damit aber entfällt auch, alle Kontrolle der Preise, die nur aus dem Markte möglich, ist. Jene Frauen, wel­ che auf den Straßen kaufen, sind es studfy in erster Linie, welche durch Bewilligung jedes Preises die , Begehrlichkeit steigern und die Unzufriedenheit mit den Höchstpreisen nähren Stimmen aus dem Publikum. helfen. Außerdem wird dadurch, die Beschickung des Marktes geschlvächt und dort dadurch ein ! falsches Bild der vorhandenen Lebensmittel ge­ schaffen. Es Muß deshalb die Abschysfung die­ ses Unfuges gefordert werden. F.." . Nähfaden wird in anderen Städten im nächsten Monat zum zlveiten Male heuer verteilt. In Landshut warten noch, viele, die ihre Marken längst ab­ gegeben haben, auf! |en ersehnten Faden. In mehreren Geschäften wurde bereits Faden ver­ teilt, in anderen nich,t. Woran liegt diese Un­ gleichheit der Verteilung? —af. j ────────── erwalze vorauf und der Feind antwortet, wenn er es vermag, mit Sperrfeuer und Trommel­ feuer. Was dazwischen gerät, ist verloren. Das ist die grausige Wahrheit. Kein Mitleid, keine Klage kann sie ändern. Und doch; bleibt es für Len, der diesen Gottesgarten liebt, wo so viel Saat europäischer Frühkultur aufgegangen ist, ein schlechter Trost, daß die Franzosen es so wollen und daß sie selbst wie die Rasenden ge­ gen ihr eigenes Land und die Denkmäler der ^Vergangenheit wüten, die uns allen heilig sein Unserer Stellungen aus sah, so schien die Stadt sollten. ' i ; ' i Wenn man Soissons früher von der Höhe zwei Kathedralen zu haben. Tenn noch stolzer als die eigentliche, niemals vollendete Bifhofskirche ragte in einer der südlichen Vorstädte der Dom von "St. Johann in den Reben" über die Dächer empor, eine herrlich? Abteikirche, deren beide ungleichen Türme bis zu 75 Meter aufwachsend alle Ausklänge der reifsten Spät­ gotik in einer Fülle von Figuren und reichem Rankenwerk durchleben. Aber dieser Dom ist nur eine Atrappe, denn hinter der Fassade und den beiden Türmen klafft die Leere. Das Gotteshaus selbst haben schon die Kirjchienstürwer der Revolution weggerissen. Tie Fassade ist aber jetzt von den schweren Granaten der abziehenden Franzosen böse zugerichtet worden. Die Amerikaner, die so groß sind im Verspre­ chen, haben die Wiederherstellung aller verwüsteten französischen KUnstdenkmäler in Aussicht gestellt. Ein Kostenüberschlag, wie viele Mil­ lionen wohl die Instandsetzung einer einizgen Kirche wie der von St. Johann in den Reben in Sojssons beanspruchen würde, wäre vielleicht geeignet, selbst die amerikanischen Versprei lan­ gen auf ein Maß, der Bescheidenheit zurück zu führen. _ i Ob sich die Kathedrale überhaupt je wird wieder Herstellen oder selbst als Ruine notdürf­ tig wird erhalten lassen, ist eine Frage, die hier wie bei der Basilika von St. Quentin nur Bausachverständige entscheiden können. Die Stirnseite mit dem nie über den Ansatz hinausgediehenen Turmstumpf ist leidlich, erhalten, nur von ein paar großen Volltreffern durch? löchert, die Schiffe aber sind in dem an die Fassade angrenzenden Teile schwer beschädigt. Die Pfeiler liegen zerbrochen auf den Fliesen, die Streben sind zerschossen, in den Mauern klaffen hausgroße Breschen. Kaum erspäht man noch, eine farbenglühende Schierbe in den wie schlpffe Netze herunterhängenden Bleisassungen der zerstörten Fenster. Ter dem Chore zuge­ wandte, durch eine Mauer abgetrennte Hintere Teil des Langschiffes nebst den Seitenkapellen, ist besser erhalten, doch liegen auch hier über­ all die Trümmer des üppigen bildhauerischen Schmuckes der Pfeiler und Altäre umher. Das Museum, das in einem Flügel des Rathauses untergebracht war, soll der großen geschichtlichen Vergangenheit der Stadt würdig gewesen sein. Jetzt durchwandert man leere Säle, in deren Ecken ein paar wertlose Scher­ ben zwischen den Strohschütten herumliegen, auf denen vor wenigen Tagen französische Sol­ daten genächtigt haben. Tie alten Nasenleiden der römischen Standbilder im Treppenhause sind durchs frische Bombensplitter eisenbartisch Ueberall Schutt, Zerfall, Vernichtung. So­ gar die deutsche Ortskommandantur hat in ein Haus einziehen müssen, dem ein Stück Dach weggeschossen ist. Und noif/i ist der Franzose mit seiner Zerstörungsarbeit nicht zufrieden. Ein Viertel der Innenstadt steht noch, in Flam­ men. Aber jede Nacht wirft der Feind von neuem Brandbomben auf die Trümmerstadt. Im Torbogen eines verbrannten Hauses gegenüber der Kathedrale kauerte eine schwarz­ gekleidete Greisin und bettelte. Sie hat zu den Reichen der Stadt gehört, vor all Tagen noch, heute hat sie nichts zu essen. Ein vor­ übergehender Teutscher greift in seinen Brot­ beutel und reicht ihr ein Stück von seinem braunen Soldatenbrot, an dem die Alke gierig zu knabbern beginnt. Wenn dieses Bildchen ein Maler ganz so, wie es in Wirklichkeit war, festgehalten hätte, so würde er in den Verdacht lkommen, eine rührsame Szene gestellt zu haben, um den Fall der stolzen Stadt Soissons sym­ bolisch, sinnbildlich; zu veranschaulichen, wäh­ rend doch der Krieg fff;; selber solche Sinnbilder in so kitschiger Ueberfülle erschafft, daß kein Maler es vermag, die Phantastik der Wirklich? kett durchs Erfindung zu 'überbieten. (Kb.> W. Scheuermanir, Kriegsberichterstatter. ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. 1 Berlin, den 16. Juni 1918, Unberechtigter Nachdruck, auch auszugswer;«, verboten.) Vernichtung von Roten Garden bei Taganrog. Telegramm unsres zu« Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. Kiew, den 15. Juni. Während an der Ostgrenze der Ukraine die Verhandlungen zur Festsetzung der Demarka­ tionslinie im Gange sind, haben starke bolsche­ wistische Kräfte vom Ostuier oes Asowschen Mee­ res Herden Versuch! gemacht, unseren,Truppen bei Rostow in den Rücken zu fallen. Von der Havenstadt Jeisk im Kuban-Gebiet rüsteten sie eine Schiffsexpedition aus, die 10000 Mann nach Taganrog überführte. Es handelt sich also um ein großangelegtes Unternehmen, vas darauf rechnete, unsere Truppenkette zu über­ rennen und den Kampf aufs neue in die auf­ zuhetzende Ukraine zu tragen. Die Führerrolle auf militärischem Gebiete hatten wieder tsche­ chisch; e Offiziere übernommen. Mit etwa einem halben Dutzend Bataillonen, einer Anzahl Batberien und einigen Eskadrons griff das dort stehende deutsche Kommando ein. Tünch! die tief einschneidende Miuskoj-Bucht wird west­ lich Tangarog eine Halbinsel gebildet, ausser die gelandeten Bolschewisten sich, entwickelt hat­ ten. Sie wurden von Norden von dcm starken rechten Flügel der Wer Tangarog anrückenden deutschen Abteilung umfäßt und am Wend des 14. auf die Küste zurückgeworfen. Trotz des verzweifelten Widerstandes der Gelandeten wur­ de der größere Teil dabei vom Meere abge­ schnitten. Er sulchte sich hinter den Drahthin­ dernissen zu halten, die er vor seinem .Südflü­ gel angelegt hatte. Gleichzeitig waren aber deutsche und österreichisch-ungarische Kompag­ nien und Eskadrons durch; die Miuskoj-Buchß gewatet und geschwommen, so daß. au;!;, ein Durchschlagen nach Westen unmöglich war. Es kam zum blutigen Endkamps, bei dem sich; die Eingeschlossenen bis zum letzten Mann vertei­ digten. Nur 10 Mann wurden gefangen ge­ nommen, 5000 Tote lagen auf dem Gefechtsseid. Einem Teil gelang es auf Flößen und Booten das Meer zu gewinnen, aber ehe sie die Schiffe erreichten, sanken die Flöße unter den Grana­ ten unserer Artillerie. Gegen 8 Uhr abends dampfte auch, die feindlich? Flottille in Rich­ tung des Ostzipfels des Asowschen Meeves ab. (jRtU Rolf Brandt, Krtegsberichterstatllr. ────────── Samstag und Sonntag nachmittags lud unser Sommertheater zu einer Kindervorstell lung ein. Die kleinen Kunstbegeisterten, auch, manch. Erwachsener waren der Einladung freu* digt gefolgt Und füllten den Zuschauerraum namentlich am Sonntag fast bis auf den letz­ ten Platz. Die dramatisierte Historie des Rat­ tenfängers von Hammeln ging unter Leitung des hiesigen Schaufpielmitgliedes Hr. L. Janvtte, dargestellt von Kindern recht frisch, und begeisterungssroh in Szene. Unter den kleinen Mimen verriet besonders der dreizehnjährige Pepi Janotta in der Titelrolle große schauspie­ lerische Begabung, doch auch die übrigen Mit­ wirkenden erfreuten ob ihres kuraschiertenSpieles das beifallslustSge Mintaturpublikum. Ter Sonntag Abond entsprach, den an ein ,.Variete"-Programm geknWsten Hoffnungen keinsswegs. Die Humoristen Baumer und Sohn aus München hatten allein die Bortragsfolge zu bestreiten und brachten fast nichts Neues in ihren Nummern, die ihren Höhepunkt in ziemlich derben und geschmacklosen Lascivitäten erreichten. Das sehr zahlreich; erschienene Publikum schien nicht sonderlich begeistert, man hatte sich! offenbar ein gediegeneres und ab­ Sommertheater. wechslungsreicheres Programm erwartet, nach­ dem die Veranstaltung unter der FirmaLandshuter Sommertheater segelte. Das stark ge­ stutzte Orchester d. h. ein Septett unter der Di­ rektion des Herrn Sradtkapellmeisters Mayer­ thaler verdient für Auswahl und Durchführung der Musikpiecen alle Anerkennung. Hg. ────────── Letzte Posten. Kerne U- Vootse rfo lge. WTB. Berlin, den 17. Juni. (Amtlichp Stn Sperrgebiet um England sind durch, unsere U-Boote neuerdings 16 000 Brutto-Registertonnen feindlichen HandelssWsssraumes vernich­ tet worden. Ter Ehes de» Admiralstabes der Marine. Teutsche Fliegerangriffe auf Paris. Berlin, 18. Juni. Die deutschen Flie­ gerangriffe auf die inneren Pariser Bezirke dauerten, wie der "Berl. Lok.-;Anz." berichtet, in der Nacht aus den 7. Juni fl Stunde. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 40 gerechnet. Den Sachschaden dürfen die Blätter nicht näher bezeichnen. Paris, 16. Juni. (Havas.) Mehrere Fltegergruppen überflogen gestern abends in Richtung auf Paris unsere Linien. Um 11 Uhr 40 Min. wurde alarmiert. Unsere Ver­ teidigungsmittel wurden in Tätigkeit gesetzt. Unsere Batterien beschossen die gemeldeten feindlichen Flugzeuge heftig. Mehrere Bomben forderten einige Opfer und verursachten Sachfschaden. Das Ende des Alarms war um 12 Uhr 45 Min. Ruuiänien und die Ukraine. Kiew, 17. Juni. Der Odeffaer Mitarbei­ ter der "Poszkednija Nowosti" erfährt aus an­ geblich autorisierter Quelle, daß die rumäni­ sche Regierung mit der Angliederung der Kresse Aäkrman und Cotin an die Ukraine einver­ standen fei. Englisch? Lügen. Berlin, 18. Juni. (Nicht amtlich) Nach der "Daily News" vom 27. Mai soll das in Fervol intendierte deutsche U-Boot "U. C. 48" dersucht haben, zu entweichjen. An dem Vor­ haben sei das Boot durch; den spanischen Kreu­ zer "Rio de la Plata" verhindert worden. Wie WTB. von zuständiger Seite hiezu erfährt, ist die Nachricht erfunden. ────────── Städtische Schwimmschule. 18. Juni 1918. Wasser . 14 Grad C. Luft . . 16 Grad C ────────── Inserate. ────────── Ter Beginn der Offensive verraten? Ter Carriere della Sera berichtet dem Berl. Lok.--Mnz. zufolge von der Front: "Unsere Ueberraschung ist dem Feinde nicht gelungen. Unsere Kunoschasterabteilungen hatten uns von allem unterrichtet. Das italienische Kommando wußte nützt nur, wann und wo das österreichisltze Feuer beginnen soll­ te, es kannte sogar die genaue Zeit und die Stunde des Beginns, so daß alle Vorberei­ tungen getroffen werden konnten, um das Feuer zu beantworten. Man wußte, daß die feindlichen Batterien ihr Feuer am Samstag früh 3 Uhr 5 Minuten eröffnen wollten. Un­ sere Heeresleitung gab daher Befehl, ihm zuvor zu kommen. Auf der Hochfläche von Asiago, zu beiden Seiten der Brenta und zwischen Brenta und dem Grappamassiv, wo wir wuß­ ten, daß das feindliche Feuer besonders stark sein würde, eröffneten unsere Batterien um Mitternacht ein gewaltiges Feuer und setzten es besonders auf die rückwärtigen Stellungen des Feindes mit äußerster Heftigkeit 20 Minu­ ten lang fort. Um! 2 Uhr (3omnuten, 35 TUn. bevor das feindliche Feuer beginnen sollte, setzte das Feuer unserer Batterien auss neue ein und währte wiederum 20 Minuten. Na­ türlich überließ sich, niemand der trügerischen Hoffnung, daß damit die feindliche Offensive verzögert werden könne, aber sie wurde doch gestört. Das österreichisltze Feuer war furcht­ bar. von unerhörter Heftigkeit, Mächtigkeit und Ausdehnung, wie es in solcher Stärke bisher unbekannt war. Aber überall antworteten die italienischen Batterien mit gleicher Wucht." Italienische Zweifel. In der italienischen Kammer sagte der Sozialist Modigliano: Man erwartet dieHilsb der Amerikaner, aber wer weiß, ob die jetzige günstige Lage andauern wird, ob nicht die Un­ fähigkeit von LHeersührern und militärische Katastrophen die Hilfe unwirksam machen wer­ den. 1 1 i i 1 Der Krieg mit Italien. ────────── —* Zur AufnahIMisp rüfung in die erste Klasse der K. Real- und Handelsschule finden am Mittwoch, 3. Juli, 8 Uhr vorm, und am 6. September vorm. 8 Uhr die Anmeldun­ gen statt. I 1 ! ; ; : [ I —* Die Getreidepreise für die Ernte 1918 wurden vom Bundes rat festgesetzt und hierbei die Preise für die Tonne Roggen und Wetzen um 35 Mark, für die Tonne Hafer und Gerste um 30 Mark erhöht. Tie Erhöhung erfolgte zum Ausgleiche der erhöhten Produk­ tionskosten. Damit wird, wie eine Berliner Erläuterung sagt, eine Steigerung der Mehl­ preise um noch! nicht zwei Pfennige für das Pfund Mehl herbeigeführt. Als Frühdruschp prämie wurden bei Ablieferung vor dem 16. Juli 1918 für die Tonne Roggen, Weizen und Gerste 120 Mark, bei Ablieferung vor dem 1. August 100 Mark, vor dem 16. August 80 Mark, vor dem 1. September 60 Mark, vor dem 18. September 40 Mark und vor dem 1. Oktober 20 Mark festgesetzt. Die Druschprämie für Ha­ fer ist noch, nicht festgesetzt. —* ZuM Arbeitskammerges etz nahm am letzten Freitag in der Göttlichen Gastwirt­ schaft eine Versammlung der christlichen Geiverkschasten und katholischer Arbeiter- und Ar­ beiterinnenvereine Stellung in folgender Ent­ schließung: Die am 14. Juni 1918 in Landshut tagende Versammlung der christlich. nationalen Arbeiterschaft begrüßt die Vorlage eines Ge­ setzentwurfes zur Errichtung von Arbeitskam­ mern, verlangt aber nachdrücklichst eine gründ­ liche Aenderung der Gesetzesvorlage im Sinne der Eingabe der Gewerkschafts- und Angestell­ tenverbände vom 3. Dezember 1917. Tie Versammlung protestiert entschieden gegen die geplante Errichtung fachlich gegliederter Ar­ beitskammern und verlangt örtlich, (territorial) umschriebene Arbeitskammern in denen sämt­ liche Arbeitnehmer und Angestellte, sowie sämt­ liche Arbeitgeber eines gewissen Bezirkes (Re­ gierungsbezirk, Kreis) ohne Unterschied des Be­ rufes und Gewerbes zusammengefaßt sein sol­ len. In solchen Kammern können besondere Abteilungen gebildet werden zur Erledigung von Fachfragen für besonders wichtige Berufe und Gewerbszweige des Bezirkes. Das Ver­ langen nach! örtlich gegliederten Arbeitskam­ mern ist umso mehr berechtigt, als der gleichje Aufbau bei den Handelskammern und Handlverkskammern vorhanden ist und sich, dort be­ währt hat. Tie Errichtung von Arbeitskammern darf weiter nicht in das Belieben des Bundesrates oder der Landesregierungen ge­ stellt, sondern muß im Gesetz vorgeschrieben Iverden. Tie Versammelten fordern einen wirk­ samen Schutze der in die Arbeitskammern ge­ wählten Vertreter gegenüber etwa eintretender Maßregelung durch, ihre Arbeitgeber. Die in der Gesetzesvorlage vorgesehene Beschränkung der Mahlbarkeit von Organisationsbeamten, so­ wie auch, die geplante Zurücksetzung der Ange­ stellten von Arbeiterorganisationen gegenüber den Angestellten von Arbeitgeberorganisatio­ nen bedarf dringend einer Aenderung. Die Versammlung ersucht den ReiftMag, die Regier­ ungsvorlage entsprechend abzuändern und das Gesetz so zu gestalten, daß nicht ein neues Aus­ nahmerecht zu Ungunsten der Arbeiterschaft ge­ schaffen, sondern wirkliche Gleichberechtigung mit den anderen Berufsständen die Grundlage des Gesetzes bildet. l r