Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-06-21. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 167, 1918-06-21. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 167 21. Juni 1918 ────────── Die Schlacht in Venetien. Heftigste Gegenangriffe der Italiener dlieden ohne Erfolg. — Südlich der Bahn nach Tlevifo wurden die Italiener weiter gegm Westen zurückgeworfen. Im Westen scheiterten feindliche Teilangriffe bei Albert, Nohon und Chateau Thierry. - Bei Seichepreh wurden den Amerikanern schwere Verluste zugefügt. ────────── Die Heeresberichte. ────────── WTB. Berlin. 20. Juni 1918, mittags'. Großes Hauptquartier: WrSiicher «ri« «sf»« »»la tz. Heeresgruppc des Gancralfeldmarfchalts Kronprinz Rupprecht von Bayern. Fast an der ganzen Front nahm die Tä­ tigkeit des Feindes am Abend zu. Das Ar« trlleriefeusr lebte auf. Starke Jnfanterieab» teilungen stießen in zahlreichen Abfhnitten ge­ gen unsere Linien vor. Sie wurden abgewie­ sen. Heeresgruppe des deutschen Kronprinzen. Erneute Versuche des Feindes nordwestlichj von Chateau Thierry Über den Clignonabschnitt vorzudringen, scheiterten in unserem Feuer. An %er übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit in mäßigen Grenzen. .Heeresgruppe b. Gattwitz Südwestlich! von Ornes wurden näcktliche Vorstöße des Feindes abgewiesen. Zwischen Maas und Mosel drangen eigene Sturmtruppen tief in die amerikanischen Stel­ lungen bei Seichepreh ein und fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Hauptmann Berthold errang seinen 36. Lujtsieg. 1. •eseralaotovtiemetien VvdeNLvrk?. WTB. Berlin, den 20. Juni, Amtli­ cher Abendberich;t: Nördlichl von Albert, südwestlich oonNoyon und nordwestlich! von Chateau Tierry sind feindliche Teilangriffs unter schweren Ver­ lusten gescheitert. Der deutsche Bericht. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 20. Juni, mittags. Amtlich wird gemeldet: Die Schlacht in Venetien dauert fort. Ter Feind erwiderte den Fall des größten Teiles der Piavefront durch! heftige, mit zäher Aus­ dauer geführte Gegenangriffe um unsere neuen Stellungen am Fossettakanal. An der Bahn Oderza—Treviso und auf dem Montello wurde erbittert gerungen .Am Montellogelände stei­ gerte sich mitunter der Kampf zur Heftigkeit der großen Karstschlachten; die Italiener trie­ ben ihre Sturmkolonnen stellenweise sechsmal vor. Großp Verluste zwangen den Feind zu regellofem Einsatz seiner Reserven, die er bis visions- und regimentsweise in den Kampf warst Alle seine Anstrengungen waren ver­ gebens. Tie Heeresgruppe des Feldmarschalls von Boroevic behauptete nicht nur restlos er­ kämpfte Linien, sondern warf mit den Divi­ sionen des Generals der Infanterie Baron Schariczer die Italiener südlich der nach Tre­ viso führenden Bahn weiter gegen Westen zu­ rück. Auch südöstlich, von Asiago lief der Italie­ ner abermals mit gleichem Mißerfolge wie an den Vortagen Sturm. Besonders rühmend wird in Truppen­ meldungen der Mitwirkung der Schlachtflie-, ger im Kampf- und AufWrungsdienste gedacht. Von unseren Kampffliegern errang Hauptmann Wrumowsky den 33. und 34., Oberleutnant von Linke-Grawfort den 25., Oberleutnant Fiala Den 23. Lustfieg. Ter Chef des Generalstabs. ────────── Strecken kann als entgangen angesehen werden, da bei der dauernden Bedrohung das Gebiet 1 direkt hinter der Front nicht mehr als Ernte- i gebiet zu betrachten ist. Damit ist die Abhän­ gigkeit der französischen Getreideversorgung vom Auslande von neuem perschärst worden. Tie Abhängigkeit ist umso peinlicher, als der UBootkrieg die reguläre Verschiffung von Ge­ treide nach Frankreich! unmöglich macht. ────────── Aus Rußland. Protest gegen den Verbleib englischer Schiffe in ruWlchicn Häfen. Tie Berl. Ztg. a. M. veröffentlicht den Wortlaut der Protestnote Tschitfchprins gegen das Verbleiben der englischen Schiffe in den nördliechn Häsen. Die Note hebt hevvor, daß Rußland zuerst noch gezögert habe, eine der­ artige Forderung zu erheben, später aber be­ reits mehrfach auf die Notwendigkeit hinge­ wiesen habe, dajß die englischen Schiffe die nördlichen Häfen. Tie Note hebt hervor, daß gendwelche Truppenabteilungen zu landen, würde energische Gegenmaßnahmen der Regie­ rung lervorrusen. Aber auch gegen oac- Ver­ bleiben von Kriegsschiffen kriegführenderStaaten in den nördlichen Häfen und Gewässern 'Rußlands legt der Volkskommissar für aus­ wärtige Angelegenheiten energischen Protest ein. All demselben Tage sei eine Note gleichen Inhalts dem amerikanischen und französischen Generalkonsulat in Moskau überreicht worden. ────────── Aus Finnland. Tie Aalanbsbefeftigungcn. Nach Londoner Meldungen verlautet, daß demnächst in Stockholm Verhandlungen zwismen Sä Weden, Finnland und Deutschland be­ ginnen, zum Zwecke, ein Abkommen über die Schleifung der Aalandsbefestigungen abzuschlie­ ßen. ────────── der Piave sei der Angriff stärker, aber der italienische Widerstand beschränke ihn auf einer großen Strecke längs des Flusses. Der Er­ folg des österreichischen Bovstohes gegen die Brückenköpfe von Fossalta und die Straße nach! Mestre und Treviso wird von dem Korrespon­ denten bestritten. Krieg bis zum Aeußcrstcn. Wie die Agenzia Stefan: meldet, unter­ breitete in d-r italienischen Kammer Raineri im Namer vor«. ’7ö Abgeordneten eine Tagesord­ nung, in der die Notwendigkeit einer rigorosen Kriegspolitik betont Fridrun war nicht er­ schienen. y Undines Herz klopfte heiß, wenn sie an Fridrun dachte. Alles drängte sie zu einer Aussprache mit der Frau, vor der sie einen unbezwinglichen Abscheu empfand, und mit der unter einem Dache weiter zu leben ihr eine Unmöglichkeit Uten, und doch warnte sie etwas vor einer Auseinandersetzung. Sie ist eine Krankv, hatte er Fridrun entschuldigt, rechten Sie nicht mit ihr, sondern ────────── Städtische Schwimmschule. 21. Juni 1918. Wassrr . 13 Grad C. Luft . . 14 Grad C ────────── Inserate. ────────── Der Krieg mit England. Heimschaffung Ausgetauschter statt Jnteri niernng. Reuter meldet: Im Unterhause erklärte Hope namens des Auswärtigen Amtes» daß die Zahl der ©teilen, die die niederländische Regierung für britische Kriegsbeschädigte und Zivilisten vorgesehen habe, erreicht sei. Tie Frage einer weiteren Ausdehnung gehöre zu den vielen, mit denen die britischen Unterhänd­ ler im Haag befaßt seien. Tie Angelegenheit werde durch, die Lebensmittellage in Holland schwierig gestaltet und es sei mögliche, daß,es sich als leichter herausstellen werde, sie durch eine unmittelbare Heimschaffung der Ausge­ tauschten als bunt, eine weitere Ausdehnung der Internierung zu lösen. ────────── Die Türkei im Kriege. I Tie Besetzung von Täbris. 1 Die Konstantinopeler Blätter betonen, daß 1 die Besetzung von Täbris und der Ufer des 1 Urmiasees keinen anderen Zweck habe, als die Bewegungen der Engländer in Nordpersien zu verhindern, die die türkische Armee im Kaukasus bedrohen und das Einslußgebiet Eng--: lands in der früheren russischen Zone auszu­ dehnen trachten. Ter "Tanin" verweist da­ rauf, daß es sich keineswegs unk ein Vorgehen gegen Persien handle, denn die Türkei gehe nicht auf Eroberungen aus. Tie türkische Ar­ mee schneide den Engländern wieder einmal den Weg ab, wie dies schon an den Dardanellen, in Mesopotamien und Palästina geschehen sei. ────────── lich, die Herabsetzung der zu erhebenden Ge­ bühren ,bie von der Regierung mit 3 vom 1000 in Vorschlag gebracht wurden auf 1 vom 1000 beschlossen worden. Na, tzdem nun inzwi­ schen die Herabsetzung der Weinsteuer von 20 vom Hundert auf 10 vom Hundert wieder rück­ gängig gemacht ivorden ist, sind bereits in der Getränke-Kommtssion Einwendungen erhoben inorben, dagegen» daß, die Weinsteuer heraufge­ setzt, der Börsenumsatzstempel aber nach, wie vor eine Ermäßigung erfahre. Es wird daher angenommen, daß, die Hinaufsetzung des Börscnum>atzstempels nach dem von konservatiper Seite gestellten Antrage aus 2 dom 1000 statt* , luden wird: darüber hinaus wird jür die Tauer des Krieges eine weitere Hinaussetzung geplant, um der von allen Seiten unliebsam empfundenen Börsenspekulation entgegenzutre­ ten. Rei ch lisch spät hat sich nun auch Oester­ reich entschlossen,, für die neue Ernte die Zwangsbewirtschaftung einzuführen. Aus die­ sem Beschlusse und den gegenwärtigen Verhält­ nissen in Oesterreich aber tonnen alle Gegner der Zwangsbewirtschastung bei uns sehen, wie notwendig diese für einen gerechten Ausgleich, der Lebensnotwendigreiten ist. Allerdings >mr während der Dauer des Krieges, denn darüber hinaus wird niemand der Zwangswirtschaft das Wort reden, der nicht an ihr besonders in­ teressiert ist. Ungarns Hilft. Nach, einer Badupester Meldung hat sich, die ungarische Regierung be­ reit erklärt, 1000 Waggon Frühkartoffeln und 1000 Waggon Hülsenfrüchte nach Wien zu lie­ fern. ────────── itekiSiiailH Xttirwa Arnstorf. 20. Juni. (Tödlicher Unsallh) Ter 50 Jahre alte Zimmerpolier Tuschl von Münchdorf stürzte bei einem Stadelbau vom Gerüste ab und starb an den erlittenen Verletz­ ungen. Niederpöring, 20. Juni. (Vom Tode des Ertrinkens gerettet.) Am 14. ds. scheute ein Ochse des Oekonomen Scheuerecker und ging mit dem beladenen Wagen durch. Auf der hart am linken Jsarufer entlang führenden Straße stürzte der Wagen um, ivobei dieDienstboten Martin Braun und Maria Gfchwandtner in die hochgehende Isar stürzten. Der Was­ serbauarbeiter Max Faltermeier von hier be­ obachtete den Unfall, entledigte sich; rasch sei­ ner Joppe und rettete schwimmend die be­ reits bewußtlos dahintreibende Gfchwandtner; Braun konnte sich, selbst retten. Landau a. 3., 20. Juni. (Bös eingegangen) ist eine Bauersfrau im nahen Vilstal, die ihrer Schmalzlieferpflich^ in keiner Weise nachkam. Ein netter fremder Herr wußte ihr durch schöne Worte und Geldversprechssn das Geheim­ nis herauszulocken, daß sie die glückliche Besitzerin eines größeren Schmalzhafens samt verkäuflichem Inhalt sei Freilich koste das Pfund 12 bis 15 Mark, aber das sei bei den heutigen Preisen nicht viel, andere zahlen noch, viel, viel mehr. Nach einigem Hin und Her war der Handel dahin fertig, daß der fremde Herr den Inhalt des Schmalzhafens (beiläufig 40 Pfund), die Bäuerin aber 1500 Mark be­ kommt. — Als der Herr später das Schmalz holen ließ, stellte sich, zum größten Schrecken der Bäuerin heraus, daß der "Vertrag" mit einem Polizeibeamten geschlossen wurde, der das Schmalz beschlagnahnrte. Vielleicht bekommt die Bäuerin gleichwohl ihre 600 Mark, wenn auch, als Geldstrafe. Es würde sogar eine kleine Aufbesserung nicht schaden. Und hof­ fentlich geht auch, noch manch anderes Mäuslein in die Fafte. Landau a. A, 20, Juntt (Ein neuer Ham­ stertrick.) Dem hiesigen Bezirksamt wurde ge­ meldet, daß Reisende die Hausfrauen aussuchen und ihnen gegen Abgabe von Lebensmitteln Mihsaden anbieten. Dieser Nähfaden ist aber nur auf ca. einen halben Meter aus Leinen, im übrigen aber aus Papier hergestellt. Rottal, 19. Juni. (Gräßlich verbrannt.) An schöneren Brandwunden, die sie beim Kochen mit Spiritus erlitt, starb im .Krankenhause zu Fürstenzell die Inwohnerin Anna Weber (Kriegersfrau) von Kleingern. Arnstorf. 20. Juni. (Tödlicher Unsallh) Ter 50 Jahre alte Zimmerpolier Tuschl von Münchdorf stürzte bei einem Stadelbau vom Gerüste ab und starb an den erlittenen Verletz­ ungen. Niederpöring, 20. Juni. (Vom Tode des Ertrinkens gerettet.) Am 14. ds. scheute ein Ochse des Oekonomen Scheuerecker und ging mit dem beladenen Wagen durch. Auf der hart am linken Jsarufer entlang führenden Straße stürzte der Wagen um, ivobei dieDienstboten Martin Braun und Maria Gfchwandtner in die hochgehende Isar stürzten. Der Was­ serbauarbeiter Max Faltermeier von hier be­ obachtete den Unfall, entledigte sich; rasch sei­ ner Joppe und rettete schwimmend die be­ reits bewußtlos dahintreibende Gfchwandtner; Braun konnte sich, selbst retten. Landau a. 3., 20. Juni. (Bös eingegangen) ist eine Bauersfrau im nahen Vilstal, die ihrer Schmalzlieferpflich^ in keiner Weise nachkam. Ein netter fremder Herr wußte ihr durch schöne Worte und Geldversprechssn das Geheim­ nis herauszulocken, daß sie die glückliche Besitzerin eines größeren Schmalzhafens samt verkäuflichem Inhalt sei Freilich koste das Pfund 12 bis 15 Mark, aber das sei bei den heutigen Preisen nicht viel, andere zahlen noch, viel, viel mehr. Nach einigem Hin und Her war der Handel dahin fertig, daß der fremde Herr den Inhalt des Schmalzhafens (beiläufig 40 Pfund), die Bäuerin aber 1500 Mark be­ kommt. — Als der Herr später das Schmalz holen ließ, stellte sich, zum größten Schrecken der Bäuerin heraus, daß der "Vertrag" mit einem Polizeibeamten geschlossen wurde, der das Schmalz beschlagnahnrte. Vielleicht bekommt die Bäuerin gleichwohl ihre 600 Mark, wenn auch, als Geldstrafe. Es würde sogar eine kleine Aufbesserung nicht schaden. Und hof­ fentlich geht auch, noch manch anderes Mäuslein in die Fafte. Landau a. A, 20, Juntt (Ein neuer Ham­ stertrick.) Dem hiesigen Bezirksamt wurde ge­ meldet, daß Reisende die Hausfrauen aussuchen und ihnen gegen Abgabe von Lebensmitteln Mihsaden anbieten. Dieser Nähfaden ist aber nur auf ca. einen halben Meter aus Leinen, im übrigen aber aus Papier hergestellt. Rottal, 19. Juni. (Gräßlich verbrannt.) An schöneren Brandwunden, die sie beim Kochen mit Spiritus erlitt, starb im .Krankenhause zu Fürstenzell die Inwohnerin Anna Weber (Kriegersfrau) von Kleingern. ────────── Bildhauerlehrling das Wachs wieder einknetet; der Abnehmer wird kaum viel Neigung haben, die Kosten dieses fite ihn ganz nutzlosen Ver­ fahrens auf sich zu nehmen. Auch die jetzt eingeleitete Ablieferung von Kleidern für die Rüstungsarbeiter — also für die Bestbezahlten, deren Einkommen das des Ablieferers nicht selten übersteigen wird - er regt manches Kopfschütteln. Man hält heute vielfach die Rüstungsarbeiter für die Haupt­ abnehmer der Garderobegeschäfte, weil sie von allen Zeitgenossen allein in der Lage sind, Bezugsscheine zu erhalten und zugleich, die Angchasfungsiosten zu erschwingen. Man erfährt nicht, ob vor dem Ausschreiben eine Bestand­ aufnahme bei den Rüstungsarbeitern stattgefun­ den hat und ob dabei der Bedarf wit der glei­ chen Strenge geprüft worden ist, die gegen ge­ wöhnliche Sterblich^ von den Bezugsscheinstel­ len angewandt wird. Da hiernach, nichL auf viel Gebelaune gerechnet werden kann, hat man die "freiwillige" Ablieferung durch Androhung eines "sanften" Zwanges gleiche zu einer Art Enteignung gestaltet. Man hindert dadurch den Sparsamen, während der fortdauernden und durch die Umsatzsteuer noch, zu steigernden Teuerung mit dem Vorhandenen hauszuhalten, und man treibt ihn gewaltsam der künftigen Kleiderspekulation als Abnehmer in die Arme. Zudem hat man dabei wieder die unglückliche Hand, den am schwersten zu treffen, der nicht gehamstert und das nach seiner Ansicht — wenn auch nicht nach der der Bekleidungs­ stelle — Entbehrliche schon für Flüchtlingshikfe und jähnliche wohltätige Zwecke weggeben hat. Also das gleiche alte Lied, wie bei der Bevor­ zugung des Gasverschwenders, denk man ebenso wie dem Sparsamen 80 v. H. seines vorjährigen 'Verbrauchs zubilligt, und des Gvldhamsters, Dem Heine nach jahrelanger Zurückhaltung von Goldmünzen für die endliche Ablieferung Prämien in Aussicht gestellt werden dürfen. Die Bestrafung der Loyalität wird nachgerade mit einer solchen SeIbstverfMudlichLe.it gehandhabt, Daß Ausrufe zu gemeinnützigen Zwecken und zu freiwilliger Einschränkung immer tauberen Ohren begegnen müUen; denn die Versicherung, daß das reine Strafe, sondern eine Mißhand­ lung aus purer Liebe sei, wird wohl den mei­ st«: nur ein geringer Trost fein. : Ter Mittelstand ist der Sozialdemokratie namentlich wegen feiner Sparsamkeit verhaßt, Mese Sparsamkeitsssiindschaft droht heute zum offiziellen Leitsätze der inneren Politik zu werden. . Ter von einigen Generalkommandos versuchte Sparzwang für jugendliche Arbeiter war ein hoffnungsvoller Keim zur Bildung neuer Mittelstandsschtchten. Er ist meist erstickt worden, weil die Sozialdemokratie kaum eine anbete Maßnahme mit der gleichen Leidenschaft! bekämpst hat. Ein sparender Arbeiter sündigt gegen ihr heiligstes Evangelium, weil er zeigt, daß er mehr als das Notdürftigste verdient. Tis Zunahme der Sparkasseneinlagen scheint zwar zu ergeben, daß ältere Rüstungsarbeiter dem ,,bourgeoisen" Spartrieb doch nicht immer wi­ derstehen sönnen. Aber ein Sparzwang für Jugendliche, die für ferne Familie zu sorgen haben, hätte natürlich, viel nachchgltiger wir­ ken müssen. Jetzt erzieht man diese zü einem besonders anspruchsvollen Proletariat, indem man ihnen gestattet, sich "auszuleben" und sie daran gewöhnt, die heute durchgebrachten Lbhne als das ihnen zum Schutz vor "Vsrel«rdung" gebührende "Existenzminimum" zu dstrachten. * Die Hoffnung, verarmt aus dem Felde zurückkehrenden Gewerbetreibenden wieder auf­ zuhelfen, wird immer trüber, je höher die Meichsßyuld steigt. Der sozialdemokratische Ab« scheu vor einer Kriegsentschädigung liegt des­ halb auf dem Wege zu dem Viel ihrer endgültiecn ProletanHierung. Daß die bisherige Kriegssteuerpvlitik den noch, nicht niedergebrochenen Schichten des Wit­ telstandes wenig günstig war, ist schon mehrfach ausgeführt worden. Auch, ihnen kann die letzte Stunde schlagen, wenn die von der Sozial­ demokratie geforderte Erbschaftssteuer für Ehe­ gatten und Abkömmlinge und das staatliche Kflichtteilsrecht am Nachlaß "Kinderloser und Kinderarmer" Gesetz werden. Diese sozialde- mokratische Forderung hat einen — den sehr verdienstlichen Anregungen Bambergers ent­ nommenen — berechtigten Kern, und sie ist schon wegen des Widerstandes der Konservati­ ven gegen die Erbschaftssteuer Pop übte. Um so größer ist hier die Gefahr der Uebereilung. Tie Erbschaftssteuer hat den weitestgehenden Einfluß aus die allgemeine Bevölkerungspolitik, und sie hängt in ihren Wirkungen aufs engste mit der Einkommen- und Vermögens­ zuwachssteuer zusammen. Man härt heute bis­ weilen von einer künftigen Einkommenssteuer bis zu 50 v. H. Legt man diesen hoffentlich! übertriebenen Satz für alle drei Steuern zu­ grunde, so ist die Versorgung der nächsten An­ gehörigen auch, für Vermögenslose mit ver­ hältnismäßig hohem Einkommen nahezu un­ möglich. Tenn wer von der Hälfte seines Ein­ kommens noch, etwas zurücklegt, dem wird davon alle drei Jahre wieder die Hälfte durch, Zu­ wachssteuer und schließlich von dem bei seinem Tode verbleibenden 'Rest noch die Hälfte Durch! Erbschaftssteuer oder staatliches Pflichtreilsrecht abgenommen. In diesem Schritte der Eichjternacher Springprozession läßt sich! dmch Rück­ lagen aus dem Einkommen kein neues Vermö­ gen erwerben und kein im Kriege verlorenes Vermögen ersetzen. Vermögen können sich dann von Zufällen abgesehen, kaum noch, auf an­ ständigem Wege bilden, und der Kampf der So­ zialdemokratie gegen alles Privatoermögen ge­ winnt damit die innere Berechtigung, die ihm bisher gefehlt hat. Die weitere Folge wäre voraussichtlich, die Vereitelung aller Maßnahmen zur Stärkung des Bevölkerungszuwachses. Es ist nichL im Sinne der Sozialdemokratie, aber doch! ein au^i inArbeiterkreisen immer häufiger anzutreffendes Arbeiterkreisen immer 'häuftger anzutreffendes Zeichen von Verantwortungsgefühl, daß pie« mand seine Kinder in schlechteren als den eigeneu Verhältnissen zurückzulassen wünscht, daß z. B. ein Beamter feine Tochter ni|i;(t in die Fabrik schicken mag. Tie Sorge um die Zukunft der Kinder ist ein sehr ernstes Problem und darf nicht mit den iib%f)(en Phrasen über "Ge­ nußsucht" u. dergl. abgetan werden, die an Oberflächlichkeit und Schnoddrigkeit nichts zu wünschen lassen. Auch! die Gleichstellung der Kinderlosen mit den "Kinderarmen", die nicht mindestens vier Kinder haben, ist nicht errtffc zu nehmen. Für die Bevölkerungspolitik find wenig Kinder besser als keine, und der Schluß von Dem schwer reichen alten Junggesellen im Klubsessel auf den mittleren 'Beamten mit 3000 Mark Gehakt und drei unversorgten Töchtern ist eine grobe Frivolität. Eine Stsurrpolitik, die es unmöglich, macht, Kinder in auskömmlichen Verhältnissen zu hinterlassen, schreckt nicht, nur den "Genußsüchtigen", sondern vor allem Den mit Verantwortungsgefühl Begabten von jeder Heirat ab, und eine erst bei Dem vierten Kinde beginnende Steuererleichterung st völlig nutzlos, weil sie die Proietarisierung der Kinde« nicht hindern kann. Reformen der Einkommensteuer müßten deshalb zu einer Ab­ stufung nach, der Zahl der unversorgten Fam-ilienmitglieder — nicht nur der Kinder unter 14 Jahren führen. Äie Zuwachssteuer mühte nach der Zahl der erbberechtigten Ehefrau und Abkömmlinge abgestuft werden. Ehegatten und Abkömmlinge sollte man Mt der Erbschaftssteu­ er ganz verschonen, allermindestens bei der Vererbung von Rücklagen aus dem Einkommen des Vaters: dieser hat von seinem Arbeitser­ träge durch die Einkommens- und Zuwachssteuer — abgesehen von indirekten Steuern — schon bei Lebzeiten genug an Staar und Gs» meinde abgeführt; man "lasse ihn also ohne die Sorge sterben, daß er die Seinen trotz aller Wiche um Ihr Ausöommen als Bettler zurück­ lassen müßte! Di« Erbschaftssteuer und das staatliche Pfkichtteilsrechjt können auch ohne das ein­ träglich gestaltet wenden, wenn man ste gegen­ über entfernteren Verwandten schärfer an­ zieht. Die verfthlte Regelung des BGG., das auch den entferntesten Verwandten noch, vor dem Staat zur gesetzlichen Erbfolge beruft, wird natürlich die längste Zeit bestanden ha­ ben. Man sollte mit der Erbschaftssteuer bei der zweiten Ordnung (<$ttem ( Geschwister und deren Abkömmlinge), mit einem gesetzlichen Erb­ recht und Pflichtteilsrecht des Staates bei hpr dritten Ordnung mit Ausnahme von Großel­ tern (Abkömmlinge der Großeltern) beginnen und die entfernteren Ordnungen mit Ausnahme noch lebender Voreltern ganz von der gesetz­ lichen Erbfolge ausschließen. Ter Pflichtteil des Staates könnte von der vierten Ordnung ab sogar die Hälfte des Nachlasses übersteigen; nur sollte man es Familienstiftungen gegen­ über bei der Hälfte bewenden lassen. Bei einer solchen Regelung dürste der Staat ohne die von der Sozialdemokratie gewünschte, von den Konservativen gefürchtete Untergrabung des Zusammenhaltens der weiteren Familie durchaus zu seinem Rechte kommen. , Unter allen Umständen ist dem von der Sozialdemokratie geforderten staatlichen Pslichtjxilsrecht am SfachLaß "Kinderarmer" zu wider­ sprechen. Der Mittelstand war wohl bisher int Durchschnitt kinderreicher als die großstädtische Arbeiterschaft. Eine Steuerpolitik, die seine Kinder der Proletavisierung ausliefert, wird ihm nicht nur die Sparsamkeit, sondern auch den Kinderreichtum abgewöhnen. Ob stich, dann an seiner Stelle die Soizaldemokrati« und die neue Plutokratie unter die Kinderreichen be­ geben werden, bliebe doch, wohl abzuwarten. ────────── Letzte Posten. Bleue B»t9»ei*erfwl8e, WTB. Berlin, den 20. Juni. (Amtlich.) Das unter dem Kommando Des Kapitänleut­ nants Middendorf stehende U-Boot versenkte vor dem Westausgang des Kanals und an der englischen Westküste 4 Dampfer mit zusammen 19 000 Vrutto-Registertonnen. Ter Chef des Avmiralstabes der Murine. Clcmcnceans wankerche Stellung. Berlin, 21. Juni. Die Blätter melden, daß ClemenceauS Bemühungen, Briand und Barthou zum Eintritt in sein Kabinett zu be­ wegen, gescheites seien, weil beide abgelehnt hätten. Man spricht wieder vom Sturze Clentenceou§.% Briand und Barthou rivalisieren um die Ministerpräftdentschaft. Ihre Eini­ gung zu einem gAneinfamen Kabinett sei je­ doch! nicht ausgeschlossen, um den Dritten aus dem Felde zu Würgen. Die amerikamfche "Freiheit". Kökn, 20. 3uni. Wie die "Kvlm Ztgt" erfährt, haben 100 000 in den Vereinigten Staaten von Amerika lebende Russen eine Ein­ gabe an die amerikanische Regierung gerichtet, worin sie um die Erlaubnis zur Rückkehr nach! Rußland bitten, um dort beim Wiederaufbau des Landes mitwirken zu können. Diese Bitte ist von der amerikanisthM Regierung abge­ schlagen worden tritt der Begründung, daß dje Gesuchsteller erst ihrer militärischen Verpflich­ tung nachkommen müssen. Es wird berichtet, daß eine zwangsweise Einziehung in die ame­ rikanische Armee in allernächster Zeit in Frage komme. Eine große Anzahl russischer Juden ist nach Kan«da geflohen, not so einer zwangs­ weisen Einziehung in die amerikanische Armee zu entgeh«!. Hiezu bemerkt die "Köln. Ztgj.": Diese «Nach,richt beweist flarer als alle ameri­ kanischen Redensarten, tote es in Wirklichkeit um die amerikanischen Interessen für Rußland steht. Tie Tscheche-Slowaken in Omsk. Moskau, 20. Juni. (Reuter.) Die Tschecho-Slowaken haben gestern gemeinsam mit den Kosaken Omsk genommen und den Sowjet­ truppen schwere Verluste zugefügt. Ein holländischer Tampfer gestrandet. Amsterdam, 20. Juni. Ein hiesiges Blatt meldet aus Rotterdam, daß der holländische Dampfer "Meor", 3551 Br.--Reg>To., bet < Halifax strandete. Der Dampfer gehörte zu i den von Amerika requirierten Schiffen. t ────────── größten Nesselanlieferungen kommen, erhal­ ten Nesselmarkmehl, ein von Sachverständigen sehr günstig beurteiltes Viehfutter, ebenfalls als Prämie zugeteilt. Besonders die Jugend wird mit Unterstützung der Lehrerschaft zu ei­ nem glänzenden Sammelergebnis wesentlich bei­ tragen können, sie wird auch, diesmal nicht versagen, wo es sich, um die Bekämpfung der größten Sorge nach jener um die Ernährung, nämlich der um die Bekleidung handelt. Aoer auch Erwachsene, die irgend dazu in der Lage sind, dürfen nicht hinter dem Eifer derKinber zurückstehen. Wenn alles zusammenhilft, wird das Ziel erreicht werden, die unbedingt nötigen Spinnsasermengen zu beschaffen. Tie Lage ist ernst; darum zaudere keiner, sondern helfe mit! Alles Nähere über die Ablieferung und Uebernahme der gesammelten Nesseln ist zu erfahren beim gemeindlichen Ortsvertrauens­ mann, welcher die Ortssammelstelle inne hat, oder beim Bezirksvertrauensmann. Die Namen nennt der Bürgermeister oder das Bezirks­ amt. Ebenso erteilt alle Auskünfte die Bayer. verhelfen, zu neuer Tatenlust, wir wollen sie Messelstelle München, Fürstenstr. 22. ihren Famrlren wieder zurückgeben, wollen ih­ nen zeigen, rote die Heimat für ihre besten Söhne sorgt. Keiner wird kargen, keiner wird zögern, jedes Opfer, sei's auch noch, so gering, muß gebracht werden. Jeder muß das erhebende Bewußtsein haben: Auch du hast dazu geholfen, daß unsere besten Söhne wieder Glück und Heim, Arbeit und Lebenslust fanden! Darum kein Zögern, kein Bedenken, helft der Luden­ dorss-Spende und sagt so den Männern, die ihr Bestes verloren haben, euren schlichten Dank. fWNiederbayern" vom 12. Juni enthalten ist. Lokales. Laadshut, Den 21. Juni —* Erzbischof Dr. v. Faulhaber von München kommt am nächsten Sonntag abends 6 Uhr 55 Min. per .Bahn fhier an. Er wird dm Bahnhof von den städt. Behörden empfangen und Zur Stadt g eleitet, wo er an den folgenden Tagen das Sakrament der Firmung erteilt. —*Die Silberne Hochzeit konnte Herr Polizeioberwachtmeister Farnbacher mit Gat­ tin Therese im Kreise feiner Familie unter Anwesenheit seines aus dem Felde heimgekehr­ ten Sohnes feiern. * Die Spezialkassentagebücher für den Monat Mai lassen einen Kreditsaldo der Stadt bei der K. Bank in der Höhe von 399086.47 Mark ersehen. - * Kriegsteuerungszulagen. Ter Staat hat durch Verordnung vom 23. und 27. März seinen Beamten Kriegsteuerungszulagen geivährt Daraufhin haben sich> die städt. Be­ amten an den Magistrat gewandt mit dem Ersruhen um Genehmigung der gleichen Zulagen Tie Beamten haben nach. dem Gesetze das Reicht, dies zu verlangen Tie neuen Zulagen erfor­ dern die Summe von 54 771,25 Mark für den Rest dieses Jahres, so daß jetzt mit den seither geivährten Zulagen eine jährliche Ausgabe von 133 000 Mark erforderlich ist Tie Angelegen­ heit stand gestern im Gemeindekollegium zur Beratung und der Referent, Herr G--B-Straub, empfahl im Namen des Finanzausschusses die Annahme. Er betonte hierbei, daß, er nur wünschen möchte, daß die Verhältnisse recht bald wieder andere werden, denn schließet, leiden auch. andere Kreise unter dem Kriege, besonders der Gelverbestand, dem aber nie­ mand helfe, dem im Gegenteil die Arbeit noch recht erschwert werde. Tie Kosten der neuen Zulagen sollen aus den Erübrigungen des Jah­ res 1917 bezahlt werden. Herr Borstand Fahrmbacher Betonte, daß, die Festbesoldeten auch sehr unter der gegenwärtigen Teuerung leiden. Das Gemeindekollegium habe es me daran fehlen lassen, den städt. Beamten entge­ gen zu kommen, so daß, sie ein standesgemäßes Einkommen beziehen. Das Kollegium tue dies heute und werde dies svieder tun, wenn es auch eine einschMidende Maßnahme sei, die, lvenn die Ueberschüsse nicht mehr vorhanden sind, eine Umlagenerhöhung von 40 Prozent erfordere. Wenn dies Heuer noch nicht zum Ausdruck komme, so verdanken wir dies den Leitern unserer Werke, welche die Einnahmen ihrer Werke hinaufgebracht haben. Es sei eine dringende Notwendigkit, daß, diese Zulagen geivährt werden und es seien leider nicht die letzten. Herr G-B. Ettenkofer fügte an, das Kollegium möge sich diese Verhältnisse stets vor Augen halten, wenn die Leiter der Werke mit Anträgen aus Erhöhung der Gebühren an das Kollegium herantreten. Wenn die Ge­ meindeumlagen zu stark erhöht werden müssen, dann dürfe sich, Landshut nicht träumen lassen, daß, sich hier eine Industrie ansiedeln werde. Tie Zulagen wurden sodann einstimmig ge­ nehmigt. - * Die städ t. Arbeiter haben ebenfalls durch den Verband der Gemeindearbetter und Straßenbahner an den Stadtmagistrat die Bitte um Erhöhung der Teuerungszulagen gerichtet und zwar schlugen sie pro Tag 1 Mark für Ar­ beiter und 60 Pfg. für Arbeiterinnen vor. Außerdem verlangten sie für die im Stadtbau­ amt beschäftigten Arbeiter die Bildung eines Arbeitsausschusses im Sinne des Hilfsdienstgesetzes, Gewährung eines Urlaubs und Nach­ zahlung der für den Ostermontag nicht bezahl­ ten Teuerungszulage. Bisher wurden bereits 60 Psg. und 10 Pfg. pro Kind Zulage gewährt und der Grundlvhn auf 40 Psg. erhöht, so daß die Löhne sich. einschfteWch der Zulagen zwi­ schen 3.60 Mark und 5.20 Mark bewegten^ Ter Bauausschuß schlug unter Berücksichtigung der bereits gewährten Erhöhung des Grundlohnes und der bisherigen Zuschläge von 40 und 60 Psg. eine Erhöhung der Zuschläge auf 80 Pfg. bezw. 1.20 Mark vvtt Ebenso soll Urlaub abgestuft je nach, Dienstzeit gewährt werden. Tie «Erhöhung der Zulagen erfordert eine Summe von 12 700 Mark, die beim Bauamt auf das Konto Kriegswohlfahrtspslege, bei den ande­ ren städt. Betrieben aus etatsmäßige Mittel ge­ nommen werden. Auch, diese Zulagen wurden gestern vom Gemeindekollegium einflimwig ge­ nehmigt. —* Durch Kauf ging um den Preis von 90 000 Mark das Oekonomiegut in Hackendorf bei Psefsenhausen des Herrn Viehhändler Mich. Ruhland hier an den Landw. Verein Strau­ bing über. - * Ludendorss-Spende. Tie letzte Juniwvche gehört den Kriegsbeschädigten! Tie Parole dieser sieoen Tage heißt: LudendorffSpende! Es ist eine Dankeswoche. Tank sei ih­ nen, die ruhmreich, heimkehrten, dank ihnen, die uns ihre Gesundheit opferten! Nicht aus Mitleid geben wir, denn sie wollen und brau­ chen unser Mitleid nicht, sondern aus dem bewegtesten Dankgefühl für ihre großen Ga­ ben, die wir ihnen nur schlecht ersetzen kön­ nen. Wir wollen ihnen zur neuen Gesundheit verhelfen, zu neuer Tatenlust, wir wollen sie ihren Famrlren wieder zurückgeben, wollen ih­ nen zeigen, rote die Heimat für ihre besten Söhne sorgt. Keiner wird kargen, keiner wird zögern, jedes Opfer, sei's auch noch, so gering, muß gebracht werden. Jeder muß das erhebende Bewußtsein haben: Auch du hast dazu geholfen, daß unsere besten Söhne wieder Glück und Heim, Arbeit und Lebenslust fanden! Darum kein Zögern, kein Bedenken, helft der Luden­ dorss-Spende und sagt so den Männern, die ihr Bestes verloren haben, euren schlichten Dank. Und helft schnell, schnell und heute noch. - * Der Po rtrag des Herrn Fliegerleut­ nants Lippe heute abends im Leiderersaal kann infolge Zugsversäumnis erst um 9 Uhr begin­ nen. —* Magdale neu heim. Tie von Herrn Armenrat G^B. Bücherl angeregte Umänder­ ung des Namens Armenhaus in "Magdalenenheim" wurde gestern vom Gemeindekollegium erinrteru ngslos gutgeheißen. — * Bei d er Wirt^chaftsstelle Lands­ hut können Gesuchsteller nur am Mittwoch, und Freitag empfangen werden. Außerdem stehen zum Parteiverkehr die auswärtige» Amtstage zur Verfügung. * Das Wohltätigkeit-konzert der Musik des 22. Jnfanterie-Regts., das borge# ftcrr in der Jägerhafte stattfand, hatte einen feit langem nicht gesehenen Massenbesuchs Tie Darbietungen der Musik unter Herrn Musik­ meister Gauls Leitung waren gut gewählt und ,s inabgestust durchgeführt. Die Zuhörer gaben ihrer Befriedigung durch oftmals nicht enden woftenden Beifall Ausdruck, für den die Musik durchs mehrere Einlagen dankte. —* Der Viktualienmarkt war heute nur mit jungen Hühnern, Hähnen und Gänseu mit Gemüse und Blumenpftanzen und einigen Teesorten bestellt. An Erdbeeren ist die Zufuhr stark zurückgegangen. Ter Hasenmarkt war nur mittelmäßig beschickt. —* SammeltBre nnesseln! Tie Ernte­ zeit für die Brennesseln ist gekommen! Tie große, wildwachsende Brennessel soll, wenn sie abgeblüht hat und Mindestens 60 Zentimeter lang ist, gesammelt werden. An die Bevöl­ kerung von Stadt und Land, an Jung und Alt, wird die dringende Bitte gestellt, kräf­ tigst mitzuhelfen, daß die Brennesseln möglichst vollzählig gesammelt werden. Tie Brennessel enthält eine ausgezeichnete Spinnfaser, welche uns die fehlende Baumwolle ersetzen muß und und kann. Webwaren (z. B. Hemden, Strümpfe, Bettwäsche, Oberfteider usw.) und Nähfaden kverden aus der Nesselfaser in bester 'Beschaf­ fenheit hergestellt. Wer Brennesseln sammelt, trägt daher zur Minderung der Bekleidungs­ not bei. Das Sammeln ist eine lohnende Be­ schäftigung. Für 100 Kilogramm getrocknete, entblätterte Nesselstengel werden 28 Mark be­ zahlt; außerdem werden die Blätter, ein hoch­ wertiges Futtermittel um 30 Mark für 100 Kilo augekauft Besonders eisrigen Sammlern soften außerdem Nähsaden in bestimmten Men­ gen als Anerkennungsprämien gewährt wer­ den Die Kommunalverbände, aus welchen die