Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-06-07. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 153, 1918-06-07. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Mai über 55000 Gefangene, mehr als 650 Geschütze, weit über 2000 Maschinengewehre er­ beutet. — Andauernde Artillerietätigkeit an der italienischen Front. ────────── Die Heeresberichte. Der deutsche Heeresbericht. WTB. Berlin, 6. Juni 1918, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. ♦ Heeresgruppe ves Oeneralfcl-marschatls Kronprinz Rnpprecht von Bayer« Artillerietätigkeit wechselnder Stärke; mehrfach brachten Erkündungsgefechte Gefan­ gene ein. 1 1 Heeresgruppe des deutschen Kronprinzen. An der Schlachtfront ist die Lage unver­ ändert. i Oertliche Kampfhandlungen westlich von Pontoiso, nördlich der Aisne und im 'Savieregrund brachten uns in den Besitz feindlicher Erdwerke und <$ näßen. Ter Artilleriekampf war vielfach lebhaft. i Chateau Thierry lag unter anhaltendem Zerstörungsfeuer der Franzosen. ; Tie Beute der Heeresgruppe "Teutscher Kronprinz" seit 27. Mai beträgt nach bisheri­ gen Feststellungen: mehr als 55 000 Gefangene, darunter über 1500 Offiziere, mehr als 650 Geschütze und weit «der 2000 Maschinengewehre. In den beiden letzten Tagen wurden 46 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone zum Absturz gebracht. Tas Jagdgeschwader Richt­ hofens schoß gestern 15 feindliche Flugzeuge ab. Hauptmann Berthvld und Lt. Mettkhosf errangen ihren 31., Lt. Löwenhardt feinen 27., Lt. Udet seinen 26. und Lt. Kischein seinen 27f. und 22. Luftsieg. Der 1. GerreralauartiermeMerr fca«i>eBDoef}. WTB. Berlin, den 6. Juni. Amtlicher Abendbericht: An der Schlachtfront örtliche Kämpfe nörd­ lich von Chateau Thierry und an der Ardre. ────────── Der österr.-ung. Bericht. WTB. Wien, den 6. Juni, mittags. — Amtlich wird gemeldet: An der Tiroler und Piäoefront andauern­ de Ärtillerietätigkeit. Ter Chef des Generalstabes. ────────── 3sie Stimmung in Paris. Bezeichnend für die Stimmung in Paris ist der außerordentlich starke Verkehr des Publi­ kums mit den Stahlkammern der Banken, sodaß ein Bankinstitut die Offenhaltung der Stahlkammern für den Samstag Nachmittag verfügte. Ter "Temps" tritt angesichts der unberechenbaren Verhältnisse dafür ein, daß alle Banken den Zutritt zu den Stahlkammern am Samstag Nachmittag verfügen. Französischer Generalsnachwuchs. Französische Offiziere, die zur Zeit Josfres Bataillone befehligten, wurden bei den jüngst notivendig gewordenen Neubesetzungen französischer Kommandvstellen zu Tioisionären befördert. Unter den Armeekorpzchess sind einige, die bei Kriegsausbruch noch Obersten­ rang hatten. s, ; Zur militärischen Lage im Weste«. Ter Militärkritiker des Berner "Bund" bespricht den Uebergang der Kämpfe im Westen vom Stellungskrieg zur Bewegungsschlacht. 211=* les läuft (für die Franzosen) auf die Behauptung der Linie Amiens—Mvntdidiev—Compiegne—Soissons hinaus. Noch ist diese durch den Eindruck zwischen Soissons und Reims so ge­ fährdet, daß Compiegne bereits von Nohon imb Villers Eotteret bedroht erscheint. Da­ raus erklärt sich auch die Hartnäckigkeit fran­ zösischer und amerikanischer Truppen, ihre Stellungen am Qurcq und vor Soissons zu verteidigen. Diese verteidigen hier sticht nur die Nordostfront von Paris sondern sichern auch den Zusammenhalt der durchlaufenden eng­ lisch-französischen Cordonstellung, die ver­ knüpft bleiben muß, da sonst die ganze Nordfront von Compiegne bis zum Aermelkanal von der Mittelfront an der Aisne und Marne abgerissen wird. Tie Deutschen behandeln die Schlacht zwischen 'Soissons und Chateau THierr h noch als Angriffsschlacht, dp hi läßt sieh nicht sagen, wie lange dies der Fall sein wird. Tiie Entwicklung hängt von den Beständen ab, die von beiden Seiten ins Feuer geworfen werden. Lite Deutsche Heeresleitung wird ohne Zweifel darnach trachten, sich, die Handlungs­ freiheit zu bewahren, um den drei großen Of­ fensivstößen einen vierten folgen zu lassen, während oie französische Heeresleitung bestrebt bleiben muß, eine neue feste KaMpslinie zu bil­ den und nicht daraus 'verzichten darf, den Ver­ such zu machen, die Initiative wieder in ihre Hand zu bekommen. Da Reims immer wehr umfaßt wird, seit der Brückenkopf von 'Cha­ teau Thierrh am 1. Juni in deutsche Hand fiel, und Soissons für die Franzosen verloren ging, sind Fochs Aussichten für die Wieder-; Herstellung der Lage sehr trübe. 3fte Bedrohung von Paris. Bern,'6. Juni. Täs "Berner Jntelligenzblatt" meldet: Französische Meldungen ge­ ben zu, daß deutsche Truppen sich dem Ostrand des großen Waldes ton VilleM-Cotterets ge­ nähert haben. Sie sind damit nur mehr 20 Kilometer ton dem Orte Betz entfernt, der in ton ersten Septembertagen 1914 das südlichste Hauptquartier des Generals Kluck gewesen war. Tie deutschen Vortruppen stehen heute außer­ dem nur mehr 55 Kilometer von den äußersten Ostsorts von Paris entfernt. Vom westlichen Kriegsschauplatz. ────────── Russisch-deutsche Friedenskonferenz. Tie ton Tschitscherin angeregte Konferenz zur Revision des Brest-Litvwsker Friedens, der deutscherseits sofort zugestimmt wurde, wird, sicher in Berlin stattfinden. Tschitscherin hatte als Ort der Konferenz ursprünglich Moskau vorgeschlagen, hat aber setzt den deutschen Ge­ genvorschlag, wonach die Konferenz in Ber­ lin stattfinden soll, angenommen. Rußland protestiert. > Nach Blättermeldungen aus Moskau rich­ tete Tschitscherin an Lockhart, den diplomaü-! scheu Vertreter Großbritanniens in Petersberg einen scharfen Protest gegen die neuerdings wieder aufgenommene Zwangsaushebung rus­ sischer Untertanen für die englische Armee. Tjie Protestnote betont, daß die britische Regierung bei dieser widerrechtlichen Maßnahme im Ein-, Verständnisse mit den alten Vertretern der rus­ sischen Regierung handelt, die schon lange nicht mehr besteht und heute nur noch die Triebkraft der gegenrevolutiouären Bewegung ist. Tiie Grundsätze und die politische Lage der rufst-, scheu Sowjetrepublik verlangen absolute Neu­ tralität im Weltkriege. \ Aus Rußland. ────────── Rußland protestiert. > Nach Blättermeldungen aus Moskau rich­ tete Tschitscherin an Lockhart, den diplomaü-! scheu Vertreter Großbritanniens in Petersberg einen scharfen Protest gegen die neuerdings wieder aufgenommene Zwangsaushebung rus­ sischer Untertanen für die englische Armee. Tjie Protestnote betont, daß die britische Regierung bei dieser widerrechtlichen Maßnahme im Ein-, Verständnisse mit den alten Vertretern der rus­ sischen Regierung handelt, die schon lange nicht mehr besteht und heute nur noch die Triebkraft der gegenrevolutiouären Bewegung ist. Tiie Grundsätze und die politische Lage der rufst-, scheu Sowjetrepublik verlangen absolute Neu­ tralität im Weltkriege. \ Aus Livland. Kurland und GMavd. Neuer ReichsksmUrissar siir Kurland und Litauen. Berlin, 6. Juni. Amtlich. Zum Reichs­ kommissär für Kurland und Litauen wurde an Stelle des ausgeschiedenen Ministerialdi­ rektors Tv. Gras von Kayerlinger der Verwaltungsches beim Oberbefehlshaber-fOst, Unterstaatssekretär Frhr. von Falkenhausen ernannt. Ter Reichskommissar untersteht dem Staatssek­ retär des Innern. Pockencrkrankuugcu in Livland und Estland. In den letzten Monaten wurden, wie die "Baltisch-Litauischen Mitteilungen" berichten, aus allen Teilen Livlands und Estlands Pockenerkranknngen der Zioi'.bevölkerung gemeldet. Ta die Krankheit in vielen Fällen einen unglückli­ chen Verlauf genommen hat, mußte bei der großen Ansteckungsgefahr der Ausbruch einer allgemeinen Seuche befürchtet werden. Um eine weitere Verbreitung nach Möglichkeit zu 'verhindern, ist für die nächste Zeit eine allge­ meine Schutzimpfung angeordnet worden. Neuer ReichsksmUrissar siir Kurland und Litauen. Berlin, 6. Juni. Amtlich. Zum Reichs­ kommissär für Kurland und Litauen wurde an Stelle des ausgeschiedenen Ministerialdi­ rektors Tv. Gras von Kayerlinger der Verwaltungsches beim Oberbefehlshaber-fOst, Unterstaatssekretär Frhr. von Falkenhausen ernannt. Ter Reichskommissar untersteht dem Staatssek­ retär des Innern. Pockencrkrankuugcu in Livland und Estland. In den letzten Monaten wurden, wie die "Baltisch-Litauischen Mitteilungen" berichten, aus allen Teilen Livlands und Estlands Pockenerkranknngen der Zioi'.bevölkerung gemeldet. Ta die Krankheit in vielen Fällen einen unglückli­ chen Verlauf genommen hat, mußte bei der großen Ansteckungsgefahr der Ausbruch einer allgemeinen Seuche befürchtet werden. Um eine weitere Verbreitung nach Möglichkeit zu 'verhindern, ist für die nächste Zeit eine allge­ meine Schutzimpfung angeordnet worden. ────────── Der Krieg mit Italien. Römische Räubereien. ' I Das k. preußische historische Institut in 9tom, das deutsche Lunsthistorische Institut in Florenz, die deutsche Schule in Rom, das Friedländersche Vulcaninstitut in Neapel (nebst Wohnhaus) sind beschlagnahmt worden. Nach den allgemeinen -völkerrechtlichen Grundsätzen genießen derartige -nftitute, deren Errungen­ schaften in der Hauptsache allen Kulturvölkern zugute kommen, einen besonderen Schutz der Haager Landkriegsordnung ton 1907, wie dies auch in Artikel 56 ausdrücklich festgelegt ist. Nach ckmtlichen italienischen Erklärungen ist auch eine Verschleppung des größten Teiles des unersetzlichen wissenschaftlichen und künst­ lerischen Schatzes, den diese Anstalten bergen und seine Verteilung in italienischen Institu­ ten in 'verschiedenen Städten verfügt worden. Bon der italienischen Front. Basel, 6. Juni. Tie Kriegsberichterstat­ ter an der italienischen Front melden, daß der Feind unausgesetzt neue Truppenbestände an diese Front heranziehe, so daß die in Frank-, reich tobende Schlacht in näljster Zeit sich bis an die Piave erstrecken werde. Tie Stim­ mung unter den italienischen Truppen sei aus­ gezeichnet. ────────── Aus Rumänien. Aa; Maien. Rumäniens Einkehr. Gazette Bucurestilor bringt einen Artikel über den finanziellen Zusammenbruch Rumä­ niens, in dem Maßnahmen angeführt sind, die, getroffen werden sollen, um die Finanzlage des Landes wieder zu heben. TerArtikel schließt: Auch unserer auswärtigen Politik wird man eine andere Richtung geben müssen. Tiie letz­ ten Erfahrungen lehrten uns, daß unsere ein­ zige natürlich Verbindung ein Bündnis mit. den Mittelmächten ist. Nur sie bringen unserem Lande das für ein Bündnis nötige Interesse entgegen und wir haben ein Interesse darauf ihnen unsere Freundschaft anzutragen. Die zum Wiederaufbau unseres Landes nötige wirtschaft-! liche Unterstützung können wir nur bei den Mft-j telmächten finden. Tire Länder der Entente fan­ den nicht die Möglichkeit, uns zu helfen und werden sie auch nie haben, selbst wenn wir annehmen ,datz sie sich wirtschaftlich! oder po­ litisch dazu veranlaßt fühlen sollten. Indem wir das natürliche Bündnis, das durch Bratianu gebrochen wurde, wiederherstellen, wer­ den wir zu den inneren Mitteln für die fi­ nanzielle Reorganisation die sehr wertvolle ausländische Unterstützung hinzufügen. ' ────────── Das Auftreten griechischer Streitkräfte. 1 Echo de Bulgarie erörtert die grtedjftsC scheu Angriffe auf das Lumnie-Plateau und er­ klärt: Tier müsfige, man möchte sagen skan­ dalöse Streit um die Frage, ob Griechenland im Kriege sei, muß aufhören. Am Wardaruser fallen Bulgaren und Teutsche Seite an Seite, von griechischen Kugeln getroffen. Griechisch^ Tiivisionen, von der Entente ausgerüstet, grei­ fen die von Teutschen und Bulgaren gemeinsam erbauten und verteidigten Stellungen an. Wenn das kein Feind ist, muß man eine neue Tiesinition und eine neue Formel für den Krieg suchen. Tiie Kämpfe in Mazedonien sind eine Ergänzung der Kämpfe an der Westfront. Bulgarien gegen Griechenland. Sofia, 6. Juni. Ministerpräsident Radoslawow sagte in einer Unterredung: Wir haben einen Vertrag mit den Verbündeten ge­ schlossen, wonach wir, falls wir ohne unser Zutun mit Griechenland zum Kriege gelangen sollten, ein Anrecht aus alle jene Gebiete ha­ ben ,die uns Griechenland 1913 im Bukarester Frieden entriß. Wir werden also, da dieser Fall eingetreten ist, mit Einwilligung der Ver­ bündeten unsere Anrechte auf Seres, Trama, Kavalla und alle anderen durch das Bukarester Unrecht ton 1913 an Griechenland übergegan­ genen Gebietsteile geltend machen. , Am Balkan. ────────── Irlands Haß gegen England. "Es ist selbstverständlich", schreibt die Am­ sterdamer Zeitung "Het Nieuws van den Tag" vom 22. Mai, "daß die Iren, die als ungefähr einziges,was England ihnen gelassen hat, den Haß gegen alles, was englisch ist, ton Geschlecht zu Geschlecht vererbt haben, sich heftig dagegen auflehnen, daß England seine Hand aus die besten Kräfte des Volkes legen und die Tlienstpflicht auf Irland ausdehnen will. Allerdings hat der englische Premierminister zugesagt, daß die Einführung der Homerule vorangehen soll. Aber die Iren sehen ihre Forderung einer Selbstverwaltung einfach als ihr Recht an. Sie find ein selbständiges Volk. Sie 'verlangen als solches angesehen zu werden. Sie verlangen die ihnen zustehende Freiheit. Aber sie wol­ len sie nicht dadurch erkaufen, daß sie Solda­ ten an England geben. "Ich will die Blüte der irischen Jugend", sagt Lkoyd George, "und ich werde Irland Homerule geben". Aber die Iren verlangen ihre Selbstverwaltung beding­ ungslos. Welchen Grund hätten außerdem die Iren, um für England gegen Teutschland zu kämpfen? Sie glauben nicht an Englands Auf­ richtigkeit, was die Losung der Selbstbestim-, mung der Völker angeht, und das ist vom iri­ schen Standpunkt aus sehr begreiflich. Sie has­ sen die Engländer ,aber sie hassen die Teutschen nicht". Ans neutralen Lindern. I Englisch-schwedischer Zwisschjenfall. I Nach schwedischen Pressemeldungen wurde dem finnischen Dampfer "Virgo", der in Lulea ankam, um 100 000 Ballen Baumwolle zu ver­ frachten, die seit Jahresfrist in Stockholm für einen sinnischen Käufer lagen, ton der Besann* ften schwedischen, unter englischem Einfluß ste.jBenban Transitgesellschaft die Herausgabe ver'jtoeig'ert: Daraufhin haben die Verfrachter beim Klage erhoben. > Der Krieg mit England. ────────── Site deutsch--holläudischen Berhandluüge«. Dias Amsterdamer Allg. Handelsblad mel­ det, daß die deutschen Delegierten, die ncht der hoWndischen Verhandlungskommission über die Erneuerung des Wirtschaftsabkommens Be­ sprechungen abhielten, nach Berlin abgereist sind, um sich mit der deutschen Regierung zu beraten. ────────── Zwei deutsche U-Boote in amerikanischen 1 Gewässern. In Rotterdam wird soeben die Nachricht bekannt, daß zwei deutsche Unterseeboote in den amerikanischen Gewässern tätig seien.Bisher wurde ein TäMpser und mehrere Segler versenkt. Die Versicherungsprämien fücSchifse sind vorläufig um das Doppelte erhöht wor­ den. | Tier U-Bootkrieg und seine 'Folgen. Im kaiserlichen Aeroklub berichtet laut Teutscher Zeitung ein Herr Kurpps über seine Erfahrungen und Beobachtungen während sei­ ner Internierung insbesondere über die Wir-, kung des Unterseebovtskrieges auf England. Er streifte während seines Vortrages auch die von ihm beobachteten Einflüsse des Unterseebvotskrieges aus England im allgemeinen und kam zu dem Schluß, daß wir auf dem richtigen Wege wären, um lunser Ziel zu erreichen, wenn wir nur aushielten. Ter Vortragende hat 26 Jahre in England gelebt und kann somit als eirr guter Kenner der dortigen Verhältnisse gelten. , Der Krieg zur See. ────────── Reichstag. Bei der Beratung einer höhe­ ren Entschädigung für "die Mitglieder des Reichstages, die als erster Punkt auf der TageAordnung der gestrigen Reichstagssitzung stand, regte der Vorsitzende Abg. Tvoe angesichts des Umstandes, daß -er Posten des ersten Präsiden­ ten zurzeit unbesetzt sei, eine Auswandsent-, schädigung für den ersten Präsidenten an, da es vorkommen kann, daß geeignete Persön-, lichkeiten aus wirtschaftlichen Gründen ein an sie ergangenes Angebot nicht annehmen könuten. Die Konservativen lehnten die Anregung ab, um den ehrenamtlichen Charakter des P»isidenteüpostens in jeder Hinsicht aufrecht zu erhalten. Tie Verbündeten Regierungen ha­ ben, wie Staatssekretär Wallraf mitteilte, zu der Anregung noch keine Stellung genommen, werden aber voraussichtlich dem Grundgedan­ ken zustimmen. Tie Vorlage der Erhöhung der Diäten wurde sofort in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen, worauf die Aussprache über Belagerungszustand und Zen­ sur fortgesetzt wurde, die der freisinnige Abg. Gothein mit einer mehr als zweistündigen, bis in die kleinsten Einzelheiten gehenden Rede einleitete. Site Präsidentenwahl wurde gestern im Reichstag von der Tagesordnung abgesetzt. Nach Mitteilung des Vizepräsidenten Tr. Paasche ist die Einbringung eines Antrages zu er­ warten, welcher eine endgültige Regelung der Besetzung der Stellen der Vizepräsidenten vor­ sieht. Dieser Antrag werde noch heute von der Mehrheit des Reichstages zur Geschäftsord­ nung eingebracht werden, den er der verstärkten Geschäftsordnungskommission Mr lleberweisung vorschlagen werde. Tie Wahl würde dann erst stattfinden können, wenn der Bericht der Kommission vorliege. Tä sich kein Widerspruch erhob, wurde die Wahl des Präsidenten bis dahin ausgesetzt. Iw Ernährungsausschuß dos Reichstages wurde seitens der Zentrumsmitglieder ein An-r trag eingebracht, zu veranlassen: 1. daß . bei der Preisregelung nicht bloß auf einen Aus-K gleich zwischen den landwirtschaftlichen Erzeug-; nisfen unter sich gesehen werde, sondern daß auch aus einen Ausgleich zwischen diesen und den Kosten der landwirtschaftlichen Erzeu­ gungsmittel die gebührende und unbedingt not­ wendige Rücksicht genommen werde; 2. daß bei der Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu Nährmitteln, Konsevoen, Trokkenprodukten usw. nicht Preise zugebilligt wer­ den, die für den Verbraucher das Enderzeugnis in einem Maße verteuern, das zu der Preisstel­ lung für das landwirtschaftliche Urerzeugnis und zu den wirklichen Verarbeitungskosten in keinem gerechten Verhältnis steht; 3. daß in der Preisgestaltung mehr Beständigkeit und Gleichmäßigkeit herrsche. Im weiteren Ver­ laufe der Sitzung nahm Unterstaatssekretär To. Müller das Kriegsernährungsamt gegen ver­ schiedene in der Sitzung vorgebrachte Klagen in Schutz und rechtfertigte insbesondere den frühzeitigen Erlaß der Reichsgetreideordnung, mit dem die Regierung nicht warten konnte, bis der Unterausschuß seine Arbeiten abgeschlos­ sen hatte, was nicht vor Mitte Juni zu erwar­ ten war, ivährend die Reichsgetreideordnung unbedingt schon Mitte Juni erlassen werden mußte. | 1 i Umgestaltung der Fortbildungsschule. Ein freikonservativer Antrag will die preuhischeRegierung ersuchen, bald nach dem Kriege dafür zu sorgen, daß die allgemeine Pflchtfortbfil-, dungsschule mit staatsbürgerlichem Unterricht für alle jungen Leute bis zum 'vollendeten 17. Lebensjahre eingeführt wird, sowie daß die Einrichtung einer militärischen Vorbildung der Jugend (Jugendkompagnien usw.) als Zwangseinrichtung für das Alter von 16 bis 20 Jah­ ren durchgeführt wird. > Site Teutschen Nordosti-Mährcns Ein aus allen deutschen Gemeinden Nordost-,Mährens zahlreich, besuchter Volkstag in Neutitsthein nahm eine Entschließung an/'in der es heißt, daß das durch gemeinsames Blut geeinigte Bündnis mit dem Teutschen Reiche stets die Grundlage unserer äußeren Politik bilden Müs­ se. Dieses Bündnis müsse bis zur militärischen und wirtschaftlichen Gemeinsamkeit ausgebaut werden. Alle Versuche, von welcher Seite sie auch kommen mögen, die daraus abzielen, die Festigkeit dieses Bündniffes zu untergraben!, müssen energisch abgewehrt werden. Der ftnnmenbe Friede 'müsse den Waffenersvtzen der Mittelmächte entsprechen und dürfe kein Elend­ frieden sein, fein Frieden ohne Entschädigungen der die Verarmung und Zerrüttung unseres Staates bedeuten würde. Dlie Regierung müs­ se endlich den Mut finden, den aus Zerreißung des Staates geirchteten Plänen mit aller Schär­ fe entgegenzuarbeiten. Tie Deutschen würden die Gründung eines Slavenreiches, das sie der Willkür ihrer Feinde ausliefern würde, niemals dulden. | Biindniserö rtcrunge» im ungarischen Avgeordnetenhause. Im ungarischen Abgeordrre-tenhaus trat Gras Tisza für die Vertiefung des Bündnisses mit Teutmschland ein, das sich 'vom Standpunkte der Sicherung der Lebensin­ teressen der Monarchie bÄvährt habe. Er ver­ langte für die ungarische Landwirtschaft Si­ cherung der Schutzzölle und ein Vetorecht hin­ sichtlich des Anschlusses anderer Staaten. Mi­ nisterpräsident Dir. W^kerle begrüßte die Aeu­ ßerung des Grasen Tisza, daß die öffentliche Meinung Ungarns hinter dem Bündnis mit Deutschland stehe, mit Freude. Tie Erfahrung der letzten Jahre bilde eine der größten Stärken des Bündnisses, ebenso wie die Tatsache, daß es sich nicht nur um ein Bündnis der Fürsten, sondern um eines der Völker handelt. Tier Charakter des Bündnisses bleibe defensiv. Tire landwirtschaftlichen Interessen Ungarns dürsten nicht alteriert werden. Bezüglich des Anschlus­ ses anderer Staaten müßten wir uns freien Entschluß sichern. Unsere Souveränität muß unter allen Umständen gewahrt werden, wes­ halb wir nur einen Vertrag schließen können, der den Charakter internationaler Verträge be­ sitzt. Aber wir müssen auch unser Versügungsrecht sichern. Tages-Übersicht. ────────── tatttiner wieder zur Sprache. Wg. Roßhaupter (Soz.) sprach sich für Vereinheitlichung der Bahnen in der Reichseisenbahn aus, Abg. Wetz l(kons.) dagegen, ebenso der Abg. Eisenberger. Verkehrminister b. Seidlein anerkannte gleich­ falls die Leistungen des Personals und schil­ derte die großen Schwierigkeiten im Verkehr im letzten Jahre, die auch durch die großen Militärtransporte heranlaßt wurden. Trotz die­ ser Schwierigkeiten haben die bayerischen Bah­ nen aber 1917 mehr Personen und Güter be­ fördert als im letzten Friedensjahr 1913. (Härt!) Tien Gedanken, den Betrieb der Eisenbahnen der Kriegskonjunktur anzupassen, lehnte der Minister unter der Zustimmung des Hauses ab. Ferner bezeichnete er den Anschluß Bayerns an die Reichseisenbahngemeinschaft als undis­ kutabel. Es dürfte wenig Volkskreise in Bay­ ern geben, die nach einer noch weitergehenden Zentralisierung 'unserer Wirtschastsverhältnisse' verlangen. Ten Wünschen wegen Ausbau unbl Vermehrung der Lokalbahnen werde Rechnung' getragen, soweit es möglich und zweckdienlich sei. Als Ersatz für den weiteren Ausbau der Nebenbahnen sollen die Motorpostlinien die­ nen. Für das Eisenbahnunglück in Schleißhefm muß die Eisenbahnverwaltung die Haftung ab­ lehnen. Ausführlich wandte sich der Minister schließlich der au# im Ausschuß schon erörter­ ten Streikfrage zu pnd betonte, daß der Stand­ punkt der Verkehrsverwaltung hierin nicht ver­ rückt werden könne. Tiie Regierung mußte zu Ansang des Jahres, als in verschiedenen Städ­ ten die Versammlungen des Personals sich mit der Streikfrage beschäftigten, alles Erforderliche treffen und es wäre eine Pflichtvergessenheit gewesen, wenn wir der Angelegenheit nicht un­ sere volle Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Eine Rnhmeshalle der daher. Flieger. Es ist beabsichtigt nach dem Kriege ein Denk­ mal der daher. Flieger zu errichten in Gestalt einer Ruhmeshalle, die in der Nähe des Flug­ platzes Schleißheim erbaut werden soll. In der Halle, für die bereits ein Entwurf ausgearbeitet ist, sollen die Büsten jener gefallenen daher. Flieger aufgestellt werden, die besondere Lei­ stungen vollbracht haben. In Ingolstadt hat ein Bürger den stöbt. Kollegien den Betrag von 100 000 Mark über­ wiesen, um mit dieser Summe die anläßlich des kürzlichen Radaus dem Rathaus zugefüg­ ten Schäden zu beheben, ferner um den großen Rathaussaal zum Sitzungssaal würdig auszu­ gestalten. Tjer Magistrat München beschloß, zur Abgleichung des Gemeindehaushaltes für 1918, der mit 135 663 290 Mk. in Einnahmen und Ausgaben bilanziert, den Umlagensatz von 144 auf 150 Prozent zu erhöhen. Durch Umlagen muß ein Betrag von 28 483 588 Mk. gedeckt werden. ' > ────────── Ein Bürgermeister als Wilderer. Ver­ gangenen Samstag abends ist Oberlehrer Ortner von Berchtesgaden mit mehreren Wil­ derern zusammengetroffen. Er konnte ihnen mit dem Schusse zulvorkommen, so daß einer schwer ^verwundet vom Platze getragen werden mußte. Hierzu wird noch gemeldet: Auf dem Satzberg, in der Nähe des Bergwerks, wurde der Bürgermeister Kurz von Königssee mit 17 Schrotschußwundens schwer verletzt aufgefunden. Kurz soll mit einem jungen Burschen namens Hötzl beim Ausweiden eines Rehs von dem Bezirksoberlehrer Ortner von Salzberg, der in der Hofjagd jagdberechtigt ist, Betroffen und von diesem, der ihm im Gebrauch der Waffe zuvorkam, angeschossen worden sein. 1 Hinrichtung. Im Hofe des Amberger Landgerichtsgefängnisses wurde vorgestern früh 6 Uhr der 24 Jahre alte Taglöhner Peter Eisenhofer von Fronau durch Scharfrichter Reichart aus München mit dem Fallbeil hinge­ richtet. Ein Schwindeltrickl. Am 1. Juni gelang in Nürnberg die Festnahme zweier Schwindler, die unter der Angabe, sie hätten im Auftrag des K. Bezirks'kommandos Nürnberg militari-, sche Ausrüstungsgegenstönde tzu beschlagnahmen, in Privatwohnungen Durchsuchungen vornah­ men und sich dabei Schuhe und Kleider an­ eigneten. Tie Betrüger, die sich auch gefälsch­ ter Ausweise bedienten, erbeuteten in 8 Fäl­ len Sachen im Gesamtwerte von 500 Mark, die sie veräußerten und deren Erlös teilten. Es sind zwei fahnenflüchtige Soldaten im Alter von 23 und 27 Jahren. Früh übt sich — . Seit März wurden in Nürnberg Schausenstereinbrüche in größerer Anzahl verübt. Nunmehr erfolgte die Ermitt­ lung und Festnehme der Einbrecher, eines 14jährigen Volksschülers und zweier 17-Mhriger Arbeitsburschen. 22 Schaufenster- und Schaukästeneinbriiche wurven thuen nachgewiesen.Sie entwendeten Sachen im Gesamtwerte von 2300 Mark und ^veräußerten diese Waren. 1 Umfangreiche BrotkartensälschungeN. Im Landkreise Bochum find umfangreiche Brotkar­ tendiebstähle 'vorgekommen, durch die Bochum junt 34000 Zentner Mehl geschädigt wurde. ^ Site Hasardspiele in Ungarn verboten. Tiurch einen Erlaß des Ministers des Innern werden alle Hasardspiele in Ungarn verboten. Allerlei. ────────── —* Die Schlierseer kommen! Tireiktor Tir. Quedenseldt ist es gelungen, das welt­ bekannte Schlierseer Bauerntheater zu einem kurzen Gastspiel ins Stadttheater zu verpflichien. Dias Gastspiel wird am 10. und 11. Juni stattfinden. Es sei besonders daraus aufmerk­ sam gemacht, daß es sich um die Originaltru'ppe handelt, welche seinerzeit von dem kgl. daher. Hofschaufpieler Konrad Treher gegründet wur­ de und seit Jahren unter Leitung des Direktors 3-a'rer Terosal steht, der als Meister bäuerlichen Humors einen Weltruf erlvorben hat. Tie Schlierseer feierten im Vorjahre ihr 25jäHriges Jubiläum. Tie Truppe war seit 1914 nicht mehr in Landshut und wird daher das Gastsstiel Interesse erwecken. —* Tätigkeitsbericht der Kommission Mr Unterstützung bedürftiger Angehöriger ton ins Feld gezogenen Kriegern stro Monat Mai 1918. Im Monat Mai betrugen die lausenden Ausgaben die Summe blon 11596.28 Mark. Tie Zahl der bisher zur Empfangnahme reichsgesetzlicher Unterstützung angemeldeten Fälle 'betrug 2285 (bisher 2J266) Mehrung 19 Fälle. Eingewiesen wurden 2276 (bisher 2(261) Meh­ rung 15 Fälle. Abgewiesen wurden 309 Fälle. Tie stro Monat Mai an reichsgesetzlichen Un­ terstützungen ausbezahlten Beträge beziffern die Summe ton 48 082.50 Mark bei 2272 Fällen. Tie Leistungen an freiwilligen Spenden betru­ gen 9419 Mark bei 1028 Fällen (bisher 1020). Tie bekannt gewordenen Unterstützungen der Arbeitgeber beziffern die Summe ton 4500 Mark ohne Gehälter für das nicht dem Arbeiterftande ungehörige Personal. Tie ton der Stadt an Angehörige städt. Arbeiter, welche ins Feld gezogen sind, gewährten Unterstütz­ ungen betragen stro Monat Mai 1918 1956.35| Mark. — * Sommertheater. Am Sonntag fin­ det eine Aufführung der beliebten Posse mit Musik "Ter Filmzauber "statt. Am Montag und Dienstag absolviert Terosal mit seinem Schlierseer Theater ein Gastspiel mit den Ko­ mödien: "Ter Fürst kommt" und "Wildes Blut". ────────── Reue U-Bootserfolge. WTB. Berlin, den 6. Juni. (Amtliche) Im Mittelmeer versenkten deutsche und öster­ reichisch-ungarische U-Boote 5 Dämpfer und 6 Segler von zusammen Wer 20 000 Brutto-Reg.Tonnen. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Ein Hosstitalschiss auf eine Mine gelaufen. Haag, 6. Juni. Central-Büro meldet: Das Hospitalschifs "Königin Regentin" ist auf eine Mine aufgelaufen. An Bord befanden sich englische delegierte. Soweit bekannt, war kein Verwundeter und Kriegsgefangener an Bord. Täs Hospitalschiff "Sindro" ist mit der Ret­ tung der Ueberlebenden beschäftigt. Nach spä­ teren Berichten sind bei dem Unglück mehrere Personen der Besatzung umgekommen, der Un­ fall fand noch in Sicht der englischen Küste un­ gefähr 20 Meilen ton der Lomanbank statt. Amerikanische Häfen geschlossen. London. 6. Juni. Tie "Central News" melden aus Washington: Ter Marinesekretär ordnete die Schließung der Häfen ton Boston, Philadelphia und anderer an der atlantischen Küste gelegener Häfen an. London, 6. Juni. (Reuter.) Tie Blät­ ter melden aus Newhork, daß der Newchorker Hafen wegen der U-Bootsgesahr geschlossen wurde. Fliegerangriffe auf die amerikanische Küste. Amsterdam. 6. Juni. Einem hiesigen Watte zufolge meldet "Financial Times" nach der amerikanischen Presse, daß Luftangriffe in den Vereinigten 'Staaten stattgefunden hätten. U-Boote au der amerikanischen Küste. A m st e r d a m. 6. Juni. Nach Reutermel­ dungen aus Newyork wurden 4 amerikanische Segelschiffe "Hattic Tim", ,Huppauge", "CoJto" und "Edua" als versenkt gemeldet. Newyork, 6. Juni. (Reuter.) Zu denk U-sBootsangrifs wird noch gemeldet, daß 58 Personen umgekommen und vermißt sind. Aus Levis wird berichtet, daß 16 von 35 Personen, die die "Carolina" in einem! Motorboot verlie-, fyn, dadurch ertrunken sind, daß das Boot um­ schlug. Aus dem Ernühruugsausschuß. Berlin, 7. Juni. Im Ernährnngsausschuh des Reichstages erklärte Unterstaatssekre­ tär Tr. Müller, daß die Frühdruschsträmien auch in diesem Jahre beibehalten werden wür­ den. Tie Obst- und Gemüsepreise hätten gegen­ über dem Vorjahre teilweise erhöht werden müssen, weil die Evzengungskosten und die Un­ kosten des Handels gestiegen seien. Tie Reichs-, stelle für Gemüse und Obst hat aber vorläufig nur Richtpreise festgesetzt. Tie Höchstpreise sol­ len erst dann festgesetzt werden, wenn der Aus­ fall der Ernte sich übersehen lasse. " > Fliegerangriffe ans Orte an der französischen Küste. Berlin, 7. Juni. Außer zahlreichen an­ deren Zielen wurden die wichtigen feindlichen Umschlagplätze Calais und Boulogne erfolgreich mit Bomben belegt. j Tjie Präsidentenwahl int Reichstag. ' Berlin, 7. Juni. Die Mehrheit des Reichstages wird sich laut "Germania" dahin einigen, daß 3 Vizepräsidenten gewählt wer: den und zwar ohne Rangordnung und mit gleichen Rechten. Tie beiden bisherigen Vize­ präsidenten Paasche und Tvoe werden im 5 Amte bleiben. Tie Sozialdemokraten präsen­ tieren für den Vizepräsidenten den Abgeord­ neten Scheidemann. Berlin, 7. Juni. Im Reichstag wurde folgender Antrag von den Fortschrittlichen, den Nationalliberalen, Sozialdemokraten und den Zentrumsabgeordneten eingebracht: Tier Reichs­ tag wolle beschließen: 1. die Geschäftsordnung i für den Reichstag dahin abzuändern, daß die I Wahlen des Präsidenten und jener der drei Vizepräsidenten je in sechs besonderen Wahl-, Handlungen durch Stimmzettel nach absoluter Stimmenmehrheit erfolgen. Ter Präsident ver­ einbart mit den Vizepräsidenten die Reihen­ folge der Vertretung im Falle seiner Verhin­ derung und ordnet den Wechsel im Vorsitz zwi­ schen den zwei im Amte befindlichen Vizeprä­ sidenten an. Nach der neuen Geschäftsordnung ist ein weiterer Vizepräsident hinzuzuwählen. 1 'Ttie Neuwahl für den 'verstorbenen Landtagsabgevrdneten Lutz im Wahlkreise Nördlingen wurde auf Tvnnerstag ,5. September, angesetzt. Letzte Posten. ────────── 7. Juni 1918. Wasser . 13 Grad C. Luft . . 15 Grad C Städtische Schwimmschule. ────────── Inserate. ────────── Stellv. Generalkommando I. Bayer. Armee­ korps. Bekanntmachung. Am 1. Juni 1918 tritt eine Bekanntmachung Nr. W. II. 1900 a/9. 17. K R. A. betreffend Beschlagnahme von Neffelstängel», sowie Beschlagnahme «nd Bestandserhebung von Neffelfafern »ud Neffelgesyinste» in Kraft. Die Bekanntmachung ist öffentlich angeschlagen und kan» bei den K. Bezirksämtern und DistrtklSverwaltungsbehörden, sowie bet den Handels- und HandWerkskammern eingesehen werden. München, den 29. Mai 1918, Der Kommandierende General: I. A.: v. Mauz. 1571 ────────── Stellv. Generalkommando I. Bayer. Armee­ korps. Bekanntmachung. Am 29. Mai 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. G. 700/5. 18 K. R. A. betreffend Beschlagnahme und Vorrarserhebung von Gummibereifung für Kraftfahrzeuge jeder Art in Kraft getreten. I Die Bekanntmachung ist öffentlich ange­ schlagen und kann bet den K. Bezirksämtern und den Stadtmagistraten sowie Bei den Han­ dels- und Handwerkskammern Angesehen wer­ den. ' ( ; ; ; München, den 30. Mai 1918. Der Kommandierende General: v. d. Dann» 1569 ────────── Stellv. Generalkommando I. Bayer. Armee­ korps. Bekanntmachung. Betreff: Verbot der Anfertigung von Lichtbildern u. Zeichnungen. Die stelln. Generalkommandos 1, II, IU. Bayer. Armeekorps erlassen in Ergänzung der gemeinschaft­ lichen Bekanntmachung betreffend Verbot der Auf­ nahme von Lichtbildern vom 29. Januar 1918 ("Ä. B. Staatdanzetger" Nr. 26 vom 31. Januar 1918) auf Grund des Art. 4 Nr. 2 des Kriegszustandgefetzes zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit folgende Anordnung: I. 1570 § 1 der Anordnung betreffend Verbot der Auf­ nahme von Lichtbildern vom 29. Jan. 1918 erhält folgenden Abf. 2: "Verboten ist ferner, Zeichnungen von Bahnhöfen, Bahn- u. Hafenanlagen Lagerhäusern u. sonstigen militärischen und industriellen Anlagen, oder von der Umgebung solcher Gebäude und Anlagen an­ zufertigen oder zu vervielfältigen." II. Diese Anordnung tritt am 5. Mat 1918 in Kraft. München, Würzburg. Nürnberg, den 29. Aprtl 1918. Tie Kommandierenden Generale: v. d. Tann. v. Gebsattel, v. Könitz. ────────── Feindes erlogen, die Heimat nicht wieder sehen. Unter den Kindern sind die Opfer nach den bisher vorliegenden Nachrichten besonders zahl­ reich. ; ( , . t ────────── Niederbayerische Nachrichten. Eggenfelden, 6. Juni. (Todesfall.) Hier, wo sie bei ihrem Schwiegersohn Notar Mvrgott lebte, verschied die Sekretärswitwe Mathilde Wolsring, geb. Schmidt, die Schwester des be­ kannten Volksschriststellers Hofrat Maximilian Schmidt (Waldschmidt) in München, im Alter von 85 Jahren. Plattling, 6. Juni. (Ueberfahren.) Gestern wurde der Soldat Gg. Gall aus. Nagold (WttbJ vom Personenzug 1008 bei Einfahrt in den Bahnhof Plattling überfahren. Selbstmord -dürste vorliegen. Weigpndorf, 6. Juni. (Schlechter Tank.) In das Anwesen des Söldners Ganserer in Mafsendors kam dieser Tage abends ein Frem­ der, der der Frau des Besitzers, der im Kriegs­ dienst steht, den Hund abkauste. Er gab vor, daß ihm nicht recht wohl sei und bat um Nachtherberge. In der Schlafkammer der Kna­ ben wurde dem Fremden ein Bett angewiesen. Als die Knaben am anderen Morgen erwachten, war der Mann verschwunden und hatte als Andenken mehrere Kleidungsstücke und Schuhe mitgenommen. Kapsham, 6. Juni. (Brand.) Aus unbe­ kannte Weise entstand ^vorgestern früh 4 Uhr int Hause der Kollerleute in Singham Feuer, das auch das angebaute Wohnhaus des Köck in Asche legte. Passau, den 6. Juni. (Beschlagnahmtes Fleisch.) Eine Kiste, die den Bestimmungsort München hatte, trug die Aufschrift "Tote Fische". Bei Oefsnung der Kiste durch Herrn Wachtmeister Graf fanden sich in derselben '3 Zentner Rindfleisch, die aus Fürsteneck kamen. Tos Fleisch wurde dem Kommunakoerband Pas­ sau überwiesen. Paslau, 6. Juni. (Schadenfeuer.) Gestern nachts 2 Uhr brannte der Tächstuhl der Wirt­ schaft "zur Arche Noah" vollständig nieder. Durch rasches Eingreifen der Feuerwehr war das Feuer bald gelöscht. 1 Haidmühle, 6. Juni. (Ertrunken.) Vorge­ stern ist im Wassergrand das 2jährige Häus­ lerskind Therese Müller in einem unbewach­ ten Augenblicke ertrunken. i |