Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-07-16. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 191, 1918-07-16. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Unsere!Truppen find in Teile der französischen Stellungen eingedrungen. — OesterreichUngarn und die Kriegsziele. — Tie englischen Sozialisten gegen den Frieden. — Cadorna degradiert. — Bor einem englisch-russtschen Krieg? Neue Kämpfe bei Reims. ────────── Die Heeresberichte. ────────── Der deutsche Bericht. Die Heenzteri-te. Set deutscht Bericht. ' ' WTB. Berit n, 15. Juli 1918, mittags.. Großes Hauptquartier: »eRIi*er *. Heeresgruppe des G«neralfctdiuarschattS Kronprinz Rupprccht von Bayern. Südwestlich! von Apern griff der Feind gestern früh mit starker Vorbereitung an und drang in geringer Breite in unser Kampfge­ lände ein. Beiderseits der Lys tagsüber Ar­ tillerietätigkeit. Sie leite am Abend auch! .an der übrigen Front auf. I Heeresgruppe des dchrtfchen Kronprinzen. Zwischen Aisne und Marne blieb die Ge­ ltstätigkeit lebhasst. Oertliche Jnfanleriegefechte südlich von St. Pierre—Aigle und im Savieresgrund. ! Leutnant Löwenhardt errang seinen 35, Lustsieg. ! ! ff« 1. SeaezalrotorttecKtettee.i #»besfcoet?. WTB. B erlitt, den 15. Juli. Amtlicher .Abendbericht: Südwestlich! und östlich. von Reims sind wir in Teile der französischen Stellungen ein­ gedrungen. ────────── Der österr.- ung. Bericht WTB. Wien, 16. Juli 1918, mittags. Amtlich wird gemeldet: An den Gebirgssronten ist beiderseits die Artilleriedätigkeit andauernd lebhaftTvr <£!iyef oee -.»teneralstabS. Belgien als Austanschobjett gegen die deutschjen Kolonien. K o pe n ha g en, 15. Juli. Zu bett Aeuße­ rungen des Reichskanzlers über Belgien schreibt Politiken. Aehnliches sei von der deutschenRegierung schon früher gesagt worden, doch sei die jetzige Formulierung, obwohl entschiedener im Tone, in der Sache weniger günstig, weil Gras Hertling angedeutet habe, daß die Absicht, Belgien herauszugeben, unter gewissen Umstän­ den fallen gelassen werden könnte. Graf Hert­ ling machte die Entscheidung in dieser Frage von dem Ausfall von Verhandlungen abhängig, aber nicht von Verhandlungen zwischen Teutsch­ land und Belgien, sondern von den allgemeinen Friedensverhandlungen und so bleibe der Vor­ behalt bestehen. Belgien solle herausgegeben werden ,soserne die int übrigen noch unbekann­ ten Wünsche Teutschlands in den allgemeinen Ariedensverhandlungen erfüllt würden. , Aus Berlin bringt dasselbe dänische Blatt eine Meldung über Belgien, die aus wohlunter­ richteter autoritativer Quelle stammen soll. Ternach ist die Voraussetzung dafür, daß Bel­ gien zurückgegeben werden solle, nichts an­ deres als die unbedingte Erfüllung der For­ derung Teutschlands über seine Kolonien und und die unbedingte Verbindung mit ihnen frei! verkehren zu können. Belgiens Schicksal hänge davon ab, wenn die Entente Teutschland von der Welt abschließen wolle, und ihm seine Kolonien vorenthalten wolle, so werdenTeutschland auch! nicht auf eine Herausgabe Belgiens eingehen können. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tier unbeliebt«- Kerettski. ' 1 i Laut "Journal du peuple" kam es bei der, Anwesenheit Kerenskis beim Komitee der Kon, sederation general du travatlle zu seirnd seligen Kundgebungen gegen Kerenski, der mnter dem Hohngeschrei seiner Gegner abziehen mußte. > Aus Belgien. Ter im März 1918 zusammengetretene be­ sondere Ausschuß zur Verteidigung Walloniens nimmt in einer Erklärung die jüngste Kundge­ bung des Rates von Flandern zum Anlaß, um auch! vom wallonischen Standpunkte aus erneut die Notwendigkeit zu betonen, zwischen Flandern und Wallonien eine weitgehende kul­ turelle und politische Scheidung durchzuführen. Unter Hinweis aus die gegenseitige Abhän­ gigkeit, insbesondere wirtschaftlicher Art, müsse aber das Ergebnis wer Trennung nicht die Schaffung zweier völlig von einander losge­ löster Staaten, sondern die Bildung eines Föderattvstaates sein. In internationaler Be­ ziehung hätten Wallonien und Flandern das gleiche Interesse daran, 'den Gedanken an einen Wirtschaftskrieg nach dem Kriege zurückzuwei­ sen. I ( MnuUiüitefotonnen jN Flandern. Mit Recht preist man die selbstlose Tapfer­ keit unserer Infanterie, spricht man von dem todesmutigen Schneid unserer Flieger, aber da­ bei sollen ivir auch! nicht unsere stillen Helden vergessen. Gewiß muß man der Infanterie den Löwenanteil an allen unseren Erfolgen zu­ sprechen, und doch gewährleistet nur ihr Zu­ sammenarbeiten mit allen'Waffen den Ersttlg. | Nur wenige in der Heimat kennen den Munitionssahrer, und die größtenteils auch, nur dem Namen nachj. Und gerade die Kolonnen ha­ ben es verdient, daß man nicht aus Unwissenheit achtlos an ihnen vorübergeht. Aus einen Ko­ lonnenwagen gehört ein ganzer Mann, ein Mann mit Pflichtgefühl und Gewissen. Ja, aber die Kolonnen sind doch! immer weit hinten, wohnen in friedlichen *Quarttzeren, während die Infanterie tagelang in schlammi­ gen Granatlöchern zubringen muß, und wenn die Schlacht vorbei ist, dann fahren sie Muni­ tion zu den Batterien. Es ist ja auch, unmögliche mit Pferd und Wagen mitten hinein in dhe Schlacht zu fahren! So und ähnlich sind die Vorstellungen des Laien. ' Weit gefehlt! Ganz anders ist es in Wirk­ lichkeit. Abend für Abend rasselt die lange Reihe der Wagen über das holprige Pflaster des flandrischen Dörfchens. Im . Munitionsdepot, gab es schon schwere Arbeit, und nun fahren sie hinaus in die dunkle Nacht. Zwanzig Kilo­ meter Weg liegen vor ihnen, gestern war es ein Höllestweg, wie mag es heute werden? Loch da bleibt ihnen nicht lange Zeit zu sol­ chen Gedanken, dann sind sie wieder mitten drinn in dem Heulen und Krachen, dem Schimm psen und Schreien, mitten drinn in der Schlacht^ Im Trab wird die erste "brenzlige Ecke" über­ wunden. Eine Lage Schrapnells davor, eine; dahinter, es hat gut gegangen. Tie Wagen: fahren mit großen Abständen weiter, jeder ist sein eigener Führer, jeder ist aus sich!'selbst angewiesen. Mit einem gewissen Neid sieht der Kolonnenmann aus die Fußgänger herab, die so frei an ihm vorbeilausen. 'Sie preis schon, wenn die Granate herangeheult kommt, und Wersen sich! in de nnächsten Granattrichter, Währenddem sitzt der Fahrer hoch oben aus seinem Wagen. Er kann fidj, nicht verstecken vor den umhersausenden Eisenbrocken, er muß stillhalten. Ter böseste Feind sitzt der Kolonne im Nacken: die schwarze Nacht. Und die flandri­ schen Straßen! Bis an die Achsen sinken die schweren Wagen in bem aufgeweichten Boden ein, und daß dann die Munition drei und nochi mehrere Male ab- und aufgeladen werden muß, gehört nicht zu den Seltenheiten. Ganze Wegstrecken sind in ein Trichterfeld verwanüelt. Ta vertrauen Retter und Fahrer blind aus ihre Pferde, denn sehen kann niemand etwas. Vorne scheint die Hölle los zu sein. Ter Gegner weiß, daß jetzt ein reges Leben auf den Straßpn herrscht und sucht durch sein Sperrfeuer die Munitionszusühr abzusperren. Aber die Bat­ terien müssen Munition haben. Stundenlang hält die Kolonne vor einer Straßenkreuzung ^ wenn dann das Feuer etwas abebbt, dann geht es vorwärts, hinweg über Pferdeleichen und zertrümmerte Wagen, durch Trichter und Grä­ ben, im Trab, im Galopp. , Tte Batterie ist erreicht, Mann und Pferd haben ihr Bestes hergegeben. Toch nicht alle sind angekommen. Tem einen hats die Pfer.e vorm Wagen erschlagen, der andere sitzt noch aettuffi rshmvm qmt JchmnZ, iroup quaß.u m $p| hat seine Pflichttreue mit dem Leben bezahlen müssen. Tie Kolonne scheint aus einer Hölle in die andere hineingeritten zu seijn. Zwischendas eintönige Alarmläuten mischt sich der ge­ dämpfte Knall der (Gasgranaten. Im nächsten Augenblick ist die Gasmaske auf und den Pfer­ den wird der nasse Futtersack vorgebunden. Keine Minute bars versäumt werden, nur mög? ────────── nis? Erstens ist unser Volk wiederholt von "Kriegssachverständigen" durch falsche Zahlen angaben irregeführt worden. Im Durchschnitt spricht der Kriegssachoerständige von den deut­ schen Tivisionen mit der Vertrautheit eines Ludendorff. Dabei stützt sich, aber sein ganzes Wissen nur aus eine gewisse vom Kriegsamt herausgegebene rote und graue Mappe, die kei­ neswegs immer zuverlässig ist. Im Mai 1915 gebrauchte der oberste aller Kriegssachverstän­ digen (zweifellos Repington! Red.) die Worte: "Za Kürze werden die letzten Reserven de; Fein­ des aus dem Schlachtselde erscheinen. Ter Feind' _ unternimmt seine letzte Offensive im Westen, wenn auch nicht mehr tritt überlegenen Kräften." Das war etwa zur Zeit der Kämpfe um Festubert. Aber noch, immer liefert diese erstaunliche barbarische Rasse Beweise unerschöpflicher Ta­ pferkeit. Tie Erklärung dafür ist höchst ein­ fach! und durchaus nicht geheimnisvoll. Tie Deutschen verlassen sich nicht auf ihre Bundes­ genossen, sondern stützen sich nur auf sich, selbst. Wenn unser Land Deutschland wäre, so würde jedes taugliche Mitglied des Parlaments, das das letzte Mrlitärdienstgesetz bewilligt hat, gezwungen werden, das Gewehr in die Hand zu nehmen, sofern es nur unter 51 Jahren ist. Wir sollten daher lieber nicht glauben, diesen Feind an Zahl überwältigen zu können, es sei denn, mehrere Millionen amerikanischerTruPpen landeten in Europa! , Der Krieg mit England. Tic englischen Sozialisten gegen de« FrievE WTB. London, 14. Juli. Hu Ehren Frankreichs fand heute nachmittags im Hydepark eine von dem englischen Arbeitebverbande veranstaltete Kundgebung statt. Es wurden Entschließungen angenommen, in denen der Entschluß ausgesprochen wird, mit Frankreich Schulter an Schulter zu kämpfen, bis ElsaßLothringen wieder hergestellt und der preußi­ sche Militarismus vollständig vernichtet fei,. Tie Redner wiesen den Gedanken zurück, mit den feindlichen Sozialisten Besprechungen auf der Grundlage ihrer Antworten auf die Kriegszieldenkschrist der Arbeiterkonferenz der Alliier­ ten anzuknüpfen. — Tie sozialistische Kund­ gebung am Trafalgar Square zu Ehren der Al­ liierten, an der die Sozialistensührer Trllett, Thorne und Hyndman, sowie Vertreter des ame­ rikanischen Sozialistenverbandes teilnahmen, hat feine beifällig begrüßte Entschließung an­ genommen, in der erklärt wird, daß die Arbeiter von London sich' jedem Frieden widersetzen, bis die Hohenzollern und Habsburger militä­ risch, vernichtet seien. Trotzdem sie einen Frie­ den ohne imperialistische Erweiterungen und Kriegsentschädigungen wünschen würden, so würden sie doch, versichern, daß kein Frieden ohne volle Entschädigung für die von den Teut­ schen angerichteten Verwüstungen und den Wie­ deraufbau der Gebiete der niedergeworfenen Nationen ausreichend sei. In diesem Sinne wurden Botschaften an Clemeneeau und Wilson abgesandt. Eine neue Rede Lloyd Georges. In seiner Rede an die kanadischen Verleger erklärte Lloyd George: Teutschland kämpfe drei Kriege. Jedesmal hat es seine Kraft erhöht. Jeder dieser Kriege hat es zum nächsten er­ mutigt. Wenn ihm dieser Krieg gelingt und seinem Gebiete nur einen Quadratmeter ein­ bringt, eine Elle seiner Größe zusetzt, ein ein­ ziges Jota, seiner Macht zufügt, so wird dies ganz klar seine Ideale vom Militarismus he­ ben, für welche sich die ganze Welt im jetzigen Augenblick opfert. Es ist daher wichtig, daß wir uns völlig einig sind. Ter Kampf der brutalen Gewalt muß jetzt auf seinem eigenen Altar und auf alle Zeiten zerbrochen und vevnichtet werden. Das ist der einzige Weg, auf dem wir den Frieden sichern werden. Im wei­ teren Verlaufe seiner Rede erklärte Lloyd Ge­ orge, daß es ihn freue, daß das brittsche Reich und seine Dominions im Kampfe um dieses 'Ziel fM). einig fühlen und daß eine solche Einig­ keit notwendig sei, um den KaMpf, den di« Vorsehung auf Erden England übertragen ha­ be, durchzukämps«ffi. Dafür dürsten alle Opfer nicht zu gering sein. ; Deutschlands unerschöpfliche Reserven machen den Engländern Kopfzerbrechen. All­ mählich dämmert ihnen die WahWeit aus, daß sie eben von ihrer Regierung Über unsere Ver­ luste belogen worden sind. Im "Siurdah Bictorial" vom 16. Juni findet sich, folgendes be­ achtenswerte Eingeständnis: Wie man sagt, holen die Teutschen immer mehr Tivisionen von der russischen Front, nachdem ihr Angriff auf CoMPiegne endgilttg abgeschlagen ist Ihr anscheinend unerschöpf­ licher Vorrat an Soldaten hat die Welt in Er­ staunen gefetzt. Wie erklärt sich! dies Geheind ────────── Eiue halbe Million Kriegsegfangener aus Rußland zurück. ' j Wien, den 15. Juli. Ter Kriegsminister machte einer Abordnung die Mitteilung, daß weitmehr als eine halbe Million Kriegsgefan­ gener aus dem europäischen Rußland zurückge­ kehrt seren .Tie noch in Gefangenschaft be­ findlichen seien zum größten Teil in Sibi­ rien, von wo ein geregelter Rücktransport zur Zeit unmöglich, sei. Eine Kommission des Kriegsministeriums beftnde fische zurzeit in Rußland, mit der Aufgabe, die Kriegsgefange­ nen mit Geld zu unterstützen und ihre rasche­ ste Zurückführung zu bewerkstelligen. Tie Kom­ mission habe volle Unterstützung von Seiten Rußlands gesunden. : Russische Maßnahmen gegen die Gegen­ revolution. Mvska u, 14. Juli. Tie Bolschewiki ha­ ben die Mitglieder der Provinzialregierung in Archangelsk verhaftet und der Tuma in Wologda mit der Verhaftung gedroht, wenn sie versuchen würde, irgend eine gegenrevolu­ tionäre Bewegung zu fördern. Archangelsk be­ findet sich in den Händen der Bolschewiki. Internationale militArisHe Arbeiter­ organisation. 23 er n, 15. Juli. Tas "Berner Jntelli, genzblatt" meldet, daß die in Rußland weilen­ den ausländischen Arbeiter eine internationale Kommission bei der Roten Arbeiter- wnb Bau­ ernarmee gebildet haben. Ihre Hauptaufgabe ist, die ausländischen Arbeiter in Rußland mili­ tärisch! auszubilden und eine militärische Ar­ beiter-Organisation zu bilden, welche die in­ ternationale Bourgeoisie bekämpfe« soll. Aus Rußland. , Am Vorabend bedeutender Ereignisse. Bruch, der Entante mit Rußland. Wien, 15. Juli. Moskauer Blätter klären, das Verhalten Englands deute darauf hin, daß von dieser Seite ein ernster Schlag gegen das revolutionäre Rußland geplant wer­ de. Allgemein sei man der Ansicht, daß man sich am Vorabend eines britisch-russischen Krieges befinde. Tie Sowjetregierung treffe alle Vor­ kehrungen, um vor Ueberraschungen geschützt zu fein. Nowi Wetschernia Tschach, deren Bezieh­ ungen zur britischen Botschaft als notorisch gelten, spricht von pessimistischen Gefühlen in Petersburger diplomatischen Kreisen, weshalb dem im Umlauf befindlichen Gerücht von einem unmittelbar bevorstehenden Abbruch der Be­ ziehungen zwischen Rußland und den Alliierten erhöhte Bedeutung beiznmessen sei. Ein britisch-russischer Krieg? Wien, 14. Juli. Moskauer Blätter er­ klären, das Verhalten Englands deute darauf hin, daß von dieser Seite ein ernster Schlag gegen das revolutionäre Rußland geplant wer­ de. Allgemein sei man der Ansicht, daß man sich, am Vorabend eines britisch-russischen Krie­ ges befinde. Tie Sowjet-Regierung treffe alle Vorkehrungen, um vor Ueberraschungen ge­ schützt zu sein. "Noivi Wetschernia Tschach", deren Beziehungen zpx britischen Botschaft als notorisch gelten, spricht von pessimisttschen Ge­ fühlen in Petersburger diplomatischen Kreisen, weshalb dem im Umlauf befindlichen Gerücht von einem unmittelbar bevorstehenden Abbruch der Beziehungen zwischen Rußland und den Alliierten erhöhte Bedeutung beizumessen ist. Die Vorgänge «n der Murmanküstc. — | Buchanan wieder aufgetaucht. , : Nach Meldungen, die über Norwegen aus Rußland in Stockholm eingelaufen sind, soll General Kiggell zum Befehlshaber der im Murmangebiet stehenden Streitkräfte der Alliieren ausersehen sein. Anfangs dieser Woche sind in Alexmidrvwsk drei weitere Transporter mit englischem Truppen und Kriegsmaterial ein­ getroffen. Zn verschiedenen Orten wurden von den Engländern regelrechte Werbebüros errich­ tet, in denen die männliche russische Bevölker­ ung zum Dienste im englischen Heere aufge­ fordert wird. Tie Angeworbenen — gegen 2000 Mann — erhalten pro Mann und Monat 150 Rubel. Einer weiteren Meldung zufolge soll sich! General Kemp und sein Flaggoffizier Plair, de« frühere brittsche Märineattache in Peters-, bürg nach Archangelsk begeben haben, um dort Sir George Buchanan zu erwarten. Buchanan soll in Begleitung des früheren englischen Mi- | litärattaches in Petersburg und Legchtionsratesl I Pruce dieser Tage in Archangelsk eintreffen^ j Me russischen Sowjetbehörden in',Archangelsk üben aber trotz der englischen Gewaltherrschaft ihre Funktionen aus. Infolge der letzten Ver­ fügung des Moskauer Sowjets, daß keinerlei Personen den Küstenbezirk verlassen dürsten, haben die Sowjets von Archangelsk angeordnet, daß Verfügungen getroffen würden, um eine Reise Buchanans ins Landesinnere zu verhin­ dern. ────────── Aus Finnland. Finnland und die Mnrmanfrage. Berlin, 15. Juli. Tie "Neue Zürcher Zeitung" meldet, daß, wie Petersburger Zeitun­ gen aus Helsingfors melden, eine amtliche Mit­ teilung der finnischen Regierung besagt, daß sie nicht beabsichtige, eine neue NeuiralitäMerklärung anläßlich, des Murmankonslittes zu erlas­ sen, aber wie bisher eine vollkommen korrekte Haltung einnehmen wird. ────────── Aus Rumänien. Schadenersatzansprüche der Entente an Rumänien. Berlin, 15. Juli. Nach- dem Berichte des rumänischen Finanzministers haben der "Bossischen Zeitung" zufolge die Vertreter ver ehemaligen Verbündeten Rumäniens Schaden­ ersatzansprüche für Kriegsmaterial, das von der Entente gekauft und bezahlt wurde, sich, gegen­ wärtig aber noch, im Besitze der rumänischen Regierung befindet, gestellt. , ────────── Am Balkan. Tübkischi-bttlgarischer Ausgleich. WTB. Wien, 14. Juli. Tie "Neue Freie Presse" veröffentlicht in einem Berliner Tele­ gramm Aeußerungen des dortigen türkischen Botschafters Hakki Pascha, die dieser gegenüber dem «r Berlin weilenden Chefredakteur des "Hilal", Mehmed Ali Tewstk Bei, machte. Hakki Pascha sagte u. a.: Ich bin fest überzeugt, daß wir mit Bulgarien zu einer vollständigen Uebereinkunst über alle auf der Tagesordnung stehenden Fragen kommen werden. ────────── Der Krieg mit Italien. Ein italienischer WnMrrat. Ter im Verfolg der Konferenz von Ver­ sailles und der zahlreichen ministeriellen und militärischen Beratungen in Rom abgehaltene Ministerrat dauerte drei Stunden. Tie Blätter messen ihm große Bedeutung bei. ES fehlte nur der Finanzminister Neda. Dgravation Ladornas. j ; Laut Meldung der Agenzia Stefani wur­ den die Generale Cadorna, Porro und Cappello^ zur Tiposition gestellt und ihres Grades und ihrer Pension verlustig erklärt. Tie drei Generale sind wegen des Zusam­ menbruchs der italienischen Armee bei der öster­ reichisch-ungarischen Offensive Movember-Tez. vorigen Jahres mit der Degradation bestraft worden. Cadorna, der umjubelte Heerführer der Italiener, wurde nach! den Forderungen italienischer Parlamentarier zur Beschwichttkgung des Volkes geopfert. Cadorna hat auch die ihm verliehenen französisch«en Auszeichnun­ gen zurückgegeben. , . 1 ! ────────── Tjentschje Kampfesweise. 1 Unsere Feinde und die ihnen ergebene sogenannte neutrale Presse können sich« nicht genug tun in Beschimpfungen unserer U-Bootsdesatzungen und entrüsteten Anklagen gegen ihre angeblich! unmenschliche Kriegführung. Tie deutsche Presse hat besseres zu tun, als aus diese immer wiederkehrenden grundlosen Be­ schuldigungen zu anttvorten. Ein Sonderfall jedoch, der nach dem Berichte eines kürzlich in seinen Stützpunkt zurückgekehrten U-Bootskommandanten das Gegenteil aller Hetzereien der Gegenseite beweist, soll der deutschen Oessentlichkeit nicht vorenthalten werden. Wie am 14. Juni im Admiralstabsberichte gemeldet wur­ de, versenkte das unter dem Befehl des Kapi­ tänleutnants Georg stehende Unterseeboot auf seiner letzten Fernsahtt u. a. das englische Bewachungssahrzeug "St. Johns" und erbeutete von ihm ein Geschütz und seine Kriegsflagge. Nachdem der heftige Widerstand des Feindes im Artilleriekamipf gebrochen war und darauf einige Leute am Heck mit weißen Tuch,setzen winkten und die Hände hochhielten, wurde ein Beiboot des Unterseebootes ausgesetzt und nach bent englischen Kriegssahrzeug hinübergeschickt, um das Geschütz abzuschrauben. Tas Heck des niedergekäntpsten Gegners war ein Trümmer­ haufen .Bon der Besatzung waren nur 2 Mann unverwundet und die Boote waren gänzlich! zerschossen. Trotz der durch die am Heck lie­ genden Wasserbomben einwandfrei erkennbaren Bestimmung dieses U-Boot-Abwehrschisses über: ließ Kapitänleutnant Georg der englischen Be­ Der Krieg zur See. satzung sein Beiboot, damit die wehrlosen, zum größten Teil verwundeten Engländer Rettung finden könnten .Tie Bescheinigung des engli.schen Kommandanten Über den Empfang des Beibootes wurde von dem U-Boot mitge­ bracht. Mit diesem Falle der Behandlung wehr­ loser Gegner braucht man nur die Fälle "Baralong", "King Stephan", "Crompton"' und den kürzlich! von der Lausanner Zeitung Feuille berichteten Fall vergleichen und man wird wis­ sen, aus welcher Seite die größte Menschlich­ keit geübt wird. , ( i ! v i Ein französischer Torpedojäger gefunken. Wie der "Temps" mitteilt, ist kürzlich! vor Bttndisi der französische Dorpedojäger"Faulx" mit dem französischjen Torpedojäger "Mangint" zusammengestoßen und gesunken. Tie Ver­ luste dürfen nicht bekanntgegeben werden. ────────── Mord im Eisntbahnzug. In Bochum wur­ de in einem P.ersonenzug in einem Abteil 2. Klasse eine offenbar den bemittelten Ständen angchörige Frau Mit einem Stich! in der Brust tot aufgefünden. ; j . : ! ,• Aus verschmähter Liebe Hat in Kaisers­ lautern der Versandarbeiter Valentin Weigl die Witwe Säur durch« Schüsse tödlich und rhre Witter, die Wirtin Schwandet schwer ver­ letzt und sich« hieraus durch einen Schuß in die Schläfe getötet. Zur gefälligen Auswahl. Tier nicht ge­ rade alltägliche Fall, daß ein Angeklagter vom Vorsitzenden gefragt wird, ob er lieber Geld­ oder Gefängnisstrafe haben wolle, ereignete sich! vor der ©trafflammet zu Trier. Ein Landwirt war angezeigt worden, weil er Kartosfelvortiäte verheimlicht hatte. Als die Revision kam, fand man bei ihm 20 Zentner mehr als er an­ gegeben hatte. Tas Schöffengericht Hatzte ihn freigesprochen, da es die Sache für nicht ge­ nügend geklärt ansah. Gegen die Freisprechung legte der Vertreter der Anklage Berufung ein, so daß die Sache vor die Strafkammer kam, Tiefe kam zu der Ueberzeugung, daß der Ange­ klagte sich> schuldig gemacht habe. Er habe die Kartoffeln verheimlicht, um sein Vieh bes­ ser durchs den Winter zu bringen. Als Strafen für Zuwiderhandlungen ist Gefängnis- oder Geldstrafe festgesetzt, welchj letztere mimdestens das Zwanzigfache des Wertes der verheimlich­ ten Vorräte ausmachen müsse. Tie Gerldstrafe hätte demnach! nicht unter 5000 Matt bemessen werden dürfen. Teshalb fragte der Vonsitzende den Angeklagten, ob er eine Gefängnisstrafe der Geldstrafe vorziehe. Tor Landwirt ent­ schied sich für die Gefängnisstrafe. Tas Ge­ richt erkannte dann aus eine solche von fünf Tagen. ! i 28 000 Mart Geldstrafe. Tie Strafkammer in Posen verurteilte den RittergiHSbesitzer Bo- Allerlei. leslaus v. Moszczenski in Piglowice wegen im, befugten Verkaufs von ©erste und Ueberschirebtung der Höchstpreise zu 28 000 Mark Geld­ strafe. ! ; ────────── tenen Kräften noch! am Mend die ungefWve Linie Mangelaare — Langemarck — Zonne^cke - Beldhoek. " | Auchi an den -übrigen Frontteilen waren wir an diesem Tage vom Glück begünstigt, General Sieger nahm Morgens halb 8 Uhr das zäh verteidigte Wytschaete somit den Höhen nordwestlich! und westlich davon sowie die Hö­ hen nördlich! des Westausgangs von Wulverghem. General von Eberhardt gewann iM Nachdrängen hinter dem weichenden Feinde gleichfalls Boden bis zum Touvebach und Kemmelbachi und General Frhr. v. Marschall be­ setzte das vom Gegner gebäumte Bailleul. Bei der Armee "v. *Quast" verbreiterte General von Stein unsere Jrontlinie Nieuwekerke—Bailleul durch! die Einnahme des Torfes Meteren, das er gegen verschiedene von Tanks unterstützte kräftige Vorstöße von Engländern und Iran, zosen hielt. Auch! sonst wehrte die Armee "v. Quast" auf ihrem Kampfsvlde alle Gegen­ angriffe mit Erfolg ab. ; In den folgenden Tagen machte sich- die Verstärkung der feindlichen Kräfte mehr und mehr geltend. Tie Artillerie des Gegners hatte besonders an schweren Kalibern zugenommeNl und schoß planmäßiger, seine Infanterie war durch! Einschieben frischer Tivisijonen wesent­ lich! vermehrt worden und hatte sich zu neuer zäher Verteidigung eingerichtet. Am 18. April brachen belgische Truppen zu einem entschlossenen Gegenangriff aus -Mer-, (etn heraus gegen unsere Linie vor, ohne jedoch! nennenswerte Erfolge zu erzielen. Nach neuntägigem unaufhaltsamen Kam­ pfe gegen Gelände, Wasser und Feind wurde unser Siegeslauf am 18. April aus freiem Ent­ schluß gezügelt, noch ehe er seine Kräfte aufge­ zehrt hatte. j | | Tie Schlacht von Armentieres hat in ver­ hältnismäßig kurzer Zeit nicht nur unsern vor­ jährigen Geländeverlust in Flandern ausgegli­ chen, sondern den damaligen Erwerb der Eng­ länder weit übertroffen. Tie Gegner haben außer den sehr hohen 'blutigen Verlusten rund 20 000 Gefangene, 400 Geschütze, Tausende von Maschinengewehren, Gerät und Vorräte in großer Menge als Beute an uns verloren. I ] Eine neue Grundlage für weiteres Vorge­ hen war geschossen und sollte sich in Bälde betvähren. ; ■_ ( \ j Tier Endkamps um die letzte Entscheidung verlangt nach einem Miserwvrt Menschen Von Stahl an der Front und in der Heimat. j Menschen von Stahl — sind wir das,, wenn wir es nicht einmal fertig brächten, uns zum Heil des Vaterlandes von unserem Gold­ schmuck und Geschmeide zu trennen? I Trage dein Gold, deine Brillanter zur Goldankaussstelle, und du hilfst die Wirtschaft lichen Schwierigkeiten mildern «nd de» Krieg verkürze«. > i i i i ' ────────── und die Röte des Unwillens stieg ihr ins Ge­ sicht, "und dieser, mein Sohn, ist Ihr Enkel; Herr Gras." ' l "Ties ist anmaßend!" zischelte Lella so deutlich,, daß Maria es hören mußte. "Anmaßend finden Sie es, wenn ich, mich, bei meinem Namvn nenne?" Maria heftete groß und ruhig den glänzenden Blick aus das Mäd­ chen, das sich erlaubte, ihre Worte zu kriti­ sieren. ! - , "Dazu eben haben Sie kein Recht, Ma­ dame, nicht das geringste!" sagte der alte Graf erregt. "Mein Sohn hat Ihnen das doch bei seinem Besuche Aar gemacht!" Er wandte sich an Rüdiger: "Bitte, sprich, du und erkläre nochmals, falls du nicht richtig verstanden wur­ dest." i Gleichgültig stand der da, mit lässig ge­ kreuzten Armen, als ginge ihn dies alles nichts an; doch seine klugen Augen beobachteten leb­ haft. < , I ! "Ich habe mich bereits geäußert und ich pflege mich, nicht zu wiederholen," bemerkte er kühl. ; > "Es ist nicht nötig, den Herrn Grafen nochmals zu bemühen, da ich. ihn bereits genfip gend verstanden habe." l reizvoll sah sie aus, Me eine seltene exotische Blume. | ■ ! 1 ’ Ottokar atmete erleichtert aus; hier erhoff­ te er Hilfe und Beistand. Bald hatte sich! Maria gefaßt und ohne Befangenheit ertrug sie die auf sie gerichteten, musternden Blicke. Tas' junge Mädchen siel ihr aus durch die ungenierte und geringschätzige Art, mit der es sie betracht tete; Maria fühlte eine versteckte Feindschaft, einen beleidigenden Hochmut. Tas also war Maria Wirlberger, dachte Lella, diese blasse, verhärmte Frau mit den dunklen, stechenden Augen, in dem unmöglichen Regenmantel und dem Lodenhut! Sie lächelte, in sich hinein; nein, difese Rivalin hatte ihre junge, gepflegte Schönheit nicht zu fürchten. Maria erwartete eine Anrede. Fest hielt sie die Hand des Knaben in der ihrigen. Ter alte Graf Allwörden räusperte sich,: "Ich, hörte soeben, daß Sie gekommen sind, Madame, leider auch,, hm, daß Sie sich weiger­ ten, unsere Vorschläge anzunehmen." , "Tas tue ich! auch, heute noch, Herr Graf!" entgegnete sie mit fester Stimme. "Ja, ichj bitte Sie, was wollen Sie denn, Madame Wirlberger?" "Ich! nenne mich Gräfin Allwörden!" be­ merkte sie mit starker Betonung des Namens, ’ "Tann hätten Sie sich, und uns diese für beide Teile doch! Peinliche Begegnung sparen t können," polterte der alte Graf, "was wollen | Sie denn noch!?" f ■ I ! $ "Was ich will? Mein Recht will ich: Ten f Vater meiner Kinder! Ich! bin gekommen, ihn an seine Pflicht zu erinnern. Beinahe zwei I Jahre ist er feiner Familie fern geblieben." "Er war krank und konnte in der Enge und -Dürftigkeit seiner Umgebung nicht gesun­ den. Darauf habe ich! Rücksicht genommen und habe ihm alles verziehen, vorausgesetzt, daß er wieder bei uns lebt! Für Sie und Ihre Kin­ der wollen wir sorgen." Sehr gütig — 'doch ich nehme kein Almosen an. Gras Rüdiger kennt meine Ansicht ganz genau. — Ich! bin feine lästig gewordene Ge­ liebte, die man mit Geld abzufinden sucht!" rief sie entrüstet, "und ich Hebe die Ansprüche an meinen Mann nicht aus. Ottokar wird hoffent- t lich wissen, was er mir schuldig ist." , In peinlicher Verlegenheit stand er da. ) Er fühlte Lellas drängen-e Augen — er mutzte sich, ja erklären. ! I (Fortsetzung folgt.) 1 ────────── Bayerische Nachrichten. Ter Militär-Max-Joscph-Orden wurde verliehen dem auf dem Felde der Ehre gefalle­ nen, Leutnant d. R. Heinrich, Geißler des 18. Jnf.-Regts. und dem Oberleutnant Karl Weber des 13. Jnsanterie-Regts. Ein Vertreter des "Hias" gefallen. Lehrer Amesmeier von Moosburg steht aus der letzten Ehrentafel des Bayerischen Volksschullehrer Vereins. Er ist als Leutnant den Fliegertod ge­ storben. Für das feldgraue Spiel "Ter Hias" hat er in fast 200 Aufführungen seine reiche Begabung eingesetzt und den Helden des Stückes vorbildlich verkörpert. { ────────── Literarisches. 2«s freie Wort. Frankfurter HalbmonatS-' fchtrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Herausgegeben von Maz Henning. 15. Jahrgang. Heft 19/20. Frank­ furt a. W. Neuer Frankfurter Verlag G. a b. H. Preis vierteljährlich 2 Wart. Ter Ver­ lag gibt auf Wunsch Probehefte gratis ab ────────── Stätte der Musen, zicht es mich! zurück zur Hauptstadt des Königreiches, in welcher ich frü­ her bereits 24 Jahre wirkte und an welche mich zahlreiche liebe Bande fesseln. Doch nicht länger ziemt es sich-, von dem zu sprechen, wasmich bewegt. Herr Rektor erwähnte dann, daß von den traurigen Folgen des so lange an­ dauernden Krieges auch! das Gymnasium nicht verschont blieb, daß das Studium wohl litt, aber dennoch, geleistet wurde, was eben möglich war. Don 32 Schülern, denen das Reifezeug­ nis erteilt wurde, wurde es 29 auf Grund früherer Leistung ausgestellt, da sie im Felde standen und die höheren Schulen nicht besu­ chen konnten. Von den 3 übrigen, die die höhe­ ren Schulen besuchten, kam der eine vom Felde zurück mit schwerer Verwundung und 2 Aus­ zeichnungen. 11 Mitglieder des Gymnasiums starben bereits den Heldentod. Ferner erwähn­ te Redner die gemeinnützige Heimbetätigung der Schüler des Gymnasiums und schloß mit einem dreifachen Hoch auf das Königshaus. Ein Absolvent gab der Liebe und Verehrung Ausdruck, die dem Herrn Rektor von feinen. Schülern gezollt' wird. Knabenchöre unter Lei­ tung des -Herrn k. GhmnasialmufiklehrersSchan» ze und deklamatorische Vorträge verschönten die Feier. —* Ter Realschu labsolventen ver­ band veranstaltete am Samstag in der schön gezierten Jägerhalle zu Ehren der Absolvia 1918 (60 Mann) der k. Real- und Handelsschule Linen Herrenabend, der sich; eines starken Be­ suches erfreute. Ten musikalischen Teil hatte die verstärkte Verbandskapelle unter Leitung des Herrn stellv. Tirigenten Hofsmann über­ nommen und mit großes Beifall durchgeführt. Herr Vorstand Hoflieferant Linnbrunner be­ glückwünschte die Absolventen zum Abschluß ihrer Schulbildung und gedachte dann des 25, fahrigen Bestehens des Verbandes, das mit Rücksicht aus die Kriegszeit einer besonderen Feier entbehren müsse, gemäß dem Versprechen, das den in den Kampf für das Vaterland ziehenden Verbaudsbrüdern, von denen bereits 55 ihre Treue zum Vaterlands mit beim 1 Tode besiegelt haben, gegeben worden sei, keine grö­ ßeren Feste während ihrer Abwesenheit zu fei­ ern. Herrn Linnbrunner wurde in Anerken­ nung seiner mit unentwegter Treue und Hm». %|abe seit 25 Jahren betätigten Leitung des Verbandes vom 2. Vorstande ein Ehrenbecher überreicht. Herr Absolvent Doll dankte im Namen der Wsolventen für die schöne Feier. —* Einen Familienabend veranstal­ tete die Absolvia der K. Real» und Handelsschu< le am Sonntag ^abends in der Jägerhallei Es hatten sich Herren Professoren, Vertreter der hiesigen Offizierskorps, der städt. Behör­ den und zahlreiche Gäste eingesunden. Ein reizender Tamenslor belebte das Fest. "Herr Ab­ solvent Kahlhammer begrüßte die Ehrengäste und Gäste, Herr Absolvent Häusler gckb dem Tanke an die Herren Professoren und Eltern Ausdruck für ihre Bemühungen. Herr Prvsefsor Pfister wünschte den Absolventen im Namen des Lehrerkollegiums der Schule Glück auf ihrem ferneren Lebensweg, desgleichen Herr Leutnqut d. R. Ehrbacher im Namen des Offi­ zierskorps und Herr M.-R. Jllinger im Namen der Stadt. Ten musikalischen Teil brachte die Stadtkapelle zu trefflicher Durchführung. —*Die Absolv ia der Hiesigen Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik, 29 Mann, hielt im Hotel Dräxlmair eine Abschiedsse5er, die sich, eines guten Besuches von Angehörigen der Schüler und Gästen erfreute. —* K. Kre istaubstummenanstalt für Niederbahern. Nach dem Jahresberkht für das abgelaufene Schuljahr stehen 4 Lehrer im Heeresdienste. Für 10 Zöglinge wurde der gan­ ze BerpslegunKsbeitrag von 240 Mk. von bett Angehörigen entrichtet, für 11 Zöglinge die Hälfte. Gemeindliche bezw. staatliche Mittel zu den Unterhaltungskosten wurden für keinen Zögling in Anspruch, genommen. Gewährt wur­ den aus KreiSsondls 8 ganze und 2 halbe Freiplätze aus Mitteln des Vereins zur Förde­ rung des Taubstummenunterrichts in Niederdayern, -27 ganze und 8 halbe Freiplätze aus Anstaltsmitteln, 1 ganzer Freiplatz und 5 halbe Freiplätze aus der gräfl. von Törnbergffchen Stiftung. An Vermächtnissen sind der Anstatt im Laufe des Berichtsjahres 11803,03 Mk. zu Gunsten der Errichtung von Freiplätzen für Anstattszöglinge zugeflossen. —* Feldp ostpäckchen werden oft un­ bestellbar, weil die Adresse abfällt. Es wird daher wiederholt daraus hingewiesen, in jedes Feldpostpaket eine Reserveadresse zu legen, da­ mit solche Pakete ihrem Empfänger zugestellt lverden können. , —* Pharmazeutische Vorprüfung, Tie nächste pharmazeutische Vorprüfung für den Regierungsbezirk Niederbahern beginnt am Dienstag, 17. September, am Sitze der K. Re­ gierung hier. Anmeldungen hierzu müssen bis 15. August erfolgt sein. > ────────── Dienstnachrichten. ! Justizdienst. Ter im Heere dienende frü­ here Gerichtsschreibergehilse bei dem Amtsge­ richte Passau Anton Herbst wurde zum Ge­ richtsassistenten außer dem Status bei diesem Gerichte in etatsmäßiger Eigenschaft ernannjt. Schuldienst. Tie Volks schullehrer-, Mes­ ner- und Organistenstelle ttt Warzenried, k. Tistrtktsschulinspektion Neultirchen hl. Bl., ist ab 1. September 1918 erledigt. Endtag für Be­ werbungen: 3. August 1918. , Schuldienst. Tie Volksschullehrer-, Mes­ ner- und Organistenstelle in Ganacker, K. Distriktsschulinspektivn Landau a. 1.1 in Pilstisng, ist erledigt. Endtag für Bewerbungen 5. Au­ gust 1918. ────────── Letzte Posten. bilden und ihre Streitigkeiten künstijg fchieds| gerichtlich austragen. 2. Jede gegenseitige Be. herrschung muß ausgeschlossen sein. 3. Gebietsveränderungen ans Kosten der Mittelmäch­ te, außerdem insbesondere bezüglich! OesterreichUngarns innere Zerstückelung zum Zwecke der Bildung neuer Staatswesen. Sachlich stehen zwischen den kriegführenden Parteien eigent­ lich! nur die Ziele territorialer Natur. Für Ge­ rechtigkeit, Freiheit, Ehre, Bölkersriede und Gleichberechtigung als Gebote einer zeitgemä­ ßen politischen Auffassung wollen wir uns selbst einsetzen. Auch! besteht in diesen allgemeinen! Grundsätzen kaum ein Unterschied. Auch den neuen 4 Punkten Wilsons werden mit warm zustimmen können. Mr sind imwer bereit, mit den Feinden in Friedensverhandlungen ein­ zutreten. Sühne für getanes Unrecht können wir ihnen gegenüber mit viel mehr Recht vertatfgen, penn wir sind die Angegriffenen. Ueber das Bündnis mit Teutschland sagt Burian: Tie ms Gemeinbewutztsein eingedrungenen Erfahrungen aus langer Bündniszeit veranlassen uns zu einem Ausbau des Bündnis!. Fes, streng im Geiste des alten Vertrages, im Ginklang mit den Wünschen der überwiiegenden Massen der Völker, in befriedigender Lö-, jsung aller aus dem Kriege entstandenen Fra­ gen. Ter neue Vertrag Poll die vielfachen Wirt-, -schaftlichen, militärischen und sonstigen Be­ ziehungen den veränderten Verhältnissen an­ Oesterreich! zur Friedensfrage. Wien, 15. Juli. Tie den beidenMinWer Präsidenten vom Minister des Aeutzerm zuge gangene Mitteilung über seine Ausiassmvg bei äußeren Lage besagt u. a.: In den gegnerischer , Kriegszielen erkennen wir drei Gruppen vor ! Bestrebungen, mit denen versucht wird, das Fortsetzen des Blutvergießens zu rechtfertigen. 1. Freiheit atter Völker, die einen Weltbuni: lassen, sowie die mit der Wiedergeburt Polens, zusammenhängenden Fragen unter Rücksicht- . nähme auf die Wünsche der Bevölkerung lösen.. Ueber den Verhandlungen steht als obersten, i Grundsatz die Souveränität der Völker, Paritttt und Unabhängigkeit der vertragschließenden Mächte. Das Bündnis sott auch künftighin gegen niemand eine Bedrohung oder Unfreund­ lichkeit bedeuten. ────────── Eisenbahnfahrplan. (zum Ausschneiden). GM, -b 15. Mai 1918. Abfahrt oon Laadshat mch: München; Vormittags 6 15 9 01 D Nachmittags 12 30 4 35 5 20 D 8 46 D 9 05 (nur an Sonnu. Feiertagen). Regensbnrg—Hof: Vormittags 5 40 8 n D 9 54 Nachmittags 1 18 D 2 50 7 10 8 38 D Neumarkt a/R.—Mühldorf i. Ob.: Vormittags 4 47 10 5 ® (nur an Werktagen) Nachmittags 12ie 7 5 de * 10 9 08 Plattttng—Eifenstein—Paffau: Vormittags 8 15 Eisenstein Nachmittags 3 55 9 10 Eisenstein Plattttng Rottenburg: Vormittags 8 40 Nachmittags 7— Aabaast ia Laadshat am: München: Vormittags 7 14 ab Freising 8 07 D 9 38 Nachmittags 1 14 D 2 36 6 55 8 33 D 10 56 (nur an Sonn« u. Feiertagen). Regensburg—Hof: Vormittags 8 03 8 58 D Nachmittags 3 46 5 18 D 8 18 8 38 D Nenmarkt a/R.—Mühldorf i. Ob.; Vormittags 7 35 9 28 Neumarkt Nachmittags l 31 8 20 Plattttng-Eisenstein—Paffau: Vormittags 7 32 ll 59 Plattttng Eisenstein Nachmittags 8 2s Eisenst. Rottenburg: Vormittags 7 51 Nachmittags 2 33 ────────── Inserate. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Abgabe von Käs. Gegen die im I u l i geltenden Käsmarken kann ab Mittwoch den 17. Juli e. 135 Gramm KW abgegeben werden. Landshut, den 15. Juni 1918. Sladtmagistrat LaudShnt. ────────── Städtische Schwimmschule. 16. Juli 1918. Wasser . 19 Grad C. Lust . . 24 Grad C