Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-07-24. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 199, 1918-07-24. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Fliegerangriffe ans Lffenvnrg und Rottweil. — Dr. Hrlfferich Gesandter in Moskau. ────────── Ser -MW MW. ' WTB. Berlin, 23. Juli 1918, mittags Großes Hauptquartier: «etlicher »rt,s»?»a«Pl«tz. Heeresgruppe »es Geueralscldmarschalls Kronprinz Rupprecht wn Bayern. Englische Abteilungen stießen an vielen Stellen der Front gegen unsere Linien vor. Sie wurden abgewiesen. Tie Artillerietätig­ keit lebte am Abend wieder auf. Heeresgruppe des deutschen Kronprinzen. An der Kampffront trat zeitweilig Ruhe ein. Südlich, der Aisne hat der Feind infolge schwerer Verluste seine Angriffe gestern nicht erneuert. Auch! der Artilleriekampf hat hier an Stärke nachgelassen. Beiderseits des Ourcq und zwischen Ourcq und Marne führte der Feind fast in allen Ab­ schnitten heftige Teilangriffe. Sie wurden ab­ gewiesen. Südlich! des Ourcq brachten sie un­ sere Gegenstöße zum Scheitern. Feindliche Abteilungen, die beiderseits von Jaulgonne in unsere Vorpostenstellungen an der Marne eindrangen, wurden tpt Gegenan­ griff an den Fluß zurückgeworfen. Oertliche Kämpfe südwestlich und östlich von Reims. Gestern wurden 52 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Löwenhardt errang seinen 41. und 42., Leut­ nant Billik seinen 26., Leutnant Bolle seinen 25. pnd Leutnant Pippard feinen 20. und 21. Luftsieg. We«VL!lWarLi«MiA-M. • : r *i . ' i ^ WTB. ^etit n, den 23. Juli. Amtlicher Abendbericht: Oertliche Kämpfe auf dem Westuser der Avre. Zwischen Soiffons und Reims hat die Hee­ resgruppe Teutscher Kronprinz erneute einheit­ liche Angriffe starker feindlicher Massen zum Scheitern gebracht. , f i Die Heeresberichte. Ser öst«r.-W. MW. ' WTB. Wie n, den 23. Juli, mittags. Attttttch wird gemeldet: , Auf dem italienischen Kriegsschauplatz Artilleriekiämpse wechselnder Stärke. An der albanischen Front setzte der Feind seine Angriffsversuche beiderseits des oberen Levolitales fort. Sie wurden alle abgeschlagen. > * ■ .. Chef des Generalstabs. ────────── einem Wvlkensturz von Bomben 50 Prozent Verluste beigefügt hätten. Das unzutreffende dieser Behauptung geht schon aus der roman­ haften Aufmachung der Meldung von der ge­ nauen Angabe der Verlustprozente hervor. An der französischen Behauptung ist kein wahres Wort. Ter Feind hat im Gegenteil einen völli­ gen Luststoß gemacht, bei dem seine Massen von vtnferem wirkungsvollen Feuer gefaßt wur­ den. Tie Kämpft an »er Marne und Ar»re. Reuter meldet von der Marne, daß nun der Feind die Franzosen daran hindere, den Fluß zu überschreiten. Im Ardretale hätten die Engländer infolge eines deutschen Gegenan­ griffes etwas Gelände ausgeben müssen. Ter belgische Ministerpräsident über das Faustpfand. WTB. Le Havre, 23. Juli. (Ageuee Ha­ vas.) Bei einem von der belgischen Regierung! den belgischen Parlamentariern gegebenen Frühstück erklärte der Ministerpräsident Cooreman: Belgien will keinen anderen Frieden als einen Frieden der Ehre und des Rechtes. Es weist die kühne, kürzlich im Reichstag au§ge* sprochene Theorie zurück, aus Belgien ein Faust­ pfand in den Händen seines Schuldners zu ma­ chen, welches von Belgien Bürgschaften gegen seinen Angreifer verlangt. Belgien wird sich über die Reorganisation der Beziehungen zwi­ schen den Staaten nur in vollem Einvernehmen mit den Mächten aussprechen, welche mit ihm für die Sache des Rechtes kämpfen. Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie französisch^ Gegenoffensive. Aus Berlin, 22. Juli, wird berichtet: Ter große, die Entscheidung suchendeKampf Fochs hat auch am vierten Schlachttag mit einem Mißerfolg für den Ententegeneralissimus geendet. An der ganzen Hauptangrtffssront von der Aisne bis zur Marne verbluteten sich auss neue die frischen Reserven des Fein­ des, ohne irgend welchen Vorteil erringen zu können. Wo der Gegner infolge rücksichtsloser Anhäufung seiner Massen auf engem Raume in unsere Linien eindringen konnte, wurde er sofort wieder geworfen. An den Brennpunkten des Kampfes waren lie feindlichen Blutopser besonders schwer. Weder der Einsatz zahlreicher Tankgeschwader, noch die Vernebelung des Kampffeldes, noch, die Massenverschwendung seiner Kräfte konnten den Feind seinem Ziele näherbringen. Während in den großen Offen­ siven dieses Jahres die Teutschem bei geringen Derttlsten in wenigen Tagen 60 bbis 89 Kilome­ ter im Angriff durchschritten mnd die feind­ lichen Armeen oft zu überstürzter: Flucht zwan­ gen, hat General Fvch kärglicher Anfangserfolge wegen viele Hunderttausende eingesetzt, ohne auch! nur im entferntesten ,ähnliche Erfolge, ge­ schweige denn die erstrebte Entscheidung errin­ gen zu sönnen.' In der Mulde östlich! von Ploissh wurden wiederum auch! am 21. Juli feindliche Infante­ rie- und Kavallerie-Bereitstellungen von den Teutschen beobachtet, die sofort aus dieses loh­ nende Ziel ihr Bernichtungsseuer zusammen­ faßten und die feindlichen Ansammlungen zer­ sprengten; die gegnerische Kavallerie vcrschwand fluchtartig in westlicher Richtung. Am Abend des 21. Juli südlich der Aisne einheitlich, angesetzte deutsche Jagd- und Schlachtfliegergeschwader griffen die feindli­ chen Truppenbereitstellungen mir Bomben und Maschinengewehrfeuer an und fügten dem Fein­ de schwere Verluste zu. Tes öfteren konnte fluchtartiges Auseinanderlaufen der gegneri­ schen Ansammlungen und Kolonnen beobachtet werden. f 5 Clcmenceau an »er Front. Wie die Agence Havas meldet, hat Clemenceau begleitet von Remy Renault, dem Präsidenten der Armeekommission, den gestri­ gen Sonntag an der Front verbracht. Er hat dabei auch, Chateau Thierry besucht, dessen Sttaßen nach, den offiziellen Berichten von Trümmern und Leichen angefüllt sind. * Tias möchten sie. | Ter Lyoner Funkspruch, vom 21. Juli 8 I Uhr abends behauptet, daß die Franzosen die I vom Feinde ungestörte Zurücknahme unserer I Truppen über die Marne gemerkt und uns mit I einem Regen von Ma schinengewehrkugeln und ────────── Aus Rußland. Italienische Freiwilligenkorps in Gr- | 1 Birten. Nach einer Meldung der Epoca bilden italienische Jrredentisten, die in Rußland wei­ len, Freiwilligenkorps zur Unterstützung der Tschecho-Slowaken in Sibirien. General Horwad "Herrscher aller russischen Länder". Tie Times melden aus Charbin: General Horwad, der Führer der Tschecho-Slowaken, hat sich, am 10. Juli zum vorläufigen Herr­ scher über alle russischen Länder proklamiert. In seiner Proklamation heißt es, daß er die Ordnung wieder herstellt und die gesetzmäßige Versammlung wieder einberufen werde. Tft Lage in Sibirien. , Nach einer Timesmeldung aus Tokio, ge­ lang es dem Kosakengeneral Ussuri, den Maximattsten zu entfliehen. Er habe eine Armee ge­ sammelt und damit einen Panzerzug angegrif­ fen .Tie Kosaken des Ortes haben sich ihm ange­ schlossen. Jetzt stehe diese Armee weiter nord­ westlich, in einer neuen Schlacht gegen 3000 Maximattsten. ────────── Aus Polen. Unterstützung polnischer Rückwanderer. Warschau, 23. Juli. Wie wir aus amt­ licher Quelle erführen, sind dem polnischen Finanzministerium durch« den Generalgouverneur drei Millionen Mark zur Verfügung ge­ stellt worden zur Unterstützung der polnischen Rückwanderer. ────────── Aus Finnland. Ein Gesechjt zwischen Finnländern und , ! ' Engländern. 1 ' Tex Korrespondent der Times in Christinania meldet seinem Blatte: Nachi Berichten aus Finnland sind die Vorposten Der finischen Truppen 20 Kilometer von dem nörd­ lichen Teil der Murmanbahn auf der Halb­ insel Kola entfernt mit britischen Truppen in ein Gefecht verwickell. 1 Tie finnische Garde. Stockholm, 23. Juli. Als die finnische Weiße Garde zu einem stehenden Heer umge-. bildet wurde, war es klar, daß damit manche Unzufriedenheit geweckt würde. Tatsächlich sieht sich! jetzt auch schon der Oberbefehlshaber veran­ laßt gegen eine gewisse antimilitärische Stgir tatton einzuschreiten. In einem Tagesbefehl werden die Soldaten vor den hetzenden Elemen­ ten gewarnt und die Enthaltung von politi­ scher Betätigung verlangt; die Mannschaften sollen überwacht und durch Aufklärung und vaterländischen Unterricht vor Tisziplinwidrigteiten bewahrt werden. ' . Tic Verluste iw finnischen Bürgerkrieg. Tie Verluste der Weißen Garde im Bür­ gerkrieg werden vom finnischen GeneralstaS auf 2320 Tote, über 5700 Verwundete- und 170 Vermißte berechnet. ────────── Mißstände und Tiebstähle im italienischen 1 Eisenbahnwesen. Tie katastrophale Kohlenknapptzeit, unter der Italien seit langem leidet, hat bekanntlich! zu einer weitgehenden Einschränkung der Elsen-, bahnbetriebe und einer argen Zerrüttung des gesamten nicht-militärischen Verkehrswesens ge­ führt. Tatz aber die durchs Kohlenmangel und die Kohlenteuerung h»rvorgerufe«en Mißstände nicht die einzigen sind, unter denen das italienische Eisenbahnwesen zu leiden hat, zeigte kürzlich! ein Klageruf des "(Sortiere della Se­ ra", den die "Neue Zürcher Zeitung" wieder­ gab. Tas italienische Blatt nennt die in Ita­ lien herrschenden Eisenbahnzustände "gerade­ zu trostlos". Völliges Versagen der Organisa­ tion auf der einen, Günstlingswirtschaft aus der anderan Seite y- das ist das Kennzeichen der Lage! Masserchaft stehen auf manchen Statio­ nen Güterwagen herum, nutzlos hevmn, um die sich kein Mensch ^kümmert, während sich anderswo ein nahezu unerträglicher Mangel an rollendem Material bemerkbar macht. 8titf einer einzigen Station bei Mailand kann' der Schaden, der täglich dmW die Nichkbenutzung der Güterwagen entsteht, auf 50000 Lire be­ ziffert werden! Was aber an Waggons ver­ fügbar ist, wird ganz einseitig gewissen bevor­ zugten Benutzen, zur Verfügung gestellt, wäh­ rend die gro§» Waffe der Verfracht«: das Nachsehen hat. — Auch die Diebereien auf bett Bahnen, unter denen ja allerdings heute alle Länder mehr oder weniger zu leiden Ho­ tz Ben, scheinen in Italien noch erheblich mehr 1 als anderswo gang und gäbe zu sein. Auf I fast allen Stationen sind Leute im Bahndienst J tätig, die wegen Diebstahls schon früher ange* klagt und vorbestraft gewesen sind; ja, gerade solchen Individuen ist an zahlreichen Stellen die Ueberwachung der Güter anvertraut! Auf der einen Station Sempione bei Mailand haben im Laufe von nur drei Monaten 485 Verhand­ lungen wegen vorgekommener Diebereien auf­ genommen werden müssen! Der "Sortiere" bezeichnet diese Zustände als "vorsintflutlich", Tie "Neue Zürcher Zeitung" unterstreicht die Schilderungen noch durch die Mitteilung, daß auch die Schweizer Güterwagen, die nach Ita­ lien gelaufen seien, bei der Rückkehr "nur zu oft Mängel auftotefen, die aus leichtfertiger Behandlung und Tiebstählen herzurühren Pfle­ gen". Wenn auch! für derartige Beschädigungen die italienische Regierung haftbar sei, so ent­ spreche doch die Höhe der Vergütung nicht ent­ fernt dem Aufwand, den die Wiederherstellung aufgrund der im Kriege so gewaltig gestiege­ nen Material reise erfordere. I Ter Sozialistenkongretz in Rom verboten. Nach! dem Avanti wurde der auf den 27. bis 30. Juli nach Rom einberufene nationale Sozialistenkongreß vom Präsidenten von Rom : verboten. Der Parteisekretär Bombacei hat da­ gegen sofort Protest eingelegt. Ter Avanti ist über diese verfassungswidrige Polizeimaß­ nahme empört, die das Blatt auf Orlando Zurückführt und verweist nachdrücklich darauf, ' daß in allen anderen kriegführenden Ländern die beiden Lager der Mehrheits- und Minder­ heitssozialisten über alle mit dem Krieg zu­ sammenhängenden Fragen frei und offen dis­ putieren und dazu in Beschlüssen Stellung ge­ nommen haben. , , Der Krieg mit Italien. ────────── Der Krieg mit England. ' 1 Englische Soldaten ermorden deutsche s Kriegsgefangene. i I Tie Rohheit und erbarmungslose Grau­ samkeit der Engländer kennt keine Achtung keine Schonung des besiegten und weHrlosen Gegners .Tiese'chüttere Erfahrung, die so viele unserer braven Sroldaten in Belgien uudNordfrankrsech gemacht! haben, ist auch dem Leut­ nant L. nicht erspart geblieben, der nur durch einen Zufall dem hinterhältigen und gewalti tätigen Tode durch englische Mörder entging. Ueber seine Gefangennahme bei Becelaire tnt Oktober 1917, wo die Engländer jeden Gefan­ genen rücksichtslos niederschössen, berichtet er: "Ein Mann hvinkte mit dem Taschentuch!? er wurde niederge»schossen. Ein Wann hob die Hände hoch!? er wmrde gleichfalls niedergeschos­ sen .Jetzt kamen etwa zehn Engländer mit I ausgepflanztem Seitengewehr aus mich! zu, be1 schimpfte« mich und wollten mich erstechen. Ehe sie stch näher zu mir heranwagten, brüll­ ten sie: "Hände hoch, Hände hoch!" Ich tatdies nicht, da ich wußte, was mein Los war. Tie Engländer nahmen mir hieraus meinKoppel und mein Fernglas ab und gaben mir durch« Winken mit der Hand die Richtung an, nach« bec ich hingehen sollte. Im wlbenAugenbllck wurde ich von hinten nieoergeschosserff Jch> stürzte zusammen und jtet hierbei in ein Granatloch, mit dem Gesicht in den Schlamm. Ter Engländer wollte sich« van meinem Tode überzeugen und kam zu mir, schüttelte müh an der Schulter und rief hierbei: "-Kamerad, Kamerad!" Ta ich! aber nicht antwortete, glaub­ te er, ich sei tot und ging wieder fort." Bei de^elben Gelegenheit geriet der Leut­ nant Lz. mu etwa 20 Soldaten i« die Hände der Engländer. xtiefe triebe« die Gefangenen mit Gewalt in eine» Sumpf und schösse» die Wehrlosen mit Maschinengewehren nieder. £§. wurde außerdem Deraubt. Er stellte sich« tot und entging so Mm Morde. jttmn man nach blasen einwandfreien Zeug­ nissen noch daran zweifeln, bdß die Engländer ganz planmäßig tauf höheren Bejlehl deutsche Kmegsgefanpene ermordet haben? Der betinänfjottge Eamillc HnydmckUs. Ter Sekretär des internationalen soziali­ stischen Bvros, Cttmille Huysmans, hat fstcs« Irch eine nicht gerade sehr schmackhafte Probe von englischer "Freiheit" und "Brüderlichkeit" in Empfang nehmen müssen. Tie "Times" vom 27. Juni schreibt: "Der .Polizeigerichtshof des Londoner Vorortes Hampstead hat gestern Herrn Camille Huhsmans, wohnhaft in der Worsley-Road, in Hampstead, Mitglled des belgischen Parlaments ; und des Brüsseler Gemeinderats, zu 5 Pfund : Sterling Geldstrafe verurteilt, weil er als bel­ gischer Flüchtling es unterlassen hatte, den englischen Behörden seinen Ausweis vorzuzei­ gen. Ter englische Polizeiinspektor Talson sagi te aus, das; neuerdings Klagen Über ein "ver­ dächtiges Benehmen" des Beschuldigten einge­ laufen seien. Der Beschuldigte, in Belgien geboren, hätte vorgehabt, zu der beabsichtig­ ten sozialisttschen Konferenz nach Paris zu ; fahren. Tie Besatzung des Bootes hätte sich! ! aber geweigert, ihn mitzunehmen." ────────── Aus Grtcchpnland. Wie die Agence Hellenique aus dem Haag meldet, berichten die englischen Blätter, daß «ein großer Brand gewaltige Mengen oonKriegsmaterial und Heereslieferungen im Hafen von Piräus vernichtete. Der Schaden soll mehrere Millionen Pfund Sterling betragen. Am Balkan. ────────── Aus neutralen Ländern. Norwegen und Engt and. I Christiania, 23. Juli. Ter gewöhnI liche Warenaustausch zwischen Norwegen unfcf Rußland kommt dieses Jahr nicht zustande, weil England seine Zustimmung zu der Aus­ fuhr nicht geben' will, weder nach Rußland, nochl nach Finnland. ────────── Japan im Kriege. Japans Ansprüche. I Holländische Finanzkreise erfahren aus Londoner Börsenkreiseg, daß nach! Aeußerun­ gen japanische^ Bankdirektoren in London Ja­ pan für ein Eingreifen in Sibirien mindestens ein Gebiet beanspruche, das sich nördlich des­ jenigen Teiles der transsibirischen Eisenbahn erstrecke, der durch die Stationen Wladiwostok und Irkutsk begrenzt wird. Tas Gebiet er­ streckt sich! von Jrkus'k aus rund 1000 englische Meilen in der Richtung aus Irkutsk und von dort in östlicher Richtung nach dem russischen Hafen Nikolajewsk gegenüber der Ins»! Sacha­ lin. Japan würde dadurch« in Sibirien ein Gebiet erhalten, das etwa 2einhalbmal so groß als Teutschland sei und das die beiden besten Häfen Wladiwostok und Nikvlajtzwsk umfasse. ────────── Sk. 199 [ Ein Verbrechen gegen die Gerechtigkeit. Me Mörder des deutschen Reichsang eh-örigen Robert Prager sind von dem ameri­ kanischen Geschworenengericht freigesprochen worden. Die Newyovk Times äußerr dazu u. a.: Tie Freisprechung der Mörder Robert Pra­ gers war offenftchilich ein schweres Vergehen gegen die Gerechtigkeit. Der Verteidiger berief sich! auf ein "neues ungeschriebenes Gesetz". Das alte ungeschriebene Gesetz war Schande und Skandal, das neue, welches ebenfalls den Mord als gesetzliche amerikanische Institution betrach­ tet, ist sicherlich nichts weniger als dies. Auch die Newhork Evening Post erklärt die Frei­ sprechung der Mörder Pragers für einen schwe­ ren Verstoß gegen die Gerechtigkeit. Ter Tat­ bestand, so sagt sie, war nicht zweifelhaft, aber die Jury weigerte sich,, die Verurteilung aus­ zusprechen. Das Verdikt ging dahin, daß es kein Verbrechen sei, einen Teutschen zu töten. Der ganze bedauernswerte Fall sollte jeden Amerikaner mit Scham erfüllen. Hierzu schreibt die Bayer. Staatsztg.: Wir haben diesen Auslassungen amerikanischer Blat­ ter nur hinzuzufügen sdaß sie viel zu milde sind. Eine Rechtsprechung, die sich auf den von dem amerikanischen Geschworenengericht eingenommenen Standpunkt stellt, ist nicht die Rechtsprechung eines zivilisierten Staates. Sie ist ein Verbrechen an der Gerechtigkeit, an der Menschheit und bedeckt das Land, in dem sie möglich war, mit Schmach und Schande. Lichtlosc Rächte in Amerika. Ter Matin berichtet aus Newhork, daß die Regierung für unbestimmte Zeitdauer ab 25. Juli für die Staaten New-England, NewJersey, Newhork, Pennsglvanien, Telware, Ma­ ryland, sowie für den Distrikt Columbia vier lichtlose Nächte, in den übrigen Staaten zwei lichtlose Nächte pro Woche angeordnet habe. ────────── Der Luftkrieg. Flugboot ein wichtiges Mittel zur Unterbin­ dung bett Unterseebootskrieges in ihren Küstengewässern gefunden zu haben. Unsere Flie­ ger an der flandrischen Küste haben gezeigt, daß sie auch! mit diesem, nicht zu verachtenden Geg­ ner, der in vieler Hinsicht eine neue Entwick­ lungsstufe der Luftwaffe darstelle, fertig zu werden wissen. > > x ' Das Curtisboot ist ausgerüstet mit zwei starken Motoren zu je 350 PS., hat auf 10 Stunden Betriebsstoff und eine Geschwindigkeit von 155 Kilometern in der Stunde. Seine Be­ satzung besteht aus einem Kommandanten und vier Mann. Als Angriffswaffe gegen Unter­ seeboote führt es vier schwere Wasserbomben mit. Außerdem trägt es eine Bewaffnung von fünf Maschinengewehren. | [ ────────── Der Krieg zur See. Zum Untergang der "Vaterland". Hamburg, 23. Juli. Tie "Vaterland" ivar von den Amerikanern mit ganz besonderen Sicherheitsmaßnahmen, u. a. Mit starken Ne­ tzen gegen eine Torpedierung ausgerüstet wor­ den, so daß sie darauf bauten, daß das Schiff selbst wenn es ein Torpedo erreichen sollte, nicht zum Sinken gebracht werden könnte; au­ ßerdem war das Schiff mit doppelten Wan-, düngen und unAählichjen Schotten versehen. In Hamburg hat die Meldung von der -Versenkung d^er "Vaterland" das denkbar größte Aufsehen erregt. ────────── Tages-Uebersicht. Von den Mitgliedern des Verbandes deut­ scher Buchdrucker erhielten bis jetzt 6000 das Eiserne Kreuz. 1 i I | , ! t Ter neue Leiter der Tänziger Kaiserlichen Werft. Ter Werstdirektor, Konteradmiral Kaxl Holzeg, der seit August 1917 Leiter der Tanziger Kaiserlichen Werft ist, wird nach einer Meldung der "Tanziger Nachrichten" demnächst von Tanzig scheiden, um einer Berufung ins Reichsmarineami zu folgen An seiner Stelle ist einstweilen Konteradmiral Freiherr von Tallwigk zu Lichtenfels, Abteilungschef im Reichsmarineamt, mit der Führung der Ge­ schäfte des Oberwerftdirektors beauftragt wor­ den. ────────── cherin die Frage, ob sie denn wirklich rauchen müsse; sie antwortete, sie könne das Rauchen nicht lassen, sie müsse 10—15 Zigaretten im Tage haben. Ich, stehe seit 41 Monaten im Felde, war 28 Monate in vorderster InfanterieLinie und nehme seit 13 Monaten als Flieger bei jeder Offensive teil. Und viele stehen ebenso lange im Felde. Alle diese Leute haben wohl ein Recht daraus, daß ihnen''die "Damen" in der Heimat den Genuß einer Zigarette, die im Felde jetzt schon 22 Psg. kostet — für Zigarren müssen wir 80 ,Pfg. bezahlen — nicht noch mehr verteuern. ────────── der nicht viel an Größe nach. Dunkle Augen leuchteten aus dem schönen Gesicht mit den klassischen Zügen, und in dem schweren, kastanienfarbenen Haar hatten sich! wohl Sonnen­ strahlen gefangen, daß es darin aufteuchtete wie lauteres Gold; wie Goldglanz lag es auch! in ihrer weichen, dunklen Stimme, mit der sie die Menschen unwillkürlich für sich ein­ nahm. i J I ! ‘ t , ! ! Und doch lastete es schwer auf Maria, wenn sie an die Zukunft der Tochter dachte] Diese Feiertage nach! so langen Arbeitsjahren hätte sie ihr am liebsten für immer gegönnt* Aber sie mußten doch! ein Ende nehmen, denn Lore war darauf angewiesen, sich! ihr Brot selbst zu verdienen. Sie sprach! auch schon davon, daß sie sich! nun bald um eine Stellung bemühen wolle, ehe sie sich, an einer staatlichen Schule anstellen ließ, wollte fie Stn oder zwei Jahre in einer Familie als Erzieherin tätig sein. 1 I l ! Sie inserierten in einem vielgelesenen Blatt, und Lore war nun voller Erwartung. Erich brachte mehrere Tage später vom Post­ amt des Torfes Steinfurt ein Päckchen Briefe mit, die sie alle zusammen lasen. Die Allwördens. ] i Rolmian von Fr. Aehne. (Copyright 1913 bh Greiner u. Comp., ! ! , Berlin W. 30.) ! | MM i ! 1 (Nachdruck verboten.) , 21] "Sie muß sich! doch erst einarbeiten unb' muß mit der Kundschaft bekannt werden! Sie hat einen anständigen .Preis gezahlt." 1 i "Und nun ruhst du dich! aus, liebes Mutt­ chen!" rief das junge Mädchen, "ich suche mir eine Stelle." ! ; "Das eilt nicht so, Kind. Jetzt erholst du dich! erst — diesen Sommer bleiben wir zusam­ men." , I - f [ ( i i "Sobald als möglich, kommt Ihr zu mir!" wiederholte Erich. "Diese Wohnung wird auf­ gegeben, und Muttchen sorgt für mich; dann spare ich! eine Haushälterin — und auch eine Frau. Tie kann ich! noch! nicht ernähren." Er lachte, daß die weißen Zähne unter dem dunklen Bärtchen blitzten. "Lore verdient auch eine Belohnung, da sie ihr Examen so gut be­ standen hat -- ich! hätte es ih!r gar nicht zuge­ traut, daß sie so gescheit ist!" scherzte er. i "Ach!, wenn Papa das alles noch erlebt hätte," meinte Lore sinnend, "wie würde er ^sich Wer uns gefreut haben! Nun ist er schon so lange tot und ich! kann mich, gar nicht auf üjtt besinnen." r i i M | Tie Blicke von Mutter und Sohn trafen sich! und verständnisvoll nickten sie sich, zu: so sollte es bleiben. Nur Lori ahnungslos lassen! M 1 I I Seit drei Wochen waren Frau Maria und ihre Tochter Hausgenossen des jungen Försters. Jeden neuen Tag empfingen die beiden Mauen wie ein köstliches Geschenk — der Mut­ ter war es so wundervoll, dieses Ausruhen nach! so vielen arbeitsreichen Jahren, und für Lore gab es nichts Schöneres, als daß sorg­ lose Herumstreifen im Walde. Immer hatte sie etwas Neues gesehen und zu berichten, alles fesselte ihr Interesse. Eine so herrliche Zeit hatte sie, das Stadtkind, das nur im-' mer hatte lernen müssen, ja noch nie erlebt. Lächelnd ließen Mutter und' Bruder sie gewäh­ ren. freuten sich, wenn sie ihr ftöhliches Sa«, chen hörten, wenn sie das anmutsvolle We­ sen in jugendlicher Schöne vor sich sahen. Tenn schön war Leonore. Koch und schlank gewach- , sen wie eine junge Tanne^ stand sie dem Bru-. j (Fortsetzung folgt.) ────────── Niederbayerische Nachrichten. Plattling, 20. Juli. (Gesperrte Wühlet) Stern Müller Alois Heigl in Plattling wurde wegen Nichtbeachtung der amtlichen Vorschrif­ ten die Mühle bis 31. August 1918 gesperrt. « Breitcnberg, 23. Juli. (Die Bisamratte) breitet sich immer mehr im hiesigen Grenz­ gebiet aus. Herr Feldwebel Weber der militä­ rischen Grenzschutzwache sing das 15. Exemplar mit Eisen. Mächten sich doch viele der dank­ baren Ausgabe des Fangens dieser Tiere wid­ men. Egglkostn, 23. Juli. (Bedauerlicher Ver­ lust.) Beim Einführen in den Stall brach sich ein auf 7000 Mark gewertetes Pferd des Hrn. Grafen von Montgelas einen Fuß und mußte notgeschlachtet werden. ────────── Dienstesnachrichten. Kanzleidienst. Vom 1. August 1918 an wird der Bezirksamtsassistent Georg Basel in Rottenburg zum Kanzlei- und Registraturassi­ stenten bei Der Regierung von Niederbahern in etatsmäßiger Weise besördert. ────────── Lokales. LandShnt, den 24. Juli -* Der Elektriz,itätswerkser'n'x>lerungssonds schließt in seiner Rechnung für das Jahr 1915 mit 34 5(52.40 Mark in Ein-, nahmen und Ausgaben ab. Das Reinvermögen beträgt 26 463.97 Mark. > —* Für Volksschulen wurden nach der jetzt vorliegenden Rechnung im Jahre 1915 ein­ genommen 30 986.74 Mark und ausgegeben 173 343.V Mark. Es war somit eine Mehr­ ausgabe von 142 356(62 Mark erforderlich. Ter Vermögensausweis zeigt eine Schuldenlast von 42 967 Mark. > " —* M ehr als 1200 Briefe und Post­ anweisungen hat der wegen .Postdiebstahls ver­ haftete Postaushelfer Stöckl entwendet. —* Deutsche Gutmütigkeit. Zu die­ sem Artikel werden wir noch, ersucht festzustel­ len, daß es sich, weder bei dem Italiener, noch bei den anderen Beteiligten um Schwarzschlachftung handelte. Tie Schlachtung ging ordnungs­ gemäß vor sich,, doch wurde das über eine Jahresversorgung hinausgehende Fleisch nicht abgeliefert, weshalb es durch, behördliche Ver­ fügung nachlrüglich weggenommen wurde unter Sperrung der Fletschmarken für das laufende JJjCtljV- 1 | —* T as K. hum. Ghimnasium Landshut zählte nach dem erschienenen Jahresberichte am Schlüsse des Schuljahres 235 Schüler. Zu Be­ ginn des Schuljahres waren es 276; davon 249 Katholiken, 26 Protestanten und 1 Jsraelite. Bei Beginn des Schuljahres standen 55 Schüler e im Heeresdienste und 8 im vaterländischen Hilfsdienste. Tie neunte Klasse wurde am 20. April geschlossen, die 8. Klaffe am 10. Juni. Ter Bericht weist eine rege Tätigkeit sowohl im schultechnischen Betrieb, als auch in der Pflege der körperlichen Ausbildung durch Turn­ spiele, Turnen, Sport und Wehrkraftübungen aus. Einen größeren Raum beansprucht auch die Kriegschronik der Anstalt, welche die reiche Tätigkeit der Anstalt in der Kriegshilsv, Samm!lungen, Erntehilfe, Beteiligung an Kriegsan­ leihen (bei der 7. Kriegsanleihe 9483 Mark, bei der 8. Kriegsanleihe 8892 Mary, Hindenburgund 'Ludendorsfspende u. a. Ter Bericht weist den Heldentod von 11 früheren Schülern der Anstalt auf, 6 wurden mit dem Eisernen Kreuz 1. Kl., 21 mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl., 6 dem baher. Militär-Verdienstorden 4. Kl. mit Schwertern, 2 dem Mtttäri= l 2Bert>tettj'tfceu3 2. Kl., 1 dem Militär-Verdienstkreuz 3. 'Kl. mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Fluch,tbeschreibungen und Skizzen einzelner Schlachtepisoden machen den Bericht zu einem interessanten Buche, das auch fernerhin ge­ schichtlichen Wert behält. ! —* Sein 25jähr. Gründungssest feierte der 1. Athletenklub Landshut am letzten Sonntag in der Jägerhalle. Herr Vorstand Fent begrüßte die zahlreich! erschienenen Gäste. Tie Varietevorstellung brachte eine Reihe von Programmnummern, in denen besonders 1>te Herren Hans Bach,, Wurmdobler und Bauer Proben von Kraft und Gewandtheit ablegten. Besonders gefielen die plastischen Gruppendar­ stellungen. Bewunderung erregte Herr Bauer 'als Muskelphänomen. Ter Ring kampfmatsch Bach—Wurmdobler blieb unentschieden. Tie Zwischenpausen füllte die Stadtkapelle mit flot­ ten Weisen, sodaß wohl alle Besucher einen genußreichen Abend verlebten, der auch der Un­ terstützungskasse für kriegsbeschädigte Sports­ kameraden ein nettes Scherflein zugeführt ha­ ben dürfte. ) —* Der Hutmache r Seiner Durch­ laucht. ein Volksstück in drei Akten von Dr. Gustav Quedenfeldt, dem Direktor unseres Stadttheaters, ist in Berlin im Teutschen Künst­ lertheater zur erfolgreichen Erstaufführung ge­ kommen. Tas Stück hat seine Uraufführung in Hannover in der Schauburg erlebt, wo es über sünfztgmal hintereinander aufgeführt wur­ de. Tie Musik stammt von dem bekannten Komponisten Josef Snaga, der sich, namentlich durch, die Operette: "Ter Rodelzigeuner" einen Namen gemacht hat. Tr. Quedenfeldt hat mit diesem Werk fein achtes Bühnenstück zur Auf­ führung gebracht. ────────── Auszug aus den Zivilstandsregistern des Standesamtes Landshut. SterbefSlle. 3. Jmni: Franziska Müller, Spitalpfründ­ nerin, 87 Jahre alt. 11. Juli: Anna Prager, Wirtschaftspächterstochter, 28 Jahre alt. 12. Juli: Barbara Würsl, Zugeherin, 53 Jahre alt. Ottilie Simmiller, Maschtnenschlossersehesrau, 30 Jahre alt. 13. Juli: Franz Xaver Anglhuber, Schwaigerskind, 2 Monate alt; Theresia Wilhelm, Maurerskind, 4 Jahre alt. 14. Juli: Heinrich, Leib, Schlosserlehrling, 14 Jahre alt. 15. Juli: 'Josef Marschall, Fach­ schüler, 17 Jahre alt; Joses Büchner, Vorar­ beiter, 68 Jahre alt; Karl Unterreitmeier, Fa: Lrikhausmeisterskind, 2 Jahre alt. 17. Juli: Anna Sandtner, Taglöhnerswitwe, 38 Jahre alt. I > ' Auf dem Felde der Ehre gefalle«: Obermatrose, Tischler Johann Mühl, 22 Jahre alt. Jäger, Kutscher Sebastian Gnambs, 34 Jahre altt. > In einteilt K. Reservelazarett verstorben: Unteroffizier, Gürtlergehilse Michael Kuhn, 38 Jahre alt. 1 I i I 1 ! Freiw. Krankentrgäer, Schuhmacher Joses Adlhart, 57 Jahre alt. ────────── Tie Lage hn Westen. Genf, 23. Jull. Ter ,Kemps" gibt in "feiner heutigen B^chjreibnng der militärischen Lage zu, daß sich, der Stand der Schlacht nicht mehr wesentlich verändert habe und daß die Kämpfe, tnsbesonders um Soissons, zu feinen weiteren Erfolgen geführt hätten. Gehrimsitzturgen -es österr. Al-geor-netenhauses. i Wien, 23. Juli. (Abgeordnetenhaus.) Tie Geheimsitzung, die um 12 Uhr 30 Min. begann, wurde um 5 Uhr 45 Min. wieder geschlossen. Morgen vormittags 10 Uhr wird die Gehöimsitzung wieder aufgenommen. Zwist im PolcMlnb. Wien, 23. Juli. Ten BMtern zufolge ist das Präsidium des Polenklubs infolge der Haltung eines Teiles des Klubs, der für den Antrag Stransky stimmt, zurückgetreten. " Ter Mord an rem Grafen Mirbach. Berlin, 23. Juli. Nach! einer Mitteilung des Regierungskommifsars der auswärtigen An­ gelegenheiten an den kaiserlichen Geschäftsträ­ ger in Moskau wurden bis 19. Juli mehr als 200 linke Sozialrevolutionäre, die an der.Er­ mordung dos Grafen Mirbach und an dem Auf­ stande gegen die Sowjetregierung beteiligt wa­ ren, erschossen. ────────── In der Gemeinde Altdorf, nur etliche Kilo­ meter von dem Sitze der K. Regierung von Ni»° derbayern und von dem K. Bezirksamt Landshut entfernt, liegt ein rund 120 Tagwerk großer, entmtifferter Gemeindegrund, der aoev wegen Mangel an Großvieh nicht beweidet wer­ den kann und der außer einigen Gänsen nur den wenigen, dem behördlich, angeordneten .Schweinemord glücklich entronnenen Borsten-, tieren als Tummelplatz dient. Infolge von Uneinigkeiten in der Gemein« devertretung mürben mehrfach, gemachte An­ gebote, den Platz zu kultivieren und int In­ teresse der LeüensmitHlversorgung zu bebauen, glatt abgewiesen. | ES wäre zu begrüßen, wenn die vorgesetzte Behörde mit Rücksicht aus das Äemeinivobl eine Aenderung der Verhältnisse erzwingen könnte aufgrund der Bundesratsvervrdnung betreffend Sicherstellung der Ackerbestellung vom 31« März 1915, oder wenn diese keine genügende Handhabe bieten sollte, durch, Anregung einer Bersügung des Generalkommandos, das hie­ zu Wohl zuständig sein wird. In Badey wird ein derartige» Zwamg mit Hilfe des Gesetzes vom 1. März 1915 "die Ent­ ziehung der Nutzung von Grundstücken zur An- S Pflanzung von Nahrungs- und Futtermitteln- f durchgeführt. 'Es bestimmt i« Paragraph 1: I "Während des gegenwärtigen Krieges larnt | dem Eigentümer oder sonstigen Berechtigten die Nutzung eines brachliegenden Grundstückes ent­ zogen werden, wenn das Grundstück zur Er­ zeugung von Nahrnngs- oder Futtermitteln geeignet, der Eigentümer oder sonstige Berech­ tigte aber nicht bereit oder imstande ist, es den Anordnungen der Behörden entsprechend zu dem genannten Zwecke auszunutzen." Von den Altdorfer-Wiesen. ────────── Die Aussichten des Wirtschaftskrieges. Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Je mehr den Vierbnndmächten die Aus­ sicht schwindet, uns militärisch ebenbürtig zu werden, )e weniger die auf das Eingreifen be« Bereinigten (Staaten Nordamerikas gefetzte« Hllffryingen fisfe. erfüllen wollen, desto eifriger weisen fchreiveifrige Federn der Entente darauf hin, daß, wenn wir auch, auf de« Schlachtfelds Nicht besiegt werden*könnten, wir doch im Wirtschastskampfe, der nach dem eigentliche« blutigen Kriege, still, aber mit allem Nach­ druck entsetzen würde, erliegen müßten. Gerade in bwt letzten Tagen ist dieser Wirtschaftskrieg wieder eifriger gepredigt worden. Ter Präsi­ dent der amerikanischen Handelskammer in Maris führte jüngst aus: "Um den Frieden M beschleunigen, ist es Dringend notwendig, daß die wirtschaftliche Ab-- schnürung Teutschland- zur unumstößlichen For- ' derung der Ententepolitik wird. Tie Alliierten haben nicht nur die für Deutschland unenh behrlichen Rohstoffe und Nahrungsmittel in Händen; wir besitzen auch- den Weltmarkt. In ganz Tentschland muß man wissen, daß dieser Markt ihm versch,lossen sein wird. Tas ist die wirksame "Waffe, um das Junkertum "spurlos zu versenken". Eifrig erörterten die französischen Bläh» ter diese Ankündigung und suchten durch Zah­ len ihre Lurch-führung zu begründen. Ta heißt es z. B.: An Wolle ftnben wir auf Seiten der Entente 138 000 Tonnen gegenüber 97 000 Tonnen bei den Mittelmächten, an Baumwolle 4 659 000 Tonnen gegen Null; an Leinenflachs erzeugt die Entente 1 325 000 Sonnen gegen­ über 100 000 des Feindes, Hanfflachs 912000 Tonnen gegen Null. Ebenso klare Ergebnisse liefere ein Vergleich, der Metallgewinnung. Bei den Alliierten 104 Millionen Tonnen Eisenerz gegen 37 Millionen, 780 Millionen Donnen Kupfer gegen 29 Millionen, eine Milliarde Tonnen Blei gegen 172 Millionen, 1513 Mill« Zink gegen 678 Millionen. Tiefe Zahlen, die Ich, leicht vermehren ließen, lesen sich auf den ersten^Slick sehr entmutigend. Aber es gehört die ganze französische Oberflächlichkeit dazu, sie ohne weiteres so hinzunehmen. Ta wird 8- B. behauptet, daß Hanf in den Verbandslän-, bern überhaupt nicht erzeugt wird. Nun bau­ en wir in Preußen schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Gegenden Hanf an, sein Anbau ist während des Krieges verstärkt worden und wird nach- dem Kriege noch mehr wachsen, so­ lange sich, — infolge der mangelhaften Zufuhr von Baumwolle und ihres hohen Preises — feine Gewinnung als sehr aussich-tsrerch er-, weist. Gibt es nicht aber auch in den baltischen Provinzen, ferner In Bulgarien ausgedehnte Hanffelder? Hat nicht das türkische Kleinasien, hat nicht Tnrkestan beträchtliche Baumwollfel­ der, deren Erträge den Verbandsmiichten schon j^tzt zugute kommen? Glaubt denn die Entente, daß wir in unseren Kolonien nicht Baumwolle gemimten können? _ Aber — so wird man auf Seiten der En­ tente »inwenden — noch, ist Teutsthlcmd nicht im Besitz fein«: Kolonien. Wie sieht es aber mit der Aufstellung aus, die von französischer Seite gemacht ist? Ta hat man bei den Eisen-, erden, über die die Entente angeblich verfügt, die sicherlich sehr hohe Förderung -Des Erz-beckens von Briey und Longwy mitggerech.net, ferner die Ausbeute der belgischen (Gruben. Aber bald nach, Beginn des Krieges h,aben die siegreichen deutschen Truppen ihre Hand auf das französisch-lothringische Erzbecken gelegt, und das gewonnene Erz ist für deutsche Ge-schosse und Kanonen verwandt worden. Glaubt man etwa an der Seine Strand, daß wir dieses reiche Erzvecken, ln dem schon vor dem Kriege viel deutsches Kapital angelegt war und das deutscher Untern^)mergelst erschließen half, so ohne weiteres herausgeben werden, damit man xns ja wirtschaftlich recht schnell abschnüren kann?? Wo bleiben die polnischen, die russi­ schen Eisen- und Manganerze, die uns jetzt jeicöer als vor dem Krieg«, wo die Ausfuhr-, verböte des zaristischen Rußlands hemmend im Wege ftewben, zur Verfügung sind. Auch Schweden wird uns nach wie vor seine hoch­ wertigen Eisenerze liefern, nicht etwa aus be­ sonderer Teutschfrenndlichkeit, sondern weil es auf jtnfewe Kohlenznfnhr angewiesen ist. Tie Entente muß auch, zugeben, daß wir ans dem europäischen Festlande über die größ­ ten Kohlenschätze oerflügen. Taß sie unsere Kohlenförderung viel zu gering, die eigene viel zu hoch, angibt, ist fast selbstverständlich«' England, das der Kohlenlisferant Frankreichs, JtalkÄnS, Griechenlands sein muß, ist bereits zur Rationierung des Kohlenverbrauchs ge­ schritten. In Gtzmangelung eigener Wälder ist »s für seine Kohlenförderung aus schwedisches Ämb«cholz angewiesen; da sprechen aker unsere U-Boote ein gewichtiges Wörtchen mit. Will Frankreich, seine reichen Srzschätze in der Nor­ mandie verhütten, so hat es die deutsche Kohle nötig. Schon spricht man in Paris, das unter der Beschießung unserer Riesenkanonen zu leiden Hst, davon, auf die Kohlenschätze Deutsch­ lands als eines seiner wichtigsten natürlichen Pfändar die Hand zu legen. Ja, wenn Hinden-» Burg und Ludendorfff, wenn unsere unbesiegte chen Streiter nicht wären. Wie steht es.ober erst mit unserem Kalimonopol? Alle Versuche, Kali in größeren Mengen und nicht zu hohen Kosten zu gewin­ nen, sind bisher im feindlichen Auslande trotz! allen Reklamegeschreies kläglich gescheitert, während wir uns dank unserer Stickstoffin^ dnstrie vom Monopol des Chili salpeters ha­ ben frei machen können. Nicht nur im neu­ tralen, auch, im feindlichen Anslande sehnt man sich, nach unseren chemischen, nach unseren phar­ mazeutischen Erzeugnissen. Ter technische Vor­ sprung, den wir tzn der Herstellung zahlrei­ cher, wirtschaftlich "notwendiger Bedarfswaren haben, sichert uns den Handelssieg. Außerdem werden wir die ersten Jahre nach, dem Kriege einen inneren, uns stark beanspruchenden Markt haben. Tie Abschnürung, die die Entente in kurzsichtiger Verblendung gegen uns unter­ nommen hat, ist,zn ihrem eigenen .Schaden ausgeschlagen. Wir haben gelernt unv lernen immer mehr, unbeachtete Kräfte in unserem eigenen Gebiete ausnutzen, während in den der Entente nur allzu willig folgenden Ländern ungeheure Vorräte ungenutzt verkommen müs­ sen. Argentinisu, das keine Kohlen zur Ver­ fügung hat, derfeuWt Mais, den es nicht ver­ kaufen kann, auf seinen Lojkomotiven. Tiefe Beobachtungen ließen sich leicht mehren, sie bewaisen unzweideutig, daß wir keinen Han­ delskrieg zu fürchten bvaucheu. ────────── Städtische Schwimmschule. 24. Juli 1918. Wasser 19 . Grad C. Luft 22 . Grad C. ────────── Inserate. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Regelung des Freibankbetriebes. Aus Grund des § 12 Ziffer 1 der Buudesratsverordnung über die Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. 9. 15 und vom 4. 11. 15 werden nachstehende Vorschriften erlassen: § 1. In der Freibank wird Fleisch nur an Personen abgegeben, welche Im Besitze eines amtl Bezugs­ scheines für Fretbankfletsch sieb. Die Bezugsscheine für Freibankfletsch sind durch die städt. LebenSmittelstelle zu beziehen. § 2. Der Fleischverkauf in der Freibank darf nur in den Vormittagsstunden von 6 Uhr ab stattfinden. Die Regelnng der Abgabe von Fletsch erfolgt nach der Reihenfolge der Bezugsscheinnummer». Die Reihenfolge ist außen am Laden durch Anschlag bekannt zu geben. Die Bezugsscheine sind den F eh bankmetzgern und auf Verlangen den städt. Kontroll­ organe« vorzuzeigen. Auf den Bezugschein ist die erfolgte Fleischabgabe zu verzeichnen. Fleisch darf i» der Freibank nur gegen Marien des Kommunalverbandes Landshut—Stadt abge­ geben werden. Auf sine Marke ist der doppelle Gewichtsauteil Fleisch abzugeben. § 3. Vorausbestellungen von Fletsch durch Kunde» find verboten, deSgl. Zustellungen von Fletsch an die Käufer. § 4. Im Nebligen wir auf die öligem. Bestimmungen der Fretbankordnuug (§§ 175—188 der SchlachthofOrdnung) verwiesen. Lands Hut, den 20. Juli 1918. Stadtmagiftrat. ; I. SS.: Ambros, ! 1873 Schwarz. ────────── Aus der Ukraine. Aufnahme der nkrainisichj-rumänische« Be­ ziehungen. Aus Jassy wird gemeldet: Ter Minister der Aeußern der Ukraine entsandte nachi Jassy einen Sonderkurier mit einer Note, fn ivelcher die Wiederaufnahme der diplomatischen Be­ ziehungen zwischen Rumänien und der Ukraine verlangt wird. Tie Ukraine ernannte über­ dies einen Konsul in Kischinew. Ties bedeutet nachi Auffassung rumänischer Blätter, daß die Ukraine die Vereinigung Beßarabiens mit Ru­ mänien anerkannt Hat. 1 - " i