Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1918-08-02. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 71. Jahrgang Nr. 208, 1918-08-02. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 71 Nummer 208 2. August 1918 ────────── 9er östen.-W. Bericht. WTB. Wien, den 1. August, mittags. Amtlich wird gemeldet: Ftakteutscher Kriegsschauplatz. J Geschützkampf und Erkundungstätigkeit wa­ ren gestern an der ganzen Südwestftont sehr rege, vorgestern Hat ein starkes italienisch^ Bombengeschwader unsere veretianischen Flug­ felder angegriffen. Unsere Flieger warfen sich, dem Feinde entgegen und verhinderten ihn, irgendwelchen Schaden anzurichten. [ 1 Albanien. 1 Tie von unseren albanischen Kräften vor Wochenfrist aufgenommenen Angriffe zwangen nach, vergeblichen Gegenangriffen den Italiener nordwestlich« und nordöstlich von Berat, seine ersten Linien und beträchtliches Gelände da­ hinter auf 30 Kilometer Frontbreite Preiszuge­ ben. Unsere braven Truppen, deren Kampfleistungen um so höher zu bewerten sind, als ihnen Hitze und klimatisch« Verhältnisse große Mühsale auferlegten, folgen betn weichenden Gegner. T«er Chef des Generalstabtz. Die Heeresberichte. I« Wie Bericht. WTB. Berlin, 1. August 1918, mittags, «rohes Hauptquartier: «-OkiO-r »««platz. Heeresgruppe des Gencralfeldmarschalls Kronprinz, Rupprccht vo« Bayer«. Zwischen Upern und Bailleul am frühen Morgen vorübergehend lebhafter Feuerkampf. Tie tagsüber mäßige Artillerietätigkeit lebte am Abend an vielen Stellen der Front in Verbindung mit Erkundungsgefechten auf. Heeresgruppe des deutschen Kronprinzen. Oestlich von Fere en Tardenois setzte der Franzose am Nachmittag wiederholt zu hefti­ gen Teilangriffen an. Wir warfen den Feind im Gegenstoß in seine Ausgangslinien zurück. An der übrigen Kampffront Artilleries euer wechselnder Stärke. Kleinere Vvrfeldgefechte. Nordöstlich! von Perthes versuchte der Feind nach starker Feuervorbereitung den ihm am 30. Juli entrissenen Stützpunkt wieder zu neh^ men. Er wurde unter Verlusten abgewiesen. Erfolgreiche eigene" Vorstöße südlich vom Fichtelberge und in den Argonnen. Heeresgruppe des Gencralseldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg. Jnfanteriegefechte an der Mosel und im Parrohwalde. Mir machten hierbei Gefangene. Ter Gegner verlor gestern an der Front im Luftkampfe und durch! Abschuß von der Erde aus 25 Flugzeuge. Weiterhin wurde ein im Angriffsflug gegen Saarbrücken befindli-j ches englisches Geschwader von 6 Großkampf-, flugzeugen von unseren Front- und Heimahjagdkräften, bevor es seine Bomben abwerfen konnte, vernichtet. Aus einem zweiten ihm folgenden Geschwader schossen wir ein weite-, res englisches Großkampsflugzeug ab. 1. «eÄttcimmrtierwiSeeu Rsdendorsf. WTB. B erlin, den 1. August. Amtlicher Abendbericht: : Nordivestlich von Fere en Tardenois hef­ tige Kämpfe. An der übrigen Kampffront nichts We­ sentliches. ────────── General Ttuchesnes seines KmmNmndos enthoben. « Nach, einer Meldung der Basler Nachr. ist General TuchesneS ,der die ftanzösische Ar­ mee am Tamenweg führte, aus den Reihen der Armeeführer ausgeschieden. Anscheinend wurde er seines Kommandos infolge der ftanzösischen Niederlage dortselbst enthoben. , Umschwung i« der französischen Sozial­ demokratie. > . Pa ri s, 1. Aug. Ter Nationalrat der französischen Sozialisten hat beschlossen, den Nationalkongreß der Partei als höchste Partei­ instanz binnen zwei Monaten einzuberufen, um die Politik der Partei, endgültig festzulegen. Im Populaire berechnet Longuet, daß die Stär­ ke der bisherigen Minderheit nunmehr auf acht Zehntel des organisierten Sozialismus Frank­ reichs angewachsen ist. Es sei kein Zweifel mehr möglich,, daß der angenommene Antrag der "Minderheit" die Ansichten der großen Ar­ beiter- und Bauernmassen des Landes zum Ausdruck bringe. Ter kommende Nationalkon­ greß könne den heißen Wunsch, der Massen auf den Völkerfrieden und die Wiederherstell-, ung der Internationale nur mit neuer Kraft bestätigen. i [ « , Beschießung von Dünkirchen. Bern, 1. Aug. Nach, einer Meldung des Matin haben deutsch« Flugzeuge in derNacht zum 26. Juli Dünkirchen überflogen und die Stadt mit 60 Lufttorpedos schwersten Kali­ bers belegt, die bedeutenden Sachschaden verur-. sachten .Am 26. Juli begann die Beschießung der Stadt durch, die Ferngeschütze. Vom westlichen Kriegsschauplatz. ────────── Aus der Ukraine. Der Belagerungszustand i« der Ukraine. K ie w, 1. Aug. Ter Belagerungszustand ist über die gesamte Ukraine verhnägt wor­ den. In Kiew und Odessa wurden besondere Schutzmaßnahmen angeordnet. Ter gesamte Ei­ senbahnverkehr wird voraussichtlich militärisch! verwaltet werden. ────────── Japan im Kriege. Die Javaner in Wladiwostok. Stockholm, 1. Aug. Die im Laufe der vergangenen Woche gelandeten japanischen Ab­ teilungen haben l>ie bisher von den Tschechen gehaltenen wichtigsten Stadtteile von Wladiwo­ stok militärisch besetzt. Eisenbahnstation und Hafen befinden sich jetzt unter japanischem Schutze. ────────── 8400 Kriegsgesetze und 33000 Bundesratsverorvnnngen? Ter fortschrittliche Landtagsl­ abgeordnete Dr. Crüger-iCharlottenburg teilte in einer Versammlung mit, daß während des Krieges 8400 Kriegsgesetze und 33 000 Bum desratsverordnungen erschienen sind. Tages-Uebersicht. ────────── französischer Protest gegen die irre­ führende» Nachrichten über die Stimmung in Denschland. Ccfaae Uzanne schreibt fn der "Depeche de Toulouse" Die Haupteigenschast unserer Flousenmacher ist ihr Versuch, uns mit allergrößter Genauigkeit den steigenden Druck in der moralischen Atmosphäre bet unseren Feinden nachzuweisen. Zu diesem Zwecke schneiden sie aus Zeitungsartikeln. Krtegsgefangenentagebüchern, Privalbriefen alle Arten eon Stellen heraus, die gelöst, von dem übrigen Inhalt, uns von der Enlmuttguna, der Verlegenheit, dem Zwang, der Niedergeschlagenheit und der Fnedensletdenschast un­ serer Feinde überzeugen sollen. Sie verführen uns nur zu leicht, weil sie zurechtgestutzt und manchmal lügnerisch sind. Wohl fühlen wir, daß diese Schwäche­ anwandlungen, die uns aus dem gegnerischen Lager berichtet werden, all zu schwache Anhaltspunkte find, um auf sie da? Vertrauen in unsere Ankunft zu setzen, aber wir haben eine ganz besondern Vorliebe für alle?, was unserer Leichtgläubigkeit schmreichelt und uns einen beruhigenden Ausblick für unsere Behag­ lichkeil, Wünsche und Ruhe bteiet. Deswegen vermeiden die meisten von uns die ernst hafle Betrachtung der Kriegskarte und die scharfe' Prüfung der Anstrengungen, die wir machen muffen, um die Wledererobernng, Säuberung und Wiederhersüllung jener ungeheuren Gebiete zu erreiche», die von ber deutschen Flut überschwemmt sind, einer Flut I die so schwer ist einzudämmen, aber noch viel jchwte- rigcr in ihr ursprüngliches Bett zurückzutreiben. Und i doch ist es unsers Höchsts Pflicht, unsere Augen nicht von ftnen wirklichen Fortschritten abzuwenden, die der Barvarenstunn im Osten und Westen der Mittelmächte erzielt hat. Vorläufig müssen wir uns gegenüber der Macht ihrer Angriffe auf das Schlimmste gefaßt machen. Wir müssen auf dle angenehmen Illusionen verzichten, den Auslastungen unserer Flaumacher, die mit Vorsicht aufzunehmen sind, Glauben beizumeflen. Sie überfluten uns mit Zettelchen der Gefangenen, Ausführungen der deutschen Presse oder anderen wertlosen Schriftstücken, die nichts für den Geist be­ weisen, der in Deutschland im allgemeinen herrscht. Wir müssen sie für das nehmen, was sie wert sind, für flüchtige Bemerkungen, dis sich nur auf einzelne oder Grüppchen, nicht aber auf die gesamte Nation beziehen. Wer das Ende will, muß das richtige Mittel wählen. Wir dürfen auch nicht eine Sekunde glauben, daß es ein anderes geben kann, als die Kraft, die sich in geraden und restlos sich erneuernden Schlägen äußert. Es ist vergeblich und kleinmütig dis Temperatur des Feindes zu messe», wenn er noch nicht zerschmettert am Boden liegt. Noch steht der Deutsche unbesiegt da und macht uns dies fühlbar. £ offen wir nur, daß die Ueberlebenden an ihnen ihre Pflicht erfüllen werden." Immer wieder wird über Trunksucht, Plünderungen und Ausschreitungen von Offizieren geklagt. Auch darüber beschweren sich die Soldaten, daß sie von ihren Vorgesetzten fortwährend belogen werden. Um sie in den Kampf zu bringen sagen ihnen die Offiziere beständig Unwahrheiten. "Ich greife den Ereigniffen voraus." schreibt ein Actilleriesergeant, "um zu sagen, daß tnan uns tn jedem Augenblick betrügt und das Nichts von dem, was man uns sagt, wahr ist," So spricht feindseliges Mißtrauen und grimmiger Haß immer wieder aus dem Urteil des Potlu über seinen Offizier. Vermischtes. ────────── Sie kamen nicht. Tie Schuld liegt ausschließlich daran, daß infolge der ungünstigen Witterungs­ verhältnisse sich» Heuer die 'Frühkartoffelernte allgemein verzögert und die Entnahme der Kartoffeln säst überall bum;, die berufenen Or­ gane erst ab 10. oder 15. August gestattet wird. Und doch gibt es hier, wie uns glaubhaft der-, sichert wird, Früh!kartoffeln in Hülle und Fülle, allerdings das Pfund um — 30 Pfg. —* Einem HaMster, dem .Handle rKapfinger von hier, wurde heute früh am hiesigen Bahnhofee in geschlachtetes Kalb abgenommen/ das, in Säcke verpackt, nach! München ausge­ führt werden sollte. ( —*K öchstprei seund Publikum. Für Heidelbeeren, deren gesetzlicher Höchstpreis mit 45 Pfg. für das Pfund festgesetzt ist, wurde hier ein Verkaufspreis von 90 Pfg. für den Liter als angemessen erachtet. Um diesen Preis bot auch! eine Sammlerin heute früh ihre Ware aus. Eine Frau wollte nun die ganze Ware für sich haben und bot der Sammlerin, wenn sie alles erhalte, 1 Mark für den Liter. Kommentar überflüssig. 1 —* Die Handwerkskammer für Nie-, derbahern hält am Montag den 12. August nachmittags 2 Uhr im Gewerbevereinshaus zu Landshut ihre 46. Vollversammlung ab. Zur Beratung stehen: 1. Geschäftsbericht. 2. Wahl eines Vorstandsmitglieds. 3. Erh öhung der Prü­ fungsgebühren. 4. Aufstellung einer Dienst­ ordnung. 5. Rechnung für das Jahr 1917. 6. Haushaltsplan für das Jahr 1919. 7. Aus­ bildung von Kriegsbeschädigten im Handwerk. 8. Rohstoffversorgung des Handwerks. —* Der Viktua lienmarkt war heute sehr schwach bestellt. Wenig lebendes Geflügel, einige Schwämme und Waldbeeren, Gemüseund Blumenpflanzen und einige Teesorten 6iC= / beten den ganzen Bestand des Marktes. Auch, am Kaninchenmarkt standen nur wenig Tiere zum Verkaufe. Tie in vollem Gange befind­ liche Ernte läßt den Landwirten keine Zeit zur Beschickung des Marktes. , —* Kindertheater in Landshut. Am Samstag, den 3 .und Sonntag, den 4. August wird wieder der bereits hier bekannte kleine Künstler Peppi Janotta auftreten, und zwar im Leiderersaal in dem herrlichen Mär­ chen "Lügenmäulchen und Wahrheitsmündchen" von Görner. -Dieses Stück ist hochkomisch aber zugleich! belehrend, da wirklich eine tiefe Mo­ ral in diesem Mävchen liegt. Auch die übrigen Rollen werden wieder die Geschwister des klei­ nen Pepi Janotta spielen. Tas Stück ist sorg­ fältig einstudiert und hübsch ausgestattet. Ter kleine Künstler Pepi Janotta tritt zum letztenmale auf, da er bereits als Filmdarsteller von einer großen Münchner Filmgesellschaft enget?, giert ist. 1 1 ────────── den Verkehr auf dem freien Meer. Ein Völ­ kerbund auf dieser Grundlage wäre die schönste Krönung des Friedenswerkes. Mag Wilson seine Bundesgenossen zu dieser Auffassung be­ kehren, dann wird ihm die Verständigung mit uns nicht jchiver fallen. Solange aber unsere Feinde im Westen uns deutschen Boden ent­ reißen, unsere wirtschaftliche Selbständigkeit vernichten und unsere Freiheit Zerstören, das Teutsche Reich vernichten 'wollen, solange könUen wir nicht vom Kampfplatz Zurücktreten, nicht nachlassen in dem Kampf, der dem Ziele gilt: dem Feind die Erkenntnis 'beizubringen, daß er sichl zu seiner Verständigung mit uns her­ beilassen mutz. Wir treten in das 5. Kriegs-, jähr ein, voll Vertrauen auf unsere gerechte Sache, voll Vertrauen ZN unserem Volk, zu unserem tapferen Heer und seinen herrlichen Führern, die uns einen glücklichen, segenbrin-: genden Frieden erkämpfen werden. Präsident von Fuchs schloß sich der Erklärung des Mi-, nisterpräsidenten, der wiederholtes lebhaftes Bravo folgte, mit den Worten cm: Auch wir in der Heimat geloben, unbeugsam durchhalten zu wollen und damit für unsern Teil beizutragen, daß die Kriegsziele unserer Gegner, die die Vernichtung Deutschlands wollen, nicht erreicht werden. (Bravo.) Fremvenvevkohr unskwhtenznsnhr. B,n einzelnen Zeitungen ist neuerdings die Mitteilung verbreitet worden, daß die in den derzeitigen Ernährungsverhältnissen begründeten, für Nord- und Süddeutsche gleichmäßig gelt nden Einschränkungen des Fremdenverkehrs in Bayern Gegenmaßnahmen beteiligter Stellen veranlaßt haben, die eine Minderbelieferung Bayerns mit Kohle zur Folge haben würde. Wie auf Grund amtlicher Mitteilung konstatiert werden kann, sind derartige Maßnahmen selbst­ verständlich weder von dem für die Verteilung der Kohlen im Reiche maßgebendem ReichG kommissar, noch, von irgend einem Organ des Reichskommissars getroffen worden. Tie Ge­ rüchte entbehren daher vollkommen der Be­ gründung. (Ch.) i ────────── Ein tödlicher Unfall ereignete sich auf dem Exerzierplatz in Bayreuth. Leutnant Fuchs von der Fliegerersatzabteilung Bamberg stürzte mit dem brennenden Flugzeug ab und konnte nur mehr als Leiche geborgen werden. Im "Schottenhammel" in München wird der Besitzer den Wirtschastsbetrieb ab lü.August schließen, da er, wie er erklärt, hierin den einzigen Weg sieht, sich, vor dem Gefängnis zu schützen. Auch mehrere Pächter großer Brau­ ereiausschanke und Kellerwirtschaften haben ih­ re Verträge aus dem gleichen Grunde gekündigt. Ungetreuer Beamter. Gegen einen Beam­ ten der Zentraleinkauss-Gesetlschast hat dieBerliner Staatsanwaltschaft Untersuchung einge­ leitet .Es handelt sich, um einen der leftenden Männer der Fleischabterlung der Z-E-G., Herrn Lippert. Gegen ihn richtet sich der dringende Verdacht, sich bei der Vergebung von Schlacht­ aufträgen Sondevoergünstigungen verschafft zu haben. Wie bedeutend sie waren, geht daraus iffevoor, daß er von einem Vieh-kommissionär namens Hankel 400 000 Mark erhalten hat, wie Lippert behauptet, als Darlehen, während der Verdacht besteht, daß dieser bedeutende Be­ trag die Vergütung darstellt, die er für seine Sondervergünstigungen erhalten hat. Hierüber muß die eingeleitete Untersuchung noch Näheres ergeben. I Riefenwaldbrand in Frankreich,. "Progres de Lyon" meldet aus Nizza, daß die Wälder von Monts d^Esterel an verschiedenen Punk-, ten brennen. 2000 Hektar sind bereits abge­ brannt. Zur Bewältigung des Riesenbrandes wurde Militär herangezogen, ohne bisher den Brand eindämmen zu können. Das Feuer ver­ breitete sich! mit Riesengeschwindigkeit. Tie Verbindungen von Nizza mit Paris und Mar­ seille waren stundenlang unterbrochen. Gemüse- und KartoMlversorgung. In landwirtschaftlichen Kreisen herrscht, wie der "M. A. A." aus Berlin gemeldet wird, die Allerlei. Meinung, daß wir in naher Zeit mit einer Uebererzengnng an Gemüsen zu rechnen ha­ ben. Erfüllen sich! die auf die Witterung ge­ setzten Hoffnungen, so dürften alle Besorgnisse bezügliche der Gemüseversorgung im Winter als hinfällig zu bezeichnen sein, zumal auch die Kartoffelernte vorzüglichj auszufallen scheint, lvenigstens in zahlreichen Strichen. — An den Preisen, besonders denen für Gemüse, ist bis jetzt von einer "Ueberprodnktion" nichts zu merken . j i ' Raubmord. Gestern früh wurde in ihrer Wohnung in München die 46 Jahre alte Strumpfstrickereibesitzersgattin Christine Weid­ ner ermordet und beraubt in ihrem Nette auf­ gefunden. Ter Täter ist noch! unbekannt. Ter Unglücklichen war der Schädel eingeschlagen. ────────── Dienstesnachrichten. Schuldienst. Tie Volksschullehrrev-, Mes­ ner- und Organistenstelle in Wendelsrkirchen, K. Tistriktsschulinspäktion Tingolfing 1 in Din-, golsing ist erledigt. Endtag für Bewerbungen: 24. August. — Tie Volks schnllehrer-, Mesnerund Organistenstelle in Reut, K. Tistrikts schul-, inspektion Simbajch a. I. in Simibach, ist ab 1. September erledigt. Endtag für Bewerbun­ gen: 24. August 1918. ────────── Städtische Schwimmschule. 2. August 1918. SBa ff er 17 . Gmk, C. Lust 18 Grad C. ────────── Neue Kämpfe im Tardenois. ────────── Starke feindliche Angriffe bei Fere en Tardenois und bei Perthes abgewiesen. — Ein englisches Geschwader von Großkampfflugzeugen vernichtet. — Der Belagerungszustand über die Ukraine verhängt. — Die feindlichen Kriegsschiffsverluste in 4 Kriegsjahren. ────────── Ententebotschaster von Wologda nach Archan­ gelsk keine Veränderung der bisherigen En-, tentepolitik gegenüber der Sowjetregierung be­ deute. Alle Generalkonsuln würden weiter in Moskau bleiben, soferne keine Dispositionen von den betreffenden Regierungen getroffen würden. i Tas Moskauer finnische Sozialkomstee richtete an die in Murman aushaltenden Finq nen einen Ausruf, in dem sie vor den Ver-, sprechungen der Entente gewarnt und ermahnt werden, falls sie inzwischen in das Ententeheer eingetreten seien, es unverzüglich« wieder zu; verlaffen. r flSlrttige Unruhe« im Omsk. Stockholm, 1. Aug. Ein großer Teil der Bevölkerung 'von Omsk hat sich, gegen die von den Gegenrevolutionären eingesetzte neue Regierung erhoben. Infolgedessen brachen blu­ tige Unruhen aus. Tie Bevölkerung kämpft mit Maschinengewehren, Handgranaten und Ge­ wehren. Tie schwache Besatzung der Stadt ist honmächtig. Aus Rußland. Tie Entente nach, Archangelsk. Ter amerikanische Generalkonsul Eotte hat dem Kommissionär des russischen auswärtigen Amtes Tschitscherin in Moskau einen Besuch abgestattet und erklärt, daß die Abreise der ────────── er, erblicke er keine Anzeichen dafür, daß die füührende:-: Männer Deutschlands bereit seien, dazu überzugehen. Das Berl. Tgbl. bemerkt dazu: Es wird die englischen Zuhörer beruhigt haben, zu hö­ ren, daß diese letztere Aussichit erst beim näch­ sten Kriege bestehe. Die offiziös verbreitete Rede zeigt, wie die Verständigungsidee immer mehr an Raum verliert. ' Die Deutschen in Indien. Tie niederländische Preseagentur meldet aus Batavia vom 23. Juli, daß die vereinig-, ten indischen Kulturunternehmungen alle deut­ schen Angestellten entlassen. Sie werden jeden­ falls durch Holländer ersetzt werden. ────────── Und doch stellen sie nur einen ganz klei-, nen Bruchteil von dem Volksvermögen bar, was in diesen Wochen wieder durch Granaten vernichtet worden ist. Wer soll jemals diese vielen Taufende von Wohnstätten wieder aus­ bauen? Wann wird wieder ein Bauer wa­ gen, den Pflug über das Trichiergelände zu führen, auf die Gefahr, daß sich. unter dem Huftritt seines Pferdes die tückischjen Blind-, gänger entzünden? Much dieses Gebiet wird zur Wüste werden, wie das lieblichst Aisne-> tal, wie das Bauernland an der Somme. Frankreich! wird es aus eigener Kraft nicht wieder besiedeln können. Es ist verlorenes Land. Verloretn aus Jahrzehnte für Frank-reich!, für die Welternte, für die Menschheit. Und jeder ©stritt weiter, den Frankreich sein verlorenes Gebiet zurückzuerobern ver­ sucht ist, ob wir es räumen oder ob wir es verteidigen, um so sicherer verloren, je grö-, ßere Anstrengungen der Feind macht, je stär­ ker er feine Feuerwalze entwickelt. Tragischere Rache hat es nie gegeben, als die die jetzt die französischen Revanchehetzer trifft, die auszo­ gen, um zu erobern und die nun lernen, daß Frankreich sein eigenes verlorenes Land nur um den Preis zurückgewinnen kann, daß es' desto sicherer verdorben und verloren ist. (Kd.) W. Scheuermann^ Kriegsberichterstatter »«, .Hill ────────── Booten. Gegenüber den großen Verlusten der Gegenseite braucht nur daraus hingewiesen zu werden, daß Deutschland seit Kriegsbeginn nur 1 Linienschiff verlor, die in der Skagerrakp Macht gesunkene "Pommern". Des weiteren ist die große Zahl verlorener feindlicher Hilfs­ kreuzer, Zerstörer und U-Boote bemerkenswert. Von ihnen wurden allein im 4. Kriegsjahre von den Flotten der Mittelmächte oder durch andere Ursachen versenkt: "63 Zerstörer, 25 UBoote und 24 Hilfskreuzer. Ter Unterseeboots­ krieg macht sich also besonders in diesen Ein­ heiten der uns gegenüber stehenden Flotten bemerkbar. ~ > v. Kühlmann nicht Reichstagskamidat. Berlin, 1. August. Tie "Norddeutsche Allg. Ztg." dementiert heute das Gerücht, daß sich! der frühere Staatssekretär des Auswärti­ gen Amtes, v. Kühlmann, um ein Reichstags­ mandat beworben habe. Aus dem englischst« Unterhause. Haag, 1. Äugust. Reuter meldet, aus London: Auf eine Anfrage im Unterhaus an die Regierung, ob der Feind vor kurzem Frie-> densvorschläge gemacht habe, antwortete Balfour, daß keine der feindlichen Regierungen sich! an die englische Regierung gewendet habe. Letzte Posten. Reue U-Bo»tsersolge. WTB. Berlin, den 1. August. (Amtlich!.) Im Kanal ufld an der Westküste Frankreichs wurden 5 Dampfer aus teilweise stark gesi­ cherten Geleitzügen herausgeschossen, zusam­ men 16 000 Br^jR.-T. , ; Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Die Verluste der seindlichM Kriegsflotten. Berlin, 1. August. Im Laufe dieser 4 Kriegsjahre haben die feindlichen Flotten verloren: 25 Linienschiffe, 26 Panzerkreuzer, 45 geschützte Kreuzer, 187 Zerstörer und Tor­ pedoboote, 87 U->Boote, 73 Kanonenbööte und : Monitore und 75 Hilfskreuzer. Das sind weit ^mehr Schiffseinheiten, als unsere Hochseeflotte MLei Kriegsausbruchs besaß. Sie bestand am " 1. August 1914 aus 33 Linienschiffen, 12 Pan­ zerkreuzern, 33 geschützten Kreuzern, 10 Ka­ nonenbooten, 166 Torpedoboöten und 28 U-- ────────── "Möchtest du dich nicht bedienen, Rüdiger? Das Obst ist wirklich, zu empfehlen. Bitte, lasse den Onkel jetzt essen, Sissi." Gräfin Lellas schleppende, scharfe Stim­ me unterbrach das Getändel des Schwagers mit ihrer jüngeren Tochter. Auf deren Wunsch belud der Legationsrat seinen Teller mit Knack­ mandeln utitb Tatteln, weil sie mit Onkel Rü­ diger gern ein Vielliebchen essen wollte; dann nahm er fiär sich, einen Apfel. Tie junge Erzieherin hatte jetzt Ossi zu bedienen; fite mußte ihm Nüsse und Mandeln öffnen. i "Onkel Rüdiger, schau, ich habe eine Tvppelmandel!"' jubelte Weilte, und lächelnd ließ er sich den braunen Kern zwischen die Lippen schieben. "Also gut! Worauf, Kleines?" "Fräullein Lore," rief sie über den Tisch., "Helsen Sie mir! Onkel Rüdiger soll dochverlieren!" i "Sei doch, nicht so laut und aufgeregt, Sissi!" schallt Gräfin Lella und hielt ihre kleinen Hände vor die Ohren, "bemühe doch Fräulein Berger nicht darum. Tu wirst selbst schon etwas finden." Cäcilie wurde rot über den Tadel. Klein­ laut sagte sie dann: 1 ' "Vor dem Abendbrot müssen wir, ehe wir Platz nehmen, uns die Hand reichen und sa­ gen: "Ich denke daran" und wer das vergißt, hat verloren." "Sehr geistreich!, in der Tat," spöttelte Thekla, die wie eine kleine Tante in koletter Haltung dasaß und mit spitzen Fingern ein Stück Konfekt aus der Staniolumhüllung schälte. "Weißt du etwas Besseres? Tann sage es mir." r Thekla zuckte die Achjseln. "Ich» hab ja kein Vielliebchen mit Onkel Rüdiger gegessen!" "Kleine Sissi, das ist sehr fein ttnd schlau ausgedacht, und ich werde sicher verlieren," meinte Rüdiger. "Aber nicht absichtlich, Onkel! SonI macht es mir keinen Spaß." "Haben wir eigentlich die Absicht, heute den ganzen Tag zu Hause zu bleiben?" fragte Gräfin Letta, dabei ein leichtes Gähnen unter­ drückend. (Fortsetzung folgt.) Nun, gute Nacht, liebes Mütterchen! Mor­ gen schreibe tdj. mehr. Gut, daß ich das Ueber# seepapier habe; da kann ich dir für einfaches Porto immer eine ganze Menge berichten. Ter Mond scheint gerade über die Baumwipfel in mein Zimmerchen — ich sage ihm viele Grüße für Euch, Ihr Lieben . . . Erich ist jetzt vielleicht gerade noch, mal in seinem Revier. Ach, ich denke so viel an Euch! In den nächsten Tagen wird Graf Rüdiger er­ wartet, der Bruder meines Chefs. Auf ihn bin ich sehr neugierig. Sissi spricht begei-! stert von ihrem Onkel! — Nun gute Nacht und schöne Grüße! Eure Lore." 10. Kapitel. Ter Diener setzte die Obst- und Konfektschalen nebst den dazugehörigen Tellern aus neu Tischbesen die Krümel von dem weißen den Tisch., nachdem er mit dem silberbeschlageDamasttuch, entfernt hatte. Gräfin Lella nahm eine -Almeriatraube, pflückte mit den zierlichen Fingern eine Beere nach der anderen ab und führte sie langsam zum Munde. f M 1 ! I | | "Bitte, Fräulein Berger, wollen Sie mir den Apfel zurechtmachen?" 1 Graf Allwörden legte einen köstlichen Calvilleapsel auf einen Teller und sah zu, wie Lores schlanke Hände ihn schälten. ; ────────── Hengersberg, 31. Juli. (Wieder eine.) Wo­ gen unerlaubten Verkehrs mit einem franzö­ sischen Kriegsgefangenen, der nicht ohne Fol­ gen blieb, wurde die Privatierstochter He­ lene Schlechtermüller von hier vom Landge­ richte Teggendorf zu 6 Wochen Gefängnis ver­ urteilt. Herzogsreut, 31. Juli. (Blitzschlag.) In Schlichtenberg schlug der Blitz in das Sägewerk der Frau Therese Seidl am Dachfirste ein. Der im Dachgebälk befindliche Sägemehlstaub fing schon zu brennen an, konnte aber durch die rasch herbeigeeilte Hilfe sofort gelöscht werden, wodurch ein großes Brandunglück vermieden wurde. Teggendorf, 1. 'Aug. (Tier Bisamrattenfän­ ger) Joses Neudorfer hat seit Neujahr bereits mehr als 70 Bisamratten gefangen, darunter viele trächtige, die bis neun Junge geworfen hätten. Ihre Vermehrung ist also eine furcht­ bare und der von den Tieren angerichteteScha-, den unglaublich!. Tie Tiere sind auch sehr schlau und somit ist die Arbeit eines Bisamfängers nicht leicht. Man darf also mit Recht dem obengenannten Fänger gratulieren zu seinem Erfolge. Niederbayerische Nachrichten. ────────── Schon wieder ein Raubzug in die Ge­ filde der Geldbeutel und Kassenschränke! So wird der freundliche oder gar etwas unfreundli­ che Leser denken, wenn er obigen Titel liest. "Opfert man denn nicht ohnehin das ganze Jahr nicht nur den Kriegswucherern, sondern auch, für wohltätige und gemeinnützige Zwecke, für Htndenbnrg-, und Ludendorfs säende, für Säuglinge und Erwachsene, für Kinder und Greise, daheim, auf der Straße, in Wirtschaft ten, Theater- und Konzertsälen, in Kirchen und Schulen? Geht nicht jahraus jahrein der Klingelbautel herum und wird er uns nicht fortwährend unter die Nase gehalten? Und wer zahlt mir meineSteuern? Meine,Ruh will ich, haben". Ja, lieber Leser, Tu hast recht, aber Tu hast auch! Unrecht. Wahr ists, daß der Klingelbeutel fleißig umgeht im TeutschenReich und daß sein Glöckchen Dich immer wieder aps dem Schlaf stört, den Tu vielleicht wäh­ rend der ernsten Predigt, die der Krieg Tir hält, pflegen möchtest. Wahr ists, daß man unseren heimkehrenden Helden, insbesondere den Krtegsbeschiwigten und ebenso den Krieger­ witwen und Waisen sticht aus Sttftungsmitteln und Almosen, sondern aus dem Reichssäckel das geben sollte, woraus sie Anspruch! haben. Aber kann das Rote Kreuz dafür, daß es nicht jo ist? Nein. Und was hat das Rote Kreuz mit Hindenburg- und Ludendorff- und Jubiläumsspenden zu tun? Nichts, rein gar nichts. Opfertag 1918. Und darum wurden während dieses ganzen l Jahres auch keine Geldsammlungen vom Roten I Kreuz und für dasselbe veranstaltet, sondern l für andere Zwecke. Tarum hast Tu auch, Un-, I recht, lieber Leser, wenn- Tu unwirsch wer-, I den solltest, weil demnächst das Rote Kreuz, * bet Tir anklopft und auch! für sich um eine Gabe bittet .Und es bittet ja auch, nicht für sich! selbst, sondern für die verwundeten Sol­ daten in den Etappenlo!zavetten und in den Lazarettziigen, für die Schwestern vom Roten Kreuz, die draußen in der Etappe, nicht in | der Heimat, den verwundeten, kranken und sterbenden Helden beistehen, ihre eigene Ge­ sundheit opfern und der Erholung bedürfen, für die Kriegsgefangenen in Feindesland,von denen Tu jo oft lieft und hörst, wie bedürftig sie der Hilfe sind, für wohlttäige Zwecke in Tel-, ner Gemeinde, damit auch, daheim der Not der Kriegersftauen und Kriegerwitwen, der Krie­ gerkinder und Kriegerwaisen nach, Bedarf und Möglichkett gesteuert werden kann. Ter "V0kter Staat", dem man so gerne alles aufbürden möchte, kanns ja allein nicht schassen, er muß seine Kinder zu Hilfe rufen, damit er allen An-, sprächen gerecht werden kann. Oder soll er vielleicht neue Steuern erheben? Tja würdest Tu vielleicht wieder brummen, denn eine ein­ mal erhobene Steuer wirst Tu schwer wieder los werden, so schwer wie ein Mädchen, dem Tu das Heiraten versprochen hast. Was TU los werden kannst, ist höchstens Tein Geld., Und wenn Tu es doch los werden sollst, so entledige Tich desselben freiwillig durch eine Steinern Vermögen, Djeinem Einkomwen und Seinen Familienverhältnissen entsprechende Gabe am kommenden Opfertag. Laß Tich! nicht abhalten durch das Gerede Anderer, die mit Steinen nach! dem Roten Kreuz werfen. T« gibt es Leute, di« jagen: So lange dieser oder jener draußen im Tienste des Roten Kreuzes steht, gebe ich fürs Rote Kreuz keinen roten Heller. Es mag sein, daß vielleicht der eine oder andere nicht am richtigen Platz steht, es niögen auch« beim Roten Kreuz, wie bei allen menschlichen Einrichtungen Fehler vor­ kommen, citier Irrtümer gibt es Überall und wer sich noch nie geirrt hat, der muß erst ge­ boren werden. Höre nicht auf die Uebelwol-, lenden, die an Kleinigkeiten sich, klammern, die Mücken seien und Elesänten sehen, wo nur ein Floh hüpft: höre vielmehr auf diejenigen. Die das große allgemeine Wohl im Auge ha­ ben und das rein Menschliche, das mitunter-! läuft, so wenig ausrotten können, wie die Säufe in den Schützengräben und Unterständen. Soll etwa unsere prächtige Armee deshalb nichts taugen, weil auch! sie Verräter und Fahnen­ flüchtige in ihren Reihen zählt? Warum willst Tu das Rote Kreuz verwerfen deshalb, weil vielleicht da oder dort ein Angehöriger dessel­ ben nicht am testen Platze ist oder sich Tinge zuschulden kommen läßt, die niemand billigt, auch, nicht die Leiter des Roten Kreuzes selbst? Splitterrichter sind immer schlechte Richter ge­ wesen und der beste Besen ist der, der vor der eigenen Türe kehrt. Tu wirst ja das Teutsche Volk daheim auch, nicht deshalb für schlecht halten, weil Tu Tir beim Huberbauern hie und da ein paar Eier oder beim Hansgirgel ein Pfund Butter hamsterst, obwohl das ja auch nicht recht ist. Ich mache es wie Tu. Mache Tu es wie ich: Ich tue am Opfertag Buße und opfere für das Rote Kreuz in der Etappe, für die Kriegsgefangenen in Feindes-, land, für die Schwestern draußen in den Etap­ penlazaretten und für die örtliche KriegswohlfahrtspsleA. Und wenn dann später die Weihnachtsspende für unsere tapferen Soldaten kommt, dann opfere ich noch einmal und sage nicht, daß mir die ewige «Sammlern zu viel wird, son­ dern ich 'sage: Buße muß sein. i ────────── Aus Amerika. Improvisierte amerikanische Soldaten. Bern, 1. Aug. In einem aus einem atlanttschen Hafen datierten Bericht an die "Jtalia" heißt es u .a., daß die ankommenden ame-, rikanischen Truppen zwar tadellos ausgerüstet seien und daß ihre Organisation Erstaunliches leiste; man müsse aber offen sagen, daß, wenn die Teutschen diesen neuen Gegner auch ernst­ liche in ihre Rechnung einstellen müßten, die Amerikaner doch, mir improvisierte Soldaten seien, die militärische erst geschult und mit Of­ fizieren versehen werden müßten. Trotz des un­ zweifelhaft guten Willens der Amerikaner sei ihrer Mitwirkung dadurch, eine Grenze gesteckt. Amerikanische Frjcdenswetten. Wie die Teutsche Ztg. berichtet stehen in Newhork die Wetten für einen Frieden im De­ zember 1918 tote 3 zu 2, für einen Frieden 1919 tote 9 zu' 1 und für Beseitigung der U Bootsgefahr in den nordamerikanischenGewässern bis 15. August wie 5 zu 1.